Ratgeber · Investieren
Crowdinvesting sinnvoll: Wann sich die Schwarmfinanzierung für dich lohnt
Crowdinvesting kann sinnvoll sein, wenn du bewusst einen kleinen Teil deines Vermögens in Projekte mit hohem Renditepotenzial und hohem Risiko steckst. Entscheidend ist, dass du die Funktionsweise von Nachrangdarlehen und das Risiko des Totalverlusts verstehst.
10 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der du Geld in ein Unternehmen oder Projekt investierst und dafür eine Rendite erwartest.
- Üblich sind Nachrangdarlehen: Im Insolvenzfall wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient und kannst dein gesamtes Geld verlieren.
- Es gibt keine Einlagensicherung wie bei Tagesgeld oder Festgeld, dein Kapital ist also nicht geschützt.
- Sinnvoll ist Crowdinvesting nur als kleine Beimischung im Portfolio und nach sorgfältiger Prüfung des Projekts und der Plattform.
01 · Grundlagen
Was ist Crowdinvesting?
Crowdinvesting ist eine spezielle Form der Schwarmfinanzierung. Im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding steht für dich als Anlegerin die Rendite im Vordergrund.
Beim Crowdinvesting investieren viele private Kleinanleger gemeinsam Geld in ein Projekt oder Unternehmen. Anders als beim klassischen Crowdfunding, bei dem oft eine Spende oder eine Sachleistung im Vordergrund steht, erwartest du als Anlegerin eine finanzielle Rendite. Die Investition läuft in der Regel über Online-Plattformen, die Projekte und Geldgeber zusammenführen.
In Deutschland wurden von 2011 bis 2023 weit über 1 Milliarde Euro in Crowdinvesting-Projekte investiert. Das zeigt, dass die Anlageform trotz ihrer Risiken bei vielen Anlegern beliebt ist. Du solltest jedoch verstehen, dass es sich um eine risikoreiche Geldanlage handelt, bei der du im schlimmsten Fall dein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren kannst.
Die Rendite steht beim Crowdinvesting im Vordergrund, nicht die Unterstützung eines Projekts.
Kurz erklärt
Crowdinvesting
Viele private Kleinanleger (die Crowd) investieren gemeinsam Geld in ein Projekt oder Unternehmen, um eine Rendite zu erzielen.
Die Investition erfolgt meist über Online-Plattformen, die Projekte und Anleger zusammenführen.
02 · Vergleich
Crowdinvesting im Vergleich zu anderen Crowdfunding-Arten
Crowdfunding ist ein Oberbegriff für verschiedene Modelle. Sie unterscheiden sich vor allem darin, welche Gegenleistung du für dein Geld bekommst.
Beim Crowdinvesting beteiligst du dich an künftigen Gewinnen eines Projekts oder erhältst eine feste Verzinsung. Die übliche Vertragsform ist das Nachrangdarlehen, bei dem deine Ansprüche im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden. Alternativ kann das Finanzinstrument als Wertpapier gestaltet sein, etwa als Anteile oder Schuldinstrument.
Beim Crowdlending vermittelt eine Plattform dagegen einen nicht nachrangigen Darlehensvertrag. Ein Kreditinstitut verkauft den Rückzahlungsanspruch an einzelne Anleger. Dein Risiko ist hier geringer, weil deine Ansprüche im Insolvenzfall nicht nachrangig sind. Daneben gibt es das spendenbasierte Crowddonating und das gegenleistungsbasierte Reward-based Crowdfunding, bei denen du keine finanzielle Rendite erhältst.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Vertragsform und deiner Position im Insolvenzfall.
| Crowdinvesting | Crowdlending | |
|---|---|---|
| Ziel für dich als Geldgeberin | Rendite durch Gewinnbeteiligung oder feste Verzinsung | Rendite durch Zinsen aus einem Darlehen |
| Übliche Vertragsform | Nachrangdarlehen oder Wertpapier | Nicht nachrangiger Darlehensvertrag |
| Risiko im Insolvenzfall | Hohes Risiko, da Ansprüche nachrangig sind | Geringeres Risiko, da Ansprüche nicht nachrangig sind |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert ein Crowdinvesting in der Praxis
Der Ablauf einer Investition über eine Crowdinvesting-Plattform folgt einem klaren Muster. Von der Auswahl der Plattform bis zur Auszahlung der Rendite sind es in der Regel sechs Schritte.
