Ratgeber · Investieren
Thesaurierender ETF für Rentner: So planst du deine Geldanlage im Ruhestand
Ein thesaurierender ETF kann auch nach dem Renteneintritt eine sinnvolle Ergänzung deiner Altersvorsorge sein. Entscheidend sind dein Anlagehorizont, deine Entnahmestrategie und der Umgang mit Kursschwankungen.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch und eignen sich für den langfristigen Vermögensaufbau.
- Für Rentner ist eine klare Entnahmestrategie wichtiger als die Frage nach dem perfekten ETF.
- Ein breit gestreuter Welt-ETF reduziert das Risiko im Vergleich zu Einzelaktien deutlich.
- Geld, das du in den nächsten zehn Jahren benötigst, gehört nicht in einen Aktien-ETF.
01 · Grundlagen
Was ist ein thesaurierender ETF?
Ein thesaurierender ETF schüttet keine Erträge aus, sondern legt Dividenden und Zinsen direkt wieder im Fonds an. Dadurch wächst dein investiertes Kapital ohne weiteres Zutun.
Bei einem thesaurierenden ETF verbleiben die laufenden Erträge wie Dividenden oder Zinsen im Fondsvermögen. Der Fonds kauft von diesem Geld neue Wertpapiere, wodurch der innere Wert deiner Anteile steigt, ohne dass du selbst aktiv werden musst.
Für dich als Rentnerin bedeutet das: Dein Kapital wächst im Hintergrund weiter, solange du keine Anteile verkaufst. Ein ausschüttender ETF würde dir die Erträge dagegen regelmäßig auf dein Konto überweisen.
Die Wiederanlage erfolgt automatisch im Fonds selbst, du musst dich um nichts kümmern.
Kurz erklärt
Thesaurierender ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds, der laufende Erträge wie Dividenden oder Zinsen nicht auszahlt, sondern automatisch reinvestiert. Das Fondsvermögen und damit der Wert deiner Anteile steigen.
Die Wiederanlage erfolgt im Fonds selbst, du musst dich um nichts kümmern.
02 · Vergleich
Thesaurierender oder ausschüttender ETF: Was passt im Ruhestand?
Beide Varianten haben ihre Berechtigung. Deine Wahl hängt davon ab, ob du regelmäßige Auszahlungen benötigst oder dein Vermögen weiter wachsen lassen willst.
Ein thesaurierender ETF eignet sich dann, wenn du dein Depot weiter wachsen lassen willst und nicht auf regelmäßige Zahlungen angewiesen bist. Du bestimmst selbst, wann und in welcher Höhe du Anteile verkaufst, um Geld zu entnehmen.
Ein ausschüttender ETF liefert dir dagegen einen planbaren Geldeingang, ohne dass du Verkäufe tätigen musst. Das kann den Alltag vereinfachen, wenn du eine feste monatliche Zusatzrente aus deinem Depot haben möchtest.
- Bei einem thesaurierenden ETF fällt kein Aufwand für das manuelle Reinvestieren an.
- Bei einem ausschüttenden ETF musst du die Ausschüttungen bei Bedarf selbst wieder anlegen.
- Für Rentner mit laufendem Geldbedarf kann ein ausschüttender ETF praktischer sein, für einen längeren Vermögenserhalt eher ein thesaurierender.
| Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF | |
|---|---|---|
| Ertragsverwendung | Automatische Wiederanlage im Fonds | Regelmäßige Auszahlung auf dein Konto |
| Aufwand | Kein Aufwand, kein manuelles Reinvestieren | Ausschüttungen müssen bei Bedarf manuell reinvestiert werden |
| Planbarkeit im Alter | Flexible Entnahme durch Verkauf von Anteilen | Regelmäßiger Geldeingang ohne Verkauf |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Altersvorsorge mit einem ETF-Sparplan
Ein ETF-Sparplan ist auch für Rentner eine Möglichkeit, regelmäßig kleine Beträge anzulegen. Wichtiger als der Sparplan ist im Ruhestand jedoch die Entnahmeplanung.
Für den Einstieg benötigst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Achte dabei auf niedrige Ordergebühren und möglichst eine kostenlose Ausführung von Sparplänen.
