Ratgeber · Investieren
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot? Zulagen, Kosten und Rendite im Check
Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente. Ob sich der Wechsel oder ein Neuabschluss für dich rechnet, hängt von deinem Einkommen, deiner Familiensituation und den Kosten des Anbieters ab.
8 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 08.10.2026
Das Wichtigste
- Die staatliche Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro im Jahr, die Kinderzulage 300 Euro pro Kind.
- Ein Standarddepot darf maximal 1,0 Prozent laufende Kosten pro Jahr verlangen.
- In der Auszahlungsphase entfällt die Pflicht zur lebenslangen Verrentung, du kannst auch eine Zeitrente wählen.
- Geringverdiener mit Kindern können im alten Riester-System unter Umständen besser dastehen.
01 · Grundlagen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge. Es startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente als abschließbares Neugeschäft ab.
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Anlageprodukt, das die private Altersvorsorge grundlegend verändert. Es kombiniert staatliche Zulagen mit einer flexiblen Geldanlage, oft in Aktien- und Anleihenfonds oder ETFs. Die Förderung ist an deine Sparleistung gekoppelt, nicht mehr an dein Einkommen wie bei Riester.
Für dich bedeutet das: Du kannst stärker von staatlichen Zuschüssen profitieren, wenn du bereit bist, selbst Geld zurückzulegen. Die neue Struktur ist einfacher zu verstehen und bietet mehr Freiheit bei der Wahl deiner Anlagen.
- Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 und ersetzt den Abschluss neuer Riester-Verträge.
- Es richtet sich an alle, die privat für das Alter vorsorgen möchten, auch an Selbstständige und Freiberufler.
- Die staatliche Förderung besteht aus Grundzulage, Kinderzulage und einem einmaligen Berufseinsteigerbonus.
Kurz erklärt
Altersvorsorgedepot
Ein staatlich gefördertes Anlageprodukt für die private Altersvorsorge, das ab 2027 den Abschluss neuer Riester-Verträge ersetzt. Es kombiniert staatliche Zulagen mit einer flexiblen Geldanlage, oft in Aktien- und Anleihenfonds oder ETFs.
Die Förderung ist an die Sparleistung gekoppelt, nicht mehr an das Einkommen wie bei Riester.
02 · Schritt für Schritt
So funktioniert die staatliche Förderung
Die neue Förderlogik ist einfacher als bei Riester: Entscheidend ist, wie viel du selbst einzahlst. Für jeden Euro gibt es einen staatlichen Zuschuss, gestaffelt nach Sparhöhe.
Die neue Förderlogik ist an deine jährliche Sparleistung gekoppelt und in zwei Stufen aufgebaut. In der ersten Stufe erhältst du für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr 50 Cent Grundzulage pro gespartem Euro. Das ergibt maximal 180 Euro Zulage in dieser Stufe.
Für weitere Beiträge bis zu 1.440 Euro im Jahr gibt es 25 Cent pro Euro. Zusammen mit der ersten Stufe liegt der maximal geförderte Eigenbeitrag bei 1.800 Euro jährlich. Die Grundzulage kann auf diese Weise bis zu 540 Euro pro Jahr betragen, das sind 365 Euro mehr als die bisherige Riester-Grundzulage von 175 Euro.
- Für jedes Kind erhältst du eine Kinderzulage von 300 Euro pro Jahr, unabhängig vom Geburtsdatum.
- Die volle Kinderzulage gibt es bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro.
- Der Berufseinsteigerbonus beträgt einmalig 200 Euro, wenn du den Vertrag vor deinem 25. Geburtstag abschließt.
Erste Stufe: 50 Cent je Euro
Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr erhältst du 50 Cent Grundzulage pro gespartem Euro.
Zweite Stufe: 25 Cent je Euro
Für weitere Beiträge bis zu 1.440 Euro im Jahr gibt es 25 Cent pro Euro. Zusammen mit der ersten Stufe liegt der maximal geförderte Eigenbeitrag bei 1.800 Euro jährlich.
Maximale Grundzulage
Die Grundzulage kann auf diese Weise bis zu 540 Euro pro Jahr betragen. Das sind 365 Euro mehr als die bisherige Riester-Grundzulage von 175 Euro.
Kinderzulage
Für jedes Kind erhältst du bis zu 300 Euro pro Jahr, unabhängig vom Geburtsdatum des Kindes. Die Höhe der Zahlung ist an deinen eigenen Beitrag gekoppelt: Für jeden eingezahlten Euro bis 300 Euro gibt es einen Euro an Kinderzulage zusätzlich.
