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MagazineFinanzenInvestieren Ist Value Investing sinnvoll
FinanzbildungInvestieren9 Min.

Ist Value Investing sinnvoll: So findest du unterbewertete Aktien

Value Investing klingt nach komplizierter Börsenweisheit, ist aber im Kern eine einfache Frage: Zahlst du für einen Euro Wert nur 80 Cent? Wir zeigen dir, warum diese Strategie auch für dich als Einsteiger 2026 sinnvoll sein kann und wie du sie konkret umsetzt.

Value StrategieAktienbewertungEinsteiger Tipps
Brauche ich das?
Ja, als Basis.
Es schützt vor Überzahlung und emotionalen Fehlkäufen.
Ist das schwer?
Eher Geduld.
Die Analyse ist lernbar, das Warten ist die Herausforderung.
Rendite garantiert?
Nein, nie.
Es senkt Risiken, kann aber Verluste nicht ausschließen.
Wie starte ich?
Mit Indizes.
Breite Value-ETFs sind der einfachste Einstieg für dich.

Warum dich das Thema betrifft: Dein Geld arbeitet immer

Jeden Tag triffst du finanzielle Entscheidungen, ob du willst oder nicht. Dein Girokonto verliert durch Inflation real an Kaufkraft, selbst wenn der Nominalbetrag gleich bleibt. Das bedeutet: Dein Erspartes wird still und leise weniger wert, wenn du es nicht für dich arbeiten lässt. Genau hier setzt die Frage an, ob Value Investing für dich sinnvoll ist.

Vielleicht denkst du, Aktien seien nur etwas für Börsenprofis mit dicken Anzügen und komplizierten Formeln. Doch die Realität sieht anders aus: Millionen normale Menschen in Deutschland besitzen Aktien oder Fonds, oft über den Arbeitgeber oder Altersvorsorgeverträge. Der Kapitalmarkt ist kein exklusiver Club, sondern ein Ort, an dem auch du mit kleinen Beträgen teilnehmen kannst.

Der entscheidende Punkt ist deine persönliche Freiheit. Wer langfristig Vermögen aufbaut, kann sich später mehr Optionen leisten: früher in Rente gehen, eine Auszeit nehmen oder einfach sorgenfreier leben. Value Investing ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um deine finanziellen Ziele mit weniger Risiko zu erreichen.

Wenn du also jemals das Gefühl hattest, dass dein Geld auf dem Sparbuch nicht wächst, dann bist du hier richtig. Es geht nicht darum, reich zu werden über Nacht, sondern darum, systematisch und klug Vermögen aufzubauen. Die Beschäftigung mit Value Investing ist deshalb keine trockene Theorie, sondern eine praktische Lebenskompetenz für deine finanzielle Zukunft.

Seit 1928
zeigen Studien einen historischen Mehrertrag von Value-Aktien gegenüber Wachstumswerten.
2x
so hoch kann die durchschnittliche Volatilität einzelner Aktien im Vergleich zum Markt sein.
~10 Jahre
solltest du als Value-Anleger mindestens als Anlagehorizont einplanen.

Was ist Value Investing überhaupt? Ein Blick auf die Grundlagen

Value Investing bedeutet übersetzt so viel wie wertorientiertes Investieren. Die Grundidee ist verblüffend einfach: Du kaufst Aktien von Unternehmen, die an der Börse weniger kosten, als sie tatsächlich wert sind. Stell dir vor, ein Auto mit einem echten Wert von rund 20.000 Euro wird für rund 15.000 Euro verkauft, nur weil gerade niemand hinschaut. Genau diese Situation suchst du als Value Investor an der Börse.

Der Begriff wurde vor allem durch Benjamin Graham geprägt, den Mentor des berühmten Investors Warren Buffett. Graham lehrte in den 1930er Jahren, dass der Markt oft irrational ist und Aktienkurse nicht immer den wahren Unternehmenswert widerspiegeln. Diese Differenz zwischen Preis und Wert nennt man Sicherheitsmarge, dein persönliches Polster gegen Fehleinschätzungen.

Wichtig ist die Unterscheidung zu anderen Strategien. Wachstumsinvestoren zahlen hohe Preise für Unternehmen mit schnellen Umsatzzuwächsen, in der Hoffnung auf eine glänzende Zukunft. Value Investoren hingegen sind wie Schnäppchenjäger: Sie kaufen solide, oft langweilige Firmen mit stabilen Geschäften, die der Markt gerade übersieht oder abstraft.

