Checkliste Hausbesichtigung Was du vor dem Kauf unbedingt prüfen musst
Checkliste Hausbesichtigung vor dem Kauf: Substanz, Nebenkosten, Mängel & Finanzierung – speziell für junge Käufer. Kostenlos als PDF-Download.
- Emotionaler Ersteindruck verleitet zu übersehenen Mängeln – systematisches Vorgehen schützt vor teuren Fehlern
- Besichtigung ohne Vorbereitung kostet im Schnitt deutlich mehr durch spätere Nachverhandlungen oder Sanierungskosten
- Für Erstkäufer und junge Erwachsene ohne Bauerfahrung ist eine strukturierte Liste noch wichtiger als für erfahrene Käufer
- Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens zwei Besichtigungstermine – am besten zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen
Checkliste Hausbesichtigung: Das Wichtigste auf einen Blick
Emotionaler Ersteindruck verleitet zu übersehenen Mängeln – systematisches Vorgehen schützt vor teuren Fehlern
Eine strukturierte Checkliste bei der Hausbesichtigung ist kein nettes Extra – sie ist der entscheidende Unterschied zwischen einem guten Kauf und einem kostspieligen Fehler. Wer beim Besichtigungstermin systematisch vorgeht, schützt sich vor versteckten Mängeln, unnötigen Sanierungskosten und falschen Kaufentscheidungen.
AUF EINEN BLICK
- Besichtigung ohne Vorbereitung kostet im Schnitt deutlich mehr durch spätere Nachverhandlungen oder Sanierungskosten
- Für Erstkäufer und junge Erwachsene ohne Bauerfahrung ist eine strukturierte Liste noch wichtiger als für erfahrene Käufer
- Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens zwei Besichtigungstermine – am besten zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen
- Checkliste dient auch als Dokumentationsgrundlage für Kaufpreisverhandlungen und spätere Mängelansprüche
Rechner: Wie viel Absicherung brauchst du?
Schätze deinen monatlichen Bedarf mit den Reglern – Orientierung, kein Angebot.
Bedarfs-Rechner: Wie viel Absicherung brauchst du?
Was du vor der Hausbesichtigung organisieren solltest
Unterlagen vorab anfordern: Grundbuchauszug, Flurkarte, Energieausweis (Pflicht laut GEG), Baupläne, Baugenehmigung, Protokolle der Eigentümerversammlung (bei ETW
Die Qualität einer Hausbesichtigung entscheidet sich nicht erst vor Ort, sondern bereits in der Woche davor. Wer ohne Unterlagen und Plan erscheint, lässt sich leicht vom emotionalen Ersteindruck leiten – und übersieht genau die Punkte, die später teuer werden können. Fordere deshalb rechtzeitig alle relevanten Dokumente beim Verkäufer oder der Maklerin an: Dazu gehören der Grundbuchauszug, die Flurkarte, aktuelle Baupläne, die Baugenehmigung sowie – bei Eigentumswohnungen – die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen. Der Energieausweis ist seit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) Pflicht und muss spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden.
Besonders bei Altbauten empfiehlt es sich, vorab einen unabhängigen Bausachverständigen zu kontaktieren. Eine erste telefonische Einschätzung, welche Schwerpunkte bei einem Gebäude des entsprechenden Baujahrs zu prüfen sind, kann schon sehr aufschlussreich sein. Plane außerdem ausreichend Zeit für die Besichtigung ein – mindestens 60 bis 90 Minuten, bei größeren Immobilien entsprechend mehr. Bring diese Checkliste ausgedruckt oder als PDF auf dem Smartphone mit und halte Platz für handschriftliche Notizen und Fotos frei.
