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FinanzbildungAktien10 Min.

Aktien kaufen Der Einstieg & junge Erwachsene

Aktien kaufen als Student – so geht's: Depot eröffnen, erste Aktie kaufen, Kosten verstehen. Verständlich erklärt, ohne Banksprech. Jetzt lesen.

Aktien kaufenRechnerFrüher Einstieg, mehr
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Früher Einstieg bedeutet mehr Zeit für den Zinseszins-Effekt – auch mit kleinen Beträgen
  • Aktien als Bestandteil eines langfristigen Vermögensaufbaus neben Tagesgeld und ETF
  • Unterschied zwischen spekulativem Traden und langfristigem Investieren klar herausarbeiten
  • Realistisches Erwartungsmanagement: Aktien unterliegen Kursschwankungen, es gibt kein garantiertes Ergebnis

Aktien kaufen: Lohnt sich der Einstieg wirklich?

Früher Einstieg bedeutet mehr Zeit für den Zinseszins-Effekt – auch mit kleinen Beträgen

Ja – wer früh mit dem Investieren beginnt, gibt dem Zinseszins-Effekt mehr Zeit zu wirken. Doch bevor du die erste Aktie kaufst, solltest du verstehen, was dabei auf dich zukommt: welche Voraussetzungen du erfüllst, welche Kosten entstehen und warum Diversifikation kein Buzzword, sondern ein echtes Schutzprinzip ist.

Das Wichtigste in Kürze: Um Aktien in Deutschland zu kaufen, musst du volljährig sein, ein Depot eröffnen, deine Identität legitimieren und eine Steuer-ID angeben. Aktien sind kein Garant für Gewinne – sie schwanken im Kurs, können im Wert fallen und eignen sich nur für Geld, das du langfristig entbehren kannst. Wer das verinnerlicht, legt einen soliden Grundstein für den Vermögensaufbau.

AUF EINEN BLICK

  • Aktien als Bestandteil eines langfristigen Vermögensaufbaus neben Tagesgeld und ETF
  • Unterschied zwischen spekulativem Traden und langfristigem Investieren klar herausarbeiten
  • Realistisches Erwartungsmanagement: Aktien unterliegen Kursschwankungen, es gibt kein garantiertes Ergebnis
  • Hinweis: Aktien ersetzen keinen Notgroschen – Liquiditätspuffer zuerst aufbauen
Kennzahl (2026)Wert
Abgeltungsteuer25 %
Sparerpauschbetrag1.000 €
Soli auf die Steuer5,5 % (auf die Steuer)

Rechner: Sparplan & Zinseszins

Zieh die Regler – sieh, wie aus kleinen Raten Vermögen wird.

🧮 Sparplan-Rechner

Modellrechnung, konstante Rendite, vor Steuern & Kosten – keine Anlageberatung.

Früher Einstieg, mehr Zeit – was der Zinseszins-Effekt für Sparer:innen bedeutet

Volljährigkeit (18 Jahre) als gesetzliche Mindestanforderung für ein Wertpapierdepot in Deutschland

Der größte Vorteil von Anlegerinnen und Anlegern, die früh beginnen, ist nicht das Kapital, sondern die Zeit. Je früher du anfängst, desto länger kann sich dein investiertes Geld – einschließlich etwaiger Erträge – weiterentwickeln. Dieser Mechanismus, den viele als Zinseszins-Effekt oder Compounding bezeichnen, entfaltet seine stärkste Wirkung über Jahrzehnte, nicht über Monate. Selbst kleine, regelmäßige Beträge können sich so zu einem beachtlichen Vermögen summieren – nicht weil du spekulierst, sondern weil du Zeit arbeiten lässt.

Aktien sind dabei nur ein Baustein in einem ausgewogenen Finanzplan. Neben einem Tagesgeldkonto für den Notgroschen und möglicherweise ETF-Sparplänen für breite Marktbeteiligung können Einzelaktien gezielt eingesetzt werden, um in bestimmte Unternehmen oder Branchen zu investieren. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen langfristigem Investieren und kurzfristigem Traden: Wer versucht, durch häufiges Kaufen und Verkaufen kurzfristige Kursgewinne zu erzielen, betreibt Spekulation – mit entsprechend höherem Risiko und oft auch höheren Kosten durch häufige Transaktionen.

