Anleihen kaufen: Dein Einstieg in die Welt der festen Zinsen
Anleihen gelten als solide Ergänzung zu Aktien und Tagesgeld. Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie der Kauf funktioniert, welche Risiken bleiben und worauf du als Einsteiger unbedingt achten solltest.
Warum Anleihen auch dich betreffen
Vielleicht denkst du, Anleihen seien nur etwas für Großkonzerne oder Staaten. Das Gegenteil ist der Fall: Auch für dich als Privatanleger sind sie ein wichtiger Baustein, um Geld anzulegen. Sie sind oft die ruhige Alternative zu Aktien, die stark schwanken können. Wenn du also dein Erspartes nicht nur auf dem Tagesgeldkonto parken möchtest, lohnt sich ein Blick auf diese Anlageklasse.
Der Staat, Unternehmen oder Banken geben Anleihen aus, um sich Geld zu leihen. Du als Käufer bekommst dafür regelmäßige Zinszahlungen und am Ende dein Kapital zurück. Dieses Prinzip ist leicht zu verstehen und bietet eine gewisse Planbarkeit. Gerade in Zeiten, in denen die Zinsen wieder steigen, werden Anleihen für Privatanleger attraktiver.
Viele Finanzberater empfehlen, einen Teil des Vermögens in Anleihen zu investieren, um das Risiko zu streuen. Denn während Aktienkurse stark schwanken können, sind die Zinszahlungen einer Anleihe meist vertraglich festgelegt. Das gibt deinem Depot eine stabilere Basis. Du musst kein Experte sein, um davon zu profitieren.
Ein weiterer Punkt ist die Altersvorsorge. Wenn du langfristig sparst, können Anleihen helfen, dein Portfolio auszubalancieren. Sie sind nicht dazu da, dich reich zu machen, sondern um dein Vermögen zu schützen und einen verlässlichen Ertrag zu liefern. Genau das macht sie für dich interessant, auch wenn du noch am Anfang stehst.
Was eine Anleihe wirklich ist
Eine Anleihe ist im Kern ein Kredit, den du dem Herausgeber gewährst. Du leihst dein Geld einem Staat oder einem Unternehmen. Im Gegenzug erhältst du einen festen Zinssatz, den sogenannten Kupon. Nach einer bestimmten Zeit, der Laufzeit, bekommst du deinen Einsatz zurück. Dieses Prinzip nennt man auch festverzinsliches Wertpapier.
Der Herausgeber, auch Emittent genannt, verpflichtet sich, dir die Zinsen regelmäßig zu zahlen. Das kann jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich passieren. Am Ende der Laufzeit wird der Nennwert zurückgezahlt. Du musst dir also keine Gedanken über komplizierte Verträge machen, denn die Bedingungen stehen von Anfang an fest.
Anleihen werden an Börsen gehandelt, ähnlich wie Aktien. Das bedeutet, du kannst sie nicht nur bis zum Ende halten, sondern auch vorher verkaufen. Der Preis schwankt jedoch, je nach Zinsentwicklung und Bonität des Herausgebers. Wenn du bis zum Ende wartest, bekommst du in der Regel den vollen Nennwert zurück.
Es gibt verschiedene Arten von Anleihen, zum Beispiel Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Pfandbriefe. Sie unterscheiden sich im Risiko und in der Rendite. Staatsanleihen von stabilen Ländern gelten als sehr sicher, zahlen aber oft weniger Zinsen. Unternehmensanleihen können mehr abwerfen, bergen aber ein höheres Risiko, dass das Unternehmen pleitegeht.
So funktioniert der Kauf konkret
Um Anleihen zu kaufen, benötigst du ein Wertpapierdepot. Das kannst du bei einer Bank oder einem Online-Broker eröffnen. Die Eröffnung ist meist unkompliziert und in wenigen Minuten erledigt. Du musst nur deine Identität nachweisen und ein Verrechnungskonto einrichten. Danach kannst du direkt loslegen.
