B4 – Grundstrukturen Der Gesellschaft at FernUniversität In Hagen | Flashcards & Summaries

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Lernmaterialien für B4 – Grundstrukturen der Gesellschaft an der FernUniversität in Hagen

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TESTE DEIN WISSEN

1. Nennen und erläutern Sie die drei Funktionen soziologischer Zeitdiagnosen.

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TESTE DEIN WISSEN

Die vier Funktionen soziologischer Zeitdiagnosen lauten wie folgt:


  • Die konstitutive Funktion
  • Die kognitive Funktion
  • Die expressive Funktion
  • Die evaluative Funktion 


Die konstitutive Funktion der soziologischen Zeitdiagnosen dient zur gesellschaftlichen Orientierung. Nach Max Weber tragen sie zur "denkenden Ordnung des Wirklichen" bei und bieten dadurch Orientierungswissen. Das Ziel hierbei ist es eine ontologische Sicherheit bei der Selbstbeschreibung von Gesellschaften zu erlangen. Fragen zur Charakterisierung hierbei lauten wie folgt: Wann lebst du? Wo lebst du? Wie lebst du? Als was lebst du? Die konstitutive Funktion hilft also dabei die Klassifikation der gesellschaftlichen Erfahrung durch eine anerkannte Begrifflichkeit anzuleiten.


Die kognitive Funktion verleiht der gesellschaftlichen Deutung eines Phänomens ihr wissenschaftliches Fundament. Dieses besteht nicht selten aus einer Gesellschaftstheorie und einer detaillierten historisch-empirischen Analyse, was dafür sorgt, dass die Zeitdiagnose  evidenzbasiert ist. Die kognitive Funktion ist das wichtigste Merkmal soziologischer Zeitdiagnosen.


Mit der expressiven Funktion wird der "Zeitgeist" erfasst und in die Begrifflichkeit eingebunden. Hierbei handelt es sich um eine emotional stimmige, intuitive und pointierte Einschätzung, die sich jedoch nicht auf alle Lebensbereiche der Gesellschaft anwenden lässt (Beispiel: Postmoderne).


Die evaluative Funktion dient dazu Epochen, Gesellschaften, Kulturen oder Charaktere zu beurteilen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Entwicklung, bei der als Maßstab meist ein Ideal zugrunde gelegt wird. Dieses Ideal entspricht jedoch oft nicht der Wirklichkeit, was schnell zu einer Krisenvermutung verleitet, welche wiederum eine gesellschaftliche Kurskorrektur suggeriert.


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6. Erläutern Sie Simmels Unterscheidung von quantitativem und qualitativem Individualismus.

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TESTE DEIN WISSEN

Der quantitative Individualismus entstammt dem Zeitalter der Aufklärung und beinhaltet die Idee der Freiheit des Menschen von der übermächtigen Kirche und Monarchie. Aus dem Kampf gegen die Gewalt der Mächtigen entstand das autonome Individuum und die Werte von Freiheit und Gleichheit, welche sich bis heute im Verständnis von Menschen- und Bürgerrechten wiederspiegeln.


Im qualitativen Individualismus wird die Gleichheit durch Ungleichheit oder Differenz ersetzt und die Freiheit durch das Anderssein geäußert. Der Mensch arbeitet demnach ein Leben lang an seiner Individualität und die Selbstverwirklichung wird zu seinem wichtigsten Anliegen.

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5. Nennen und erläutern Sie die Prozesse gesellschaftlicher Differenzierung nach Simmel.

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Georg Simmel spaltet die Gesellschaft in drei Prozesse auf:

Arbeitsteilung 

Wie beispielsweise Marx sieht Simmel die Arbeitsteilung im Rahmen der Industrialisierung als wesentliches gesellschaftliches Entwicklungsmoment. Entgegen der düsteren Zeitdiagnose des deutschen Sozialismus birgt diese nach Simmel jedoch auch emanzipatorisches Potenzial, indem sie durch das "Prinzip der Kraftersparnis" den Wohlstand erhöht und gleichzeitig den Wettbewerb mildert.

Rollendifferenzierung
Durch den ausgedehnten Wirtschaftskreis und die damit einhergehende Vergrößerung der Gruppen erhöht sich auch die Chance des Einzelnen, eine eigene Individualität auszubilden. Denn in den wachsenden Gruppen bilden sich weitere kleinere Gruppen, was den Einzelnen dazu zwingt, verschiedene Rollenerwartungen zu koordinieren. Diese Position des Einzelnen auf dem Schnittpunkt verschiedener Kreise fördert letztendlich seine Individualität.

Funktionsdifferenzierung
Ein weiterer Effekt der Arbeitsteilung ist die wachsende Zahl von eigenständigen Funktionsbereichen wie die Wirtschaft, die Wissenschaft und das Recht. Diese "Gehäuse des schöpferischen Lebens" (Simmel 1918 bzw. 1987: 148) bilden wiederum eigene Werte und Normen heraus, mit denen die einzelnen Mitglieder dieser Gruppierungen wiederum die gesamte Gesellschaft beeinflussen.

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7. Erläutern Sie die folgenden Grundbegriffe Webers: Verhalten, Handeln, soziales Handeln.

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Weber versteht Soziologie als Handlungswissenschaft und versteht Handeln als "verständliches" Sich-verhalten. Handeln bedeutet in diesem Sinne, dass der oder die Handelnde mit ihrem Tun, Unterlassen oder Dulden einen Sinn verbinden. Soziales Handeln hingegen bezeichnet die Art des Handelns, welche sich an dem Handeln anderer orientiert.

