Ratgeber · Versicherung
Riester-Rente für Familien: So holst du die volle Förderung
Für Familien ist die Riester-Rente besonders lukrativ, weil zur Grundzulage noch die Kinderzulage kommt. Mit einem geringen Eigenbeitrag sicherst du dir so Jahr für Jahr eine hohe staatliche Förderung.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die volle Grundzulage beträgt 175 Euro pro Person und Jahr.
- Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es 185 Euro (geboren vor 2008) oder 300 Euro (geboren ab 2008).
- Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 4 Prozent des Vorjahreseinkommens, maximal 2.100 Euro, abzüglich der Zulagen.
- Während der Elternzeit genügt oft der Sockelbeitrag von 60 Euro im Jahr für die volle Förderung.
01 · Grundlagen
Was ist die Riester-Rente?
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte private Altersvorsorge. Du zahlst eigene Beiträge ein und erhältst dafür Zulagen und mögliche Steuervorteile.
Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass du den Mindesteigenbeitrag einzahlst, der sich nach deinem Einkommen und deinen Zulagen richtet. Für Familien mit Kindern ist diese Förderung besonders stark, weil die Kinderzulage den Eigenanteil deutlich übersteigen kann.
Ein Beispiel: Eine Mutter mit zwei nach 2008 geborenen Kindern erhält pro Jahr 175 Euro Grundzulage und 600 Euro Kinderzulage. Zusammen mit einem geringen Eigenbeitrag fließt so ein Vielfaches des selbst eingezahlten Betrags in den Vertrag.
- Die Riester-Rente ist keine staatliche Rente, sondern ein geförderter privater Vertrag.
- Du kannst zwischen Banksparplänen, Fondssparplänen und Rentenversicherungen wählen.
Kurz erklärt
Riester-Rente
Eine private Altersvorsorge, die der Staat mit Zulagen und Steuervorteilen fördert, wenn du einen Mindesteigenbeitrag einzahlst.
Die Förderung macht die Riester-Rente für Familien mit Kindern besonders attraktiv, da die Zulagen den Eigenanteil deutlich übersteigen können.
02 · Vergleich
Grundzulage und Kinderzulage: Welche Förderung bekommst du?
Die staatliche Förderung setzt sich aus einer Grundzulage für dich und einer Kinderzulage für jedes kindergeldberechtigte Kind zusammen.
Die Grundzulage beträgt für jedes Beitragsjahr 175 Euro pro Person. Für jedes kindergeldberechtigte Kind kommt eine Kinderzulage hinzu: 185 Euro für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, und 300 Euro für Kinder, die ab 2008 geboren wurden. Die Kinderzulage wird bei verheirateten Eltern automatisch der Mutter zugeordnet, kann aber auf Antrag beider Elternteile auf den Vater übertragen werden.
Eine vierköpfige Familie mit zwei nach 2008 geborenen Kindern kann so Zulagen von bis zu 950 Euro pro Jahr erhalten. Das setzt voraus, dass beide Eltern einen eigenen Riester-Vertrag haben und jeweils den Mindesteigenbeitrag einzahlen.
- Die Grundzulage erhältst du nur, wenn du den Mindesteigenbeitrag einzahlst.
- Die Kinderzulage ist an den Anspruch auf Kindergeld gekoppelt und wird längstens bis zum 25. Geburtstag des Kindes gezahlt.
| Grundzulage | Kinderzulage (geboren vor 2008) | Kinderzulage (geboren ab 2008) | |
|---|---|---|---|
| Betrag pro Jahr | 175 Euro | 185 Euro | 300 Euro |
| Voraussetzung | Mindesteigenbeitrag eingezahlt | Kindergeldanspruch | Kindergeldanspruch |
| Auszahlung an | Vertragsinhaber | Elternteil mit Kindergeldanspruch | Elternteil mit Kindergeldanspruch |
03 · Schritt für Schritt
So berechnest du deinen Mindesteigenbeitrag
Um die volle Zulage zu erhalten, musst du einen bestimmten Betrag einzahlen. Dieser hängt von deinem Einkommen und der Anzahl deiner Kinder ab.
Der Mindesteigenbeitrag beträgt 4 Prozent deines rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr, begrenzt auf maximal 2.100 Euro pro Jahr. Von diesem Betrag ziehst du die Grundzulage und die Kinderzulagen ab. Das Ergebnis ist der Betrag, den du mindestens selbst einzahlen musst, um die volle Förderung zu erhalten.
Verdienst du beispielsweise 35.000 Euro brutto und hast ein nach 2011 geborenes Kind, rechnest du so: 4 Prozent von 35.000 Euro sind 1.400 Euro. Davon ziehst du 175 Euro Grundzulage und 300 Euro Kinderzulage ab. Dein Mindesteigenbeitrag liegt dann bei 925 Euro im Jahr oder rund 78 Euro im Monat.
