Ratgeber · Investieren
Emerging-Markets-ETF: Wann sich die Beimischung für dein Depot lohnt
Ein Emerging-Markets-ETF bildet Aktien aus Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien ab. Ob diese Beimischung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deiner Strategie für das Weltportfolio ab.
11 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Schwellenländer-ETFs erhöhen die Marktabdeckung deines Depots, bringen aber höhere politische Risiken und Währungsschwankungen mit.
- Ein Anteil von 10 bis 40 Prozent am Aktienteil deines Portfolios gilt als sinnvolle Spanne für Emerging Markets.
- Geeignete Indizes sind der MSCI Emerging Markets, der MSCI Emerging Markets IMI und der FTSE Emerging Index.
- Die Teilfreistellung von 30 Prozent reduziert die Steuerlast auf Aktienfonds, auch bei Schwellenländer-ETFs.
01 · Grundlagen
Was sind Emerging Markets?
Emerging Markets sind Länder, die sich im Übergang vom Entwicklungsland zum Industrieland befinden. Sie weisen ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auf, sind aber noch nicht so stabil wie etablierte Industrienationen.
Die Weltbank kategorisiert 55 Länder als Schwellenländer, wenn ihr Bruttonationaleinkommen pro Kopf zwischen 4.496 und 13.935 US-Dollar liegt. Der Internationale Währungsfonds listet dagegen über 150 Länder in dieser Gruppe, was zeigt, wie unterschiedlich die Definitionen ausfallen können.
Für dein ETF-Investment zählt vor allem die Einteilung der Indexanbieter MSCI und FTSE. MSCI führt aktuell 24 Schwellenländer, FTSE kommt auf 23 Länder. Diese Listen sind kleiner als die der Weltbank, weil sie zusätzlich prüfen, wie gut du als ausländische Anlegerin dort überhaupt investieren kannst.
Die Länder in diesen Indizes haben gemeinsam, dass sie sich in einem umfassenden Wandlungsprozess befinden. Sie erzielen durch hohe Produktivität bei vergleichsweise geringem Lohnniveau überdurchschnittliche Wachstumsraten und haben ein rasant wachsendes Pro-Kopf-Einkommen.
Kurz erklärt
Emerging Markets
Schwellenländer, die sich in einem umfassenden Wandlungsprozess befinden und durch hohe Produktivität bei vergleichsweise geringem Lohnniveau überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen.
Sie gehören nicht mehr zu den armen Entwicklungsländern, haben aber noch nicht den Status reicherer Industrieländer erreicht.
02 · Vergleich
MSCI oder FTSE: Welche Länder zählen zu den Schwellenländern?
Die Indexanbieter MSCI und FTSE teilen die Welt in Industrie- und Schwellenländer ein. Ihre Definitionen unterscheiden sich in Details, was direkte Auswirkungen auf die Zusammensetzung deines ETFs hat.
Die beiden großen Indexanbieter kommen bei der Länderauswahl nicht immer zum gleichen Ergebnis. Das hat direkte Folgen für dein Depot, denn ein ETF auf den MSCI Emerging Markets enthält andere Aktien als ein ETF auf den FTSE Emerging Index.
Der wichtigste Unterschied betrifft Südkorea. MSCI stuft das Land als Schwellenland ein, FTSE dagegen als Industrieland. Wenn du einen MSCI-ETF kaufst, sind südkoreanische Unternehmen wie Samsung enthalten, bei einem FTSE-ETF fehlen sie.
Auch bei Polen und Peru gibt es Abweichungen. Polen ist bei MSCI ein Schwellenland, bei FTSE bereits ein Industrieland. Peru führt MSCI als Schwellenland, FTSE ordnet es den Frontier Markets zu. Island wiederum ist bei FTSE ein Schwellenland, bei MSCI nur ein Frontier Market.
| MSCI | FTSE | |
|---|---|---|
| Südkorea | Emerging Market | Developed Market |
| Polen | Emerging Market | Developed Market |
| Peru | Emerging Market | Frontier Market |
| Anzahl Schwellenländer | 24 | 23 |
03 · Checkliste
Welche Kriterien muss ein Land für MSCI erfüllen?
