Ratgeber · Investieren
Crowdinvesting für Studenten: Kleine Beträge, große Wirkung für Start-ups
Crowdinvesting verbindet die Idee der Schwarmfinanzierung mit einer Geldanlage. Für dich als Studentin kann das ein Weg sein, schon mit kleinen Beträgen Erfahrungen mit Start-up-Investments zu sammeln.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der du als Anlegerin über eine Plattform Geld in junge Unternehmen oder Projekte gibst.
- Im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding mit Belohnungen erhältst du beim Crowdinvesting eine finanzielle Gegenleistung, oft in Form eines Nachrangdarlehens.
- Für Studierende kann Crowdinvesting eine Ergänzung zur Studienfinanzierung sein, ersetzt aber nicht BAföG oder andere staatliche Hilfen.
- Die Anlage ist mit einem Totalverlustrisiko verbunden und unterliegt den Regeln des Vermögensanlagengesetzes.
01 · Grundlagen
Was ist Crowdinvesting?
Der Begriff setzt sich aus Crowd (Menschenmenge) und Investing (Investieren) zusammen. Es geht darum, dass viele Menschen gemeinsam ein Projekt finanzieren.
Beim Crowdinvesting gibst du einem Unternehmen oder Projekt Geld, meist in Form eines Nachrangdarlehens oder einer stillen Beteiligung. Im Gegenzug erhältst du einen Anspruch auf Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung. Anders als bei einer Spende erwartest du also eine finanzielle Rendite.
Für dich als Studentin bedeutet das: Du wirst zur Kapitalgeberin, ohne selbst ein Unternehmen gründen zu müssen. Dein eingesetztes Geld ist jedoch nicht mit einem Tagesgeldkonto vergleichbar, denn du trägst ein unternehmerisches Risiko. Ein Totalverlust deines Einsatzes ist möglich.
Die wichtigste Regel lautet: Investiere nur Geld, dessen vollständigen Verlust du verkraften kannst.
Kurz erklärt
Crowdinvesting
Eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Anleger kleine Beträge in ein Unternehmen oder Projekt investieren und dafür eine finanzielle Rendite erwarten.
Anders als beim klassischen Crowdfunding steht nicht eine Spende oder eine Sachprämie im Vordergrund, sondern ein Investment mit Chance auf Rückzahlung und Zinsen.
02 · Vergleich
Crowdinvesting und Crowdfunding: Wo liegt der Unterschied?
Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Modelle der Schwarmfinanzierung.
Der zentrale Unterschied liegt in der Gegenleistung. Beim klassischen Crowdfunding unterstützt du ein Projekt mit einer Spende oder erhältst eine Sachprämie, etwa ein Produkt oder ein Dankeschön. Beim Crowdinvesting steht dagegen ein finanzieller Rückfluss im Vordergrund.
Rechtlich wird Crowdinvesting in Deutschland meist als Vermögensanlage nach dem Vermögensanlagengesetz behandelt. Typische Instrumente sind Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen. Beim Crowdfunding handelt es sich dagegen oft um einen Kauf oder eine Spende ohne Wertpapiercharakter.
Für dich als Studentin ist Crowdinvesting die riskantere Variante, weil du dein Geld verlieren kannst. Beim Crowdfunding hast du kein finanzielles Risiko, aber auch keinen Anspruch auf Rendite.
| Crowdinvesting | Crowdfunding | |
|---|---|---|
| Gegenleistung | Finanzielle Rückflüsse (Zinsen, Gewinnbeteiligung) | Belohnungen, Produkte oder Dankeschöns |
| Rechtliche Einordnung | Vermögensanlage nach Vermögensanlagengesetz | Oft Spende oder Kauf, kein Wertpapier |
| Typisches Instrument | Nachrangdarlehen oder stille Beteiligung | Spendenkampagne |
| Risiko | Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich | Projekt kann scheitern |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert Crowdinvesting für Studenten
Der Ablauf ist bei den meisten Crowdinvesting-Plattformen ähnlich. Du wählst ein Projekt, prüfst die Unterlagen und gibst ein Angebot ab.
Der Ablauf ist bei den meisten Plattformen ähnlich. Du registrierst dich, wählst ein Projekt aus und prüfst die bereitgestellten Unterlagen. Danach legst du den Anlagebetrag fest und schließt den Vertrag ab.
Viele Plattformen erlauben bereits Beträge ab 100 Euro oder weniger. Dein Geld fließt dann meist als Nachrangdarlehen an das Unternehmen. Das bedeutet: Im Insolvenzfall wirst du erst nach anderen Gläubigern bedient.
- Du registrierst dich bei einer Plattform und wählst ein Projekt aus.