Hier noch präziser werden – mal in dem Buch nachschauen (248)

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5. Erläutern Sie, welche beiden Determinanten laut funktionalistischer Schichtungstheorie den Rang einer Position bestimmen. Geben Sie ein Beispiel.

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Nach Davis und Moore wird der Rang einer Position durch die funktionale Bedeutung einer Position und die relative Knappheit des Personals bestimmt. Demnach nimmt eine Position dann einen hohen Rang in einer Gesellschaft ein, wenn sie zum einen für das Funktionieren einer Gesellschaft wichtig ist (Beispiel: Politik und Verwaltung) und zum anderen nur eine begrenzte Anzahl von Menschen über die nötigen Qualifikationen zur Ausübung dieser Tätigkeit verfügt.

Beispiel: Ein Gebäudereiniger in einem Parlamentsgebäude hat faktisch gesehen eine funktionale Bedeutung für eine Institution, die enorm wichtig für das Funktionieren einer Gesellschaft ist. Er nimmt gegenüber den Parlamentariern im selben Betrieb aber einen niedrigeren gesellschaftlichen Rang ein, da er nicht über die erwarteten Qualifikationen (z. B. ein Studium oder eine pol. Laufbahn) verfügt und dadurch leichter austauschbar ist.

Nach dieser Theorie werden bestimmte Tätigkeiten höher angesehen und entlohnt, da nur eine begrenzte Anzahl von Menschen über die entsprechende Begabung und Disziplin verfügen, um diese erfolgreich auszuüben. Kritiker weisen dagegen beispielsweise darauf hin, dass Menschen nicht nur aufgrund von lockenden Belohnung, sondern auch aus sozialem Pflichtgefühl handeln.

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8. Erläutern Sie Webers These von der Wahlverwandtschaft zwischen protestantischer Ethik und kapitalistischem Geist.



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Nach Webers These hat die asketische Berufsethik des Protestantismus maßgeblich zur Entstehung des modernen kapitalistischen Wirtschaftssystems beigetragen. Grund für diese Annahme ist die empirische Beobachtung, dass das Unternehmertum und die gebildete Arbeiterschaft zum größten Teil aus Protestanten besteht. Weber argumentiert, dass die Reformation generell zu einer moralischen Aufwertung der Arbeit geführt hat und die puritanischen Tugenden die Vermehrung von Kapital ethisch rechtfertigen. Protestantische Glaubensrichtungen wie der Calvinismus legen asketisches Handeln nahe und begünstigen damit eine methodisch-rationale Lebensführung. Außerdem fördern sie den Individualismus, da es für den Gläubigen unmöglich ist, auf das Seelenheil im Jenseits Einfluss zu nehmen, wie es etwa im Katholizismus durch die Beichte möglich ist. Rastlose Berufsarbeit gilt hier als Mittel, die eigenen Ängste abzubauen und durch die eigene Tüchtigkeit zu den letztendlich glücklich Auserwählten Gottes zu gehören. Reichtum und triebhafter Lebensgenuss entsprechen nicht der asketischen Lebensführung, was dafür sorgt, dass der Fokus auf die Produktion gelegt wird und kulturelle Einflüsse als überflüssig gewertet werden.

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3. Nennen und erläutern Sie die Merkmale sozialer Tatbestände nach Durkheim.

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Durkheim unterscheidet vier verschiedene analytische Merkmale von sozialen Tatbeständen (faits sociaux):

Äußerlichkeit beschreibt, dass es besondere Arten des Handelns, Denkens und Fühlens gibt, die außerhalb des individuellen Bewusstseins existieren. Soziale Tatbestände sind demnach dem Menschen nicht angeboren, sondern müssen ihm erst anerzogen werden. Sie sind weder organisch/ökologisch noch psychologisch zu erklären und stellen daher eine neue Gattung dar.


Zwang bezeichnet soziale Verbindlichkeiten wie Rechtsnormen, Moralgebote, Sitten oder Konventionen. Diese üben einen moralischen Druck auf das Individuum aus und beeinflussen dessen Verhalten (z.B. bei Sanktionen nach Regelverstoß). 


Allgemeinheit bedeutet, dass soziale Tatbestände, die im menschlichen Zusammenleben in einer Gesellschaft allgemein auftreten, nicht der Natur des Menschen entspringen, sondern historisch in dieser Gesellschaft gewachsen sind. Beispiele hierfür sind nach Durkheim soziale Strömungen wie kollektive Massenhysterien oder Tendenzen wie Geburten- oder Selbstmordraten.


Unabhängigkeit betont, dass soziale Tatbestände ein Eigenleben führen, welches losgelöst ist von individuellen Interpretationen. Ein Beispiel hierfür sind statistische Raten, die individuelle Besonderheiten neutralisieren und eine soziale Tendenz abbilden. (Das nochmal genau prüfen)

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8. Wie lassen sich die durchschnittlich niedrigeren Einkommen von Frauen im Vergleich zu denen von Männern erklären? Wie lassen sich die durchschnittlich niedrigeren Einkommen in Ostdeutschland im Vergleich zu denen in Westdeutschland erklären?

