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Value Investing: Wann sich die wertorientierte Anlagestrategie für dich lohnt

Value Investing setzt auf Aktien, deren Kurs unter ihrem inneren Wert liegt. Diese Strategie erfordert Geduld und eine gründliche Analyse der Fundamentaldaten, kann aber langfristig zu überdurchschnittlichen Renditen führen.

11 Kapitel · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Value Investing kauft unterbewertete Aktien mit einer Sicherheitsmarge zum inneren Wert.
  • Die Fundamentalanalyse mit Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist das zentrale Werkzeug.
  • Die Strategie zielt auf langfristigen Vermögensaufbau, nicht auf kurzfristige Spekulation.
  • Diversifikation über verschiedene Titel und Branchen reduziert das Klumpenrisiko.

01 · Grundlagen

Was ist Value Investing?

Value Investing ist eine Anlagestrategie, die auf dem Unterschied zwischen Preis und Wert eines Unternehmens basiert. Der Ansatz gehört zur Fundamentalanalyse und grenzt sich klar von technischer Analyse oder dem Folgen von Nachrichten ab.

Der Kern dieser Strategie liegt in der Annahme, dass der Marktpreis einer Aktie nicht immer ihren tatsächlichen wirtschaftlichen Wert widerspiegelt. Du suchst gezielt nach Wertpapieren, bei denen der Preis unter dem liegt, was du als inneren Wert ermittelst. Diese Differenz ist deine Sicherheitsmarge und dient dem Kapitalerhalt.

Empirische Studien zeigen, dass mit diesem Stil risikoadjustierte Überrenditen im Vergleich zu einem Marktindex wie dem DAX möglich sind. Die Überrendite unterbewerteter Unternehmen tritt besonders in Phasen auf, in denen der Gesamtmarkt einen Kursrückgang zeigt. Für dich bedeutet das: Value Investing ist kein kurzfristiges Handelsmodell, sondern eine langfristige Haltung.

Kaufe eine Aktie nur, wenn das Verhältnis von Preis zu innerem Wert kleiner als 1 ist.

Kurz erklärt

Value Investing

Eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen vorwiegend auf Basis des realwirtschaftlichen Gegenwerts, dem sogenannten inneren Wert, getroffen werden. Ziel ist es, Wertpapiere zu kaufen, deren Marktpreis unter diesem inneren Wert liegt.

Der Kern ist die Relation Preis zu Wert (P/W). Ein Kauf erfolgt, wenn dieses Verhältnis kleiner als 1 ist.

02 · Schritt für Schritt

So ermittelst du den inneren Wert eines Unternehmens

Die Bestimmung des inneren Werts ist das Herzstück des Value Investing. Du nutzt dafür die Fundamentalanalyse, die quantitative und qualitative Faktoren eines Unternehmens untersucht.

Beginne mit den Fundamentaldaten aus den Jahres- und Quartalsberichten. Achte auf die Profitabilität, die Eigenkapitalquote und den Cashflow. Diese Zahlen geben dir einen ersten Überblick über die wirtschaftliche Substanz des Unternehmens.

Anschließend prüfst du Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Ein niedriges KGV kann auf eine Unterbewertung hindeuten, aber es kann auch ein überdurchschnittliches Ertragsrisiko signalisieren. Deshalb reicht die reine Kennzahlenbetrachtung nicht aus.

Beziehe qualitative Faktoren in deine Analyse ein:

  • Bewerte die Robustheit des Geschäftsmodells und mögliche Wettbewerbsvorteile.
  • Prüfe die Qualität des Managements und dessen langfristige Ausrichtung.
  • Analysiere die Konkurrenzsituation und das Potenzial für eine führende Marktposition.

Erst wenn du aus diesen Bausteinen einen inneren Wert abgeleitet hast, legst du deine Sicherheitsmarge fest. Je größer der Abstand zwischen deinem ermittelten Wert und dem aktuellen Kurs ist, desto geringer ist dein Risiko.

01

Fundamentaldaten analysieren

Untersuche die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen aus Jahres- und Quartalsberichten. Dazu gehören Gewinn, Umsatz, Eigenkapitalquote und Cashflow.

02

Bewertungskennzahlen prüfen

Berechne Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Ein niedriges KGV kann auf eine Unterbewertung hindeuten.

