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FinanzbildungImmobilie9 Min.

Immobilie bewusst entscheiden Was du wirklich wissen musst, bevor du kaufst

Immobilie kaufen als junger Erwachsener: Checkliste, Finanzierungsfragen & Entscheidungshilfen – klar, ehrlich, ohne Anbieter-Bias. Jetzt Finanz-Score checken.

Immobilie kaufenRechnerKaufen oder mieten?
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Kauf ist keine automatisch bessere Entscheidung als Mieten – beide Optionen haben Opportunitätskosten.
  • Relevante Faktoren: Verbleibdauer am Ort, Eigenkapital, Einkommensstabilität, persönliche Lebensziele.
  • Break-even-Horizont: Erst nach einer bestimmten Haltedauer überwiegen die Kaufvorteile – dieser Zeitraum variiert je nach Markt stark.
  • Für Studierende und Berufseinsteiger ist hohe Mobilität oft wertvoller als früher Eigentumserwerb.

Immobilie kaufen – aber nur, wenn du diese Fragen beantworten kannst

Kauf ist keine automatisch bessere Entscheidung als Mieten – beide Optionen haben Opportunitätskosten.

Eine Immobilie zu kaufen gilt in Deutschland als Königsweg zur finanziellen Absicherung. Doch für viele Menschen ist der Kauf nicht automatisch die klügere Entscheidung als das Mieten. Wer bewusst entscheiden will, braucht zuerst einen klaren Blick auf die eigene Lebenssituation, die echten Kosten und die Risiken – bevor die Emotionen die Oberhand gewinnen.

Das Wichtigste auf einen Blick: Kaufen lohnt sich erst nach einer bestimmten Haltedauer und ab einem soliden Eigenkapitalpolster. Kaufnebenkosten, energetische Sanierungspflichten und das Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung sind die häufig unterschätzten Kostentreiber. Eine strukturierte Vorbereitung – von der SCHUFA-Auskunft über den Grundbuchauszug bis zur Bodenrichtwert-Recherche – schützt vor teuren Fehlern.

AUF EINEN BLICK

  • Relevante Faktoren: Verbleibdauer am Ort, Eigenkapital, Einkommensstabilität, persönliche Lebensziele.
  • Break-even-Horizont: Erst nach einer bestimmten Haltedauer überwiegen die Kaufvorteile – dieser Zeitraum variiert je nach Markt stark.
  • Für Sparer:innen und Anleger:innen ist hohe Flexibilität oft wertvoller als früher Eigentumserwerb.
  • Kein Universalratschlag möglich: Die Entscheidung muss zur individuellen Lebenssituation passen.

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Kaufen oder mieten? Was Sie wirklich abwägen müssen

Eigenkapital: Banken verlangen in der Regel einen Mindestanteil am Kaufpreis als Eigenleistung – dieser Anteil beeinflusst Zinssatz und Kreditwürdigkeit direkt.

Die Vorstellung, dass Mieten „Geld verbrennen" und Kaufen automatisch Vermögensaufbau bedeutet, hält sich hartnäckig – sie ist aber zu simpel. Beide Optionen haben Opportunitätskosten. Wer kauft, bindet Eigenkapital, das alternativ investiert werden könnte. Wer mietet, zahlt für Flexibilität und vermeidet das Klumpenrisiko einer einzelnen Immobilie. Die richtige Antwort hängt fast immer von der individuellen Lebenssituation ab, nicht von einer allgemeinen Faustregel.

Besonders relevant ist die Frage nach der Verbleibdauer am Ort. Kaufen rechnet sich erst, wenn man lang genug in einer Immobilie bleibt, um die erheblichen Einstiegskosten – Grunderwerbsteuer, Notar, Maklerprovision, Grundbuchgebühren – über die Zeit zu amortisieren. Dieser sogenannte Break-even-Horizont variiert je nach Markt erheblich: In teuren Großstädten mit hohen Kaufpreisen im Verhältnis zu Mieten kann er deutlich über zehn Jahre liegen; in strukturstarken Mittelstädten kann er kürzer sein. Es gibt keine universelle Antwort, nur individuelle Berechnungen.

