Don Quijote

Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen; mit ihr können sich nicht die Schätze vergleichen, welche die Erde in sich schließt noch die das Meer bedeckt." 1 

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Inhaltsangabe

    Im Jahr 1605 veröffentlicht der Autor Miguel de Cervantes den Roman "El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha" Originaltitel im Deutschen: "Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha"). Der Einfachheit halber ist der Roman vorwiegend unter dem Namen "Don Quijote" bekannt. Die gleichnamige Hauptfigur des Romans, Don Quijote, und seine Abenteuer sind so bekannt geworden, dass Cervantes 1615 eine Fortsetzung seines Meisterwerks, "Segunda parte del ingenioso caballero Don Quijote de la Mancha" veröffentlichte.

    "Don Quijote" gilt als Cervantes' bedeutendstes Werk. Warum das so ist? Der Roman ist eine Ritterromanparodie, die durch die ironische Schreibweise und lustige Gestaltung der Charaktere für viele Lacher sorgt. Im Zentrum steht dabei die fantasiereiche Leseratte Don Quijote, die ein berühmter Ritter werden will, genauso wie die Hauptfiguren in seinen Lieblingsromanen.

    "Don Quijote" – Zusammenfassung

    Der Roman "Don Quijote" gilt als eines der wichtigen, wenn nicht sogar das wichtigste Werk der spanischen Literatur. Es ist zwar im Zeitalter der Renaissance entstanden, stellt jedoch mit dem Handlungsspielraum des Rittertums ein beliebtes Motiv des Mittelalters in sein Zentrum. In zwei Teilen begleiten die Lesenden dabei den Landadeligen Alonso Quijano, Don Quijote, bei seinen (in seiner Vorstellung viel dramatischeren) Abenteuern.

    Die zwei Teile des Romans "Don Quijote" enthalten fast über 1000 Seiten. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Im Grunde ist der Zweiteiler wie folgt aufgebaut:

    "Don Quijote": 1. Teil ("El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha")

    • 52 Kapitel
    • Kapitel 1: Exposition (Einführung)
    • Kapitel 2-5: die erste Ausfahrt
    • Kapitel 6: Intermezzo (Zwischenspiel)
    • Kapitel 7-52: die zweite Ausfahrt

    "Don Quijote": 2. Teil ( "Segunda parte del ingenioso caballero Don Quixote de la Mancha")

    • 74 Kapitel
    • Kapitel 1-7: Exposition (Einleitung)
    • Kapitel 8-72: die dritte Ausfahrt
    • Kapitel 73-74: Besinnung & Tod

    Im Folgenden findest Du die einzelnen Handlungsstationen im Detail:

    Exposition (Teil I, Kapitel 1)

    Die Hauptfigur Alonso Quijano lebt in der Mancha in Spanien. Das ist eine spanische Provinz. Er ist circa 50 Jahre alt und ein riesiger Fan von Ritterromanen. Er glaubt außerdem, dass alle Rittergeschichten auf wahren Begebenheiten basieren und will selbst ein glorreicher Ritter werden.

    Auf der Suche nach einem Lebenssinn und einer ordentlichen Portion Abenteuerlust nennt sich die Hauptperson kurzerhand Don Quijote, putzt eine rostige Ritterrüstung und sattelt sein edles Ross, einen alten Wallach, den er Rocinante tauft. Schließlich macht er sich auf den Weg zu seinem ersten Abenteuer.

    Die erste Ausfahrt (Teil I, Kapitel 2–5)

    In den nächsten Kapiteln lernen die Leserinnen und Leser Don Quijote und seine blühende Fantasie besser kennen: Alles, was ihm auf seinem Ausflug begegnet, bringt er mit dem Rittertum in Verbindung. So will er sich von einem Wirt zum Ritter schlagen lassen und stellt sich Prostituierte als Burgfräulein vor.

    Außerdem wird Don Quijote klar, dass ein fahrender Ritter um eine Dame werben muss. Kurzerhand entschließt er sich dafür, ein Bauernmädchen aus dem Nachbardorf als sein "Fräulein" zu verehren. Er gibt ihr den Namen Dulcinea von Toboso. Da Quijote sich selbst als edlen Ritter ansieht, der gegen alle möglichen Gefahren kämpft, kommt es zu einigen Missverständnissen mit verschiedenen Dorfbewohnenden. Als sich Don Quijote deswegen eine Tracht Prügel einfängt, kehrt er vorerst nach Hause zurück.

