Thesaurierender ETF für Selbstständige: Dein Weg zur Altersvorsorge ohne Papierkram
Als Selbstständige:r musst du dich selbst um deine Altersvorsorge kümmern. Ein thesaurierender ETF kann dabei dein bester Verbündeter sein, denn er legt Zinsen und Dividenden automatisch wieder an. So wächst dein Vermögen mit wenig Aufwand und du kannst dich auf dein Geschäft konzentrieren.
Warum das Thema dich als Selbstständige:n direkt betrifft
Als Angestellte:r zahlst du automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Du als Selbstständige:r hast diesen Luxus in den meisten Fällen nicht. Du bist dein eigener Chef und gleichzeitig dein eigener Versicherer. Das bedeutet: Für dein Alter musst du selbst vorsorgen, sonst droht im Ruhestand ein massiver finanzieller Einbruch.
Vielleicht denkst du jetzt: 'Ich habe doch mein Unternehmen, das ist meine Altersvorsorge.' Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Dein Unternehmen kann scheitern, Märkte können sich ändern und du kannst krank werden. Eine private Altersvorsorge neben dem Unternehmen ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Die gute Nachricht: Du musst kein Finanzprofi sein, um effektiv vorzusorgen. Ein thesaurierender ETF ist ein Instrument, das genau für Menschen wie dich entwickelt wurde. Er ist flexibel, kostengünstig und du kannst jederzeit über dein Geld verfügen, falls du es für dein Unternehmen brauchst.
Der Staat unterstützt dich übrigens auch: Du kannst Beiträge zur Altersvorsorge steuerlich absetzen. Das senkt deine Steuerlast und macht das Sparen fürs Alter noch attraktiver. Ein Grund mehr, dich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen.
Was ist ein ETF und was bedeutet thesaurierend?
ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund, auf Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. Stell dir vor, du kaufst nicht eine einzelne Aktie, sondern ganz viele auf einmal. Ein ETF bündelt hunderte oder tausende verschiedene Aktien oder Anleihen in einem einzigen Wertpapier. So streust du dein Risiko, denn wenn eine Firma Pleite geht, ist das nur ein winziger Teil deines Investments.
Ein ETF bildet einen Index nach, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. Der Index ist wie eine Liste von Unternehmen, die nach bestimmten Regeln zusammengestellt wird. Wenn du einen ETF auf den MSCI World kaufst, investierst du automatisch in 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Das ist maximale Diversifikation.
Jetzt kommt der wichtige Teil: Was passiert mit den Dividenden? Dividenden sind Gewinnbeteiligungen, die Unternehmen an ihre Aktionäre ausschütten. Bei einem ausschüttenden ETF bekommst du diese Dividenden auf dein Konto ausgezahlt. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Dividenden automatisch wieder in den Fonds investiert, also thesauriert.
Das klingt unspektakulär, ist aber ein mächtiger Mechanismus. Durch die Wiederanlage kaufst du automatisch neue Anteile, ohne selbst aktiv zu werden. Dein Vermögen wächst also nicht nur durch die Kursgewinne, sondern auch durch die reinvestierten Dividenden. Das nennt man den Zinseszinseffekt.
So funktioniert der Zinseszinseffekt für dich
Der Zinseszinseffekt ist der wichtigste Grund, warum du früh mit dem Sparen anfangen solltest. Vereinfacht gesagt: Du bekommst nicht nur Zinsen auf dein eingezahltes Geld, sondern auch Zinsen auf die Zinsen. Bei einem thesaurierenden ETF funktioniert das genauso, nur mit Dividenden und Kursgewinnen.
Stell dir vor, du investierst 10.000 Euro und der Markt wächst im Schnitt um 7 Prozent pro Jahr. Im ersten Jahr gewinnst du 700 Euro. Im zweiten Jahr gewinnst du 7 Prozent auf 10.700 Euro, also 749 Euro. Das klingt nach wenig, aber über 20 oder 30 Jahre wird der Effekt enorm. Dein Geld arbeitet für dich, während du schläfst oder arbeitest.