Für Berufstätige und Menschen in der ersten Karrierephase kommt ein weiterer Faktor hinzu: Mobilität. Der erste Job ist selten der letzte, und Karrierewege führen heute häufiger über mehrere Städte. Wer in den nächsten fünf bis sieben Jahren noch offen für einen Ortswechsel ist, verzichtet durch einen frühen Kauf unter Umständen auf bessere Jobangebote oder zahlt bei einem erzwungenen Verkauf in einem schlechten Marktumfeld drauf. Hohe Mobilität hat einen realen finanziellen Wert, der beim Vergleich Kaufen versus Mieten eingerechnet werden muss.

Das bedeutet nicht, dass ein früher Eigentumserwerb unvereinbar mit einem flexiblen Lebensstil ist. Wer Einkommensstabilität, ein klares lokales Bekenntnis und ausreichend Eigenkapital mitbringt, kann früh kaufen und langfristig profitieren. Entscheidend ist, dass die Entscheidung bewusst und auf Basis konkreter Zahlen getroffen wird – nicht unter sozialem Druck oder aus dem Gefühl heraus, einen Trend nicht verpassen zu dürfen.

AUF EINEN BLICK

  • Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler, Grundbuch) kommen on top und werden meist nicht finanziert – Prozentwerte unterscheiden sich je Bundesland.
  • Monatliche Belastbarkeit prüfen: Faustregel ist, dass die Kreditrate einen bestimmten Anteil des Nettoeinkommens nicht übersteigen sollte.
  • Bonitätsprüfung (SCHUFA): Frühzeitig eigene Auskunft anfordern und ggf. korrigieren lassen.
  • Laufende Rücklagen für Instandhaltung einplanen – Eigentum erzeugt laufende Kosten, die Mieter nicht tragen.

Finanzielle Voraussetzungen: Was wirklich auf dem Tisch liegen muss

1. Lage (Makro & Mikro): Infrastruktur, Arbeitsmarkt, demografische Entwicklung der Region, ÖPNV-Anbindung.

Der erste Realitätscheck beginnt beim Eigenkapital. Banken verlangen in der Regel, dass Käufer einen erheblichen Anteil des Kaufpreises aus eigenen Mitteln beisteuern – üblicherweise werden mindestens die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital bestritten, besser ist ein deutlich höherer Eigenanteil. Je mehr Eigenkapital eingebracht wird, desto günstiger ist in der Regel der angebotene Zinssatz, denn das Risiko für die Bank sinkt. Vollfinanzierungen – also Kredite ohne oder mit sehr wenig Eigenkapital – sind möglich, aber mit deutlichen Zinsaufschlägen und höheren Risiken für den Käufer verbunden.

Zu den Kaufnebenkosten zählen Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Grundbuchgebühren und – wenn ein Makler involviert ist – die Maklerprovision. Diese Positionen addieren sich je nach Bundesland und Situation auf einen erheblichen Betrag, der in der Regel nicht mitfinanziert wird und deshalb vollständig aus eigenen Mitteln kommen muss. Die Grunderwerbsteuer variiert je nach Bundesland: Sie liegt in manchen Ländern bei 3,5 Prozent, in anderen bei bis zu 6,5 Prozent des Kaufpreises. Wer diese Kosten beim Budgetieren vergisst, erlebt eine böse Überraschung kurz vor dem Notartermin.

Die monatliche Belastbarkeit ist der zweite zentrale Prüfstein. Eine verbreitete Orientierungsgröße besagt, dass die monatliche Kreditrate nicht mehr als rund 30 bis 35 Prozent des Nettoeinkommens betragen sollte, damit ausreichend Puffer für Lebenshaltungskosten, Instandhaltungsrücklagen und unvorhergesehene Ausgaben bleibt. Diese Faustregel ist kein Gesetz, aber ein sinnvoller Ausgangspunkt für die eigene Planung.

