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La peste

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Seit Jahrzehnten ist Albert Camus' Roman "La peste" ("Die Pest") (1947) eine Standard-Lektüre im Französisch-Unterricht – in Deutschland wie in Frankreich. Doch während der Corona-Pandemie konnte er sich einem besonderen Verkaufsboom erfreuen. Ob in Gesundheitskatastrophen oder Kriegen – Camus' Thematik und Philosophie in "La peste" bleiben hochaktuell. Umso mehr ein Grund, sich mit diesem zeitlosen Meisterwerk, seinem berühmten Autor, dem Entstehungshintergrund und der Analyse auseinanderzusetzen.

"La peste" und ihr Autor – Albert Camus

Bevor es detaillierter um das Werk gehen soll, lernst zunächst den Mann besser kennen, der "Die Pest" auf Papier und zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat. Wer ist überhaupt dieser berühmte französische Schriftsteller Albert Camus? Was hat ihn dazu veranlasst, "La peste" zu schreiben?

Albert Camus (1913–1960) war ein französischer Autor und Philosoph. Für sein Gesamtwerk wurde ihm im Jahr 1957 sogar der Literaturnobelpreis verliehen. Damit gilt Camus als einer der bekanntesten und einflussreichsten französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Französische Literatur Albert Camus StudySmarterAbbildung 1: Albert Camus (1957) Quelle: wikipedia.org

Kindheit und Jugend

Camus wird im Jahr 1913 in Mondovi in Algerien (damals noch Teil von Französisch-Nordafrika) geboren. Zwar stammt er aus eher einfachen Verhältnissen, sein Talent wird jedoch schon in der Schule von seinem Lehrer Monsieur Germain entdeckt. Daraufhin studiert der junge Albert Philosophie. Mit 17 Jahren erkrankt er schwer an der Lungenkrankheit Tuberkulose. Wider Erwarten kann er sich davon erholen und fühlt sich von seiner Krankheit dazu inspiriert, mit dem Schreiben zu beginnen.

Politische Aktivitäten und Schriftstellerei in den Kriegsjahren

Während im Europa der 1930er-Jahre faschistische Bewegungen um sich greifen, beginnt Albert Camus sich politisch zu engagieren. Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 unterstützt Camus die antifaschistische Bewegung und tritt der Kommunistischen Partei Frankreichs bei, die er jedoch bald wieder verlässt. Während des Kriegs unterstützt er die französische Widerstandsbewegung.

In den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs arbeitet er als Journalist. Er zieht in die Nähe von Lyon, wo er seine ersten Werke schreibt und veröffentlicht (z. B. sein Werk "L’étranger" ("Der Fremde")). Er lernt auch Jean-Paul Sartre kennen, ein Vertreter der philosophischen Strömung des Existenzialismus, mit der auch Camus in Verbindung gebracht wird (er selbst lehnt diese Zuschreibung jedoch stets ab).

Wenn Du mehr über den Existentialismus erfahren möchtest, klicke Dich gerne zur Erklärung "Französische Literatur" – dort findest Du einen Überblick über alle wichtigen Epochen und Strömungen der französischen Literaturgeschichte.

Politisches Engagement und literarischer Höhepunkt in der Nachkriegszeit

Die Folgejahre stellen die Hauptschaffenszeit Camus' literarischen Werks dar. Es entstehen Bücher wie "La peste" (1947) und "L'hôte" ("Der Gast") (1957). Die Krönung ist die Vergabe des Nobelpreises für Literatur im Jahr 1957. Seit seiner Jugend leidet er jedoch unter den Folgen seiner Tuberkulose-Erkrankung, was seine literarische Produktivität zunehmend einschränkt. Trotzdem ist Camus weiter politisch engagiert, versucht im Algerienkrieg (1954–1962) zu vermitteln und setzt sich beispielsweise für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

Hast Du vielleicht vor, im Anschluss an "La peste" auch noch das erste Werk von Albert Camus zu lesen? Dann lies Dir doch die Erklärung zu "L'étranger" ("Der Fremde") durch.