Eine zweite Person mitzubringen ist kein Luxus, sondern eine kluge Strategie: Vier Augen sehen deutlich mehr als zwei, und während du mit dem Verkäufer oder der Maklerin sprichst, kann deine Begleitung ungestört beobachten. Ideal ist jemand mit handwerklichem Verständnis – sei es ein befreundeter Elektriker, ein Architekt aus dem Bekanntenkreis oder ein Familienmitglied mit Renovierungserfahrung. Wer niemanden mit entsprechendem Hintergrund kennt, sollte zumindest für die zweite Besichtigung einen professionellen Baugutachter einplanen.
AUF EINEN BLICK
- Eigenen Sachverständigen oder Bausachverständigen kontaktieren – bei Altbauten besonders empfehlenswert
- Checkliste ausgedruckt (oder als PDF auf dem Smartphone) mitbringen und Platz für Notizen und Fotos einplanen
- Zweite Person mitbringen: vier Augen sehen mehr – idealerweise jemand mit handwerklichem Verständnis
- Geräte & Hilfsmittel einpacken: Taschenlampe, Feuchtigkeitsmessgerät (optional leihbar), Zollstock, Kompass für Himmelsrichtung
Grundstück, Fassade und Dach systematisch prüfen
Grundstück: Hanglage, Drainage, Zustand Einfriedung, Carport/Garage, Erschließung (Strom, Wasser, Abwasser
Der erste Blick gilt dem Grundstück – und zwar nicht nur der Optik. Achte auf die Topografie: Eine ausgeprägte Hanglage kann zu Drainagewproblemen führen und ist im Unterhalt aufwendiger. Prüfe den Zustand der Einfriedung (Zaun, Hecke, Mauer), ob ein Carport oder eine Garage vorhanden und in welchem Zustand diese sind, sowie ob alle Versorgungsanschlüsse (Strom, Wasser, Abwasser) ordnungsgemäß erschlossen sind. Frage auch nach Leitungsrechten oder Dienstbarkeiten im Grundbuch, die Dritte an Teilen des Grundstücks nutzen dürfen.
Die Fassade gibt dir wichtige Hinweise auf den Zustand des Gebäudes. Risse im Putz, abplatzende Farbe oder flächige Feuchtigkeitsschäden sollten dich aufmerken lassen. Efeu, Moos oder Algenbelag sind häufig keine Schönheitsmängel, sondern Feuchtigkeitsindikatoren: Sie deuten auf dauerhaft feuchte Wände hin, was die Bausubstanz langfristig schädigt. Prüfe außerdem den Zustand von Fensterrahmen, Rollläden und Dichtungen – undichte Fenster sind ein häufiger Energieverlust und können teuer zu sanieren sein.
Das Dach ist eine der kostspieligsten Sanierungsmaßnahmen überhaupt – eine neue Eindeckung kann je nach Größe und Material schnell einen erheblichen Betrag kosten, weshalb du hier besonders aufmerksam sein solltest. Achte auf das Alter der Eindeckung (frage nach Unterlagen), auf sichtbare Fehlstellen, Moosbefall und den Zustand der Dachrinnen und Fallrohre. Wenn möglich, bitte darum, das Dachgeschoss von innen zu besichtigen: Feuchtigkeitsflecken an den Sparren, Schimmelspuren und eine fehlende oder mangelhafte Dämmung sind hier die wichtigsten Warnsignale.