03

Qualitative Faktoren einbeziehen

Bewerte die Robustheit des Geschäftsmodells, die Qualität des Managements und mögliche Wettbewerbsvorteile. Diese Einschätzungen sind subjektiv, aber wichtig.

04

Sicherheitsmarge festlegen

Kaufe nur, wenn der Marktpreis deutlich unter deinem ermittelten inneren Wert liegt. Diese Differenz ist deine Sicherheitsmarge und dient dem Kapitalerhalt.

03 · Vergleich

Value Investing im Vergleich zu anderen Anlagestrategien

Der wertorientierte Ansatz unterscheidet sich fundamental von anderen Methoden der Aktienauswahl. Der Vergleich zeigt, worauf du deinen Fokus legst.

Der wertorientierte Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der technischen Analyse. Während du beim Value Investing die Fundamentaldaten eines Unternehmens untersuchst, betrachtet die technische Analyse historische Kursverläufe und Chartmuster. Dein Fokus liegt auf dem Geschäftsmodell, nicht auf dem Preisverlauf.

Value Investing nutzt zeitlich begrenzte Ineffizienzen der Märkte aus. Du gehst davon aus, dass der Markt den inneren Wert einer Aktie nicht immer korrekt abbildet. Die technische Analyse hingegen versucht, Trends und Momentum aus vergangenen Kursbewegungen zu erkennen.

Für dich bedeutet das einen unterschiedlichen Anlagehorizont. Value Investing ist auf mehrere Jahre ausgelegt, während technische Strategien oft kurz- bis mittelfristig arbeiten. Dein Ziel ist der Kauf von Substanz unter dem fairen Wert, nicht das Erwischen eines kurzfristigen Aufwärtstrends.

Unterschiede in der Herangehensweise an die Aktienauswahl
Value InvestingTechnische Analyse
Entscheidungs­basisInnerer Wert des Unternehmens (Fundamentaldaten)Bisherige Entwicklung des Marktpreises
AnalyseobjektGeschäftsmodell, Bilanzen, ManagementKursverlauf im Zeitverlauf
AnlagehorizontLangfristig
ZielKauf von Wertpapieren unter ihrem inneren Wert

04 · Checkliste

Wichtige Bewertungs­kennzahlen für deine Analyse

Bestimmte Kennzahlen helfen dir, unterbewertete Aktien zu identifizieren. Sie sind ein erster Filter, ersetzen aber keine tiefgehende Unternehmensanalyse.

Diese Kennzahlen sind ein erster Filter, um unterbewertete Aktien zu identifizieren. Sie ersetzen keine tiefgehende Unternehmensanalyse, aber sie helfen dir, die Spreu vom Weizen zu trennen. Nutze sie als Ausgangspunkt für deine weitere Recherche.

  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein niedriger Wert kann auf eine günstige Bewertung hindeuten.
  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) vergleicht den Marktwert mit dem bilanziellen Eigenkapital. Ein Wert unter 1 signalisiert eine Bewertung unter dem Buchwert.
  • Die Eigenkapitalquote zeigt, wie solide ein Unternehmen finanziert ist. Eine hohe Quote spricht für finanzielle Stabilität.
  • Die Dividendenrendite gibt an, wie viel Prozent des Aktienkurses als Dividende ausgeschüttet werden. Eine überdurchschnittliche Rendite kann ein Hinweis auf eine Unterbewertung sein.

Beachte, dass ein niedriges KGV oder KBV allein kein Kaufsignal ist. Es kann auch bedeuten, dass der Markt ein höheres Risiko oder eine geringere Wachstumsperspektive einpreist. Prüfe immer die Gründe für die niedrige Bewertung.

Diese Kennzahlen solltest du prüfen

01

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein niedriger Wert kann auf eine günstige Bewertung hindeuten.

02

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Vergleicht den Marktwert mit dem bilanziellen Eigenkapital. Ein Wert unter 1 signalisiert eine Bewertung unter dem Buchwert.

03

Eigenkapitalquote: Zeigt, wie solide ein Unternehmen finanziert ist. Eine hohe Quote spricht für finanzielle Stabilität.

04

Dividendenrendite: Gibt an, wie viel Prozent des Aktienkurses als Dividende ausgeschüttet werden. Eine überdurchschnittliche Rendite kann ein Value-Signal sein.

05 · Was gilt

Diese Faktoren sprechen für Value Investing

Die Strategie hat in bestimmten Marktphasen und für bestimmte Anlegertypen besondere Stärken. Sie ist kein Allheilmittel, aber ein bewährtes Konzept.

