Ratgeber · Investieren
Geldmarktfonds und Abgeltungsteuer: So werden Erträge 2026 versteuert
Geldmarktfonds gelten als flexible Alternative zum Tagesgeld, steuerlich unterscheiden sie sich jedoch deutlich. Entscheidend ist, ob der Fonds ausschüttet oder thesauriert und wie du deinen Sparer-Pauschbetrag nutzt.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Auf Erträge aus Geldmarktfonds fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
- Der Sparer-Pauschbetrag liegt 2026 bei 1000 Euro pro Person und 2000 Euro bei Zusammenveranlagung.
- Ausschüttende Geldmarktfonds können am Ausschüttungstag zu einer höheren Steuerlast führen als thesaurierende Varianten.
- Verluste aus dem Verkauf von Geldmarktfonds landen im Verlustverrechnungstopf und lassen sich mit künftigen Gewinnen verrechnen.
01 · Grundlagen
Was bedeutet Abgeltungsteuer bei Geldmarktfonds?
Die Abgeltungsteuer ist eine Form der Kapitalertragsteuer. Sie wird direkt an der Quelle einbehalten und deckt die Einkommensteuer auf Kapitalerträge in den meisten Fällen ab.
Für private Kapitalerträge gilt in Deutschland ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent. Das betrifft Zinsen, Dividenden und auch Erträge aus Geldmarktfonds. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Deine depotführende Bank behält die Steuer direkt ein und führt sie an das Finanzamt ab. Damit ist deine Einkommensteuer auf diese Kapitalerträge in der Regel vollständig abgegolten. Du musst die Erträge aus Geldmarktfonds also nicht mehr in deiner Steuererklärung angeben, es sei denn, du möchtest den Sparer-Pauschbetrag nachträglich geltend machen.
Die Abgeltungsteuer greift unabhängig davon, ob der Geldmarktfonds ausschüttet oder thesauriert. Auch Veräußerungsgewinne beim Verkauf von Fondsanteilen zählen zu den steuerpflichtigen Kapitalerträgen. Für dich als Studierende bedeutet das: Sobald deine Kapitalerträge den Freibetrag übersteigen, führt die Bank die Steuer automatisch ab.
Kurz erklärt
Abgeltungsteuer auf Geldmarktfonds
Ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent auf private Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Erträge aus Geldmarktfonds. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Die depotführende Bank führt die Steuer direkt an das Finanzamt ab. Damit ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel abgegolten.
02 · Was gilt
Sparer-Pauschbetrag: So bleiben 1000 Euro steuerfrei
Der Sparer-Pauschbetrag ist dein jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge. Er liegt 2026 bei 1000 Euro pro Person und 2000 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt 2026 bei 1000 Euro pro Person und Jahr. Bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Betrag auf 2000 Euro. Alle Kapitalerträge bis zu dieser Grenze bleiben für dich steuerfrei.
Zu den Kapitalerträgen zählen bei Geldmarktfonds sowohl Ausschüttungen als auch Veräußerungsgewinne und die Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds. Liegen deine gesamten Kapitalerträge eines Jahres unter 1000 Euro, zahlst du keine Abgeltungsteuer. Übersteigen sie den Freibetrag, wird nur der übersteigende Teil besteuert.
- Du kannst den Freibetrag auf mehrere Banken und Depots verteilen.
- Ohne Freistellungsauftrag behält die Bank die Steuer zunächst ein, auch wenn deine Erträge unter 1000 Euro liegen.
- Die zu viel gezahlte Steuer bekommst du dann erst über die Steuererklärung zurück.
Steuerfrei bis 1000 Euro
Steuerpflichtig über 1000 Euro
03 · Schritt für Schritt
Freistellungsauftrag: So vermeidest du den Steuerabzug
Mit einem Freistellungsauftrag weist du deine Bank an, Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne Steuerabzug gutzuschreiben. Ohne Auftrag wird die Steuer zunächst einbehalten.
Du kannst den Auftrag in Höhe von bis zu 1000 Euro bei einer einzelnen Bank einrichten oder den Betrag auf mehrere Institute verteilen.
Bis zur eingetragenen Höhe schreibt dir die Bank Ausschüttungen, Zinsen und Gewinne aus Geldmarktfonds ohne Abzug von Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer gut. Erst wenn deine Kapitalerträge den Freibetrag übersteigen, führt die Bank auf den übersteigenden Teil die Steuer ab.
