Ratgeber · Investieren
Altersvorsorgedepot: So funktioniert die staatlich geförderte ETF-Rente ab 2027
Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 als Nachfolger der Riester-Rente. Es kombiniert staatliche Zulagen mit der Renditechance von ETFs und richtet sich auch an Selbstständige.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 08.10.2026
Das Wichtigste
- Das Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die Riester-Rente als zentrales Förderprodukt ab.
- Die Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro pro Jahr, für Kinder gibt es je 300 Euro zusätzlich.
- Gefördert werden Einzahlungen bis 1.800 Euro jährlich, einzahlen kannst du bis zu 6.840 Euro pro Vertrag.
- Ein Standarddepot mit maximal 1,0 Prozent Kosten muss bei jedem Anbieter verfügbar sein.
01 · Grundlagen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich zertifizierter Vorsorgevertrag, der die Riester-Rente weiterentwickelt und vereinfacht. Es verzichtet auf eine Kapitalgarantie und setzt stattdessen auf renditeorientierte Anlagen wie ETFs.
Im Altersvorsorgedepot kannst du in Fonds der Risikoklassen 1 bis 5 von 7 investieren. Weltweite Aktien-ETFs wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World werden meist in die mittlere Risikoklasse 4 eingestuft und sind damit grundsätzlich erlaubt. Auch Anleihen von EU-Staaten sowie von deutschen Ländern und Gemeinden kommen infrage.
Anders als bei klassischen Riester-Verträgen gibt es keine Garantie auf den Erhalt deiner eingezahlten Beiträge. Dein Geld fließt stattdessen in renditeorientierte Anlagen, die über einen langen Anlagehorizont höhere Renditechancen bieten als die bisherigen Garantieprodukte. Ein Sparplan auf einen weltweiten Aktien-ETF ist dafür eine kostengünstige und breit gestreute Möglichkeit.
Für dein Altersvorsorgedepot kannst du zwischen verschiedenen Anbietern wählen. Banken, Lebensversicherer, Fondsgesellschaften, Depotanbieter und Neobroker dürfen das Produkt anbieten. Auch ein öffentlich organisiertes Altersvorsorgedepot ist vorgesehen.
Kurz erklärt
Altersvorsorgedepot
Ein staatlich gefördertes Depot für die private Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente als zentrales Förderprodukt ablöst. Das angesparte Kapital wird in Fonds, Anleihen und ähnliche Wertpapiere investiert.
Das Altersvorsorgedepot verbindet staatliche Zulagen mit der Renditechance breit gestreuter ETFs und ist auch für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende zugänglich.
02 · Was gilt
Wer kann ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Der Kreis der Förderberechtigten ist beim Altersvorsorgedepot deutlich größer als bei der Riester-Rente. Auch Selbstständige und Freiberufler können die staatlichen Zulagen nutzen.
Gefördert werden künftig Arbeitnehmer und Angestellte, Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende. Personen mit einem bestehenden Riester-Vertrag können ihr angespartes Kapital in das Altersvorsorgedepot übertragen. Voraussetzung für die Förderung ist ein Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland.
Kinder ohne eigenes Einkommen können keinen eigenen Vertrag abschließen. Eltern erhalten für sie jedoch die Kinderzulage, wenn sie selbst ein Altersvorsorgedepot besparen.
Gefördert
Nicht gefördert
03 · Kosten
Wie hoch ist die Förderung im Altersvorsorgedepot?
Die staatliche Förderung setzt sich aus Grundzulage, Kinderzulage und einem einmaligen Berufseinsteigerbonus zusammen. Die Höhe hängt von deinem jährlichen Eigenbeitrag ab.
Die Grundzulage beträgt 50 Cent je Euro bis 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr. Für Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro gibt es 25 Cent je Euro. Maximal erhältst du so eine Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Ab einem Eigenbeitrag von 120 Euro jährlich bist du zulageberechtigt.
Für jedes Kind kommt eine Kinderzulage von 300 Euro pro Jahr hinzu. Die volle Kinderzulage erhältst du ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro, unabhängig davon, wie viele Kinder du hast. Der Anspruch läuft mindestens bis zum 18. Geburtstag des Kindes, bei längerem Kindergeldbezug auch darüber hinaus.
