Was ist der Numerus Clausus?
Der Numerus Clausus (NC), lateinisch für „beschränkte Zahl", ist keine Mindestnote, die eine Hochschule vorgibt. Er ist die Abiturnote der zuletzt zugelassenen Person und entsteht jedes Semester neu, sobald es mehr Bewerber als Plätze gibt. Es gibt also keinen festen, bundesweiten NC für ein Fach: Derselbe Studiengang kann an einer Hochschule zulassungsbeschränkt und an einer anderen zulassungsfrei sein.
Viele hören „NC 1,5" und denken an eine Hürde, die man im Voraus erfüllen muss, wie eine Bestehensgrenze in der Klausur. Das stimmt nicht. Der NC ist ein Rückblick, kein Eintrittsticket. Erst nachdem alle Bewerbungen da sind, sortiert die Hochschule die Bewerber und vergibt die vorhandenen Plätze von der besten Note abwärts. Die Note der letzten Person, die noch einen Platz bekommt, ist dann der NC für genau dieses Semester.
Daraus folgt das Wichtigste gleich vorweg: Der NC ist nicht planbar. Werte aus früheren Jahren sind nur grobe Anhaltspunkte, keine Garantie. Wer dieses Jahr mit 2,1 reinkam, hätte nächstes Jahr vielleicht 1,9 gebraucht oder eben gar keinen bestimmten Schnitt. Genau deshalb verzichten wir auf dieser Seite bewusst auf konkrete NC-Werte für einzelne Fächer.
Umgangssprachlich meint „NC" oft nur die nötige Abinote. Genau genommen heißt Numerus Clausus erst mal nur: Dieser Studiengang ist zulassungsbeschränkt. Wie ausgewählt wird, hängt davon ab, ob das Fach örtlich oder bundesweit beschränkt ist.
Wie entsteht ein NC, wenn es mehr Bewerber als Plätze gibt?
Ein NC ist immer ein Symptom von Knappheit. Hat ein Studiengang 100 Plätze und es bewerben sich 80 Leute, bekommen alle einen Platz, es gibt keinen NC. Bewerben sich aber 400 Leute auf 100 Plätze, muss die Hochschule auswählen. In diesem Moment wird der Studiengang zulassungsbeschränkt, und ein NC entsteht.
So läuft die Auswahl im Grundprinzip ab:
- 1Bewerbungsfrist endet. Erst jetzt steht fest, wie viele sich beworben haben und mit welchen Noten.
- 2Bewerber werden sortiert. Sie werden nach Abiturschnitt geordnet, in der bundesweiten Vergabe zusätzlich nach weiteren Kriterien.
- 3Plätze werden von oben vergeben. Die besten Noten zuerst, bis alle Plätze belegt sind.
- 4Der NC steht fest. Die Note der letzten zugelassenen Person ist der NC dieses Semesters.
Deshalb schwankt der NC von Jahr zu Jahr. Er hängt nicht davon ab, wie schwer ein Fach ist, sondern davon, wie beliebt es gerade ist und wie viele Plätze es gibt. Ein neuer Standort, ein Trendberuf oder ein Doppeljahrgang kann den NC nach oben treiben, ein zusätzliches Platzangebot ihn senken.
Ein hoher NC bedeutet nicht, dass ein Fach schwer ist, sondern nur, dass viele es wollen. Ein niedriger oder gar kein NC sagt nichts über die Qualität des Studiengangs aus.
Örtlicher oder bundesweiter NC: wo liegt der Unterschied?
Nicht jeder NC funktioniert gleich. Entscheidend ist, ob ein Studiengang örtlich oder bundesweit zulassungsbeschränkt ist, denn davon hängt ab, wo und wie du dich bewirbst.
Örtlicher NC
Der Normalfall. Ein Fach ist nur an einer bestimmten Hochschule zulassungsbeschränkt, weil dort gerade mehr Bewerber als Plätze sind. Den örtlichen NC legt jede Hochschule für sich fest, und er kann sich von Standort zu Standort stark unterscheiden. Beworben wird sich entweder direkt bei der Hochschule oder über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) auf hochschulstart.de, über das immer mehr örtlich beschränkte Studiengänge koordiniert werden.