Der thesaurierende ETF verstärkt diesen Effekt noch, weil die Dividenden sofort wieder investiert werden. Du musst nichts tun, der Fonds erledigt alles automatisch. Das ist perfekt für Selbstständige, die keine Zeit haben, sich täglich um ihre Finanzen zu kümmern.
Wichtig ist: Der Zinseszinseffekt braucht Zeit. Je früher du anfängst, desto stärker wirkt er. Selbst kleine Beträge können über Jahrzehnte zu einem beachtlichen Vermögen anwachsen. Ein monatlicher Sparplan von 200 Euro kann über 30 Jahre zu einem sechsstelligen Betrag führen, ohne dass du jemals mehr Geld einzahlst.
Kosten: Was ein thesaurierender ETF wirklich kostet
Kosten sind beim Investieren der größte Feind deiner Rendite. Deshalb sind ETFs so beliebt, weil sie im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds sehr günstig sind. Die laufenden Kosten eines ETFs, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), liegen meist unter 0,5 Prozent pro Jahr. Das klingt wenig, macht aber langfristig einen großen Unterschied.
Zusätzlich zur TER fallen bei manchen ETFs noch Transaktionskosten an, wenn der Fonds Wertpapiere kauft oder verkauft. Diese Kosten sind in der Regel aber sehr gering und werden von der Fondsgesellschaft bezahlt. Für dich als Anleger:in ist die TER der wichtigste Kostenfaktor, den du vergleichen solltest.
Beim Kauf und Verkauf von ETFs zahlst du außerdem eine Ordergebühr an deine Bank oder deinen Broker. Diese Gebühr ist einmalig und hängt vom Anbieter ab. Viele Neobroker bieten mittlerweile sogar kostenlose Sparpläne an, bei denen du keine Ordergebühr zahlst. Das senkt die Einstiegshürde enorm.
Wichtig zu wissen: Ein thesaurierender ETF ist nicht teurer als ein ausschüttender. Die Thesaurierung ist ein interner Vorgang, der keine zusätzlichen Kosten verursacht. Du solltest also nicht aus Kostengründen auf einen ausschüttenden ETF ausweichen, wenn du eigentlich thesaurieren möchtest.
Darauf solltest du bei der Auswahl achten
Nicht alle thesaurierenden ETFs sind gleich. Der wichtigste Unterschied liegt im zugrunde liegenden Index. Ein ETF auf den MSCI World ist breit gestreut und gilt als solide Basis. Ein ETF auf den DAX ist dagegen auf 40 deutsche Unternehmen beschränkt und damit riskanter. Für den Einstieg empfehlen sich breit aufgestellte Weltindizes.
Achte auf die Fondsgröße, das sogenannte Fondsvolumen. Ein ETF mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro ist etabliert und hat in der Regel einen engen Spread, also geringe Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Das spart dir Geld bei jedem Handel. Kleine Fonds können dagegen illiquide sein.
Die Wahl der Replikationsmethode ist ebenfalls relevant. Physische ETFs kaufen die Aktien wirklich, synthetische ETFs bilden den Index über Derivate nach. Für Einsteiger sind physische ETFs oft verständlicher und gelten als sicherer. Die meisten großen ETFs sind physisch repliziert.
Vergiss nicht, auf die Währung zu achten. Viele Welt-ETFs sind in US-Dollar notiert, aber in Euro handelbar. Das ist kein Problem, solange du dir der Wechselkursrisiken bewusst bist. Es gibt aber auch Euro-hedged Varianten, die das Währungsrisiko absichern. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist das meist nicht nötig.
Typische Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest
Der größte Fehler ist, gar nicht erst anzufangen. Viele Selbstständige schieben das Thema Altersvorsorge ewig auf, weil sie denken, sie hätten später noch Zeit. Aber jeder Monat, den du wartest, kostet dich wertvollen Zinseszinseffekt. Starte sofort, auch wenn es nur mit kleinen Beträgen ist.