Wähle einen breit gestreuten Welt-ETF, der einen großen Marktindex wie den MSCI World oder FTSE All-World abbildet. Danach richtest du einen Sparplan mit einem festen Betrag ein, der monatlich oder vierteljährlich automatisch investiert wird.
- Eröffne ein Depot bei einem Anbieter mit günstigen Konditionen.
- Wähle einen breit gestreuten Welt-ETF für die langfristige Anlage.
- Richte einen Sparplan mit einem für dich passenden Betrag ein.
- Halte das Geld mindestens zehn, besser 15 Jahre im Depot, um Kursschwankungen auszusitzen.
Depot eröffnen
Du benötigst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Achte auf niedrige Ordergebühren und kostenlose Sparplanausführung.
ETF auswählen
Wähle einen breit gestreuten Welt-ETF, der einen großen Marktindex wie den MSCI World oder FTSE All-World abbildet.
Sparplan einrichten
Lege einen festen Betrag fest, der monatlich oder vierteljährlich automatisch in den ETF investiert wird. Das funktioniert auch mit kleinen Summen.
Langfristig investiert bleiben
Halte das Geld mindestens zehn, besser 15 Jahre im Depot. So kannst du Kursschwankungen aussitzen und von langfristigem Wachstum profitieren.
Entnahmestrategie festlegen
Plane, welche Summe du monatlich oder jährlich aus dem Depot entnimmst. Verkaufe Anteile in kleinen Schritten, um das Restkapital weiterarbeiten zu lassen.
04 · Was gilt
Welche Rolle spielt die Rentenlücke bei deiner Anlageentscheidung?
Die Rentenlücke beschreibt den Unterschied zwischen deiner gesetzlichen Rente und deinem tatsächlichen Bedarf im Alter. Sie zu kennen, ist die Grundlage für jede private Vorsorge.
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deiner gesetzlichen Rente und dem Betrag, den du monatlich für deinen Lebensstandard benötigst. Sie zu kennen, hilft dir einzuschätzen, wie viel Geld du aus deinem Depot entnehmen musst.
Zu deinem Bedarf zählen Ausgaben für Miete, Lebensmittel, Gesundheit und Freizeit. Auch inflationsbedingte Kaufkraftverluste deiner Rente und unvorhergesehene Kosten im Alter, etwa für Pflege oder Reparaturen, gehören in die Rechnung.
- Zählt zur Rentenlücke: die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und deinem monatlichen Bedarf.
- Zählt zur Rentenlücke: unvorhergesehene Kosten im Alter, etwa für Pflege oder Reparaturen.
- Zählt nicht zur Rentenlücke: eine bereits erhaltene Erbschaft, die du nicht für den Lebensunterhalt verwenden willst.
- Zählt nicht zur Rentenlücke: Einnahmen aus einem Nebenjob, den du nicht dauerhaft ausüben kannst.
Zählt zur Rentenlücke
Zählt nicht zur Rentenlücke
05 · Hintergrund
Breite Streuung: Warum ein Welt-ETF dein Risiko senkt
Ein ETF auf einen breiten Weltindex bündelt hunderte oder tausende Unternehmen aus vielen Ländern und Branchen. Das reduziert das Risiko, das mit einzelnen Aktien verbunden ist.
Ein Welt-ETF bildet die Wertentwicklung großer und mittelgroßer Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Fällt der Kurs eines einzelnen Unternehmens, wird das durch die vielen anderen Positionen im Fonds aufgefangen.
Für Rentner ist diese breite Streuung besonders wichtig, weil das Kapital nicht mehr durch jahrzehntelange Sparraten wieder aufgebaut werden kann. Ein Verlust durch eine riskante Einzelwette wiegt im Ruhestand schwerer als mit 30.
Die jährlichen Kosten eines breit gestreuten ETFs liegen oft bei etwa 0,2 bis 0,3 Prozent des angelegten Kapitals. Diese niedrige Gesamtkostenquote schmälert deine Rendite nur wenig.
Ein Welt-ETF bildet die Wertentwicklung großer und mittelgroßer Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Fällt der Kurs eines einzelnen Unternehmens, wird das durch die vielen anderen Positionen im Fonds aufgefangen.