Bundesweiter NC
Für vier Fächer ist die Zulassung bundesweit beschränkt und zentral geregelt: Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Hier bewirbst du dich nicht bei den einzelnen Unis, sondern zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung auf hochschulstart.de. Die Plätze werden nach bundesweit einheitlichen Quoten verteilt, die wir uns im nächsten Abschnitt genauer ansehen.
| Merkmal | Örtlicher NC | Bundesweiter NC |
|---|---|---|
| Gilt für | Viele Fächer, je nach Hochschule | Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie |
| Wer legt fest | Die einzelne Hochschule | Bundesweit einheitliche Quoten |
| Bewerbung über | Hochschule direkt oder DoSV | hochschulstart.de (zentral) |
| NC pro Standort | Kann stark variieren | Über Quoten geregelt |
Wie werden die Studienplätze in Medizin und Co. vergeben?
Bei den vier bundesweit beschränkten Fächern werden die Plätze seit der Reform zum Sommersemester 2020 über drei Quoten verteilt. Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hatte 2017 die damalige Vergabe in der Humanmedizin in Teilen für verfassungswidrig erklärt, vor allem die reine Wartezeitquote. Seither sieht das Verfahren so aus:
| Quote | Anteil der Plätze | Was zählt |
|---|---|---|
| Abiturbestenquote | rund 30 % | Allein die Abiturnote, die Besten je Bundesland kommen hier rein |
| Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) | rund 10 % | Nur schulnotenunabhängige Kriterien wie Tests, Ausbildung, Erfahrung |
| Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) | rund 60 % | Die Hochschulen wählen selbst, meist Abinote plus weitere Kriterien |
Der Clou ist die Zusätzliche Eignungsquote: Sie eröffnet bewusst Chancen unabhängig von der Abiturnote. Hier zählen ausschließlich schulnotenunabhängige Kriterien, also etwa fachspezifische Studierfähigkeitstests, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einschlägige Berufserfahrung. Wer also nicht das perfekte Abi hat, aber zum Beispiel eine Ausbildung in der Pflege gemacht oder einen Medizinertest mit Bestnote abgelegt hat, hat hier eine echte zweite Tür.
Auch im großen Auswahlverfahren der Hochschulen ist die Abinote zwar oft wichtig, aber selten das einzige Kriterium. Viele Standorte bewerten zusätzlich Tests, Auswahlgespräche oder eine Berufsausbildung. Das heißt: Selbst in der NC-stärksten Disziplin überhaupt, der Medizin, führt mehr als nur ein Weg zum Platz.
Welchen NC brauche ich für welches Studium?
Es gibt keinen festen, bundesweiten NC pro Fach. Wie schwer ein Platz zu bekommen ist, hängt von Hochschule, Standort und Bewerberlage im jeweiligen Semester ab. Die folgenden Werte sind grobe Orientierungen aus den letzten Semestern, keine Garantie.
Für die gefragtesten Fächer lässt sich aber sagen, in welcher Größenordnung der NC meist liegt. Wichtig zum Verständnis: Ein NC von 1,5 bedeutet, dass im Vorsemester noch alle mit einem Abischnitt bis 1,5 einen Platz bekommen haben. Der NC ist also ein Ergebnis im Nachhinein, kein Eintrittspreis, der vorher feststeht.
Welchen NC brauche ich für Medizin?
Medizin hat keinen klassischen NC mehr. Über die Abiturbestenquote brauchst du je nach Bundesland meist einen Abischnitt im Bereich von etwa 1,0 bis 1,2. Mit einem etwas schwächeren Abi führen zwei weitere Wege zum Platz: ein gutes Ergebnis im Medizinertest (TMS) und das Auswahlverfahren der Hochschulen, in dem neben der Note auch Tests, eine Ausbildung oder Berufserfahrung zählen.
Welchen NC brauche ich für Psychologie?
Psychologie gehört zu den Fächern mit dem höchsten örtlichen NC. An vielen Universitäten liegt er im Einserbereich, oft etwa zwischen 1,0 und 1,5, je nach Standort und Semester. An weniger nachgefragten Standorten oder an Fachhochschulen ist er teils etwas entspannter.
