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Ist Value Investing sinnvoll? Chancen, Risiken und die passende Strategie für dein Depot

Value Investing setzt auf Aktien, deren Kurs unter dem inneren Wert des Unternehmens liegt. Ob diese Strategie für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Risikobereitschaft, deinem Anlagehorizont und der Umsetzung ab.

10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Value Investing kauft Aktien unter ihrem inneren Wert und nutzt eine Sicherheitsmarge.
  • Historisch erzielten Value-Aktien weltweit eine Überrendite von 1,8 Prozent pro Jahr gegenüber Growth-Aktien.
  • Value-ETFs bündeln unterbewertete Aktien, haben aber oft höhere Kosten und weniger Diversifikation als Welt-ETFs.
  • Die Strategie eignet sich vor allem für langfristige Anleger mit Geduld für längere Schwächephasen.

01 · Grundlagen

Was ist Value Investing?

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der du Wertpapiere kaufst, deren Preis unter dem realwirtschaftlichen Gegenwert liegt. Die Entscheidung orientiert sich am Verhältnis von aktuellem Preis zum inneren Wert.

Der Ansatz gehört zur Fundamentalanalyse und unterscheidet sich grundlegend von Strategien, die auf technischer Analyse oder reinem Nachrichtenhandel beruhen. Du triffst deine Kaufentscheidung anhand des Verhältnisses von aktuellem Preis zum inneren Wert, nicht anhand von Kursverläufen oder Stimmungen.

Empirische Studien zeigen, dass mit Value Investing risikoadjustierte Überrenditen im Vergleich zu einem Marktindex wie dem DAX erzielt werden können. Die Überrendite unterbewerteter Unternehmen lässt sich unter anderem durch den Abbau der Unterbewertung im Zeitverlauf und eine überdurchschnittliche Dividendenrendite erklären.

Für dich bedeutet das: Du kaufst eine Aktie für weniger als ihren innewohnenden Wert. Je nach Methode der Wertbestimmung weicht der kalkulierte innere Wert mehr oder weniger stark vom aktuellen Aktienkurs ab.

Kurz erklärt

Value Investing

Eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen vorwiegend anhand des inneren Werts eines Wertpapiers getroffen werden. Ziel ist der Kauf unterbewerteter Aktien mit einer positiven Sicherheitsmarge.

Der Ansatz gehört zur Fundamentalanalyse und unterscheidet sich grundlegend von technischer Analyse oder reinem Nachrichtenhandel.

02 · Schritt für Schritt

Wie bestimmst du den inneren Wert einer Aktie?

Der innere Wert ist der reale Gegenwert eines Unternehmens, unabhängig vom aktuellen Börsenkurs. Er wird mit Methoden der Fundamentalanalyse ermittelt und bildet die Basis für deine Kaufentscheidung.

Du beginnst mit der Analyse von Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow des Unternehmens. Diese Fundamentaldaten zeigen dir die wirtschaftliche Substanz und die Fähigkeit, langfristig Gewinne zu erwirtschaften.

Anschließend setzt du den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zu betriebswirtschaftlichen Größen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt dir, wie viele Jahre Gewinn du für den aktuellen Kurs bezahlst. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) gibt an, wie viel du für das bilanzielle Eigenkapital je Aktie zahlst.

  • Du sammelst Fundamentaldaten aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow.
  • Du berechnest Bewertungskennzahlen wie KGV, KBV oder Dividendenrendite.
  • Du leitest aus diesen Daten einen fairen Unternehmenswert ab, der vom Marktpreis abweichen kann.
  • Du prüfst, ob der Marktpreis deutlich unter diesem inneren Wert liegt.
01

Fundamentaldaten sammeln

Du analysierst Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow des Unternehmens. Diese Fundamentaldaten zeigen die wirtschaftliche Substanz.

02

Bewertungskennzahlen berechnen

Du nutzt Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder Dividendenrendite, um den Preis ins Verhältnis zur Unternehmensleistung zu setzen.

03

Inneren Wert schätzen

Aus den Fundamentaldaten und Kennzahlen leitest du einen fairen Unternehmenswert ab. Dieser innere Wert kann vom Marktpreis abweichen.

04

Sicherheitsmarge prüfen

Du kaufst nur, wenn der Marktpreis deutlich unter dem inneren Wert liegt. Die Differenz ist deine Sicherheitsmarge und begrenzt das Risiko.

