Ratgeber · Investieren
Value Investing: So funktioniert die Strategie für unterbewertete Aktien
Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Aktien kaufst, deren Kurs unter ihrem rechnerisch ermittelten inneren Wert liegt. Die Differenz zwischen Preis und Wert ist deine Sicherheitsmarge und soll das Risiko von Fehleinschätzungen abfedern.
9 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Value Investing zielt auf Aktien, deren Marktpreis unter dem inneren Wert des Unternehmens liegt.
- Die Sicherheitsmarge (Margin of Safety) entsteht aus der Differenz zwischen innerem Wert und Kaufpreis.
- Zur Bewertung nutzt du die Fundamentalanalyse, etwa mit Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).
- Die Strategie ist auf einen langen Anlagehorizont ausgelegt und folgt meist einem Buy-and-Hold-Ansatz.
01 · Grundlagen
Was ist Value Investing?
Value Investing ist ein Investmentstil, der Kauf- und Verkaufsentscheidungen am realwirtschaftlichen Gegenwert eines Unternehmens ausrichtet. Im Mittelpunkt steht die Relation zwischen aktuellem Preis und innerem Wert.
Der Ansatz geht auf Benjamin Graham zurück, der 1934 zusammen mit David Dodd das Buch Security Analysis veröffentlichte. Dieses Werk gilt bis heute als Standardwerk für wertorientiertes Anlegen. Graham führte darin das Konzept der Sicherheitsmarge ein, also die Differenz zwischen dem inneren Wert eines Wertpapiers und seinem Marktpreis.
Später wurde die Strategie durch Investoren wie Warren Buffett und Peter Lynch weiterentwickelt. Buffett verlagerte den Fokus von reinen Bewertungskennzahlen auf die Kombination aus fairen Preisen und herausragender Unternehmensqualität. Sein Geschäftspartner Charlie Munger prägte diese Weiterentwicklung maßgeblich mit.
Für dich bedeutet Value Investing: Du kaufst eine Aktie nur, wenn ihr Preis unter dem von dir ermittelten inneren Wert liegt. Je größer die Differenz ausfällt, desto geringer ist dein Risiko.
Kurz erklärt
Value Investing
Eine Anlagestrategie, bei der Wertpapiere gekauft werden, deren aktueller Preis unter dem ermittelten inneren Wert liegt. Die Entscheidung basiert auf der Fundamentalanalyse, nicht auf kurzfristigen Kursbewegungen.
Der Kaufpreis muss unter dem inneren Wert liegen, damit eine positive Sicherheitsmarge entsteht.
02 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Bewertung: Innerer Wert und Fundamentalanalyse
Der innere Wert eines Unternehmens wird mit Methoden der Fundamentalanalyse geschätzt. Er ergibt sich aus der wirtschaftlichen Substanz und den künftigen Ertragsaussichten, nicht aus der aktuellen Stimmung an der Börse.
Du betrachtest dafür die wirtschaftliche Substanz, die Ertragskraft und die künftigen Aussichten des Geschäfts. Der aktuelle Börsenkurs spielt bei dieser Wertermittlung keine Rolle.
Eine theoretisch fundierte Methode ist der Ertragswert. Dabei schätzt du die künftigen Überschüsse des Unternehmens und zinst sie mit einer vergleichbaren Alternativrendite auf die Gegenwart ab. Ergänzend ziehst du statische Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder die Dividendenrendite heran.
Die sorgfältige Abschätzung von Umsatz- und Gewinnprognosen ist wichtiger als das konkrete Bewertungsmodell. Deine Schätzungen müssen nicht punktgenau eintreffen, wenn du ausreichend Spielraum für Fehler einplanst.
Geschäftsmodell und wirtschaftliche Verfassung prüfen
Du analysierst, ob das Unternehmen profitabel ist, über Jahre Umsätze und Gewinne steigern konnte und eine solide Bilanz mit wenig Schulden aufweist.
Wettbewerbsposition einschätzen
Du bewertest, ob das Unternehmen eine dominante Marktstellung hat und ob die Nachfrage nach seinen Produkten oder Dienstleistungen weiter wachsen kann.
Inneren Wert berechnen
Du schätzt die künftigen Überschüsse des Unternehmens und zinst sie mit einer Alternativrendite ab. Ergänzend ziehst du Kennzahlen wie KGV, KUV oder Dividendenrendite heran.
Sicherheitsmarge bestimmen
Du vergleichst den berechneten inneren Wert mit dem aktuellen Aktienkurs. Nur wenn der Kurs deutlich unter dem inneren Wert liegt, kaufst du die Aktie.
