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Ist ein Emerging Markets ETF sinnvoll für dein Depot?

Ein Emerging Markets ETF bildet Aktien aus Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien ab. Ob sich die Beimischung für dich lohnt, hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deiner Strategie ab.

10 Kapitel · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026

Das Wichtigste

  • Schwellenländer können das Wirtschaftswachstum deines Portfolios stützen, bringen aber politische und währungsbedingte Risiken mit.
  • Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent am Aktienteil deines Weltportfolios gilt als sinnvolle Beimischung.
  • Für die Umsetzung eignen sich ETFs auf den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging Index.
  • Eine reine Anlage nur in Schwellenländer ist riskanter als eine Kombination mit Industrieländer-ETFs.

01 · Grundlagen

Was sind Emerging Markets?

Emerging Markets sind Länder, die sich im Übergang vom Entwicklungsland zum Industrieland befinden. Sie weisen ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auf, sind aber noch nicht so stabil wie etablierte Industrienationen.

Die Einteilung eines Landes als Schwellenland ist keine feste politische Kategorie, sondern hängt stark vom Blickwinkel ab. Je nach Definition zählen weltweit zwischen zehn und über hundert Länder zu den Emerging Markets. Für dein Depot ist vor allem die Sicht der Indexanbieter entscheidend, denn sie bestimmt, welche Aktien in einem ETF landen.

MSCI und FTSE nutzen klare Kriterien, um Länder in Industrie- und Schwellenländer zu unterteilen. Dazu gehören die Wirtschaftskraft, die Größe und Liquidität der Unternehmen sowie der Zugang für ausländische Investoren. Ein Land wie China erfüllt wegen des eingeschränkten Marktzugangs und des niedrigeren Pro-Kopf-Einkommens nicht die Anforderungen für den Status eines Industrielandes.

Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind klein, aber spürbar. MSCI führt 24 Länder als Schwellenländer, FTSE kommt auf 23. Südkorea etwa gilt bei MSCI als Schwellenland, bei FTSE dagegen als Industrieland.

Kurz erklärt

Emerging Markets (Schwellenländer)

Länder, die nicht mehr zu den armen Entwicklungsländern zählen, aber auch noch nicht den Status reicherer Industrieländer erreicht haben. Sie befinden sich in einem umfassenden wirtschaftlichen Wandlungsprozess.

Indexanbieter wie MSCI und FTSE stufen Länder anhand von Kriterien wie Wirtschaftskraft, Marktzugang und Liquidität als Schwellenländer ein.

02 · Hintergrund

Chancen: Warum Schwellenländer dein Portfolio stärken können

Schwellenländer tragen maßgeblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Ihre Aktienmärkte bieten langfristig Chancen auf überdurchschnittliche Renditen, die du mit einem reinen Industrieländer-Depot nicht abbildest.

Schwellenländer wachsen mittel- und langfristig schneller als die etablierten Industrienationen. Dieses Wachstum wird von einem dynamischen Industrialisierungsprozess und einer wachsenden Mittelschicht getragen. Für Unternehmen aus diesen Regionen entstehen dadurch Absatzmärkte, die in reifen Volkswirtschaften so nicht mehr zu finden sind.

Ein weiterer Vorteil liegt in den vergleichsweise niedrigen Löhnen. Sie erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen und können die Gewinne stützen. Wenn du nur in einen MSCI World oder FTSE Developed investierst, blendest du diese Regionen komplett aus.

Ein ETF auf Schwellenländer erweitert dein Weltportfolio um Länder wie China, Indien oder Brasilien. Dadurch streust du dein Kapital breiter über die globale Wirtschaft und partizipierst an Wachstumsregionen, die in Industrieländer-Indizes nicht enthalten sind.

Unternehmen in Schwellenländern profitieren von einem dynamischen Industrialisierungsprozess und einer wachsenden Mittelschicht. Die Löhne sind im Schnitt niedriger als in Industrieländern, was die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen erhöht.

Ein ETF auf Schwellenländer erweitert dein Weltportfolio um Regionen, die in einem MSCI World oder FTSE Developed nicht enthalten sind. Dadurch streust du dein Kapital breiter über die globale Wirtschaft.