03 · Vergleich
Altersvorsorgedepot oder Riester: Was lohnt sich für wen?
Nicht für alle Sparer ist das neue System automatisch besser. Vor allem Geringverdiener mit Kindern sollten nachrechnen, bevor sie einen bestehenden Riester-Vertrag ruhen lassen oder wechseln.
Im alten System konntest du mit einem sehr niedrigen Eigenbeitrag hohe Zulagen erhalten, wenn dein Einkommen gering war.
Im neuen System ist die Förderung stärker an deine eigene Sparleistung gekoppelt. Wer wenig verdient und mehrere Kinder hat, kann im alten System mit einem Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr und zwei Kindern insgesamt 775 Euro Zulagen bekommen. Im neuen System wären bei gleichem Einsatz nur 300 Euro Zulagen möglich.
- Für Gutverdiener ist das neue System oft attraktiver, weil die maximale Grundzulage höher ist.
- Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende werden im neuen System erstmals gefördert.
- Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, du kannst aber in das neue System wechseln.
| Riester (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) | |
|---|---|---|
| Berechnungsbasis | 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, maximal 2.100 Euro Eigenbeitrag | Sparleistung, maximal 1.800 Euro geförderter Eigenbeitrag |
| Maximale Grundzulage | 175 Euro pro Jahr | 540 Euro pro Jahr |
| Kinderzulage | 300 Euro für nach 2007 geborene Kinder, 185 Euro für ältere | 300 Euro für jedes Kind, unabhängig vom Geburtsdatum |
| Mindestbeitrag für volle Kinderzulage | Abhängig vom Einkommen, oft sehr niedrig (z. B. 60 Euro im Jahr für Geringverdiener) | 120 Euro pro Jahr, also 10 Euro pro Monat |
| Kosten | Häufig hohe Abschluss- und Verwaltungskosten | Standarddepot auf 1,0 Prozent laufende Kosten begrenzt |
04 · Kosten
Was kostet ein Altersvorsorgedepot?
Die Kosten sind ein entscheidender Faktor für die Rendite. Beim Standarddepot hat der Gesetzgeber eine Obergrenze festgelegt, private Anbieter können aber teurere Produkte anbieten.
Beim Standarddepot hat der Gesetzgeber eine Obergrenze von 1,0 Prozent des angelegten Kapitals pro Jahr festgelegt. Dieses Standarddepot muss bei jedem Anbieter verfügbar sein.
Bei Direktbanken, die das Depot mit ETFs bestücken, liegen die Kosten oft deutlich darunter, realistisch sind unter 0,2 Prozent. Nicht-standardisierte Depots und Versicherungsformen dürfen höhere laufende Kosten als 1,0 Prozent haben. Höhere Kosten reduzieren deine Rendite über die Laufzeit erheblich, achte daher auf die laufenden Kosten, nicht nur auf die Zulagen.
- Das Standarddepot ist die günstige Pflichtoption bei jedem Anbieter.
- ETF-basierte Depots bei Direktbanken sind oft die kostengünstigste Wahl.
- Teurere Produkte lohnen sich nur, wenn sie einen klaren Mehrwert bieten.
Laufende Kosten im Vergleich
05 · Was gilt
Wann sich ein Wechsel vom Riester-Vertrag lohnt
Millionen bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Ob du wechseln, ruhen lassen oder weiter einzahlen solltest, hängt von deiner persönlichen Situation ab.
Ein Wechsel in das Altersvorsorgedepot ist besonders dann sinnvoll, wenn dein alter Vertrag hohe Kosten hat oder du stärker in Aktien investieren möchtest.
Wenn du in der Auszahlungsphase nicht zu einer lebenslangen Rente gezwungen sein willst, bietet das neue System mit Zeitrenten mehr Flexibilität. Auch für Selbstständige, die bisher nicht riesterberechtigt waren, ist der Wechsel oder Neueinstieg attraktiv. Geringverdiener mit Kindern sollten dagegen prüfen, ob sie im alten System mit sehr niedrigem Eigenbeitrag höhere Zulagen erhalten.
- Wechseln lohnt sich bei hohen Verwaltungs- oder Fondskosten im alten Vertrag.
- Wechseln lohnt sich, wenn du ohne Garantien stärker in ETFs investieren willst.
- Im alten System bleiben lohnt sich für Geringverdiener mit Kindern und sehr niedrigem Eigenbeitrag.