Tod und Nachleben

Am 4. Januar 1960 stirbt Camus mit 46 Jahren bei einem Autounfall in Frankreich. Bis heute prägen sein literarisches Schaffen und seine Philosophie nicht nur den Französischunterricht, sondern auch die Literatur der Gegenwart, philosophische und politische Debatten, unsere Weltsicht und Moralvorstellungen. Sein Werk bleibt stets hochaktuell – Jahrzehnte nach seinem Tod.

"La peste" – Zusammenfassung

Nun aber zu "La peste": "Die Pest" erschien im Jahr 1947, also kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Roman bewegt sich zwischen realistischer Chronik und mythischer Erzählung: Das bedeutet, die Ereignisse werden streng chronologisch beschrieben und sind von tatsächlichen historischen Begebenheiten, wie der Typhus-Epidemie, die zwischen 1941-1942 in Algerien wütete, inspiriert. Nichtsdestotrotz sind die Geschehnisse und Personen frei erfunden, Realitätsbezug gewinnen sie vor allem auch durch ihre metaphorische Symbolik.

Die gesamte Handlung spielt sich in Oran, einer Stadt in Algerien, ab. Dort bricht in den 1940er-Jahren (das genaue Jahr ist nicht bekannt) eine Pestepidemie aus. Zunächst sind es die Ratten, die vom Virus befallen in den Straßen sterben. Allmählich geht die Krankheit auf die Menschen über und breitet sich mit zunehmender Geschwindigkeit in der Stadt aus. Diese wird daraufhin von der Außenwelt abgeriegelt, Sperrstunden werden verhängt.

Der Protagonist und Held des Romans ist der Doktor Rieux, der – wie sich erst am Ende herausstellt – auch der Erzähler der Chronik ist. In seiner Schilderung der Ereignisse zeigt sich, wie unterschiedlich die verschiedenen Charaktere mit der Krisensituation umgehen. Die einen versuchen sich daran zu bereichern, andere sehen darin eine Bestrafung Gottes der Menschheit oder verlieren ihren Glauben, manche entdecken einen neuen Lebenssinn und einige wenige geben sich vollkommen dem Wohl der Anderen hin.

"La peste" – Zusammenfassung der Kapitel

Der Roman setzt sich aus fünf Kapiteln zusammen. Damit gleicht seine Struktur dem Aufbau eines klassischen Dramas (vereinfacht bestehend aus Exposition, Zuspitzung der Handlung, Höhepunkt, Abfallen der Handlung und Auflösung). Daher wird "Die Pest" gerne auch als Theaterstück aufgeführt. Die Kapitel orientieren sich zudem an den Jahreszeiten.

Erstes Kapitel

Die Handlung beginnt im Frühjahr. Der Doktor Rieux entdeckt eine tote Ratte auf seiner Fußmatte. In den nächsten Tagen finden sich immer mehr tote Ratten in den Straßen der Stadt – zum Sterben kommen sie ans Tageslicht. Allmählich steigt die Sorge des Arztes, insbesondere als erste Patienten seltsame Krankheitssymptome aufweisen und nach kurzem, aber qualvollem Leiden versterben. Bald schellen die Fallzahlen in die Höhe. Doch zunächst reagieren die Behörden der Stadt nur langsam, denn sie fürchten, die Bürger und Bürgerinnen in Panik zu versetzen. Die ersten Maßnahmen reichen nicht aus, um das Virus einzudämmen.

Zweites Kapitel

Die Schließung der Stadttore markiert den Anfang einer langen Zeit im Exil, die sich auf das Verhalten der Bewohner und Bewohnerinnen Orans auswirkt. Einige zeigen sich solidarisch und bemühen sich, gegen das Virus zu kämpfen. Sie folgen dem Beispiel des Doktor Rieux, der all seine Zeit und Kraft aufwendet, um seinen Mitmenschen zu helfen. Tarrou, ein wohlhabender Rentner, wird zum Helfer von Rieux. Rambert, ein Pariser Journalist, der sich nichts sehnlicher wünscht, als zu seiner Geliebten nach Paris zurückzukehren, bietet ebenfalls Unterstützung – allerdings um von den seltenen Gelegenheiten zu profitieren, aus der Stadt zu fliehen. Grand, ein Rathausangestellter, entschließt sich ebenfalls zu helfen.