Du wählst zunächst eine Plattform aus, die deinen Kriterien entspricht. Achte dabei auf den Sitz in Deutschland, die Anzahl erfolgreich finanzierter Projekte und die Mindestbeteiligung. Anschließend registrierst du dich und eröffnest ein Kundenkonto, was in der Regel mit wenigen Angaben erledigt ist.
Danach entscheidest du dich für ein konkretes Projekt, das zu deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont passt. Die Investitionshöhe kannst du frei wählen, wobei die Plattformen unterschiedliche Mindestanlagebeträge fordern. Während einige Plattformen ein Minimum von 500 Euro ansetzen, kannst du bei anderen bereits mit 10 Euro starten. Nach dem Kleinanlegerschutzgesetz liegt die obere Anlagegrenze bei 25.000 Euro.
- Du wählst eine Crowdinvesting-Plattform aus, die deinen Kriterien entspricht.
- Du registrierst dich bei der Plattform und eröffnest ein Kundenkonto.
- Du entscheidest dich für ein konkretes Projekt, das zu deiner Risikobereitschaft passt.
- Du legst den Betrag fest, den du investieren möchtest.
- Du hältst dich über den Fortschritt des Projekts informiert.
- Du erhältst am Ende der Laufzeit dein Geld zurück, sofern das Projekt erfolgreich ist.
Plattform auswählen
Du wählst eine Crowdinvesting-Plattform aus, die deinen Kriterien entspricht. Achte auf den Sitz in Deutschland, die Anzahl erfolgreich finanzierter Projekte und die Mindestbeteiligung.
Konto registrieren
Du registrierst dich bei der Plattform und eröffnest ein Kundenkonto. Das ist in der Regel mit wenigen Angaben erledigt.
Projekt auswählen
Du entscheidest dich für ein konkretes Projekt, das zu deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont passt.
Investitionshöhe festlegen
Du legst den Betrag fest, den du investieren möchtest. Die Mindestanlage kann je nach Plattform zwischen 10 und 500 Euro liegen, die Obergrenze für Privatpersonen liegt bei 25.000 Euro.
Projekt verfolgen
Du informierst dich regelmäßig über den Fortschritt des Projekts. Die Plattform sollte dich über den Stand auf dem Laufenden halten.
Rendite erhalten
Am Ende der Laufzeit erhältst du dein investiertes Kapital und die vereinbarten Zinsen zurück, sofern das Projekt erfolgreich war.
04 · Was gilt
Wann ist Crowdinvesting sinnvoll?
Crowdinvesting ist nicht für jede Anlegerin und jeden Zweck geeignet. Es gibt klare Fälle, in denen die Anlageform sinnvoll sein kann, und solche, in denen du besser die Finger davon lässt.
Crowdinvesting kann als kleine Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio sinnvoll sein. Wenn du bewusst ein hohes Risiko für ein hohes Renditepotenzial eingehen willst und auf einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals finanziell vorbereitet bist, kann die Anlageform zu deiner Strategie passen. Auch für Investments in Projekte, die du aus eigener Überzeugung unterstützen möchtest, kann Crowdinvesting eine Option sein.
Nicht sinnvoll ist Crowdinvesting als Ersatz für sichere Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld. Für den Aufbau deiner Altersvorsorge ist die Anlageform ebenfalls ungeeignet, weil das Risiko eines Totalverlusts zu hoch ist. Wenn du kurzfristig auf das Geld angewiesen bist oder keine Zeit hast, das Projekt und die Plattform sorgfältig zu prüfen, solltest du die Finger davon lassen.
Setze nur Geld ein, dessen vollständigen Verlust du finanziell verkraften kannst.
Sinnvoll
Nicht sinnvoll
05 · Kosten
Die Kosten beim Crowdinvesting
Die Kosten beim Crowdinvesting sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Sie können deine Rendite schmälern und sollten vor der Investition geprüft werden.
Typische Kostenarten sind Plattformgebühren, Transaktionskosten und Projektkosten, deren tatsächliche Höhe je nach Plattform und Projekt variiert.