AUF EINEN BLICK
- Fassade: Risse, abplatzende Farbe, Efeu-/Moosbewuchs als Feuchtigkeitsindikator, Zustand Putz und Verkleidungen
- Dach: Alter und Zustand der Eindeckung, sichtbare Fehlstellen oder Moosbefall, Zustand Dachrinnen und Fallrohre
- Dachgeschoss von innen: Feuchtigkeitsflecken, Schimmel, Zustand der Sparren und Pfetten, vorhandene Dämmung
- Fenster & Türen: Baujahr, Verglasung (Einfach-/Doppel-/Dreifachverglasung), Dichtungen, Leichtgängigkeit, Schimmel an Rahmen
Keller, Wände, Böden und Decken genau unter die Lupe nehmen
Keller: Feuchtigkeit (Geruch, Wasserränder, Salzausblühungen), Abdichtung, Nutzbarkeit als Wohnraum oder Lager
Der Keller wird bei Besichtigungen oft zu schnell abgehakt – dabei ist er eine der aussagekräftigsten Stellen im ganzen Haus. Schon beim Betreten solltest du auf den Geruch achten: Muffiger oder erdiger Geruch deutet fast immer auf Feuchtigkeit hin. Schaue nach Wasserrändern an den Wänden, Salzausblühungen (weißliche Ablagerungen auf dem Mauerwerk) und nach dem Zustand der Abdichtung. Ein dauerhaft feuchter Keller kann auf lange Sicht erhebliche Schäden an der Bausubstanz verursachen und ist aufwendig zu sanieren. Kläre außerdem, ob der Keller als Wohnraum oder nur als Lager genehmigt ist – das hat Auswirkungen auf den tatsächlichen Nutzwert der Immobilie.
Bei Wänden und Decken gilt es, genau hinzuschauen – auch hinter Möbeln und in Raumecken, wo Schimmel gerne unentdeckt wächst. Unterscheide zwischen verschiedenen Risstypen: Haarrisse im Putz sind meist harmlos und kosmetischer Natur. Breite Längs-, Quer- oder Diagonalrisse hingegen können auf Setzungsschäden oder strukturelle Probleme hinweisen und sollten von einem Sachverständigen bewertet werden. Feuchtigkeitsflecken an Decken deuten oft auf undichte Leitungen oder Schäden aus dem darüberliegenden Stockwerk hin.
Bei den Böden lohnt sich buchstäblich ein Klopftest: Hohl klingende Bereiche beim Abklopfen des Estrichs können auf Ablösungen oder Risse darunter hinweisen. Prüfe auch Durchbiegungen bei Holzdielen und Parkett sowie den allgemeinen Zustand des Bodenbelags. Estrichrisse sind nicht immer kritisch, können aber auf Feuchtigkeitsprobleme oder Bewegungen im Untergrund hindeuten. Notiere alle auffälligen Stellen mit Fotos und genauen Angaben zum Raum.
AUF EINEN BLICK
- Wände: Risse (Längs-, Quer-, Diagonalrisse unterscheiden), Feuchtigkeitsflecken, Schimmel hinter Möbeln und in Ecken prüfen
- Böden: Schäden an Belag, Durchbiegungen, hohle Stellen (klopfen), Estrichrisse
- Decken: Wasserflecken aus Stockwerken darüber, Risse, Zustand der Dämmung zwischen Geschossen
- Treppen: Zustand, Sicherheit, Geländer, Stufenbreite (besonders bei älteren Häusern
Heizung, Elektro, Sanitär und Energieeffizienz prüfen
Heizungsanlage: Hersteller, Baujahr, letzter Wartungsnachweis, Heizungsart (Öl, Gas, Wärmepumpe, Pellet), Zustand Heizkörper und Leitungen
Die Haustechnik ist einer der teuersten Posten bei einer Sanierung – und gleichzeitig derjenige, der von Laien am schwierigsten einzuschätzen ist. Lass dir bei der Heizungsanlage unbedingt das Baujahr nennen und frage nach dem letzten Wartungsnachweis. Eine veraltete Ölheizung kurz vor dem Austausch zu übernehmen, ohne das im Kaufpreis zu berücksichtigen, ist ein klassischer Fehler bei Erstkäufern. Informiere dich auch über die Heizungsart: Wärmepumpen, Pelletheizungen oder moderne Gasbrennwerttherme haben unterschiedliche Effizienzprofile und Betriebskosten. Prüfe den Zustand der Heizkörper und Leitungen auf Rost, Undichtigkeiten und Alter.
