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ESG-ETFs für Rentner: Nachhaltig anlegen mit passendem Risiko

Ein ESG-ETF kann für Rentner eine sinnvolle Ergänzung im Depot sein, wenn Anlagehorizont und Risikobereitschaft stimmen. Entscheidend ist, dass die nachhaltige Ausrichtung nicht zulasten einer breiten Streuung und deiner Liquiditäts­planung geht.

10 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • ESG-ETFs kombinieren breite Streuung mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien.
  • Für Rentner ist ein kürzerer Anlagehorizont typisch, daher sollte der Aktienanteil im Gesamtdepot begrenzt sein.
  • Der Best-in-Class-Ansatz schließt Branchen nicht automatisch aus, sondern wählt die nachhaltigsten Unternehmen pro Branche.
  • Ausschlusskriterien wie fossile Energien oder Rüstung sind bei ESG-ETFs unterschiedlich streng definiert.

01 · Grundlagen

Was ist ein ESG-ETF?

Ein ESG-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der bei der Auswahl der Unternehmen nicht nur auf Marktkapitalisierung, sondern auch auf Kriterien aus Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung achtet.

Ein ESG-ETF bildet einen Index ab, der Unternehmen nicht nur nach Größe, sondern auch nach Kriterien aus Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung auswählt oder gewichtet. Die Abkürzung steht für Environmental, Social und Governance. Diese drei Dimensionen fließen in die Bewertung der Unternehmen ein.

Die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) verpflichtet Fondsanbieter, die genauen Kriterien und Kennzahlen ihrer Produkte offenzulegen. Das erhöht den Schutz vor irreführenden Umweltaussagen und bietet dir eine verlässlichere Informationsbasis für deine Investitionsentscheidung.

Ein ESG-ETF kombiniert die Struktur klassischer Indexfonds mit festgelegten Umwelt- und Sozialstandards.

Kurz erklärt

ESG-ETF

Ein Exchange Traded Fund, der einen Index nachbildet, welcher Unternehmen anhand von Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) Kriterien filtert oder gewichtet.

Die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) verpflichtet Fondsanbieter, die genauen Kriterien und Kennzahlen offenzulegen, um Greenwashing zu reduzieren.

02 · Was gilt

Anlagehorizont im Ruhestand: Wie lange kannst du investiert bleiben?

Der Anlagehorizont ist im Ruhestand oft kürzer als bei jungen Anlegern, aber selten null. Geld, das du erst in zehn oder mehr Jahren brauchst, kann weiterhin in breit streuende ETFs fließen.

Für diesen Teil deines Vermögens spielt die kurzfristige Kursschwankung eine geringere Rolle.

Anders sieht es bei Kapital aus, das du für deinen Lebensunterhalt oder unvorhergesehene Ausgaben benötigst. Eine Notfallreserve von drei bis sechs Monatsausgaben gehört auf ein Tagesgeldkonto und nicht in einen Aktien-ETF. So vermeidest du, Anteile in einer Marktschwäche verkaufen zu müssen.

  • Kapital für langfristiges Wachstum über 10 Jahre oder länger ist für einen ESG-ETF geeignet.
  • Vermögen, das vererbt werden soll und nicht für den Lebensunterhalt benötigt wird, kann ebenfalls langfristig investiert bleiben.
  • Der Notgroschen für 3 bis 6 Monatsausgaben gehört nicht in einen ESG-ETF.

Geeignet für ESG-ETF

·Vermögen, das vererbt werden soll und nicht für den Lebensunterhalt benötigt wird
·Ein Teil des Depots, der bewusst höhere Schwankungen aushalten kann

Eher ungeeignet für ESG-ETF

·Notgroschen für 3 bis 6 Monatsausgaben
·Kapital, das für regelmäßige Entnahmen zur Grundsicherung sofort verfügbar sein muss

03 · Vergleich

Diversifikation: Warum ein ESG-ETF allein nicht reicht

Diversifikation bedeutet, das Risiko auf verschiedene Anlageklassen zu verteilen. Ein einzelner Aktien-ETF, auch ein nachhaltiger, deckt nur einen Teil des Marktes ab.

Für Rentner ist eine Kombination aus Aktien- und Anleihen-ETFs oft sinnvoller, weil Anleihen das Portfolio stabilisieren können.

Eine Mischung aus Aktien- und Anleihen-ETFs kann das Risiko senken und die Rendite stabilisieren. Während der Aktien-ETF für langfristiges Wachstum sorgt, liefern Anleihen-ETFs planbarere Erträge und federn Verluste in schwachen Börsenphasen ab. Beide Anlageklassen sind täglich handelbar.

Die Kombination aus ESG-Aktien-ETF und Anleihen-ETF reduziert das Schwankungsrisiko im Rentnerdepot deutlich.