- Zahlst du weniger als den Mindesteigenbeitrag ein, erhältst du die Zulagen nur anteilig.
- Der Sockelbeitrag von 60 Euro pro Jahr sichert in bestimmten Fällen trotzdem die volle Förderung.
Vorjahresbrutto ermitteln
Nimm dein rentenversicherungspflichtiges Bruttoeinkommen aus dem Vorjahr.
4 Prozent berechnen
Berechne 4 Prozent dieses Einkommens. Der Betrag ist auf maximal 2.100 Euro pro Jahr begrenzt.
Zulagen abziehen
Ziehe von diesem Betrag deine Grundzulage (175 Euro) und die Kinderzulagen (185 Euro oder 300 Euro pro Kind) ab.
Ergebnis einzahlen
Der verbleibende Betrag ist dein Mindesteigenbeitrag. Zahlst du weniger ein, erhältst du die Zulagen nur anteilig.
04 · Was gilt
Riester-Förderung in der Elternzeit
In der Elternzeit musst du oft nur einen sehr geringen Beitrag einzahlen, um die volle Förderung zu erhalten.
In der Elternzeit musst du oft nur den Sockelbeitrag von 60 Euro pro Jahr einzahlen, um die volle Riester-Förderung zu erhalten. Das gilt für den Elternteil, der sich um die Erziehung des Kindes kümmert, ab dem zweiten Jahr der Elternzeit. Auch Alleinerziehende ohne eigenes Einkommen können mit diesem geringen Beitrag die Grundzulage und die Kinderzulage sichern.
Für ein ab 2008 geborenes Kind fließen so pro Jahr 475 Euro in den Vertrag, obwohl du nur 60 Euro selbst aufbringst. Das entspricht einer Förderung von 792 Prozent auf deinen Eigenbeitrag.
- Der Sockelbeitrag ist unabhängig von deinem Einkommen.
- Ohne Einzahlung auf den Riester-Vertrag entfällt der Anspruch auf die Zulagen.
Voller Zulagenanspruch
Reduzierter Zulagenanspruch
05 · Kosten
Steuervorteile für Familien
Neben den Zulagen kannst du deine Riester-Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt prüft, ob der Steuervorteil höher ist als die Zulagen.
Ist das der Fall, bekommst du die Differenz als zusätzliche Steuerermäßigung gutgeschrieben.
Für Familien mit Kindern sind die Zulagen oft so hoch, dass der Steuervorteil geringer ausfällt oder ganz entfällt. Bei höheren Einkommen kann der Steuervorteil die Zulagen jedoch übersteigen, sodass du von beiden Förderwegen profitierst.
- Die Zulagen werden bei der Steuerberechnung mit dem Steuervorteil verrechnet.
- Du erhältst immer mindestens die Zulagen oder einen höheren Steuervorteil, nie beides in voller Höhe zusätzlich.
Wirkung der Riester-Förderung
06 · Hintergrund
Wohn-Riester: So nutzt du die Förderung für dein Eigenheim
Mit Wohn-Riester kannst du dein angespartes Riester-Guthaben für den Erwerb einer eigenen Immobilie verwenden.
Auch die Tilgung eines Immobilienkredits ist möglich. Das im Wohneigentum gebundene Kapital wird später in der Auszahlungsphase fiktiv versteuert.
Für junge Familien kann Wohn-Riester den Weg ins Eigenheim erleichtern, weil die staatlichen Zulagen das verfügbare Kapital erhöhen. Du solltest jedoch bedenken, dass das Guthaben im Haus gebunden ist und nicht mehr für eine monatliche Rente zur Verfügung steht.
- Wohn-Riester eignet sich vor allem, wenn du langfristig in der Immobilie wohnen bleibst.
- Die Förderung bleibt erhalten, solange du die Bedingungen des Vertrags erfüllst.
Das angesparte Kapital aus deinem Riester-Vertrag lässt sich für den Kauf oder Bau einer selbst genutzten Immobilie einsetzen. Auch die Tilgung eines Immobilienkredits ist möglich.
Für junge Familien kann Wohn-Riester den Weg ins Eigenheim erleichtern, weil die staatlichen Zulagen das verfügbare Kapital erhöhen. Das im Wohneigentum gebundene Geld wird später in der Auszahlungsphase fiktiv versteuert.
07 · Im Vertrag
Riester-Fondssparplan: Renditechancen mit Beitragsgarantie
Ein Riester-Fondssparplan kombiniert die staatliche Förderung mit der Chance auf höhere Renditen am Kapitalmarkt.
