Allgemeine Psychologie I at Universität Bielefeld

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Woher wissen wir, dass Wahrnehmen und Erkennen nicht ein und dasselbe sind?

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Was versteht man unter top-down und bottom-up Verarbeitung?

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Welche drei Beziehungen zwischen Stimulus, Physiologie und Erleben lassen sich untersuchen?

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Womit befasst sich die Psychophysik?

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Welches sind die drei klassischen Verfahren der Psychophysik? Wie laufen sie ab?

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Welche Schwellen unterscheidet man und wie sind sie definiert?

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Wie geht man bei der Methode der direkten Skalierung vor?

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Wie ist der Weber-Bruch definiert? Was sagt er inhaltlich aus?

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Ist der Weber-Bruch für alle Urteile gleich groß?

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Was ist das Weber-Fechner-Gesetz? Was ist das Stevens-Gesetz?

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Was sind Kompression und Spreizung der Antwortdimension?

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Man kann eine Süßspeise kaum verzuckern, aber eine Suppe leicht versalzen. Erklären Sie dies unter Bezugnahme auf Stevens Potenzgesetz.

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Allgemeine Psychologie I

Woher wissen wir, dass Wahrnehmen und Erkennen nicht ein und dasselbe sind?

Wir wissen, dass Wahrnehmen und Erkennen nicht ein und dasselbe sind aufgrund verschiedener Fallbeispiele und Krankheiten. So ist es Patienten, die unter der Krankheit „Agnosie“ leiden z.B. möglich einen Gegenstand wahrzunehmen, ihn also im Hinblick auf Form, Farbe, Gewicht, etc. exakt zu beschreiben, allerdings können sie ihn nicht mehr passend zuordnen, also nicht erkennen. Dementsprechend zeigt sich, dass man zwischen Wahrnehmen und Erkennen differenzieren muss.

Allgemeine Psychologie I

Was versteht man unter top-down und bottom-up Verarbeitung?

Bei der top-down Verarbeitung hingegen wird davon ausgegangen, dass unsere Informationsverarbeitung von unseren Vorkenntnissen, Erwartungen oder Zielen beeinflusst wird und wir somit das sehen was wir „wollen“.


Bei der bottum-up Verarbeitung geht man davon aus, dass die Informationsverarbeitung durch einen äußeren Reiz begonnen wird und erst daraufhin irgendwann eine Handlung stattfindet. Die Wahrnehmung beginnt also mit dem Reiz.


Ein Beispiel für beide Verarbeitungen ist die Abbildung mit dem B/der 13 aus der Vorlesung. Liest man von links nach rechts und beginnt somit mit einem Buchstaben, erkennt man ein B, liest man von oben nach unten und beginnt mit einer Zahl, erkennt man eine 13.

Allgemeine Psychologie I

Welche drei Beziehungen zwischen Stimulus, Physiologie und Erleben lassen sich untersuchen?

Die 1.Beziehung, die sich zwischen Stimulus und Erleben untersuchen lässt, ist der Aspekt wie Reize in Erleben/Wahrnehmung übersetzt werden, also was für ein Reiz für welches Erleben/welche Wahrnehmung sorgt und wie er das tut.


Die 2.Beziehung, die sich zwischen Stimulus und Physiologie untersuchen lässt, ist der Aspekt wie Nervenzellen auf einen Reiz reagieren, also die Frage was rein körperlich bei einem Reiz/einer Reizveränderung passiert.


Die 3.Beziehung, die sich zwischen Physiologie und Wahrnehmung untersuchen lässt, ist der Aspekt des Zusammenhangs zwischen den Gehirnzuständen und den psychologischen Zuständen, also der Frage inwiefern ein gewisser Gehirnzustand unsere Wahrnehmung beeinflusst bzw. was wir mithilfe eines gewissen Gehirnzustands über die Wahrnehmung aussagen können.

Allgemeine Psychologie I

Womit befasst sich die Psychophysik?