03 · Fehler vermeiden

Risiken: Das spricht gegen eine zu hohe Gewichtung

Neben den Wachstumschancen bringen Schwellenländer auch Risiken mit, die du bei der Portfolioaufteilung berücksichtigen solltest. Dazu zählen politische Eingriffe, Währungsschwankungen und eine geringere Marktliquidität.

Die Kehrseite der höheren Wachstumschancen sind politische und regulatorische Risiken. Regierungen in Schwellenländern können Kapitalverkehrskontrollen einführen oder ausländische Investoren benachteiligen. Russland wurde nach dem Angriff auf die Ukraine im März 2022 von MSCI als Standalone Market eingestuft, weil der Marktzugang für ausländische Anleger nicht mehr gegeben war.

Währungsrisiken sind ein weiterer Faktor. Schwankungen lokaler Währungen gegenüber dem Euro können deine Rendite schmälern oder erhöhen. Da viele Schwellenländerwährungen volatil sind, wirkt sich das direkt auf den Wert deines ETFs aus.

Auch die Liquidität ist geringer als in Industrieländern. Aktien aus Schwellenländern werden oft weniger gehandelt, was die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis vergrößert. Weniger transparente Regeln für Unternehmen und Anleger erschweren zudem die Informationsbeschaffung.

Typische Risiken von Schwellenländer-ETFs

·Politische Risiken: Regierungen können Kapitalverkehrskontrollen einführen oder ausländische Investoren benachteiligen.
·Währungsrisiken: Schwankungen lokaler Währungen gegenüber dem Euro können deine Rendite schmälern oder erhöhen.
·Geringere Liquidität: Aktien aus Schwellenländern werden oft weniger gehandelt, was die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis vergrößert.
·Regulatorische Unsicherheit: Weniger transparente Regeln für Unternehmen und Anleger erschweren die Informationsbeschaffung.

04 · Was gilt

Wie viel Emerging Markets sind sinnvoll?

Für ein passives Weltportfolio ist eine Beimischung von Schwellenländern üblich. Die passende Quote hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deinem persönlichen Geschmack ab.

Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent deines Aktienanteils gilt als sinnvoller Rahmen. Die genaue Quote hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deinem persönlichen Geschmack ab.

Wenn du es einfach halten willst, kannst du einen kombinierten ETF auf den MSCI ACWI IMI oder FTSE All-World wählen. Diese Indizes enthalten Schwellenländer bereits mit ihrer Marktgewichtung. Ein separater Schwellenländer-ETF lohnt sich vor allem dann, wenn du die Gewichtung selbst steuern möchtest.

Eine Gewichtung über 40 Prozent ist nur für Anleger geeignet, die starke Kursschwankungen aushalten können. Der vollständige Verzicht auf Schwellenländer ist dagegen eine bewusste Entscheidung gegen die globale Marktabdeckung.

Sinnvoll

·10 bis 40 Prozent deines Aktienanteils in Schwellenländer-ETFs
·Eine Beimischung als Ergänzung zu einem Industrieländer-ETF wie MSCI World
·Ein kombinierter ETF auf den MSCI ACWI IMI oder FTSE All-World, der Schwellenländer bereits enthält

Eher nicht sinnvoll

·Ausschließlich auf Emerging Markets zu setzen
·Der vollständige Verzicht auf Schwellenländer, wenn du die globale Marktabdeckung anstrebst

05 · Vergleich

MSCI oder FTSE: Welcher Index ist die richtige Basis?

Die beiden großen Indexanbieter MSCI und FTSE teilen die Welt unterschiedlich in Industrie- und Schwellenländer ein. Diese Unterschiede wirken sich direkt auf die Zusammensetzung deines ETFs aus.

Die beiden großen Indexanbieter MSCI und FTSE kommen bei der Länderauswahl zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen. MSCI listet 24 Schwellenländer, FTSE nur 23. Diese Differenz entsteht durch abweichende Einstufungen einzelner Länder.

Südkorea ist das prominenteste Beispiel: MSCI führt das Land als Schwellenland, FTSE dagegen als Industrieland. Auch Polen wird unterschiedlich behandelt, es gilt bei MSCI als Schwellenland und bei FTSE als Industrieland. Peru wiederum ist bei MSCI ein Schwellenland, bei FTSE ein Frontier Market.