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Gründe für die Ungleichheit der Einkommen von Männern und Frauen sind unter anderem die fest verwurzelten kulturellen Geschlechtervorstellungen, die sich nur langsam der modernen Bildung- und Arbeitsmarktpartizipation von Frauen anpassen. So sind Frauen nach einer Familiengründung weiterhin in stärkerem Maße in die Erziehung der Kinder und die Hausarbeit eingebunden, was dafür sorgt, dass ihre Karrieren oft Erwerbsunterbrechungen aufweisen und dadurch Schaden nehmen. Ein Beispiel dafür sind die erkennbar höheren Teilzeitbeschäftigungen und die niedrigeren Erwerbsquoten von Frauen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die geschlechterspezifische Segregation der Berufsausbildung, Studienfächer und Berufe. Diese Einteilung in typische "Männer- oder Frauenberufe" hat den Effekt, dass Frauen seltener in die oberen Klassenpositionen vorrücken und auch insgesamt niedrigere Einkommen erzielen. In diesem Zusammenhang steht auch die umstrittene These der kulturellen Entwertung von Berufen, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden. Jedoch ist diese These nur schwer zu überprüfen und auch bei jüngeren Alterskohorten spricht vieles eher für eine vertikale als eine horizontale Ungleichheit.
Als letzter Faktor für die Einkommensungleichheit gelten die durchaus weiterverbreiteten Stereotypen, von denen Frauen betroffen sind. So wird der Arbeit von Frauen sowohl von Männern als auch von Frauen selbst ein niedrigerer ökonomischer Wert zugesprochen.

Die Ungleichheit der Einkommen von Ost- und Westdeutschen erklärt sich hauptsächlich durch die niedrigere Produktivität der ostdeutschen Wirtschaft. So unterscheidet sich das Bruttoinlandsprodukt der beiden Landesteile immer noch stark, was sich nach der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie auch auf die Löhne auswirkt. Dieser Unterschied liegt unter anderem in der mangelnden wirtschaftlichen Entwicklung der DDR und der anschließenden Angleichung von "Ost- und Westmark" begründet. Durch die vernachlässigte Infrastruktur und die plötzlich hohen Lohnkosten war die Wirtschaft der ehemaligen DDR auf dem Weltmarkt kaum noch konkurrenzfähig.

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4. Nennen und erläutern Sie die drei von Sennett unterschiedenen Arten von Unsicherheit.

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Unsicherheit wird nach Sennetts Zeitdiagnose dadurch erzeugt, dass Menschen im sogenannten flexiblen Kapitalismus zwar in flexibleren Netzwerken agieren, dadurch aber auch mit einer permanenten Unsicherheit über mögliche Veränderungen und Anforderungen konfrontiert werden.


Diese Unsicherheit unterteilt Sennett in drei Arten:


  • Mehrdeutige Seitwärtsbewegungen – an dem Beispiel der Vorwärtsbewegung eines Krebses beschreibt Sennett ein gefühltes berufliches Voranschreiten des Menschen, welches in Wahrheit jedoch eine Seitwärtsbewegung ist. Da Stellenkategorien immer gestaltloser werden, erkennt der Einzelne erst beim Antritt der nächsten Stelle, ob seine letzte Stelle ein wirklicher beruflicher Erfolg war oder nicht. Dies kann auch zu einem Kreislauf führen, indem beim Antritt der Stelle schon der nächste Wechsel anvisiert wird.

  • Aushalten retrospektiver Verluste – hierbei erkennt der Einzelne erst nach dem Antritt einer Stelle die wirklichen Arbeitsanforderungen und ist ggf. dazu gezwungen, die daraus entstehenden Unsicherheiten auszuhalten.

  • Unvorhersehbare Einkommensentwicklungen – dabei wirkt sich die Einkommensentwicklung im Laufe einer Karriere im flexiblen Kapitalismus auch oft negativ aus. Die berufliche Mobilität ist demnach häufig ein undurchschaubarer Zugang.



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8. Nennen und erläutern Sie jeweils einen ökonomischen, einen kulturellen und einen strukturellen Prozess, der im Sinne Rosas ursächlich für die Beschleunigung moderner Gesellschaften ist.

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Ein ökonomischer Prozess der laut Rosa zur Beschleunigung der moderner Gesellschaften beigetragen hat, liegt in der Entwicklung von der einfachen Bedarfsdeckung hin zur Schöpfung von Mehrwert. (Kapitalismus nach Marx) Die Produktion von Waren wird also nicht mehr nur allein dazu eingesetzt, um Grundbedürfnisse zu decken, sondern dazu Kapital in Form von Geld zu generieren. Durch den daraus entstehenden Wettbewerb wird schließlich auch die Zeit kommodifiziert und immer feiner reglementiert. Zeit wird also wortwörtlich zu Geld, da kürzere Produktionszyklen einen höheren Profit versprechen.


Ein kultureller Prozess liegt nach Rosa in der von Max Weber erkannten innenweltlichen Askese im Zuge der Protestantischen Ethik. Eine zeiteffiziente Lebensführung ermöglicht den Menschen demnach beruflichen und materiellen Erfolg, welcher zunehmend das Streben nach einem kirchlich-sakramentalen Seelenheil ersetzt. Da der Glaube an ein Leben nach dem Tod schwindet, verlagert sich der Fokus auf ein gutes Leben und die Akkumulation von Reichtum. Das Triebmuster von Angst und Verheißung bleibt hierbei jedoch gleich und verlagert sich lediglich vom religiösen Kontext hin zum sozialen Wettbewerb um möglichst viele Optionen und Kontingenzen.