Schließt du deinen Vertrag vor deinem 25. Geburtstag ab, bekommst du einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus. Dieser Bonus wird zusätzlich zu den laufenden Zulagen gewährt.
Staatliche Zulagen im Altersvorsorgedepot pro Jahr
04 · Vergleich
Wie viel kannst du in das Altersvorsorgedepot einzahlen?
Die Einzahlungsgrenzen sind beim Altersvorsorgedepot flexibler als bei der Riester-Rente. Du kannst mehr einzahlen, als staatlich gefördert wird.
Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr, also 10 Euro pro Monat. Die volle Förderung erhältst du bis zu einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro jährlich, das entspricht 150 Euro im Monat. Darüber hinaus gibt es keine Zulagen mehr.
Pro Vertrag kannst du maximal 6.840 Euro jährlich einzahlen, also 570 Euro pro Monat. Du darfst bis zu zwei Verträge abschließen, sodass die maximale Einzahlung insgesamt 13.680 Euro beträgt. Die Zulage erhältst du allerdings nur für ein Depot.
| Mindestbeitrag | Fördergrenze | Maximalbeitrag pro Vertrag | |
|---|---|---|---|
| Jährlicher Betrag | 120 EUR (10 EUR pro Monat) | 1.800 EUR (150 EUR pro Monat) | 6.840 EUR (570 EUR pro Monat) |
| Zulagenberechtigung | Ab 120 EUR jährlich zulageberechtigt | Volle Förderung bis 1.800 EUR | Keine Zulage über 1.800 EUR hinaus |
| Anzahl Verträge | Bis zu zwei Verträge möglich | Zulage nur für ein Depot | Maximal 13.680 EUR bei zwei Verträgen |
05 · Grundlagen
Was ist das Standarddepot?
Das Standarddepot ist eine Pflichtvorgabe für alle Anbieter des Altersvorsorgedepots. Es stellt sicher, dass du immer eine kostengünstige Basisoption zur Verfügung hast.
Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten oder eine Kooperation eingehen, um auf das Standarddepot eines anderen Anbieters zu verweisen. Für dieses Standarddepot gilt ein Kostendeckel von 1,0 Prozent. Das garantiert dir eine kostengünstige Einstiegsoption, ohne dass du die Konditionen verschiedener Anbieter im Detail vergleichen musst.
Zusätzlich zum Standarddepot können Anbieter weitere Depots mit anderen Konditionen anbieten. Achte bei der Wahl darauf, dass die Kosten transparent sind und du nicht unnötig hohe Gebühren zahlst.
Kurz erklärt
Standarddepot
Ein von jedem Anbieter des Altersvorsorgedepots verpflichtend anzubietendes Depot mit einem Kostendeckel von 1,0 Prozent. Anbieter können alternativ eine Kooperation eingehen, um auf das Standarddepot eines anderen Anbieters zu verweisen.
Das Standarddepot garantiert dir eine kostengünstige Einstiegsoption, ohne dass du die Konditionen verschiedener Anbieter im Detail vergleichen musst.
06 · Was gilt
Welche Wertpapiere sind im Altersvorsorgedepot erlaubt?
Nicht jedes Wertpapier darf in ein Altersvorsorgedepot. Der Gesetzgeber begrenzt die Auswahl auf Fonds mit bestimmten Risikoklassen und Anleihen von öffentlichen Emittenten.
Erlaubt sind Fonds der Risikoklassen 1 bis 5 von 7 nach dem Summary Risk Indicator. Weltweite Aktien-ETFs wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World fallen meist in die Risikoklasse 4 und sind damit grundsätzlich zulässig. Auch Anleihen von EU-Staaten sowie von deutschen Ländern und Gemeinden kannst du in dein Altersvorsorgedepot aufnehmen.