Hast du keinen Freistellungsauftrag erteilt, wird die Steuer zunächst einbehalten. Du kannst sie dir dann über die Anlage KAP in deiner Steuererklärung zurückholen. Für Studierende lohnt sich der Freistellungsauftrag besonders, weil du so sofort über deine vollen Erträge verfügen kannst.
Freistellungsauftrag erteilen
Du richtest bei deiner Depotbank einen Freistellungsauftrag in Höhe von bis zu 1000 Euro ein. Bei mehreren Banken kannst du den Betrag aufteilen.
Kapitalerträge werden gutgeschrieben
Bis zur Höhe des Freistellungsauftrags schreibt dir die Bank Ausschüttungen, Zinsen oder Gewinne ohne Abzug von Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer gut.
Steuerabzug nur oberhalb des Freibetrags
Erst wenn deine Kapitalerträge den Freibetrag übersteigen, führt die Bank auf den übersteigenden Teil die Abgeltungsteuer ab.
Alternative Steuererklärung
Hast du keinen Freistellungsauftrag erteilt, kannst du dir die zu viel gezahlte Steuer über deine Einkommensteuererklärung zurückholen.
04 · Vergleich
Ausschüttend oder thesaurierend: Was ist steuerlich günstiger?
Geldmarktfonds gibt es in ausschüttender und thesaurierender Form. Die Steuerwirkung unterscheidet sich vor allem beim Zeitpunkt der Belastung.
Der zentrale Unterschied liegt im Zeitpunkt der Steuerbelastung. Bei einem ausschüttenden Geldmarktfonds versteuerst du die Ausschüttung am Ausschüttungstag für das gesamte Geschäftsjahr. Die Steuer wird sofort fällig, und du kannst nur den Nettobetrag wieder anlegen.
Bei einem thesaurierenden Geldmarktfonds fällt die Steuer über die Vorabpauschale an. Kaufst du Anteile im Januar, greift die Vorabpauschale für dieses Jahr oft nicht, sodass du erst beim Verkauf den aufgelaufenen Gewinn versteuerst. Das kann zu einem Liquiditätsvorteil führen, weil dein Geld länger ungeschmälert arbeitet.
- Bei ausschüttenden Fonds entsteht nach der Ausschüttung häufig ein Kursverlust, der in den Verlustverrechnungstopf wandert.
- Bei thesaurierenden Fonds wird der Veräußerungsgewinn direkt mit anderen Gewinnen verrechnet.
- Unterm Strich gleichen sich die Steuerlasten beider Varianten über die Zeit an.
| Ausschüttender Geldmarktfonds | Thesaurierender Geldmarktfonds | |
|---|---|---|
| Besteuerungszeitpunkt | Am Ausschüttungstag für das gesamte Geschäftsjahr | Jährlich über die Vorabpauschale, bei Kauf im Januar oft erst beim Verkauf |
| Steuerbasis | Volle Ausschüttung | Vorabpauschale oder Veräußerungsgewinn |
| Liquiditätseffekt | Steuer wird sofort fällig, Wiederanlage nur des Nettobetrags | Steuerstundung bis zum Verkauf möglich |
| Verlustverrechnung | Kursverlust nach Ausschüttung kann in den Verlusttopf wandern | Veräußerungsverlust direkt mit Gewinnen verrechenbar |
05 · Grundlagen
Vorabpauschale: Was thesaurierende Geldmarktfonds betrifft
Bei thesaurierenden Fonds ermittelt die Depotbank jährlich eine Vorabpauschale. Sie ist auf die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds begrenzt.
Sie basiert auf dem Wert der Fondsanteile zu Jahresbeginn, dem Basiszins und dem Faktor 0,7. Die Vorabpauschale ist auf die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds begrenzt.
Fällt die Wertsteigerung niedriger aus als der errechnete Basisertrag, gilt die Wertsteigerung als Vorabpauschale. Ohne Wertzuwachs beträgt die Vorabpauschale 0 Euro, und es fällt keine Steuer an. Bei einem negativen Jahresverlauf entsteht ebenfalls keine Vorabpauschale.
