Mietkauf Wie funktioniert das Modell – und wann lohnt es sich?
Mietkauf einfach erklärt: Wie funktioniert es, was kostet es wirklich und wann lohnt es sich für junge Erwachsene? Alle Vor- und Nachteile auf einen Blick.
- Mietkauf kombiniert klassisches Mietverhältnis mit einer späteren Kaufoption oder -pflicht für die Immobilie
- Mieter zahlen eine monatliche Rate, von der ein vereinbarter Anteil auf den späteren Kaufpreis angerechnet wird
- Unterscheidung zwischen echtem Mietkauf (Kaufpflicht) und Mietkauf mit Option (Kaufrecht, kein Zwang
- Rechtliche Grundlage: Kein eigenständiges Gesetz – es gelten Mietrecht (BGB) und Kaufrecht (BGB) je nach Vertragsphase
Mietkauf erklärt: Wohneigentum in Raten – aber zu welchem Preis?
Mietkauf kombiniert klassisches Mietverhältnis mit einer späteren Kaufoption oder -pflicht für die Immobilie
Mietkauf klingt verlockend: monatlich Miete zahlen und am Ende Eigentümer werden – ganz ohne sofortigen Bankkredit. Doch das Modell hat Tücken, die gerade für Menschen ohne großes Startkapital erhebliche finanzielle Risiken bergen können. Was Mietkauf wirklich bedeutet, wann er sinnvoll ist und worauf du beim Vertrag unbedingt achten musst, erfährst du hier.
AUF EINEN BLICK
- Mieter zahlen eine monatliche Rate, von der ein vereinbarter Anteil auf den späteren Kaufpreis angerechnet wird
- Unterscheidung zwischen echtem Mietkauf (Kaufpflicht) und Mietkauf mit Option (Kaufrecht, kein Zwang
- Rechtliche Grundlage: Kein eigenständiges Gesetz – es gelten Mietrecht (BGB) und Kaufrecht (BGB) je nach Vertragsphase
- Verbreitet auch bei Konsumgütern (z. B. Möbel, Geräte) – auf dieser Seite Fokus auf Immobilien
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Was ist Mietkauf genau?
Bei klassischer Baufinanzierung wird sofort Eigentum erworben und ein Bankkredit aufgenommen; beim Mietkauf bleibt der Verkäufer bis zur vollständigen Zahlung Eigentümer
Mietkauf ist ein hybrides Vertragsmodell, das Elemente des klassischen Mietverhältnisses mit einer späteren Kaufoption oder Kaufpflicht für eine Immobilie verbindet. Der Kern des Konzepts: Der Interessent zieht in eine Wohnung oder ein Haus ein und zahlt monatliche Raten – ähnlich wie eine normale Miete. Ein vertraglich festgelegter Anteil dieser Raten wird jedoch nicht als Nutzungsentgelt verbucht, sondern auf den vereinbarten Kaufpreis angerechnet. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit oder bei Erreichen eines bestimmten Zahlungsziels kann oder muss der Mieter die Immobilie dann käuflich erwerben.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Beim echten Mietkauf besteht eine Kaufpflicht – der Mieter ist vertraglich verpflichtet, die Immobilie am Ende zu erwerben. Beim Mietkauf mit Option hingegen hat der Mieter lediglich ein Kaufrecht, aber keine Kaufpflicht. Diese Unterscheidung klingt technisch, hat aber massive praktische Konsequenzen: Bei der Kaufpflicht-Variante haftest du auch dann für den Kaufpreis, wenn sich deine finanzielle Situation verschlechtert oder die Immobilie an Wert verloren hat.
Rechtlich ist Mietkauf in Deutschland kein eigenständiges Rechtsgebiet. Es existiert kein spezielles „Mietkaufgesetz". Stattdessen gelten je nach Vertragsphase unterschiedliche Teile des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB): Während der Nutzungsphase greift das Mietrecht, beim endgültigen Eigentumsübergang das Kaufrecht. Diese rechtliche Zwischenstellung macht es umso wichtiger, dass der Vertrag klar und vollständig alle Rechte und Pflichten beider Parteien regelt – und dass du ihn im Zweifel von einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt prüfen lässt.
| Aspekt | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Bei klassischer Baufinanzierung wird sofort Eigentum erworben und ein Bankkredit aufgenommen; beim Mietkauf bleibt der Verkäufer bis zur vollständigen Zahlung Eigentümer | , |
| Mietkauf erfordert in der Startphase häufig keine klassische Bonität gegenüber einer Bank, was für Berufseinsteiger relevant ist | , |
| Kein Grundbucheintrag für Käufer während der Mietphase – wichtiges Risiko | , |
| Effektivzins-Vergleich entscheidend: Mietkaufraten sind oft teurer als ein klassisches Annuitätendarlehen | , |
| Bei Baufinanzierung: Zinsbindung | Sondertilgungsrecht, staatliche Förderung (z. B. KfW) möglich – beim Mietkauf meist nicht |
Die wichtigsten Unterschiede: Mietkauf oder Bankkredit?