Nicht erlaubt sind Aktien einzelner Unternehmen, Zertifikate, Kryptowährungen und andere komplexe oder spekulative Wertpapiere. Die Risikoeinstufung eines Fonds findest du im Produktinformationsblatt, auch Fact Sheet genannt.
Erlaubt
Nicht erlaubt
07 · Schritt für Schritt
Wie läuft die Auszahlphase beim Altersvorsorgedepot ab?
In der Auszahlphase hast du beim Altersvorsorgedepot mehr Wahlmöglichkeiten als bei klassischen Riester-Verträgen. Neben lebenslangen Renten sind auch Zeitrenten und Teilkapitalauszahlungen möglich.
Deinen Renteneintritt kannst du zwischen 65 und 70 Jahren festlegen. Je später du beginnst, desto höher fallen die monatlichen Zahlungen aus. Bei einem zeitlich begrenzten Auszahlungsplan gilt ein gesetzliches Mindestalter von 85 Jahren für die letzte Zahlung.
Bis zu 30 Prozent deines angesparten Kapitals kannst du dir zum Rentenbeginn als Einmalzahlung auszahlen lassen. Diese Auszahlung versteuerst du mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Das ausgezahlte Kapital fließt aus dem Altersvorsorgedepot ab und erwirtschaftet keine Erträge mehr.
Renteneintritt wählen
Du kannst deinen Renteneintritt zwischen 65 und 70 Jahren festlegen. Je später du beginnst, desto höher fallen die monatlichen Zahlungen aus.
Teilkapitalauszahlung nutzen
Bis zu 30 Prozent deines angesparten Kapitals kannst du dir zum Rentenbeginn als Einmalzahlung auszahlen lassen. Diese Auszahlung versteuerst du mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz.
Auszahlungsform wählen
Du kannst zwischen einer lebenslangen Rente und einer Zeitrente wählen. Bei einem zeitlich begrenzten Auszahlungsplan gilt ein gesetzliches Mindestalter von 85 Jahren für die letzte Zahlung.
Versteuerung beachten
Die Auszahlungen aus dem Altersvorsorgedepot werden nachgelagert versteuert. Da dein Einkommen im Ruhestand meist geringer ist als im Erwerbsleben, kann sich daraus ein Steuervorteil ergeben.
08 · Checkliste
Kannst du von einem Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot wechseln?
Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, neue Verträge können ab 2027 nicht mehr abgeschlossen werden. Ein Übertrag des angesparten Kapitals in das Altersvorsorgedepot ist möglich.
Kündige deinen bestehenden Riester-Vertrag nicht voreilig. Prüfe stattdessen, ob sich ein Übertrag des Kapitals lohnt. Das im Riester-Vertrag angesparte Kapital kannst du in das neue Altersvorsorgedepot übertragen.
Stehst du kurz vor der Rente, warte mit dem Wechsel in die Riester-Auszahlphase bis nach der Reform. Vergleiche außerdem die Kosten deines bestehenden Riester-Vertrags mit den Konditionen des Altersvorsorgedepots, bevor du wechselst. Beachte, dass das Altersvorsorgedepot keine Kapitalgarantie bietet, während viele Riester-Verträge eine solche Garantie enthalten.
Das solltest du beim Wechsel von Riester zum Altersvorsorgedepot beachten
Kündige deinen bestehenden Riester-Vertrag nicht voreilig. Prüfe stattdessen, ob sich ein Übertrag des Kapitals lohnt.
Das im Riester-Vertrag angesparte Kapital kannst du in das neue Altersvorsorgedepot übertragen.
Stehst du kurz vor der Rente, warte mit dem Wechsel in die Riester-Auszahlphase bis nach der Reform.
Vergleiche die Kosten deines bestehenden Riester-Vertrags mit den Konditionen des Altersvorsorgedepots, bevor du wechselst.
Beachte, dass das Altersvorsorgedepot keine Kapitalgarantie bietet, während viele Riester-Verträge eine Garantie enthalten.
09 · Vergleich
Altersvorsorgedepot oder normales ETF-Depot: Was lohnt sich?
Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Zulagen und Steuervorteile, ein normales ETF-Depot ist dafür flexibler. Welche Variante für dich besser ist, hängt von deiner individuellen Situation ab.
