Value-Investing: So kaufst du starke Unternehmen zum Schnäppchenpreis
Du willst dein Geld vermehren, ohne auf kurzfristige Kurse zu schauen? Value-Investing hilft dir, Aktien zu finden, die mehr wert sind, als ihr Preis vermuten lässt. Wir zeigen dir, wie du als Einsteiger damit startest.
Warum dich Value-Investing betrifft, auch wenn du dich noch nie mit Aktien beschäftigt hast
Vielleicht denkst du, dass die Börse ein Spielplatz für reiche Banker oder zockende Daytrader ist. Doch das ist ein Irrtum. Die Börse ist der Ort, an dem du dein Erspartes vor der Inflation schützen und langfristig vermehren kannst. Und genau hier setzt Value-Investing an: Es ist eine Methode, die für jeden funktioniert, der Geduld mitbringt, egal ob mit 500 oder rund 50.000 Euro Startkapital.
Du zahlst jeden Tag für Dinge des Alltags, vom Kaffee bis zum Handyvertrag. Dabei achtest du instinktiv auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Value-Investing überträgt dieses Prinzip nur auf Aktien: Du kaufst ein Stück eines Unternehmens, aber nur dann, wenn der Preis dafür niedriger ist als der tatsächliche Wert. Das klingt logisch, wird an der Börse aber oft vergessen.
Viele Menschen scheuen sich vor Aktien, weil sie die Nachrichten über Kurscrashs und Spekulationsblasen verunsichern. Doch genau diese Angst führt dazu, dass sie Chancen verpassen. Wenn du lernst, den inneren Wert eines Unternehmens von seinem aktuellen Börsenkurs zu unterscheiden, dann bist du nicht mehr den Launen des Marktes ausgeliefert. Du handelst nach einem Plan, der seit über 90 Jahren funktioniert.
Der berühmteste Anhänger dieser Strategie ist Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Welt. Er hat bewiesen, dass man kein Finanzgenie sein muss, um erfolgreich zu investieren. Man muss nur bereit sein, einfache Prinzipien konsequent anzuwenden. Genau diese Prinzipien lernst du hier Schritt für Schritt kennen.
Die Grundlagen: Was ist ein Unternehmen wirklich wert?
Um Value-Investing zu verstehen, musst du einen zentralen Begriff kennen: den inneren Wert. Das ist der Wert, den ein Unternehmen tatsächlich besitzt, unabhängig von seinem Aktienkurs. Stell dir ein Haus vor: Der Marktpreis kann schwanken, aber der Wert ergibt sich aus Lage, Bausubstanz und Mieteinnahmen. Genauso ist es bei Unternehmen.
Der innere Wert setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Dazu gehören die Vermögenswerte wie Gebäude, Maschinen und Bargeld. Wichtiger sind jedoch die immateriellen Dinge: die Marke, die Kundenbindung und vor allem die Fähigkeit, in der Zukunft Gewinne zu erwirtschaften. Ein Unternehmen, das Jahr für Jahr mehr Geld verdient, hat einen hohen inneren Wert.
Der Aktienkurs ist dagegen nur der Preis, zu dem gerade jemand bereit ist, ein Stück des Unternehmens zu kaufen. Dieser Preis wird von Emotionen bestimmt: Angst, Gier, Hoffnung. Dadurch weicht der Kurs oft stark vom inneren Wert ab. Genau diese Abweichung nutzt du als Value-Investor aus. Du kaufst, wenn der Kurs unter dem Wert liegt, und verkaufst, wenn er darüber steigt.
Das klingt einfacher, als es ist. Denn den inneren Wert exakt zu berechnen, ist unmöglich. Du kannst ihn nur schätzen. Aber du brauchst keine perfekte Schätzung. Es reicht, wenn du erkennst, wann ein Unternehmen offensichtlich zu billig oder zu teuer ist. Diese Sicherheitsmarge, also der Abstand zwischen Preis und Wert, schützt dich vor Fehlentscheidungen.
So funktioniert Value-Investing in der Praxis: Die wichtigsten Kennzahlen
Du musst kein Bilanzexperte werden, aber ein paar Kennzahlen solltest du verstehen. Die erste ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Es zeigt, wie viel du für einen Euro Gewinn bezahlst. Ein niedriges KGV kann auf eine unterbewertete Aktie hindeuten. Du solltest es aber immer im Vergleich zu anderen Unternehmen derselben Branche sehen.
