ETF für Rentner: Dein Geld sicher und einfach für die Zukunft anlegen
Du bist im Ruhestand und fragst dich, ob und wie du dein Erspartes sinnvoll anlegen kannst? ETFs bieten dir eine unkomplizierte Möglichkeit, auch im Alter von den Chancen des Marktes zu profitieren, ohne ständig selbst aktiv werden zu müssen.
Warum dich das Thema Geldanlage auch im Ruhestand betrifft
Viele Rentnerinnen und Rentner denken, dass das Thema Geldanlage mit dem Eintritt in den Ruhestand erledigt ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Dein Erspartes verliert auf einem herkömmlichen Sparkonto durch die Inflation jedes Jahr an Kaufkraft. Das bedeutet: Für das gleiche Geld bekommst du in ein paar Jahren weniger Waren und Dienstleistungen.
Gleichzeitig wirst du im Alter statistisch gesehen immer älter. Deine Rente muss also potenziell 20 oder 30 Jahre reichen. Die gesetzliche Rente wird diese Lücke in den meisten Fällen nicht vollständig schließen können. Eine kluge Anlagestrategie kann dir helfen, deinen Lebensstandard zu halten und finanzielle Engpässe zu vermeiden.
Es geht nicht darum, reich zu werden oder ein hohes Risiko einzugehen. Es geht darum, dein hart erarbeitetes Vermögen zu schützen und es für dich arbeiten zu lassen. Ein ETF kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein, weil er dir den Zugang zu den globalen Märkten ermöglicht, ohne dass du ein Börsenprofi sein musst.
Der Gedanke an Aktien ist für viele ältere Menschen abschreckend, da sie die großen Kursschwankungen fürchten. Doch es gibt Möglichkeiten, dieses Risiko zu minimieren. Eine breite Streuung über viele Länder und Unternehmen ist der Schlüssel. So bist du nicht vom Schicksal einer einzelnen Firma abhängig.
Was ist ein ETF eigentlich genau? Einfach erklärt
Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch: börsengehandelter Fonds. Stell dir einen großen Korb vor, in dem viele verschiedene Aktien von Unternehmen aus der ganzen Welt liegen. Ein ETF ist genau so ein Korb. Wenn du einen Anteil an diesem ETF kaufst, kaufst du automatisch einen winzigen Teil von allen Unternehmen, die in dem Korb sind.
Das Tolle daran: Du musst dir nicht die Mühe machen, einzelne Aktien auszusuchen. Du kaufst sozusagen die gesamte Weltwirtschaft oder einen bestimmten Teil davon. Es gibt ETFs auf den deutschen Aktienindex (DAX), auf europäische Aktien oder auf den gesamten Weltmarkt. Der bekannteste Welt-ETF bildet den MSCI World Index ab, der über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern enthält.
Ein ETF bildet also einen Index einfach nach. Er versucht nicht, besser zu sein als der Markt, sondern genau so gut wie der Markt zu sein. Das klingt unspektakulär, ist aber auf lange Sicht eine sehr erfolgreiche Strategie. Denn die wenigsten professionellen Fondsmanager schaffen es dauerhaft, den Markt zu schlagen.
Ein weiterer Vorteil ist die Einfachheit. Du kaufst und verkaufst ETFs wie normale Aktien über dein Wertpapierdepot. Es gibt keine komplizierten Verträge oder lange Laufzeiten. Du bist jederzeit flexibel und kannst über dein Geld verfügen, wann immer du willst.
Wie funktioniert das Sparen mit ETFs im Alter?
Das Prinzip ist denkbar einfach: Du investierst einen bestimmten Betrag in einen oder mehrere ETFs. Diesen Betrag lässt du dann möglichst lange dort liegen. Dein Geld arbeitet für dich, indem die Unternehmen im Hintergrund Gewinne erwirtschaften. Diese Gewinne werden entweder an dich als Dividende ausgeschüttet oder direkt im Fonds reinvestiert.