Realistisches Erwartungsmanagement ist entscheidend. Aktien unterliegen Kursschwankungen – mal steigen sie, mal fallen sie, und Verluste können sich über Monate oder sogar Jahre erstrecken. Es gibt keine Garantie für positive Renditen. Wer das versteht und trotzdem langfristig und diszipliniert investiert, hat historisch gesehen bessere Chancen gehabt als jemand, der entweder gar nicht investiert oder bei jeder Kursdelle die Nerven verliert. Aber: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

AUF EINEN BLICK

  • Gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) für die Legitimation
  • Bankkonto oder Referenzkonto für Einzahlungen und Auszahlungen
  • Steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID) – wird bei der Depoteröffnung abgefragt
  • Grundlegendes Verständnis der eigenen finanziellen Situation: Wie viel Kapital kann ich wirklich entbehren?

Was du brauchst, bevor du Aktien kaufst

Filialbank-Depot vs. Online-Broker vs. Neobroker – Unterschiede in Kosten, Benutzeroberfläche und Service

In Deutschland gelten klare gesetzliche Anforderungen für die Eröffnung eines Wertpapierdepots. Die wichtigste: Du musst volljährig sein, also mindestens 18 Jahre alt. Unter diesem Alter ist eine eigenständige Depoteröffnung grundsätzlich nicht möglich – in Ausnahmefällen können Eltern ein Depot im Namen ihrer Kinder führen, die Kontrolle liegt dann jedoch bei den Erziehungsberechtigten.

Zur Legitimation benötigst du ein gültiges Ausweisdokument – in der Regel deinen Personalausweis oder Reisepass. Der Broker ist gesetzlich verpflichtet, deine Identität zu überprüfen; dies geschieht je nach Anbieter per VideoIdent, PostIdent oder einer anderen anerkannten Online-Identifikationsmethode. Darüber hinaus brauchst du ein Referenzkonto – also ein normales Girokonto – über das Ein- und Auszahlungen in das Depot abgewickelt werden. Hast du noch kein eigenes Konto, ist das der erste Schritt vor der Depoteröffnung.

Außerdem wird bei der Depoteröffnung deine steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID) abgefragt. Diese elfstellige Nummer erhält jede in Deutschland gemeldete Person automatisch vom Bundeszentralamt für Steuern – sie steht unter anderem auf deinem Einkommensteuerbescheid oder lässt sich beim Bundeszentralamt für Steuern erfragen. Ohne Steuer-ID kann das Depot in der Regel nicht vollständig eingerichtet werden, da der Broker damit die Kapitalertragsteuer korrekt abführen muss.

AspektWorauf es ankommt
Filialbank-Depot vs. Online-Broker vs. NeobrokerUnterschiede in Kosten, Benutzeroberfläche und Service
Für Sparer:innen und Anleger:innen typischerweise relevante Kriterien: keine oder niedrige Depotgebühren, günstiger Order-Preis, mobil bedienbar,
Wichtige Kostenpunkte vergleichen: Depotführungsgebühr, Ordergebühr (Flat fee oder % des Ordervolumens), Börsenplatzgebühren,
Legitimationsverfahren: VideoIdentPostIdent oder Online-Identifikation – je nach Anbieter
Hinweis: StudySmarter gibt keine Depot-Empfehlung; nutze unabhängige Vergleichsquellen wie Stiftung Warentest oder BaFin-Datenbank lizenzierter Broker,
Depot in der Regel kostenlos eröffnenGebührenstruktur im Preisaushang des jeweiligen Anbieters prüfen

Depot eröffnen: Welche Depotarten es gibt und worauf Sparer:innen achten sollten

Schritt 1 – Unternehmen recherchieren: Geschäftsmodell, Branche, Kennzahlen (KGV, Dividendenrendite, Eigenkapitalrendite) verstehen

Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten von Depotanbietern: Filialbanken, klassische Online-Broker und sogenannte Neobroker. Filialbanken bieten persönliche Beratung und einen umfassenden Service, verlangen dafür aber häufig Depotführungsgebühren und höhere Ordergebühren. Für Anleger:innen mit kleinem Budget und dem Wunsch, selbstständig zu handeln, sind sie meist nicht die erste Wahl. Klassische Online-Broker sind in der Regel günstiger und bieten eine umfangreichere Auswahl an Wertpapieren, Börsenplätzen und Analysetools. Neobroker – häufig als App-only-Angebote konzipiert – punkten mit besonders niedrigen oder sogar pauschalen Ordergebühren und einer einfachen Benutzeroberfläche, haben aber manchmal einen kleineren Handelsumfang oder weniger Börsenplätze zur Auswahl.