Nicht vergessen werden sollte die SCHUFA-Auskunft. Banken prüfen die Bonität vor jeder Kreditvergabe gründlich. Wer frühzeitig – idealerweise sechs bis zwölf Monate vor einer geplanten Finanzierung – eine kostenlose Selbstauskunft anfordert, kann etwaige Fehler oder veraltete Einträge rechtzeitig korrigieren lassen. Ein negativer SCHUFA-Eintrag kann eine Finanzierung erheblich verteuern oder verhindern, selbst wenn die aktuelle finanzielle Situation eigentlich solide ist.

AUF EINEN BLICK

  • 2. Substanz & Baujahr: Energetischer Zustand, Sanierungsstand, Heizungsanlage – besonders relevant durch aktuelle Gebäudeenergievorschriften.
  • 3. Rechtliche Lage: Grundbuchauszug, Baulastenverzeichnis, Bebauungsplan, bei WEG: Teilungserklärung und Protokolle der Eigentümerversammlungen.
  • 4. Preisfairness: Vergleichswerte (Bodenrichtwerte, Gutachterausschüsse) nutzen, nicht nur Angebotspreise.
  • 5. Zukunftsfähigkeit: Klimarisiken (Hochwasser, Hitze), Leerstandsrisiko, Breitbandversorgung, Entwicklungspläne der Gemeinde.

Fünf Dimensionen, nach denen du jede Immobilie bewerten solltest

Energieausweis ist beim Kauf Pflicht und muss vom Verkäufer vorgelegt werden – Energieeffizienzklasse direkt mit Sanierungskosten verknüpfen.

Die Lage ist und bleibt die wichtigste Eigenschaft einer Immobilie – weil sie unveränderbar ist. Dabei ist zwischen Makrolage und Mikrolage zu unterscheiden. Die Makrolage beschreibt die Region: Wie entwickelt sich der lokale Arbeitsmarkt? Wächst oder schrumpft die Bevölkerung? Wie ist die Infrastrukturanbindung? Eine Immobilie in einer strukturschwachen Region mit sinkenden Einwohnerzahlen kann trotz niedrigem Kaufpreis ein schlechtes Investment sein, weil der Wiederverkaufswert in zehn Jahren noch tiefer liegen könnte. Die Mikrolage umfasst das direkte Umfeld: ÖPNV-Anbindung, Lärmbelastung, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ausrichtung des Grundstücks.

Die bauliche Substanz und das Baujahr sind die zweite Dimension – und hier lauern für Erstkäufer die größten versteckten Kosten. Ein niedrigerer Kaufpreis für eine ältere Immobilie kann trügerisch sein, wenn erheblicher Sanierungsbedarf besteht. Dach, Fenster, Heizungsanlage, Leitungen und Dämmung müssen realistisch bewertet werden. Besonders relevant ist aktuell der energetische Zustand, auf den im nächsten Abschnitt gesondert eingegangen wird.

Die rechtliche Lage einer Immobilie erschließt sich aus dem Grundbuchauszug, dem Baulastenverzeichnis und dem Bebauungsplan. Im Grundbuch stehen unter anderem eingetragene Grundschulden, Dienstbarkeiten oder Wegerechte, die den künftigen Eigentümer binden. Bei Eigentumswohnungen kommt die Teilungserklärung der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) hinzu, und die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen geben Aufschluss über geplante Sonderumlagen oder laufende Rechtsstreitigkeiten.

Zur Prüfung der Preisfairness sind öffentlich zugängliche Bodenrichtwerte und die Veröffentlichungen der regionalen Gutachterausschüsse unverzichtbar. Angebotspreise in Immobilienportalen spiegeln die Verkäufererwartung wider, nicht den tatsächlichen Marktpreis. Wer ausschließlich auf diese Zahlen schaut, läuft Gefahr, deutlich über dem Marktwert zu kaufen – mit spürbaren Konsequenzen für den möglichen Wiederverkauf.

AUF EINEN BLICK

  • Schlechte Energieklassen (F, G, H) können Folgeinvestitionen in fünf- bis sechsstelliger Höhe bedeuten.
  • Aktuelle Gebäudeenergiegesetz-Anforderungen (GEG) regeln, welche Heizsysteme beim Austausch zulässig sind.
  • Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) kann Sanierungskosten reduzieren – Konditionen jährlich beim BAFA/KfW prüfen.
  • Energetische Mängel sind Verhandlungsmasse beim Kaufpreis – lass sie von Sachverständigen bewerten, nicht nur vom Makler.