- Du liest das Vermögensanlagen-Informationsblatt und die Risikohinweise.
- Du legst den Anlagebetrag fest und schließt den Vertrag ab.
- Du erhältst während der Laufzeit Zinsen und am Ende idealerweise dein Kapital zurück.
Plattform auswählen
Du registrierst dich bei einer Crowdinvesting-Plattform, die Start-ups oder Projekte anbietet. Achte auf die Gebühren und die angebotenen Branchen.
Projekt prüfen
Du liest das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) und die Risikohinweise. Dort stehen die geplante Laufzeit, der Zinssatz und die Risiken.
Betrag investieren
Du legst fest, wie viel Geld du anlegen möchtest. Viele Plattformen erlauben bereits Beträge ab 100 Euro oder weniger.
Nachrangdarlehen abschließen
Dein Geld fließt meist als Nachrangdarlehen an das Unternehmen. Das bedeutet: Im Insolvenzfall wirst du erst nach anderen Gläubigern bedient.
Rückzahlung erhalten
Während der Laufzeit erhältst du Zinsen, am Ende idealerweise dein Kapital zurück. Die Rückzahlung hängt vom Erfolg des Unternehmens ab.
04 · Was gilt
Welche Rolle spielt Crowdinvesting in der Studienfinanzierung?
Crowdinvesting ist keine klassische Studienfinanzierung wie BAföG oder ein Nebenjob. Es ist eine Anlageform, die du mit deinem vorhandenen Geld nutzen kannst.
Crowdinvesting ist keine klassische Studienfinanzierung wie BAföG oder ein Nebenjob. Es ist eine Anlageform, die du mit vorhandenem Geld nutzen kannst. Wenn du auf das Geld für Miete, Essen oder Studiengebühren angewiesen bist, ist Crowdinvesting der falsche Weg.
Für dich als Studentin kann Crowdinvesting eine Ergänzung sein, wenn du Ersparnisse hast und lernen möchtest, wie Investitionen in Start-ups funktionieren. Du solltest aber einen Totalverlust deines Einsatzes verkraften können und keine sichere Rendite erwarten.
Für die reine Studienfinanzierung sind BAföG, Nebenjobs oder Stipendien die passenden Instrumente.
Passt zu Crowdinvesting
Passt nicht zu Crowdinvesting
05 · Kosten
Was kostet Crowdinvesting?
Die Kosten entstehen auf zwei Ebenen: bei der Plattform und bei deiner Steuer. Die Plattformgebühren werden oft vom Unternehmen getragen, nicht von dir als Anlegerin.
Die Kosten entstehen auf zwei Ebenen: bei der Plattform und bei deiner Steuer. Plattformgebühren für Anleger liegen oft zwischen 0 und 2 Prozent des Anlagebetrags, werden aber häufig vom Unternehmen getragen. Zinserträge sind für dich als Anlegerin steuerpflichtig.
Auf deine Zinserträge fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer. Bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei. Erst darüber werden Steuern fällig.
Deine Zinserträge bleiben bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Jahr steuerfrei.
06 · Im Vertrag
Rechtliche Grundlagen: Das Vermögensanlagengesetz
Crowdinvesting-Angebote sind in Deutschland meist Vermögensanlagen. Das Vermögensanlagengesetz schreibt vor, welche Informationen du vor einer Anlage erhalten musst.
Crowdinvesting-Angebote sind in Deutschland meist Vermögensanlagen. Das Vermögensanlagengesetz schreibt vor, welche Informationen du vor einer Anlage erhalten musst. Das wichtigste Dokument ist das Vermögensanlagen-Informationsblatt, kurz VIB.
Das VIB ist ein kurzes, standardisiertes Blatt mit den wichtigsten Risiken und Konditionen. Du solltest es vor jeder Anlage vollständig lesen. Bei größeren Angeboten müssen Anbieter zusätzlich einen Wertpapierprospekt erstellen.
Das Kleinanlegerschutzgesetz begrenzt unter anderem die Höhe deiner Anlage bei bestimmten Angeboten. Diese Regeln sollen dich als private Anlegerin vor übermäßigen Risiken schützen.
Wichtige Begriffe aus dem Vermögensanlagengesetz
07 · Checkliste
Checkliste: So prüfst du ein Crowdinvesting-Angebot
Bevor du Geld in ein Start-up gibst, solltest du einige Punkte systematisch durchgehen. Diese Checkliste hilft dir, die wichtigsten Risiken zu erkennen.
Bevor du Geld in ein Start-up gibst, solltest du einige Punkte systematisch durchgehen. Die wichtigste Frage lautet: Verstehst du das Geschäftsmodell des Unternehmens? Wenn du es nicht erklären kannst, solltest du nicht investieren.