Beim Altersvorsorgedepot erhältst du eine Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich, eine Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro. Deine Einzahlungen kannst du als Sonderausgaben absetzen, die Besteuerung erfolgt nachgelagert in der Auszahlphase.
Ein normales ETF-Depot bietet keine staatlichen Zulagen. Dafür kannst du jederzeit über dein Kapital verfügen und musst keine Mindestlaufzeiten beachten. Die Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer, wobei du den Sparerpauschbetrag nutzen kannst.
Für die Entscheidung ist entscheidend, wie hoch deine Förderung ausfällt und wie lange dein Anlagehorizont ist. Je höher deine Zulagen und je länger dein Anlagezeitraum, desto eher lohnt sich das Altersvorsorgedepot. Bei kurzen Zeiträumen oder wenn du flexibel bleiben willst, kann ein normales ETF-Depot die bessere Wahl sein.
| Altersvorsorgedepot | Normales ETF-Depot | |
|---|---|---|
| Staatliche Förderung | Grundzulage bis 540 EUR, Kinderzulage 300 EUR pro Kind, Berufseinsteigerbonus 200 EUR | Keine staatlichen Zulagen |
| Steuerliche Behandlung | Einzahlungen als Sonderausgaben absetzbar, nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlphase | Abgeltungsteuer auf Erträge, Sparerpauschbetrag nutzbar |
| Flexibilität | Auszahlung erst ab Renteneintritt, Teilkapitalauszahlung bis 30 Prozent möglich | Jederzeitige Verfügung über das Kapital möglich |
| Kapitalgarantie | Keine Kapitalgarantie, renditeorientierte Anlage | Keine Kapitalgarantie, renditeorientierte Anlage |
| Kosten | Standarddepot mit Kostendeckel von 1,0 Prozent | Teilweise kostenlose Depotführung, nur Fondskosten (TER) |
10 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Altersvorsorgedepot vermeiden
Einige Fehler können die Vorteile des Altersvorsorgedepots schmälern. Achte besonders auf die Wahl des Anbieters und die Höhe deiner Einzahlungen.
Zahle nicht mehr als 1.800 Euro jährlich ein, ohne zu prüfen, ob ein normales ETF-Depot für den überschießenden Betrag günstiger ist. Oberhalb der Fördergrenze erhältst du keine Zulagen mehr, und die Flexibilität eines normalen Depots kann dann überwiegen.
Wähle keinen teuren Versicherungsmantel, wenn ein einfaches Depot mit ETFs deutlich kostengünstiger ist. Versicherer verpacken die Fonds in fondsgebundene Rentenversicherungen, die in der Vergangenheit oft teurer waren als einfache Depotlösungen. Achte auf das Standarddepot mit dem Kostendeckel von 1,0 Prozent.
Kündige deinen bestehenden Riester-Vertrag nicht voreilig, sondern prüfe die Übertragungsmöglichkeit. Beziehe außerdem die nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlphase in deine Renditeberechnung ein, damit du realistische Erwartungen hast.
Häufige Fehler im Umgang mit dem Altersvorsorgedepot
11 · Was gilt
Altersvorsorgedepot für die eigene Immobilie nutzen
Das Guthaben aus dem Altersvorsorgedepot kannst du grundsätzlich auch für deine eigene Immobilie verwenden. Die Bedingungen dafür haben sich mit der Reform verbessert.
Möglich sind der Kauf oder Bau einer eigenen Immobilie, energetische Sanierungen und altersgerechte Umbauten. Eine solche Entnahme gilt nicht als förderschädliche Verwendung, du musst also keine Steuerersparnisse oder Zulagen zurückzahlen.
Allerdings wird diese Option nicht mehr in jedem Vertrag automatisch eingeschlossen sein. Die Anbieter können entscheiden, ob sie die Möglichkeit der Immobilienentnahme in ihr Produkt aufnehmen. Prüfe daher vor Vertragsabschluss, ob dein gewählter Anbieter diese Option anbietet.
Möglich
Nicht möglich
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