Schritt 1: Einigung auf Kaufpreis, monatliche Rate, Anrechnungsquote und Laufzeit im Mietkaufvertrag
Bei einer klassischen Baufinanzierung erwirbst du die Immobilie sofort: Du nimmst einen Bankkredit auf, der Kaufvertrag wird notariell beurkundet, du wirst im Grundbuch als Eigentümer eingetragen – und zahlst anschließend monatliche Kreditraten (Annuitäten) aus Zins und Tilgung an die Bank. Beim Mietkauf bleibst du hingegen bis zur vollständigen Zahlung und zum endgültigen Vertragsabschluss rechtlich gesehen Mieter, nicht Eigentümer. Der Verkäufer bleibt während der gesamten Mietphase im Grundbuch eingetragen.
Diese Konstruktion hat zunächst einen scheinbaren Vorteil für Menschen mit noch unvollständiger Bonität: Mietkaufverträge werden häufig ohne klassische Bonitätsprüfung durch eine Bank abgeschlossen. Für Berufseinsteiger, Freelancer oder Personen mit kurzer Beschäftigungsgeschichte kann das eine niedrigere Hürde bedeuten als ein Bankgespräch. Allerdings sollte man diesen Vorteil nicht überschätzen – auch seriöse Mietkaufanbieter prüfen die Zahlungsfähigkeit ihrer Vertragspartner.
Das entscheidende Kriterium beim Vergleich ist der Effektivzins. Mietkaufraten setzen sich aus einem Nutzungsentgelt und einem Sparanteil zusammen – und sind in der Praxis häufig teurer als ein vergleichbares Annuitätendarlehen. Da der aktuelle Zinsmarkt sich regelmäßig verändert, solltest du konkrete Angebote immer einem Finanzierungsrechner gegenüberstellen, bevor du eine Entscheidung triffst. Ein weiterer struktureller Nachteil des Mietkaufs: Während der Mietphase bist du nicht im Grundbuch eingetragen. Das bedeutet keinerlei dinglichen Schutz – ein erhebliches Risiko, auf das wir in einem späteren Abschnitt ausführlich eingehen.
AUF EINEN BLICK
- Schritt 2: Einzug und monatliche Ratenzahlung – ein Teil geht als 'Spar'-Anteil in den Kaufpreis, ein Teil ist Nutzungsentgelt
- Schritt 3: Am Vertragsende Ausübung der Kaufoption (oder bei Kaufpflicht: automatischer Übergang) mit notariellem Kaufvertrag und Grundbucheintrag
- Wichtig: Vorzeitige Kündigung kann zum Verlust der bereits geleisteten Anrechnungsbeträge führen – genaue Vertragsklauseln prüfen
- Notarielle Beurkundung des Mietkaufvertrags empfohlen, um Rechtssicherheit zu gewährleisten
Wie läuft ein Mietkauf-Vertrag in der Praxis ab?
Monatliche Rate setzt sich zusammen aus: Nutzungsentgelt (= wirtschaftliche Miete) + Sparanteil (= angerechneter Kaufpreisanteil
Der Mietkaufprozess beginnt mit der Vertragsverhandlung. Im ersten Schritt einigen sich Käufer und Verkäufer auf den Kaufpreis der Immobilie, die monatliche Gesamtrate, die sogenannte Anrechnungsquote (also wie viel Prozent der monatlichen Rate tatsächlich auf den Kaufpreis angerechnet wird) sowie die Vertragslaufzeit. Alle diese Parameter sind frei verhandelbar – und genau darin liegt das erste Risiko: Wer nicht verhandlungserfahren ist oder den Markt nicht kennt, kann leicht ungünstige Konditionen akzeptieren.