Die Psychophysik befasst sich mit der quantitativen Beziehung zwischen Reizen (Physik) und Erleben (Psyche), d.h. sie untersucht wie Reizveränderungen (empirische Daten) auf das subjektive Erleben (systematische Beobachtungen) auswirken und im Zusammenhang stehen (Reiz-Erleben-Verhalten-Relation).

Allgemeine Psychologie I

Welches sind die drei klassischen Verfahren der Psychophysik? Wie laufen sie ab?

Ein klassisches Verfahren der Psychophysik ist die Herstellungsmethode. Bei der Herstellungsmethode werden die Versuchspersonen gebeten etwas selbst einzustellen/herzustellen. So sollen sie z.B. an einem Regler so lange drehen bis sie keinen Ton mehr wahrnehmen oder mit 3 verschiedenfarbigen Lampen ein Vergleichsfeld zum vorgegebenen Feld kreieren, so dass der gleiche Eindruck (ein Metamer) entsteht. Wichtigstes Merkmal der Herstellungsmethode ist hierbei, dass die Versuchspersonen selbst einen Zustand/die geforderte Intensität herstellen sollen.


Ein weiteres klassisches Verfahren der Psychophysik ist die Grenzmethode. Bei der Grenzmethode wird vom Versuchsleiter/einem Computer die Reizstärke kontinuierlich variiert und die Versuchsperson muss sagen, ob sie den Reiz noch wahrnimmt/erlebt oder nicht („Two-alterative-forced-choice“). Als Beispiel ist hier vor allem der meist bekannte Hörtest zu erwähnen bei dem einem mithilfe eines Kopfhörers immer lauter werden Töne bzw. immer leiser werdende Töne abgespielt werden und man untersucht ab wann bzw. bis wann man einen Ton wahrnimmt. Wichtigstes Merkmal der Herstellungsmethode ist hierbei, dass eine Grenze (Absolutschwelle) zwischen Reizwahrnehmung und keiner Reizwahrnehmung gesucht wird.


Ein drittes klassisches Verfahren der Psychophysik ist die Konstanzmethode. Bei der Konstanzmethode wird, anders als bei den anderen beiden Verfahren, der Reiz, den die Versuchspersonen wahrnehmen sollen nicht kontinuierlich verändert, sondern es werden konstante Reize (z.B. 160, 170, 180, 190, 200, etc. in einer zufälligen Reihenfolge (z.B. 180, 160, 190, 200, 170, etc.) abgespielt. Hierbei ist die größte Reizintensität deutlich überschwellig und die schwächste Reizintensität deutlich unterschwellig. Gemessen wird bei der Konstanz Methode anschließend, wie oft ein bestimmter Reiz durch die Versuchsperson wahrgenommen werden kann, also die relative Häufigkeit. Wichtigstes Merkmal der Konstanzmethode ist also, die Tatsache, dass mit konstanten und nicht kontinuierlich veränderten Reizen in den verschiedenen Trials (Versuchsdurchführungen) gearbeitet wird.

Allgemeine Psychologie I

Welche Schwellen unterscheidet man und wie sind sie definiert?

Man unterscheidet die Absolut- und die Unterschiedsschwelle. Während die Absolutschwelle als Reizintensität, die wenigstens für eine ebenmerkliche Wahrnehmung eines Reizes benötigt wird (also was ebengerade noch wahrgenommen werden kann) definiert wird, ist die Unterschiedsschwelle, die Schwelle, wo der Unterschied in den Reizintensitäten von zwei Reizen, eben gerade noch gemerkt werden kann.


Absolutschwelle 

die Reizintensität, die wenigstens für eine ebenmerkliche Wahrnehmung eines Reizes benötigt wird (also was eben gerade noch wahrgenommen werden kann)


Unterschiedsschwelle

der Unterschied in den Reizintensitäten von zwei Reizen, der eben gerade bemerkt wird

Allgemeine Psychologie I

Wie geht man bei der Methode der direkten Skalierung vor?