Das bedeutet nicht, dass du nur in angeschlagene Firmen investierst. Es geht um Qualität zu einem fairen Preis. Du suchst Unternehmen mit gesunden Bilanzen, konstanten Gewinnen und einem verständlichen Geschäftsmodell. Wenn der Markt solche Firmen vorübergehend unterbewertet, schlägst du zu. Diese Herangehensweise erfordert Geduld und eine gründliche Analyse, aber sie belohnt dich mit einem geringeren Verlustrisiko.

Die Funktionsweise: Wie erkennst du den wahren Wert einer Aktie?

Um zu wissen, ob eine Aktie unterbewertet ist, musst du den inneren Wert des Unternehmens schätzen. Das klingt komplizierter als es ist. Grundsätzlich geht es darum, alle zukünftigen Gewinne des Unternehmens auf den heutigen Tag abzuzinsen. Wenn du diese Rechnung beherrschst, kannst du den fairen Preis ermitteln und mit dem aktuellen Aktienkurs vergleichen.

Für Einsteiger sind einfachere Kennzahlen oft der erste Zugang. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, zeigt dir, wie viel du für einen Euro Gewinn bezahlst. Ein niedriges KGV im Vergleich zur Branche kann auf eine Unterbewertung hindeuten. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Eigenkapital des Unternehmens. Auch hier gilt: Je niedriger, desto günstiger erscheint die Aktie.

Diese Kennzahlen sind aber nur der Anfang. Du solltest auch die Verschuldung prüfen, die Entwicklung der Gewinnmargen und die Qualität des Managements. Ein Unternehmen mit hohen Schulden ist riskanter, selbst wenn die Aktie billig aussieht. Ein guter Value Investor liest den Geschäftsbericht, versteht das Produkt und beobachtet die Konkurrenz. Das ist Fleißarbeit, aber keine Hexerei.

Ein praktischer Trick ist die relative Bewertung. Vergleiche das KGV eines Unternehmens mit dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Liegt der aktuelle Wert deutlich darunter, könnte eine Unterbewertung vorliegen. Kombiniere immer mehrere Kennzahlen und verlasse dich nie auf eine einzige. So erhältst du ein stimmiges Bild und reduzierst die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Kosten und Aufwand: Was musst du für Value Investing einplanen?

Ein häufiger Irrglaube ist, dass Value Investing nur mit viel Geld und teuren Beratern funktioniert. Das stimmt nicht. Du kannst bereits mit kleinen monatlichen Beträgen starten, etwa über einen Sparplan auf einen breiten Aktien-ETF. Die Kosten für den Handel liegen bei modernen Online-Brokern oft im einstelligen Eurobereich pro Order, manche bieten sogar kostenlose Sparpläne an.

Der größte Kostenfaktor ist nicht das Geld, sondern deine Zeit. Du musst bereit sein, dich regelmäßig mit Unternehmen zu beschäftigen, Bilanzen zu lesen und Nachrichten zu verfolgen. Für ein paar Stunden pro Monat kannst du dir ein solides Grundwissen aneignen. Wenn du diese Zeit nicht investieren willst, sind passive Fonds die bessere Wahl für dich.

Achte auf die laufenden Kosten von Fonds und ETFs. Die sogenannte Gesamtkostenquote, abgekürzt TER, zeigt dir, wie viel Prozent deines Vermögens jährlich für Verwaltung abgezogen werden. Bei aktiven Fonds ist diese oft höher als bei passiven Indexfonds. Für Value Investing gibt es auch spezielle ETFs, die den MSCI World Value Index abbilden. Diese sind eine kostengünstige Alternative zum Selber-Analysieren.

Vergiss außerdem nicht die Steuern. In Deutschland zahlst du auf Aktiengewinne die Abgeltungsteuer, sofern dein Freibetrag ausgeschöpft ist. Diese Kosten solltest du bei deiner Renditeerwartung einplanen. Trotzdem gilt: Die Kosten sind überschaubar, wenn du diszipliniert vorgehst und auf unnötige Transaktionen verzichtest. Halten ist beim Value Investing ohnehin die Devise.

