Ratgeber · Versicherung
Rentenversicherung Höhe: So berechnest du deine gesetzliche Rente
Die Höhe deiner gesetzlichen Rente hängt von deinem gesamten Versicherungsverlauf ab. Mit der Rentenformel kannst du deine spätere Altersrente aus Entgeltpunkten, Zugangsfaktor und aktuellem Rentenwert selbst nachvollziehen.
11 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Rentenhöhe ergibt sich aus der Formel: Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert.
- Ein Entgeltpunkt entspricht genau dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten eines Jahres.
- Der aktuelle Rentenwert beträgt seit Juli 2026 monatlich 42,52 Euro pro Entgeltpunkt.
- Deine jährliche Renteninformation zeigt eine Hochrechnung deiner späteren Rente.
01 · Grundlagen
Die Rentenformel: So setzt sich deine Rentenhöhe zusammen
Deine monatliche Rentenhöhe ist keine Schätzung, sondern das Ergebnis einer festen Formel. Sie verknüpft deine gesammelten Entgeltpunkte mit dem Zugangsfaktor, dem Rentenartfaktor und dem aktuellen Rentenwert.
Deine monatliche Rente ergibt sich aus vier Faktoren, die miteinander multipliziert werden. Der Rentenartfaktor ist dabei der einzige Wert, der je nach Rentenart unterschiedlich ausfällt. Für Altersrenten und volle Erwerbsminderungsrenten liegt er bei 1,0.
Die Formel gilt für alle Rentenarten der gesetzlichen Rentenversicherung. Wenn du also deine Entgeltpunkte kennst, kannst du mit dem Zugangsfaktor, dem Rentenartfaktor und dem aktuellen Rentenwert deine spätere Rentenhöhe selbst nachvollziehen.
Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = monatliche Rentenhöhe
Kurz erklärt
Rentenformel
Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = monatliche Rentenhöhe
Die Formel gilt für alle Rentenarten der gesetzlichen Rentenversicherung, lediglich der Rentenartfaktor unterscheidet sich.
02 · Vergleich
Entgeltpunkte: Dein Verdienst im Vergleich zum Durchschnitt
Entgeltpunkte sind die zentrale Währung deiner Rentenversicherung. Sie zeigen, wie dein jährliches Bruttoeinkommen im Vergleich zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten lag.
Für jedes Versicherungsjahr wird dein Bruttoverdienst mit dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten verglichen. Verdienst du exakt so viel wie der Durchschnitt, erhältst du genau einen Entgeltpunkt. Liegst du darunter oder darüber, bekommst du entsprechend weniger oder mehr Punkte gutgeschrieben.
Im Beispieljahr 2023 lag der Durchschnittsverdienst bei 44.732 Euro brutto. Wer die Hälfte davon verdiente, erhielt 0,5 Entgeltpunkte. Wer das 1,5-fache verdiente, bekam 1,5 Entgeltpunkte für dieses Jahr.
Zeiten der Kindererziehung bis zum 10. Lebensjahr oder der Pflege von Angehörigen werden so berücksichtigt, als hättest du in dieser Zeit einen hypothetischen Verdienst gehabt. Dieser richtet sich voll oder anteilig nach dem jeweiligen Durchschnittsverdienst.
| Dein Bruttoverdienst | Entgeltpunkte pro Jahr | |
|---|---|---|
| Exakt der Durchschnittsverdienst | 44.732 Euro (Beispieljahr 2023) | 1,0 |
| Die Hälfte des Durchschnittsverdienstes | 22.366 Euro | 0,5 |
| Das 1,5-fache des Durchschnittsverdienstes | 67.098 Euro | 1,5 |
03 · Kosten
Aktueller Rentenwert: Was ein Entgeltpunkt wert ist
Der aktuelle Rentenwert übersetzt deine gesammelten Entgeltpunkte in einen Euro-Betrag. Er wird jährlich an die wirtschaftliche Situation angepasst.
Der aktuelle Rentenwert gibt an, wie viel Euro du pro Entgeltpunkt als monatliche Rente erhältst. Er wird regelmäßig an die wirtschaftliche Situation angepasst und jährlich neu festgesetzt. Ab dem 1. Juli 2026 beträgt der aktuelle Rentenwert 42,52 Euro.
Der Rentenwert gilt bundesweit einheitlich. Eine Unterscheidung zwischen Ost und West gibt es bei der Anpassung nicht mehr. Mit jedem Entgeltpunkt steigt deine monatliche Rente also um genau diesen Betrag.
Kurz erklärt
Aktueller Rentenwert ab 1.7.2026
Wert eines Entgeltpunktes in der gesetzlichen Rentenversicherung
42,52 EUR
04 · Was gilt
Zugangsfaktor: Abschläge und Zuschläge beim Rentenbeginn
Der Zugangsfaktor belohnt oder bestraft den Zeitpunkt deines Rentenbeginns. Gehst du vor der Regelaltersgrenze in Rente, mindert er deine Rentenhöhe dauerhaft.