Als struktureller Prozess gilt nach Rosa die funktionale Differenzierung, bei der Gesellschaften in Subsysteme wie beispielsweise Ökonomie, Recht oder Wissenschaft aufgeteilt werden. Diese sorgt einerseits für eine Zeitersparnis, da die einzelnen Systeme voneinander unabhängiger agieren können. Andererseits führt die funktionale Differenzierung auch zu einer Steigerung von Komplexität, was wiederum einen erhöhten Zeitaufwand bedeutet. Diese Komplexität erfordert wieder eine erhöhte Selektion, was dazu führt, dass noch nicht zu realisierende Möglichkeiten auf die Zukunft verschoben werden und letztlich selbst zu komplexen Problemen werden.

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2. Nennen und erläutern Sie die drei grundlegenden Probleme soziologischer Zeitdiagnosen nach Müller.

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Problem der Adäquanz

Bei der Adäquanz stellt sich die Frage, ob der für die Charakterisierung eines Gegenstands verwendete Begriff angemessen ist, um diesen vollständig zu erfassen. Dabei besteht die Gefahr der Überdehnung und/oder der Unterbestimmung von Begriffen (Beispiel: Kapitalismus). Folgender Zusammenhang sorgt für eine weitere Verschärfung dieses Problems: Je differenzierter, komplexer und pluralistischer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird es, die Struktur- und Entwicklungslinien einer Gesellschaft in einem Begriff unterzubringen.


Problem des Zeitgeistes und der Ideologie

Bei dem Problem des Zeitgeistes wird seitens der Konsumindustrie, den Medien und/oder der kommerziellen Sozialforschung eine Diagnose gestellt, die nicht auf einer umfassenden und sorgfältigen Analyse beruht. Durch diese "sensationellen" Ergebnisse sollen Trends abgestoßen werden, die zu Konsumverhalten anregen sollen und sich letztendlich empirisch Bewahrheiten. Ideologische Dauerbrenner wie beispielsweise der Kapitalismus sorgen dafür, dass gesellschaftliche Phänomene schnell weltanschaulich gefasst werden, obwohl die Beschreibung nicht der (weit komplexeren) Realität entspricht.

Bei beiden Problemen werden durch mangelhafte theoretische Begriffsbildung und unzureichende empirische Analysen gesellschaftliche Deutungen gemacht, die nicht der Realität entsprechen und unter Umständen ihre eigenen Trends hervorbringen.


Problem des Normativen

Das Problem des Normativen beschreibt das Problem der Werturteile in der Soziologie. Dabei ist umstritten, ob die empirisch-analytische Wissenschaft überhaupt zu hundert Prozent werturteilsfrei sein kann. Demnach bleibt auch bei der interpretativen Verdichtung von empirischen Erkenntnissen stets ein Rest von Spekulation.


Hier noch anfügen, dass möglichst detailliert gearbeitet werden muss

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7. Welche Möglichkeiten der Operationalisierung des Armutsbegriffs kennen Sie? Erläutern Sie den Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut.

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TESTE DEIN WISSEN

Unter absoluter Armut versteht man eine Orientierung am physischen Existenzminimum, das der Mensch zum Überleben benötigt. Ein Beispiel dafür ist die "Ein Dollar pro Tag" – Regel der Weltbank, welche genutzt wird, um dieses Existenzminimum zu definieren. Da dieses Existenzminimum weit unter dem der meisten modernen Industrienationen liegt, wird hierzulande meist von relativer Armut gesprochen. Diese wird stattdessen an einem bestimmten Mindeststandard des sozioökonomischen und kulturellen Entwicklungsniveaus bemessen.

Dazu können in der Regel vier verschiedene Konzeptionen zur Operationalisierung angewendet werden:

Sozialhilfebezug als Indikator

Hierbei wird über die Anzahl der Sozialhilfeempfänger und deren genutzte Sozialleistungen versucht, die relative Armut zu bemessen. Da es dabei jedoch eine hohe Dunkelziffer gibt und nicht alle Anspruchsberechtigten diese auch geltend machen, gilt Sozialhilfe eher als ungenauer Indikator. Außerdem wird vonseiten Politik argumentiert, dass es sich hierbei nicht um Armut handle, da Sozialhilfe schließlich zur Bekämpfung dieser dient.

Einkommensarmut
Bei dieser Operationalisierung werden die Ausstattung von Haushalten und deren monetäre Ressourcen als Indikator genutzt, um die relative Armut zu bemessen. Als gesellschaftlicher Standard wird hierbei zumeist der Mittelwert oder der Median der Einkommensverteilung verwendet. Haushalte, deren Ressourcen also einen bestimmten Prozentsatz des Durchschnittseinkommens unterschreiten, sind demnach von relativer Armut betroffen. Sowohl das Durchschnittseinkommen als auch der Prozentsatz können verscheiden definiert werden, das Konzept ist bei dieser am häufigsten verwendeten Vorgehensweise jedoch stets dasselbe.

Lebenslagenarmut
Hierbei werden zusätzlich zur Ressourcenlage eines Haushalts auch nichtmaterielle Aspekte, wie beispielsweise die Erwerbstätigkeit, die Bildung sowie die Wohn- und Gesundheitssituation berücksichtigt. Damit kann die Entstehung von Unterversorgung und die Befähigung der Personen dazu kritische Lebensereignisse zu bewältigen, besser verstanden werden.

Deprivationsarmut

Bei dieser letzten Variante wird in direkter Weise betrachtet, mit welchen Gütern und Dienstleistungen ein Haushalt ausgestattet ist. Dazu werden die Mitglieder der Haushalte mit Listen befragt, über welche Güter sie verfügen und falls nicht, ob dies finanziell bedingt ist. Dadurch kann ein Index erstellt werden, über den verschiedene Alters- und Bildungklassen miteinander verglichen werden können.