Worauf du besonders achten solltest: Qualität vor Billigkeit

Der größte Fehler von Anfängern ist, jede billige Aktie zu kaufen. Nur weil eine Aktie stark gefallen ist, ist sie noch lange kein Schnäppchen. Es könnte sich um eine sogenannte Wertfalle handeln, ein Unternehmen mit strukturellen Problemen, dessen Geschäftsmodell dauerhaft schrumpft. Du musst also immer die Qualität des Unternehmens prüfen, bevor du auf den niedrigen Kurs schaust.

Achte auf einen stabilen freien Cashflow. Das ist das Geld, das nach allen Investitionen tatsächlich übrig bleibt. Unternehmen, die Jahr für Jahr hohe Cashflows erwirtschaften, sind finanziell robust und können Krisen besser überstehen. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist eine niedrige Verschuldung. Firmen mit wenig Schulden haben mehr Spielraum und sind weniger erpressbar von Banken.

Auch das Management spielt eine entscheidende Rolle. Schau dir an, wie lange der Vorstand schon im Amt ist und ob er selbst Aktien des Unternehmens besitzt. Wenn das Management eigene Anteile hält, ist es meist stärker am langfristigen Erfolg interessiert. Lies die Aussagen im Geschäftsbericht und prüfe, ob die Taten mit den Worten übereinstimmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verständlichkeit des Geschäftsmodells. Warren Buffett investiert nur in Unternehmen, die er komplett versteht. Wenn du nicht erklären kannst, wie eine Firma ihr Geld verdient, lass die Finger davon. Komplexe Finanzprodukte oder undurchsichtige Beteiligungen sind oft ein Warnsignal. Bleib bei Branchen, die du im Alltag siehst und nachvollziehen kannst.

Typische Fehler, die du als Einsteiger unbedingt vermeiden solltest

Der häufigste Fehler ist mangelnde Geduld. Value Investing wirkt oft langweilig, weil du lange auf die Wertentwicklung warten musst. Viele Anleger verkaufen ihre Aktien nach ein paar Monaten, weil sich nichts bewegt, und verpassen so den eigentlichen Gewinn. Du musst bereit sein, deine Positionen über Jahre zu halten, bis der Markt den wahren Wert erkennt.

Ein weiterer Fehler ist das Überhandeln. Wer ständig kauft und verkauft, zahlt unnötige Gebühren und Steuern. Zudem steigt die Gefahr von Fehlentscheidungen durch Emotionen. Wenn der Markt fällt, bekommst du Angst und verkaufst, genau dann, wenn du kaufen solltest. Entwickle einen klaren Plan und halte dich konsequent daran, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen.

Viele Einsteiger konzentrieren sich auch zu stark auf einzelne Kennzahlen wie das KGV. Eine niedrige Kennzahl allein macht noch kein gutes Investment. Du musst das Gesamtbild sehen: Branche, Wettbewerb, Management und finanzielle Stabilität. Reduzierst du alles auf eine Zahl, übersiehst du wichtige Risiken und Chancen. Nutze immer mehrere Analysewerkzeuge.

Schließlich solltest du dich nicht von vermeintlichen Experten oder heißen Tipps beeinflussen lassen. Jeder kennt jemanden, der mit einer Aktie schnell viel Geld verdient hat. Diese Geschichten sind selten und oft Glückssache. Vertraue auf deine eigene Analyse und deinen langfristigen Plan. Wenn du unsicher bist, ist es besser, eine Investition auszulassen, als einen Fehler zu machen.

So gehst du konkret vor: Deine ersten Schritte zum Value Investor

Bevor du auch nur eine Aktie kaufst, solltest du deine finanzielle Basis prüfen. Bilde zuerst einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto. Dieser Puffer schützt dich davor, im Notfall Aktien verkaufen zu müssen. Erst wenn dieser Notgroschen steht, solltest du über Wertpapiere nachdenken. So vermeidest du Zwangsverkäufe zu ungünstigen Zeitpunkten.

Der zweite Schritt ist die Wahl deines Depots. Vergleiche die Gebühren verschiedener Online-Broker und achte auf eine benutzerfreundliche Oberfläche. Viele Anbieter locken mit kostenlosen Sparplänen oder günstigen Ordergebühren. Für den Anfang reicht ein einfaches Depot, du brauchst keine teuren Zusatzfunktionen. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und die Plattform verstehst.

Als dritter Schritt bietet sich ein breiter Value-ETF als Basisinvestment an. Ein ETF auf den MSCI World Value Index gibt dir sofortige Diversifikation über viele unterbewertete Unternehmen weltweit. Du musst keine einzelnen Aktien analysieren und profitierst trotzdem von der Value-Prämie. Bespare diesen ETF regelmäßig, zum Beispiel mit 100 oder rund 200 Euro pro Monat, und erhöhe den Betrag, wenn dein Einkommen steigt.