Der zweite Fehler ist, auf den falschen Zeitpunkt zu warten. 'Ich kaufe erst, wenn der Markt fällt' ist ein Klassiker. Niemand kann den Markt timen, auch Profis nicht. Besser ist es, regelmäßig per Sparplan zu kaufen. So kaufst du automatisch mal bei hohen und mal bei niedrigen Kursen und mittelst deinen Einstiegspreis.
Ein weiterer Fehler ist, bei einem Kurseinbruch panisch zu verkaufen. Der Aktienmarkt schwankt, das ist normal. Wenn du einen breit gestreuten Welt-ETF besitzt, sind kurzfristige Verluste nur Papierverluste. Solange du nicht verkaufst, hast du nichts verloren. Halte durch und vertraue auf den langfristigen Trend.
Viele vergessen auch, ihr Portfolio zu diversifizieren. Ein einzelner ETF auf einen Sektor wie Technologie ist riskant. Besser ist ein Mix aus verschiedenen Indizes oder ein einziger breiter Welt-ETF. Und vergiss nicht: Ein Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto gehört immer dazu, damit du im Notfall nicht deine ETF-Anteile verkaufen musst.
Dein konkreter Fahrplan in 5 Schritten
Schritt 1: Kläre deine finanzielle Basis. Bevor du in ETFs investierst, solltest du einen Notgroschen von etwa drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto haben. Das schützt dich davor, im Notfall deine Wertpapiere verkaufen zu müssen. Ohne dieses Sicherheitsnetz solltest du nicht investieren.
Schritt 2: Wähle einen Broker. Es gibt viele Anbieter in Deutschland, von klassischen Banken bis zu Neobrokern. Achte auf geringe oder keine Ordergebühren für Sparpläne und eine benutzerfreundliche Oberfläche. Ein Depot eröffnest du in der Regel online in wenigen Minuten.
Schritt 3: Entscheide dich für einen ETF. Für den Anfang empfehle ich einen breit aufgestellten thesaurierenden Welt-ETF, zum Beispiel auf den MSCI World oder den FTSE All-World. Achte auf ein hohes Fondsvolumen und eine geringe TER. Du kannst auch zwei verschiedene ETFs kombinieren, musst du aber nicht.
Schritt 4: Richte einen Sparplan ein. Lege fest, wie viel du monatlich investieren kannst und willst. Schon 100 Euro pro Monat sind ein guter Anfang. Du kannst den Betrag jederzeit anpassen. Der Sparplan kauft automatisch Anteile, sobald das Geld auf deinem Verrechnungskonto ist.
Schritt 5: Lass es laufen und überprüfe regelmäßig. Du musst nicht täglich auf dein Depot schauen, aber einmal im Jahr solltest du deine Strategie überprüfen. Passt der Sparplan noch zu deiner Lebenssituation? Musst du den Betrag erhöhen? Ansonsten gilt: Einfach laufen lassen und vom Zinseszinseffekt profitieren.
Steuern und Selbstständigkeit: Das musst du wissen
Als Selbstständige:r bist du es gewohnt, dich um Steuern zu kümmern. Bei ETFs ist das nicht anders, aber es ist einfacher als viele denken. In Deutschland gilt die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge. Das bedeutet: Auf Dividenden und Kursgewinne zahlst du 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Du hast einen jährlichen Sparerpauschbetrag, bis zu dem deine Kapitalerträge steuerfrei sind. Diesen Freibetrag solltest du unbedingt bei deiner Bank einrichten, sonst zahlst du unnötig Steuern. Ein Freistellungsauftrag genügt, um den Betrag zu nutzen. Alles darüber hinaus wird automatisch von der Bank versteuert.