03 · Vergleich

Welche Bewertungs­kennzahlen nutzen Value-Investoren?

Bewertungskennzahlen setzen den Aktienkurs ins Verhältnis zu betriebswirtschaftlichen Größen. Sie helfen dir, unterbewertete Aktien zu erkennen und verschiedene Unternehmen zu vergleichen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Liegt das KGV bei 15, bezahlst du beim Aktienkauf 15 Euro für einen Euro Unternehmensgewinn. Ein niedriger Wert deutet auf eine günstige Bewertung im Verhältnis zum Gewinn hin.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis vergleicht den Kurs mit dem Eigenkapital pro Aktie. Liegt das KBV bei 2, bezahlst du zwei Euro pro Euro Eigenkapital. Value-Investoren achten zusätzlich auf die Dividendenrendite, die bei unterbewerteten Unternehmen tendenziell höher ausfällt, weil der Kurs vergleichsweise gering ist.

Beide Kennzahlen sind einfache Schätzer für die Relation von Marktpreis zu innerem Wert. Eine fundierte Bestimmung des Werts erfordert jedoch Bewertungsmethoden, die nicht auf der Hypothese vollkommener Märkte basieren, da diese Annahmen immer zu einem Preis-Wert-Verhältnis von 1 führen würden.

Die wichtigsten Kennzahlen im Value Investing
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
BerechnungAktienkurs geteilt durch Gewinn pro AktieAktienkurs geteilt durch Eigenkapital pro Aktie
AussageWie viel du für einen Euro Unternehmensgewinn bezahlstWie viel du für einen Euro Eigenkapital bezahlst
Niedriger Wert bedeutetGünstige Bewertung im Verhältnis zum GewinnGünstige Bewertung im Verhältnis zur Substanz

04 · Hintergrund

Warum ist die Sicherheits­marge so wichtig?

Die Sicherheitsmarge ist die Differenz zwischen dem inneren Wert eines Wertpapiers und seinem Marktpreis. Sie dient der Risikobegrenzung und dem Kapitalerhalt.

Ein Value-Investor ist nur bereit, für ein Wertpapier weniger als dessen inneren Wert zu bezahlen, weil daraus eine positive Sicherheitsmarge resultiert. Je größer die Sicherheitsmarge ist, desto geringer ist das Risiko für dich als Investor.

Der Marktwert ergibt sich aus Angebot und Nachfrage, der innere Wert wird mit Hilfe der Fundamentalanalyse ermittelt. Die Sicherheitsmarge schützt dich vor Fehleinschätzungen bei der Unternehmensbewertung und vor unerwarteten Marktschwankungen.

Benjamin Graham, der Begründer des Value Investing, etablierte dieses Konzept 1934 im Buch Security Analysis. Es gilt bis heute als Standardwerk und bildet die Grundlage für den Kapitalerhalt bei wertorientierten Strategien.

Ein Value-Investor ist nur bereit, für ein Wertpapier weniger als dessen inneren Wert zu bezahlen, weil daraus eine positive Sicherheitsmarge resultiert. Je größer die Sicherheitsmarge ist, desto geringer ist das Risiko für dich als Investor.

Der Marktwert ergibt sich aus Angebot und Nachfrage, der innere Wert wird mit Hilfe der Fundamentalanalyse ermittelt. Die Sicherheitsmarge schützt dich vor Fehleinschätzungen bei der Unternehmensbewertung und vor unerwarteten Marktschwankungen.

Benjamin Graham, der Begründer des Value Investing, etablierte dieses Konzept 1934 im Buch Security Analysis. Es gilt bis heute als zentrales Element der Strategie.

05 · Checkliste

Welche Rolle spielen Fundamentaldaten und Substanzwerte?

Fundamentaldaten beschreiben die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens. Substanzwerte sind Unternehmen mit hohem bilanziellem Eigenkapital, das oft als Sicherheitspuffer dient.

Du erkennst sie an einer soliden Bilanzsumme und einer hohen Eigenkapitalquote, die das Unternehmen unabhängiger von externen Geldgebern macht.

Der freie Cashflow zeigt dir, ob ein Unternehmen aus eigener Kraft investieren und Dividenden zahlen kann. Eine stabile Umsatz- und Gewinnentwicklung über mehrere Jahre hinweg ist ein weiteres Indiz für wirtschaftliche Substanz.