In Krisenzeiten, wenn der Gesamtmarkt Kursrückgänge zeigt, spielt der wertorientierte Ansatz seine Stärken aus. Unterbewertete Unternehmen zeigen in solchen Phasen oft eine überdurchschnittliche relative Stärke. Das liegt daran, dass ihre Bewertung stärker auf gegenwärtigen Fundamentaldaten beruht als auf zukünftigen Wachstumsversprechen.

Für dich eignet sich die Strategie besonders, wenn du einen langfristigen Horizont hast und nicht auf kurzfristige Kursschwankungen reagierst. Du solltest bereit sein, dich intensiv mit Geschäftsberichten und Fundamentaldaten auseinanderzusetzen. Der Fokus auf eine Sicherheitsmarge beim Kauf reduziert dein Risiko.

In starken Wachstumsphasen des Marktes können Value-Aktien hinter Momentum- oder Wachstumsstrategien zurückbleiben. Das ist kein Fehler der Strategie, sondern eine logische Konsequenz des unterschiedlichen Fokus. Entscheidend ist, dass du deine Erwartungen an die Marktphase anpasst.

Das spricht dafür

·In Krisenzeiten, wenn der Gesamtmarkt Kursrückgänge zeigt, zeigt Value Investing oft eine überdurchschnittliche relative Stärke.
·Für Anleger mit einem langfristigen Horizont, die nicht auf kurzfristige Kursschwankungen reagieren.
·Wenn du bereit bist, dich intensiv mit Geschäftsberichten und Fundamentaldaten auseinanderzusetzen.
·Zur Reduktion des Risikos durch den Fokus auf eine Sicherheitsmarge beim Kauf.

Das spricht dagegen

·In starken Wachstumsphasen des Marktes können Value-Aktien hinter Momentum- oder Wachstumsaktien zurückbleiben.
·Für Anleger, die schnelle Gewinne suchen und eine geringe Volatilität im Depot bevorzugen.
·Wenn du keine Zeit oder kein Interesse an der Analyse einzelner Unternehmen hast.
·Wenn du ausschließlich auf eine breite Marktentwicklung setzen möchtest, ohne Einzeltitel zu bewerten.

06 · Fehler vermeiden

So gehst du mit Volatilität und Klumpenrisiken um

Auch beim Value Investing schwanken die Kurse. Ein durchdachter Umgang mit Risiken ist entscheidend für deinen langfristigen Erfolg.

Der größte Fehler ist, dein Kapital auf wenige Einzeltitel oder eine einzige Branche zu konzentrieren.

Streue dein Anlagekapital über viele unterschiedliche Titel und Sektoren. So reduzierst du das Risiko, dass ein einzelner Ausfall dein gesamtes Depot belastet. Eine breite Diversifikation ist auch bei einer Value-Strategie unerlässlich.

  • Vermeide ein Klumpenrisiko, indem du nicht alles auf eine Branche setzt.
  • Bewerte eine Aktie nicht nach wenigen Monaten, sondern gib deiner These Zeit.
  • Ignoriere Insolvenzrisiken nicht: Ein niedriges KGV kann ein Warnsignal sein.
  • Prüfe bei jeder Aktie, ob die niedrige Bewertung durch ein überdurchschnittliches Ertragsrisiko gerechtfertigt ist.

Wenn sich die Wettbewerbsposition eines Unternehmens grundlegend verschlechtert oder die These nicht mehr trägt, trenne dich davon. Kleinere Schwächephasen hingegen glätten sich in der Regel im Zeitverlauf.

Diese Fehler solltest du vermeiden

·Klumpenrisiko: Setze dein Kapital nicht auf wenige Einzeltitel oder eine einzige Branche. Streue dein Anlagekapital über viele unterschiedliche Titel und Sektoren.
·Ungeduld: Bewerte eine Aktie nicht nach wenigen Monaten. Gib deiner These Zeit, sich zu entfalten, und reagiere nicht auf jede kurzfristige Marktbewegung.
·Ignorieren von Insolvenzrisiken: Ein niedriges KGV kann auch ein Hinweis auf ein überdurchschnittliches Ertragsrisiko oder eine hohe Insolvenzwahrscheinlichkeit sein. Prüfe die Gründe für die niedrige Bewertung.
·Fehlende Diversifikation: Verlasse dich nicht nur auf Value-ETFs oder Fonds eines einzigen Anbieters oder einer einzigen Region. Eine breite Streuung über verschiedene Märkte ist sinnvoll.