Andere verweigern hingegen ihre Hilfe oder versuchen gar, aus der Krise, zum Beispiel mit Schmuggelgeschäften, Kapital zu schlagen – so Cottard. Der Pater Paneloux sieht in der Epidemie einen Sinn – für ihn ist die Pest eine Warnung Gottes. Diese Sicht lehnt Rieux ab.

Drittes Kapitel

Über den Sommer steigen die Infektionszahlen und der Tod wird zum Alltag. Der Platz, um die Toten zu bestatten, wird knapper. Der Schmerz weicht immer mehr der Niedergeschlagenheit der Bürger und Bürgerinnen – die Pest hat ihnen Hoffnung, Erinnerung und Liebe geraubt. Die Epidemie scheint kein Ende zu haben.

Viertes Kapitel

Der Herbst kommt und das Sterben bleibt konstant. Auch wenn er beim alltäglichen Anblick fast immun gegen all das Leid geworden ist, gibt der Doktor Rieux seinen Kampf gegen das Virus nicht auf. Der Tod eines unschuldigen Jungen erschüttert ihn jedoch besonders. Den Pater Paneloux, der die Pest als Willen Gottes betrachtet, überkommen Zweifel. Eines Tages stirbt er an der Pest, ohne medizinische Behandlung in Anspruch genommen zu haben.

Rieux vertraut sich immer mehr seinen Helfern an. Von Tarrou gefragt, ob es "einen Heiligen ohne Gott" ("un saint sans Dieu") gäbe, erwidert er, dass er einfach versuche, ein Mensch zu sein – weder Held noch Heiliger. Rambert rückt von seinem Plan ab, um jeden Preis aus Oran zu fliehen. Grand erkrankt an der Pest, aber kann genesen.

Der Winter scheint die Pest abzuschwächen. Die Ratten kommen zurück in die Stadt – lebendig.

Fünftes Kapitel

Im Januar erwacht erneut Hoffnung. Doch es gibt noch Todesfälle zu verzeichnen: Trotz der Pflege durch Rieux stirbt Tarrou. Der Doktor wird zudem über den Tod seiner Frau unterrichtet. Im Februar öffnet Oran wieder seine Stadttore. Rambert kann endlich seine Geliebte treffen. Cottard wird verrückt, schießt in die Menschenmenge und wird verhaftet.

Am Ende enttarnt sich Rieux als Erzähler der Chronik und Zeuge im Kampf der Menschheit gegen das Böse. Während der Rest der Stadt die Tragödien des letzten Jahres feiernd zu vergessen scheint, beobachtet Rieux die ausgelassene Menge von seinem Balkon und schlussfolgert: Das Pest-Virus wird nie ganz aussterben, das Glück der Menschen bleibt stets bedroht.

"La peste" – Personenbeschreibung

Kurze Charakterisierungen der wichtigsten Figuren in "La peste" zeigen auf welche Handlungsmöglichkeiten verschiedenen Menschen in einer Krise zurückgreifen. Die jeweiligen Charaktere stehen dabei stellvertretend für bestimmte Personengruppen der menschlichen Gesellschaft, die Camus in seiner Philosophie unterscheidet. Die Bevölkerung Orans dient so als Querschnitt der Menschheit allgemein. Du lernst zunächst Rieux kennen, den Protagonisten des Romans. Dann folgen die wichtigsten Nebenfiguren.

"La peste" – Analyse von Rieux

Bernard Rieux ist der Protagonist von "La Peste". Er arbeitet als Doktor und ist verheiratet. Seine Frau ist jedoch schwerkrank und befindet sich während der Epidemie nicht in Oran, sondern an einem Ort, wo sie ihre eigene Krankheit auskurieren soll. Rieux ist ein bescheidener und altruistischer (selbstloser) Mensch, der sich stets für das Wohl seiner Mitmenschen aufopfert. Seit dem Ausbruch der Pest ist er, ungeachtet seiner eigenen Gesundheit und Kraft, damit beschäftigt, den Erkrankten zu helfen. Von seinen Mitbürgern und Mitbürgerinnen wird er hochgeschätzt. Rieux gesteht sich und anderen sein eigenes Unwissen über die Krankheit und den Sinn des Lebens ein. Er ist Atheist, er glaubt also nicht an einen Gott.