  • Bilanzsumme und Eigenkapitalquote als Maß für die Substanz
  • Freier Cashflow als Indikator für die Innenfinanzierungskraft
  • Umsatz- und Gewinnentwicklung der vergangenen Jahre
  • Verschuldungsgrad und Zinsdeckung
  • Dividendenhistorie und Ausschüttungsquote
  • Qualität des Geschäftsmodells und Wettbewerbsvorteile

Wichtige Fundamentaldaten für deine Analyse

01

Bilanzsumme und Eigenkapitalquote als Maß für die Substanz

02

Freier Cashflow als Indikator für die Innenfinanzierungskraft

03

Umsatz- und Gewinnentwicklung der vergangenen Jahre

04

Verschuldungsgrad und Zinsdeckung

05

Dividendenhistorie und Ausschüttungsquote

06

Qualität des Geschäftsmodells und Wettbewerbsvorteile

06 · Grundlagen

Wie funktionieren Value-ETFs?

Value-ETFs bündeln Aktien, die anhand von Bewertungskennzahlen als unterbewertet gelten. Sie setzen den Value-Faktor systematisch um, ohne dass du einzelne Aktien auswählen musst.

Ein Value-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der in Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis, niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis oder hoher Dividendenrendite investiert. Du musst keine einzelnen Aktien auswählen, sondern partizipierst automatisch an der Wertentwicklung unterbewerteter Unternehmen.

Value-ETFs gehören zu den Faktor-ETFs und gewichten unterbewertete Unternehmen stärker als ein marktneutraler Welt-ETF. Der Investmentansatz geht auf Benjamin Graham zurück und basiert auf der Annahme, dass sich der Kurs langfristig dem inneren Wert annähert.

In den vergangenen fünf bis zehn Jahren sind Value-Strategien allerdings schlechter gelaufen als Growth-Strategien. Überrenditen erzielten vor allem US-Technologiekonzerne, während etablierte Substanzwerte zurückblieben.

Kurz erklärt

Value-ETF

Ein börsengehandelter Indexfonds, der in Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis, niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis oder hoher Dividendenrendite investiert.

Value-ETFs gehören zu den Faktor-ETFs und gewichten unterbewertete Unternehmen stärker als ein marktneutraler Welt-ETF.

07 · Kosten

Welche Kosten fallen bei Value-ETFs an?

Die Gesamtkostenquote (TER) von Value-ETFs liegt meist über der von klassischen Welt-ETFs. Auch die internen Handelskosten sind durch den höheren Portfolioumschlag oft größer.

Welt-ETFs kommen üblicherweise auf unter 0,2 Prozent pro Jahr, während Value-ETFs ab 0,25 Prozent kosten.

Zusätzlich fallen bei Value-ETFs höhere interne Wertpapierhandelskosten an. Der Portfolioumschlag ist deutlich größer, weil die Indexzusammensetzung häufiger angepasst wird. Beim MSCI World Enhanced Value wurden in zwölf Monaten 17 Prozent des Portfolios ausgewechselt, beim MSCI World nur 2 Prozent.

Achte zusätzlich auf die Tracking-Differenz, also die Abweichung der ETF-Rendite von der Indexrendite. Bei manchen Value-ETFs ist diese Differenz ähnlich gering wie bei Welt-ETFs, sodass die Mehrkosten in der Praxis relativ klein ausfallen können.

Typische Kostenquoten im Vergleich

Welt-ETFunter 0,2 %
Value-ETFab 0,25 %

08 · Was gilt

Wie diversifizierst du mit Value-ETFs richtig?

Value-ETFs enthalten oft weniger Aktien als breite Welt-ETFs. Eine durchdachte Diversifikation reduziert Klumpenrisiken und schützt dein Depot vor branchen- oder länderspezifischen Rückschlägen.

Der MSCI World Enhanced Value umfasst rund 400 Aktien, während der MSCI World etwa 1.500 Titel enthält. Das bedeutet für dich eine geringere Streuung über Einzelwerte.

Gleichzeitig kann das Gewicht der zehn größten Unternehmen je nach Value-ETF geringer sein als bei einem Welt-ETF. Im MSCI World Enhanced Value machen die Top 10 etwa 20 Prozent aus, im MSCI World sind es 24 Prozent.