Welchen NC brauche ich für Jura?
Rechtswissenschaft ist sehr unterschiedlich geregelt. An manchen Universitäten ist Jura zulassungsfrei, an gefragten Standorten gilt ein örtlicher NC, der sich oft im Bereich von etwa 2,5 bis 3,5 bewegt. Wer beim Studienort flexibel ist, findet Jura häufig ohne große Hürde.
Welchen NC brauche ich für BWL?
Betriebswirtschaftslehre wird sehr häufig angeboten, dadurch ist die Spanne groß. Viele Hochschulen vergeben Plätze mit einem örtlichen NC im Bereich von etwa 2,0 bis 3,0, andere Standorte sind zulassungsfrei. Gerade bei BWL lohnt sich der Vergleich mehrerer Hochschulen besonders.
Welchen NC brauche ich für Lehramt?
Beim Lehramt hängt alles von der Fächerkombination, der Schulform und dem Bundesland ab. Viele Kombinationen sind zulassungsfrei oder haben einen moderaten NC, einzelne gefragte Fächer wie Biologie, Sport oder das Grundschullehramt sind dagegen stärker beschränkt.
Welchen NC brauche ich für Soziale Arbeit?
Soziale Arbeit wird vor allem an Fachhochschulen angeboten und ist meist örtlich zulassungsbeschränkt. Der NC bewegt sich häufig im Bereich von etwa 2,0 bis 3,0. Manche Hochschulen beziehen zusätzlich ein Motivationsschreiben oder einschlägige Praxiserfahrung mit ein.
| Studiengang | Zulassung | Grobe Orientierung (Stand 2026) |
|---|---|---|
| Medizin | bundesweit, hochschulstart.de | Abiturbestenquote etwa 1,0 bis 1,2, plus TMS und AdH |
| Psychologie | örtlicher NC | oft etwa 1,0 bis 1,5 |
| Jura | teils zulassungsfrei, teils örtlich | oft etwa 2,5 bis 3,5 |
| BWL | teils zulassungsfrei, teils örtlich | oft etwa 2,0 bis 3,0 |
| Lehramt | je nach Fach und Land | moderat bis zulassungsfrei |
| Soziale Arbeit | meist örtlicher NC | oft etwa 2,0 bis 3,0 |
Kann man auch ohne NC studieren?
Ja, und zwar häufiger, als viele denken. Sehr viele Studiengänge sind zulassungsfrei, also ganz ohne NC. Hier reicht in der Regel die Hochschulreife und eine fristgerechte Einschreibung, eine bestimmte Note ist nicht nötig. Wer flexibel beim Studienort ist, findet fast jedes Fach irgendwo NC-frei.
Zulassungsfrei heißt: Die Hochschule hat genug Plätze für alle, die die formalen Voraussetzungen erfüllen. NC-frei sind besonders oft viele ingenieur- und naturwissenschaftliche Fächer wie Maschinenbau, Physik oder Informatik sowie zahlreiche Geisteswissenschaften. Aber auch beliebte Fächer gibt es an einzelnen Standorten ohne Beschränkung.
Der entscheidende Hebel heißt Flexibilität beim Ort. Dasselbe Fach ist an der großen Uni in der Großstadt oft zulassungsbeschränkt, an einer kleineren Hochschule oder in einer weniger zentralen Stadt dagegen frei. Wer bereit ist, für das Studium umzuziehen, vergrößert seine Chancen enorm. Einen Überblick, was alles geht, gibt unser Ratgeber Was kann man studieren?.
Und selbst ohne klassisches Abitur ist ein Studium möglich, über die Fachhochschulreife, eine Berufsausbildung mit Erfahrung oder eine Meister- bzw. Technikerqualifikation. Wie das genau läuft, liest du im Ratgeber Studieren ohne Abitur.
Lass dich vom NC eines Wunschfachs nicht sofort abschrecken. Oft gibt es dasselbe Fach an einer anderen Hochschule zulassungsfrei oder mit deutlich niedrigerem NC. Vergleichen lohnt sich immer.