Der Zinseszinseffekt ist dein bester Freund. Wenn du die Erträge nicht entnimmst, sondern im Fonds lässt, werden sie in den Folgejahren mitverdient. Das ist wie ein Schneeballsystem, das dein Vermögen über die Jahre hinweg immer schneller wachsen lässt. Gerade im Alter, wenn du vielleicht nicht mehr so viel Zeit hast, ist dieser Effekt wichtig.
Du kannst entweder einen größeren Betrag auf einmal investieren oder einen Sparplan einrichten. Ein Sparplan ist besonders für Rentner interessant, die regelmäßig einen Teil ihrer Rente oder Mieteinnahmen zur Seite legen möchten. Du bestimmst die Höhe des Betrags und das Intervall, zum Beispiel monatlich oder vierteljährlich.
Wichtig zu verstehen: Der Wert deines ETFs wird schwanken. Es wird Jahre geben, in denen deine Anlage an Wert verliert. Das ist normal und gehört zum Spiel dazu. Wenn du aber langfristig denkst und nicht in Panik gerätst, hast du gute Chancen, dass dein Vermögen über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren wächst.
Welche Kosten kommen auf dich zu? Ein ehrlicher Blick
Kosten sind ein wichtiges Thema, denn sie schmälern deine Rendite. Bei ETFs gibt es zwei wesentliche Kostenarten: die laufenden Kosten und die Transaktionskosten. Die laufenden Kosten, auch TER (Total Expense Ratio) genannt, werden jährlich von deinem Fondsvermögen abgezogen. Sie decken die Verwaltung des Fonds ab.
Die gute Nachricht: ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds sehr günstig. Während ein aktiver Fonds oft über 1,5 Prozent pro Jahr kostet, liegen die Kosten für einen weltweit streuenden ETF oft deutlich darunter. Auf lange Sicht macht das einen großen Unterschied, da die Kosten die Rendite direkt schmälern.
Zusätzlich fallen beim Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen Gebühren für deine Bank oder deinen Broker an. Diese sind in den letzten Jahren stark gesunken. Viele Online-Broker bieten sogar die Möglichkeit, mit einem Sparplan kostenlos ETFs zu besparen. Es lohnt sich, die Konditionen zu vergleichen.
Achte beim Vergleich nicht nur auf die reine Kostenquote. Auch die Abbildungsqualität des Index spielt eine Rolle. Manche ETFs weichen leicht von der Wertentwicklung ihres Index ab. Das ist normal, sollte aber möglichst gering sein. Ein Blick in die Factsheets der Anbieter hilft dir, die Qualität zu beurteilen.
Darauf solltest du bei der Auswahl deines ETFs achten
Der wichtigste Grundsatz für dich als Rentner lautet: Breite Streuung schlägt schnellen Gewinn. Wähle einen ETF, der die gesamte Welt abbildet, wie zum Beispiel den MSCI World oder den FTSE All-World. Damit investierst du in tausende Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Das reduziert das Risiko erheblich.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Währung. Achte darauf, ob der ETF in Euro oder in einer Fremdwährung wie US-Dollar gehandelt wird. Für dich als Anleger in Deutschland ist ein in Euro handelbarer ETF oft die einfachere Wahl, da du dir keine Gedanken über Wechselkursschwankungen machen musst.
Überlege dir, ob du dir regelmäßige Ausschüttungen wünschst oder ob die Erträge automatisch reinvestiert werden sollen. Bei einem ausschüttenden ETF bekommst du die Dividenden der Unternehmen auf dein Konto überwiesen. Das kann ein schönes Zusatzeinkommen sein. Bei einem thesaurierenden ETF bleiben die Erträge im Fonds und erhöhen deinen Anteilswert.
Achte außerdem auf das Fondsvolumen. ETFs mit einem sehr geringen Volumen können geschlossen werden, was zu ungeplanten Verkäufen führen kann. Wähle daher Produkte, die schon länger am Markt sind und ein ausreichend großes Vermögen verwalten. Das gibt dir Sicherheit und Stabilität.