    Das Werben um ein Fräulein im Mittelalter nennt man auch Minne. Daher kommt auch der Begriff des Minnesangs.

    Intermezzo: Die Bücherschau (Teil I, Kapitel 6)

    Nach Don Quijotes Rückkehr steht für seine Freunde und Hausangestellten eines fest: Er ist vollkommen verrückt geworden. Schuld daran sind seine ganzen Rittergeschichten, die er für bare Münze hält. Daher beschließen sie, alle Bücher zu verbrennen und den Eingang zu Quijotes Herzstück, seiner großen Bibliothek, zuzumauern. Ihrem Freund erzählen sie jedoch, dass ein Zauberer alle Bücher weggezaubert hat.

    Der Plan geht leider nicht auf: Don Quijote wittert ein weiteres Abenteuer und möchte den Zauberer aufspüren.

    Die zweite Ausfahrt (Teil I, Kapitel 7–52)

    Bei seinem zweiten Abenteuer ist Don Quijote allerdings nicht mehr allein. Er lernt einen gutmütigen, dicken Bauern kennen, den er unter dem Namen Sancho Panza als seinen Schildknappen mit auf Abenteuer nimmt. Im Gegensatz zu Quijote ist Sancho nicht von seiner Fantasie geblendet und äußert immer wieder Zweifel an ihren Taten, die oftmals keine Heldentaten sind.

    Ein Schildknappe war im Mittelalter ein meist junger Mann, der bei einem Ritter sozusagen in die Lehre gegangen ist. Er hat sich also selbst zu einem Ritter ausbilden lassen. Da er meistens den schweren Schild seines Ritters getragen hat, wurde er "Schildknappe" genannt.

    Auf ihrer Reise treffen sie auf eine Gruppe von Riesen, die sie bekämpfen müssen. Dass es sich dabei allerdings um Windmühlen handelt, deren Flügel sich im Wind drehen, versteht anfangs nur Sancho Panza.

    Auch auf ihrem weiteren Abenteuer verwickelt Quijotes blühende Fantasie die beiden in so manche Schwierigkeiten. Meistens enden diese damit, dass die beiden verprügelt werden. Quijote gibt sich schließlich, auf Anraten Sanchos, den Beinamen "Ritter von der traurigen Gestalt". Die anderen Dorfbewohnenden machen sich immer mehr Sorgen um Don Quijote, den sie für vollkommen verrückt halten und ihn nach Hause schicken wollen. Am Ende wird Quijote daher vom Dorfpfarrer und dem Barbier (ein etwas veralteter Begriff für "Friseur") überlistet und nach Hause gebracht.

    Dritte Ausfahrt (Teil II, Kapitel 8–72)

    Die dritte Ausfahrt ereignet sich im zweiten Teil des Romans. Nachdem Don Quijote sich zu Hause von den Strapazen seines Abenteuers erholt, erfährt er, dass ein Buch über ihn geschrieben wurde. Angespornt von ihrem neuen Ruhm machen Quijote und Sancho sich erneut auf die Suche nach dem nächsten Abenteuer.

    Diesmal wollen sie zu Quijotes Fräulein reisen, Dulcinea von Toboso. Als sie jedoch dort ankommen, erkennt Quijote, dass es sich bei seiner Herzdame nur um ein einfaches Bauernmädchen handelt und reist mit Sancho weiter nach Saragossa, wo ein Ritterturnier stattfinden soll. Sie begegnen einem Herzog, der das Buch über Quijote gelesen hat und die beiden zu sich nach Hause einlädt. Allerdings machen sich der Herzog und seine Belegschaft über Quijotes "Wahn" lustig und so reisen die beiden Abenteurer nach einiger Zeit wieder ab.

    Schließlich begegnen sie dem "Ritter vom silbernen Mond", der Quijote bei einem Duell besiegt. Dieser nimmt Don Quijote das Versprechen ab, wieder nach Hause zurückzukehren. Was die beiden jedoch nicht wissen: Der Ritter vom silbernen Mond ist ein Freund des Dorfpfarrers und des Barbiers, der ihnen dabei hilft, Quijote und Sancho nach Hause zu lotsen.

