Ratgeber · Versicherung
Rürup-Rente im Test: Welche Basisrente für Selbstständige überzeugt
Eine Rürup-Rente kann für Selbstständige die tragende Säule der Altersvorsorge sein. Entscheidend sind niedrige Kosten, ein hoher garantierter Rentenfaktor und die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Rürup-Rente ist eine staatlich geförderte Basisrente, die vor allem für Selbstständige als Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung konzipiert ist.
- Im Jahr 2026 kannst du bis zu 30.826 Euro als Sonderausgaben absetzen, bei gemeinsamer Veranlagung bis zu 61.652 Euro.
- Ein Rürup-Vertrag ist unkündbar und wird im Alter ausschließlich als monatliche Rente ausgezahlt, nicht als Kapitalbetrag.
- Gute Tarife zeichnen sich durch geringe Abschlusskosten, einen hohen garantierten Rentenfaktor und eine flexible Fondsanlage ohne Beitragsgarantie aus.
01 · Grundlagen
Was ist eine Rürup-Rente?
Die Rürup-Rente, offiziell Basisrente genannt, ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung. Sie wurde für Selbstständige geschaffen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Die Rürup-Rente funktioniert technisch wie eine Rentenversicherung mit aufgeschobener Besteuerung. Du zahlst in der Ansparphase Beiträge ein, die dein zu versteuerndes Einkommen senken. Im Alter erhältst du eine lebenslange monatliche Rente, die du dann versteuern musst.
Ein entscheidendes Merkmal ist die fehlende Kapitalauszahlung. Du kannst den Vertrag nicht kündigen und dir das angesparte Geld nicht auszahlen lassen. Stattdessen wird das Kapital ab dem vereinbarten Rentenbeginn in eine monatliche Rente umgewandelt.
Für Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, kann die Basisrente als Ersatz dienen. Sie ist aber auch für alle anderen zugänglich, die ihre gesetzliche Rente aufstocken möchten.
Kurz erklärt
Rürup-Rente (Basisrente)
Eine private Rentenversicherung mit nachgelagerter Besteuerung, die als Ersatz für die gesetzliche Rente dient. Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar, die Auszahlung im Alter wird versteuert.
Der Vertrag ist unkündbar und kann nicht als Kapital ausgezahlt werden. Er bietet eine lebenslange monatliche Rente.
02 · Was gilt
Für wen lohnt sich eine Rürup-Rente?
Die Basisrente ist nicht für alle Sparer die richtige Wahl. Ihre Stärken entfaltet sie vor allem bei Selbstständigen mit dauerhaft hohem Einkommen.
Wer als Freiberufler oder Gewerbetreibender nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kann mit der Basisrente eine steuerlich geförderte Altersvorsorge aufbauen.
Für fondsgebundene Tarife ohne Garantie gilt eine klare Voraussetzung: Du solltest mehr als 15 Jahre Zeit bis zur Rente haben. Nur so können Schwankungen am Kapitalmarkt über die Zeit ausgeglichen werden.
Nicht sinnvoll ist die Rürup-Rente für Angestellte, die bereits in die gesetzliche Rente einzahlen. Sie profitieren von der steuerlichen Förderung weniger und verlieren durch die Unkündbarkeit an Flexibilität. Auch wer unregelmäßiges Einkommen hat oder auf sein Geld zugreifen muss, sollte besser mit einem flexiblen ETF-Sparplan vorsorgen.
Sinnvoll
Eher nicht sinnvoll
03 · Vergleich
Rürup-Rente im Vergleich: Fondsgebunden oder klassisch?
Bei der Basisrente hast du die Wahl zwischen klassischen Tarifen mit Garantie und fondsgebundenen Tarifen ohne Beitragsgarantie. Die Unterschiede sind erheblich.
Klassische Rürup-Rentenversicherungen legen dein Geld im Sicherungsvermögen des Versicherers an. Du erhältst eine garantierte Verzinsung, musst aber mit geringeren Renditechancen leben. Die Abschlusskosten sind in der Regel höher als bei fondsgebundenen Tarifen.
Fondsgebundene Tarife ohne Beitragsgarantie investieren deine Beiträge in ETFs oder Aktienfonds. Du trägst das Anlagerisiko selbst, hast aber deutlich höhere Renditechancen. Die Verwaltungskosten können niedriger ausfallen, eine garantierte Mindestrente gibt es nicht.
Für renditeorientierte Sparer mit langer Laufzeit sind fondsgebundene Tarife meist die bessere Wahl. Sicherheitsorientierte Sparer, die keine Schwankungen ertragen wollen, fahren mit klassischen Tarifen besser.
| Klassische Rürup-Rente | Fondsgebundene Rürup-Rente | |
|---|---|---|
| Anlageform | Investment in ETFs oder Aktienfonds | |
| Beitragsgarantie | Nein, keine Garantie | |
| Renditechance | Höher, abhängig vom Kapitalmarkt | |
| Kosten | Geringere Verwaltungskosten möglich | |
| Geeignet für | Renditeorientierte Sparer mit langer Laufzeit |
04 · Kosten
Welche Kosten fallen bei einer Rürup-Rente an?
