Crowdinvesting für Rentner: Dein Weg zu mehr Rendite im Ruhestand
Du bist Rentner und dein Erspartes bringt kaum noch Zinsen? Crowdinvesting könnte eine Alternative sein. Wir erklären dir, wie es funktioniert, welche Risiken es birgt und worauf du unbedingt achten solltest.
Warum Crowdinvesting auch für dich als Rentner relevant ist
Vielleicht kennst du das: Du schaust auf dein Sparbuch oder dein Tagesgeldkonto und die Zinsen sind in den letzten Jahren regelrecht zusammengebrochen. Was früher noch einen ordentlichen Nebenverdienst brachte, ist heute oft nur noch Peanuts. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten und du möchtest dir vielleicht den einen oder anderen Wunsch erfüllen, ohne dein Erspartes anzufassen.
Genau hier kommt Crowdinvesting ins Spiel. Es ist eine Möglichkeit, dein Geld anzulegen und dafür eine höhere Verzinsung zu bekommen, als es dir die Bank bietet. Statt dein Geld nur zu verwahren, wird es bei dieser Anlageform direkt an Unternehmen oder Projekte vergeben. Dafür erhältst du einen festen Zins, der oft deutlich über dem liegt, was du von klassischen Anlagen kennst.
Natürlich ist das kein Selbstläufer. Du musst dir im Klaren sein, dass du mit Crowdinvesting ein höheres Risiko eingehst als mit einem Sparbuch. Dein Geld ist nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Das bedeutet, wenn das Unternehmen, in das du investierst, pleitegeht, kannst du dein Geld verlieren. Diese Chance und dieses Risiko solltest du immer im Hinterkopf behalten.
Dennoch kann Crowdinvesting ein sinnvoller Baustein in deiner Altersvorsorge sein. Es geht nicht darum, dein ganzes Vermögen umzuschichten. Es geht darum, einen kleinen Teil deiner Ersparnisse für dich arbeiten zu lassen. In den nächsten Abschnitten zeigen wir dir, wie das genau funktioniert und worauf du achten musst, damit du keine bösen Überraschungen erlebst.
Die Grundlagen: Was ist Crowdinvesting überhaupt?
Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Crowd bedeutet Menschenmenge und Investing bedeutet Investieren. Du schließt dich also mit vielen anderen Anlegern zusammen, um gemeinsam in ein Projekt zu investieren. Stell dir vor, ein regionales Unternehmen möchte eine neue Produktionshalle bauen und braucht dafür einen Kredit. Statt zur Bank zu gehen, fragt es die Allgemeinheit, also die Crowd.
Du und viele andere Menschen geben dem Unternehmen über eine Online-Plattform Geld. Dafür bekommst du einen Vertrag, der dir einen festen Zins über eine bestimmte Laufzeit zusichert. Am Ende der Laufzeit bekommst du dein eingesetztes Kapital zurück, sofern das Unternehmen nicht in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Diese Form der Geldanlage nennt man auch Schwarmfinanzierung.
Wichtig ist der Unterschied zum Crowdfunding. Beim Crowdfunding spendest du Geld oder bekommst ein Produkt als Gegenleistung, zum Beispiel eine CD einer Band. Beim Crowdinvesting geht es aber um eine echte Geldanlage. Du leihst dein Geld und bekommst dafür einen Zins. Du wirst also nicht Miteigentümer, sondern Gläubiger des Unternehmens.
Die Plattformen, die diese Projekte anbieten, sind im Internet zu finden. Sie prüfen die Unternehmen vorab und stellen die Projekte dann für eine gewisse Zeit zur Finanzierung ein. Du kannst dann schon mit kleinen Beträgen einsteigen. Das macht diese Anlageform auch für dich als Rentner interessant, weil du selbst entscheiden kannst, wie viel Geld du investieren möchtest.
So funktioniert die Geldanlage in Projekte Schritt für Schritt
Der Ablauf ist in der Regel immer ähnlich, egal welche Plattform du wählst. Zuerst musst du dich auf der Internetseite der Plattform registrieren. Dabei musst du dich ausweisen und einige Angaben zu deiner Person machen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Geldwäsche zu verhindern. Du wirst also nicht einfach so anonym investieren können.