Im zweiten Schritt ziehst du ein und zahlst monatlich die vereinbarte Rate. Diese setzt sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen: dem Nutzungsentgelt, das wirtschaftlich einer Miete entspricht, und dem Sparanteil, der auf den Kaufpreis angerechnet wird. Beispielhaft gesagt: Wenn deine Rate aus einem Nutzungsentgelt und einem Sparanteil besteht und die Anrechnungsquote niedrig ist, kann es sein, dass du nach zehn Jahren weniger auf den Kaufpreis angespart hast, als du intuitiv erwarten würdest – die genaue Kalkulation ist also entscheidend.
Am Vertragsende steht – entweder bei Kaufoption durch deine Entscheidung oder bei Kaufpflicht automatisch – der eigentliche Eigentumsübergang. Dieser muss notariell beurkundet werden. Erst jetzt wirst du im Grundbuch als Eigentümer eingetragen, und erst jetzt fallen die klassischen Kaufnebenkosten an: Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Grundbuchgebühren. Diese Nebenkosten solltest du nicht vergessen, wenn du die Gesamtkosten eines Mietkaufs kalkulierst. Ein kritischer Punkt ist außerdem die vorzeitige Kündigung: Vielen Verträgen zufolge verfällt beim Ausstieg der gesamte bereits angerechnete Betrag oder zumindest ein erheblicher Teil davon. Die entsprechenden Klauseln musst du vor Vertragsabschluss genau lesen und verstehen.
AUF EINEN BLICK
- Zusatzkosten: Instandhaltung kann je nach Vertrag auf Mieter/Käufer abgewälzt werden – Vertrag genau prüfen
- Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Grundbuchgebühr) fallen beim endgültigen Eigentumsübergang an
- Effektivkosten-Vergleich mit Annuitätendarlehen ist zwingend notwendig
- Keine Eigenkapitalanforderung in der Mietphase – aber Gesamtkosten oft höher als bei Direktkauf mit Kredit
Was Mietkauf wirklich kostet – und warum der Vergleich so wichtig ist
Vorteil: Einstieg in Wohneigentum trotz fehlendem Eigenkapital oder ungesichertem Einkommen möglich
Die monatliche Mietkaufrate setzt sich, wie erwähnt, aus zwei Komponenten zusammen: dem Nutzungsentgelt und dem Sparanteil. Nur der Sparanteil wird auf den Kaufpreis angerechnet. In der Praxis variiert die Anrechnungsquote erheblich – von Anbieter zu Anbieter und je nach Vertrag. Es ist durchaus möglich, dass ein großer Teil deiner monatlichen Zahlung de facto als Miete versickert und nur ein kleiner Anteil deinen späteren Kaufpreis reduziert. Das macht es schwierig, intuitiv zu erfassen, was du tatsächlich „ansparest".
Hinzu kommen mögliche Zusatzkosten, die im Mietrecht normalerweise beim Vermieter liegen: Instandhaltungs- und Reparaturpflichten können im Mietkaufvertrag auf den Mieter-Käufer übertragen werden. Das ist bei klassischen Mietverhältnissen zwar für größere Maßnahmen nicht zulässig, bei Mietkaufkonstruktionen aber vertraglich vereinbar – und kann im Laufe der Jahre erhebliche Zusatzbelastungen bedeuten, etwa bei Heizungsausfall, Dachreparatur oder Feuchtigkeitsschäden. Auch dieser Punkt gehört unbedingt in den Vertragscheck.
Beim endgültigen Eigentumsübergang fallen außerdem die Kaufnebenkosten an: Die Grunderwerbsteuer variiert je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises, dazu kommen Notarkosten und Grundbuchgebühren. Diese Beträge müssen liquide vorhanden sein – sie lassen sich in der Regel nicht über die Mietkaufraten finanzieren. Der gesamte Kostenvergleich mit einem Annuitätendarlehen ist daher zwingend notwendig: Nur wer alle Kosten vollständig gegenüberstellt, kann eine fundierte Entscheidung treffen.
AUF EINEN BLICK
- Vorteil: Zeit zur Bonitätsverbesserung und zum Eigenkapitalaufbau während der Mietphase
- Vorteil: Kaufpreis wird beim Vertragsabschluss fixiert – Schutz vor weiteren Preissteigerungen
- Nachteil: Kein Grundbuchschutz während der Mietphase – Insolvenz des Verkäufers ist ein ernstes Risiko
- Nachteil: Gesamtkosten oft höher als klassische Finanzierung; weniger staatliche Fördermöglichkeiten
Mietkauf für Berufseinsteiger und alle, die Wohneigentum anstreben: Wann lohnt er sich?