    Besinnung & Tod (Teil II, Kapitel 73–74)

    Wieder zu Hause angekommen, wird Quijote sehr krank. Als er bereits im Sterben liegt, erkennt er plötzlich, dass seine großen Abenteuer nur in seiner Fantasie existieren haben und er gar kein edler Ritter ist. Mit dieser Erkenntnis stirbt Don Quijote schließlich am Ende des Romans.

    Diese Offenbarung, die Don Quijote am Ende des Romans erlebt, ist ein populäres literarisches Stilmittel. Es wird auch Epiphanie genannt.

    "Don Quijote" – Figurenkonstellation

    Obwohl die Handlung in Cervantes' "Don Quijote" ziemlich verwoben ist, gibt es nur eine kleine Handvoll wichtiger Figuren. Diese tauchen an bestimmten Stellen des Romans immer wieder auf und führen die Lesenden durch die Handlung.

    Don Quijote de la Mancha – die Hauptperson

    • richtiger Name: Alonso Quijano
    • dürrer Mann mittleren Alters
    • hat eine riesige Bibliothek und liebt Rittergeschichten
    • ein begeisterter Leser und sehr intelligent
    • will selbst ein edler Ritter werden und bestreitet daher einige Abenteuer
    • kann im Verlauf der Handlung zwischen der Realität und seiner Fantasiewelt, in der er als Ritter lebt, immer schlechter unterscheiden
    • erkennt schließlich auf seinem Sterbebett, dass alle Geschichten seiner Fantasie entsprungen sind

    Don Quijotes Gefährte – Sancho Pansa

    • Name bedeutet Sancho "Bauch"
    • dicklicher Bauer, der Quijote als Schildknappe auf seinen Abenteuern begleitet
    • existiert sowohl in Quijotes Fantasiewelt als auch in der Realität
    • fungiert oft als Brücke zwischen den beiden Welten und Stimme der Vernunft
    • ist zwar nicht so intelligent wie Quijote, dafür aber sehr weise, loyal und gütig, trotz seiner einfachen Herkunft

    Don Quijotes Angebetete – Dulcinea del Toboso

    • tatsächliche Existenz ist fraglich
    • dulce = "süß"
    • inspiriert von einem einfachen Bauernmädchen
    • personifiziert Quijotes Abenteuerlust und Vorstellungswahn, denn sie ist der Grund für seine Taten, allerdings hat er sie nie wirklich getroffen

    Don Quijotes Pferd – Rocinante

    • Name bildlich: rocín = "Gaul" und antes = davor: vorher war es ein "einfacher Gaul"
    • Quijotes altes Pferd, das er zum hohen Ross aufzäumt
    • steht für Quijotes Fantasiewahn

    "Don Quijote" – Erzählperspektive & sprachliche Gestaltung

    "Don Quijote" ist in zwei Teilen aufgebaut, die in jeweils 52 (erster Teil) und 74 (zweiter Teil) Kapitel unterteilt sind. Die Handlung in "Don Quijote" wird von einem Ich-Erzähler wiedergegeben. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine der Figuren, sondern einen über der Geschichte stehenden Erzähler. Es gibt hier also zwei unterschiedliche narrative Ebenen, die man auch vereinfacht als Rahmen- und Binnenhandlung beschreiben kann.

    Die Binnenhandlung ist die eigentliche Handlung des Romans. Diese wird von der zweiten Ebene, der Rahmenhandlung umrahmt, in welcher der Erzähler seine Geschichte erzählt.

    Durch viele Monologe und Dialoge kommen außerdem ganz unterschiedliche Figuren zu Wort. Auf ironische Weise nimmt die Erzählerfigur außerdem Distanz zu den Figuren (vor allem Don Quijote und Sancho Pansa) ein, was "Don Quijote" zu einer Parodie macht.

    Als Parodie wird ein literarisches Werk bezeichnet, das ein anderes Werk oder Genre auf übertriebene Weise nachmacht, oft, um sich über die darin vorhandenen Stereotype lustig zu machen. Bekannte Parodien, die Du vielleicht kennst, sind das "Scary Movie"-Franchise oder "Der Schuh des Manitu".