Für dich bedeutet das: In Jahren mit geringer oder negativer Wertentwicklung zahlst du auf thesaurierende Geldmarktfonds keine Vorabpauschale. Die Steuer wird dann erst beim Verkauf auf den tatsächlichen Gewinn fällig.
Kurz erklärt
Vorabpauschale bei Geldmarktfonds
Eine rechnerische Größe, die bei thesaurierenden Fonds jährlich besteuert wird. Sie basiert auf dem Wert der Fondsanteile zu Jahresbeginn, dem Basiszins und dem Faktor 0,7.
Fällt die Wertsteigerung niedriger aus als der Basisertrag, gilt die Wertsteigerung als Vorabpauschale. Ohne Wertzuwachs beträgt sie 0 Euro.
06 · Was gilt
Teilfreistellung: Gilt sie für Geldmarktfonds?
Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt für Aktienfonds. Geldmarktfonds investieren überwiegend in Geldmarktinstrumente und fallen in der Regel nicht darunter.
Die Teilfreistellung von 30 Prozent gilt ausschließlich für Aktienfonds. Sie soll die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene ausgleichen, die bei Aktienfonds durch deutsche Dividenden und Immobilienerträge entsteht. Geldmarktfonds investieren überwiegend in Geldmarktinstrumente und fallen nicht unter diese Regelung.
Für reine Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs gibt es keine Teilfreistellung. Deine Erträge aus diesen Produkten werden vollständig mit der Abgeltungsteuer belastet, sofern sie den Sparer-Pauschbetrag übersteigen. Auch Rentenfonds ohne Aktienanteil erhalten keine Teilfreistellung.
- Aktienfonds mit überwiegend Aktien im Portfolio: 30 Prozent steuerfrei.
- Aktien-ETFs: 30 Prozent steuerfrei.
- Reine Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs: keine Teilfreistellung.
30 Prozent steuerfrei
Keine Teilfreistellung
07 · Hintergrund
Restlaufzeit und Liquidität: Was Geldmarktfonds ausmacht
Geldmarktfonds investieren in kurzlaufende Wertpapiere mit hoher Bonität. Ihre Restlaufzeit ist begrenzt, was sie liquide und vergleichsweise stabil macht.
Geldmarktfonds kaufen überwiegend Geldmarktinstrumente wie kurzlaufende Staatsanleihen, Unternehmensanleihen hoher Bonität oder Einlagen bei Banken. Die durchschnittliche Restlaufzeit der enthaltenen Papiere ist kurz und liegt oft bei wenigen Monaten. Diese Struktur sorgt für eine hohe Liquidität und vergleichsweise geringe Kursschwankungen.
Du kannst Anteile an Geldmarktfonds börsentäglich verkaufen und erhältst den Gegenwert in der Regel innerhalb weniger Tage auf deinem Verrechnungskonto. Im Vergleich zum Tagesgeld bist du nicht an eine bestimmte Bank gebunden, sondern handelst über dein Depot.
Für dich als Studierende bedeutet das: Geldmarktfonds eignen sich als flexible Parkmöglichkeit für Rücklagen. Die steuerliche Behandlung folgt den allgemeinen Regeln für Kapitalerträge, unabhängig von der kurzen Restlaufzeit der enthaltenen Papiere.
Geldmarktfonds kaufen überwiegend Geldmarktinstrumente wie kurzlaufende Staatsanleihen, Unternehmensanleihen hoher Bonität oder Einlagen bei Banken. Die durchschnittliche Restlaufzeit der enthaltenen Papiere ist kurz, oft liegt sie bei wenigen Monaten.
Diese kurze Restlaufzeit sorgt für eine hohe Liquidität. Du kannst Anteile an Geldmarktfonds börsentäglich verkaufen und erhältst den Gegenwert in der Regel innerhalb weniger Tage auf deinem Verrechnungskonto.
Im Vergleich zum Tagesgeld bist du bei Geldmarktfonds nicht an eine bestimmte Bank gebunden. Du kannst Anteile über dein Depot handeln und zwischen verschiedenen Produkten wechseln, ohne ein neues Konto eröffnen zu müssen.
08 · Vergleich
Geldmarkt-ETFs: Steuerlich wie klassische Geldmarktfonds
Geldmarkt-ETFs bilden einen Geldmarktindex ab und verhalten sich steuerlich wie andere Geldmarktfonds. Sie sind börsentäglich handelbar und oft kostengünstig.