MSCI prüft für die Einstufung als Schwellenland feste Kriterien. Dazu gehören die wirtschaftliche Entwicklung, die Größe und Liquidität der Unternehmen sowie der Marktzugang für ausländische Investoren.
Anders als bei Industrieländern gibt es für Schwellenländer keine Mindestanforderung an das Bruttonationaleinkommen pro Kopf.
Für die Unternehmensgröße gilt eine klare Regel: Ein Schwellenland muss mindestens drei Unternehmen beheimaten, die eine Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar haben. Zusätzlich müssen mindestens 15 Prozent der Marktkapitalisierung regelmäßig gehandelt werden, gemessen an der Annualized Traded Value Ratio.
- Der Marktzugang für ausländische Investoren muss mindestens moderat bis signifikant sein.
- Kapitalzuflüsse und Kapitalabflüsse müssen zumindest teilweise einfach möglich sein.
- Der institutionelle Rahmen muss eine moderate Stabilität aufweisen.
Kriterien für Emerging Markets nach MSCI
Mindestens drei Unternehmen mit einer Streubesitzmarktkapitalisierung von über 1.482 Mio. US-Dollar
Mindestens 15 Prozent der Marktkapitalisierung werden regelmäßig gehandelt (Annualized Traded Value Ratio)
Signifikanter Marktzugang für ausländische Investoren
Signifikante Einfachheit von Kapitalzu- und -abflüssen
Moderate Stabilität des institutionellen Rahmens
04 · Hintergrund
Welche Chancen bieten Schwellenländer-ETFs?
Der Hauptgrund für ein Investment in Emerging Markets ist das höhere Wirtschaftswachstum. Dieses Wachstum kann langfristig zu einer höheren Rendite führen als in gesättigten Industrieländern.
Schwellenländer tragen maßgeblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Sie befinden sich in einem dynamischen Industrialisierungsprozess, der das Pro-Kopf-Einkommen schnell steigen lässt und neue Unternehmen sowie Infrastruktur hervorbringt.
Die Löhne sind in Schwellenländern im Schnitt niedriger als in Industrieländern. Das macht sie als Produktionsstandort attraktiv und zieht Investitionen an, die wiederum das Wachstum weiter antreiben. Für dein Depot bedeutet das: Du partizipierst an Volkswirtschaften, die schneller wachsen als Deutschland oder die USA.
Historisch haben Schwellenländer in einigen Phasen für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt. Wer langfristig anlegt, kann von diesem Aufholprozess profitieren, muss aber auch längere Durststrecken aushalten können.
Schwellenländer tragen maßgeblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Sie befinden sich in einem dynamischen Industrialisierungsprozess und haben ein rasant wachsendes Pro-Kopf-Einkommen.
Die Löhne sind in Schwellenländern im Schnitt niedriger als in Industrieländern. Das macht sie als Produktionsstandort attraktiv und treibt den Aufbau von Unternehmen und Infrastruktur voran.
Für dein Depot bedeutet das: Du partizipierst an Volkswirtschaften, die schneller wachsen als Deutschland oder die USA. Historisch haben Schwellenländer in einigen Phasen für einen Rendite-Boost im Weltportfolio gesorgt.
05 · Fehler vermeiden
Welche Risiken bringt ein Emerging-Markets-ETF mit?
Den höheren Wachstumschancen stehen spezifische Risiken gegenüber. Diese Risiken sind strukturell und können die Rendite deines ETFs über lange Zeiträume belasten.
Das Beispiel Russland zeigt, wie schnell ein Land aus einem Index fallen kann: Nach dem Angriff auf die Ukraine schränkte Russland im März 2022 den Marktzugang ein und wurde von MSCI zum Standalone Market herabgestuft.
Währungen von Schwellenländern können gegenüber Dollar, Euro oder Yen stark schwanken. Das wirkt sich direkt auf deine Rendite aus, denn ein Kursgewinn in lokaler Währung kann durch eine Abwertung zum Euro komplett aufgezehrt werden.
- Börsen in Schwellenländern haben oft ein geringeres Handelsvolumen, was die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreisen erhöht.