Danach kannst du dir die verschiedenen Projekte anschauen. Jedes Projekt hat eine eigene Beschreibung. Dort erfährst du, welches Unternehmen Geld sucht, wofür es verwendet wird, wie hoch der Zins ist und wie lange die Laufzeit geht. Du solltest diese Informationen immer sehr genau lesen. Sie sind die Grundlage für deine Entscheidung.
Wenn du ein passendes Projekt gefunden hast, gibst du einen Betrag an, den du investieren möchtest. Das geht oft schon ab 25 oder 50 Euro. Dein Geld wird dann von deinem Bankkonto auf ein Treuhandkonto überwiesen. Von dort wird es an das Unternehmen weitergeleitet, sobald die Finanzierungsrunde abgeschlossen ist.
Ab diesem Zeitpunkt läuft deine Anlage. Du bekommst regelmäßig, meistens jährlich oder halbjährlich, deine Zinsen ausgezahlt. Nach Ablauf der Laufzeit, also zum Beispiel nach zwei Jahren, bekommst du dein Kapital zurück. Du musst dich also nicht aktiv um nichts kümmern, sondern kannst die Entwicklung deiner Anlage im Online-Portal verfolgen.
Kosten und Gebühren: Was kommt auf dich zu?
Ein wichtiger Punkt, den du vor jeder Anlage prüfen solltest, sind die Kosten. Bei Crowdinvesting gibt es in der Regel keine klassischen Depotgebühren wie bei Aktienfonds. Die Plattformen verdienen ihr Geld meistens vom Unternehmen, das das Geld einsammelt. Für dich als Anleger ist die Nutzung der Plattform oft kostenlos.
Das bedeutet aber nicht, dass es keine versteckten Kosten gibt. Achte genau auf die Projektbeschreibung. Dort steht, ob es einen Ausgabeaufschlag gibt oder ob Gebühren vom Zins abgezogen werden. Diese Kosten können deine tatsächliche Rendite schmälern. Ein angekündigter Zins von rund 8 Prozent kann nach Abzug von Gebühren schnell nur noch rund 6 Prozent betragen.
Ein weiterer Kostenpunkt kann die Steuer sein. Deine Zinserträge musst du in deiner Steuererklärung angeben. Die Plattformen sind in der Regel verpflichtet, die Abgeltungssteuer automatisch an das Finanzamt abzuführen. Du solltest aber trotzdem prüfen, ob dein Freistellungsauftrag bei der Plattform hinterlegt ist, damit du nicht unnötig Steuern zahlst.
Vergleiche die Konditionen der verschiedenen Plattformen. Manche erheben eine Gebühr, wenn du dir das Geld vorzeitig auszahlen lassen möchtest. Das ist bei Crowdinvesting aber sowieso meistens nicht möglich. Dein Geld ist für die Laufzeit gebunden. Du solltest also nur Geld investieren, das du in den nächsten Jahren sicher nicht benötigst.
Darauf musst du bei der Auswahl der Projekte achten
Die Auswahl des richtigen Projekts ist das A und O. Du solltest niemals nur auf den hohen Zins schauen. Ein extrem hoher Zins ist oft ein Warnsignal für ein hohes Risiko. Seriöse Unternehmen müssen für einen Kredit über die Crowd meistens mehr zahlen als bei der Bank, aber die Zinsen sollten in einem vernünftigen Rahmen bleiben.
Lies dir das Exposé, also die Projektbeschreibung, in Ruhe durch. Achte darauf, wofür das Geld verwendet wird. Ist es eine solide Investition in Maschinen oder Immobilien? Oder soll damit nur ein laufender Betrieb finanziert werden? Projekte, die einen klaren Zweck haben und nachvollziehbar sind, sind oft weniger riskant.
Schau dir auch das Unternehmen selbst an. Gibt es das Unternehmen schon länger? Wie sind die Geschäftszahlen? Viele Plattformen veröffentlichen Jahresabschlüsse oder zumindest Kennzahlen. Wenn du diese Informationen nicht verstehst, solltest du dich beraten lassen oder das Projekt lieber weglassen. Es ist keine Schande, ein Projekt nicht zu verstehen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Rang deiner Forderung. Im Insolvenzfall werden zuerst gesicherte Gläubiger bedient. Frage dich, ob dein Darlehen nachrangig ist. Das ist bei Crowdinvesting oft der Fall. Das bedeutet, dass du im Pleitefall erst nach anderen Gläubigern an die Reihe kommst und dein Geld möglicherweise verlierst.