07 · Hintergrund

Value Investing mit Fonds und ETFs umsetzen

Du musst nicht zwingend Einzelaktien analysieren. Auch über Fonds und ETFs kannst du die Value-Strategie in deinem Depot abbilden und so den Rechercheaufwand reduzieren.

Für viele Anleger ist der Weg über Einzelaktien mit hohem Aufwand verbunden. Eine Alternative sind aktiv gemanagte Aktienfonds, die nach der Value-Strategie investieren. Hier übernimmt ein professionelles Fondsmanagement die Titelauswahl und stellt ein Portfolio aus einer Vielzahl von Aktien zusammen.

Eine weitere Möglichkeit sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die einen Value-Index nachbilden. Solche Indizes bündeln Substanzwerte mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis und fundamentaler Unterbewertung. Der Maßstab ist dann ein entsprechender Index, der die Wertentwicklung dieser Unternehmen abbildet.

Du kannst dich auch an den Titeln orientieren, die bekannte Value-Investoren wie Warren Buffett kaufen oder verkaufen. In den einschlägigen Medien wird regelmäßig darüber berichtet. Das erspart dir jedoch nicht die eigene Prüfung, ob ein Titel zu deiner Strategie passt.

Für viele Anleger ist der Weg über Einzelaktien mit hohem Aufwand verbunden. Eine Alternative sind aktiv gemanagte Aktienfonds, die nach der Value-Strategie investieren. Hier übernimmt ein professionelles Fondsmanagement die Titelauswahl und stellt ein Portfolio aus einer Vielzahl von Aktien zusammen.

Eine weitere Möglichkeit sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die einen Value-Index nachbilden. Solche Indizes bündeln Substanzwerte mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis und fundamentaler Unterbewertung. Der Maßstab ist dann ein entsprechender Index, der die Wertentwicklung dieser Unternehmensgruppe abbildet.

Beachte bei der Auswahl von Fonds und ETFs die Kosten und die genaue Zusammensetzung des Portfolios. Eine breite Streuung über verschiedene Titel und Branchen bleibt auch hier wichtig, um das Risiko von Klumpenbildung zu verringern.

08 · Kosten

Steuern auf Gewinne aus Value Investments

Gewinne aus deinen Value-Investments sind steuerpflichtig. Die Höhe deiner Abgaben hängt von deinem persönlichen Steuersatz und der Art der Anlage ab.

Die Abgeltungsteuer wird auf Kapitalerträge oberhalb des Sparer-Pauschbetrags fällig. Für deine Planung im Jahr 2026 gelten klare Werte.

Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 EUR pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 EUR. Erst oberhalb dieser Freibeträge wird die Abgeltungsteuer von 25 Prozent fällig. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.

Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet, dass 30 Prozent der Erträge aus Aktienfonds steuerfrei bleiben und nur 70 Prozent der Abgeltungsteuer unterliegen. Diese Regelung reduziert deine Steuerlast im Vergleich zu einer vollständigen Besteuerung.

09 · Hintergrund

Der Einfluss des Leitzinses auf deine Value-Strategie

Das Zinsniveau beeinflusst die Bewertung von Unternehmen. Ein Verständnis dieses Zusammenhangs hilft dir, die Attraktivität von Value-Aktien besser einzuschätzen.

Der Leitzins ist ein wichtiger Faktor für die Bewertung von Aktien. Steigende Zinsen können dazu führen, dass zukünftige Gewinne von Unternehmen in der Gegenwart weniger wert sind. Dies kann besonders Wachstumsaktien mit hohen erwarteten Gewinnen in ferner Zukunft belasten.

Value-Aktien, die oft durch solide aktuelle Erträge und Substanzwerte gekennzeichnet sind, können in einem Umfeld steigender Zinsen vergleichsweise robuster erscheinen. Ihre Bewertung hängt stärker von den gegenwärtigen Fundamentaldaten ab als von weit in der Zukunft liegenden Wachstumsversprechen.

Dennoch gilt: Der Leitzins ist nur ein Faktor unter vielen. Deine Analyse sollte immer die spezifische Situation des Unternehmens berücksichtigen, nicht nur das allgemeine Zinsniveau.