- Die Informationsbeschaffung ist mühsamer, weil Regeln für Aktiengesellschaften weniger Transparenz vorsehen.
- Die Volatilität ist höher als bei Industrieländer-ETFs, Kursschwankungen sind also stärker.
Typische Risiken von Schwellenländer-Investments
06 · Was gilt
Wie hoch sollte der Anteil im Weltportfolio sein?
Ein passives Weltportfolio bildet die Weltwirtschaft nach Marktkapitalisierung ab. Schwellenländer machen dabei einen kleineren Teil aus, als viele Anleger vermuten.
Wer sie übergewichtet, erhöht das Risiko deutlich.
Ein Schwellenländer-Anteil von 10 bis 40 Prozent am Aktienteil deines Portfolios gilt als sinnvoll. Die genaue Höhe hängt von deiner Risikotragfähigkeit und deinem persönlichen Geschmack ab. Ausschließlich auf Emerging Markets zu setzen, wäre zu risikoreich.
Einfacher als die Kombination aus Industrieländer-ETF und Schwellenländer-ETF sind Produkte, die beide Gruppen bereits enthalten. ETFs auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World bilden Industrie- und Schwellenländer in einem einzigen Fonds ab.
Sinnvoll
Nicht sinnvoll
07 · Vergleich
Welche Indizes bilden Schwellenländer ab?
Für ein Investment in Schwellenländer stehen dir mehrere Indizes zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der enthaltenen Unternehmen und der Abdeckung kleinerer Firmen.
Der MSCI Emerging Markets ist der Standardindex und enthält große und mittlere Unternehmen aus 24 Ländern, darunter Südkorea. Der MSCI Emerging Markets IMI erweitert diesen Index um Small-Caps, also kleinere Unternehmen, was die Marktabdeckung erhöht, aber auch die Volatilität leicht steigern kann.
Der FTSE Emerging Index folgt der FTSE-Definition und enthält 23 Länder ohne Südkorea. Dafür sind Polen und andere Länder enthalten, die FTSE anders einstuft als MSCI. Welcher Index für dich passt, hängt davon ab, welche Ländergewichtung du bevorzugst.
| MSCI Emerging Markets | MSCI Emerging Markets IMI | FTSE Emerging | |
|---|---|---|---|
| Abdeckung | Standardindex, große und mittlere Unternehmen | Erweitert um Small-Caps | Standardindex nach FTSE-Definition |
| Anzahl Länder | 24 | 24 | 23 |
| Enthält Südkorea | Ja | Ja | Nein |
08 · Kosten
Wie werden Emerging-Markets-ETFs besteuert?
Für die Besteuerung deiner ETF-Erträge gelten die allgemeinen Regeln für Aktienfonds. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast, weil der Fonds bereits auf Fondsebene Steuern trägt.
Die Teilfreistellung für Aktienfonds beträgt 30 Prozent. Das bedeutet: 30 Prozent deiner Erträge aus dem ETF sind steuerfrei. Auf die restlichen 70 Prozent zahlst du Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.
Bevor die Steuer fällig wird, kannst du deinen Sparer-Pauschbetrag nutzen. Er liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Erst wenn deine Kapitalerträge diesen Freibetrag übersteigen, wird Abgeltungsteuer fällig.
Steuerliche Behandlung von Emerging-Markets-ETFs
09 · Schritt für Schritt
Wie investierst du in einen Emerging-Markets-ETF?
Der Kauf eines Schwellenländer-ETFs läuft über dein Depot. Wichtig ist, dass du den ETF als Beimischung verstehst und nicht als alleinige Anlage.
Dort kannst du ETFs an der Börse handeln, entweder über eine Einmalanlage oder einen Sparplan.
Bevor du kaufst, legst du den Anteil am Aktienteil deines Portfolios fest. Eine Spanne von 10 bis 40 Prozent gilt als sinnvoll, abhängig von deiner Risikotragfähigkeit. Danach wählst du einen Index und einen passenden ETF aus.
- Entscheide dich für einen Index wie den MSCI Emerging Markets, den MSCI Emerging Markets IMI oder den FTSE Emerging.