    "Don Quijote" – Interpretationsansätze

    Einfach gesagt, geht es in "Don Quijote" um das Verhältnis zwischen Realität und Fiktion. Dafür werden die beiden Figuren Don Quijote und Sancho Pansa repräsentativ gegenübergestellt. Zusammen geben sie ein Duo ab, das in späteren Werken auch immer wieder aufgegriffen werden: Der (große), intelligente Verrückte und der (dicke), etwas dümmliche Bodenständige. Don Quijote verkörpert hier die Seite der Fiktion, der Illusionen und Ideen. Sancho Pansa ist andererseits die Stimme der Vernunft, der die Seite der Realität verkörpert.

    Moderne Beispiele für solche Duos sind zum Beispiel:

    • Ernie und Bert aus der "Sesamstraße"
    • Laurel und Hardy aka "Dick und Doof"
    • Frodo und Sam aus "Herr der Ringe"
    • Spongebob und Patrick aus "Spongebob Schwammkopf"

    "Don Quijote" Zentrale Themen, Motive & Symbole

    Wie Du gesehen hast, kann man "Don Quijote" auf ganz unterschiedliche Weisen interpretieren. In der Literaturwissenschaft gibt es keine einheitliche Lesart, sondern viele verschiedene Ansätze. Warum das so ist? In diesem Roman gibt es viele Stilmittel, die je nach Lesart gedeutet werden können.

    "Don Quijote" behandelt eine ganze Reihe an zentralen Themen, Motiven und Symbolen, die Du entweder allein oder im gesamten Kontext des Romans analysieren kannst. Hier siehst Du die wichtigsten literarischen Stilmittel in "Don Quijote":

    Illusion & Realität

    Die Frage danach, was Realität ist, ist die zentrale Leitfrage in Cervantes' Roman. Quijote ist durch das Lesen in einen Wahn verfallen und glaubt, dass die Geschichten seiner geliebten Ritterromane wirklich passiert sind. An die Realität erinnert wird er vorwiegend durch seinen Weggefährten Sancho Pansa, der als Art Stimme der Vernunft dient.

    Besonders deutlich wird die verschwimmende Grenze zwischen Realität und Fiktion in der Figur Dulcinea. Für Quijote ist sie zwar der Antrieb für all seine Heldenfahrten, aber ihre eigentliche Existenz wird im Roman nie bewiesen. Den Leserinnen und Lesern bleibt selbst überlassen, zu entscheiden, ob Dulcinea lediglich ein Produkt aus Quijotes Fantasie ist.

    Die Frage nach der Ehre

    Da es sich bei "Don Quijote" um einen Ritterroman (wenn auch um eine Parodie darüber) handelt, ist natürlich auch das Motiv der Ehre nicht weit. Quijotes Besessenheit mit der Ehre bringt ihn oft in verzwickte Situationen. Besonders wichtig ist, dass hier Ehre nicht gleichbedeutend mit sozialem Status ist. Während sich der Herzog und seine Gefolgsleute auf Quijotes Kosten lustig machen, wird vor allem der niederklassige Sancho als ehrenvoll und loyal dargestellt. Er macht sich nämlich, im Gegensatz zu dem Herzog und seinen Gefolgsleuten, nie über Quijote lustig.

    Klassenkonflikt

    Im Allgemeinen kann man "Don Quijote" als sozialkritisches Werk interpretieren. In Cervantes' Roman werden vor allem auch die Aristokraten in die Kritik genommen, wenn der Herzog und seine Frau sich über Quijote und seine Wahnvorstellungen lustig machen. Hier wird die Annahme untergraben, dass sich Leute in einer höheren Klasse automatisch ehrenvoll und vornehm verhalten. Zu Zeiten der Veröffentlichung von "Don Quijote", im frühen 17. Jahrhundert, war das ein ziemlich radikaler Gedanke.

    Unter dem Begriff "Aristokratie" versteht man eine Herrschaftsform, bei der die reiche Bevölkerung an der Macht ist, die sogenannten "Aristokraten". "Geld regiert die Welt" könnte sozusagen der Leitspruch eines aristokratischen Systems sein.

    Literatur

    Die Rolle der Literatur in "Don Quijote" ist ambivalent. Das bedeutet, es werden sowohl die positiven Auswirkungen des Lesens, als auch dessen Gefahren behandelt. Einerseits ist Quijote ein sehr intelligenter Mann, der in seiner riesigen Bibliothek einige der berühmtesten Romane aller Zeiten aufbewahrt. Er ist allerdings auch völlig verblendet von seiner Fantasiewelt, die er durch das Lesen entwickelt hat und kann kaum mehr zwischen Wirklichkeit und Fantasie unterscheiden.