Im Depot suchst du dir eine passende Anleihe aus. Du kannst nach Laufzeit, Zinssatz oder Herausgeber filtern. Achte darauf, dass du den Kurs verstehst, der in Prozent angegeben wird. Liegt der Kurs bei 98 Prozent, zahlst du für 1.000 Euro Nennwert nur 980 Euro. Das ist ein Abschlag, der deine Rendite erhöht.
Wenn du eine Anleihe gefunden hast, gibst du eine Order auf. Du gibst an, wie viele Stücke du kaufen möchtest und zu welchem Preis. Der Handel erfolgt entweder über die Börse oder direkt mit der Bank. Nach der Ausführung wird die Anleihe in dein Depot gebucht und die Zinsen werden dir automatisch gutgeschrieben.
Du solltest dir vor dem Kauf überlegen, ob du die Anleihe bis zum Ende halten möchtest. Wenn du sie vorher verkaufst, kann der Kurs anders sein als dein Kaufpreis. Das kann zu Gewinn oder Verlust führen. Wer bis zur Fälligkeit wartet, erhält in der Regel den Nennwert zurück, unabhängig von zwischenzeitlichen Kursschwankungen.
Kosten und Gebühren im Blick
Beim Kauf von Anleihen fallen Kosten an, die du kennen solltest. Dazu gehören Ordergebühren, die deine Bank für die Ausführung verlangt. Diese sind oft prozentual oder als Festpreis gestaltet. Bei Online-Brokern sind sie häufig niedriger als bei Filialbanken. Ein Preisvergleich lohnt sich, wenn du regelmäßig handeln möchtest.
Zusätzlich gibt es den sogenannten Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Dieser ist bei Anleihen oft höher als bei Aktien. Er entsteht durch die Marktmacher, die den Handel ermöglichen. Für dich bedeutet das: Du kaufst etwas teurer und verkaufst etwas billiger. Das solltest du bei deiner Rendite einkalkulieren.
Manche Anleihen haben eine jährliche Verwaltungsgebühr, wenn du sie über einen Fonds kaufst. Direkt gekaufte Anleihen haben diese Kosten nicht. Du zahlst nur beim Kauf und Verkauf. Es gibt keine laufenden Depotgebühren für einzelne Anleihen, außer deine Bank erhebt eine allgemeine Depotgebühr.
Achte auch auf die Steuern. Zinserträge aus Anleihen unterliegen der Abgeltungsteuer. Deine Bank führt diese automatisch ab, wenn du einen Freistellungsauftrag hast. Den solltest du unbedingt einrichten, um deinen Steuerfreibetrag von 1.000 Euro pro Jahr auszunutzen. So sparst du dir bares Geld.
Worauf du beim Kauf achten musst
Die Bonität des Herausgebers ist das wichtigste Kriterium. Sie zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass du dein Geld zurückbekommst. Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poor's bewerten diese Bonität. Ein hohes Rating wie AAA bedeutet geringes Risiko, aber auch weniger Zinsen. Ein niedriges Rating verspricht mehr Rendite, ist aber riskanter.
Die Laufzeit ist ein weiterer entscheidender Faktor. Kurze Laufzeiten von ein bis drei Jahren sind weniger zinsempfindlich. Lange Laufzeiten von zehn Jahren oder mehr können stärker im Kurs schwanken. Überlege dir, wie lange du dein Geld entbehren kannst. Wenn du es bald brauchst, wähle eine kurze Laufzeit.
Der Zinssatz, auch Kupon genannt, bestimmt deine jährlichen Einnahmen. Ein hoher Kupon klingt verlockend, kann aber auf ein höheres Risiko hindeuten. Vergleiche den Kupon mit der aktuellen Marktzinslage. Wenn die Marktzinsen steigen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Das ist ein normaler Mechanismus, den du verstehen solltest.
Prüfe außerdem, ob die Anleihe kündbar ist. Manche Emittenten behalten sich vor, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Das passiert oft, wenn die Zinsen fallen. Für dich bedeutet das, dass du dein Geld früher zurückbekommst und es zu niedrigeren Zinsen reinvestieren musst. Das mindert deine Rendite.