Die zweite wichtige Kennzahl ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV. Der Buchwert ist das Eigenkapital des Unternehmens. Wenn du eine Aktie zum KBV von 1 kaufst, bezahlst du genau den Wert des Firmenvermögens. Liegt das KBV darunter, kaufst du das Unternehmen faktisch unter Wert, vorausgesetzt, die Bilanz ist sauber.
Neben diesen Bewertungskennzahlen schaust du auf die Profitabilität. Wie hoch ist die Rendite auf das eingesetzte Kapital? Kann das Unternehmen seine Schulden leicht bedienen? Ein Unternehmen, das konstant Gewinne macht und wenig Schulden hat, ist robuster gegen Krisen. Diese Stabilität ist dir wichtiger als schnelles Wachstum.
Wichtig ist: Value-Investing ist keine Formel, die du stur abarbeitest. Es ist eine Denkweise. Du fragst dich bei jeder Aktie: Würde ich das ganze Unternehmen kaufen, wenn ich genug Geld hätte? Wenn die Antwort Ja ist, dann ist auch der Kauf einer einzelnen Aktie eine gute Idee. Diese Perspektive schützt dich vor dummen Fehlern.
Kosten und Aufwand: Was dich das Investieren wirklich kostet
Bevor du startest, solltest du die Kosten kennen. Es gibt zwei Arten: die laufenden Kosten für dein Depot und die Kosten für den Aktienkauf. Ein Depot kannst du inzwischen bei vielen Banken kostenlos führen. Beim Kauf fallen Gebühren an, die je nach Anbieter variieren. Diese Gebühren solltest du nicht unterschätzen, denn sie schmälern deine Rendite.
Der größte Kostenfaktor ist jedoch nicht die Bank, sondern dein eigenes Verhalten. Wer häufig kauft und verkauft, zahlt nicht nur Gebühren, sondern macht auch eher Fehler. Value-Investing ist deshalb bewusst langfristig ausgelegt. Du kaufst wenige Aktien und hältst sie über Jahre. Das spart Kosten und reduziert Stress.
Zeitlich musst du mit ein paar Stunden pro Monat rechnen. Du liest Geschäftsberichte, vergleichst Kennzahlen und verfolgst die Nachrichten deiner Unternehmen. Das ist kein Vollzeitjob, aber du solltest es ernst nehmen. Wer nur einmal im Jahr schaut, verpasst vielleicht wichtige Warnsignale.
Ein Tipp: Nutze kostenlose Finanzportale und die Investor-Relations-Seiten der Unternehmen. Dort findest du alle wichtigen Berichte kostenlos. Du musst also kein teures Abo für Börsendaten abschließen. Mit etwas Übung wirst du immer schneller darin, die relevanten Informationen zu finden und zu bewerten.
Worauf du achten solltest: Qualität vor Quantität
Ein häufiger Anfängerfehler ist, einfach die Aktie mit dem niedrigsten KGV zu kaufen. Das kann ins Auge gehen, denn manchmal ist ein Unternehmen zu Recht billig, weil es schlecht wirtschaftet. Du solltest also nicht nur auf den Preis schauen, sondern auf die Qualität des Geschäftsmodells. Frage dich: Hat dieses Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, den andere nicht so leicht kopieren können?
Achte auf den sogenannten Burggraben. Das ist der Schutz, den ein Unternehmen vor Konkurrenz hat. Das kann eine starke Marke sein, wie bei einem bekannten Getränkehersteller, oder ein Monopol, wie bei einem Bahnnetz. Unternehmen mit einem breiten Burggraben können langfristig hohe Gewinne erzielen. Sie sind die besten Kandidaten für dein Portfolio.
Ein weiterer Punkt ist das Management. Schau dir an, wer das Unternehmen führt. Ist die Geschäftsführung erfahren und handelt sie im Interesse der Aktionäre? Ein gutes Zeichen ist, wenn das Management selbst Aktien des Unternehmens besitzt. Dann sitzen sie im selben Boot wie du und treffen eher kluge Entscheidungen.
