Crowdinvesting für Selbstständige: Dein Einstieg in die digitale Geldanlage
Du bist selbstständig und willst dein Geld nicht nur auf dem Girokonto parken? Crowdinvesting kann eine spannende Ergänzung sein. Wir erklären dir, wie die Anlageform funktioniert, was sie für dich bedeutet und wie du clever startest.
Warum Crowdinvesting auch für dich als Selbstständige:n relevant ist
Als Selbstständige:r kennst du das Gefühl, dass dein Einkommen schwanken kann. Der eine Monat ist großartig, der nächste eher mau. Deine Altersvorsorge und dein Vermögensaufbau hängen oft direkt an deinem Geschäftserfolg. Das birgt ein Klumpenrisiko: Wenn es deiner Firma schlecht geht, geht es auch deinen Finanzen schlecht.
Crowdinvesting bietet dir die Chance, einen Teil deines Vermögens unabhängig von deinem eigenen Unternehmen zu investieren. Du beteiligst dich an anderen Startups oder Projekten und streust so dein Risiko. Das ist ein Gedanke, der für Angestellte gilt, aber für dich als Selbstständige:n noch wichtiger ist, weil du keine Sicherheit durch einen festen Arbeitgeber hast.
Viele Selbstständige denken, Investieren sei kompliziert oder nur etwas für Reiche. Das Gegenteil ist der Fall: Über Plattformen im Internet kannst du schon mit kleineren Beträgen einsteigen. Du lernst dabei, wie Kapitalmärkte funktionieren, und du bekommst ein Gefühl für unternehmerische Entscheidungen, die du sonst nur aus deiner eigenen Firma kennst.
Wichtig ist: Es geht nicht darum, schnell reich zu werden. Es geht darum, deine finanzielle Basis zu verbreitern. Wenn du verstehst, wie Crowdinvesting funktioniert, kannst du bewusster entscheiden, ob es in dein Gesamtkonzept passt. Und du wirst sicherer im Umgang mit Geldthemen, was dir auch in deinem Business hilft.
Die Grundlagen: Was ist Crowdinvesting überhaupt?
Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung. Dabei legen viele Menschen, die Crowd, ihr Geld zusammen, um ein Unternehmen oder ein Projekt zu finanzieren. Stell es dir wie eine Gemeinschaftskasse vor: Statt dass eine Bank einen großen Kredit vergibt, geben 500 Leute jeweils einen kleineren Betrag. Dafür bekommen sie eine Beteiligung oder einen festen Zins versprochen.
Der Unterschied zum Crowdfunding ist wichtig. Beim Crowdfunding bekommst du oft ein Produkt oder eine Belohnung, zum Beispiel ein T-Shirt oder ein Buch. Beim Crowdinvesting bekommst du eine finanzielle Gegenleistung. Du wirst also zum Investor oder zur Investorin. Das kann ein Darlehen sein, das zurückgezahlt wird, oder ein Anteil am Gewinn des Unternehmens.
Die Plattformen, die das organisieren, heißen zum Beispiel Seedmatch, Companisto oder Exporo. Sie prüfen die Unternehmen vorab und stellen die Projekte online vor. Du kannst dann entscheiden, in welches Projekt du investierst. Die Laufzeiten sind oft mehrere Jahre, und dein Geld ist in dieser Zeit gebunden. Du kannst es also nicht einfach so wieder abrufen.
Für dich als Selbstständige:n heißt das: Du wirst zum stillen Teilhaber oder zur stillen Teilhaberin an anderen Firmen. Du hast kein Mitspracherecht im Tagesgeschäft, aber du profitierst, wenn das Unternehmen wächst. Gleichzeitig trägst du das Risiko, dass das Unternehmen scheitert und dein Geld verloren ist. Das ist der Kern der Sache: hohe Chancen, aber auch hohe Risiken.
So funktioniert Crowdinvesting im Alltag: Ein Ablauf in Schritten
Der Ablauf ist einfacher, als du denkst. Zuerst wählst du eine Plattform aus, die zu dir passt. Achte darauf, dass sie in Deutschland reguliert ist und einen guten Ruf hat. Dann erstellst du ein Konto, ähnlich wie bei einem Online-Shop. Du musst dich legitimieren, das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Geldwäsche zu verhindern.