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Q:

1. Nennen und erläutern Sie die drei Funktionen soziologischer Zeitdiagnosen.

A:

Die vier Funktionen soziologischer Zeitdiagnosen lauten wie folgt:


  • Die konstitutive Funktion
  • Die kognitive Funktion
  • Die expressive Funktion
  • Die evaluative Funktion 


Die konstitutive Funktion der soziologischen Zeitdiagnosen dient zur gesellschaftlichen Orientierung. Nach Max Weber tragen sie zur "denkenden Ordnung des Wirklichen" bei und bieten dadurch Orientierungswissen. Das Ziel hierbei ist es eine ontologische Sicherheit bei der Selbstbeschreibung von Gesellschaften zu erlangen. Fragen zur Charakterisierung hierbei lauten wie folgt: Wann lebst du? Wo lebst du? Wie lebst du? Als was lebst du? Die konstitutive Funktion hilft also dabei die Klassifikation der gesellschaftlichen Erfahrung durch eine anerkannte Begrifflichkeit anzuleiten.


Die kognitive Funktion verleiht der gesellschaftlichen Deutung eines Phänomens ihr wissenschaftliches Fundament. Dieses besteht nicht selten aus einer Gesellschaftstheorie und einer detaillierten historisch-empirischen Analyse, was dafür sorgt, dass die Zeitdiagnose  evidenzbasiert ist. Die kognitive Funktion ist das wichtigste Merkmal soziologischer Zeitdiagnosen.


Mit der expressiven Funktion wird der "Zeitgeist" erfasst und in die Begrifflichkeit eingebunden. Hierbei handelt es sich um eine emotional stimmige, intuitive und pointierte Einschätzung, die sich jedoch nicht auf alle Lebensbereiche der Gesellschaft anwenden lässt (Beispiel: Postmoderne).


Die evaluative Funktion dient dazu Epochen, Gesellschaften, Kulturen oder Charaktere zu beurteilen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Entwicklung, bei der als Maßstab meist ein Ideal zugrunde gelegt wird. Dieses Ideal entspricht jedoch oft nicht der Wirklichkeit, was schnell zu einer Krisenvermutung verleitet, welche wiederum eine gesellschaftliche Kurskorrektur suggeriert.


-Hier noch Grafik rein laden-

Q:

6. Erläutern Sie Simmels Unterscheidung von quantitativem und qualitativem Individualismus.

A:

Der quantitative Individualismus entstammt dem Zeitalter der Aufklärung und beinhaltet die Idee der Freiheit des Menschen von der übermächtigen Kirche und Monarchie. Aus dem Kampf gegen die Gewalt der Mächtigen entstand das autonome Individuum und die Werte von Freiheit und Gleichheit, welche sich bis heute im Verständnis von Menschen- und Bürgerrechten wiederspiegeln.


Im qualitativen Individualismus wird die Gleichheit durch Ungleichheit oder Differenz ersetzt und die Freiheit durch das Anderssein geäußert. Der Mensch arbeitet demnach ein Leben lang an seiner Individualität und die Selbstverwirklichung wird zu seinem wichtigsten Anliegen.

Q:

5. Nennen und erläutern Sie die Prozesse gesellschaftlicher Differenzierung nach Simmel.

A:

Georg Simmel spaltet die Gesellschaft in drei Prozesse auf:

Arbeitsteilung 

Wie beispielsweise Marx sieht Simmel die Arbeitsteilung im Rahmen der Industrialisierung als wesentliches gesellschaftliches Entwicklungsmoment. Entgegen der düsteren Zeitdiagnose des deutschen Sozialismus birgt diese nach Simmel jedoch auch emanzipatorisches Potenzial, indem sie durch das "Prinzip der Kraftersparnis" den Wohlstand erhöht und gleichzeitig den Wettbewerb mildert.

Rollendifferenzierung
Durch den ausgedehnten Wirtschaftskreis und die damit einhergehende Vergrößerung der Gruppen erhöht sich auch die Chance des Einzelnen, eine eigene Individualität auszubilden. Denn in den wachsenden Gruppen bilden sich weitere kleinere Gruppen, was den Einzelnen dazu zwingt, verschiedene Rollenerwartungen zu koordinieren. Diese Position des Einzelnen auf dem Schnittpunkt verschiedener Kreise fördert letztendlich seine Individualität.

Funktionsdifferenzierung
Ein weiterer Effekt der Arbeitsteilung ist die wachsende Zahl von eigenständigen Funktionsbereichen wie die Wirtschaft, die Wissenschaft und das Recht. Diese "Gehäuse des schöpferischen Lebens" (Simmel 1918 bzw. 1987: 148) bilden wiederum eigene Werte und Normen heraus, mit denen die einzelnen Mitglieder dieser Gruppierungen wiederum die gesamte Gesellschaft beeinflussen.

Q:

7. Erläutern Sie die folgenden Grundbegriffe Webers: Verhalten, Handeln, soziales Handeln.

A:

Weber versteht Soziologie als Handlungswissenschaft und versteht Handeln als "verständliches" Sich-verhalten. Handeln bedeutet in diesem Sinne, dass der oder die Handelnde mit ihrem Tun, Unterlassen oder Dulden einen Sinn verbinden. Soziales Handeln hingegen bezeichnet die Art des Handelns, welche sich an dem Handeln anderer orientiert.