Typische Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest
Der größte Fehler ist, in Panik zu geraten und bei fallenden Kursen alles zu verkaufen. Kursschwankungen sind völlig normal. Wer bei einem Minus von rund 20 Prozent verkauft, realisiert den Verlust und verpasst den anschließenden Aufschwung. Bleib ruhig und halte an deinem Plan fest.
Ein weiterer Fehler ist, alles auf eine Karte zu setzen. Wer nur in einen einzigen Sektor wie Technologie oder nur in eine Region wie Deutschland investiert, geht ein unnötig hohes Risiko ein. Die Lösung ist die breite Streuung über einen Welt-ETF. So bist du nicht von einzelnen Entwicklungen abhängig.
Viele Rentner machen auch den Fehler, ihr gesamtes Vermögen in ETFs zu stecken. Das ist gefährlich, denn du brauchst immer einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben. Halte einen Teil deines Geldes auf einem Tagesgeldkonto oder in anderen sicheren Anlagen, um nicht im Notfall Anteile verkaufen zu müssen.
Zu guter Letzt: Höre nicht auf Tipps von Nachbarn oder Verwandten, die eine heiße Aktie empfehlen. Diese Tipps sind oft schon längst überholt und führen zu Fehlentscheidungen. Vertraue auf die breite Marktentwicklung und nicht auf einzelne vermeintliche Glücksgriffe.
Dein konkreter Fahrplan: So legst du in 5 Schritten los
Schritt 1: Prüfe deine finanzielle Situation. Stelle sicher, dass du einen Notgroschen von etwa drei bis sechs Monatsausgaben auf einem leicht zugänglichen Konto hast. Nur das Geld, das du darüber hinaus hast, ist für die Anlage in ETFs geeignet.
Schritt 2: Eröffne ein Wertpapierdepot. Das geht heute bequem online bei einer Direktbank oder einem Neo-Broker. Achte auf niedrige Gebühren und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Die Eröffnung dauert in der Regel nur wenige Minuten und ist meist kostenlos.
Schritt 3: Entscheide dich für einen oder maximal zwei ETFs. Ein einzelner Welt-ETF reicht für den Einstieg völlig aus. Du musst nicht kompliziert diversifizieren, der Fonds macht das bereits für dich. Achte auf die Kostenquote und wähle einen Anbieter mit gutem Ruf.
Schritt 4: Lege fest, wie viel Geld du investieren möchtest. Wenn du unsicher bist, starte mit einem kleineren Betrag oder einem monatlichen Sparplan. Du kannst die Summe jederzeit anpassen. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und nicht deine Lebensqualität einschränkst.
Schritt 5: Bleib dran und überprüfe deine Anlage einmal im Jahr. Du musst nicht täglich auf die Kurse schauen. Ein jährlicher Check, ob dein ETF noch zu deiner Strategie passt, ist völlig ausreichend. Ansonsten gilt: Einfach laufen lassen und vom Zinseszinseffekt profitieren.
Steuern und Rechtliches: Was du als Rentner wissen musst
In Deutschland unterliegen Gewinne aus ETFs der Abgeltungsteuer. Das bedeutet, dass auf deine erzielten Kursgewinne und Dividenden rund 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer anfallen. Der Staat gewährt dir jedoch einen jährlichen Sparerpauschbetrag, bis zu dem deine Gewinne steuerfrei bleiben.
Für Rentner ist es wichtig zu wissen, dass der Sparerpauschbetrag auch im Ruhestand gilt. Du solltest deiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilen, damit diese die Steuern bis zu diesem Betrag nicht einbehält. Der aktuelle Pauschbetrag liegt bei rund 1.000 Euro pro Person. Bei Ehepaaren verdoppelt sich dieser Betrag.
Seit 2018 gibt es zudem die Teilfreistellung für Aktienfonds. Das bedeutet, dass nur ein Teil deiner Erträge überhaupt versteuert werden muss. Bei einem Aktien-ETF sind das rund 30 Prozent, die steuerfrei bleiben. Effektiv zahlst du also auf einen Großteil deiner Gewinne weniger Steuern als auf andere Kapitalerträge.