Er weigert sich, danach zu streben, als Held oder Heiliger gesehen zu werden. Das Einzige, was für ihn zählt, ist, ein Mensch zu sein beziehungsweise sich menschlich zu verhalten – das heißt, seine Aufgabe gewissenhaft auszuüben:

C'est de bien faire son métier.

(Es ist gut, seinen Job zu machen.)

Erst am Ende gibt er preis, dass er der Erzähler der Pest-Chronik ist. Im Werk Camus' steht der Doktor Rieux für Solidarität, Zivilcourage und Nächstenliebe. Damit hat er (nach Camus) die höchste Stufe der Menschheit erreicht – die universale Liebe.

"La peste" – Analyse von Tarrou

Der junge Tarrou ist ein Nachbar des Doktor Rieux, mit dem er sich im Laufe der Handlung anfreundet. Er war politisch sehr engagiert, begibt sich jedoch ins politische Exil, da man laut ihm nichts verändern kann, wenn man nicht auch bereit ist dafür zu töten. Nach Ausbruch der Pandemie gründet er eine Schutztruppe, um den Opfern der Krankheit zu helfen. Kurz vor Ende des Romans erliegt Tarrou seiner Pesterkrankung. Tarrou ist im Roman der Vertreter der Intellektuellen. Er weiß um die Absurdität des Lebens, kann diese Phase jedoch nicht wie Rieux überwinden.

"La peste" – Analyse von Rambert

Rambert arbeitet als Journalist für eine Pariser Zeitung. Sein Charakter macht die wohl größte Entwicklung durch. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Pandemie wünscht er sich nichts sehnlicher, als zu seiner Geliebten nach Paris zurückzukehren. Sein individualistischer Wunsch, glücklich zu sein, wird jedoch im Laufe des Romans vom kollektiven Streben nach Glück abgelöst. Gerade in dem Moment, als es ihm möglich wird, Oran zu verlassen, entdeckt er, dass ihn das Wohlergehen der anderen auch betrifft. Er entschließt sich, weiter zu bleiben und zu helfen. Rambert stellt fest, dass man nur wirklich glücklich sein kann, wenn seine Mitmenschen es auch sind:

Il peut y avoir de la honte à être heureux tout seul.

("Es kann beschämend sein, allein glücklich zu sein.")

"La peste" – Analyse von Grand

Grand ist ein einfacher Rathausangestellter, der es sich zu seinem Lebensziel gemacht hat, einen Roman zu schreiben. Allerdings kommt er nie über den ersten Satz hinaus – er hat eine Schreibblockade. Er ist einer der Ersten, der Rieux seine Hilfe anbietet. Zudem ist er eine der wenigen Personen, die an der Pest erkranken und überleben. Grand repräsentiert das einfache Bürgertum: Er ist bescheiden, aber großzügig und aufopferungsvoll.

"La peste" – Analyse von Cottard

Cottard ist ein wohlhabender Rentner, der einen Suizidversuch begeht und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben will. Mit Schmuggelgeschäften versucht er, aus der Pest für sich persönlich Kapital zu schlagen. Paradoxerweise bringt die Pest ihn der Gesellschaft wieder näher. Daher freut er sich nicht über ihr Ende, sondern wird verrückt. Er schießt um sich und wird deswegen festgenommen. Cottard symbolisiert Selbstbezogenheit und Eigennutz. Er erinnert somit an die Gruppe der Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg, also jene französischen Bürger*innen, die mit dem deutschen Nazi-Regime und der Pétain-Regierung zusammengearbeitet haben, um selbst zu profitieren.