- Wähle einen ETF auf den gewünschten Index und achte auf ein ausreichendes Fondsvolumen sowie eine niedrige Kostenquote.
- Setze den ETF als Beimischung ein, nicht als alleinige Anlage.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Broker. Dort kannst du ETFs an der Börse handeln.
Index auswählen
Entscheide dich für einen Index wie den MSCI Emerging Markets, den MSCI Emerging Markets IMI oder den FTSE Emerging. Der Index bestimmt, welche Länder und Unternehmen enthalten sind.
ETF aussuchen
Wähle einen ETF auf den gewünschten Index. Achte auf ein ausreichendes Fondsvolumen und eine niedrige Kostenquote.
Anteil festlegen
Lege den Anteil am Aktienteil deines Portfolios fest. Eine Spanne von 10 bis 40 Prozent gilt als sinnvoll, abhängig von deiner Risikotragfähigkeit.
Kaufen und halten
Kaufe den ETF und halte ihn langfristig. Schwellenländer-ETFs sind für einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren gedacht.
10 · Grundlagen
Was sind Frontier Markets?
Unterhalb der Schwellenländer sind die Frontier Markets angesiedelt. Sie sind weniger entwickelt und für ETF-Anleger meist nicht die erste Wahl.
Sie sind weniger entwickelt als Emerging Markets und haben deutlich kleinere, illiquidere Aktienmärkte.
Für die meisten Anleger sind ETFs auf Frontier Markets nicht sinnvoll. Die Märkte sind schwer zugänglich, die Handelskosten hoch und die Auswahl an liquiden Unternehmen gering. MSCI und FTSE führen diese Länder in separaten Indizes, die für ein breit gestreutes Weltportfolio keine Rolle spielen.
Wenn du in Schwellenländer investierst, bist du über die gängigen Emerging-Markets-Indizes bereits ausreichend abgedeckt. Frontier Markets sind eine Nische, die du nur mit sehr hoher Risikobereitschaft und langem Atem in Betracht ziehen solltest.
Kurz erklärt
Frontier Markets
Märkte, die weniger entwickelt sind als Schwellenländer. Sie sind sehr viel kleiner und illiquider, was das Investieren erschwert.
Für die meisten Anleger sind ETFs auf Frontier Markets nicht sinnvoll, da die Handelskosten hoch und die Märkte schwer zugänglich sind.
11 · Hintergrund
Welche Rolle spielt die Marktkapitalisierung?
Die Marktkapitalisierung bestimmt, wie stark ein Land oder ein Unternehmen in einem Index gewichtet ist. Bei Schwellenländern ist die Streubesitzmarktkapitalisierung entscheidend.
Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist der Gesamtwert aller Aktien. Für die Indexaufnahme zählt bei MSCI die Streubesitzmarktkapitalisierung, also nur der Teil der Aktien, der frei handelbar ist.
Ein Schwellenland muss mindestens drei Unternehmen beheimaten, die eine Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Millionen US-Dollar haben. Diese Unternehmen müssen zudem regelmäßig gehandelt werden, damit sie für einen ETF überhaupt infrage kommen.
Die Marktkapitalisierung beeinflusst auch die Gewichtung im ETF: Große Länder wie China haben einen höheren Anteil als kleinere Märkte wie Thailand oder Polen. Das bedeutet, dass dein Schwellenländer-ETF stark von wenigen großen Ländern abhängt, auch wenn er viele Länder enthält.
Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist der Gesamtwert aller Aktien. Für die Indexaufnahme zählt bei MSCI die Streubesitzmarktkapitalisierung, also nur der Teil der Aktien, der frei handelbar ist.
Ein Schwellenland muss mindestens drei Unternehmen beheimaten, die eine Streubesitzmarktkapitalisierung von mehr als 1.482 Mio. US-Dollar haben. Diese Unternehmen müssen zudem regelmäßig gehandelt werden.
Die Marktkapitalisierung beeinflusst auch die Gewichtung im ETF: Große Länder wie China haben einen höheren Anteil als kleinere Märkte wie Thailand oder Polen.
Häufige Fragen
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