03 · Vergleich
Value Investing im Vergleich zum Growth Investing
Value Investing und Growth Investing sind zwei gegensätzliche Ansätze der Aktienauswahl. Während Value-Anleger auf unterbewertete Substanz setzen, kaufen Growth-Anleger Unternehmen mit hohen Wachstumsraten, oft zu höheren Bewertungen.
Value Investing und Growth Investing unterscheiden sich grundlegend in der Auswahl der Aktien. Value-Anleger suchen Unternehmen, deren Preis im Verhältnis zu Substanz und Gewinn niedrig ist. Growth-Anleger kaufen dagegen Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum, oft zu deutlich höheren Bewertungen.
Die erwartete Renditequelle ist unterschiedlich. Beim Value Investing stammt die Rendite aus dem Abbau der Unterbewertung und aus Dividenden. Beim Growth Investing sollen steigende Gewinne und höhere Bewertungen den Kurs antreiben.
Für dich heißt das: Value Investing eignet sich eher, wenn du langfristig denkst und auf Substanz setzt. Growth Investing passt, wenn du bereit bist, für Wachstum höhere Preise zu zahlen und stärkere Kursschwankungen auszuhalten.
| Value Investing | Growth Investing | |
|---|---|---|
| Fokus | Unterbewertete Aktien mit niedrigem Preis im Verhältnis zu Substanz und Gewinn | |
| Typische Kennzahlen | Niedriges KGV, niedriges KBV, hohe Dividendenrendite | |
| Erwartete Renditequelle | Abbau der Unterbewertung und Dividenden | |
| Typischer Anlagehorizont | Langfristig, oft mehrere Jahre |
04 · Checkliste
Welche Bewertungskennzahlen für Value Investing wichtig sind
Für die Suche nach unterbewerteten Aktien nutzt du Kennzahlen, die den Preis ins Verhältnis zu Gewinn, Buchwert oder Umsatz setzen. Diese Kennzahlen sind ein erster Filter, ersetzen aber keine vollständige Unternehmensanalyse.
Kennzahlen sind ein erster Filter bei der Suche nach unterbewerteten Aktien. Sie ersetzen aber keine vollständige Unternehmensanalyse. Ein niedriges KGV allein sagt noch nichts über die Qualität des Geschäftsmodells aus.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis vergleicht den Kurs mit dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass die Aktie unter ihrem Buchwert notiert.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist bei Unternehmen mit schwankenden Gewinnen nützlich. Die Dividendenrendite zeigt, wie viel Ausschüttung du im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erhältst. Nutze diese Kennzahlen immer im Zusammenhang, nicht isoliert.
Zentrale Kennzahlen für Value-Investoren
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie. Ein niedriges KGV kann auf Unterbewertung hindeuten.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Aktienkurs geteilt durch Buchwert je Aktie. Ein Wert unter 1 zeigt, dass die Aktie unter dem bilanziellen Eigenkapital notiert.
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV): Aktienkurs geteilt durch Umsatz je Aktie. Nützlich bei Unternehmen mit schwankenden Gewinnen.
Dividendenrendite: Dividende je Aktie geteilt durch Aktienkurs. Eine überdurchschnittlich hohe Rendite kann ein Hinweis auf Unterbewertung sein.
Eigenkapitalrendite: Gewinn geteilt durch Eigenkapital. Sie zeigt, wie effizient das Management das Kapital der Aktionäre einsetzt.
05 · Im Vertrag
Die Sicherheitsmarge als Kern des Value Investing
Die Sicherheitsmarge ist die Differenz zwischen dem inneren Wert einer Aktie und ihrem Marktpreis. Sie dient als Puffer, falls deine Schätzungen zu optimistisch waren oder unerwartete Ereignisse eintreten.
Sie dient der Risikobegrenzung und dem Kapitalerhalt. Du kaufst nur, wenn der Preis deutlich unter dem Wert liegt, damit eine positive Sicherheitsmarge entsteht.
Die Berechnung des inneren Werts beruht auf Annahmen über künftige Umsätze und Gewinne. Diese Annahmen können sich als falsch erweisen. Die Sicherheitsmarge lässt Raum für solche Schätzfehler und schützt dich vor dauerhaften Kapitalverlusten.
Unterbewertete Aktien zeigen ihre überdurchschnittliche Wertentwicklung besonders in Phasen, in denen der Gesamtmarkt Kursrückgänge verzeichnet. Je größer die Sicherheitsmarge, desto geringer ist dein Risiko.
Was die Sicherheitsmarge leistet
06 · Was gilt
Welche Unternehmen für Value Investing infrage kommen
Value-Investoren suchen Unternehmen mit stabiler Substanz, verlässlichen Erträgen und einer starken Marktposition. Nicht jedes niedrig bewertete Unternehmen ist automatisch ein Value-Titel.