"La peste" – Analyse von Paneloux

Paneloux dient als Jesuitenpater in Oran. Er ist davon überzeugt, dass die Pest dem Willen Gottes entspricht, um die Menschheit zu warnen und zu bestrafen. Seine Predigten haben eine große Reichweite und somit einen wichtigen Einfluss auf die Zivilbevölkerung. Doch im Verlauf der Pandemie und angesichts des Leids unschuldiger Kinder scheinen auch in ihm Zweifel zu wachsen. Am Ende erkrankt er und stirbt. Anhand des Paters als Vertreter der Kirche bringt Albert Camus seine kritische Haltung gegenüber Religion und Glauben zum Ausdruck.

"La peste" – Interpretation

Schließlich lernst Du zwei Interpretationsansätzen von Camus' "Pest" kennen. Zum einen beschäftigst Du Dich mit der historisch-politischen Deutung, zum anderen mit der philosophisch-moralischen Interpretation des Romans. Diese beiden Analyse-Ebenen schließen sich jedoch nicht aus, sie überlagern sich vielmehr. "Die Pest" wird so zur doppelten Metapher. Bereits das Zitat von Daniel Defoe (Autor von "Robinson Crusoe"), das Camus seinem Roman voranstellt, scheint diese Bedeutungsdoppelung zu bestätigen:

Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend etwas wirklich Vorhandenes durch etwas, das es nicht gibt.

– Daniel Defoe

"La peste" – Analyse einer historisch-politischen Metapher

La Peste', dont j’ai voulu qu’elle se lise sur plusieurs portées, a cependant comme contenu évident la lutte de la résistance européenne contre le nazisme.

("In ‘Die Pest’, von der ich wollte, dass sie auf mehreren Ebenen gelesen wird, geht es vordergründig um den Kampf des europäischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.")

– Albert Camus

So kommentierte Albert Camus 1955 selbst den Entstehungshintergrund seines Romans. "Die Pest" kann als Allegorie für den Nazismus (Nationalsozialismus) gedeutet werden – eine schlimme politische Krankheit, ansteckend und tödlich. So wird der Nationalsozialismus auch die "braune Pest" (la peste brune) genannt. Die Bevölkerung Orans steht für die Opfer der Nazis, insbesondere für die jüdischen Opfer. Als die Pest ausgerottet ist, kehren erstaunlich schnell Verdrängen und Vergessen ein.

Cottard kann als Beispiel für einen Kollaborateur gesehen werden, jemand, der das Nazi-Regime unterstützt hat, um sich selbst zu bereichern. Paneloux vertritt die Kirche, die die humanitären Schrecken der Nazis zunächst nicht klar genug verurteilt hat. Rieux, Tarrou und dann auch Rambert stehen für Widerstandskämpfer, die sich gegen die Besetzung Frankreichs durch die Nazis (1940-1944) aufgelehnt haben.

Auf den letzten Seiten ermahnt der Doktor Rieux, dass die Pest des Totalitarismus, auch wenn sie vergangen scheint, nie vollkommen vernichtet ist, sondern immer wieder neu aufkeimen kann.

Rhetorische Mittel: Eine Allegorie ist eine literarische Stilfigur, die als eine besondere Form der Metapher verstanden werden kann. Sie dient dazu, einen abstrakten Sachverhalt oder ein komplexes Konzept durch ein anderes (sprachliches) Bild zu veranschaulichen.

"La peste" – Analyse einer philosophisch-moralischen Metapher

"Die Pest" ist zudem eine Allegorie des Bösen, das in jedem Menschen schlummert. Rieux ist der Stellvertreter für Camus' Ideal der menschlichen Moral: Der Doktor strebt keine eigennützigen Ziele an – er möchte weder als Held noch als Heiliger erkannt werden. Das Einzige, das für ihn zählt, ist seine Aufgaben zu erfüllen und somit ein guter Mensch zu sein:

Ce qui m’intéresse, c’est d’être un homme.

("Was mich interessiert, ist, ein Mensch zu sein.")

– Rieux in "La peste"

Das bedeutet für ihn konkreter, alles zu tun, um andere von ihrem Leid durch das Böse zu befreien. Sein Lebenssinn lautet daher, Nächstenliebe zu zeigen und sich solidarisch zu verhalten. Es ist jedoch nicht er mit seinen Helfern, die das Böse besiegen. Die Pest verschwindet vielmehr von selbst – und sie kann ebenso leicht zurückkehren. Daher müssen die Menschen wachsam bleiben und das Gute, die universale Liebe, verteidigen.