Für Anleger:innen sind insbesondere folgende Kriterien relevant: keine oder sehr niedrige Depotführungsgebühren (viele Online-Broker und alle größeren Neobroker bieten kostenlose Depots an), niedrige Ordergebühren je Transaktion – entweder als Flat Fee oder als prozentualer Anteil des Ordervolumens –, eine mobilfreundliche Benutzeroberfläche sowie ein möglichst einfaches Legitimationsverfahren, das vollständig online abgewickelt werden kann.

Beim Kostenvergleich solltest du mehrere Posten im Blick behalten: die Depotführungsgebühr (jährlich oder monatlich), die Ordergebühr pro Kauf oder Verkauf, etwaige Börsenplatzentgelte (manche Handelsplätze berechnen zusätzliche Transaktionsentgelte) sowie Währungsumrechnungsgebühren, wenn du Aktien in Fremdwährungen handelst. Es lohnt sich, das Preisverzeichnis des jeweiligen Anbieters sorgfältig zu lesen, bevor du ein Depot eröffnest – denn kleine Unterschiede in den Gebühren summieren sich über viele Transaktionen erheblich.

AUF EINEN BLICK

  • Schritt 2 – ISIN oder WKN der gewünschten Aktie notieren, um Verwechslungen zu vermeiden
  • Schritt 3 – Börsenplatz wählen: XETRA (Hauptmarkt), Regionalbörsen oder außerbörslicher Handel – Unterschiede in Liquidität und Spread
  • Schritt 4 – Orderart festlegen: Market Order (sofort zum aktuellen Kurs) vs. Limit Order (Kauf nur zu einem selbst festgelegten Maximalpreis
  • Schritt 5 – Ordervolumen und Stückzahl eingeben, Kosten prüfen, Order abschicken

Aktie kaufen: Der Ablauf Schritt für Schritt erklärt

Ordergebühren: Festpreis-Modell oder prozentual abhängig vom Ordervolumen – im Preisverzeichnis nachsehen

Der erste Schritt ist die Recherche. Bevor du eine Aktie kaufst, solltest du das Geschäftsmodell des Unternehmens verstehen: Was produziert oder verkauft das Unternehmen? In welcher Branche ist es tätig? Wie ist es im Wettbewerb aufgestellt? Ergänzend helfen Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das angibt, wie viele Jahre das Unternehmen bei aktuellem Gewinn braucht, um seinen eigenen Börsenwert zu verdienen, die Dividendenrendite als prozentualer Ausschüttungsanteil zum Aktienkurs sowie die Eigenkapitalrendite, die zeigt, wie effizient das Unternehmen mit dem eingesetzten Eigenkapital wirtschaftet. Kein Einzelwert allein sagt alles – du solltest mehrere Kennzahlen in Kombination betrachten.

Im zweiten Schritt notierst du die ISIN (International Securities Identification Number) oder die WKN (Wertpapierkennnummer) der gewünschten Aktie. Diese eindeutigen Identifikatoren verhindern Verwechslungen – denn manche Unternehmen haben ähnliche Namen, werden aber an verschiedenen Märkten unter unterschiedlichen Kursen gehandelt. Die ISIN findest du auf der Webseite deines Brokers, auf Finanzportalen oder direkt auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens.

Drittens wählst du den Börsenplatz. In Deutschland ist XETRA der liquideste und für Privatanleger relevanteste Handelsplatz; er bietet in der Regel enge Spreads und hohe Handelsvolumina. Daneben existieren regionale Börsen wie Frankfurt, Stuttgart oder München sowie der außerbörsliche Direkthandel über den Broker selbst. Außerbörsliche Handelszeiten können länger sein, doch die Spreads sind oft weiter – und Liquidität geringer.

Viertens legst du die Orderart fest. Die einfachste Form ist die Market Order: Du kaufst zum aktuell verfügbaren Kurs, sofort und ohne Preislimit. Das kann schnell gehen, bedeutet aber auch, dass du in volatilen Märkten einen ungünstigen Kurs erwischen kannst. Die Limit Order erlaubt dir, einen maximalen Kaufpreis (oder bei Verkauf einen minimalen Verkaufspreis) festzulegen. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs dieses Limit erreicht – oder besser ist. Für Einsteiger ist die Limit Order daher oft die sicherere Wahl, weil sie vor unerwarteten Kursspitzen schützt.