Danach siehst du dir die offenen Projekte an. Jedes Projekt hat eine Beschreibung, einen Finanzierungsplan und Informationen über das Team. Du siehst, wie viel Geld schon eingesammelt wurde und wie viele Menschen investiert haben. Lies diese Unterlagen sorgfältig, so wie du es bei einem Vertrag mit einem Kunden tun würdest.
Wenn du ein Projekt gefunden hast, legst du den Betrag fest, den du investieren willst. Das kann bei manchen Plattformen schon ab rund 25 Euro losgehen, oft sind es aber auch 1000 Euro oder mehr. Nach deiner Zeichnung bekommst du eine Bestätigung. Ab dann läuft die Laufzeit, und du erhältst in der Regel regelmäßig Zinszahlungen oder eine jährliche Abrechnung.
Am Ende der Laufzeit bekommst du dein Geld zurück, wenn das Unternehmen erfolgreich war. Oder du bekommst Anteile am Gewinn ausgezahlt. Wenn das Unternehmen pleitegeht, kann es sein, dass du nur einen Teil oder gar nichts zurückbekommst. Deshalb gilt die goldene Regel: Investiere nur Geld, dessen Verlust du verschmerzen kannst.
Kosten und Gebühren: Was kommt auf dich zu?
Crowdinvesting ist nicht kostenlos, auch wenn es oft so scheint. Die Plattformen verdienen ihr Geld mit Gebühren, die vom Unternehmen oder von dir getragen werden. Bei vielen Anbietern zahlst du keine direkten Gebühren für die Anlage. Die Kosten sind oft schon im Zins oder in der Gewinnbeteiligung eingerechnet.
Es gibt aber versteckte Kosten, die du kennen solltest. Manche Plattformen verlangen eine Gebühr, wenn du deine Anteile vorzeitig verkaufen willst. Das ist aber oft gar nicht möglich, weil es keinen geregelten Zweitmarkt gibt. Du musst also damit rechnen, dass dein Geld für die gesamte Laufzeit gebunden ist.
Achte auch auf die Kosten auf Unternehmensseite. Wenn ein Startup hohe Gebühren an die Plattform zahlt, bleibt weniger für das eigentliche Geschäft übrig. Das kann die Rendite schmälern. Seriöse Plattformen legen diese Kosten offen. Wenn du sie nicht findest, ist das ein Warnsignal.
Für dich als Selbstständige:n ist ein weiterer Punkt wichtig: die Steuer. Zinseinnahmen aus Crowdinvesting musst du in deiner Steuererklärung angeben. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer, wenn du sie über eine inländische Plattform beziehst. Bei ausländischen Anbietern kann es komplizierter werden. Hol dir im Zweifel Rat von deinem Steuerberater oder deiner Steuerberaterin.
Worauf du bei der Auswahl von Projekten achten solltest
Nicht jedes Projekt ist gleich gut. Du solltest dir die Geschäftsidee genau ansehen. Ist das Produkt oder die Dienstleistung verständlich? Gibt es einen echten Markt dafür? Ein Startup, das eine klare Lösung für ein Problem bietet, hat bessere Chancen als eines, das nur eine coole Idee hat, ohne zu wissen, wer es kaufen soll.
Schau dir das Team an. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Haben die Gründerinnen und Gründer schon Erfahrung in der Branche? Ein erfahrenes Team ist oft ein gutes Zeichen. Aber Achtung: Auch erfahrene Leute können scheitern. Vertraue nicht nur auf den Lebenslauf, sondern auch auf die Zahlen im Businessplan.
Die Finanzkennzahlen sind entscheidend. Wie hoch ist der Umsatz? Wie viel Kapital wird aufgenommen und wofür wird es verwendet? Ein seriöses Projekt zeigt auf, wie das Geld eingesetzt wird und wie die Rückzahlung geplant ist. Wenn die Zahlen unrealistisch hoch wirken, ist Vorsicht geboten. Wachstum von rund 500 Prozent pro Jahr ist selten nachhaltig.