Gute Anbieter legen alle Gebühren und Kosten offen. Fehlende Transparenz bei den Kosten ist ein Warnsignal, denn kaum eine Plattform legt offen, nach welchen Qualitätskriterien ein Projekt aufgenommen wird. Du solltest die Plattform und das angestrebte Investment eigenständig und sehr genau prüfen, bevor du dich dafür entscheidest.
Prüfe vor der Investition, welche Kosten auf dich zukommen und wie sie deine Rendite beeinflussen.
Typische Kostenarten beim Crowdinvesting
06 · Im Vertrag
Das Nachrangdarlehen als zentrale Vertragsform
Beim Crowdinvesting schließt du in der Regel ein Nachrangdarlehen ab. Diese Vertragsklausel hat im Insolvenzfall weitreichende Folgen für dein Geld.
Dein Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung ist im Insolvenzfall nachrangig, das bedeutet: Du wirst erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld erhalten haben. Bei einer Pleite gehen Kleinanleger oft leer aus.
Falls ein qualifiziertes Nachrangdarlehen mit einer sogenannten vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre vereinbart wird, besteht ein hohes Risiko für dich. Wenn durch die Rückzahlung der Insolvenzfall eintreten würde, entfällt dein Rückzahlungsanspruch vollständig. Die Fundingschwelle ist eine weitere wichtige Vertragsbedingung: Das Projekt kommt nur zustande, wenn innerhalb einer festgelegten Zeit eine Mindestsumme erreicht wird. Andernfalls erhältst du dein Geld zurück, wobei Plattformen einen Teil einbehalten können, um ihre Kosten zu decken.
Das Nachrangdarlehen ist das Kernrisiko beim Crowdinvesting.
Wichtige Vertragsbestandteile beim Crowdinvesting
07 · Checkliste
Checkliste: So prüfst du ein Crowdinvesting-Projekt
Bevor du investierst, solltest du das Projekt und die Plattform genau unter die Lupe nehmen. Diese Checkliste hilft dir, die wichtigsten Punkte zu prüfen.
Die wesentlichen Informationen über ein Crowdinvesting-Projekt findest du im gesetzlich vorgeschriebenen Vermögensanlageninformationsblatt, das alle Infos zur Geldanlage auf maximal 3 DIN-A4-Seiten bereithält. Gut ist es auch, wenn du die Möglichkeit hast, direkten Kontakt zu den Projektentwicklern aufzunehmen.
- Wer steht hinter dem Vorhaben und ist der Anbieter erfahren?
- Wie sieht das Finanzierungskonzept aus und kombiniert das Projekt Crowdinvesting mit Eigenkapital oder Bankdarlehen?
- Welche Informationen stellt die Plattform bereit und sind die Gebühren und Kosten vollständig offengelegt?
- Welche konkreten Risiken bestehen für das Projekt, auch wenn es ökologisch oder sozial sinnvoll ist?
- Wie transparent ist die Plattform bei der Auswahl der Projekte und den bisherigen Erfolgsquoten?
- Hast du die Möglichkeit, direkten Kontakt zu den Projektentwicklern aufzunehmen?
Je transparenter ein Projekt vorgestellt wird, desto besser ist es. Sei lieber zu kritisch als zu nachsichtig.
Prüfpunkte vor deiner Investition
Wer steht hinter dem Vorhaben und ist der Anbieter erfahren?
Wie sieht das Finanzierungskonzept aus und kombiniert das Projekt Crowdinvesting mit Eigenkapital oder Bankdarlehen?
Welche Informationen stellt die Plattform bereit und sind die Gebühren und Kosten vollständig offengelegt?
Welche konkreten Risiken bestehen für das Projekt, auch wenn es ökologisch oder sozial sinnvoll ist?
Wie transparent ist die Plattform bei der Auswahl der Projekte und den bisherigen Erfolgsquoten?
Hast du die Möglichkeit, direkten Kontakt zu den Projektentwicklern aufzunehmen?
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Crowdinvesting
Viele Anlegerinnen unterschätzen die Risiken oder treffen Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist, zu viel Kapital zu investieren. Setze nur einen kleinen Teil deines Vermögens ein, dessen Verlust du verkraften kannst. Auch fehlende Diversifikation ist riskant: Verteile dein Risiko auf mehrere Projekte und Anlageklassen.