Typische Fehler, die du als Rentner unbedingt vermeiden solltest
Der größte Fehler ist, zu viel Geld in Crowdinvesting zu stecken. Auch wenn die Zinsen verlockend sind, solltest du niemals deine gesamten Ersparnisse oder deine Notreserve anlegen. Als Faustregel gilt: Investiere nur einen kleinen Teil deines Vermögens, den du im schlimmsten Fall komplett verlieren kannst, ohne deinen Lebensstandard zu gefährden.
Ein weiterer Fehler ist, sich nicht zu informieren. Viele Anleger lassen sich von den hohen Zinsen blenden und lesen die Verträge nicht. Das kann böse Überraschungen geben. Nimm dir Zeit und lies die Bedingungen genau durch. Wenn dir etwas unklar ist, frage nach oder lasse die Finger davon. Deine Ruhe und dein Schlaf sind wichtiger als ein paar Prozentpunkte mehr.
Auch das Risiko der Plattform selbst wird oft unterschätzt. Wenn die Plattform pleitegeht, kann das deine Anlage gefährden, auch wenn das Unternehmen selbst gesund ist. Achte darauf, dass die Plattform etabliert ist und eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat. Diese Informationen findest du meistens im Impressum der Webseite.
Und schließlich: Lass dich nicht unter Zeitdruck setzen. Viele Projekte sind nur für kurze Zeit verfügbar und es wird Druck aufgebaut, schnell zu investieren. Seriöse Anbieter setzen dich nicht unter Druck. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und treffe deine Entscheidung in Ruhe. Es wird immer wieder neue Projekte geben, die für dich interessant sein könnten.
Konkrete nächste Schritte: So startest du deine erste Investition
Wenn du dich entschieden hast, Crowdinvesting auszuprobieren, solltest du strukturiert vorgehen. Der erste Schritt ist, einen Überblick über deine Finanzen zu bekommen. Lege fest, welchen Betrag du maximal investieren möchtest. Dieser Betrag sollte so gewählt sein, dass du auch bei einem Totalverlust keine finanziellen Probleme bekommst.
Im zweiten Schritt solltest du verschiedene Plattformen vergleichen. Schau dir an, welche Projekte dort angeboten werden und wie die Konditionen sind. Achte auf die Laufzeiten und die Zinssätze. Eröffne ein Konto nur bei einer Plattform, die dir seriös erscheint und die von der BaFin beaufsichtigt wird. Ein Blick in die Presse oder in Bewertungsportale kann dir helfen.
Bevor du investierst, solltest du einen Freistellungsauftrag bei der Plattform einrichten. So bleiben deine Zinserträge bis zum Sparerpauschbetrag steuerfrei. Den Pauschbetrag kannst du bei deinem Finanzamt erfragen oder du kennst ihn bereits aus deiner Steuererklärung. Dieser Schritt spart dir später Ärger und Papierkram.
Starte mit einer kleinen Summe, um Erfahrungen zu sammeln. Du musst nicht sofort mit dem maximalen Betrag einsteigen. Investiere zum Beispiel in ein Projekt mit einer kurzen Laufzeit und einem überschaubaren Zins. So lernst du den Ablauf kennen und kannst beobachten, wie sich deine Anlage entwickelt. Mit dieser Erfahrung kannst du dann später größere Beträge investieren.
Crowdinvesting im Vergleich zu anderen Anlageformen
Um Crowdinvesting richtig einzuordnen, solltest du es mit anderen Anlageformen vergleichen. Das klassische Sparbuch oder Tagesgeldkonto bietet dir Sicherheit, aber kaum Rendite. Dein Geld ist jederzeit verfügbar, aber es verliert durch die Inflation an Kaufkraft. Für deine Notreserve ist das weiterhin der richtige Ort.
Aktien oder Aktienfonds bieten langfristig eine höhere Renditechance, aber auch stärkere Kursschwankungen. Du musst Kursschwankungen aushalten können und einen langen Atem haben. Im Gegensatz zum Crowdinvesting kannst du Aktien aber jederzeit verkaufen. Die Liquidität, also die Verfügbarkeit deines Geldes, ist bei Aktien deutlich höher.