Ein Vorteil von thesaurierenden ETFs ist, dass du dir keine Gedanken um die Wiederanlage von Dividenden machen musst. Bei ausschüttenden ETFs müsstest du die Dividenden selbst reinvestieren und dabei wieder Transaktionskosten zahlen. Bei der Thesaurierung passiert das automatisch und steuerlich effizient.
Wichtig für Selbstständige: Deine privaten ETF-Investments haben nichts mit deinem Unternehmen zu tun. Sie sind privates Vermögen und werden auch so besteuert. Du kannst die Beiträge zwar nicht als Betriebsausgaben absetzen, aber du kannst sie im Rahmen der Altersvorsorge steuerlich geltend machen. Sprich am besten mit deinem Steuerberater über die konkreten Möglichkeiten.
Langfristig denken: Dein Vermögen über Jahrzehnte aufbauen
Ein thesaurierender ETF ist kein schnelles Geschäft, sondern ein Langzeitprojekt. Die durchschnittliche Rendite des Aktienmarktes liegt historisch bei etwa 6 bis 8 Prozent pro Jahr. Das klingt nicht spektakulär, aber über 30 Jahre macht das aus 100 Euro monatlich ein Vermögen von über 100.000 Euro.
Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld und Disziplin. Es wird Jahre geben, in denen dein Depot im Minus ist. Das ist normal und gehört dazu. Wichtig ist, dass du dann nicht verkaufst, sondern deinen Sparplan fortsetzt. In der Vergangenheit hat sich der Markt von jeder Krise erholt und neue Höchststände erreicht.
Als Selbstständige:r hast du einen Vorteil: Du kannst flexibel auf deine Einnahmen reagieren. In guten Monaten kannst du mehr in deinen Sparplan einzahlen, in schlechten Monaten weniger. Das macht den ETF zu einem idealen Instrument für unregelmäßige Einkommen.
Denke daran: Dein ETF ist dein persönlicher Pensionsfonds. Er gehört dir, du kannst ihn jederzeit auflösen und du bist nicht von der Insolvenz eines Versicherers abhängig. Das ist ein hohes Maß an Freiheit und Kontrolle, das du als Selbstständige:r zu schätzen weißt. Starte noch heute, dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ein ausschüttender ETF zahlt dir die Dividenden regelmäßig auf dein Konto aus. Ein thesaurierender ETF legt diese Erträge automatisch wieder an, indem er neue Anteile kauft. Dadurch wächst dein Vermögen schneller, ohne dass du etwas tun musst.
Ja, absolut. Ein ETF-Sparplan ist die einfachste und flexibelste Art, als Selbstständige:r vorzusorgen. Du kannst den Betrag monatlich anpassen, pausieren oder erhöhen. Es gibt keine Mindestlaufzeit und du kannst jederzeit über dein Geld verfügen.
Das hängt von deiner finanziellen Situation ab. Als Faustregel gilt: Investiere so viel, wie du langfristig entbehren kannst. Schon 50 bis 100 Euro pro Monat sind ein guter Start. Wichtig ist, dass du regelmäßig investierst und nicht aussetzt.
Es gibt keinen 'besten' ETF, aber breit aufgestellte Welt-ETFs wie auf den MSCI World oder den FTSE All-World gelten als solide Basis. Sie streuen dein Risiko über viele Länder und Unternehmen. Achte auf ein hohes Fondsvolumen und eine geringe Kostenquote.
Ja, auf Kapitalerträge fällt die Abgeltungsteuer an. Du hast aber einen jährlichen Sparerpauschbetrag, bis zu dem deine Erträge steuerfrei sind. Diesen solltest du bei deiner Bank einrichten. Alles darüber hinaus wird automatisch versteuert.
Dein ETF ist Sondervermögen und gehört dir, nicht der Fondsgesellschaft. Selbst wenn die Fondsgesellschaft Pleite geht, bleibt dein Vermögen geschützt. Du kannst deine Anteile jederzeit verkaufen und auf ein anderes Konto übertragen.
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