Energetischer Zustand: Was Erstkäufer jetzt unbedingt beachten müssen

Annuitätendarlehen: gleichbleibende Rate, steigender Tilgungsanteil über Zeit – wichtig für Haushaltsplanung.

Der Energieausweis ist beim Immobilienkauf Pflicht – der Verkäufer muss ihn spätestens bei der Besichtigung vorlegen. Dieses Dokument ist keine bloße Formalie: Die Energieeffizienzklasse der Immobilie hängt direkt mit dem künftigen Sanierungsbedarf und damit mit erheblichen Folgekosten zusammen. Eine Immobilie der Klassen F, G oder H ist heute günstig zu haben, weil die Nachfrage gering ist – aber wer kauft, übernimmt damit auch das finanzielle Risiko kommender energetischer Ertüchtigungsmaßnahmen, die schnell in fünf- bis sechsstellige Beträge gehen können.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt, welche Anforderungen beim Austausch von Heizsystemen gelten. Wer eine Immobilie mit einer alten Ölheizung oder einem veralteten Gasheizkessel kauft, muss sich frühzeitig damit auseinandersetzen, welche Systeme beim nächsten fälligen Austausch zulässig sind und welche Kosten damit verbunden sind. Diese Prüfung gehört zwingend in die Kaufentscheidung – nicht in die Zeit danach.

Förderprogramme können die Belastung durch energetische Sanierungen reduzieren. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wird über das BAFA und die KfW abgewickelt und deckt unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Sanierungskosten ab. Wichtig: Konditionen, Fördersätze und Antragsverfahren ändern sich regelmäßig, und Förderanträge müssen in vielen Fällen vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Eine Beratung bei einem unabhängigen Energieberater ist vor dem Kauf einer sanierungsbedürftigen Immobilie sinnvoll und in Teilen selbst förderfähig.

AUF EINEN BLICK

  • Anfangstilgung: Eine höhere Tilgung verkürzt die Laufzeit erheblich und spart Zinskosten – Auswirkungen individuell berechnen.
  • Zinsbindung: Kurze Zinsbindung bedeutet Anschlussrisiko, lange Zinsbindung gibt Planungssicherheit aber oft höheren Startzins.
  • Sondertilgungsrechte verhandeln: Ermöglichen flexible Schuldenreduzierung, z. B. nach Gehaltserhöhung.
  • KfW-Förderprogramme (z. B. Wohneigentum für Familien, Klimafreundlicher Neubau) separat prüfen – sie sind an Einkommens- und Gebäudegrenzen geknüpft.

Finanzierungsstruktur: Annuitätendarlehen, Tilgung und Zinsbindung im Überblick

Zu wenig Eigenkapital: Vollfinanzierungen sind teurer und riskanter – lieber länger sparen.

Das in Deutschland dominierende Modell der Immobilienfinanzierung ist das Annuitätendarlehen. Die monatliche Rate bleibt dabei über die gesamte Zinsbindungsphase konstant, während sich das Verhältnis von Zins- und Tilgungsanteil mit der Zeit verschiebt: Zu Beginn ist der Zinsanteil hoch und der Tilgungsanteil niedrig; im Laufe der Jahre dreht sich das Verhältnis um, weil die Restschuld sinkt. Dieses Modell bietet Planungssicherheit für den Haushalt, verlangt aber ein Verständnis dafür, dass der eigentliche Schuldenabbau in frühen Jahren langsamer geht als viele Käufer erwarten.

Die Anfangstilgung ist einer der wichtigsten Stellschrauben. Eine höhere anfängliche Tilgungsrate verkürzt die Gesamtlaufzeit des Darlehens erheblich und reduziert die Zinskosten über die Laufzeit spürbar. Wer dagegen mit einer sehr niedrigen Tilgung startet, zahlt lange und viel – ein Risiko, das besonders in Phasen niedriger Zinsen gerne unterschätzt wurde, wenn hohe Tilgung vermeintlich nicht „nötig" schien. Die konkreten Auswirkungen verschiedener Tilgungssätze sollten im Vorfeld individuell durchgerechnet werden.