"Die Pest" ist somit auch ein Versuch Camus' die condition humaine, also die moralische Verfassung der Menschen, zu analysieren.

Die Corona-Virus-Pandemie und neue Kriegssituationen zeigen, dass die Thematik von "La peste" und Camus' Philosophie über die moralische Verfassung der Menschheit nie an Aktualität verlieren – ganz im Gegenteil. Man zeigt – wie Rieux –, was Solidarität und Nächstenliebe erreichen kann.

"La peste" - Das Wichtigste

  • Der Roman "Die Pest" ("La peste") aus dem Jahre 1947 wurde von dem französischen Autor und Philosophen Albert Camus geschrieben. Dieser gewann 1957 den Literaturnobelpreis und gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
  • Die Entstehung des Romans wurde von persönlichen Erfahrungen Camus' und den politisch-historischen Ereignissen der Zeit beeinflusst. So wuchs Camus in Algerien auf, wo "Die Pest" spielt.
  • Dort brach in den 1940er-Jahren eine Typhus-Epidemie aus. Camus selbst litt lange unter einer Tuberkulose. Er war außerdem politisch sehr engagiert und setzte sich gegen den in Europa wachsenden Nazismus (Nationalsozialismus) ein.
  • "Die Pest" spielt in den 1940er-Jahren in Oran, einer algerischen Stadt. Diese wird von einer Pest-Epidemie befallen. Die Krankheit geht von den Ratten auf die Menschen über und nimmt die ganze Stadt ein. Oran wird isoliert, die Bevölkerung leidet. Nach einem Jahr und tausenden Todesopfern verschwindet die Pest wieder.
  • Der Doktor Rieux ist der Protagonist des Romans und – wie sich erst am Ende herausstellt – auch der Erzähler. Er repräsentiert das Ideal der Camus’schen Moral: Sein Lebenssinn besteht darin, seinen Mitmenschen uneigennützig zu helfen – im Sinne von Nächstenliebe und Solidarität.
  • Die Nebencharaktere können als Beispiele für andere Typen von Menschen betrachtet werden, aus denen sich die menschliche Gesellschaft zusammensetzt. Die Bevölkerung Orans dient also ein Querschnitt der Menschheit allgemein.
  • Der Interpretation von der "Pest" liegt eine Bedeutungsdoppelung zugrunde. Zum einen verbirgt sich in "La peste" eine historisch-politische Metapher: Es geht um den Kampf des europäischen Widerstands gegen den Faschismus, die "braune Pest".
  • Zum anderen lässt sich "La peste" als philosophisch-moralische Metapher deuten: Sie ist ebenso eine Allegorie des Bösen, das in jedem Menschen schlummert und immer wieder aufkeimen kann.

Häufig gestellte Fragen zum Thema La peste

Die Entstehung von "Die Pest" wurde vor allem von den humanitären Schrecken des Zweiten Weltkriegs und vom Kampf der französischen Widerstandsbewegung gegen die Nazis, "die braune Pest", beeinflusst. Zum anderen nimmt Camus mit "Die Pest" eine Analyse der moralischen Verfassung der Menschheit allgemein vor. 

"Die Pest" spielt in den 1940er-Jahren in Oran, einer Stadt in Algerien. 

"Die Pest" spielt in den 1940er-Jahren. Der genaue Zeitraum wird offen gelassen. 

"Die Pest" wurde vom französischen Schriftsteller und Philosophen Albert Camus geschrieben. Dieser erhielt 1957 sogar den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk und gilt als einer der berühmtesten und einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts. 

Finales La peste Quiz

Frage

Wer hat "Die Pest" geschrieben? 

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Antwort

Der Autor der "Pest" ist der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus. 

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Frage

Wo spielt "Die Pest"? 

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Antwort

"Die Pest" spielt in der Stadt Oran in Algerien. 