Wenn du dich dann sicherer fühlst, kannst du einzelne Aktien hinzufügen. Beginne mit zwei bis drei Unternehmen aus Branchen, die du gut kennst. Nutze unsere Tipps zur Analyse und erstelle eine Checkliste mit deinen Kriterien. Schreibe auf, warum du kaufst und zu welchem Preis du verkaufen würdest. So bleibst du diszipliniert und kannst deine Entscheidungen später nachvollziehen.

Dein Fahrplan für die nächsten zwölf Monate: Bleib am Ball

Der erste Monat dient dem Lernen. Lies ein einfaches Buch zum Thema Aktienbewertung oder schaue dir kostenlose Online-Kurse an. Parallel dazu eröffnest du dein Depot und richtest einen Sparplan auf einen Value-ETF ein. Du musst noch nicht perfekt sein, wichtig ist, dass du anfängst und dich mit dem Thema vertraut machst.

In den Monaten zwei bis sechs beobachtest du dein Investment und lernst weiter. Verfolge die Quartalszahlen deiner ETF-Position und lies die Nachrichten zu den enthaltenen Unternehmen. Du wirst merken, dass der Kurs schwankt, das ist normal. Widerstehe der Versuchung, ständig zu handeln. Dein Ziel ist es, den Markt zu verstehen, nicht ihn zu schlagen.

Ab dem siebten Monat kannst du deine erste Einzelaktie analysieren. Wähle ein Unternehmen, das du im Alltag nutzt oder dessen Produkte du kennst. Erstelle eine einfache Bewertung mit KGV und KBV und vergleiche die Werte mit der Konkurrenz. Wenn du unsicher bist, lass die Aktie liegen und bleib bei deinem ETF. Es gibt keine Pflicht zu investieren.

Am Ende des Jahres solltest du eine Bilanz ziehen. Wie hat sich dein Depot entwickelt, welche Gebühren hast du bezahlt, und wie hast du dich emotional gefühlt? Passe deinen Sparplan an, wenn sich deine Lebensumstände geändert haben. Value Investing ist ein Marathon, kein Sprint. Mit jedem Monat wächst dein Wissen und dein Vermögen, auch wenn es nicht immer linear nach oben geht.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.

Kannst du Kursschwankungen von 30 Prozent ohne Panik aushalten?
Hast du einen Zeithorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren?
Willst du Unternehmen wirklich verstehen oder nur spekulieren?
Beantworte die Fragen für deine Empfehlung.

Häufige Fragen

Nicht ganz. Buy and Hold bedeutet einfach, Aktien lange zu halten. Value Investing ist eine spezielle Auswahlstrategie, die nur unterbewertete Aktien kauft. Du kannst zwar lange halten, aber der Fokus liegt auf dem günstigen Einstiegspreis.

Ja, absolut. Mit einem Sparplan auf einen Value-ETF kannst du schon ab rund 50 Euro im Monat starten. Auch einzelne Aktien kannst du als Bruchstücke kaufen, wenn dein Broker das anbietet. Der Einstieg ist also auch mit kleinem Budget möglich.

Die Empfehlung ist ein Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Jahren. Value Investing braucht Zeit, bis der Markt den wahren Wert erkennt. Kurzfristige Schwankungen solltest du aussitzen können, ohne in Panik zu verfallen.

Wachstumsaktien haben hohe erwartete Gewinnzuwächse und sind oft teuer bewertet. Value Aktien sind dagegen günstig bewertet und haben stabile, aber nicht explosive Gewinne. Value Investing setzt auf Sicherheitsmarge, Wachstum auf Zukunftshoffnung.

Nein, du kannst auch in Value-ETFs investieren, die diese Arbeit für dich erledigen. Diese Fonds bilden einen Index mit unterbewerteten Aktien ab. Wenn du einzelne Aktien kaufst, ist eine Analyse aber unbedingt notwendig.

Nein, die Besteuerung ist identisch mit anderen Aktieninvestments. Du zahlst Abgeltungsteuer auf Gewinne, sobald du verkaufst. Es gibt keine speziellen Steuervorteile für Value Investing, aber auch keine Nachteile.

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SR

StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 31.08.2026, nächste Prüfung: 03/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.