Hier noch präziser werden – mal in dem Buch nachschauen (248)

Q:

5. Erläutern Sie, welche beiden Determinanten laut funktionalistischer Schichtungstheorie den Rang einer Position bestimmen. Geben Sie ein Beispiel.

A:

Nach Davis und Moore wird der Rang einer Position durch die funktionale Bedeutung einer Position und die relative Knappheit des Personals bestimmt. Demnach nimmt eine Position dann einen hohen Rang in einer Gesellschaft ein, wenn sie zum einen für das Funktionieren einer Gesellschaft wichtig ist (Beispiel: Politik und Verwaltung) und zum anderen nur eine begrenzte Anzahl von Menschen über die nötigen Qualifikationen zur Ausübung dieser Tätigkeit verfügt.

Beispiel: Ein Gebäudereiniger in einem Parlamentsgebäude hat faktisch gesehen eine funktionale Bedeutung für eine Institution, die enorm wichtig für das Funktionieren einer Gesellschaft ist. Er nimmt gegenüber den Parlamentariern im selben Betrieb aber einen niedrigeren gesellschaftlichen Rang ein, da er nicht über die erwarteten Qualifikationen (z. B. ein Studium oder eine pol. Laufbahn) verfügt und dadurch leichter austauschbar ist.

Nach dieser Theorie werden bestimmte Tätigkeiten höher angesehen und entlohnt, da nur eine begrenzte Anzahl von Menschen über die entsprechende Begabung und Disziplin verfügen, um diese erfolgreich auszuüben. Kritiker weisen dagegen beispielsweise darauf hin, dass Menschen nicht nur aufgrund von lockenden Belohnung, sondern auch aus sozialem Pflichtgefühl handeln.

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Q:

8. Erläutern Sie Webers These von der Wahlverwandtschaft zwischen protestantischer Ethik und kapitalistischem Geist.



A:

Nach Webers These hat die asketische Berufsethik des Protestantismus maßgeblich zur Entstehung des modernen kapitalistischen Wirtschaftssystems beigetragen. Grund für diese Annahme ist die empirische Beobachtung, dass das Unternehmertum und die gebildete Arbeiterschaft zum größten Teil aus Protestanten besteht. Weber argumentiert, dass die Reformation generell zu einer moralischen Aufwertung der Arbeit geführt hat und die puritanischen Tugenden die Vermehrung von Kapital ethisch rechtfertigen. Protestantische Glaubensrichtungen wie der Calvinismus legen asketisches Handeln nahe und begünstigen damit eine methodisch-rationale Lebensführung. Außerdem fördern sie den Individualismus, da es für den Gläubigen unmöglich ist, auf das Seelenheil im Jenseits Einfluss zu nehmen, wie es etwa im Katholizismus durch die Beichte möglich ist. Rastlose Berufsarbeit gilt hier als Mittel, die eigenen Ängste abzubauen und durch die eigene Tüchtigkeit zu den letztendlich glücklich Auserwählten Gottes zu gehören. Reichtum und triebhafter Lebensgenuss entsprechen nicht der asketischen Lebensführung, was dafür sorgt, dass der Fokus auf die Produktion gelegt wird und kulturelle Einflüsse als überflüssig gewertet werden.

Q:

3. Nennen und erläutern Sie die Merkmale sozialer Tatbestände nach Durkheim.

A:

Durkheim unterscheidet vier verschiedene analytische Merkmale von sozialen Tatbeständen (faits sociaux):

Äußerlichkeit beschreibt, dass es besondere Arten des Handelns, Denkens und Fühlens gibt, die außerhalb des individuellen Bewusstseins existieren. Soziale Tatbestände sind demnach dem Menschen nicht angeboren, sondern müssen ihm erst anerzogen werden. Sie sind weder organisch/ökologisch noch psychologisch zu erklären und stellen daher eine neue Gattung dar.


Zwang bezeichnet soziale Verbindlichkeiten wie Rechtsnormen, Moralgebote, Sitten oder Konventionen. Diese üben einen moralischen Druck auf das Individuum aus und beeinflussen dessen Verhalten (z.B. bei Sanktionen nach Regelverstoß). 


Allgemeinheit bedeutet, dass soziale Tatbestände, die im menschlichen Zusammenleben in einer Gesellschaft allgemein auftreten, nicht der Natur des Menschen entspringen, sondern historisch in dieser Gesellschaft gewachsen sind. Beispiele hierfür sind nach Durkheim soziale Strömungen wie kollektive Massenhysterien oder Tendenzen wie Geburten- oder Selbstmordraten.


Unabhängigkeit betont, dass soziale Tatbestände ein Eigenleben führen, welches losgelöst ist von individuellen Interpretationen. Ein Beispiel hierfür sind statistische Raten, die individuelle Besonderheiten neutralisieren und eine soziale Tendenz abbilden. (Das nochmal genau prüfen)

Q:

8. Wie lassen sich die durchschnittlich niedrigeren Einkommen von Frauen im Vergleich zu denen von Männern erklären? Wie lassen sich die durchschnittlich niedrigeren Einkommen in Ostdeutschland im Vergleich zu denen in Westdeutschland erklären?