Der Energieausweis ist Pflicht und muss dir spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden. Achte auf die Energieeffizienzklasse (Skala von A+ bis H): Je schlechter die Klasse, desto höher sind in der Regel die laufenden Energiekosten – und desto wahrscheinlicher sind zukünftige Sanierungspflichten. Unterscheide außerdem zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis: Der Bedarfsausweis basiert auf einer technischen Analyse des Gebäudes und ist in der Regel aussagekräftiger als der Verbrauchsausweis, der nur das tatsächliche Nutzerverhalten der Vormieter widerspiegelt.
Beim Sicherungskasten prüfst du, ob ein FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) vorhanden ist – er ist in modernen Installationen vorgeschrieben und ein wichtiges Sicherheitsmerkmal. Ältere Elektroinstallationen ohne ausreichende Absicherung oder mit veralteten Aluminium-Leitungen können kostspielige Nachrüstungen erfordern. Zähle außerdem die Steckdosen in den einzelnen Räumen: Zu wenige Steckdosen sind ein typisches Merkmal älterer Baujahre und machen Nachrüstungen notwendig. Im Sanitärbereich interessieren dich Baujahr und Zustand des Boilers oder Durchlauferhitzers sowie mögliche Wasserschäden unter Spülbecken und Waschbecken.
AUF EINEN BLICK
- Energieausweis: Energieeffizienzklasse ablesen (A+ bis H), Bedarfs- vs. Verbrauchsausweis unterscheiden, Pflicht seit GEG
- Warmwasserbereitung: zentral oder dezentral, Alter des Boilers/Speichers
- Elektroinstallation: Sicherungskasten (FI-Schutzschalter vorhanden?), Zustand der Leitungen, ausreichend Steckdosen, Alter der Installation
- Sanitär: Wasserdruck an Hahn prüfen, Zustand Armaturen, Abflüsse, Schimmel im Bad, Alter der Bäder
Schadstoffe, Denkmalschutz und Sanierungshistorie im Altbau
Altlasten und Schadstoffe: Asbest (vor ca. 1993 verbaut), Bleirohre (vor ca. 1973), Formaldehyd in Dämmstoffen, PCB in Fugenmassen
Wer ein Altbau erwirbt, kauft oft Charme – aber manchmal auch unsichtbare Risiken. Zu den wichtigsten Schadstoffen, die in älteren Gebäuden verbaut sein können, gehört Asbest, das bis etwa 1993 in Dämmstoffen, Dachplatten und Bodenbelägen verwendet wurde. Asbest ist gesundheitsschädlich und muss fachgerecht entsorgt werden – was mit erheblichen Kosten verbunden ist. In Gebäuden, die vor etwa 1973 errichtet wurden, können Bleirohre in der Trinkwasserinstallation vorhanden sein, die aus gesundheitlichen Gründen ersetzt werden müssen. Weitere mögliche Schadstoffe sind Formaldehyd in Dämmstoffen und Spanplatten sowie PCB in alten Fugenmassen.
Lass dir beim Kauf eines Altbaus unbedingt die Sanierungshistorie schriftlich dokumentieren: Was wurde wann erneuert? Gab es einen Austausch des Daches, der Heizung, der Fenster oder der Elektroleitungen? Ein gut dokumentierter Sanierungsstand ist ein wertvolles Qualitätsmerkmal und gibt dir Planungssicherheit für zukünftige Investitionen. Fehlt diese Dokumentation, ist das bereits ein Warnsignal.
Bei Fachwerkhäusern und Gebäuden mit Holzbalkendecken solltest du gezielt auf Schädlingsbefall achten: Der Gemeine Nagekäfer (Holzbock) und der Echte Hausschwamm können Holzkonstruktionen massiv schädigen. Klopfe an Balken und beobachte, ob feines Holzmehl austritt. Im Zweifelsfall ist ein spezialisierter Gutachter unverzichtbar. Wenn das Haus unter Denkmalschutz steht, erkundige dich frühzeitig über die damit verbundenen Einschränkungen: Umbaumaßnahmen und energetische Sanierungen unterliegen oft besonderen Auflagen der Denkmalbehörde, was die Sanierungsoptionen einschränkt und die Kosten erhöhen kann.