Wechsel prüfen
Alten Vertrag behalten
06 · Im Vertrag
Steuern in der Anspar- und Auszahlungsphase
Die steuerliche Behandlung ist ein zentraler Unterschied zum normalen Depot. Während der Ansparphase bleibt das Altersvorsorgedepot steuerfrei, in der Auszahlungsphase wird differenziert besteuert.
Das gilt für Erträge, Dividenden und Kursgewinne, auch bei thesaurierenden Produkten. In der Auszahlungsphase wird differenziert besteuert.
Auszahlungen aus dem geförderten Anteil, also bis zu 1.800 Euro Eigenbeitrag plus Zulagen, unterliegen vollständig der Einkommensteuer. Für Überzahlungen gilt bei einer Laufzeit von mindestens 12 Jahren und Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr das Halbeinkünfteverfahren: Nur 50 Prozent der Gewinne werden besteuert. Dein Kapital ist zudem voll vererbbar.
- Die Ansparphase ist steuerfrei, das ist ein Vorteil gegenüber einem normalen Depot.
- Der geförderte Anteil wird in der Auszahlungsphase mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert.
- Für den nicht geförderten Anteil gilt das Halbeinkünfteverfahren unter bestimmten Bedingungen.
Steuerliche Eckpunkte
07 · Checkliste
Checkliste: So findest du das passende Angebot
Nicht jedes Altersvorsorgedepot ist gleich gut. Diese Punkte solltest du vor dem Abschluss prüfen, um hohe Kosten und unflexible Verträge zu vermeiden.
Nicht jedes Altersvorsorgedepot ist gleich gut. Diese Punkte solltest du vor dem Abschluss prüfen, um hohe Kosten und unflexible Verträge zu vermeiden. Ein günstiges Standarddepot mit breit gestreuten ETFs ist für viele Sparer die beste Wahl.
Achte darauf, dass die laufenden Kosten beim Standarddepot bei maximal 1,0 Prozent liegen oder deutlich darunter. Prüfe, ob der Anbieter eine Zeitrente anbietet und ob die Zulagen automatisch beantragt werden. So vermeidest du unnötige Renditeverluste.
- Liegen die laufenden Kosten beim Standarddepot bei maximal 1,0 Prozent oder deutlich darunter?
- Sind breit gestreute Aktien-ETFs oder Fonds ohne Garantien wählbar?
- Bietet der Vertrag eine Zeitrente oder nur eine lebenslange Rente?
- Werden Grundzulage, Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus automatisch beantragt?
- Kannst du später innerhalb des Altersvorsorgedepots den Anbieter wechseln?
Darauf achtest du beim Anbietervergleich
Laufende Kosten: Liegen sie beim Standarddepot bei maximal 1,0 Prozent oder deutlich darunter?
Anlageoptionen: Sind breit gestreute Aktien-ETFs oder Fonds ohne Garantien wählbar?
Auszahlungsflexibilität: Bietet der Vertrag eine Zeitrente oder nur eine lebenslange Rente?
Zulagenabwicklung: Werden Grundzulage, Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus automatisch beantragt?
Wechseloption: Kannst du später innerhalb des Altersvorsorgedepots den Anbieter wechseln?
Kosten bei Beitragspause: Fallen Gebühren an, wenn du die Einzahlung vorübergehend stoppst?
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Entscheidung
Viele Sparer treffen die Entscheidung für oder gegen das Altersvorsorgedepot aus dem Bauch heraus. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Diese Fehler kannst du vermeiden, indem du deine Optionen nüchtern vergleichst. Ein häufiger Fehler ist die förderschädliche Kündigung des alten Riester-Vertrags.
Dabei musst du erhaltene Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Besser ist es, den Vertrag ruhen zu lassen oder zu übertragen. Ein weiterer Fehler ist die Wahl eines teuren, nicht-standardisierten Depots, obwohl ein günstiges Standarddepot ausreicht.
- Du kündigst deinen Riester-Vertrag förderschädlich, statt ihn ruhen zu lassen oder zu übertragen.
- Du wählst ein nicht-standardisiertes Depot mit hohen laufenden Kosten, obwohl ein günstiges Standarddepot ausreicht.
- Du ignorierst die Kinderzulage, weil du denkst, sie sei an das Einkommen gekoppelt.
- Du vergleichst nur die Zulagen, nicht aber die Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit.
- Du gehst davon aus, dass das Altersvorsorgedepot automatisch für jeden die beste Wahl ist.
Diese Fehler kosten dich Rendite
Häufige Fragen
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