Für dein Depot sind diese Unterschiede meist zweitrangig. Beide Indexfamilien bilden die großen Schwellenländer wie China, Indien, Taiwan und Brasilien ab. Die Abweichungen betreffen vor allem kleinere Länder und können die Rendite leicht beeinflussen.

Unterschiede zwischen MSCI und FTSE bei der Länderauswahl
MSCI Emerging MarketsFTSE Emerging
Anzahl der Schwellenländer24 Länder23 Länder
SüdkoreaSchwellenlandIndustrieland
PolenSchwellenlandIndustrieland
PeruSchwellenlandFrontier Market

06 · Checkliste

Welche ETFs auf Schwellenländer gibt es?

Für die Umsetzung stehen dir ETFs auf den MSCI Emerging Markets, den MSCI Emerging Markets IMI oder den FTSE Emerging Index zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der enthaltenen Aktien und der Abdeckung kleiner Unternehmen.

Der MSCI Emerging Markets IMI enthält zusätzlich kleine Unternehmen, die im klassischen MSCI Emerging Markets fehlen. Der FTSE Emerging deckt die Schwellenländer nach der FTSE-Definition ab.

Bei der Auswahl solltest du auf einige Kernkriterien achten. Das Fondsvolumen sollte mindestens 100 Millionen Euro betragen, damit der ETF liquide und kostengünstig handelbar ist. Die Gesamtkostenquote liegt bei marktbreiten Schwellenländer-ETFs meist zwischen 0,15 und 0,30 Prozent pro Jahr.

Der ETF sollte an einer für dich erreichbaren Börse wie Xetra gehandelt werden. Achte außerdem darauf, dass die Fondsgesellschaft eine lange Historie hat und den ETF physisch oder synthetisch mit vertretbarem Risiko verwaltet.

Auswahlkriterien für einen Emerging Markets ETF

01

Der ETF bildet einen breiten Index wie MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI oder FTSE Emerging ab.

02

Die Gesamtkostenquote (TER) liegt im marktüblichen Bereich für Schwellenländer-ETFs.

03

Das Fondsvolumen beträgt mindestens 100 Millionen Euro, damit der ETF liquide und kostengünstig handelbar ist.

04

Der ETF wird an einer für dich erreichbaren Börse wie Xetra gehandelt.

05

Die Fondsgesellschaft hat eine lange Historie und verwaltet den ETF physisch oder synthetisch mit vertretbarem Risiko.

07 · Schritt für Schritt

So baust du Schwellenländer in dein Depot ein

Der Einstieg in Schwellenländer-ETFs funktioniert über einen Sparplan oder eine Einmalanlage. Wichtig ist, dass du die Beimischung als langfristigen Baustein verstehst und nicht auf kurzfristige Trends reagierst.

Bevor du investierst, solltest du deinen Aktienanteil und deine Risikotragfähigkeit definieren. Ein Schwellenländer-Anteil von 10 bis 40 Prozent am Aktienteil ist ein üblicher Rahmen.

Wähle anschließend einen passenden ETF auf den MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI oder FTSE Emerging. Achte auf Fondsvolumen, Kosten und Handelsplatz. Ein Sparplan hilft dir, regelmäßig zu investieren und Kursschwankungen zu glätten.

Prüfe dein Depot regelmäßig, aber nicht zu oft. Eine jährliche Kontrolle reicht aus, um die Gewichtung zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Reagiere nicht auf kurzfristige Trends, sondern behalte deine langfristige Strategie im Blick.

01

Anlagestrategie festlegen

Definiere zuerst deinen Aktienanteil und deine Risikotragfähigkeit. Ein Schwellenländer-Anteil von 10 bis 40 Prozent am Aktienteil ist ein üblicher Rahmen.

02

Passenden ETF auswählen

Wähle einen ETF auf den MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI oder FTSE Emerging. Achte auf Fondsvolumen, Kosten und Handelsplatz.

03

Sparplan oder Einmalanlage einrichten

Richte einen Sparplan ein, um regelmäßig zu investieren und Kursschwankungen zu glätten. Alternativ kannst du eine Einmalanlage tätigen, wenn du bereits Kapital zur Verfügung hast.