Typische Fehler, die du vermeiden solltest
Ein häufiger Fehler ist, sich nur von der Höhe des Zinssatzes blenden zu lassen. Ein sehr hoher Kupon ist oft ein Warnsignal für ein hohes Risiko. Wenn das Unternehmen in Schieflage gerät, kannst du nicht nur die Zinsen, sondern auch dein Kapital verlieren. Setze lieber auf solide Herausgeber mit gutem Rating.
Viele Einsteiger vergessen, dass Anleihenkurse schwanken können. Sie glauben, dass eine Anleihe immer ihren Nennwert behält. Das stimmt nicht, wenn du vor dem Ende verkaufst. Wenn die Zinsen steigen, fällt der Kurs deiner Anleihe. Du solltest also nicht in Panik verkaufen, sondern die Laufzeit im Blick behalten.
Ein weiterer Fehler ist, alles in eine einzige Anleihe zu stecken. Wenn dieser eine Herausgeber pleitegeht, verlierst du viel Geld. Besser ist es, auf mehrere Anleihen zu setzen, zum Beispiel von verschiedenen Staaten und Unternehmen. So verteilst du das Risiko und bist nicht von einem einzelnen Schuldner abhängig.
Auch das Timing ist wichtig. Wenn du Anleihen kaufst, solltest du die aktuelle Zinsentwicklung beachten. In einer Phase steigender Zinsen sind kurze Laufzeiten oft besser. In einer Phase fallender Zinsen profitierst du von langen Laufzeiten. Eine einfache Regel gibt es nicht, aber ein Blick auf die Notenbankpolitik hilft dir.
Deine konkreten nächsten Schritte
Der erste Schritt ist, ein Depot zu eröffnen, falls du noch keins hast. Vergleiche die Konditionen verschiedener Anbieter. Achte auf niedrige Ordergebühren und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Viele Online-Broker bieten auch Demokonten an, mit denen du den Handel üben kannst, ohne echtes Geld zu riskieren.
Danach solltest du dich über aktuelle Anleihen informieren. Auf Finanzportalen findest du Listen mit den besten Staats- und Unternehmensanleihen. Achte auf die Kennzahlen wie Kupon, Laufzeit und Rating. Erstelle dir eine kleine Auswahl von zwei bis drei Anleihen, die zu deiner Risikobereitschaft passen.
Bevor du kaufst, lege fest, wie viel Geld du investieren möchtest. Investiere nur Geld, das du nicht kurzfristig brauchst. Eine gute Faustregel ist, nicht mehr als zehn Prozent deines Vermögens in einzelne Anleihen zu stecken. Der Rest sollte in breit gestreute Fonds oder Tagesgeld liegen.
Setze dir ein Ziel: Möchtest du regelmäßige Zinsen erhalten oder auf Kursgewinne spekulieren? Für Einsteiger ist die erste Variante einfacher. Wähle Anleihen mit einem festen Kupon und halte sie bis zum Ende. So hast du einen klaren Plan und musst dich nicht um Kursschwankungen kümmern. Starte mit einem kleinen Betrag und sammle Erfahrung.
Anleihen als Teil deiner Strategie
Anleihen sind kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um dein Vermögen zu schützen. Sie gleichen die Schwankungen von Aktien aus und sorgen für stabile Erträge. In einem gut diversifizierten Depot haben sie ihren festen Platz. Du musst dich nicht zwischen Aktien und Anleihen entscheiden, sondern kannst beides kombinieren.
Die Mischung macht es: Ein Portfolio mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen gilt als ausgewogen. Diese Aufteilung kannst du an dein Alter und deine Risikobereitschaft anpassen. Jüngere Anleger können mehr Aktien halten, ältere mehr Anleihen. Wichtig ist, dass du dich mit deiner Entscheidung wohlfühlst.