Ein weiterer Fehler ist, Transparenz zu ignorieren. Wenn eine Plattform kaum Informationen preisgibt, ist das ein Warnsignal. Bei Projekten im Ausland unterschätzen viele Anleger die Währungsrisiken, die deine Rendite aufzehren können. Erwarte außerdem keine vorzeitige Kündigung: Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Investment ist in der Regel nicht möglich. Und verlasse dich nicht auf eine Einlagensicherung, denn die gibt es beim Crowdinvesting nicht.
Der größte Fehler ist, Crowdinvesting wie eine sichere Geldanlage zu behandeln.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
09 · Hintergrund
Crowdinvesting für Klimaschutzprojekte
Ein wachsender Bereich ist die Finanzierung von nachhaltigen Projekten. Auch hier gilt: Das sinnvolle Ziel ändert nichts am finanziellen Risiko.
Crowdinvesting wird zunehmend für Klimaschutzprojekte und soziale Vorhaben genutzt. Investitionsobjekte sind oft Start-ups oder kleine innovative Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Bildung oder soziale Infrastruktur. Die Angebote reichen von der Errichtung einer Photovoltaikanlage in Ghana über ein Darlehen für ein Bio-Energiedorf in Deutschland bis zur Beteiligung an einem Energieeffizienzhaus.
Trotz der sinnvollen Projektziele bleibt das finanzielle Risiko hoch. Auch ökologisch sinnvolle Projekte können scheitern, und im Insolvenzfall droht der Totalverlust deines Geldes. Bei Projekten in Entwicklungs- oder Schwellenländern ist die Wirtschaftlichkeit nur schwer einschätzbar, oft kommen Währungsrisiken und eine unklare Rechtslage hinzu. Als risikoreiche Anlageform sollte Crowdinvesting nur einen kleinen Teil deines Anlageportfolios ausmachen.
Das sinnvolle Ziel ändert nichts am finanziellen Risiko.
Crowdinvesting wird zunehmend für Klimaschutzprojekte und soziale Vorhaben genutzt. Investitionsobjekte sind oft Start-ups oder kleine innovative Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Bildung oder soziale Infrastruktur.
Die Angebote reichen von der Errichtung einer Photovoltaikanlage in Ghana über ein Darlehen für ein Bio-Energiedorf in Deutschland bis zur Beteiligung an einem Energieeffizienzhaus.
Trotz der sinnvollen Projektziele bleibt das finanzielle Risiko hoch. Auch ökologisch sinnvolle Projekte können scheitern, und im Insolvenzfall droht der Totalverlust deines Geldes.
Bei Projekten in Entwicklungs- oder Schwellenländern kommen zusätzliche Risiken hinzu: Die Wirtschaftlichkeit ist schwer einschätzbar, es bestehen Währungsrisiken und die Rechtslage kann unklar sein.
10 · Hintergrund
Crowdinvesting und Steuern
Deine Erträge aus Crowdinvesting sind steuerpflichtig. Die Höhe der Steuer hängt von deinem persönlichen Steuersatz und dem Sparer-Pauschbetrag ab.
Zinsen und Gewinne aus Crowdinvesting zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Für Singles gilt ein Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Jahr, für zusammenveranlagte Ehepaare sind es 2000 Euro. Bis zu dieser Höhe bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei.
Eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds von 30 Prozent gibt es beim Crowdinvesting in der Regel nicht, da es sich meist um Nachrangdarlehen und nicht um Aktienfonds handelt. Du solltest deine Erträge aus Crowdinvesting in deiner Steuererklärung angeben, sofern sie den Sparer-Pauschbetrag übersteigen.
Deine Erträge aus Crowdinvesting sind steuerpflichtig und unterliegen der Abgeltungsteuer.
Zinsen und Gewinne aus Crowdinvesting zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen.
Beim Crowdinvesting handelt es sich klassischerweise um Nachrangdarlehen. Das bedeutet, dass du bei einer Pleite erst nach anderen Gläubigern an der Reihe bist, Geld zurückzuerhalten.
Beim Crowdinvesting kannst du alles angelegte Geld verlieren, da es anders als bei Tagesgeld oder Festgeld keine Einlagensicherung gibt, die dein investiertes Kapital schützt.
Häufige Fragen
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