AUF EINEN BLICK

  • Spread: Differenz zwischen Kauf- (Brief) und Verkaufskurs (Geld) – auch ohne explizite Gebühr ein realer Kostenfaktor
  • Börsenplatzentgelte: manche Börsenplätze berechnen zusätzliche Transaktionsgebühren
  • Depotführungsgebühr: bei vielen Online-Brokern und Neobrokern entfällt sie, bei Filialbanken oft nicht
  • Abgeltungssteuer: auf Kursgewinne und Dividenden werden Steuern fällig; inländische Broker führen sie automatisch ab

Kosten verstehen: Mehr als nur die Ordergebühr

Einzelaktie vs. ETF: Einzelaktien bergen höheres Einzeltitelrisiko; ETF streuen automatisch über viele Unternehmen

Viele Anfänger fokussieren sich ausschließlich auf die ausgewiesene Ordergebühr. Das greift jedoch zu kurz. Ein ebenso wichtiger, aber weniger sichtbarer Kostenfaktor ist der Spread: die Differenz zwischen dem Briefkurs (dem Preis, zu dem du kaufst) und dem Geldkurs (dem Preis, zu dem du verkaufst). Dieser Unterschied ist kein Fehler im System, sondern die normale Marge des Marktes – und du zahlst ihn bei jeder Transaktion, auch wenn keine explizite Gebühr ausgewiesen wird. Je illiquider der Handelsplatz oder die Aktie, desto größer ist typischerweise der Spread.

Ordergebühren werden entweder als Festbetrag pro Order oder als prozentualer Anteil des Ordervolumens berechnet – manchmal auch als Kombination beider Modelle. Bei sehr kleinen Orders (zum Beispiel unter 500 Euro) können prozentuale Modelle günstiger sein; bei größeren Orders kehrt sich das oft um. Schau dir deshalb das konkrete Preisverzeichnis deines Brokers an und rechne für dein typisches Ordervolumen nach. Hinzu kommen Börsenplatzentgelte: Manche Handelsplätze berechnen eigene Transaktionsgebühren, die zusätzlich zur Ordergebühr anfallen.

Die Depotführungsgebühr ist zwar bei vielen modernen Online-Brokern und Neobrokern bereits abgeschafft, bei Filialbanken hingegen kann sie schnell einen dreistelligen Betrag pro Jahr ausmachen. Gerade als Anleger mit noch kleinem Portfolio kann eine solche Fixgebühr einen erheblichen Teil deiner potenziellen Rendite auffressen, bevor du überhaupt eine einzige Order aufgibst. Prüfe also vor der Depoteröffnung, ob und unter welchen Bedingungen die Depotführung kostenlos ist.

AUF EINEN BLICK

  • Klumpenrisiko vermeiden: nicht alles in eine Branche oder ein Land investieren
  • Volatilität verstehen: Kursschwankungen sind normal – wer kurzfristig Geld braucht, sollte es nicht in Aktien stecken
  • Investiere nur Geld, dessen temporären Verlust du finanziell und psychologisch verkraften kannst
  • Sparplan als Alternative zum Einmalkauf: regelmäßige kleine Beträge reduzieren das Timing-Risiko (Cost-Average-Effekt

Risiken und Diversifikation: So investierst du nicht alles auf eine Karte

Abgeltungssteuer auf realisierte Kursgewinne und Dividenden

Einzelaktien tragen ein höheres Risiko als breit gestreute Anlagevehikel wie ETF (Exchange Traded Funds). Wenn du in eine einzige Aktie investierst und das Unternehmen gerät in Schwierigkeiten, kann ein großer Teil deines investierten Kapitals verloren gehen. Ein ETF hingegen bildet einen Index nach – zum Beispiel die 500 größten US-Unternehmen oder den globalen Aktienmarkt –, sodass ein einzelnes Unternehmensversagen nur einen Bruchteil deines Portfolios betrifft. Das bedeutet nicht, dass Einzelaktien grundsätzlich zu vermeiden sind, sondern dass du sie mit dem richtigen Maß einsetzen solltest.

Diversifikation bedeutet nicht nur die Streuung über viele Unternehmen, sondern auch über Branchen und Länder. Wer sein gesamtes Portfolio in Technologieunternehmen oder in einem einzigen Land konzentriert, setzt sich einem sogenannten Klumpenrisiko aus: Schwächelt genau diese Branche oder dieser Markt, leidet das gesamte Portfolio. Ein gesundes Portfolio enthält im Idealfall verschiedene Sektoren – von Konsumgütern über Gesundheit bis hin zu Finanzwerten – und verschiedene geografische Regionen.