Überprüfe dein Portfolio regelmäßig, zum Beispiel einmal im Jahr. Wenn sich deine Lebensumstände ändern, solltest du die Aufteilung anpassen. Vielleicht möchtest du mehr Sicherheit, wenn du kurz vor der Rente stehst. Oder du kannst mehr Risiko eingehen, wenn du noch lange sparst. Flexibilität ist der Schlüssel.
Denke daran, dass Anleihen keine Garantie für Gewinne sind. Auch sie können Verluste bringen, wenn der Herausgeber zahlungsunfähig wird. Informiere dich daher immer gründlich und lass dich nicht von hohen Zinsen verführen. Mit einer soliden Strategie und etwas Geduld kannst du langfristig von Anleihen profitieren.
Die wichtigsten Kennzahlen verstehen
Die Rendite ist die wichtigste Kennzahl, um Anleihen zu vergleichen. Sie zeigt, wie viel du tatsächlich verdienst, wenn du die Anleihe bis zum Ende hältst. Sie berücksichtigt den Kupon, den Kaufkurs und die Restlaufzeit. Eine Anleihe mit niedrigem Kupon kann eine hohe Rendite haben, wenn du sie unter Nennwert kaufst.
Der Kurs einer Anleihe wird in Prozent angegeben. Ein Kurs von 100 bedeutet, dass du den Nennwert zahlst. Ein Kurs von 95 bedeutet einen Abschlag, ein Kurs von 105 einen Aufschlag. Der Kurs ändert sich täglich, abhängig von Zinsen und Bonität. Du solltest den Kurs immer im Verhältnis zum Kupon sehen.
Die Duration misst, wie stark der Kurs auf Zinsänderungen reagiert. Eine hohe Duration bedeutet, dass der Kurs stark schwankt. Eine niedrige Duration bedeutet, dass der Kurs stabil bleibt. Für Einsteiger sind Anleihen mit kurzer Laufzeit und niedriger Duration oft besser geeignet. Sie sind weniger riskant.
Der Nennwert ist der Betrag, den du am Ende zurückbekommst. Er ist in der Regel 1.000 Euro pro Stück. Du kannst aber auch Bruchstücke kaufen, wenn dein Broker das anbietet. Achte darauf, dass der Nennwert nicht mit dem Kaufpreis verwechselt wird. Der Kaufpreis kann je nach Kurs höher oder niedriger sein.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Anleihen gelten als sicherer als Aktien, aber nicht als risikofrei. Das größte Risiko ist der Ausfall des Herausgebers. Staatsanleihen von stabilen Ländern sind sehr sicher, Unternehmensanleihen können riskanter sein. Du solltest immer auf das Rating achten.
Du kannst schon mit kleinen Beträgen starten. Viele Anleihen haben einen Nennwert von 1.000 Euro, aber einige Broker bieten Bruchstücke an. So kannst du bereits mit 100 Euro oder weniger in Anleihen investieren. Die Mindestanlage hängt vom jeweiligen Anbieter ab.
Am Ende der Laufzeit erhältst du den Nennwert zurück. Die Laufzeit ist bei Kauf festgelegt und kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahrzehnten reichen. Wenn du die Anleihe vorher verkaufst, bekommst du den aktuellen Marktpreis, der vom Nennwert abweichen kann.
Wenn der Herausgeber pleitegeht, verlierst du dein eingesetztes Kapital und ausstehende Zinsen. Im Insolvenzverfahren wirst du als Gläubiger behandelt, aber oft bleibt nur ein Teil der Forderung übrig. Deshalb ist die Bonität des Herausgebers so wichtig.
Zinserträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Deine Bank führt die Steuer automatisch ab. Mit einem Freistellungsauftrag kannst du den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr nutzen.
Ja, Anleihen sind börsentäglich handelbar. Du kannst sie also jederzeit verkaufen, wenn du das Geld brauchst. Allerdings kann der Kurs vom Kaufpreis abweichen. Wenn die Zinsen gestiegen sind, ist deine Anleihe weniger wert. Bei fallenden Zinsen kannst du einen Gewinn erzielen.
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