Die Zinsbindung legt fest, für wie viele Jahre der vereinbarte Zinssatz gilt – danach folgt die Anschlussfinanzierung zu dann geltenden Marktkonditionen. Eine kurze Zinsbindung bedeutet ein Anschlussrisiko: Wenn das Zinsniveau zum Zeitpunkt der Prolongation höher liegt als beim Erstabschluss, steigt die monatliche Rate möglicherweise erheblich. Eine lange Zinsbindung gibt Planungssicherheit, ist aber in der Regel mit einem etwas höheren Startzinssatz verbunden. Die „richtige" Zinsbindung hängt von der eigenen Risikobereitschaft, dem aktuellen Zinsniveau und der Restlaufzeit bis zur Volltilgung ab.

Sondertilgungsrechte sollten bei der Kreditverhandlung ausdrücklich vereinbart werden. Sie ermöglichen es, in einkommensstarken Jahren außerplanmäßig Schulden zu reduzieren – zum Beispiel nach einer Gehaltserhöhung, einem Bonus oder einer Erbschaft – ohne dafür Vorfälligkeitsentschädigungen zahlen zu müssen. Für junge Käufer, deren Einkommen in den kommenden Jahren voraussichtlich wachsen wird, ist dieses Recht besonders wertvoll.

AUF EINEN BLICK

  • Emotionale Entscheidung: Verlieben in eine Immobilie führt zu Preiszugeständnissen; Checkliste vor der Besichtigung hilft.
  • Kaufnebenkosten vergessen: Sie können den finanziellen Spielraum erheblich einengen.
  • Sanierungskosten unterschätzen: Immer ein unabhängiges Gutachten einholen, niemals nur Verkäuferaussagen vertrauen.
  • Keine Rücklage nach dem Kauf: Liquiditätsengpässe in den ersten Jahren sind häufig und gefährlich.

Häufige Fehler junger Käufer – und wie du sie von Anfang an vermeidest

1. Eigene Lebensziele und Mobilitätsbedarf für die nächsten 7–10 Jahre klären.

Der erste und häufigste Fehler ist zu wenig Eigenkapital. Vollfinanzierungen klingen verlockend, weil sie einen sofortigen Kauf auch ohne jahrelanges Sparen ermöglichen. Sie sind aber in doppelter Hinsicht teurer: Der Zinssatz ist höher, weil das Risiko für die Bank größer ist, und die monatliche Belastung ist durch die höhere Kreditsumme entsprechend größer. Hinzu kommt das Klumpenrisiko: Wer nahezu ohne Eigenkapital kauft, hat kaum Puffer, wenn der Immobilienpreis kurz nach dem Kauf fällt oder persönliche Einkommenseinbußen eintreten.

Emotionale Entscheidungen sind der zweite klassische Fehler. Eine Immobilie, in die man sich verliebt, bekommt im Kopf schnell einen Bonus, der sich in sachlich nicht begründbaren Preiszugeständnissen äußert. Wer weiß, dass er emotional reagiert, sollte sich mit einer Checkliste disziplinieren, die vor der Besichtigung ausgefüllt wird – mit harten Kriterien zu Lage, Substanz, rechtlicher Situation und Preis. Wer mindestens drei Objekte besichtigt, bevor er eine engere Wahl trifft, erhält zudem ein realistischeres Marktgefühl.

Kaufnebenkosten werden regelmäßig unterschätzt oder vergessen. Wer nur den Kaufpreis im Kopf hat, erlebt kurz vor dem Notartermin eine unangenehme Überraschung. Diese Kosten sind nicht finanzierbar und müssen liquide vorliegen – das sollte von Anfang an in der Budgetplanung berücksichtigt sein. Ähnliches gilt für die Sanierungskosten: Niemals sollte man sich ausschließlich auf Aussagen des Verkäufers verlassen. Ein unabhängiges Baugutachten kostet Geld, spart aber im Zweifel ein Vielfaches und schützt vor dem Kauf eines Sanierungsfasses ohne Boden.