AUF EINEN BLICK
- Baujahr-Prüfung: Sanierungsgeschichte dokumentieren lassen – was wurde wann erneuert (Dach, Heizung, Fenster, Leitungen
- Fachwerk und Holzbalkendecken: auf Schädlingsbefall (Holzbock, Hausschwamm) prüfen – ggf. Fachgutachter hinzuziehen
- Denkmalschutz: eingeschränkte Möglichkeiten bei Umbau und Sanierung, spezifische Förderbedingungen, höhere laufende Kosten möglich
- Sanierungspflichten nach GEG: bei Eigentümerwechsel können Pflichten zur energetischen Sanierung entstehen – vorab prüfen
Kaufnebenkosten und Sanierungsrücklage realistisch einkalkulieren
Kaufnebenkosten bestehen aus Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland unterschiedlich), Notarkosten, Grundbucheintragung und ggf. Maklerprovision
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der tatsächlichen Kosten beim Immobilienerwerb. Die Kaufnebenkosten setzen sich aus der Grunderwerbsteuer (die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises beträgt), den Notarkosten, der Grundbucheintragung sowie gegebenenfalls einer Maklerprovision zusammen. Diese Nebenkosten können in der Praxis einen erheblichen Anteil des Kaufpreises ausmachen und sollten vollständig aus Eigenkapital finanzierbar sein, da sie von den meisten Banken nicht in die Finanzierung einbezogen werden. Plane deshalb frühzeitig und realistisch.
Für ältere Gebäude solltest du von Anfang an eine Sanierungsrücklage einkalkulieren. Fachleute empfehlen in der Regel, je nach Zustand und Alter des Gebäudes einen jährlichen Puffer für Instandhaltung und Modernisierung vorzusehen. Dieser Betrag variiert stark je nach Baujahr, Zustand und bereits erfolgten Sanierungen – lass dich hier von einem Sachverständigen beraten, bevor du konkrete Zahlen annimmst. Wichtig ist: Versteckte Mängel, die nach dem Kauf auftauchen, führen nicht automatisch zu einer Preisminderung. Im Kaufvertrag ist in der Regel ein weitgehender Gewährleistungsausschluss enthalten – prüfe diesen Punkt mit einem Anwalt oder Notar, bevor du unterschreibst.
Gutachterkosten für Bausachverständige vor dem Kauf werden von vielen Erstkäufern als unnötige Ausgabe betrachtet – dabei sind sie eine der sinnvollsten Investitionen im gesamten Kaufprozess. Ein erfahrener Bausachverständiger erkennt in wenigen Stunden Mängel, die dich ohne dieses Wissen im Nachhinein deutlich mehr kosten könnten. Die Kosten für ein solches Gutachten stehen in aller Regel in einem sehr günstigen Verhältnis zum potenziellen Schaden durch übersehene Bauschäden.
AUF EINEN BLICK
- Sanierungsrücklage einkalkulieren: bei älteren Gebäuden sollte ein realistischer Puffer für Instandhaltung und Modernisierung eingeplant werden
- Versteckte Mängel können den Kaufpreis nachträglich nicht automatisch mindern – im Kaufvertrag Gewährleistungsausschlüsse prüfen
- Gutachterkosten für Bausachverständige im Vorfeld sind eine sinnvolle Investition, besonders für Erstkäufer
- Finanzierungsrahmen realistisch prüfen: Eigenkapital, Beleihungsauslauf und monatliche Belastung mit dem Finanz-Score-Rechner abgleichen
So wertest du deine Besichtigungsergebnisse sinnvoll aus
Notizen und Fotos direkt nach der Besichtigung strukturieren, solange die Eindrücke frisch sind
Direkt nach der Besichtigung – am besten noch am selben Tag – solltest du deine Notizen strukturieren und die Fotos sichten, solange die Eindrücke noch frisch sind. Erfahrungsgemäß verblassen Erinnerungen schnell, besonders wenn man mehrere Objekte nacheinander besichtigt. Halte fest, was dir positiv aufgefallen ist, was dich bedenken lässt und was du unbedingt weiter abklären möchtest.