Achte außerdem auf die Sicherheiten. Bei manchen Crowdinvestings gibt es nachrangige Darlehen, das heißt, du wirst im Insolvenzfall erst nach anderen Gläubigern bedient. Das erhöht dein Risiko. Andere Modelle bieten echte Gewinnbeteiligungen. Überlege dir, welche Struktur zu deiner Risikobereitschaft passt. Und streue dein Investment auf mehrere Projekte, um das Risiko zu verteilen.
Typische Fehler, die du als Selbstständige:r unbedingt vermeiden solltest
Der größte Fehler ist, zu viel Geld in ein einziges Projekt zu stecken. Wenn du dein gesamtes Erspartes in ein Startup investierst, setzt du alles auf eine Karte. Selbst wenn die Idee gut ist, kann es schiefgehen. Verteile dein Kapital lieber auf verschiedene Anlageformen und verschiedene Projekte.
Ein weiterer Fehler ist, sich von hohen Zinsversprechen blenden zu lassen. Wenn dir jemand rund 15 Prozent Rendite garantiert, ist das meist ein Zeichen für ein hohes Risiko. Seriöse Anbieter versprechen keine Wunder. Sie zeigen realistische Szenarien auf und weisen deutlich auf die Risiken hin. Lass dich nicht von der Gier leiten.
Viele Selbstständige vergessen, dass Crowdinvesting langfristig ist. Du brauchst das Geld vielleicht in zwei Jahren für eine neue Maschine oder eine Steuernachzahlung. Wenn dein Geld aber in einem fünfjährigen Projekt steckt, kommst du nicht ran. Plane deine Liquidität also immer mit ein und investiere nur Geld, das du wirklich lange entbehren kannst.
Und schließlich: Unterschätze nicht den Aufwand für die Recherche. Du solltest jedes Projekt so prüfen, als würdest du einen neuen Geschäftspartner kennenlernen. Lies das Kleingedruckte, schau dir die Plattform an und suche nach Erfahrungsberichten. Wer hier schludert, verliert schnell den Überblick und am Ende vielleicht sein Geld.
Konkrete nächste Schritte: So startest du dein erstes Crowdinvestment
Bevor du irgendwo Geld investierst, solltest du deine finanzielle Basis prüfen. Hast du einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto? Wenn nicht, arbeite zuerst daran. Crowdinvesting ist erst dann sinnvoll, wenn du für den Ernstfall abgesichert bist und keine Schulden hast.
Danach solltest du dich mit den Plattformen vertraut machen. Eröffne ein Konto bei einem oder zwei Anbietern, die dir sympathisch sind. Du musst noch kein Geld einzahlen. Schau dir einfach die Projekte an, lies die Unterlagen und beobachte, wie die Plattformen kommunizieren. So bekommst du ein Gefühl für den Markt.
Wenn du dich bereit fühlst, starte mit einem kleinen Betrag. Wähle ein Projekt, das dir inhaltlich zusagt und bei dem du die Risiken verstehst. Investiere nicht mehr als ein bis zwei Prozent deines Gesamtvermögens in ein einzelnes Projekt. So lernst du den Ablauf kennen, ohne dass ein Fehler dich ruinieren würde.
Dokumentiere deine Investments in einer Übersicht. Notiere dir, wann die Laufzeit endet, welche Zinsen du erwartest und wo du die Unterlagen findest. Das hilft dir, den Überblick zu behalten und rechtzeitig zu reagieren, wenn ein Projekt in Schieflage gerät. Und sprich mit deinem Steuerberater über die steuerliche Behandlung, damit du später keine bösen Überraschungen erlebst.
Crowdinvesting und deine Steuer: Das solltest du wissen
Als Selbstständige:r bist du es gewohnt, dich um Steuern zu kümmern. Beim Crowdinvesting gibt es ein paar Besonderheiten. Die Zinserträge, die du bekommst, sind Kapitalerträge. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von rund 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Plattform führt diese Steuer meist direkt an das Finanzamt ab.
Wenn du über eine Plattform investierst, die in Deutschland ansässig ist, bekommst du eine Steuerbescheinigung. Diese gibst du in deiner Steuererklärung an. Du kannst deinen Sparerpauschbetrag nutzen, der für Singles bei 1rund 000 Euro und für Verheiratete bei 2rund 000 Euro liegt. Wenn deine Erträge darunter liegen, bekommst du die abgeführte Steuer zurück.