Bei der Methode der direkten Skalierung geht man so vor, dass man den Versuchspersonen eine Reizstärke vorgibt (z.B. einen Ton, Reiz der Stärke 10) und sie bittet den Reiz so zu verändern (Herstellungsmethode), dass er doppelt so laut ist oder eine Reizstärke von 20 besitzt. Anders als bei der Grenzmethode wird die Versuchsperson also nicht darum gebeten eine Grenze zu finden, sondern sie soll vielmehr ein Verhältnis aufstellen, also ein direktes Urteil abgeben.

Allgemeine Psychologie I

Wie ist der Weber-Bruch definiert? Was sagt er inhaltlich aus?

Der Weber-Bruch ist definiert als K = JND/Standardreiz bzw. Delta S/S und sagt inhaltlich aus, dass das Verhältnis des Standardreizes und dem ebenmerklichen Unterschied (JND) konstant ist.

Allgemeine Psychologie I

Ist der Weber-Bruch für alle Urteile gleich groß?

Nein, der Weber-Bruch ist nicht für alle Urteile gleich groß, aber innerhalb einer Urteilsdimension (z.B. Gewicht, Länge) sind seine Werte recht konstant.

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Was ist das Weber-Fechner-Gesetz? Was ist das Stevens-Gesetz?

Das Weber-Fechner-Gesetz ist die Formulierung eines Zusammenhangs zwischen Reiz- und Empfindungsstärke mithilfe einer Logarithmusfunktion und besagt, dass die Empfindungsstärke E gemessen in Einheiten des JND (ebenmerklichen Unterschieds) proportional zum Logarithmus der Reizstärke sei.


Das Stevens-Gesetz ist ebenfalls die Formulierung eines Zusammenhangs zwischen Reiz- und Empfindungsstärke, allerdings mithilfe einer Potenzfunktion und besagt, dass der Logarithmus der Empfindungsstärke E gemessen in Einheiten des JND (ebenmerklichen Unterschieds) proportional zum Logarithmus der Reizstärke sei.

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Was sind Kompression und Spreizung der Antwortdimension?

Die Kompression der Antwortdimension bedeutet, dass der Zuwachs der wahrgenommenen Größe kleiner ist als der Zuwachs der objektiv messbaren Reizstärke. Dies sorgt dafür, dass man über einen größeren Wertebereich empfindlich bleibt (z.B. Helligkeitsschätzung).


Die Spreizung der Antwortdimension bedeutet, dass der Zuwachs der wahrgenommenen Größe größer ist als der Zuwachs der objektiven messbaren Reizstärke. Dies soll Schutz vor Gefahr durch zu starke Reize bieten (z.B. Schockschätzung).

Allgemeine Psychologie I

Man kann eine Süßspeise kaum verzuckern, aber eine Suppe leicht versalzen. Erklären Sie dies unter Bezugnahme auf Stevens Potenzgesetz.

Man kann eine Süßspeise kaum verzuckern, aber eine Suppe leicht versalzen, da die Süßspeise und die Suppe eine unterschiedliche Reizstärke S haben. Während eine Süßspeise schon eine hohe Reizstärke S hat, also bereits sehr süß ist, hat eine Suppe eine leichte Reizstärke S, ist also nicht wirklich salzig. Blickt man nun auf Stevens Potenzgesetz (P = K ∙ S^n) sieht man, dass man bei einer hohen vorhandenen Reizstärke S (z.B. im Falle der Süßspeise von 100) eine deutliche Erhöhung der Reizstärke S braucht (z.B. von 100 auf 10.000 bei n = 2) um auch einen Unterschied in der Empfindungsstärke P zu erreichen, während bei einer geringen vorhandenen Reizstärke S (z.B. im Fall der Suppe von 5) nur eine geringe Erhöhung der Reizstärke S notwendig ist (z.B. von 5 auf 25 bei n = 2) um die Empfindungsstärke P zu verändern. Dementsprechend ist es leichter eine Suppe zu versalzen, als eine Süßspeise zu verzuckern.

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