Beide Varianten unterliegen denselben Regeln für Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag und Verlustverrechnung. Der Unterschied liegt vor allem im Handel und bei den Kosten.
Geldmarkt-ETFs werden börsentäglich über die Börse gehandelt, klassische Geldmarktfonds oft über die Fondsgesellschaft oder ebenfalls über die Börse. Die laufenden Kosten liegen bei beiden Varianten häufig zwischen 0,1 und 0,2 Prozent pro Jahr, bei klassischen Fonds teils bis 0,3 Prozent.
- Geldmarkt-ETFs gibt es in thesaurierender und ausschüttender Form.
- Klassische Geldmarktfonds sind überwiegend ausschüttend.
- Für die Steuer ist die Form entscheidend, nicht ob es sich um einen ETF oder einen klassischen Fonds handelt.
| Geldmarkt-ETF | Klassischer Geldmarktfonds | |
|---|---|---|
| Handel | Börsentäglich über die Börse | Über die Fondsgesellschaft oder Börse |
| Besteuerung | Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag, Verlustverrechnung | Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag, Verlustverrechnung |
| Ausschüttung | Thesaurierend oder ausschüttend erhältlich | Überwiegend ausschüttend |
09 · Schritt für Schritt
Verlustverrechnungstopf: So gleichen Verluste Steuern aus
Verluste aus Geldmarktfonds landen im Verlustverrechnungstopf deiner Depotbank. Sie werden automatisch mit künftigen Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet.
Verkaufst du Anteile an einem Geldmarktfonds zu einem niedrigeren Kurs als dem Kaufpreis, entsteht ein Veräußerungsverlust. Die Depotbank bucht diesen Verlust automatisch in den Verlustverrechnungstopf ein. Du musst dafür nichts veranlassen.
Erzielst du später Gewinne aus anderen Wertpapieren oder Fonds, verrechnet die Bank diese mit den gespeicherten Verlusten. Erst der verbleibende Überschuss wird versteuert. Das gilt auch für Verluste, die nach einer Ausschüttung durch den Kursabschlag entstehen.
Möchtest du Verluste über die Steuererklärung geltend machen, kannst du bei deiner Bank eine Verlustbescheinigung beantragen. Die Verluste werden dann nicht mehr im Verlusttopf geführt, sondern in deiner Steuererklärung berücksichtigt.
Verlust entsteht
Verkaufst du Anteile an einem Geldmarktfonds zu einem niedrigeren Kurs als dem Kaufpreis, entsteht ein Veräußerungsverlust.
Verlust wird eingebucht
Die Depotbank bucht den Verlust in den Verlustverrechnungstopf ein. Das geschieht automatisch, du musst nichts veranlassen.
Verrechnung mit Gewinnen
Erzielst du später Gewinne aus anderen Wertpapieren oder Fonds, verrechnet die Bank diese mit den gespeicherten Verlusten. Erst der verbleibende Überschuss wird versteuert.
Verlustbescheinigung
Möchtest du Verluste über die Steuererklärung geltend machen, kannst du bei der Bank eine Verlustbescheinigung beantragen.
10 · Kosten
Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer: Was zusätzlich anfällt
Auf die Abgeltungsteuer kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer hinzu. Die Bank führt beide Abgaben automatisch ab.
Auf die Abgeltungsteuer von 25 Prozent kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent hinzu. Das ergibt einen effektiven Steuersatz von 26,375 Prozent auf Kapitalerträge über dem Sparer-Pauschbetrag. Die Kirchensteuer richtet sich nach deinem Bundesland und deiner Konfession.
Die Bank führt beide Abgaben automatisch ab, sobald deine Kapitalerträge den Freibetrag übersteigen. Bei 100 Euro Kapitalertrag über dem Freibetrag fallen 25 Euro Abgeltungsteuer und 1,38 Euro Solidaritätszuschlag an. Mit Kirchensteuer von 9 Prozent kommen weitere 2,25 Euro hinzu.
Für dich als Studierende ohne Kirchenmitgliedschaft entfällt die Kirchensteuer. Der Solidaritätszuschlag wird dagegen unabhängig von deinem Einkommen auf alle steuerpflichtigen Kapitalerträge erhoben.
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