Volatilität – also die Schwankungsbreite von Kursen – ist normal und kein Zeichen, dass etwas grundsätzlich falsch ist. Was sie gefährlich macht, ist der Zeitdruck: Wer kurzfristig auf sein investiertes Geld angewiesen ist, wird möglicherweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen müssen und einen Verlust realisieren. Deshalb gilt die eiserne Grundregel: Investiere in Aktien nur Geld, das du für mindestens fünf bis zehn Jahre nicht benötigst – und dessen temporären oder dauerhaften Verlust du finanziell und psychologisch verkraften kannst.

AUF EINEN BLICK

  • Verlustverrechnung: realisierte Verluste aus Aktienverkäufen können mit Gewinnen verrechnet werden – Verlusttopf im Depot
  • Steuerliche Behandlung ausländischer Dividenden: Quellensteuer kann teilweise angerechnet werden
  • Jahressteuerbescheinigung vom Broker für die Einkommensteuererklärung – relevant bei mehreren Depots
  • Tipp: Bei niedrigem Gesamteinkommen kann eine Günstigerprüfung im Rahmen der Steuererklärung sinnvoll sein

Steuern beim Aktien kaufen und verkaufen: Das gilt in Deutschland

Aktien kaufen ist ein Baustein – erst Notgroschen sichern, dann investieren

In Deutschland unterliegen realisierte Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien sowie Dividendenzahlungen der Abgeltungsteuer. Der Steuersatz beträgt pauschal 25 % auf den Gewinn, zuzüglich Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % auf die Steuer selbst – effektiv also rund 26,375 % auf den steuerpflichtigen Kapitalertrag, sofern du nicht kirchensteuerpflichtig bist oder über bestimmten Einkommensgrenzen für den Soli liegst. Der inländische Broker führt diese Steuer in der Regel automatisch an das Finanzamt ab, sodass du dich im Normalfall nicht selbst darum kümmern musst.

Wichtig für dich als Anleger: Der gesetzliche Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro pro Jahr für Ledige (2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare). Bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge – also Gewinne und Dividenden zusammengerechnet – steuerfrei. Um diesen Freibetrag zu nutzen, musst du beim Broker einen Freistellungsauftrag einrichten. Vergisst du das, wird die Steuer zunächst einbehalten; du kannst sie dann über die Einkommensteuererklärung zurückfordern.

Realisierte Verluste aus Aktienverkäufen werden vom Broker in einem sogenannten Verlusttopf geführt und automatisch mit zukünftigen Gewinnen verrechnet. Das bedeutet: Verlierst du in einem Jahr 300 Euro durch einen Aktienverkauf und erzielst im selben oder einem späteren Jahr 800 Euro Gewinn, wird die Steuer nur auf die verbleibenden 500 Euro berechnet. Bei ausländischen Dividenden kann es komplizierter werden: Manche Länder behalten eine Quellensteuer ein, die du auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen lassen kannst – die genauen Regelungen hängen vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Herkunftsland ab. Im Zweifel lohnt sich eine Rückfrage beim Broker oder eine steuerliche Beratung.

AUF EINEN BLICK

  • Brutto-Netto-Rechner nutzen: Wie viel bleibt dir nach Steuern und Abgaben monatlich? → Basis für deinen Investitionsbetrag
  • Finanz-Score checken: Wo stehst du aktuell in deiner finanziellen Gesamtsituation?
  • Langfristigen Vermögensaufbau planen: Aktien + ETF-Sparplan + Altersvorsorge zusammen denken
  • Weiterführende Themen: ETFs, Dividendenstrategie, Rebalancing – interne Verlinkung zu Cluster-Seiten

Nächste Schritte: Aktien als Teil deines Finanzplans

Aktien kaufen ist kein isolierter Schritt, sondern ein Baustein in einem größeren Finanzplan. Der erste und wichtigste Schritt vor jeder Investition ist der Aufbau eines Notgroschens – einer Liquiditätsreserve von mindestens zwei bis drei Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Dieses Geld ist nicht zum Investieren gedacht, sondern um unvorhergesehene Ausgaben – kaputtes Auto, Nachforderung bei der Nebenkostenabrechnung, Zahnarztrechnung – ohne Schulden abzufedern. Erst wenn dieser Puffer steht, solltest du überschüssiges Geld in Aktien oder andere Wertpapiere lenken.