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Frage

Wann spielt "Die Pest"?

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Antwort

"Die Pest" spielt in den 1940er-Jahren. Den genaue Zeitraum hat Camus jedoch offen gelassen. 

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Frage

Wer ist der Protagonist von "La peste"? 


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Antwort

Der Protagonist ist der Doktor Rieux. 

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Frage

Wie lässt sich Albert Camus politisch verordnen?

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Antwort

Camus hat im Zweiten Weltkrieg die französische Widerstandsbewegung unterstützt. Zeitweise war er Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. 

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Frage

Mit welcher philosophischen Strömung wird Camus in Verbindung gebracht?


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Antwort

Camus wird mit dem Existentialismus in Verbindung gebracht. Diese Zuteilung hat er selbst jedoch stets abgelehnt. 

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Frage

Welche Ereignisse haben die Entstehung der "Pest" beeinflusst?

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Antwort

  • Der Zweite Weltkrieg mit den humanitären und moralischen Schrecken des Holocausts
  • Der Kampf der französischen Widerstandsbewegung gegen den Nazismus in Frankreich 
  • Die menschliche Moral im Allgemeinen
  • Eine Typhus-Epidemie in Algerien in den 1940er-Jahren 
  • Camus' eigene Krankheit
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Frage

Welche zwei maßgeblichen Interpretationsansätze kann man aus "La peste" ableiten?

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Antwort

  1. Die historisch-politische Ebene: Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit dem Nazismus als "braune Pest", der Nazi-Totalitarismus als tödlicher Virus.
  2. Die philosophisch-moralische Ebene: Oran als Querschnitt der Menschheit, Analyse der moralischen Verfassung der Menschen (la condition humaine), die Pest als Allegorie des Bösen. 
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Frage

Was ist eine Allegorie? 

Nenne zwei Allegorien, die sich in der "Pest" verstecken.

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Antwort

Eine Allegorie ist eine literarische Stilfigur, die als eine besondere Form der Metapher verstanden werden kann. Sie dient dazu, einen abstrakten Sachverhalt durch ein anderes (sprachliches) Bild zu veranschaulichen. 

Allegorien in der "Pest": 

  • die Pest als Allegorie des Nationalsozialismus ("die braune Pest")
  • die Pest als Allegorie für das Böse der Menschheit im Allgemeinen
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Frage

Welche Rolle spielt der Pater Paneloux in der "Pest"?

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Antwort

Der Pater Paneloux dient als Vertreter der Kirche in der "Pest". Anhand seiner Figur übt Camus Kritik an Kirche, Religion und Glauben. 

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Frage

Wieso entschließt sich Rambert dazu, weiter in Oran zu bleiben, als es ihm endlich möglich wird, zu fliehen? 

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Antwort

Rambert entdeckt, dass ihn das Wohlergehen der anderen auch betrifft. Er entschließt sich, weiter zu bleiben und zu helfen. Rambert stellt fest, dass man nur wirklich glücklich sein kann, wenn seine Mitmenschen es auch sind.

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Frage

Wie könnte die Figur des Cottard gedeutet werden?

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Antwort

Cottard symbolisiert Selbstbezogenheit und Eigennutz. Er erinnert an die Gruppe der Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg, die französischen Bürger*innen, die mit dem deutschen Nazi-Regime zusammengearbeitet haben.

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Frage

Welche Werte können als Moral der "Pest" und der Camu'schen Philosophie gesehen werden? 

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Antwort

  • Solidarität 
  • Nächstenliebe 
  • Zivilcourage 
  • Universale Liebe 
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Frage

Wer hat in "Die Pest" die höchste Stufe der menschlichen Moral nach Camus' Philosophie erreicht? 

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Antwort

Doktor Rieux 

Frage anzeigen

Frage

Ist die Pest am Ende des Romans ausgerottet? Wovor warnt Rieux? 

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Antwort

Nein! Laut Rieux wird der Pest-Virus nie ganz aussterben. Deswegen dürfen die Menschen nicht verdrängen, was in der Vergangenheit geschehen ist. Sie müssen sich daran erinnern und daraus lernen. 

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