AUF EINEN BLICK

  • 2. Finanz-Status ermitteln: Eigenkapital, monatlich verfügbares Budget, SCHUFA.
  • 3. Marktrecherche: Bodenrichtwerte und regionale Preistrends der Gutachterausschüsse prüfen.
  • 4. Mindestens drei Objekte besichtigen, bevor eine engere Wahl getroffen wird.
  • 5. Unabhängigen Bausachverständigen für Substanzprüfung beauftragen.

Absicherung beim Immobilienkauf: Diese Versicherungen sind unverzichtbar

Risikolebensversicherung: Sichert Mitdarlehensnehmer oder Angehörige ab, wenn der Hauptverdiener stirbt.

Mit dem Kauf einer Immobilie entsteht in der Regel die größte finanzielle Verpflichtung im Leben – und damit auch das größte Risiko, wenn die Einkommensbasis wegbricht. Eine Risikolebensversicherung sichert Mitdarlehensnehmer oder Angehörige ab, wenn der Hauptverdiener stirbt. Sie ist verhältnismäßig günstig und sollte zumindest in Höhe der Restschuld abgeschlossen werden. Wer die Finanzierung gemeinsam mit einer Partnerin oder einem Partner trägt, sollte über eine gegenseitige Absicherung nachdenken.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist einer der häufig genannten Gründe, warum Immobilienfinanzierungen scheitern: Wer dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, kann die Kreditrate nicht mehr bedienen. Zwangsversteigerungen enden fast immer mit Verlusten. Eine BU, die frühzeitig – möglichst in jungen Jahren mit noch günstigen Beiträgen – abgeschlossen wird, ist der wichtigste Schutz für das Finanzierungsprojekt Immobilie.

Die Wohngebäudeversicherung ist bei finanzierten Immobilien in der Regel eine Auflage der Bank und schützt das Gebäude gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Angesichts häufiger werdender Extremwetterereignisse wird zusätzlich eine Elementarschadenversicherung empfohlen, die Schäden durch Überschwemmung, Starkregen, Erdrutsch oder Rückstau abdeckt. Der Abschluss ist nicht überall gleich einfach möglich – in besonders gefährdeten Lagen kann die Prämie hoch oder der Schutz eingeschränkt sein. Wer eine Immobilie in einem potenziell überschwemmungsgefährdeten Gebiet kauft, sollte die Versicherbarkeit vorab prüfen.

AUF EINEN BLICK

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Schützt die Ratenzahlung bei dauerhafter Erwerbsminderung – einer der häufigsten Gründe für Zwangsversteigerungen.
  • Wohngebäudeversicherung: Bei Kauf einer Immobilie in der Regel Pflichtbestandteil der Finanzierung.
  • Elementarschadenversicherung: Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse zunehmend empfohlen – Abdeckung variiert je Tarif und Region.
  • Absicherung ist kein Zusatzprodukt, sondern integraler Bestandteil der Finanzierungsplanung.

Fazit: Bewusst entscheiden heißt informiert starten

Immobilie kaufen ist kein Sprint, sondern ein strukturierter Prozess. Wer die eigene Lebenssituation realistisch bewertet, Eigenkapital und Bonität frühzeitig prüft, die Kaufnebenkosten und energetischen Risiken einkalkuliert und die Finanzierungsstruktur versteht, trifft eine Entscheidung, die langfristig trägt. Der wichtigste erste Schritt ist ein ehrlicher Blick auf die eigene Finanzlage – bevor Makler, Emotionen oder sozialer Druck die Sicht trüben. Nutze den StudySmarter Finanz-Score-Rechner, um deinen persönlichen finanziellen Ausgangspunkt zu ermitteln und gezielt die nächsten Schritte zu planen.

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Häufige Fragen

Als Faustregel solltest du mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln decken können, also etwa Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten. Viele Banken erwarten zudem, dass du einen Teil des Kaufpreises, üblicherweise zwischen 10 und 20 Prozent, als Eigenkapital einbringst, um bessere Konditionen zu erhalten. Je mehr Eigenkapital du mitbringst, desto niedriger fällt in der Regel dein Beleihungsauslauf und damit dein Zinssatz aus.