    Außerdem ist "Don Quijote" ein sogenannter Metaroman. Das bedeutet, dass die Literatur und das Lesen auch innerhalb der Handlung eine große Rolle spielen. So unterhalten sich die Figuren beispielsweise über den Roman von Cervantes, also genau über das Buch, das Du gerade liest.

    Schlüsselszenen in "Don Quijote"

    So wie die meisten literarischen Werke, gibt es auch in Miguel de Cervantes' Roman einige Schlüsselstellen, die oft analysiert werden. Die wichtigste Szene in "Don Quijote" ist dabei der sogenannte Kampf gegen die Windmühlen, der oft ganz genau analysiert wird. Aber warum ist das so?

    "Don Quijote" Windmühlen

    Der Kampf gegen die Windmühlen ist ein Handlungselement in der zweiten Ausfahrt (Teil I, Kapitel 7–52) und gilt als die wichtigste Episode des Romans. Darum geht es genau:

    Auf der Suche nach dem nächsten großen Abenteuer treffen Don Quijote und Sancho Pansa auf einen kleinen Hügel, auf dem eine Handvoll Windmühlen stehen. In seinem Feuereifer und Abenteuerdurst stellt sich Don Quijote diese Windmühlen jedoch als Horde Riesen vor, gegen die er und sein Gefährte kämpfen müssen. Er stellt sich den Windmühlen mit diesen Worten:

    „O du, wer auch immer du seiest, verwegener Ritter, der du herannahest, um die Waffen des tapfersten Abenteurers zu berühren, der da je sich mit einem Schwert umgürtet, siehe wohl zu, was du tust, und berühre sie nicht, wenn du nicht das Leben lassen willst zur Buße für deine Verwegenheit.“1

    Wie Du siehst, spricht Quijote die Windmühlen direkt an. Er glaubt also tatsächlich, dass er hier Personen und keine Gegenstände vor sich hat. Er kann hier schon nicht mehr richtig zwischen Realität und Illusion unterscheiden.

    Sancho versucht zwar, Quijote von seinem Vorhaben abzuhalten, doch dieser erkennt seinen Irrtum erst, als er im "Duell" mit einer Windmühle von einem ihrer Flügel in die Luft geschossen wird. Die beiden kommen mit einem Schrecken davon.

    Warum ist diese Szene aber so wichtig? Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

    1. Sie verdeutlicht den schwindenden Realitätssinn von Don Quijote. Er ist so von seiner Vorstellung verblendet, dass er die Gefahr, die durch die Windmühlen ausgeht, völlig missinterpretiert und für ein potenzielles Abenteuer sogar sein Leben riskiert.
    2. Hier wird der Unterschied zwischen Quijote und Sancho deutlich. Während Quijote zunehmend den Bezug zur Realität verliert und immer weiter in seine Fantasiewelt abrutscht, dient Sancho als Stimme der Vernunft, die versucht, seinen Gefährten von seinen "Heldentaten" abzuhalten.
    3. Etwas abstrakter gesehen, könnte die Szene auch als (aussichtsloser) Kampf gegen den technischen Fortschritt interpretiert werden. So wird diese Stelle oft in modernen Interpretationen gesehen: Don Quijote repräsentiert hier den Aristokratenstand, der durch den zunehmend technischen Wandel (in dem Fall dargestellt durch die Windmühlen) immer mehr Macht verliert. Die Aristokraten versuchen (wenn auch vergeblich) gegen diesen Machtverlust anzukämpfen, genauso wie Quijote im Roman gegen die Windmühlen.

    Es gibt die weitverbreitete Annahme, dass die Windmühlen in dieser Episode tatsächlich existieren. Sie sollen in Consuegra in der Provinz Toledo stehen. Toledo gehört zur autonomen Kommune Kastilien-La Mancha. Dieser Ort wird auch als Don Quijotes Heimat verstanden.

    Über den Autor: Miguel de Cervantes

    Der Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra lebte zwischen 1547 und 1616 und gilt auch als der Nationaldichter Spaniens. Er kam aus einer verarmten adeligen Familie und hatte drei ältere Geschwister.