Was tun, wenn es mit dem NC nicht klappt?
Eine Absage ist kein Endpunkt, sondern eine von vielen Weggabelungen. Wenn dein Wunschfach am Wunschort nicht klappt, hast du mehr Optionen, als es im ersten Moment scheint.
- Anderen Standort wählen. Der schnellste Hebel. Dasselbe Fach gibt es oft woanders mit niedrigerem oder ganz ohne NC.
- Über Quoten und Tests gehen. Bei Medizin und Co. ist die Zusätzliche Eignungsquote die zweite Tür, etwa über einen Studierfähigkeitstest oder eine Ausbildung.
- Wartezeit überbrücken. In den bundesweiten Fächern gibt es keine reine Wartezeitquote mehr. Eine sinnvoll genutzte Zeit, etwa eine Ausbildung, kann aber in der Eignungsquote oder im Auswahlverfahren punkten.
- Verwandtes Fach starten. Wer Medizin will, kann mit Biologie, Pflegewissenschaft oder einem Gesundheitsfach beginnen und später wechseln oder neu bewerben.
- Ausbildung statt Wartezimmer. Eine Ausbildung im Wunschbereich qualifiziert, bringt Geld und zahlt später oft direkt auf die Eignungsquote ein.
- Ausland prüfen. Manche studieren das Wunschfach im EU-Ausland und kehren mit dem Abschluss zurück. Das will aber finanziell und sprachlich gut geplant sein.
Noch unsicher, welches Fach überhaupt passt? Der kostenlose Studiengang-Test hilft dir, von deinen Interessen zu konkreten, realistischen Studiengängen zu kommen, NC hin oder her.
Für Eltern: So unterstützen Sie beim Thema NC
Wenn Sie diesen Artikel als Mutter oder Vater lesen: Beim NC ist Ihre größte Hilfe, den Druck rauszunehmen. Ein verpasster NC fühlt sich für Ihr Kind oft an wie ein endgültiges Nein, ist aber nur eine von vielen Weichenstellungen. Wer das vermittelt, nimmt schon die halbe Angst.
Ganz konkret können Sie so begleiten:
- Realistisch einordnen. Erklären Sie, dass der NC kein Urteil über Ihr Kind ist, sondern nur das Verhältnis von Bewerbern zu Plätzen abbildet.
- Beim Vergleichen helfen. Gemeinsam Standorte mit niedrigerem oder ohne NC suchen entlastet, ohne zu bevormunden.
- Plan B mitdenken. Ausbildung, verwandtes Fach oder die Zusätzliche Eignungsquote sind echte Wege, kein Trostpreis.
- Die Entscheidung lassen. Sie sind Resonanzboden, nicht Lotse. Ihr Kind muss am Ende selbst hinter dem Weg stehen.
Aus einem hohen NC zu schließen, das Fach sei „zu schwer" für das eigene Kind. Ein hoher NC heißt nur, dass viele es wollen. Über Note, Test, Quoten und Ortswahl gibt es fast immer einen gangbaren Weg.
Karteikarten: NC auf einen Blick
Tippe oder klicke, um die Karte umzudrehen. So prägst du dir die wichtigsten Begriffe rund um den Numerus Clausus ein.
Selbst-Check: Hast du den NC verstanden?
Vier Fragen rund um den Numerus Clausus. Überleg kurz, dann die Auflösung anzeigen.
Nein. Der NC steht erst nach Ende der Bewerbungsfrist fest. Er ist die Note der zuletzt zugelassenen Person und ergibt sich aus dem Verhältnis von Bewerbern zu Plätzen.
Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Für diese vier bewirbst du dich zentral über hochschulstart.de, nicht direkt bei den Unis.
Nur schulnotenunabhängige Kriterien, etwa Studierfähigkeitstests, eine Berufsausbildung oder einschlägige Erfahrung. Die Abinote spielt hier keine Rolle.
Ja. Sehr viele Studiengänge sind zulassungsfrei. Hier reicht die Hochschulreife und die fristgerechte Einschreibung, ein bestimmter Schnitt ist nicht nötig.