Ist der Vertrag als Mietkauf mit Option oder mit Pflicht ausgestaltet? – unterschiedliche Rechtsfolgen
Der größte Vorteil des Mietkaufs für viele Interessenten liegt in der niedrigeren Einstiegshürde. Wer am Beginn seiner beruflichen Laufbahn steht oder sich in einer Phase des beruflichen Umbruchs befindet, verfügt oft weder über ausreichendes Eigenkapital für eine klassische Baufinanzierung noch über eine mehrjährige Beschäftigungshistorie, die Banken gerne sehen. Mietkauf kann in dieser Phase einen Weg in Wohneigentum öffnen, der sonst verschlossen bliebe. Gleichzeitig bleibt während der Mietphase Zeit, die eigene Bonität zu verbessern und weiteres Eigenkapital aufzubauen – beides erhöht die Chancen auf eine günstige Anschlussfinanzierung, falls am Ende der Mietphase noch ein Restbetrag offen ist.
Ein weiterer Vorteil ist die Preisstabilität: Der Kaufpreis wird beim Vertragsabschluss festgelegt. In einem Marktumfeld, in dem Immobilienpreise schwanken können, bietet das zumindest eine Planungsgrundlage. Allerdings gilt dieser Vorteil auch umgekehrt: Sinken die Preise während der Laufzeit, zahlst du trotzdem den ursprünglich vereinbarten Preis – du profitierst also nicht von einer Marktkorrektur nach unten.
Auf der Nachteilsseite steht das wohl größte Risiko des Mietkaufs: der fehlende Grundbuchschutz während der Mietphase. Du zahlst über Jahre auf eine Immobilie ein, bist aber nicht als Eigentümer eingetragen. Gerät der Verkäufer in Insolvenz oder verkauft er die Immobilie an einen Dritten, kannst du als bloßer Mieter erhebliche Schwierigkeiten bekommen, deine geleisteten Zahlungen zurückzubekommen. Dieses Risiko ist real und sollte bei der Entscheidung schwer wiegen. Ebenfalls nachteilig: Die Gesamtkosten eines Mietkaufs übersteigen oft die einer klassischen Baufinanzierung – was den scheinbaren Zugangsvorteil teilweise oder vollständig aufwiegt.
AUF EINEN BLICK
- Auflassungsvormerkung im Grundbuch eintragen lassen – schützt vor Verkauf an Dritte und Insolvenzrisiko
- Klauseln zu Instandhaltungspflichten: Wer trägt Reparaturkosten während der Mietphase?
- Regelung bei Zahlungsverzug: Verfällt der angerechnete Betrag? – Rückzahlungsansprüche prüfen
- Verbraucherschutz: Fernabsatz- oder Haustürgeschäfte unterliegen Widerrufsrecht (BGB § 312 ff.) – wichtig bei unseriösen Anbietern
Worauf du den Vertrag unbedingt prüfen musst
Klassische Baufinanzierung mit Annuitätendarlehen – sinnvoll ab gesichertem Einkommen und etwas Eigenkapital
Das Wichtigste zuerst: Lass den Mietkaufvertrag vor Unterzeichnung von einer Verbraucherzentrale oder einem auf Immobilienrecht spezialisierten Anwalt prüfen. Die Kosten dieser Beratung sind im Vergleich zu dem finanziellen Risiko, das du eingehst, minimal. Im Mittelpunkt der Prüfung sollte zunächst die Frage stehen, ob der Vertrag als Mietkauf mit Option oder mit Kaufpflicht ausgestaltet ist – denn daraus folgen grundlegend unterschiedliche Rechtsfolgen und Haftungsszenarien für dich.
Der wichtigste Schutzmechanismus, den du als Mietkäufer anstreben solltest, ist die Eintragung einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch. Diese sichert deinen Anspruch auf Übertragung des Eigentums und schützt dich vor dem Verkauf der Immobilie an Dritte sowie vor den Folgen einer Insolvenz des Verkäufers während der Mietphase. Ohne Auflassungsvormerkung bist du als Mietkäufer rechtlich erheblich schlechter gestellt als ein gewöhnlicher Käufer, der sofort im Grundbuch eingetragen wird.