Risikostreuung im Rentnerdepot
Nur ein ESG-Aktien-ETFKombination aus ESG-Aktien-ETF und Anleihen
Schwankungs­risikoHöher, da vollständig von der Aktienmarktentwicklung abhängigGeringer, da Anleihen das Portfolio stabilisieren können
ErtragschanceLangfristig höher, aber mit stärkeren Kursschwankungen verbundenModerater, dafür planbarere Erträge
LiquiditätTäglich handelbarAnleihen-ETFs sind ebenfalls täglich handelbar

04 · Checkliste

Ausschlusskriterien: Was in deinem ESG-ETF nicht steckt

Ausschlusskriterien definieren, welche Unternehmen oder Branchen nicht im Index landen. Die Strenge dieser Filter variiert stark zwischen verschiedenen ESG-ETFs.

Einige Indizes schließen nur wenige Bereiche aus, andere wenden umfangreiche Negativlisten an.

Typische Ausschlüsse betreffen fossile Brennstoffe, Rüstung, Tabak, Glücksspiel und Alkohol. Zusätzlich können Unternehmen ausgeschlossen werden, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen. Prüfe im Produktinformationsblatt, welche Filter der jeweilige ETF tatsächlich anwendet.

  • Fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas werden in vielen ESG-Indizes ausgeschlossen.
  • Rüstung und Waffen sind ein häufiges Ausschlusskriterium.
  • Tabakprodukte, Glücksspiel und Alkohol finden sich ebenfalls auf vielen Negativlisten.

Typische Ausschlusskriterien in ESG-Indizes

01

Fossile Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas)

02

Rüstung und Waffen

03

Tabakprodukte

04

Glücksspiel

05

Alkohol

06

Verstoß gegen UN Global Compact Prinzipien

05 · Schritt für Schritt

Best-in-Class-Ansatz: Die Branchenbesten im Fokus

Der Best-in-Class-Ansatz wählt pro Branche die Unternehmen mit den besten ESG-Bewertungen aus. Das bedeutet, dass auch kontroverse Branchen im Index vertreten sein können, sofern deren Unternehmen im Vergleich gut abschneiden.

Ein reiner Ausschluss einzelner Sektoren findet bei diesem Verfahren nicht automatisch statt.

Der Anbieter legt zunächst einen breiten Marktindex wie den MSCI World oder DAX als Basis fest. Anschließend bewertet er jedes Unternehmen anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Pro Branche werden nur die Unternehmen mit den besten Bewertungen übernommen, zum Beispiel die oberen 25 Prozent.

Beim Best-in-Class-Prinzip werden einzelne Wirtschaftssektoren nicht automatisch ausgeschlossen.

01

Ausgangsindex festlegen

Der Anbieter wählt einen breiten Marktindex wie den MSCI World oder DAX als Basis.

02

ESG-Bewertung durchführen

Jedes Unternehmen im Index wird anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien bewertet.

03

Branchenbeste auswählen

Pro Branche werden nur die Unternehmen mit den besten Bewertungen übernommen, zum Beispiel die oberen 25 Prozent.

04

Zielindex bilden

Die ausgewählten Unternehmen bilden den neuen, nachhaltigeren Index, den der ETF abbildet.

06 · Hintergrund

Breite Streuung trotz Nachhaltigkeits­filter

Ein ESG-Filter reduziert die Anzahl der enthaltenen Unternehmen, muss aber nicht zu einer starken Konzentration führen. Viele ESG-Indizes bilden weiterhin hunderte oder über tausend Unternehmen ab.

Ein klassischer MSCI World bildet über 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab.

Für Rentner ist diese breite Streuung wichtig, weil sie das Risiko einzelner Unternehmensausfälle reduziert. Ein ESG-ETF, der weltweit in viele Branchen investiert, kann daher eine solide Basis im Depot sein. Achte darauf, dass der gewählte ETF nicht zu stark auf eine einzelne Branche wie erneuerbare Energien oder Elektromobilität setzt.

Ein breit streuender ESG-ETF reduziert das Risiko einzelner Unternehmensausfälle.

Ein klassischer MSCI World bildet über 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Ein ESG-gefilterter Index auf gleicher Basis kann weiterhin eine hohe Anzahl an Titeln enthalten, auch wenn einzelne Branchen wie fossile Energien oder Rüstung fehlen.

Für Rentner ist diese breite Streuung wichtig, weil sie das Risiko einzelner Unternehmensausfälle reduziert. Ein ESG-ETF, der weltweit in viele Branchen investiert, kann daher eine solide Basis im Depot sein.

Achte darauf, dass der gewählte ETF nicht zu stark auf eine einzelne Branche wie erneuerbare Energien oder Elektromobilität setzt. Solche Themen-ETFs sind weniger breit gestreut und schwankungsanfälliger.

07 · Kosten

Kosten und Steuern bei ESG-ETFs für Rentner

Die laufenden Kosten von ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds niedrig. Für die Steuer ist nicht das Alter entscheidend, sondern die Höhe deiner Kapitalerträge.

Die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge beträgt 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.

Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet, dass 30 Prozent deiner Erträge aus einem Aktien-ETF steuerfrei bleiben. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 EUR pro Person und Jahr, für zusammenveranlagte Ehepaare sind es 2000 EUR pro Jahr. Kapitalerträge bis zu diesem Betrag bleiben steuerfrei.