04

Regelmäßig prüfen

Kontrolliere einmal im Jahr, ob die Gewichtung deiner Schwellenländer noch zu deiner Strategie passt. Bei Bedarf passt du die Sparrate an oder schichtest um.

08 · Kosten

Kosten und Steuern bei Schwellenländer-ETFs

Die laufenden Kosten eines ETFs werden über die Gesamtkostenquote abgebildet. Steuerlich profitierst du bei Aktienfonds von einer Teilfreistellung, die deine Steuerlast reduziert.

Bei marktbreiten Schwellenländer-ETFs liegt sie meist zwischen 0,15 und 0,30 Prozent pro Jahr. Das ist etwas höher als bei Industrieländer-ETFs, aber immer noch günstig im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds.

Steuerlich profitierst du bei Aktienfonds von einer Teilfreistellung. Sie bedeutet, dass 30 Prozent deiner Erträge aus Aktienfonds steuerfrei bleiben. Auf die verbleibenden 70 Prozent fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, zusätzlich der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.

Dein Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr. Für zusammenveranlagte Ehepaare verdoppelt sich der Betrag auf 2000 Euro. Erst wenn deine Kapitalerträge diesen Freibetrag übersteigen, werden Steuern fällig.

Kosten und steuerliche Eckwerte für Schwellenländer-ETFs

Sparer-Pauschbetrag pro Person und Jahr1000 EUR
Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge25 Prozent
Teilfreistellung für Aktienfonds30 Prozent

09 · Grundlagen

Frontier Markets: Die riskantere Alternative

Unterhalb der Schwellenländer sind die Frontier Markets angesiedelt. Diese Märkte sind kleiner, illiquider und für private Anleger schwerer zugänglich als klassische Emerging Markets.

Sie gelten als weniger entwickelt und sind mit höheren Risiken verbunden.

Die Handelskosten sind in Frontier Markets oft deutlich höher, weil die Börsen weniger liquide sind. Auch die Informationsbeschaffung ist schwieriger, da die Regeln für Unternehmen und Anleger weniger transparent sind.

Für die meisten Anleger ist ein ETF auf Schwellenländer die bessere Wahl. Frontier Markets eignen sich nur für sehr risikobereite Anleger, die einen kleinen Teil ihres Portfolios gezielt in diese Regionen investieren möchten.

Kurz erklärt

Frontier Markets

Länder mit einem noch kleineren und schwerer zugänglichen Aktienmarkt als Schwellenländer. Sie gelten als weniger entwickelt und sind mit höheren Risiken verbunden.

Für die meisten Anleger ist ein ETF auf Schwellenländer die bessere Wahl, da Frontier Markets oft hohe Handelskosten und eine geringe Liquidität aufweisen.

10 · Hintergrund

Wachstum und Rendite: Was du erwarten kannst

Schwellenländer haben in der Vergangenheit für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt. Die Performance der letzten Jahre war jedoch schwankend, was die Bedeutung einer langfristigen Perspektive unterstreicht.

Das Wirtschaftswachstum in Schwellenländern liegt mittel- und langfristig über dem der Industrieländer. Davon können börsennotierte Unternehmen aus diesen Regionen profitieren. In der Vergangenheit haben Schwellenländer für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt.

Die Rendite eines Schwellenländer-ETFs hängt stark vom Einstiegszeitpunkt und der Entwicklung der lokalen Währungen ab. Kurzfristige Rückschläge sind möglich, langfristig gleicht sich das Wachstum oft aus. Die vergangenen Jahre waren jedoch schwankend, was die Bedeutung einer langfristigen Perspektive unterstreicht.

Erwarte keine lineare Entwicklung. Schwellenländer durchlaufen Phasen mit starken Kursgewinnen und Phasen mit deutlichen Verlusten. Wer diese Schwankungen aushält und regelmäßig investiert, kann langfristig von der wirtschaftlichen Aufholjagd profitieren.

Das Wirtschaftswachstum in Schwellenländern liegt mittel- und langfristig über dem der Industrieländer. Davon können börsennotierte Unternehmen aus diesen Regionen profitieren.

Die Rendite eines Schwellenländer-ETFs hängt stark vom Einstiegszeitpunkt und der Entwicklung der lokalen Währungen ab. Kurzfristige Rückschläge sind möglich, langfristig gleicht sich das Wachstum oft aus.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 12.10.2026