Für Rentner ist diese breite Streuung besonders wichtig, weil das Kapital nicht mehr durch jahrzehntelange Sparraten wieder aufgebaut werden kann. Ein Verlust durch eine riskante Einzelwette wiegt im Ruhestand schwerer als mit 30.
Die jährlichen Kosten eines breit gestreuten ETFs liegen oft bei etwa 0,2 bis 0,3 Prozent des angelegten Kapitals. Diese niedrige Gesamtkostenquote schmälert deine Rendite nur geringfügig.
06 · Checkliste
Anlageziele im Ruhestand: Vererben oder aufbrauchen?
Deine persönlichen Ziele bestimmen, wie du mit deinem ETF-Depot umgehst. Willst du dein Kapital für dich nutzen oder soll ein Teil an die nächste Generation gehen?
Deine Anlagestrategie hängt davon ab, ob du dein Depot für dich selbst aufbrauchen oder einen Teil an die nächste Generation weitergeben willst. Beide Ziele verlangen unterschiedliche Entnahmeraten und eine andere Risikobereitschaft.
Wenn du vererben willst, kannst du einen Teil deines Depots langfristig investiert lassen und nur die Erträge oder einen kleinen Anteil entnehmen. Wenn du dein Kapital für dich nutzen willst, planst du eine höhere Entnahme über einen festen Zeitraum.
- Wie hoch ist deine monatliche Rentenlücke, die du aus dem Depot decken willst?
- Wie viel Geld benötigst du in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicher auf dem Tagesgeldkonto?
- Welcher Anteil deines Vermögens soll für dich selbst verfügbar sein?
- Möchtest du einen bestimmten Betrag an Kinder oder Enkel vererben?
- Wie wichtig ist dir Flexibilität bei unvorhergesehenen Ausgaben?
Fragen, die deine Anlagestrategie bestimmen
Wie hoch ist deine monatliche Rentenlücke, die du aus dem Depot decken willst?
Wie viel Geld benötigst du in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicher auf dem Tagesgeldkonto?
Welcher Anteil deines Vermögens soll für dich selbst verfügbar sein?
Möchtest du einen bestimmten Betrag an Kinder oder Enkel vererben?
Wie wichtig ist dir Flexibilität bei unvorhergesehenen Ausgaben?
Wie lange soll dein investiertes Kapital noch arbeiten, bevor du es antastest?
07 · Schritt für Schritt
Renteneintritt: So planst du die Entnahme aus deinem Depot
Mit dem Renteneintritt beginnt die Phase, in der aus dem Sparplan ein Auszahlplan wird. Eine durchdachte Entnahmestrategie schützt dich vor dem Risiko, in schlechten Börsenphasen zu viel zu verkaufen.
Halte Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre auf einem Tagesgeldkonto bereit. So vermeidest du Verkäufe in einer Marktschwäche und kannst Kurstäler aussitzen, ohne deinen Lebensstandard einzuschränken.
- Baue einen Sicherheitspuffer für die nächsten zwei bis drei Jahre auf.
- Lege eine jährliche Entnahmerate fest, zum Beispiel drei bis vier Prozent deines Startkapitals.
- Verkaufe zuerst Anteile mit geringen Gewinnen, um Steuern zu strecken.
- Nutze deinen Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Jahr aus.
- Überprüfe deine Entnahme einmal im Jahr und passe sie an die aktuelle Depotgröße an.
Sicherheitspuffer aufbauen
Halte Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre auf einem Tagesgeldkonto bereit. So vermeidest du Verkäufe in einer Marktschwäche.
Entnahmerate festlegen
Lege einen Prozentsatz deines Depotwerts fest, den du jährlich entnimmst. Eine Orientierung sind drei bis vier Prozent des Startkapitals pro Jahr.
Reihenfolge beachten
Verkaufe zuerst Anteile mit geringen Gewinnen, um Steuern zu strecken.
Regelmäßig überprüfen
Passe deine Entnahme einmal im Jahr an die aktuelle Depotgröße und deine Lebenssituation an.
08 · Was gilt
Tagesgeldkonto als Sicherheitsnetz für Rentner
Ein Tagesgeldkonto ist die wichtigste Ergänzung zu deinem ETF-Depot. Es schützt dich davor, in einer Börsenkrise Anteile mit Verlust verkaufen zu müssen.