Erstelle aus deinen Notizen eine Mängelliste und teile die festgestellten Punkte grob in drei Kategorien ein: erstens sofortiger Handlungsbedarf (strukturelle Schäden, Sicherheitsmängel, Schimmelpilz), zweitens mittelfristiger Handlungsbedarf (veraltete Heizung, Fenstererneuerung, Dachdämmung) und drittens kosmetische Mängel (Tapeten, Bodenbeläge, Malerarbeiten). Diese Kategorisierung hilft dir nicht nur bei der Priorisierung, sondern auch bei der Verhandlung über den Kaufpreis.
Wenn dein konkretes Kaufinteresse nach der ersten Besichtigung bestehen bleibt, solltest du spätestens jetzt einen zweiten Termin vereinbaren – möglichst zu einer anderen Tageszeit und bei anderer Witterung. Regen legt Feuchtigkeitsprobleme offen, die bei trockenem Wetter unsichtbar bleiben. Die Verbraucherzentrale empfiehlt ausdrücklich mindestens zwei Besichtigungstermine, bevor eine Kaufentscheidung getroffen wird. Hole außerdem grobe Kostenschätzungen von Handwerkern oder einem Bausachverständigen ein, um eine realistische Einschätzung des Sanierungsaufwands zu bekommen.
AUF EINEN BLICK
- Mängelliste erstellen und grob in drei Kategorien einteilen: sofortiger Handlungsbedarf, mittelfristig, kosmetisch
- Kostenschätzung einholen: Handwerker oder Bausachverständige für grobe Sanierungskosten kontaktieren
- Zweite Besichtigung mit Sachverständigen vereinbaren, wenn Kaufinteresse konkret ist
- Kaufpreisverhandlung auf Basis der dokumentierten Mängel – eine gut geführte Checkliste ist hier bares Geld wert
Finanzierung prüfen – bevor du ein Angebot machst
Bevor du ein Angebot abgibst, solltest du wissen, wie viel Immobilie du dir wirklich leisten kannst
Eine gründliche Hausbesichtigung schützt dich vor Bauschäden und bösen Überraschungen. Doch selbst das perfekte Haus bringt nichts, wenn die Finanzierung nicht solide steht. Bevor du ein Angebot abgibst, solltest du genau wissen, wie viel Immobilie du dir wirklich leisten kannst – und das nicht nur auf Basis eines Bauchgefühls, sondern anhand konkreter Zahlen.
Gerade für Berufseinsteiger und junge Käufer ohne langjährige Sparhistorie ist es wichtig, die eigene finanzielle Ausgangssituation realistisch einzuschätzen: Eigenkapital, monatliche Belastbarkeit, Kaufnebenkosten und Sanierungspuffer müssen zusammenpassen. Emotionaler Druck beim Hauskauf ist real – ein klarer Finanzierungsrahmen schützt dich davor, mehr zu kaufen als du tragen kannst.
Jetzt Finanz-Score berechnen →
AUF EINEN BLICK
- Der Finanz-Score-Rechner zeigt dir deine finanzielle Ausgangssituation – ideal für Berufseinsteiger und junge Käufer
- Ergebnis direkt mit einer unabhängigen Baufinanzierungsberatung verknüpfen
- Keine Kaufentscheidung ohne solide Finanzierungsgrundlage – emotionaler Druck beim Hauskauf ist real, Planung schützt
🧮 Rechne deinen Fall durch
Ermittle deine konkreten Zahlen mit dem passenden Rechner.
Kostenlos starten →Der 5-Minuten-Finanzkurs
Eine Mail pro Woche: Versicherung, BAföG, erstes Investieren, ohne Fachchinesisch, ohne Verkaufsdruck.
