Persönlichkeit at RWTH Aachen

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Was heißt Stabilität?

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Was bedeutet ein g-Faktor der Persönlichkeit?

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Experiment zur Verknüpfung von Umgebung und Belohnung - Versuchsdesign

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Geteilte und nichtgeteilte Umwelteinflüsse

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Eingeschränkte Bedeutung für moderne Persönlichkeitspsychologie

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Fazit, Teil 2: Problematische Dinge, die man im Kopf behalten sollte

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Fazit: Bedeutung faktorenanalytischer Ansätze

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Einseitige Umwelttheorien

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Fazit zu den Big Five und gleichzeitig zum psycholexikalischen Ansatz im Allgemeinen

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Persönlichkeit

Was heißt Stabilität?

Je nach Verständnis, es gibt nicht die eine korrekte Auffassung -> 3 Möglichkeiten, wie Stabilität und ihre Einschränkung zu verstehen sind 


Stabilität über Messgelegenheiten = Stabilität über Messzeitpunkte 

  • Variante A: identisches Messverfahren (z.B. Angst per Selbstbericht) wird in (nahezu) identischen Situationen (z.B. Seminarsitzungen im Laufe eines Semesters) eingesetzt (lediglich zu unterschiedlichen Messzeitpunkten)
  • ist eher eine Frage der Retest-Reliabilität

Stabilität über Messgelegenheiten = Transsituative Konsistenz 

  • nicht immer zu verstehen als identisches Messverfahren in identischen Situationen (lediglich zu unterschiedlichen Messzeitpunkten)
  • Variante B: identisches Messverfahren (z.B. Angst per Selbstbericht) in unterschiedlichen Situationen (z.B. im Hinblick auf: Blutabnehmen, mündliche Prüfung, Schlange, Arbeitslosigkeit)
  • -> Transsituative Konsistenz (gegeben, wenn zu messendes Konstrukt sich über verschiedene Situationen gleich verhält)

Stabilität über Messgelegenheiten = Reaktionskohärenz 

  • Variante C: „Messgelegenheit“ verstanden als unterschiedliche Messverfahren (z.B. Angst per Selbstbericht, Herzrate, Cortisolanstieg, in Gesten) in einer Situation (z.B. in Hinblick auf mündliche Prüfung)
  • Reaktionen auf unterschiedlichen Reaktionsebenen können sehr unterschiedlich stark ausfallen, aber:
    1. es bestehen individuelle Reaktionsprofile
    2. diese können über mehrere Situationen stabil sein

Persönlichkeit

Was bedeutet ein g-Faktor der Persönlichkeit?

Interpretationsmöglichkeit 1: Evolutionäre Fitness folgender Persönlichkeitseigenschaften?

  • ruhig/stabil (Neurotizismus niedrig)
  • aktiv, soziabel, abenteuerlustig und personenorientiert (Extraversion hoch)
  • kooperativ und vertrauensvoll (Verträglichkeit hoch)
  • praktisch, verlässlich, hart arbeitend, ambitioniert, gut organisiert (Gewissenhaftigkeit hoch)
  • anspruchsvoll, kenntnisreich, neugierig, analytisch (Offenheit hoch)

-> höchstens sehr geringe Zusammenhänge mit Lebenserwartung (G+) und reproduktivem Erfolg (E+, N-) → Interpretationsmöglichkeit 1 trifft also höchstens in geringem Maße zu

-> widerspricht unserer wertfreien Auffassung von Persönlichkeitsunterschieden (darf ein bestimmtes Persönlichkeitsmuster evolutionär „gut“ sein?)

-> nicht so guter Ansatz


Interpretationsmöglichkeit 2: Messartefakt: soziale Erwünschtheit in Selbstbeschreibungsinstrumenten 

  • Oben Genanntes ist sozial erwünscht
  • G-Faktor in einem Selbstbeschreibungselement → soziale Erwünschtheit als Gemeinsamkeit
  • anderes schwieriger, sich selbst einzugestehen

-> Globalfaktor:

  • geringe Übereinstimmung von Fremdbeurteilungen
  • hohe Korrelation mit anderen sozial erwünschten Selbstbeschreibungen (z.B. Attraktivität, Intelligenz, sportliche Fähigkeit)

-> besserer Ansatz

Persönlichkeit

Experiment zur Verknüpfung von Umgebung und Belohnung - Versuchsdesign

Gabe eines Dopamin-Boosters (Methylphenidat, DA-Wiederaufnahmehemmer; z.B. Ritalin)

Kann man eine triste Laborumgebung durch Konditionierung zur Verhaltensförderung/Erleichterung (agentischen) extravertierten Verhaltens einsetzen? 