Dort liegt Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre, für unvorhergesehene Ausgaben wie Reparaturen und für medizinische Kosten oder Pflege. So bleibt dein investiertes Kapital unangetastet, bis sich die Märkte erholt haben.
- Geeignet: Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre.
- Geeignet: Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben wie Reparaturen.
- Geeignet: Puffer für medizinische Kosten oder Pflege.
- Ungeeignet: langfristiger Vermögensaufbau über zehn Jahre oder mehr.
- Ungeeignet: Schutz vor Inflation bei größeren Summen.
Dafür geeignet
Dafür ungeeignet
09 · Fehler vermeiden
Kursschwankungen im Alter: So bleibst du ruhig
Aktien-ETFs schwanken im Wert. Für Rentner ist der richtige Umgang mit diesen Schwankungen entscheidend, um nicht in Panik zu verkaufen.
Aktien-ETFs schwanken im Wert. Für Rentner ist der richtige Umgang mit diesen Schwankungen entscheidend, um nicht in Panik zu verkaufen und Verluste zu realisieren.
Ein häufiger Fehler ist, bei fallenden Kursen aus Angst alle Anteile zu verkaufen. Ebenso riskant ist es, Geld zu investieren, das du in den nächsten Jahren sicher benötigst, oder die Entnahme in einer Marktschwäche nicht anzupassen.
- Verkaufe bei fallenden Kursen nicht aus Angst alle Anteile.
- Investiere kein Geld, das du in den nächsten Jahren sicher benötigst.
- Passe deine Entnahme in einer Marktschwäche an, um nicht zu viel zu verkaufen.
- Setze auf einen breiten ETF statt auf riskante Einzelaktien oder Branchenwetten.
- Unterschätze den Anlagehorizont nicht und steige nicht nach wenigen Jahren enttäuscht aus.
Typische Fehler im Umgang mit Kursschwankungen
10 · Hintergrund
Vererbung: So gibst du dein ETF-Depot weiter
Ein ETF-Depot lässt sich unkompliziert vererben. Wichtig ist, dass deine Erben wissen, dass es existiert und wie sie damit umgehen können.
Dein Depot geht im Erbfall auf die Erben über. Sie können die Anteile entweder verkaufen oder selbst weiterhalten. Ein Verkauf löst Steuern auf die erzielten Gewinne aus.
Wenn du dein Depot gezielt vererben willst, halte die Zugangsdaten und eine Übersicht deiner Anlagen an einem Ort fest, den deine Erben kennen. Ein Testament oder ein Erbvertrag kann die Verteilung klar regeln.
Für Erben gelten die gleichen steuerlichen Regeln wie für dich: Auf Kursgewinne fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an, zuzüglich Solidaritätszuschlag. Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei.
Dein Depot geht im Erbfall auf die Erben über. Sie können die Anteile entweder verkaufen oder selbst weiterhalten. Ein Verkauf löst Steuern auf die erzielten Gewinne aus.
Wenn du dein Depot gezielt vererben willst, halte die Zugangsdaten und eine Übersicht deiner Anlagen an einem Ort fest, den deine Erben kennen. Ein Testament oder ein Erbvertrag kann die Verteilung klar regeln.
11 · Im Vertrag
Steuern auf deinen thesaurierenden ETF im Ruhestand
Auch bei thesaurierenden ETFs fallen Steuern an, obwohl du keine Ausschüttungen erhältst. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass der Fiskus jährlich einen kleinen Anteil besteuert.
Pro Person und Jahr bleiben 1000 Euro an Kapitalerträgen steuerfrei. Bei Ehepaaren sind es zusammen 2000 Euro. Auf Erträge oberhalb dieses Freibetrags fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag.
- Sparer-Pauschbetrag: 1000 Euro pro Person und Jahr steuerfrei, 2000 Euro bei Ehepaaren.
- Abgeltungsteuer: 25 Prozent auf Kapitalerträge oberhalb des Freibetrags.
- Solidaritätszuschlag: 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer.
- Teilfreistellung: Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei.
- Vorabpauschale: Auch ohne Ausschüttung wird jährlich ein kleiner Anteil besteuert.
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