Weitere kritische Vertragsklauseln betreffen die Instandhaltungspflichten: Wer trägt während der Mietphase die Kosten für Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen? Klare vertragliche Regelungen dazu schützen dich vor unerwarteten finanziellen Belastungen. Ebenso wichtig ist die Regelung bei Zahlungsverzug: Verfällt der bis dahin angerechnete Betrag vollständig? Gibt es Rückzahlungsansprüche? Diese Fragen können im Streitfall existenzielle finanzielle Bedeutung haben und müssen im Vertrag eindeutig geregelt sein.
AUF EINEN BLICK
- KfW-Wohneigentumsförderung und Bausparvertrag als Eigenkapital-Aufbauinstrumente
- Wohn-Riester (Eigenheimrente) für förderberechtigte Personen
- Genossenschaftswohnen als günstige Miet-Alternative ohne Kaufverpflichtung
- Shared Ownership-Modelle (in Deutschland noch selten) als Mittelweg
Alternativen, die oft besser passen
Mietkauf ist in Deutschland deutlich seltener als in Großbritannien oder den USA
Bevor du einen Mietkaufvertrag unterzeichnest, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Alternativen – und die Frage, welches Modell wirklich zu deiner aktuellen Lebenssituation passt. Die klassische Baufinanzierung mit einem Annuitätendarlehen ist für viele Berufseinsteiger der direktere und oft günstigere Weg ins Eigentum, sobald ein geregeltes Einkommen und ein gewisses Eigenkapital (üblicherweise mindestens 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises) vorhanden sind. Banken und Kreditvermittler bieten dabei individuelle Konditionen, die verglichen werden sollten.
Für den Eigenkapitalaufbau kommen staatlich geförderte Instrumente infrage: Der Bausparvertrag etwa ermöglicht systematisches Ansparen und sichert gleichzeitig einen zukünftigen Darlehenszins. Die KfW-Wohneigentumsförderung bietet unter bestimmten Voraussetzungen zinsgünstige Darlehen für den Immobilienerwerb. Wohn-Riester, auch als Eigenheimrente bekannt, erlaubt es förderberechtigten Personen, Riester-Guthaben für den Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie zu nutzen.
Eine ganz andere Alternative ist das Genossenschaftswohnen: Hier erwirbt man Genossenschaftsanteile und erhält dafür ein dauerhaftes, günstiges Wohnrecht – ohne Kaufverpflichtung und ohne die Risiken des Mietkaufs. Genossenschaftswohnungen sind zwar nicht überall verfügbar, können aber insbesondere in städtischen Lagen eine attraktive und sichere Wohnform darstellen. Letztlich gilt: Mietkauf ist nicht per se schlechter oder besser als andere Modelle – er muss zu deiner konkreten finanziellen Situation und deinen langfristigen Zielen passen.
AUF EINEN BLICK
- Angebote vor allem im Bestand – kaum Neubauprojekte; städtische Wohnungsbaugesellschaften bieten vereinzelt Modelle an
- Vorsicht vor unseriösen Angeboten: hohe monatliche Raten, niedrige Anrechnungsquoten, unklare Vertragslaufzeiten
- Verbraucherzentralen warnen regelmäßig vor bestimmten Mietkauf-Konstruktionen
- Aktuelle Zinsentwicklung beeinflusst die relative Attraktivität von Mietkauf gegenüber klassischer Finanzierung
Mietkauf in Deutschland: Anbieter, Marktlage und Warnzeichen
In Deutschland ist Mietkauf deutlich weniger verbreitet als etwa in Großbritannien oder den USA, wo das Modell unter dem Begriff „Rent-to-Own" eine größere Rolle spielt. Hierzulande findet sich Mietkauf vor allem im Bestand – kaum in Neubauprojekten. Einzelne städtische Wohnungsbaugesellschaften bieten vereinzelt Mietkaufmodelle an, die häufig sozial ausgerichtet sind und unter bestimmten Voraussetzungen eine interessante Option darstellen können.
Neben seriösen Anbietern gibt es auf dem Markt jedoch auch problematische Konstruktionen. Verbraucherschutzorganisationen wie die Verbraucherzentralen warnen regelmäßig vor Mietkaufangeboten mit sehr hohen monatlichen Raten, sehr niedrigen Anrechnungsquoten und unklaren oder einseitig benachteiligenden Vertragslaufzeiten. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Anbieter Druck macht, schnell zu unterschreiben, wenn keine unabhängige Beratung empfohlen wird oder wenn Vertragsdetails zur Anrechnungsquote oder zu den Instandhaltungspflichten unklar bleiben.