Die Kostenstruktur entscheidet maßgeblich über die spätere Rentenhöhe. Besonders Abschlusskosten und Verwaltungskosten solltest du genau prüfen.
Die Kostenstruktur unterscheidet sich je nach Tarif erheblich. Nettotarife ohne Abschlusskosten sind oft über Honorarberater abschließbar. Für deren Vermittlung zahlst du in der Regel zwischen 150 und 300 Euro, was dem Honorar von ein bis zwei Arbeitsstunden entspricht.
Bei klassischen Tarifen mit Abschlusskosten können diese die Rendite deutlich schmälern. Gute Tarife erreichen eine Effektivkostenquote von unter 1 Prozent pro Jahr. Achte besonders auf Zuzahlungsgebühren: Beim Tarif der Europa fallen vier Prozent Gebühr auf jede Zuzahlung an.
Für hohe oder häufige Zuzahlungen eignen sich Nettotarife ohne Zuzahlungsgebühren besser. Die Kosten für den Honorarberater sind einmalig und unabhängig von der Beitragshöhe.
Typische Kostenarten in Rürup-Verträgen
05 · Schritt für Schritt
Steuerliche Absetzbarkeit der Rürup-Rente
Der Steuervorteil ist der zentrale Hebel der Basisrente. Die Beiträge zählen zu den Sonderausgaben und mindern dein zu versteuerndes Einkommen.
Im Jahr 2026 kannst du bis zu 30.826 Euro an Beiträgen als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Für gemeinsam veranlagte Paare gilt die doppelte Summe von 61.652 Euro. Diese Höchstgrenze umfasst auch Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung.
Die Beiträge gibst du in der Anlage Vorsorgeaufwand deiner Steuererklärung an. Das Finanzamt berücksichtigt sie als Sonderausgaben und mindert damit dein zu versteuerndes Einkommen.
Je höher dein persönlicher Einkommensteuersatz ist, desto größer ist die Steuerersparnis. Gutverdiener profitieren überproportional von der Förderung. Im Alter wird die monatliche Rente nachgelagert besteuert, dein Steuersatz im Rentenalter entscheidet dann über die tatsächliche Nettorente.
Einzahlung in der Ansparphase
Du zahlst Beiträge in deinen Rürup-Vertrag ein. Im Jahr 2026 sind bis zu 30.826 Euro für Ledige und 61.652 Euro für Verheiratete als Vorsorgeaufwendungen absetzbar.
Steuererklärung
Die Beiträge gibst du in der Anlage Vorsorgeaufwand deiner Steuererklärung an. Das Finanzamt berücksichtigt sie als Sonderausgaben.
Steuerersparnis
Je höher dein persönlicher Einkommensteuersatz, desto größer ist die Steuerersparnis. Gutverdiener profitieren überproportional.
Auszahlung im Alter
Die monatliche Rente wird nachgelagert besteuert. Dein Steuersatz im Rentenalter bestimmt, wie viel netto übrig bleibt.
06 · Im Vertrag
Garantierter Rentenfaktor: Warum er wichtig ist
Der garantierte Rentenfaktor bestimmt, wie viel monatliche Rente du pro 10.000 Euro angespartem Kapital erhältst. Ein hoher Faktor sichert dir eine bessere Auszahlung.
Der garantierte Rentenfaktor gibt an, wie viel Euro Rente du pro 10.000 Euro Vertragsguthaben mindestens erhältst. Er wird bei Vertragsabschluss festgeschrieben und ist damit eine der wichtigsten Kennzahlen für den Tarifvergleich.
Der aktuelle Rentenfaktor kann über dem garantierten Faktor liegen, wenn der Versicherer Überschüsse erwirtschaftet. Diese Überschussbeteiligung ist jedoch nicht vertraglich zugesichert und kann sich ändern.
Ein hoher garantierter Rentenfaktor sichert dir eine bessere Auszahlung, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage des Versicherers. Achte bei der Tarifwahl daher nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf diese Kennzahl.
Fachbegriffe rund um den Rentenfaktor
07 · Was gilt
Flexibilität und Beitragsgarantie: Was geht, was nicht?
Die Rürup-Rente ist bewusst unflexibel konstruiert. Das sichert die staatliche Förderung, schränkt dich aber in der Ansparphase stark ein.
Du kannst den Vertrag nicht kündigen, keine Kapitalauszahlung verlangen und während der Ansparphase kein Geld entnehmen. Auch eine Beleihung oder ein Verkauf des Vertrags sind ausgeschlossen.