Die Teilfreistellung für Aktienfonds beträgt 30 Prozent und reduziert deine Steuerlast.

08 · Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl von ESG-ETFs im Alter

Nachhaltigkeit ist ein gutes Kriterium, aber nicht das einzige. Wer nur auf das ESG-Label achtet, übersieht möglicherweise Risiken bei Streuung oder Kosten.

Ein zu hoher Aktienanteil im Gesamtdepot trotz kurzem Anlagehorizont kann im Ruhestand zu Problemen führen.

Ein weiterer Fehler ist die Wahl eines Themen-ETFs statt eines breit streuenden ESG-ETFs. Themen-ETFs setzen oft auf eine einzelne Branche wie erneuerbare Energien und sind deutlich schwankungsanfälliger. Auch die Annahme, dass jeder ESG-ETF fossile Energien vollständig ausschließt, trifft nicht immer zu.

  • Zu hoher Aktienanteil im Gesamtdepot trotz kurzem Anlagehorizont.
  • Wahl eines Themen-ETFs statt eines breit streuenden ESG-ETFs.
  • Annahme, dass jeder ESG-ETF fossile Energien vollständig ausschließt.
  • Vernachlässigung der Notfallreserve zugunsten einer höheren ETF-Quote.
  • Kein Blick auf die laufenden Kosten, die die Rendite mindern.

Diese Fehler solltest du vermeiden

·Zu hoher Aktienanteil im Gesamtdepot trotz kurzem Anlagehorizont
·Wahl eines Themen-ETFs statt eines breit streuenden ESG-ETFs
·Annahme, dass jeder ESG-ETF fossile Energien vollständig ausschließt
·Vernachlässigung der Notfallreserve zugunsten einer höheren ETF-Quote
·Kein Blick auf die laufenden Kosten, die die Rendite mindern
·Vergessen, dass auch nachhaltige ETFs-Kursschwankungen unterliegen

09 · Schritt für Schritt

ESG-ETFs mit Entnahmeplänen kombinieren

Ein Entnahmeplan ermöglicht regelmäßige Auszahlungen aus deinem ETF-Depot. So kannst du im Ruhestand flexibel auf dein Kapital zugreifen, ohne alles auf einmal verkaufen zu müssen.

Du bestimmst einen monatlichen oder vierteljährlichen Auszahlungsbetrag, der zu deinem Lebensunterhalt passt.

Der Depotanbieter verkauft regelmäßig die benötigte Anzahl an ETF-Anteilen und überweist den Betrag auf dein Konto. Kontrolliere mindestens einmal jährlich, ob die Entnahmerate noch zum verbleibenden Kapital und deinen Ausgaben passt. So stellst du sicher, dass dein Vermögen langfristig erhalten bleibt.

Ein Entnahmeplan ermöglicht regelmäßige Auszahlungen, ohne dass du alle Anteile auf einmal verkaufen musst.

01

Depotwert ermitteln

Du prüfst den aktuellen Wert deines ESG-ETF-Bestands im Depot.

02

Entnahmerate festlegen

Du bestimmst einen monatlichen oder vierteljährlichen Auszahlungsbetrag, der zu deinem Lebensunterhalt passt.

03

Automatischen Verkauf einrichten

Der Depotanbieter verkauft regelmäßig die benötigte Anzahl an ETF-Anteilen und überweist den Betrag auf dein Konto.

04

Regelmäßig überprüfen

Du kontrollierst mindestens einmal jährlich, ob die Entnahmerate noch zum verbleibenden Kapital und deinen Ausgaben passt.

10 · Checkliste

So findest du den passenden ESG-ETF für dein Depot

Die Auswahl beginnt mit deiner persönlichen Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont. Danach prüfst du die konkreten Filter und die Kosten des ETF.

Lege für den Aktienanteil einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren fest und plane dein Gesamtportfolio aus Aktien- und Anleihen-ETFs.

Definiere deine gewünschten Ausschlusskriterien, zum Beispiel fossile Energien oder Rüstung. Prüfe anschließend die Filterstrategie: ESG, SRI oder Best-in-Class. Vergleiche die laufenden Kosten (TER) und beachte die Teilfreistellung von 30 Prozent für Aktienfonds.

  • Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren für den Aktienanteil festlegen.
  • Gesamtportfolio aus Aktien- und Anleihen-ETFs planen.
  • Gewünschte Ausschlusskriterien definieren, zum Beispiel fossile Energien oder Rüstung.
  • Filterstrategie prüfen: ESG, SRI oder Best-in-Class.
  • Laufende Kosten (TER) vergleichen.
  • Teilfreistellung von 30 Prozent für Aktienfonds einplanen.

Checkliste für die Auswahl eines ESG-ETF

01

Gesamtportfolio aus Aktien- und Anleihen-ETFs planen

02

Gewünschte Ausschlusskriterien definieren (z.B. fossile Energien, Rüstung)

03

Filterstrategie prüfen: ESG, SRI oder Best-in-Class

04

Laufende Kosten (TER) vergleichen

05

Fondsgröße und Replikationsmethode beachten

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026