Der Zugangsfaktor berücksichtigt, ob du früher oder später als zur Regelaltersgrenze in Rente gehst. Ohne Zu- oder Abschläge beträgt der Zugangsfaktor 1,0. Beantragst du deine Altersrente vorzeitig, fallen dauerhafte Abschläge an.
Verzichtest du nach Erreichen der Regelaltersgrenze zunächst auf deine Rente und beantragst sie erst später, erhältst du Zuschläge. Diese erhöhen deine monatliche Rentenhöhe dauerhaft über den Zugangsfaktor.
- Rente erst nach Erreichen der Regelaltersgrenze beantragen erhöht deine Rente.
- Auf die Rente verzichten und später in Rente gehen erhöht deine Rente.
- Vorzeitiger Rentenbeginn vor der Regelaltersgrenze mindert deine Rente.
- Altersrente mit Abschlägen beantragen mindert deine Rente.
Das erhöht deine Rente
Das mindert deine Rente
05 · Was gilt
Rentenartfaktor: Nicht jede Rente zählt gleich
Der Rentenartfaktor unterscheidet die verschiedenen Rentenarten. Er legt fest, welcher Anteil der errechneten Rente tatsächlich ausgezahlt wird.
Altersrenten, Renten wegen voller Erwerbsminderung und Erziehungsrenten haben den Faktor 1,0. Bei anderen Rentenarten fällt der Faktor niedriger aus.
Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung haben den Faktor 0,5. Vollwaisenrenten werden mit dem Faktor 0,2 berechnet, Halbwaisenrenten mit 0,1. Bei Witwen- oder Witwerrenten liegt der Faktor je nach Rechtslage bei 0,55 oder 0,6.
- Faktor 1,0 gilt für Altersrenten, volle Erwerbsminderungsrenten und Erziehungsrenten.
- Faktor 0,5 gilt für Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung.
- Faktor 0,2 gilt für Vollwaisenrenten.
- Faktor 0,1 gilt für Halbwaisenrenten.
- Faktor 0,55 oder 0,6 gilt für Witwen- oder Witwerrenten.
Faktor 1,0
Faktor unter 1,0
06 · Kosten
Beitragsbemessungsgrenze: So viel zählt maximal für deine Rente
Die Beitragsbemessungsgrenze deckelt deine Rentenversicherungsbeiträge. Nur Einkommen bis zu dieser Grenze fließt in deine Entgeltpunkte ein.
Die Beitragsbemessungsgrenze deckelt deine Rentenversicherungsbeiträge. Nur Einkommen bis zu dieser Grenze fließt in deine Entgeltpunkte ein. Was du darüber hinaus verdienst, erhöht deine spätere Rente nicht.
Ab dem 1. Januar 2026 liegt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze bei 8.450 Euro. Seit 2025 gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen West und Ost. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung liegt bei 18,6 Prozent.
- Ab 1.1.2026 gilt eine monatliche Beitragsbemessungsgrenze von 8.450 Euro.
- Ab 1.1.2025 lag die Grenze bei 8.050 Euro.
- Ab 1.1.2024 galt im Westen eine Grenze von 7.550 Euro.
- Ab 1.1.2024 galt im Osten eine Grenze von 7.450 Euro.
Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung
07 · Hintergrund
Regelaltersgrenze: Wann du ohne Abschläge in Rente gehst
Die Regelaltersgrenze bestimmt, ab wann du deine Altersrente ohne Abschläge erhalten kannst. Sie hängt von deinem Geburtsjahrgang ab.
Die Regelaltersgrenze wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für Versicherte, die 1964 oder später geboren sind, liegt sie bei 67 Jahren. Dein Geburtsjahrgang bestimmt also, wann du deine Altersrente ohne Abschläge erhalten kannst.
Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, muss dauerhafte Abschläge in Kauf nehmen. Wer später in Rente geht, erhält Zuschläge über den Zugangsfaktor. Deine Renteninformation nennt dir dein persönliches Renteneintrittsalter.
Es lohnt sich, diese Angabe frühzeitig zu prüfen, um deine Altersvorsorge zu planen. So vermeidest du Überraschungen kurz vor dem Rentenbeginn.
Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, muss dauerhafte Abschläge in Kauf nehmen. Wer später in Rente geht, erhält Zuschläge über den Zugangsfaktor.
Deine Renteninformation nennt dir dein persönliches Renteneintrittsalter. Es lohnt sich, diese Angabe frühzeitig zu prüfen, um deine Altersvorsorge zu planen.
08 · Checkliste
Renteninformation: Deine jährliche Rentenprognose verstehen
Die Renteninformation ist dein wichtigstes Dokument zur Rentenhöhe. Sie zeigt dir, mit welcher Rente du rechnen kannst, wenn du weiter wie bisher verdienst.
Sie enthält eine Hochrechnung deiner späteren Regelaltersrente und deine bisher gesammelten Entgeltpunkte. Außerdem findest du dort den Nachweis deiner rentenrechtlichen Zeiten.