Möglich sind Beitragserhöhungen zu bestehenden Rechnungsgrundlagen und je nach Tarif Zuzahlungen. Bei manchen Anbietern kannst du zu einem anderen Anbieter wechseln, bei anderen Tarifen ist das ausgeschlossen.
Der Verzicht auf die Beitragsgarantie erhöht deine Renditechancen, weil das Kapital vollständig in Aktienfonds investiert werden kann. Diese Option ist nur bei einer Anlagedauer von mehr als 15 Jahren sinnvoll.
Möglich
Nicht möglich
08 · Vergleich
Rürup-Rente vs. gesetzliche Rentenversicherung
Beide Systeme werden steuerlich gleich behandelt, unterscheiden sich aber in Beitragshöhe, Flexibilität und Leistungsumfang.
Beide Systeme werden steuerlich gleich behandelt: Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar, die Rente im Alter wird versteuert. Die steuerliche Höchstgrenze liegt 2026 bei 30.826 Euro für Ledige und 61.652 Euro für Verheiratete.
Ein wichtiger Unterschied liegt im maximalen Jahresbeitrag. In die gesetzliche Rentenversicherung kannst du freiwillig höchstens 18.860,40 Euro pro Jahr einzahlen. Die Rürup-Rente erlaubt deutlich höhere Beiträge bis zur steuerlichen Höchstgrenze.
Die gesetzliche Rente bietet mehr Flexibilität: Du kannst deine Beiträge anpassen oder die freiwillige Versicherung beenden. Die Rürup-Rente ist unkündbar und zahlt ausschließlich eine monatliche Rente aus. Dafür wird das Guthaben im Rürup-Vertrag bei Bürgergeldbezug nicht als Vermögen angerechnet.
| Rürup-Rente | Gesetzliche Rentenversicherung | |
|---|---|---|
| Steuerliche Absetzbarkeit | Bis 30.826 EUR (Ledige) | Bis 30.826 EUR (Ledige) |
| Maximaler Jahresbeitrag | 30.826 EUR | 18.860,40 EUR (freiwillig) |
| Flexibilität | Unkündbar, keine Kapitalauszahlung | Beiträge anpassbar, Versicherung beendbar |
| Hinterbliebenenschutz | Nur als Zusatzleistung mit Extrakosten | Witwen- und Waisenrente enthalten |
| Anrechnung auf Bürgergeld | Nicht als Vermögen angerechnet | Nicht als Vermögen angerechnet |
09 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Wahl einer Rürup-Rente
Viele Sparer unterschätzen die langfristige Bindung oder achten zu wenig auf die Kosten. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Der häufigste Fehler ist der Abschluss ohne Prüfung der beruflichen Zukunft. Wer nicht dauerhaft selbstständig bleibt, sitzt in einem unkündbaren Vertrag fest und zahlt weiter Beiträge, obwohl die Rürup-Rente nicht mehr zur Lebenssituation passt.
Viele Sparer akzeptieren zu hohe Abschlusskosten, obwohl Nettotarife ohne Abschlusskosten verfügbar sind. Auch der garantierte Rentenfaktor wird oft ignoriert, obwohl ein niedriger Faktor die Rente im Alter deutlich schmälern kann.
Fondsgebundene Tarife ohne ausreichende Laufzeit sind ein weiteres Risiko. Bei weniger als 15 Jahren bis zur Rente können Marktschwankungen das Kapital kurz vor Rentenbeginn stark reduzieren. Ohne Hinterbliebenenschutz verfällt das angesparte Kapital bei Tod vor Rentenbeginn.
Häufige Fehler beim Abschluss
10 · Checkliste
Kriterien für einen guten Rürup-Tarif
Ein guter Tarif kombiniert niedrige Kosten, einen hohen garantierten Rentenfaktor und eine solide Unternehmensbewertung.
Die Effektivkostenquote sollte unter 1 Prozent pro Jahr liegen, Abschlusskosten sollten keine oder nur geringe sein.
Prüfe bei der Tarifwahl auch die Flexibilität: Zuzahlungen ohne hohe Gebühren und die Möglichkeit eines Anbieterwechsels sind wertvolle Optionen. Ein Rating von mindestens 4 Sternen bei Morgen & Morgen gibt zusätzliche Sicherheit.
Für renditeorientierte Sparer ist die Fondsanlage in weltweit gestreute ETFs entscheidend. Der Verzicht auf die Beitragsgarantie erhöht die Renditechancen, setzt aber eine Laufzeit von mehr als 15 Jahren voraus.
Checkliste für den Tarifvergleich
Hoher garantierter Rentenfaktor
Keine oder geringe Abschlusskosten
Möglichkeit von Zuzahlungen ohne hohe Gebühren
Wechsel zu einem anderen Anbieter möglich
Rating von mindestens 4 Sternen bei Morgen & Morgen
Fondsanlage in weltweit gestreute ETFs
Verzicht auf Beitragsgarantie bei langer Laufzeit
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