A:

Gründe für die Ungleichheit der Einkommen von Männern und Frauen sind unter anderem die fest verwurzelten kulturellen Geschlechtervorstellungen, die sich nur langsam der modernen Bildung- und Arbeitsmarktpartizipation von Frauen anpassen. So sind Frauen nach einer Familiengründung weiterhin in stärkerem Maße in die Erziehung der Kinder und die Hausarbeit eingebunden, was dafür sorgt, dass ihre Karrieren oft Erwerbsunterbrechungen aufweisen und dadurch Schaden nehmen. Ein Beispiel dafür sind die erkennbar höheren Teilzeitbeschäftigungen und die niedrigeren Erwerbsquoten von Frauen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die geschlechterspezifische Segregation der Berufsausbildung, Studienfächer und Berufe. Diese Einteilung in typische "Männer- oder Frauenberufe" hat den Effekt, dass Frauen seltener in die oberen Klassenpositionen vorrücken und auch insgesamt niedrigere Einkommen erzielen. In diesem Zusammenhang steht auch die umstrittene These der kulturellen Entwertung von Berufen, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden. Jedoch ist diese These nur schwer zu überprüfen und auch bei jüngeren Alterskohorten spricht vieles eher für eine vertikale als eine horizontale Ungleichheit.
Als letzter Faktor für die Einkommensungleichheit gelten die durchaus weiterverbreiteten Stereotypen, von denen Frauen betroffen sind. So wird der Arbeit von Frauen sowohl von Männern als auch von Frauen selbst ein niedrigerer ökonomischer Wert zugesprochen.

Die Ungleichheit der Einkommen von Ost- und Westdeutschen erklärt sich hauptsächlich durch die niedrigere Produktivität der ostdeutschen Wirtschaft. So unterscheidet sich das Bruttoinlandsprodukt der beiden Landesteile immer noch stark, was sich nach der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie auch auf die Löhne auswirkt. Dieser Unterschied liegt unter anderem in der mangelnden wirtschaftlichen Entwicklung der DDR und der anschließenden Angleichung von "Ost- und Westmark" begründet. Durch die vernachlässigte Infrastruktur und die plötzlich hohen Lohnkosten war die Wirtschaft der ehemaligen DDR auf dem Weltmarkt kaum noch konkurrenzfähig.

Q:

4. Nennen und erläutern Sie die drei von Sennett unterschiedenen Arten von Unsicherheit.

A:

Unsicherheit wird nach Sennetts Zeitdiagnose dadurch erzeugt, dass Menschen im sogenannten flexiblen Kapitalismus zwar in flexibleren Netzwerken agieren, dadurch aber auch mit einer permanenten Unsicherheit über mögliche Veränderungen und Anforderungen konfrontiert werden.


Diese Unsicherheit unterteilt Sennett in drei Arten:


  • Mehrdeutige Seitwärtsbewegungen – an dem Beispiel der Vorwärtsbewegung eines Krebses beschreibt Sennett ein gefühltes berufliches Voranschreiten des Menschen, welches in Wahrheit jedoch eine Seitwärtsbewegung ist. Da Stellenkategorien immer gestaltloser werden, erkennt der Einzelne erst beim Antritt der nächsten Stelle, ob seine letzte Stelle ein wirklicher beruflicher Erfolg war oder nicht. Dies kann auch zu einem Kreislauf führen, indem beim Antritt der Stelle schon der nächste Wechsel anvisiert wird.

  • Aushalten retrospektiver Verluste – hierbei erkennt der Einzelne erst nach dem Antritt einer Stelle die wirklichen Arbeitsanforderungen und ist ggf. dazu gezwungen, die daraus entstehenden Unsicherheiten auszuhalten.

  • Unvorhersehbare Einkommensentwicklungen – dabei wirkt sich die Einkommensentwicklung im Laufe einer Karriere im flexiblen Kapitalismus auch oft negativ aus. Die berufliche Mobilität ist demnach häufig ein undurchschaubarer Zugang.



Q:

8. Nennen und erläutern Sie jeweils einen ökonomischen, einen kulturellen und einen strukturellen Prozess, der im Sinne Rosas ursächlich für die Beschleunigung moderner Gesellschaften ist.

A:

Ein ökonomischer Prozess der laut Rosa zur Beschleunigung der moderner Gesellschaften beigetragen hat, liegt in der Entwicklung von der einfachen Bedarfsdeckung hin zur Schöpfung von Mehrwert. (Kapitalismus nach Marx) Die Produktion von Waren wird also nicht mehr nur allein dazu eingesetzt, um Grundbedürfnisse zu decken, sondern dazu Kapital in Form von Geld zu generieren. Durch den daraus entstehenden Wettbewerb wird schließlich auch die Zeit kommodifiziert und immer feiner reglementiert. Zeit wird also wortwörtlich zu Geld, da kürzere Produktionszyklen einen höheren Profit versprechen.


Ein kultureller Prozess liegt nach Rosa in der von Max Weber erkannten innenweltlichen Askese im Zuge der Protestantischen Ethik. Eine zeiteffiziente Lebensführung ermöglicht den Menschen demnach beruflichen und materiellen Erfolg, welcher zunehmend das Streben nach einem kirchlich-sakramentalen Seelenheil ersetzt. Da der Glaube an ein Leben nach dem Tod schwindet, verlagert sich der Fokus auf ein gutes Leben und die Akkumulation von Reichtum. Das Triebmuster von Angst und Verheißung bleibt hierbei jedoch gleich und verlagert sich lediglich vom religiösen Kontext hin zum sozialen Wettbewerb um möglichst viele Optionen und Kontingenzen.