Prüfe bei Erhalt der Renteninformation besonders die Angaben zu Kindererziehungszeiten und zu deinem frühestmöglichen Rentenbeginn. Fehler in diesen Punkten können deine spätere Rentenhöhe spürbar verändern.
- Hochrechnung deiner späteren Regelaltersrente prüfen.
- Bisher gesammelte Entgeltpunkte kontrollieren.
- Nachweis deiner rentenrechtlichen Zeiten auf Vollständigkeit prüfen.
- Hinweis auf die Auswirkungen von Kindererziehungszeiten beachten.
- Informationen zum frühestmöglichen Rentenbeginn lesen.
Das steht in deiner Renteninformation
Hochrechnung deiner späteren Regelaltersrente
Bisher gesammelte Entgeltpunkte
Nachweis deiner rentenrechtlichen Zeiten
Hinweis auf die Auswirkungen von Kindererziehungszeiten
Informationen zum frühestmöglichen Rentenbeginn
09 · Was gilt
Erwerbsminderungsrente: Höhe bei voller und teilweiser Erwerbsminderung
Kannst du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten, greift die Erwerbsminderungsrente. Ihre Höhe hängt von deiner täglichen Arbeitsfähigkeit ab.
Die volle Erwerbsminderungsrente erhältst du, wenn du aus gesundheitlichen Gründen weniger als 3 Stunden pro Tag arbeiten kannst. Voraussetzung ist eine allgemeine Wartezeit von 5 Jahren. Der Rentenartfaktor liegt bei 1,0.
Die teilweise Erwerbsminderungsrente greift, wenn du 3 bis unter 6 Stunden pro Tag arbeitsfähig bist. Auch hier gilt die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren. Der Rentenartfaktor beträgt 0,5, deine Rente fällt also entsprechend niedriger aus.
- Volle Erwerbsminderungsrente: arbeitsfähig weniger als 3 Stunden pro Tag, Wartezeit 5 Jahre, Rentenartfaktor 1,0.
- Teilweise Erwerbsminderungsrente: arbeitsfähig 3 bis unter 6 Stunden pro Tag, Wartezeit 5 Jahre, Rentenartfaktor 0,5.
Volle Erwerbsminderungsrente
Teilweise Erwerbsminderungsrente
10 · Hintergrund
Kindererziehungszeiten: So erhöhen Kinder deine Rente
Kindererziehungszeiten wirken sich direkt auf deine Rentenhöhe aus. Sie werden so behandelt, als hättest du in dieser Zeit ein fiktives Einkommen erzielt.
Für die Erziehung eines Kindes bis zum 10. Lebensjahr werden dir Entgeltpunkte gutgeschrieben. Die Höhe richtet sich nach dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Diese Zeiten werden so behandelt, als hättest du in dieser Zeit ein fiktives Einkommen erzielt.
Die Anrechnung erfolgt voll oder anteilig, je nachdem ob du allein erzogen hast oder mehrere Erziehende beteiligt waren. Auch Pflegezeiten von Angehörigen können deine Rentenhöhe erhöhen. Sie werden ähnlich wie Kindererziehungszeiten als hypothetischer Verdienst angerechnet.
Für die Erziehung eines Kindes bis zum 10. Lebensjahr werden dir Entgeltpunkte gutgeschrieben. Die Höhe richtet sich nach dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten.
Diese Zeiten werden voll oder anteilig berücksichtigt, je nachdem ob du allein erzogen hast oder mehrere Erziehende beteiligt waren.
Auch Pflegezeiten von Angehörigen können deine Rentenhöhe erhöhen. Sie werden ähnlich wie Kindererziehungszeiten als hypothetischer Verdienst angerechnet.
11 · Fehler vermeiden
Altersvorsorge: So schließt du die Lücke zur gesetzlichen Rente
Die gesetzliche Rente deckt im Alter oft nicht dein letztes Nettoeinkommen. Eine private Altersvorsorge kann die Lücke schließen.
Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, riskiert eine spürbare Versorgungslücke. Die jährliche Renteninformation hilft dir, diese Lücke frühzeitig zu erkennen.
Unterschätze Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn nicht und prüfe deine Kindererziehungszeiten. Auch die Beitragsbemessungsgrenze solltest du kennen, um zu verstehen, wie viel deines Einkommens überhaupt rentenwirksam ist. Eine private Altersvorsorge kann die Lücke zur gesetzlichen Rente schließen.
- Sich allein auf die gesetzliche Rente verlassen führt oft zu einer Versorgungslücke.
- Die jährliche Renteninformation nicht lesen verhindert frühzeitiges Gegensteuern.
- Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn unterschätzen mindert dein Einkommen im Alter.
- Kindererziehungszeiten nicht prüfen verschenkt mögliche Rentenansprüche.
- Die Beitragsbemessungsgrenze nicht kennen führt zu falschen Erwartungen.
- Keine private Altersvorsorge aufbauen lässt die Lücke zur gesetzlichen Rente bestehen.
Typische Fehler bei der Altersvorsorgeplanung
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