Ein klares Warnzeichen ist auch, wenn eine Auflassungsvormerkung ausdrücklich abgelehnt wird oder gar nicht erst zur Sprache kommt. Wer ein Mietkaufangebot erhält, sollte dieses stets mit dem aktuellen Mietmarktniveau vergleichen: Wenn die monatliche Rate deutlich über einer vergleichbaren Miete in der Region liegt, ohne dass eine entsprechend hohe Anrechnungsquote gewährleistet ist, handelt es sich de facto um eine überteuerte Miete mit einer theoretischen Kaufoption am Ende. In einem solchen Fall wäre ein nüchterner Vergleich mit klassischen Finanzierungsalternativen dringend zu empfehlen.
Mietkauf: Nicht für jeden – aber mit dem richtigen Vertrag eine Option
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Häufige Fragen
Für Verbraucher ohne Eigenkapital ist Mietkauf in der Regel keine gute Idee, da Sie während der Mietphase kaum Vermögen aufbauen und bei späterem Kauf oft eine hohe Schlusszahlung fällig wird. Ohne Eigenkapital fehlt zudem die finanzielle Flexibilität, um unerwartete Kosten oder einen möglichen Ausstieg aus dem Vertrag zu bewältigen.
Wenn Sie am Ende der Mietphase nicht kaufen möchten oder können, endet das Mietverhältnis in der Regel regulär, und Sie müssen die Immobilie verlassen. Bereits gezahlte Mietanteile werden Ihnen in den meisten Verträgen nicht erstattet, und Sie haben keinen Anspruch auf Rückzahlung der angesparten Kaufoption.
Der tatsächlich auf den Kaufpreis angerechnete Anteil Ihrer monatlichen Rate hängt ausschließlich von der vertraglichen Vereinbarung ab; üblich ist, dass nur ein Teil der Miete als sogenanntes Mietkaufguthaben angerechnet wird. Dieser Anteil ist oft gering und deckt häufig nur einen kleinen Prozentsatz der Gesamtkosten ab, sodass Sie am Ende meist eine erhebliche Restsumme finanzieren müssen.
Beim Mietkauf erwerben Sie eine Kaufoption auf die Immobilie und zahlen eine Miete, von der ein Teil später auf den Kaufpreis angerechnet wird, während Sie beim Leasing lediglich das Nutzungsrecht gegen Gebühr erhalten, ohne eine spätere Eigentumsoption zu haben. Leasing ist bei Immobilien in Deutschland unüblich und rechtlich nicht mit dem klassischen Mietkauf gleichzusetzen.
Ja, beim tatsächlichen Kauf der Immobilie im Rahmen des Mietkaufs fallen Grunderwerbsteuer und Notarkosten an, genau wie bei einem herkömmlichen Immobilienkauf. Die Grunderwerbsteuer wird auf den Kaufpreis erhoben, und die Notarkosten entstehen für die Beurkundung des Kaufvertrags und die Grundbucheintragung.
Um sich als Mietkäufer vor einer Insolvenz des Verkäufers zu schützen, sollten Sie darauf bestehen, dass eine Eigentumsvormerkung im Grundbuch zu Ihren Gunsten eingetragen wird. Zudem ist es ratsam, den Mietkaufvertrag notariell beurkunden zu lassen und sich vertraglich das Recht zu sichern, die Immobilie bei Zahlungsausfall des Verkäufers direkt zu erwerben.
Es gibt in Deutschland keine spezifische staatliche Förderung, die ausschließlich für Mietkaufmodelle gewährt wird. Sie können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen allgemeine Förderungen wie Wohnungsbauprämie oder Riester-Förderung nutzen, wenn Sie diese für den späteren Erwerb einsetzen, aber diese sind nicht an das Mietkaufmodell gekoppelt.
Mietkauf macht dann Sinn, wenn Sie sich den Kaufpreis heute nicht leisten können, aber sicher sind, in einigen Jahren über ausreichendes Einkommen oder Eigenkapital zu verfügen, und gleichzeitig die Immobilie langfristig bewohnen möchten. Gegenüber einer klassischen Baufinanzierung ist Mietkauf meist teurer, daher sollten Sie ihn nur wählen, wenn Sie keine Bankfinanzierung erhalten und der Vertrag klare, faire Konditionen für die Anrechnung bietet.
Quellen & Stand 09.07.2026
- Bundesfinanzministerium, Rahmen
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