Ablauf:

  • Tage 1–3: Assoziationsphase: Methylphenidat (oder Placebo) assoziiert mit Laborkontext über drei Tage
  • Tag 4: Testtag: unter Gabe von Methylphenidat (denn es geht um die Amplifizierung von Wirkungen der konditionierten Hinweisreize auf motiviertes Verhalten durch DA-Agonist)
  • Tage 5–7: Löschung unter Placebo (Messung der konditionierten Erleichterung durch den Kontext an Tag 5) 

Drei experimentelle Bedingungen: 

  • Methylphenidat in Verbindung mit Laborraum A (=späterer Testraum)
  • Methylphenidat in Verbindung mit abweichendem Raum (B)
  • Placebo

Extremgruppen:

  • hoch vs. niedrig Extravertierte (MPQ)

Videoclips

  • konditionierte kontextuelle Erleichterung/Verhaltensförderung durch Filmclips dienten dazu, Labor A mit der pharmakologischen Wirkung zu assoziieren
  • 3 (zuvor) neutrale Clips variiert in Paarung mit DA-Agonist und Laborkontext 
    • Library: keine Assoziation mit Lab A oder pharmakologischer Wirkung (Kontrolle)
    • Labfront: Assoziation mit Lab A
    • Portrait: Weibliches Gesicht vor Lab A
    • 2 Videos mit hohem oder niedrigen Belohnungsinhalt (Regenwald, Football)

Abhängige Variablen 

  • Finger-Tapping-Geschwindigkeit
  • visuell-räumliches Arbeitsgedächtnis
  • positiver Affekt

-> Auswirkungen des Kontextes (aktiviert durch Videoclips am Testtag) auf die pharmakologische Wirkung auf Verhaltensmaße des Behavioral Facilitation Systems

Persönlichkeit

Geteilte und nichtgeteilte Umwelteinflüsse

  • geteilte Umwelteinflüsse:
    • machen Personenpaare (z.B. Geschwister, Ehepartner) ähnlich
      • z.B. Korrelation zwischen Adoptivgeschwistern
    • Einfluss auf Persönlichkeit kaum vorhanden (<10% Loehlin, 1992)
    • steht im Widerspruch zur Annahme der klassischen Sozialisationsforschung
  • nichtgeteilte Umwelteinflüsse:
    • machen Personenpaare unähnlich
      • z.B. Differenz zwischen der Reliabilität der Eigenschaftsmessung und der Korrelation eineiiger Zwillinge
    • bedeutsamer für Persönlichkeit

Persönlichkeit

Eingeschränkte Bedeutung für moderne Persönlichkeitspsychologie

  • klassische, psychoanalytische Methodik inakzeptabel für empirische Persönlichkeitsforschung
  • Fokus auf psychopathologische Ausprägungen
  • Überbetonung sexueller und aggressiver Triebe (bspw. Vernachlässigung eines Kompetenzmotivs)
  • Energie-/Triebkonzept nicht mit moderner Hirnforschung vereinbar
  • Ausmaß der Fixierung lässt sich nicht vernünftig operationalisieren/messen, Entwicklungsmodell entwicklungspsychologisch widerlegt
  • Ausmaß, in dem ein Abwehrmechanismus wirkt, ist kaum messbar

Persönlichkeit

Fazit, Teil 2: Problematische Dinge, die man im Kopf behalten sollte

  • Man erleidet dabei immer einen Informationsverlust
    • dieser ist umso kleiner, je mehr Faktoren man extrahiert
    • dann aber verfehlt man zunehmend den Zweck der Reduktion
  • Subjektivität der exploratorischen Faktorenanalyse
    • Wahl der Extraktionsmethode, des Abbruchkriteriums, der Rotationsmethode
    • post-hoc-Interpretation/Benennung der Faktoren
  • Auswahl der berücksichtigten Item- und Personenstichproben
    • Anzahl der zu berücksichtigenden Items begrenzt durch mögliche Stichprobengröße
      • ggf. Verzerrungen bei Auswahl einzubeziehender Items
      • ggf. eingeschränkte Stichprobenvarianz

Persönlichkeit

Fazit: Bedeutung faktorenanalytischer Ansätze

  • Faktorenanalytische Ansätze sind bis heute die einflussreichsten und produktivsten innerhalb der Persönlichkeitspsychologie
  • Grundgedanken der Faktorenanalyse sind für praktisch jedes multidimensionale Persönlichkeitsmodell von essenzieller Bedeutung
    • Faktorenanalyse eignet sich zur Reduktion vieler Items auf wenige (latente) Faktoren
    • latente Persönlichkeitsfaktoren -> Wirkung auf breitere Palette von Verhaltensweisen
    • Taxonomien für Persönlichkeit sollten stets Maßnahmen zur Konstruktvalidierung vollzogen haben:
      • Ist Eingliederung bestimmter Persönlichkeitsfacetten in eine bestehende Taxonomie möglich (konvergente Validität)?
      • Lassen sich Persönlichkeitsfaktoren eindeutig von anderen abgrenzen (diskriminante Validität)?