Als struktureller Prozess gilt nach Rosa die funktionale Differenzierung, bei der Gesellschaften in Subsysteme wie beispielsweise Ökonomie, Recht oder Wissenschaft aufgeteilt werden. Diese sorgt einerseits für eine Zeitersparnis, da die einzelnen Systeme voneinander unabhängiger agieren können. Andererseits führt die funktionale Differenzierung auch zu einer Steigerung von Komplexität, was wiederum einen erhöhten Zeitaufwand bedeutet. Diese Komplexität erfordert wieder eine erhöhte Selektion, was dazu führt, dass noch nicht zu realisierende Möglichkeiten auf die Zukunft verschoben werden und letztlich selbst zu komplexen Problemen werden.

Q:

2. Nennen und erläutern Sie die drei grundlegenden Probleme soziologischer Zeitdiagnosen nach Müller.

A:

Problem der Adäquanz

Bei der Adäquanz stellt sich die Frage, ob der für die Charakterisierung eines Gegenstands verwendete Begriff angemessen ist, um diesen vollständig zu erfassen. Dabei besteht die Gefahr der Überdehnung und/oder der Unterbestimmung von Begriffen (Beispiel: Kapitalismus). Folgender Zusammenhang sorgt für eine weitere Verschärfung dieses Problems: Je differenzierter, komplexer und pluralistischer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird es, die Struktur- und Entwicklungslinien einer Gesellschaft in einem Begriff unterzubringen.


Problem des Zeitgeistes und der Ideologie

Bei dem Problem des Zeitgeistes wird seitens der Konsumindustrie, den Medien und/oder der kommerziellen Sozialforschung eine Diagnose gestellt, die nicht auf einer umfassenden und sorgfältigen Analyse beruht. Durch diese "sensationellen" Ergebnisse sollen Trends abgestoßen werden, die zu Konsumverhalten anregen sollen und sich letztendlich empirisch Bewahrheiten. Ideologische Dauerbrenner wie beispielsweise der Kapitalismus sorgen dafür, dass gesellschaftliche Phänomene schnell weltanschaulich gefasst werden, obwohl die Beschreibung nicht der (weit komplexeren) Realität entspricht.

Bei beiden Problemen werden durch mangelhafte theoretische Begriffsbildung und unzureichende empirische Analysen gesellschaftliche Deutungen gemacht, die nicht der Realität entsprechen und unter Umständen ihre eigenen Trends hervorbringen.


Problem des Normativen

Das Problem des Normativen beschreibt das Problem der Werturteile in der Soziologie. Dabei ist umstritten, ob die empirisch-analytische Wissenschaft überhaupt zu hundert Prozent werturteilsfrei sein kann. Demnach bleibt auch bei der interpretativen Verdichtung von empirischen Erkenntnissen stets ein Rest von Spekulation.


Hier noch anfügen, dass möglichst detailliert gearbeitet werden muss

Q:

7. Welche Möglichkeiten der Operationalisierung des Armutsbegriffs kennen Sie? Erläutern Sie den Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut.

A:

Unter absoluter Armut versteht man eine Orientierung am physischen Existenzminimum, das der Mensch zum Überleben benötigt. Ein Beispiel dafür ist die "Ein Dollar pro Tag" – Regel der Weltbank, welche genutzt wird, um dieses Existenzminimum zu definieren. Da dieses Existenzminimum weit unter dem der meisten modernen Industrienationen liegt, wird hierzulande meist von relativer Armut gesprochen. Diese wird stattdessen an einem bestimmten Mindeststandard des sozioökonomischen und kulturellen Entwicklungsniveaus bemessen.

Dazu können in der Regel vier verschiedene Konzeptionen zur Operationalisierung angewendet werden:

Sozialhilfebezug als Indikator

Hierbei wird über die Anzahl der Sozialhilfeempfänger und deren genutzte Sozialleistungen versucht, die relative Armut zu bemessen. Da es dabei jedoch eine hohe Dunkelziffer gibt und nicht alle Anspruchsberechtigten diese auch geltend machen, gilt Sozialhilfe eher als ungenauer Indikator. Außerdem wird vonseiten Politik argumentiert, dass es sich hierbei nicht um Armut handle, da Sozialhilfe schließlich zur Bekämpfung dieser dient.

Einkommensarmut
Bei dieser Operationalisierung werden die Ausstattung von Haushalten und deren monetäre Ressourcen als Indikator genutzt, um die relative Armut zu bemessen. Als gesellschaftlicher Standard wird hierbei zumeist der Mittelwert oder der Median der Einkommensverteilung verwendet. Haushalte, deren Ressourcen also einen bestimmten Prozentsatz des Durchschnittseinkommens unterschreiten, sind demnach von relativer Armut betroffen. Sowohl das Durchschnittseinkommen als auch der Prozentsatz können verscheiden definiert werden, das Konzept ist bei dieser am häufigsten verwendeten Vorgehensweise jedoch stets dasselbe.

Lebenslagenarmut
Hierbei werden zusätzlich zur Ressourcenlage eines Haushalts auch nichtmaterielle Aspekte, wie beispielsweise die Erwerbstätigkeit, die Bildung sowie die Wohn- und Gesundheitssituation berücksichtigt. Damit kann die Entstehung von Unterversorgung und die Befähigung der Personen dazu kritische Lebensereignisse zu bewältigen, besser verstanden werden.

Deprivationsarmut

Bei dieser letzten Variante wird in direkter Weise betrachtet, mit welchen Gütern und Dienstleistungen ein Haushalt ausgestattet ist. Dazu werden die Mitglieder der Haushalte mit Listen befragt, über welche Güter sie verfügen und falls nicht, ob dies finanziell bedingt ist. Dadurch kann ein Index erstellt werden, über den verschiedene Alters- und Bildungklassen miteinander verglichen werden können.

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