Welche Studienfelder gibt es?
In Deutschland gibt es über 20.000 Studiengänge, die sich auf wenige große Studienfelder herunterbrechen lassen: Technik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Recht, Soziales und Gesundheit, Sprachen und Medien sowie Kunst und Gestaltung. Wer ein Feld findet, das passt, hat die Auswahl schon stark eingegrenzt.
Die schiere Zahl schüchtert ein, ist aber irreführend. Niemand vergleicht 20.000 Studiengänge einzeln. Stattdessen sortierst du dich erst in ein Feld ein und schaust dann genauer hin. Laut der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sind im Wintersemester 2024/25 rund 13.100 Studiengänge aktiv studierbar, der Rest läuft aus oder startet erst. Diese teilen sich grob in die folgenden sechs großen Felder auf.
Wichtig vorweg: Diese Felder sind keine Schubladen, in die du dich endgültig einsortierst, sondern eine Landkarte. Sie helfen dir, das riesige Angebot in überschaubare Regionen zu zerlegen, damit du nicht alles auf einmal abwägen musst. Fast jedes der sechs Felder enthält wiederum dutzende Studiengänge, vom breit angelegten Klassiker bis zur Spezialisierung, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab.
Technik & Ingenieurwesen
Hier geht es ums Bauen, Konstruieren und Optimieren, von der Brücke bis zum Algorithmus in der Maschine. Wenn du gern verstehst, wie Dinge funktionieren, und Mathe dich nicht abschreckt, bist du hier richtig.
Beispiele: Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen, Verfahrenstechnik.
Natur- & Formalwissenschaften
Das Feld der grundlegenden Gesetze: Warum verhält sich Materie so, wie funktioniert Leben, wie zähmt man Daten? Viel Theorie, viel Logik, viel Experiment.
Beispiele: Mathematik, Physik, Biologie, Chemie, Data Science, Informatik.
Wirtschaft & Recht
Wie Unternehmen, Märkte und Gesellschaften organisiert sind, und nach welchen Regeln sie laufen. Das beliebteste Feld überhaupt, mit breiten Berufsaussichten.
Beispiele: Betriebswirtschaftslehre (BWL), Volkswirtschaftslehre (VWL), Jura, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht.
Soziales, Bildung & Gesundheit
Alles, was mit Menschen und ihrem Wohlergehen zu tun hat: lehren, heilen, beraten, begleiten. Oft mit hoher Sinnorientierung und festen Berufsbildern.
Beispiele: Lehramt, Soziale Arbeit, Psychologie, Medizin, Pflegewissenschaft, Erziehungswissenschaft.
Sprachen, Kultur & Medien
Sprache, Geschichte, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Wer gern liest, analysiert und schreibt, findet hier sein Zuhause, von der Forschung bis zum Newsroom.
Beispiele: Germanistik, Medienwissenschaft, Journalismus, Anglistik, Kommunikationswissenschaft.
Kunst & Gestaltung
Das gestalterische Feld: vom Raum über das Bild bis zum Klang. Oft mit Eignungsprüfung oder Mappe statt NC, dafür mit Fokus auf Talent und Portfolio.
Beispiele: Grafik- und Kommunikationsdesign, Architektur, Musik, Mediendesign, Innenarchitektur.
Die folgende Tabelle bündelt die sechs Felder mit ihren typischen Stärken. Wenn du dich in einer Zeile wiederfindest, hast du dein Suchgebiet gefunden.
| Studienfeld | Beispiel-Studiengänge | Typische Stärken |
|---|---|---|
| Technik & Ingenieurwesen | Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen | Räumliches Denken, Mathe, Lust am Konstruieren und Tüfteln |
| Natur- & Formalwissenschaften | Mathematik, Physik, Biologie, Chemie, Data Science, Informatik | Logik, Genauigkeit, Neugier auf das Wie und Warum |
| Wirtschaft & Recht | BWL, VWL, Jura, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht | Analytisches Denken, Struktur, Interesse an Abläufen und Regeln |
| Soziales, Bildung & Gesundheit | Lehramt, Soziale Arbeit, Psychologie, Medizin, Pflegewissenschaft | Empathie, Verantwortung, Freude an der Arbeit mit Menschen |
| Sprachen, Kultur & Medien | Germanistik, Medienwissenschaft, Journalismus, Anglistik, Kommunikation | Sprachgefühl, Lesefreude, Analyse und gutes Formulieren |
| Kunst & Gestaltung | Design, Architektur, Musik, Mediendesign, Innenarchitektur | Kreativität, gestalterisches Talent, Auge fürs Detail |
Viele moderne Studiengänge sitzen zwischen den Feldern. Wirtschaftsinformatik verbindet Technik und Wirtschaft, Medizininformatik Gesundheit und Daten, Medienmanagement Wirtschaft und Medien. Wenn dich zwei Felder reizen, gibt es oft genau die Brücke dazwischen.