Ein Riester-Fondssparplan legt dein Kapital in Fonds an und bietet damit die Chance auf höhere Renditen als ein reiner Banksparplan. Gleichzeitig gilt die gesetzliche Beitragsgarantie: Zum Rentenbeginn müssen mindestens deine eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen verfügbar sein. Ein Verlustrisiko für dein eingezahltes Kapital besteht daher nicht.
Fondssparpläne haben im Vergleich zu anderen Riester-Verträgen oft geringere Kosten, was die Rendite über die Laufzeit erhöhen kann. Für junge Familien mit langem Anlagehorizont ist diese Vertragsform besonders interessant, weil sie von der Kapitalmarktentwicklung profitieren können.
- Die Beitragsgarantie bezieht sich auf die Summe aus Eigenbeiträgen und Zulagen.
- Die tatsächliche Rendite hängt von der Entwicklung der Fonds ab und ist nicht garantiert.
Merkmale eines Riester-Fondssparplans
08 · Checkliste
Riester-Rente als Baustein deiner Altersvorsorge
Die Riester-Rente ist eine sinnvolle Ergänzung, reicht aber selten allein, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.
Gerade bei jungen Menschen empfiehlt es sich, die Riester-Rente als einen Baustein in eine umfassendere Vorsorgestrategie einzubetten. Eine zusätzliche private Rentenversicherung oder betriebliche Altersvorsorge kann helfen, Versorgungslücken zu schließen.
Du profitierst so von den staatlichen Zulagen und schaffst gleichzeitig mehr finanzielle Flexibilität im Alter. Prüfe regelmäßig, ob deine Sparrate zu deinem Einkommen und deiner Familiensituation passt.
- Kombiniere die Riester-Rente mit anderen Vorsorgeformen, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
- Behalte die Gesamtkosten deiner Vorsorgeprodukte im Blick und vergleiche regelmäßig.
Das solltest du bei der Planung beachten
Kombiniere die Riester-Rente mit einer betrieblichen Altersvorsorge oder einer privaten Rentenversicherung.
Prüfe, ob ein Altersvorsorgedepot ab 2027 für dich eine Alternative sein kann.
Behalte die Gesamtkosten deiner Vorsorgeprodukte im Blick.
Passe deine Sparrate an, wenn sich dein Einkommen oder deine Familiensituation ändert.
09 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Riester-Rente für Familien
Einige Fehler können dazu führen, dass du weniger Förderung erhältst als möglich.
Ein häufiger Fehler ist, den Mindesteigenbeitrag nicht oder zu niedrig einzuzahlen. Dadurch erhältst du die Zulagen nur anteilig oder verlierst sie ganz. Auch die Zuordnung der Kinderzulage wird oft nicht optimal genutzt: Sie sollte dem Elternteil zugeordnet werden, der den geringeren Mindesteigenbeitrag hat, damit der andere Elternteil weniger einzahlen muss.
In der Elternzeit vergessen viele, den Sockelbeitrag von 60 Euro einzuzahlen. Ohne diese Einzahlung entfällt der Anspruch auf die volle Förderung. Ein weiterer Fehler ist, die Riester-Beiträge nicht in der Steuererklärung anzugeben und damit den zusätzlichen Steuervorteil zu verschenken.
- Prüfe jedes Jahr, ob du den Mindesteigenbeitrag erreichst.
- Stelle den Antrag auf Übertragung der Kinderzulage, wenn das für euch günstiger ist.
Diese Fehler solltest du vermeiden
10 · Hintergrund
Riester-Rente und Altersvorsorgedepot: Was ändert sich 2027?
Ab 2027 tritt das Altersvorsorgereformgesetz in Kraft und bringt mit dem Altersvorsorgedepot eine neue geförderte Vorsorgeform.
Es gilt als größte Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002. Das Altersvorsorgedepot wird den Markt für Vorsorgeprodukte neu sortieren.
Für bestehende Riester-Verträge ändert sich dadurch zunächst nichts. Du kannst deine laufenden Verträge weiterführen und die Förderung erhalten. Ein Wechsel in ein Altersvorsorgedepot kann je nach persönlicher Situation sinnvoll sein, sollte aber gut geprüft werden, da sich Fördersystematik und Zulagenhöhe unterscheiden können.
- Bestehende Riester-Verträge bleiben von der Reform unberührt.
- Informiere dich rechtzeitig über die neuen Bedingungen, bevor du einen Wechsel in Betracht ziehst.
Das Altersvorsorgedepot wird ab 2027 den Markt für Vorsorgeprodukte neu sortieren. Es gilt als größte Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002.
Für bestehende Riester-Verträge ändert sich dadurch zunächst nichts. Du kannst deine laufenden Verträge weiterführen und die Förderung erhalten. Ein Wechsel in ein Altersvorsorgedepot kann je nach persönlicher Situation sinnvoll sein, sollte aber gut geprüft werden.
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