Mit dem Anmelden stimmst du der Datenschutzerklärung zu. Jederzeit abbestellbar.
Häufige Fragen
Prüfen Sie bei einer Hausbesichtigung zuerst die Bausubstanz: Risse in Wänden und Decken, Feuchtigkeitsspuren im Keller oder an Außenwänden sowie die Beschaffenheit von Dach und Fenstern sind entscheidende Indikatoren. Achten Sie außerdem auf die Ausrichtung der Räume, die Lichtverhältnisse und die Nachbarschaft, da diese Faktoren den späteren Wohnkomfort stark beeinflussen.
Nehmen Sie idealerweise mehrere Besichtigungstermine wahr, mindestens zwei bis drei, um das Objekt bei unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen zu sehen. So erkennen Sie besser, wie sich Lärm, Licht und Feuchtigkeit tatsächlich verhalten, und können einen kühleren Kopf bei der Entscheidung bewahren.
Ja, die Verbraucherzentralen der Bundesländer bieten kostenlose oder kostengünstige Checklisten für Hausbesichtigungen an, die Sie online oder in den Beratungsstellen erhalten. Diese Checklisten führen Sie systematisch durch alle wichtigen Prüfpunkte wie Statik, Elektrik, Heizung und mögliche Altlasten.
In Altbauten können Schadstoffe wie Asbest in Bodenbelägen oder Dämmstoffen, PCB in Fugen und Lacken sowie Holzschutzmittel wie Lindan oder PCP in Balken und Türen vorkommen. Sie erkennen sie oft nicht mit bloßem Auge, daher sollten Sie bei Verdacht auf Baujahr vor 1990 eine Materialprobe durch ein Fachlabor untersuchen lassen.
Die Kaufnebenkosten umfassen Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls die Maklerprovision. Diese Kosten variieren je nach Bundesland und Vertragsgestaltung, liegen aber in der Regel zwischen etwa 10 und 15 Prozent des Kaufpreises und müssen zusätzlich zum Kaufpreis finanziert werden.
Nein, als neuer Eigentümer sind Sie nicht automatisch verpflichtet, eine energetische Sanierung durchzuführen, solange Sie das Haus nicht grundlegend umbauen oder erweitern. Allerdings greifen bei bestimmten Änderungen wie dem Austausch der Heizung oder bei Dachsanierungen gesetzliche Pflichten aus dem Gebäudeenergiegesetz, die Sie einhalten müssen.
Ja, ein Bausachverständiger lohnt sich in den meisten Fällen, da er versteckte Mängel wie Feuchtigkeit im Mauerwerk, statische Probleme oder Schädlingsbefall erkennen kann, die Sie als Laie übersehen. Die Kosten für das Gutachten sind im Verhältnis zum Kaufpreis gering und können Ihnen später teure Sanierungen ersparen.
Bereiten Sie Ihre Finanzierung vor der Hausbesichtigung vor, indem Sie eine realistische Budgetgrenze festlegen, die auch Kaufnebenkosten und Rücklagen für Renovierungen berücksichtigt. Holen Sie vorab eine unverbindliche Finanzierungsbestätigung von Ihrer Bank oder einem unabhängigen Berater ein, damit Sie bei der Besichtigung wissen, welche Objekte für Sie tatsächlich in Frage kommen.
Quellen & Stand 09.07.2026
- Bundesfinanzministerium, Rahmen
Mehr aus Wohnen
- Mieten oder kaufen: Was ist für dich die bessere
- Mieterhöhung: Rechte, Fristen und Grenzen für Mieter
- Mietminderung: Wann sie gilt, wie viel & wie du vorgehst
- Mietpreisbremse: Deine Rechte als Mieter bei der
- Mietvertrag: Rechte, Pflichten & häufige
- Schönheitsreparaturen im Mietvertrag: Was Mieter
- Mietwohnung Modernisierung: Was Mieter:innen wissen müssen
- Nebenkosten im Mietvertrag: Was Mieter:innen wissen müssen