Der Leitzins ist ein wichtiger Faktor für die Bewertung von Aktien. Steigende Zinsen können dazu führen, dass zukünftige Gewinne von Unternehmen in der Gegenwart weniger wert sind. Dies kann besonders Wachstumsaktien mit hohen erwarteten Gewinnen in ferner Zukunft belasten.

Value-Aktien, die oft durch solide aktuelle Erträge und Substanzwerte gekennzeichnet sind, können in einem Umfeld steigender Zinsen vergleichsweise robuster erscheinen. Ihre Bewertung hängt stärker von den gegenwärtigen Fundamentaldaten ab als von weit in der Zukunft liegenden Wachstumsversprechen.

Dennoch gilt: Der Leitzins ist nur ein Faktor unter vielen. Deine Anlageentscheidung sollte immer auf einer gründlichen Analyse des einzelnen Unternehmens und seiner langfristigen Perspektiven basieren, nicht auf kurzfristigen Zinsprognosen.

10 · Grundlagen

Substanzwerte als Kern deiner Value-Strategie

Substanzwerte bilden das Fundament vieler Value-Portfolios. Sie zeichnen sich durch eine solide Bilanz und oft eine Bewertung nahe oder unter ihrem Buchwert aus.

Substanzwerte sind Aktien von Unternehmen, deren Marktbewertung sich stark an den im Unternehmen vorhandenen materiellen und immateriellen Vermögenswerten orientiert. Oft weisen sie ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis auf. Das bedeutet, der Marktpreis liegt nahe am oder unter dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie.

Diese Werte gelten als vergleichsweise defensive Investments, da ihr Wert durch die vorhandene Substanz des Unternehmens gestützt wird. Für dich sind sie ein möglicher Kern eines Value-Portfolios, weil sie weniger von zukünftigen Wachstumsversprechen abhängen.

Prüfe bei Substanzwerten besonders die Qualität der Vermögenswerte. Nicht jeder Buchwert ist gleich viel wert. Veraltete Anlagen oder schwer verkäufliche Immobilien können den inneren Wert deutlich unter den bilanziellen Wert drücken.

Kurz erklärt

Substanzwerte

Aktien von Unternehmen, deren Marktbewertung sich stark an den im Unternehmen vorhandenen materiellen und immateriellen Vermögenswerten orientiert. Oft weisen sie ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis auf.

Substanzwerte gelten als vergleichsweise defensive Investments, da ihr Wert durch die vorhandene Substanz des Unternehmens gestützt wird.

11 · Im Vertrag

Unterbewertung erkennen und nutzen

Die Identifikation einer Unterbewertung ist der entscheidende Schritt. Sie entsteht, wenn der Marktpreis den inneren Wert eines Unternehmens nicht korrekt widerspiegelt.

Das kann quantitative und qualitative Gründe haben. Deine Aufgabe ist es, diese Situationen zu erkennen, bevor der Markt sie korrigiert.

Ein niedriges KGV oder KBV sind erste quantitative Hinweise. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass der Marktpreis unter dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie liegt. Das ist ein starkes Signal, aber kein automatischer Kaufgrund.

  • Ein niedriges KGV liegt unter dem historischen Durchschnitt des Unternehmens oder dem Branchendurchschnitt.
  • Ein niedriges KBV signalisiert eine Bewertung unter dem Buchwert.
  • Temporäre Probleme können den Kurs drücken, ohne das langfristige Geschäftsmodell zu beschädigen.
  • Geringe Beachtung durch Medien und Analysten kann zu einer Unterbewertung führen.

Nutze diese Anzeichen als Ausgangspunkt für deine tiefere Analyse. Die Unterbewertung ist erst dann eine Chance, wenn du die Gründe dafür verstehst und sie als temporär einordnest.

Anzeichen für eine mögliche Unterbewertung

Niedriges KGVQuantitativDas Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt unter dem historischen Durchschnitt des Unternehmens oder dem Branchendurchschnitt.
Niedriges KBVQuantitativDas Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt unter 1, der Marktpreis also unter dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie.
Temporäre ProblemeQualitativDas Unternehmen durchläuft eine kurzfristige Schwächephase, die den Kurs drückt, das langfristige Geschäftsmodell aber nicht beschädigt.
Geringe BeachtungQualitativDas Unternehmen steht nicht im Fokus der Medien und Analysten, was zu einer ineffizienten Preisbildung führen kann.

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026