Anders sieht es aus, wenn du direkt in eine GmbH investierst, etwa über eine Beteiligung. Dann handelt es sich um Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die du in deiner Einkommensteuererklärung angeben musst. Das ist komplizierter und kann Auswirkungen auf deinen Gewinn haben. Solche Modelle findest du eher bei klassischen Beteiligungen als bei Crowdinvesting-Plattformen.
Wichtig ist auch der Verlustfall. Wenn dein Investment komplett ausfällt, kannst du den Verlust steuerlich geltend machen. Das funktioniert aber nur, wenn es sich um eine echte Beteiligung handelt und nicht um ein Darlehen. Bei nachrangigen Darlehen ist das oft nicht möglich. Lass dich hier unbedingt individuell beraten, denn die Regeln sind komplex und ändern sich manchmal.
Deine Rolle als Investor: Zwischen Rendite und Verantwortung
Wenn du in Crowdinvesting einsteigst, wirst du Teil einer Gemeinschaft. Du unterstützt Gründerinnen und Gründer dabei, ihre Ideen umzusetzen. Das kann ein gutes Gefühl sein, besonders wenn du selbst weißt, wie schwer es ist, als Selbstständige:r an Kapital zu kommen. Du hilfst also nicht nur dir selbst, sondern auch anderen.
Gleichzeitig solltest du dir deiner Verantwortung bewusst sein. Du trägst das Risiko mit, und du solltest die Unternehmen nicht allein lassen, wenn es schwierig wird. Viele Plattformen bieten die Möglichkeit, an Abstimmungen teilzunehmen. Nutze diese Rechte, auch wenn du nur eine kleine Beteiligung hast. Deine Stimme zählt.
Sei dir aber auch im Klaren darüber, dass du keine Kontrollfunktion hast. Du bist nicht im Aufsichtsrat und bekommst keine internen Zahlen. Du bist auf die Informationen angewiesen, die das Unternehmen veröffentlicht. Wenn du das Gefühl hast, dass die Kommunikation schlecht ist, ist das ein Warnsignal. Gute Unternehmen berichten regelmäßig und transparent.
Am Ende ist Crowdinvesting eine Reise. Du wirst lernen, wie Unternehmen ticken, wie Finanzierungen funktionieren und wie du Risiken einschätzt. Diese Erfahrung hilft dir auch in deinem eigenen Business. Du wirst ein besseres Gespür für Investitionen bekommen und kannst deine Finanzen insgesamt klüger gestalten. Das ist der eigentliche Gewinn.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Das hängt von der Plattform ab. Viele Anbieter ermöglichen Einstiege ab rund 25 Euro, andere setzen Mindestbeträge von 500 oder 1rund 000 Euro voraus. Für den Anfang empfehlen wir, mit einem kleinen Betrag zu starten, um Erfahrungen zu sammeln.
Die Laufzeiten variieren je nach Projekt und liegen oft zwischen drei und sieben Jahren. In dieser Zeit kannst du dein Geld in der Regel nicht abziehen. Es gibt keinen geregelten Zweitmarkt, auf dem du deine Anteile schnell verkaufen könntest.
Im Insolvenzfall ist dein Investment in Gefahr. Bei nachrangigen Darlehen wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Das bedeutet, dass du im schlimmsten Fall dein gesamtes Geld verlierst. Eine Einlagensicherung wie bei der Bank gibt es nicht.
Nein. Beim Crowdfunding bekommst du eine Belohnung, zum Beispiel ein Produkt. Beim Crowdinvesting erhältst du eine finanzielle Beteiligung oder Zinszahlungen. Es ist also eine echte Geldanlage mit Chancen und Risiken.
Das ist steuerlich heikel. Wenn du geschäftliche Gelder investierst, kann das Auswirkungen auf deinen Gewinn haben. Besser ist es, privat zu investieren und die Erträge in deiner privaten Steuererklärung anzugeben. Sprich vorher mit deinem Steuerberater.
Achte auf eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Seriöse Plattformen weisen deutlich auf Risiken hin und veröffentlichen umfassende Informationen zu jedem Projekt. Lies Bewertungen und Erfahrungsberichte, bevor du dich registrierst.
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