Festgeld bietet eine feste Verzinsung über einen bestimmten Zeitraum. Die Zinsen sind zwar höher als beim Tagesgeld, aber meistens niedriger als beim Crowdinvesting. Dafür ist dein Geld durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Wenn deine Bank pleitegeht, bekommst du dein Geld bis zu einer bestimmten Höhe zurück. Diesen Schutz hast du beim Crowdinvesting nicht.
Crowdinvesting ist also eine Anlageform, die zwischen Festgeld und Aktien liegt. Du bekommst eine feste Verzinsung, aber ein höheres Risiko als bei einer Bank. Du hast keine tägliche Verfügbarkeit, aber eine klare Laufzeit. Für dich als Rentner kann das eine sinnvolle Beimischung sein, wenn du das Risiko verstehst und akzeptierst.
Dein Fahrplan für eine sichere Entscheidung
Jetzt hast du einen guten Überblick über das Thema Crowdinvesting für Rentner. Bevor du loslegst, fasse noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen. Deine Anlage ist nicht durch die Einlagensicherung geschützt und kann vollständig verloren gehen. Das ist der wichtigste Unterschied zu deinem Bankkonto.
Du solltest nur Geld investieren, das du nicht für den täglichen Bedarf oder für Notfälle brauchst. Eine breite Streuung ist das A und O. Investiere nicht alles in ein einziges Projekt, sondern verteile dein Geld auf mehrere Projekte und verschiedene Branchen. So reduzierst du das Risiko, dass ein einzelner Ausfall dich hart trifft.
Nimm dir Zeit für deine Entscheidung. Es gibt viele Plattformen und Projekte auf dem Markt. Vergleiche die Konditionen und lies die Verträge sorgfältig. Scheue dich nicht, Fragen zu stellen. Die meisten Plattformen haben einen Kundenservice, der dir weiterhelfen kann. Wenn du unsicher bist, hole dir Rat bei einer unabhängigen Verbraucherberatung.
Crowdinvesting kann eine spannende Ergänzung für deine Altersvorsorge sein. Es bietet die Chance auf eine höhere Rendite als klassische Anlagen. Wenn du die Risiken kennst und deine Investitionen gut planst, kannst du damit deine Rente aufbessern. Starte klein, bleibe neugierig und lerne dazu. Dann steht deinem Erfolg nichts im Wege.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ja, es kann geeignet sein, wenn du ein Teil deines Vermögens für eine höhere Rendite anlegen möchtest. Du musst aber bereit sein, das Risiko eines Teil- oder Totalverlusts zu tragen. Investiere nur Geld, das du nicht für deinen Lebensunterhalt benötigst.
Das Risiko ist deutlich höher als bei einem Sparbuch oder Festgeld. Dein Geld ist nicht durch die Einlagensicherung geschützt. Wenn das Unternehmen oder die Plattform in Schwierigkeiten gerät, kannst du dein eingesetztes Kapital verlieren. Die Höhe des Risikos variiert je nach Projekt.
Die Rendite hängt vom jeweiligen Projekt ab. Üblich sind Zinssätze, die deutlich über dem Tagesgeldniveau liegen. Du solltest aber immer im Hinterkopf behalten, dass eine höhere Rendite auch ein höheres Risiko bedeutet. Es gibt keine Garantie für die versprochenen Zinsen.
In der Regel ist das nicht möglich. Dein Geld ist für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Es gibt keine Börse, an der du deine Anteile verkaufen kannst. Du solltest also nur Geld investieren, das du in den nächsten Jahren sicher nicht benötigst.
Achte darauf, dass die Plattform eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat. Diese Information findest du auf der Webseite. Zusätzlich helfen Bewertungen in Fachmedien und der Austausch mit anderen Anlegern, um einen guten Eindruck zu bekommen.
Ja, Zinserträge müssen in der Regel versteuert werden. Die Plattformen führen die Abgeltungssteuer meist automatisch ab. Du solltest einen Freistellungsauftrag einrichten, um deinen Sparerpauschbetrag auszunutzen. So bleiben deine Erträge bis zu dieser Grenze steuerfrei.
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