Kaufnebenkosten sind alle Ausgaben, die zusätzlich zum reinen Kaufpreis einer Immobilie anfallen, darunter Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Grundbuchgebühren und gegebenenfalls Maklerprovision. Die Grunderwerbsteuer variiert je nach Bundesland und liegt zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises, während Notar und Grundbuch zusammen meist etwa 1,5 bis 2 Prozent ausmachen. Insgesamt solltest du für die Nebenkosten je nach Region und Maklervertrag mit etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises rechnen.

Für Berufseinsteiger und Menschen in der ersten Karrierephase ist der Immobilienkauf meist nur dann sinnvoll, wenn du langfristig an einem Ort bleiben möchtest und über ausreichend Eigenkapital sowie ein stabiles Einkommen verfügst. In der Anfangsphase deines Berufslebens sind deine finanziellen Spielräume oft begrenzt, und flexible Mietverhältnisse können dir mehr Freiheit bei Jobwechseln geben. Eine eigene Immobilie kann sich jedoch lohnen, wenn du eine sehr günstige Gelegenheit findest und die monatliche Belastung dauerhaft tragbar ist.

Im Grundbuch prüfst du vor dem Kauf die Abteilungen II und III, um zu sehen, ob Lasten wie Grundschulden, Hypotheken, Wegerechte oder Nießbrauch auf dem Grundstück liegen. In Abteilung I stehen die Eigentumsverhältnisse, also wer aktuell als Eigentümer eingetragen ist und ob es eventuell Miteigentümer gibt. Du solltest sicherstellen, dass keine nicht abgelösten Belastungen bestehen, die nach dem Kauf auf dich übergehen könnten, und im Zweifel eine aktuelle Ausfertigung vom Notar oder Grundbuchamt anfordern.

Die Zinsbindung legt fest, wie lange der Sollzins für dein Darlehen garantiert bleibt, typischerweise zwischen fünf und dreißig Jahren. Eine längere Zinsbindung gibt dir Planungssicherheit, da du dich gegen steigende Zinsen absicherst, dafür ist der Zinssatz in der Regel etwas höher als bei kürzeren Laufzeiten. Wähle die Laufzeit danach aus, wie lange du die monatliche Rate sicher stemmen kannst und ob du nach Ablauf der Bindung mit einer Anschlussfinanzierung rechnen musst.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Pflicht beim Immobilienkauf, aber sie kann sinnvoll sein, um deine Kreditrate abzusichern, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Ohne diese Absicherung riskierst du im Ernstfall, die Immobilie nicht mehr finanzieren zu können und sie verkaufen zu müssen. Ob du sie brauchst, hängt von deiner persönlichen Risikobereitschaft, deinem Beruf und deinen vorhandenen Absicherungen ab; lass dich dazu individuell beraten.

Der Nominalzins ist der reine Sollzins, den die Bank für das geliehene Kapital berechnet, ohne weitere Kosten wie Bearbeitungsgebühren oder Provisionen. Der effektive Jahreszins berücksichtigt zusätzlich alle laufenden Kosten und gibt an, wie hoch die tatsächliche jährliche Belastung in Prozent des Darlehensbetrags ist. Für den Vergleich verschiedener Kreditangebote ist daher immer der effektive Jahreszins entscheidend, da er die realen Kosten widerspiegelt.

Beim Immobilienkauf gibt es in Deutschland verschiedene staatliche Förderprogramme, etwa die KfW-Förderung für energieeffizientes Bauen und Kaufen sowie Wohnungsbauprämien und Arbeitnehmersparzulage für den Vermögensaufbau. Zudem bieten einige Bundesländer eigene Darlehen oder Zuschüsse für den Ersterwerb von selbst genutztem Wohneigentum an. Die genauen Konditionen und Voraussetzungen ändern sich regelmäßig, daher solltest du dich vor dem Kauf aktuell bei der KfW und deiner Landesförderbank informieren.

Quellen & Stand 09.07.2026

MS

StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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