Bevor du weißt, wie viel du monatlich investieren kannst, brauchst du einen klaren Überblick über deine Ein- und Ausgaben. Was kommt rein – Gehalt, Nebenverdienst, Kindergeld (aktuell 259 Euro monatlich), Unterstützung von Angehörigen? Was geht raus – Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Mitgliedsbeiträge? Der verbleibende Betrag nach allen fixen und variablen Ausgaben ist deine Investitionsbasis. Auch wenn es zunächst nur ein kleiner Betrag ist: Regelmäßigkeit schlägt Höhe – wer konsequent investiert, profitiert stärker vom Zinseszins-Effekt als jemand, der unregelmäßig größere Summen anlegt.

Denke außerdem langfristig: Einzelaktien, ETF-Sparpläne und später auch Bausteine zur Altersvorsorge wie die Riester-Rente oder betriebliche Altersversorgung ergänzen sich gegenseitig. Ein gut strukturierter Finanzplan berücksichtigt alle diese Ebenen und passt sich an veränderte Lebenssituationen an – Karrierewechsel, erste eigene Immobilie, Familie. Wer diesen Plan früh entwirft, auch wenn die Beträge zunächst klein sind, hat die besten Voraussetzungen für einen stabilen finanziellen Lebensweg.

Fazit: Jetzt informiert starten statt warten

Aktien kaufen ist für jeden möglich – und kann sinnvoll sein. Die Voraussetzungen sind überschaubar: Volljährigkeit, ein Ausweisdokument, ein Girokonto und eine Steuer-ID. Der entscheidende Faktor ist nicht die Höhe deines ersten Investments, sondern dass du die Grundprinzipien verstehst: Diversifikation, Kostenbewusstsein, Steueroptimierung durch den Freistellungsauftrag und vor allem ein langer Anlagehorizont. Plane deinen Vermögensaufbau ganzheitlich – von der Liquiditätsreserve über Aktien und ETF bis hin zur Altersvorsorge. Unser Vermögensaufbau-Rechner hilft dir dabei, deinen konkreten Startpunkt zu ermitteln.

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Häufige Fragen

Du kannst grundsätzlich schon mit sehr kleinen Beträgen Aktien kaufen, da viele Neobroker den Erwerb von Bruchstücken ermöglichen. Es gibt keine gesetzliche Mindestanlagesumme, aber die Ordergebühren können bei sehr kleinen Beträgen einen unverhältnismäßig hohen Anteil ausmachen.

Ja, du benötigst für den Aktienkauf ein eigenes Depot, das du in der Regel mit einem Girokonto verknüpfst. Ein kostenloses Girokonto erfüllt diesen Zweck, wobei du volljährig und geschäftsfähig sein musst.

Eine Aktie verbrieft einen Anteil an einem einzelnen Unternehmen, während ein ETF einen Korb aus vielen Aktien bündelt und so breit streut. Für Anfänger sind ETFs oft besser geeignet, weil sie das Risiko reduzieren und weniger Einzelwissen erfordern.

Ja, du musst auf realisierte Aktiengewinne Abgeltungsteuer zahlen, sofern dein Gewinn den jährlichen Sparerpauschbetrag übersteigt. Der Freibetrag wird auf Antrag direkt vom Broker berücksichtigt, andernfalls musst du die Steuern über die Steuererklärung erklären.

Eine Limit Order ist ein Auftrag, eine Aktie nur zu einem von dir festgelegten Höchst- oder Mindestpreis zu kaufen oder zu verkaufen. Für Einsteiger ist sie wichtig, weil sie vor unerwarteten Kursausschlägen schützt und du sicherstellst, dass du nicht mehr bezahlst als geplant.

Grundsätzlich ist der Kauf von Aktien mit staatlicher Förderung erlaubt, da das Vermögen erst ab bestimmten Freibeträgen auf die Förderung angerechnet wird. Du solltest jedoch beachten, dass Erträge und Vermögenszuwächse deine Förderung beeinflussen können, wenn sie die Freigrenzen überschreiten.

Dein Geld im Depot ist im Falle einer Broker-Insolvenz durch die gesetzliche Einlagensicherung und die Anlegerentschädigungseinrichtung geschützt, allerdings nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen. Wertpapiere wie Aktien und ETFs bleiben dabei dein Eigentum und werden in der Regel auf ein anderes Institut übertragen.

Wenn der Kurs stark fällt, verringert sich der Wert deiner Aktien, aber du verlierst dein Investment erst dann endgültig, wenn du verkaufst. Solange du hältst, besteht die Chance auf eine Erholung, aber auch das Risiko eines Totalverlusts, falls das Unternehmen zahlungsunfähig wird.

Quellen & Stand 09.07.2026

MS

StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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