Für eine durchdachte Diversifikation kombinierst du einen Value-ETF mit einem breiten Welt-ETF. So reduzierst du Klumpenrisiken und profitierst gleichzeitig von der systematischen Übergewichtung unterbewerteter Unternehmen.

Gut diversifiziert

·MSCI World mit rund 1.500 Aktien
·Kombination aus Value-ETF und breitem Welt-ETF
·Beimischung von Substanzwerten aus verschiedenen Branchen

Weniger diversifiziert

·MSCI World Enhanced Value mit rund 400 Aktien
·Reiner Value-ETF ohne Ergänzung durch andere Faktoren
·Konzentration auf wenige Einzelwerte mit niedrigem KGV

09 · Im Vertrag

Welche Replikations­methode nutzen Value-ETFs?

Die Replikationsmethode bestimmt, wie ein ETF seinen Index abbildet. Bei Value-ETFs ist die physische Replikation üblich, bei der die Aktien tatsächlich gekauft werden.

Bei Value-Indizes mit vielen Titeln kann eine optimierte Auswahl erfolgen, um die Kosten zu senken.

Das optimierte Sampling ist bei Value-Indizes mit vielen kleinen Werten häufig anzutreffen. Der ETF kauft nur eine repräsentative Auswahl der Indexaktien, um Transaktionskosten zu reduzieren, bildet den Index aber dennoch weitgehend nach.

Die synthetische Replikation über Swap-Vereinbarungen mit einem Kontrahenten ist bei Value-ETFs weniger verbreitet. Du findest sie vor allem bei Nischenindizes, bei denen der physische Kauf aller Titel zu aufwendig wäre.

Replikationsmethoden im Überblick

Physische ReplikationStandardDer ETF kauft die im Index enthaltenen Aktien direkt. Bei Value-Indizes mit vielen Titeln kann eine optimierte Auswahl erfolgen, um die Kosten zu senken.
Synthetische ReplikationSeltenDer ETF bildet den Index über Swap-Vereinbarungen mit einem Kontrahenten ab. Diese Methode ist bei Value-ETFs weniger verbreitet.
Optimiertes SamplingHäufigDer ETF kauft nur eine repräsentative Auswahl der Indexaktien, um Transaktionskosten zu reduzieren. Das ist bei Value-Indizes mit vielen kleinen Werten üblich.

10 · Fehler vermeiden

Welche Klumpenrisiken birgt Value Investing?

Value-Strategien neigen zu Branchenkonzentration, etwa in Finanz- oder Energiewerten. Diese Klumpenrisiken können dein Depot anfälliger für sektorale Krisen machen.

Viele Value-Aktien stammen aus zyklischen Branchen wie Banken oder Energie. Diese Branchenkonzentration kann dein Depot anfälliger für sektorale Krisen machen, weil die Kurse in Abschwungphasen kräftiger einbrechen können.

Ein niedriges KGV kann auf fundamentale Probleme hindeuten, etwa auf ein überdurchschnittliches Ertragsrisiko oder eine erhöhte Insolvenzwahrscheinlichkeit. Du solltest daher immer auch Cashflow und Verschuldung prüfen, bevor du eine vermeintlich günstige Aktie kaufst.

  • Branchenkonzentration: Mische deinen Value-Anteil mit breiten Markt-ETFs.
  • Value-Falle: Prüfe immer auch Cashflow und Verschuldung.
  • Lange Durststrecken: Plane einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren ein.
  • Höhere Volatilität: Erwarte stärkere Kursschwankungen als bei einem marktneutralen ETF.

Typische Risiken und wie du sie vermeidest

·Branchenkonzentration: Viele Value-Aktien stammen aus zyklischen Branchen wie Banken oder Energie. Mische deinen Value-Anteil mit breiten Markt-ETFs.
·Value-Falle: Ein niedriges KGV kann auf fundamentale Probleme hindeuten. Prüfe immer auch Cashflow und Verschuldung.
·Lange Durststrecken: Value-Aktien können über Jahre hinter Growth-Aktien zurückbleiben. Plane einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren ein.
·Höhere Volatilität: Value-Unternehmen sind oft krisenanfälliger. Erwarte stärkere Kursschwankungen als bei einem marktneutralen ETF.

Häufige Fragen

Fragen zu Ist Value Investing sinnvoll? Chancen, Risiken und die passende Strategie für dein Depot

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026