Zu guter Letzt: Bleib bei dem, was du verstehst. Warren Buffett investiert nicht in Technologie, die er nicht versteht. Du solltest das auch nicht tun. Wenn du nicht erklären kannst, wie ein Unternehmen Geld verdient, dann lass die Finger davon. Es gibt genug andere Unternehmen, deren Geschäftsmodell du nachvollziehen kannst.
Typische Fehler, die du als Einsteiger unbedingt vermeiden solltest
Der größte Fehler ist Ungeduld. Value-Investing braucht Zeit. Es kann Jahre dauern, bis der Markt den wahren Wert eines Unternehmens erkennt. Wer nach ein paar Monaten enttäuscht verkauft, macht genau das Gegenteil von dem, was die Strategie vorsieht. Du musst bereit sein, Kursschwankungen auszuhalten, ohne in Panik zu geraten.
Der zweite Fehler ist, sich von Meinungen anderer leiten zu lassen. Freunde, Finanzblogger und Fernsehmoderatoren haben oft starke Meinungen, aber keine Ahnung von deiner finanziellen Situation. Du musst deine eigenen Entscheidungen treffen und sie mit Fakten untermauern. Nur so kannst du langfristig erfolgreich sein.
Der dritte Fehler ist die Überdiversifikation. Viele denken, sie brauchen 50 verschiedene Aktien, um sicher zu sein. Das ist falsch. Wenn du 50 Aktien kaufst, kennst du keine davon wirklich gut. Besser ist es, in 10 bis 15 Unternehmen zu investieren, die du intensiv analysiert hast. So hast du den Überblick und kannst bessere Entscheidungen treffen.
Der vierte Fehler ist, den Sicherheitsabstand zu ignorieren. Nur weil eine Aktie gefallen ist, ist sie noch lange nicht günstig. Du musst immer den inneren Wert berechnen und nur kaufen, wenn der Kurs deutlich darunter liegt. Wenn du das nicht tust, kaufst du vielleicht einen fallenden Stein, der noch viel tiefer sinkt.
Dein konkreter Fahrplan: So startest du dein erstes Value-Investment
Schritt eins: Lege ein Depot bei einer Bank deiner Wahl an. Achte auf niedrige Gebühren und eine benutzerfreundliche App. Du brauchst kein teures Beratungsgespräch, du machst das selbst. Sobald dein Depot eingerichtet ist, überweist du einen Betrag, dessen Verlust du dir leisten kannst, ohne deinen Lebensstil zu gefährden.
Schritt zwei: Suche nach Unternehmen, die du kennst und verstehst. Schau in deinen Alltag: Welche Produkte nutzt du täglich? Welche Marken überzeugen dich? Diese Liste ist dein Startpunkt. Notiere dir 10 bis 20 Unternehmen und beginne, deren Geschäftsberichte zu lesen. Du wirst überrascht sein, wie viel du lernst.
Schritt drei: Bewerte die Unternehmen anhand der Kennzahlen, die du gelernt hast. Vergleiche das KGV und das KBV mit der Konkurrenz. Achte auf stabile Gewinne und eine solide Bilanz. Erstelle eine Rangliste und wähle die 2 bis 3 besten Kandidaten aus. Warte dann auf einen guten Einstiegspunkt, also einen Kurs, der unter deinem geschätzten Wert liegt.
Schritt vier: Kaufe die Aktien und setze dir einen Erinnerungstermin, zum Beispiel einmal pro Quartal. Überprüfe dann, ob sich die Geschichte des Unternehmens verändert hat. Solange der innere Wert steigt und der Burggraben intakt ist, hältst du die Aktie. Verkaufe erst, wenn der Kurs deutlich über dem Wert liegt oder sich das Geschäftsmodell nachhaltig verschlechtert hat.
Die psychologischen Fallen: Wie du ruhig bleibst, wenn der Markt tobt
Selbst wenn du alle Kennzahlen beherrschst, wirst du an der Börse auf deine Emotionen treffen. Der Markt ist eine Maschine, die aus Angst und Gier besteht. Wenn die Kurse fallen, wirst du Angst haben. Wenn sie steigen, wirst du gierig. Beides ist gefährlich. Dein Vorteil ist, dass du einen Plan hast, der auf Fakten basiert.