Persönlichkeit

Schritt 2

Sinnvolle Reduktion/Bereinigung

  • linguistische Bereinigung (z.B. Synonyma, wenig gebräuchliche, Fremdwörter)
  • semantische Bereinigung (z.B. physische Merkmale, kognitive Fähigkeiten, Werte/Tugenden, evaluativ positiv vs. negativ konnotierte Wörter)
  • Beispiele:
    • Reduktion der Ausgangsmenge von Allport & Odbert (1936) auf 2800 Eigenschaftsbegriffe
    • weitere Reduktion durch Klassifikation fast synonymer Worte 
    • 430 Adjektive nach Bereinigung von Angleitner, Ostendorf & John (1990; ohne Bewertende Bezeichnungen, Einstellungen, Werthaltungen und körperliche Merkmale)

Persönlichkeit

Einseitige Umwelttheorien

Behaviorismus = Die Umwelt formt die Persönlichkeit


Einseitige Umwelttheorien 

  • psychodynamischer Ansatz
    • elterliches Verhalten -> Fixierung -> individuell unterschiedliche Verhaltenstendenzen
  • behavioristischer Ansatz
    • Kind als „unbeschriebenes Blatt“ -> individuelle Lerngeschichte -> Persönlichkeit
    • klassisches Konditionieren
      • z.B. Erwerb von besonderer Ängstlichkeit vor Fliegeralarm im Zweiten Weltkrieg (Sirenen signalisierten Bombardierung)
    • operantes Konditionieren
      • z.B. Erwerb von besonderer Ängstlichkeit vor Hunden durch mehrfaches Gebissenwerden
    • Beobachtungslernen
      • z.B. Erwerb von besonderer Ängstlichkeit vor Spinnen durch elterliches Modell

Persönlichkeit

Schritt 4

Taxonomisierung 

  • Exploration einer Ordnung auf Grundlage der empirischen Daten
  • viele, mehr oder weniger korrelierende Begriffe in möglichst wenige, möglichst unterschiedliche Gruppen hoch miteinander korrelierender Variablen zusammenfassen
  • Exploratorische Faktorenanalyse (Charles Spearman, 1904; Louis L. Thurstone, 1938)
    • die Anzahl der einem Datensatz zugrundeliegenden Faktoren analysieren
    • ohne Hypothesen bzgl. der Zuordnung der beobachteten Variablen zu den Faktoren

Persönlichkeit

Fazit zu den Big Five und gleichzeitig zum psycholexikalischen Ansatz im Allgemeinen

Pro 

  • bei Weitem größte Wirkung, auch über die Persönlichkeitspsychologie hinaus
  • Vereinheitlichung der vielfältigen Faktornamen, Integration von Forschungssträngen
  • sparsame Taxonomie: wenige, breite Domänen
  • vielfältige, ökonomische, psychometrisch gut gesicherte Skalen
  • faktorenanalytischer Ansatz ist das Maß aller Dinge in der Persönlichkeitspsychologie

Contra

  • Repräsentation alltagspsychologischen Wissens 
    • rein datengeleiteter Ansatz, keine theoriegeleiteten A-Priori-Hypothesen, keine Erklärungen
    • keine Klärung der Frage, wie Persönlichkeit wirklich strukturiert ist
    • kein „Periodensystem der Persönlichkeit“
  • Trugschluss: Vereinfachung durch Faktorenanalyse vereinfachte auch die Verhaltensvorhersage
    1. grobe Faktoren machen auch nur grobe Vorhersagen
    2. breite Persönlichkeitsfaktoren vermögen nur einen Bruchteil der Varianz in beobachtbarem Verhalten vorherzusagen (Mischel, 1968)
  • von der Auswahl des Ausgangsmaterials abhängig
    1. einzelne Eigenschaftswörter reichen zur Beschreibung komplexer Personenbeschreibungen oft nicht aus (auch sind u.a. Verben oder nonverbale Kanäle nicht berücksichtigt)
    2. Reduktion des Item-Pools erfordert linguistische und semantische Expertise (objektiv?)
  • schwierige Vergleichbarkeit über Epochen, Kulturen, Sprachen hinweg -> Universalität ist nicht perfekt
  • (weitgehende) Beschränkung auf Selbstberichtsdaten
    1. Verzerrungen durch Stichprobenauswahl
    2. soziale Erwünschtheit

Persönlichkeit

Schritt 3

Empirische Datenerhebung 

  • bewältigbare Anzahl von Begriffen wird dem Selbst- und/oder Fremdbericht zugeführt


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2. VL: Entwicklungspsych.

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