Bachelor, Master, Staatsexamen: welche Abschlüsse gibt es?
Neben dem Was zählt das Womit. Welcher Abschluss am Ende steht, hängt vom Fach ab. Drei Wege decken fast alles ab.
| Abschluss | Dauer | Typisch für |
|---|---|---|
| Bachelor | ca. 6 Semester | Der erste berufsqualifizierende Abschluss in fast allen Fächern |
| Master | ca. 4 Semester | Vertiefung nach dem Bachelor, oft für Fach- und Führungslaufbahnen |
| Staatsexamen | ca. 10–12 Semester | Medizin, Jura, Lehramt und Pharmazie, also stark regulierte Berufe |
In den meisten Fächern startest du mit dem Bachelor und entscheidest danach, ob du den Master dranhängst. Nur die klassischen Staatsexamens-Fächer wie Medizin oder Jura laufen am Stück durch und enden mit einer staatlichen Prüfung.
Daneben gibt es zwei Formate, die quer zu diesen Abschlüssen liegen. Das duale Studium verbindet Hochschule und Betrieb: Du studierst und arbeitest parallel, bekommst eine Vergütung und sammelst von Anfang an Praxis. Das Fernstudium läuft ortsunabhängig und in deinem Tempo, ideal neben Job oder Familie. Beide enden in der Regel ebenfalls mit Bachelor oder Master, unterscheiden sich aber stark im Alltag. Welches Format passt, hängt weniger vom Fach ab als davon, wie du lernen und leben willst.
Was kann ich mit oder ohne NC und ohne Abi studieren?
Lange nicht jeder Studiengang hat einen Numerus clausus. Rund 7.800 Studiengänge sind zulassungsfrei, du brauchst dafür also keinen bestimmten Schnitt. Und auch ohne klassisches Abitur ist ein Studium heute an fast allen Hochschulen möglich.
Der NC schreckt viele unnötig ab. Er ist kein fester Wert, den eine Hochschule vorgibt, sondern entsteht jedes Jahr neu aus dem Verhältnis von Bewerbern und Plätzen. Bei mehr Bewerbern als Plätzen entscheidet unter anderem die Abiturnote. Bei genug Plätzen gibt es gar keinen NC.
Und genau das ist der Fall bei rund 7.800 Studiengängen, die laut HRK zulassungsfrei sind. Dazu gehören viele ingenieur- und naturwissenschaftliche Fächer wie Maschinenbau, Physik oder Informatik sowie zahlreiche Geisteswissenschaften. Hier reicht in der Regel die allgemeine Hochschulreife und eine fristgerechte Einschreibung, eine bestimmte Note ist nicht nötig.
Studium ohne Abitur
Auch ohne Abi stehen dir viele Türen offen. Mit einer Fachhochschulreife kannst du an Fachhochschulen studieren. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung plus Berufserfahrung oder einer Meister- bzw. Technikerqualifikation kommst du an vielen Hochschulen sogar an die Uni. Die genauen Regeln legen die Bundesländer fest, der Weg über den Beruf ist heute aber fest verankert.
Lass dich vom NC eines Wunschfachs nicht sofort abschrecken. Oft gibt es dasselbe Fach an einer anderen Hochschule zulassungsfrei oder mit deutlich niedrigerem NC. Vergleichen lohnt sich.
Wie findest du aus der Masse das richtige Studium?
Den Überblick hast du jetzt. Bleibt die eigentliche Frage: Wie kommst du von sechs Feldern zu deinem einen Studiengang? Mit System statt Bauchgefühl in fünf Schritten.
- 1Interessen ehrlich sortieren. Womit beschäftigst du dich freiwillig, welche Fächer fallen dir leicht? Das grenzt die Felder ein.
- 2Studienfelder eingrenzen. Wähle aus den sechs Feldern die ein bis zwei aus, die am ehesten passen, und ignoriere den Rest erst mal.