Ein bewährtes Mittel gegen Panik ist die Vorbereitung. Schreibe dir auf, warum du eine Aktie gekauft hast. Wenn der Kurs fällt, liest du deine Notizen. Hat sich an den Fakten etwas geändert? Wenn Nein, dann ist der Kursabfall nur eine Marktschwankung, die du ignorieren kannst. Wenn Ja, dann ist es Zeit zu handeln.
Ein weiteres Mittel ist die Ablenkung. Schau nicht jeden Tag auf dein Depot. Die Börse ist ein Marathon, kein Sprint. Wer täglich auf den Kurs schaut, wird nervös und trifft dumme Entscheidungen. Lege dein Handy weg und beschäftige dich mit anderen Dingen. Dein Portfolio wird dir dankbar sein.
Und denke daran: Du bist nicht allein. Auch Profis machen Fehler und erleben Verluste. Der Unterschied ist, dass sie aus Fehlern lernen und weitermachen. Verkauf deine Aktien nicht bei der ersten Panik. Bleib ruhig, vertraue deiner Analyse und gib deinen Investments die Zeit, die sie brauchen.
Dein erster Schritt in ein neues Investorenleben
Du hast jetzt das Rüstzeug, um mit dem Value-Investing zu starten. Du weißt, dass es nicht um schnelles Geld geht, sondern um geduldiges Vermögensaufbau. Du kennst die wichtigsten Kennzahlen und die typischen Fehler. Jetzt liegt es an dir, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Der beste Zeitpunkt dafür ist heute.
Beginne klein, aber beginne. Du musst nicht sofort dein ganzes Erspartes investieren. Starte mit einem kleinen Betrag und sammle Erfahrung. Jede Aktie, die du kaufst, ist ein Lernprozess. Mit der Zeit wirst du sicherer und kannst größere Positionen aufbauen. Der Weg ist das Ziel.
Vergiss nicht, dass du für dich selbst investierst. Du tust das, um deine finanzielle Unabhängigkeit zu erhöhen und für das Alter vorzusorgen. Das ist ein wichtiges und lohnendes Ziel. Bleib diszipliniert, halte an deinem Plan fest und lass dich nicht von kurzfristigen Trends ablenken.
Du wirst sehen, dass Value-Investing nicht nur dein Konto füllt, sondern auch dein Wissen über Wirtschaft und Unternehmen erweitert. Du wirst die Nachrichten mit anderen Augen sehen und verstehen, warum Unternehmen erfolgreich sind oder scheitern. Das ist ein Gewinn, der über das Geld hinausgeht. Also, worauf wartest du? Fang an.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ja, die Strategie hat sich über viele Jahrzehnte bewährt. Auch wenn sich Märkte verändern, bleiben die Prinzipien von Geduld und Fundamentalanalyse gültig. Viele erfolgreiche Investoren wenden sie bis heute an.
Du kannst bereits mit kleinen Beträgen starten. Viele Banken erlauben den Kauf von Aktienbruchstücken. Wichtig ist, dass du die Gebühren im Blick behältst, damit sie deine Rendite nicht auffressen.
Du suchst nach Unternehmen mit stabilen Gewinnen, wenig Schulden und einem Wettbewerbsvorteil. Dann vergleichst du den Aktienkurs mit deiner Schätzung des inneren Werts. Liegt der Kurs deutlich darunter, hast du einen Kandidaten gefunden.
Growth-Investoren kaufen Aktien von Unternehmen mit hohem Wachstum, auch wenn sie teuer sind. Value-Investoren kaufen solide Unternehmen zum Schnäppchenpreis. Growth setzt auf die Zukunft, Value auf den aktuellen Wert.
Im Idealfall hältst du eine Aktie so lange, wie das Unternehmen seinen Wettbewerbsvorteil behält. Das können Jahre oder sogar Jahrzehnte sein. Verkaufe erst, wenn der Kurs den inneren Wert deutlich übersteigt oder sich die Fundamentaldaten verschlechtern.
Nein, das ist unrealistisch. Value-Investing ist eine langfristige Strategie. Du wirst keine Kurssprünge von rund 100 Prozent in einer Woche sehen. Dafür ist das Risiko geringer und die Rendite über viele Jahre hinweg solide.
Der 5-Minuten-Finanzkurs
Eine Mail pro Woche: Investieren, BAföG, erstes Investieren, ohne Fachchinesisch, ohne Verkaufsdruck.