    Nach seinem Studium der Theologie an den Universitäten in Madrid und Salamanca dient er bei der spanischen Marine. Bei der Seeschlacht von Leopanto wird Cervantes so stark an der linken Hand verletzt, dass er nur noch mit der rechten Hand arbeiten kann. Cervantes scheint vom Pech verfolgt zu sein: 1575 wird er von algerischen Korsarinnen und Korsaren auf seinem Schiff überfallen und verschleppt. Erst fünf Jahre später wird er freigekauft und kann nach Spanien zurückkehren.

    Als er zurück in Spanien ist, heiratet er die 18 Jahre jüngere Catalina de Salazar und versucht sein Glück als Schriftsteller. Allerdings hat er damit zunächst weniger Erfolg und so entscheidet Cervantes sich, wieder bei der spanischen Armada, also die spanische Kriegsflotte, zu dienen. 1594 wird er Steuereintreiber in Malaga und Granada. Wegen einer Steuerveruntreuung landet er allerdings drei Jahre später im Gefängnis, wo er Don Quijote schreibt.

    Der Roman bringt ihm zwar den gesellschaftlichen und finanziellen Erfolg, den Cervantes sich gewünscht hat, allerdings verprasst er das Geld wieder. Nachdem er den zweiten Teil des Romans "Don Quijote" 1615 veröffentlicht hat, verstirbt er im Jahr 1616 verarmt in Madrid.

    Don Quijote – Das Wichtigste

    • "Don Quijote" gilt als eines der wichtigsten Werke der spanischen Literatur und wurde von Miguel de Cervantes, der als spanischer Nationaldichter gilt, geschrieben.
    • Der Roman beinhaltet zwei Teile: "El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha" (1605) und "Segunda parte del ingenioso caballero don Quixote de la Mancha" (1615). Der Einfachheit halber sagt man aber oft einfach nur "Don Quijote".
    • In diesem Roman geht es um die Abenteuer des verarmten Landadeligen Don Quijote, der viele Ritterromane gelesen hat und sich daher selbst als einer der berühmten fahrenden Ritter vorstellt.
    • Die Handlung in "Don Quijote" wird von einem Ich-Erzähler wiedergegeben. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine der Figuren, sondern einen über der Geschichte stehenden Erzähler.
    • zentrale Themen und Motive: Illusion & Realität, Ehre, Klassenkonflikt, Literatur

    • Die wichtigste Schlüsselszene ist der Kampf mit den Windmühlen. Hier wird einerseits der steigende Realitätsverlusts Don Quijotes und andererseits der Machtverlust der Aristokratie durch den technischen Fortschritt behandelt.


    Nachweise

    1. Miguel de Cervantes (1615). Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha. dtv.
    2. ivypanda.com: What Makes Don Quixote a Parody of Chivalric Romance. (19.09.2022).
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Don Quijote

    Warum kämpft Don Quijote gegen Windmühlen?

    Don Quijote kämpft gegen Windmühlen, weil er glaubt, dass es sich dabei um Riesen handelt. Dieses Handlungselement ist so berühmt geworden, dass es heute sogar als Sprichwort existiert: "Gegen Windmühlen kämpfen" bedeutet, vergeblich gegen etwas zu kämpfen, das man nicht ändern oder besiegen kann.

    Wie endet Don Quijote?

    Don Quijote endet mit dem Tod der Hauptfigur. Nachdem Quijote von seinem letzten Abenteuer zurückgekehrt, wird er sehr krank. Als er im Sterben liegt, erkennt er außerdem, dass er sich seine Heldengeschichten nur eingebildet hat. Dieses literarische Mittel nennt man auch Epiphanie.

    Wie heißt der Esel von Don Quijote?

    Don Quijotes Gefährte Sancho Pansa begleitet ihn auf seinen Abenteuern auf einem Esel, da er kein Pferd hat. Dieser hört auf den Namen "Rucio", was einfach "Esel" bedeutet.

    Wie nennt Don Quijote seine Angebetete?

    Don Quijote nennt seine Angebetete "Dulcinea von Toboso", was eine Anspielung auf das spanische Wört für "süß" (=dulce) ist. Er gibt ihr diesen Namen, weil er sich ein gewöhnliches Bauernmädchen als ein vornehmes Burgfräulein vorstellt, dem er als edler Ritter den Hof machen will. 

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