Prüfe außerdem, wie lange dein Geld gebunden ist und welche Rückzahlungsbedingungen gelten. Ein Totalverlust ist immer möglich, auch wenn die Plattform das Projekt positiv darstellt.
- Hast du das Vermögensanlagen-Informationsblatt vollständig gelesen?
- Verstehst du das Geschäftsmodell des Unternehmens?
- Weißt du, wie lange dein Geld gebunden ist?
- Kennst du den Zinssatz und die Rückzahlungsbedingungen?
- Ist dir klar, dass ein Totalverlust möglich ist?
- Hast du geprüft, ob die Plattform reguliert ist?
- Investierst du nur Geld, das du nicht für dein Studium brauchst?
- Hast du deine Anlage über mehrere Projekte gestreut?
Deine Prüfpunkte vor dem Investment
Hast du das Vermögensanlagen-Informationsblatt vollständig gelesen?
Verstehst du das Geschäftsmodell des Unternehmens?
Weißt du, wie lange dein Geld gebunden ist?
Kennst du den Zinssatz und die Rückzahlungsbedingungen?
Ist dir klar, dass ein Totalverlust möglich ist?
Hast du geprüft, ob die Plattform reguliert ist?
Investierst du nur Geld, das du nicht für dein Studium brauchst?
Hast du deine Anlage über mehrere Projekte gestreut?
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Crowdinvesting als Studentin
Viele Einsteiger unterschätzen die Risiken oder lassen sich von hohen Renditeversprechen blenden. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Viele Einsteiger unterschätzen die Risiken oder lassen sich von hohen Renditeversprechen blenden. Ein häufiger Fehler ist, Geld zu investieren, das du für deine Lebenshaltung oder Studiengebühren eingeplant hast. Dieses Geld gehört nicht in riskante Anlagen.
Ein weiterer Fehler ist die Konzentration auf ein einziges Start-up. Wenn dieses scheitert, ist dein gesamtes Kapital weg. Streue deine Anlage über mehrere Projekte, um das Risiko zu verringern.
Investiere niemals Geld, das du für dein Studium oder deinen Lebensunterhalt brauchst.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Was gilt
Crowdinvesting und BAföG: Was du beachten musst
Dein Vermögen spielt beim BAföG eine Rolle. Wenn du Geld in Crowdinvesting anlegst, kann das deinen BAföG-Anspruch beeinflussen.
Dein Vermögen spielt beim BAföG eine Rolle. Wenn du Geld in Crowdinvesting anlegst, zählt das angelegte Kapital zu deinem Vermögen. Das kann deinen BAföG-Anspruch beeinflussen, wenn du die Freibeträge überschreitest.
Zinserträge, die dir während des Bewilligungszeitraums zufließen, zählen als Einkommen. Rückzahlungen aus einem Nachrangdarlehen erhöhen ebenfalls dein Vermögen. Dein monatliches Einkommen aus einem Nebenjob wird dagegen getrennt betrachtet.
Kindergeld und bestimmte Stipendien werden nicht als Einkommen angerechnet. Informiere dich vor einer Anlage beim BAföG-Amt, wie sich dein Vorhaben konkret auswirkt.
Zählt zum Vermögen
Zählt nicht zum Vermögen
10 · Hintergrund
Für wen lohnt sich Crowdinvesting im Studium?
Crowdinvesting ist kein Weg, um schnell an Geld zu kommen. Es ist eine Lern- und Anlagemöglichkeit für Studierende mit freiem Kapital und Interesse an Start-ups.
Crowdinvesting lohnt sich für dich, wenn du bereits einen finanziellen Puffer hast und nicht auf das investierte Geld angewiesen bist. Du kannst so früh lernen, wie du Geschäftsmodelle bewertest und Risiken einschätzt.
Für die reine Studienfinanzierung ist Crowdinvesting ungeeignet. BAföG, Nebenjobs oder Stipendien sind dafür die passenden Instrumente. Crowdinvesting kann diese Quellen ergänzen, aber niemals ersetzen.
Wenn du dich für Start-ups interessierst und bereit bist, einen Totalverlust zu akzeptieren, kann ein kleiner Betrag ab 100 Euro ein sinnvoller Einstieg sein. Wichtiger als die Rendite ist für dich der Lerneffekt.
Häufige Fragen
Fragen zu Crowdinvesting für Studenten
{{f.a}}
Investieren
Mehr zu Investieren
Weiter mit Finanzen
Ratgeber zu Versicherung, Geldanlage und Studienfinanzierung für Studierende.
Alle Finanz-Ratgeber