Das Geschäftsmodell sollte profitabel sein und über Jahre steigende Umsätze und Gewinne aufweisen. Eine solide Bilanz mit wenig Schulden und ausreichend liquiden Mitteln ist ebenfalls wichtig.
Die Wettbewerbsposition spielt eine zentrale Rolle. Ein Unternehmen sollte eine dominante Marktstellung haben oder über dauerhafte Wettbewerbsvorteile verfügen. Das Management muss Kapital effizient einsetzen und im Interesse der Aktionäre handeln.
Nicht jedes niedrig bewertete Unternehmen ist ein Value-Titel. Unprofitable Firmen mit unklarer Ertragsperspektive, hoch verschuldete Unternehmen oder Firmen ohne erkennbaren Wettbewerbsvorteil fallen durch das Raster. Die Qualität des Geschäftsmodells entscheidet, ob eine niedrige Bewertung eine Chance oder eine Falle ist.
Passt zu Value Investing
Passt eher nicht
07 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Value Investing
Value Investing wirkt einfach, birgt aber Fallstricke. Wer nur auf niedrige Kennzahlen schaut, kann in Wertfallen geraten, aus denen kein Kursanstieg folgt.
Der häufigste Fehler ist, nur auf das KGV zu schauen. Ein niedriges KGV kann durch ein überdurchschnittliches Ertragsrisiko oder eine hohe Insolvenzwahrscheinlichkeit gerechtfertigt sein. In diesem Fall ist die niedrige Bewertung kein Schnäppchen, sondern ein Warnsignal.
Ein weiterer Fehler ist, die Qualität des Geschäftsmodells zu ignorieren. Ein billiges Unternehmen in einer schrumpfenden Branche bleibt oft billig, weil die Gewinne weiter sinken. Auch wer zu wenig Sicherheitsmarge einplant, geht ein unnötiges Risiko ein.
Value Investing braucht Zeit. Wer zu kurzfristig denkt, verkauft oft zu früh und verpasst den Abbau der Unterbewertung. Geduld ist ein zentraler Bestandteil der Strategie.
Fehler, die du vermeiden solltest
08 · Hintergrund
Value Investing als langfristige Anlagestrategie
Value Investing ist kein schneller Weg zu Gewinnen. Die Strategie setzt darauf, dass sich der Marktpreis über Jahre dem inneren Wert annähert und du in dieser Zeit von Dividenden profitierst.
Der Abbau einer Unterbewertung erfolgt selten innerhalb weniger Wochen. Value-Investoren halten Aktien oft über viele Jahre, ein Ansatz, der als Buy-and-Hold bekannt ist. Während der Haltedauer profitierst du von den ausgeschütteten Gewinnen des Unternehmens.
Eine überdurchschnittliche Dividendenrendite ist ein typisches Merkmal vieler Value-Aktien. Diese laufenden Erträge federn Phasen ab, in denen der Kurs nicht steigt. Die überdurchschnittliche Wertentwicklung unterbewerteter Unternehmen zeigt sich besonders in Marktphasen, in denen der Gesamtindex fällt.
In starken Haussephasen können Value-Aktien dagegen hinter Wachstumswerten zurückbleiben. Für die langfristige Anlage ist Value Investing eine Strategie, die Geduld und Disziplin erfordert.
Der Abbau einer Unterbewertung erfolgt selten innerhalb weniger Wochen. Value-Investoren halten Aktien oft über viele Jahre, ein Ansatz, der als Buy-and-Hold bekannt ist.
Während der Haltedauer profitierst du von den ausgeschütteten Gewinnen des Unternehmens. Eine überdurchschnittliche Dividendenrendite ist ein typisches Merkmal vieler Value-Aktien.
Die überdurchschnittliche Wertentwicklung unterbewerteter Unternehmen zeigt sich besonders in Marktphasen, in denen der Gesamtindex fällt. In starken Haussephasen können Value-Aktien dagegen hinter Wachstumswerten zurückbleiben.
Für die langfristige Umsetzung eignen sich neben der Auswahl einzelner Aktien auch Indizes, die nach Value-Kriterien zusammengestellt werden. Sie bündeln mehrere unterbewertete Unternehmen und streuen das Risiko über verschiedene Branchen.
09 · Kosten
Steuern auf Gewinne aus Value Investing
Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag reduziert die Steuerlast auf Kapitalerträge.
Der Steuersatz beträgt 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.
Der Sparer-Pauschbetrag reduziert die Steuerlast auf Kapitalerträge. Pro Person und Jahr bleiben 1000 EUR steuerfrei, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 EUR. Erst oberhalb dieser Beträge wird Abgeltungsteuer fällig.
Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet, dass 30 Prozent der Erträge steuerfrei bleiben und nur 70 Prozent der Abgeltungsteuer unterliegen.
Häufige Fragen
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