Du musst keine separate Steuererklärung abgeben, nur weil du ETFs besitzt. Die Bank führt die Steuern automatisch an das Finanzamt ab. Nur wenn du deinen Freistellungsauftrag nicht nutzt oder Verluste mit Gewinnen verrechnen möchtest, kann sich eine Steuererklärung für dich lohnen. Im Zweifel hilft ein Steuerberater.
Alternativen zum ETF: Was es noch gibt und was besser ist
Neben ETFs gibt es andere Anlageformen, die für Rentner interessant sein können. Tagesgeldkonten bieten Sicherheit und Flexibilität, aber nur sehr geringe Zinsen. Festgeld bietet etwas höhere Zinsen, dafür ist dein Geld für einen festen Zeitraum gebunden. Beide sind gut für den sicheren Teil deines Vermögens.
Aktien einzelner Unternehmen können höhere Renditen bieten, sind aber auch mit einem deutlich höheren Risiko verbunden. Wenn du dich intensiv mit Unternehmen auskennst, kann das spannend sein. Für die meisten Rentner ist ein ETF jedoch die einfachere und sicherere Wahl, da du kein Einzelrisiko trägst.
Immobilien gelten als krisenfest, sind aber mit hohen Anschaffungskosten und viel Aufwand verbunden. Die Verwaltung, Instandhaltung und die Suche nach Mietern können im Alter zur Belastung werden. Ein Immobilienfonds oder ein REIT-ETF kann eine Alternative sein, um indirekt von Immobilien zu profitieren.
Der Vergleich zeigt: Es gibt nicht die eine perfekte Anlage. Eine sinnvolle Strategie kombiniert verschiedene Bausteine. Ein Teil deines Geldes bleibt sicher und verfügbar, ein anderer Teil wird in ETFs investiert, um langfristig zu wachsen. So kannst du von den Chancen des Marktes profitieren und gleichzeitig ruhig schlafen.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ja, wenn du einen langen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren hast und Kursschwankungen aushalten kannst. ETFs bieten eine breite Streuung und schützen langfristig vor Inflation. Du solltest aber niemals Geld investieren, das du für den Lebensunterhalt benötigst.
Das hängt von deiner persönlichen Situation ab. Als Faustregel gilt: Investiere nur Geld, das du nicht für Notfälle oder den täglichen Bedarf brauchst. Viele Experten empfehlen, den Großteil des Vermögens sicher anzulegen und nur einen Teil in ETFs zu investieren.
Ein ausschüttender ETF zahlt dir die Dividenden der Unternehmen regelmäßig auf dein Konto aus. Das kann ein nettes Zusatzeinkommen sein. Ein thesaurierender ETF reinvestiert die Erträge automatisch, wodurch dein Anteilswert stärker wächst. Für den Vermögensaufbau sind thesaurierende oft besser, für ein Einkommen ausschüttende.
Ein Totalverlust ist bei einem breit gestreuten Welt-ETF äußerst unwahrscheinlich. Selbst in der Finanzkrise 2008 verloren solche Fonds deutlich an Wert, erholten sich aber wieder. Es ist jedoch möglich, dass deine Anlage über Jahre im Minus ist. Ein Totalverlust würde den Zusammenbruch der Weltwirtschaft bedeuten.
Weniger ist oft mehr. Ein Blick ein- oder zweimal im Jahr reicht völlig aus. Ständiges Kontrollieren führt oft zu unnötigen Sorgen und voreiligen Entscheidungen. Vertraue auf deine langfristige Strategie und lass dich nicht von kurzfristigen Schwankungen verunsichern.
Nein, das ist in der Regel nicht nötig. Die Auswahl eines guten Welt-ETFs ist mit etwas Grundwissen einfach selbst zu bewältigen. Ein unabhängiger Berater kann helfen, kostet aber oft viel Geld. Vorsicht ist bei Provisionsberatern geboten, die teure Produkte verkaufen wollen.
Der 5-Minuten-Finanzkurs
Eine Mail pro Woche: Investieren, BAföG, erstes Investieren, ohne Fachchinesisch, ohne Verkaufsdruck.