- 3Studiengang-Test machen. Lass dir aus dem Feld konkrete Studiengänge vorschlagen, statt blind zu googeln.
- 4Inhalte und Berufe prüfen. Lies Modulpläne und schau, in welche Berufe ein Studiengang typischerweise führt.
- 5Rahmen abklären. NC, Zulassung, Ort und Kosten prüfen, damit aus der Wunschliste eine realistische Bewerbungsliste wird.
Für den entscheidenden dritten Schritt lohnt ein strukturierter Test. Das RIASEC-Modell des Psychologen John Holland unterscheidet sechs Interessenstypen, vom praktisch-technischen über den forschenden und künstlerischen bis zum sozialen, unternehmerischen und ordnenden Typ, und ordnet sie passenden Tätigkeitsfeldern zu. Genau auf dieser Logik bauen die meisten seriösen Orientierungstests auf. Der Vorteil: Statt dich von Studiengangs-Namen leiten zu lassen, startest du bei dem, was du ohnehin gern tust.
Ein zweiter Tipp gegen die Reizüberflutung: Streiche zuerst, statt zu suchen. Es ist oft leichter zu sagen, was definitiv nicht passt, als sofort den einen Treffer zu finden. Wenn drei der sechs Felder rausfallen, hast du die Auswahl schon halbiert, und der Rest fühlt sich plötzlich machbar an.
Wenn du noch grundsätzlicher bei der Frage „Was soll ich studieren?" stehst, hilft dir unser ausführlicher Ratgeber dazu weiter. Und einen Überblick über alle Themen rund um die Entscheidung findest du in der Kategorie Studienwahl.
Für Eltern: So begleiten Sie die Studienwahl
Wenn Sie diesen Artikel als Mutter oder Vater lesen: Ihre Rolle ist wichtiger, als Sie denken, aber anders, als viele vermuten. Die Studienwahl bleibt die Entscheidung Ihres Kindes. Sie sind Resonanzboden, nicht Lotse.
- Fragen stellen statt Antworten geben. „Was hat dir an dem Praktikum gefallen?" bringt mehr als ein Vorschlag, was Ihr Kind studieren sollte.
- Den Druck rausnehmen. Ein Studienfeld ist keine Lebensentscheidung in Stein. Laut DZHW brechen rund 28 Prozent ihr Bachelorstudium ab, und ein Wechsel ist kein Scheitern, sondern oft ein sinnvoller Kurskorrektur.
- Realität ergänzen, nicht überstülpen. Sie kennen die Arbeitswelt. Teilen Sie Ihr Wissen über Berufe, ohne die Begeisterung Ihres Kindes kleinzureden.
- Beim Recherchieren helfen. Gemeinsam Modulpläne lesen, NC-Werte vergleichen oder einen Studiengang-Test ausprobieren entlastet, ohne zu bevormunden.
Vom eigenen Beruf auf den des Kindes zu schließen. Was vor 25 Jahren eine sichere Wahl war, kann heute ganz anders aussehen, und Studiengänge wie Data Science gab es damals schlicht nicht.
Karteikarten: die Studienfelder auf einen Blick
Tippe oder klicke, um die Karte umzudrehen. So prägst du dir die wichtigsten Begriffe rund um die Studienwahl ein.
Selbst-Check: Hast du den Durchblick?
Vier Fragen rund um Studienfelder und Zulassung. Überleg kurz, dann die Auflösung anzeigen.
In keines allein. Wirtschaftsinformatik ist ein Brückenfach zwischen Wirtschaft und Technik. Genau solche Misch-Studiengänge sind oft ideal, wenn dich zwei Felder gleichzeitig reizen.
Nein. Rund 7.800 Studiengänge sind laut HRK zulassungsfrei, also ohne NC. Dazu zählen viele ingenieur- und naturwissenschaftliche sowie geisteswissenschaftliche Fächer.
Mit dem Staatsexamen, nicht mit Bachelor und Master. Das gilt auch für Jura, Lehramt und Pharmazie, also stark regulierte Berufe mit staatlicher Abschlussprüfung.
Ja. Mit Fachhochschulreife an der FH, mit Berufsausbildung plus Erfahrung oder Meister- bzw. Technikerqualifikation oft auch an der Uni. Die Regeln legen die Bundesländer fest.