Staatsanleihen Risiko: So schätzt du die Sicherheit richtig ein
Staatsanleihen gelten als sichere Geldanlage, doch ganz ohne Risiko sind sie nicht. Wir erklären dir, welche Risiken wirklich existieren, wie du sie erkennst und warum das Thema auch dich betrifft, wenn du Geld anlegst oder fürs Alter sparst.
Warum dich das Thema Staatsanleihen Risiko betrifft
Vielleicht hast du schon einmal gehört, dass Staatsanleihen eine sichere Geldanlage sein sollen. Banken und Finanzberater empfehlen sie oft als Basis für ein konservatives Depot. Doch was bedeutet das konkret für dich? Wenn du Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen hast oder in Fonds sparst, sind Staatsanleihen oft unbemerkt mit dabei. Sie stecken in vielen Mischfonds und Altersvorsorgeprodukten.
Das Thema ist also nicht nur etwas für Börsenprofis. Wenn du einen Sparplan besparst oder eine Lebensversicherung hast, hältst du indirekt oft Staatsanleihen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, welche Risiken damit verbunden sind. Nur so kannst du einschätzen, ob dein Geld wirklich so sicher ist, wie man dir vielleicht gesagt hat.
Ein weiterer Grund: Die Zeiten ändern sich. In den letzten Jahren gab es Phasen mit sehr niedrigen Zinsen, aber auch Phasen mit steigender Inflation. Beides hat Einfluss auf den Wert von Staatsanleihen. Wenn du dich nicht auskennst, könntest du falsche Schlüsse ziehen und dein Geld unnötig riskieren oder Rendite verschenken.
Dieser Ratgeber hilft dir, das Thema von Grund auf zu verstehen. Du lernst, welche Risiken real sind und welche eher theoretischer Natur. Am Ende weißt du, worauf du achten musst, wenn du in Staatsanleihen investieren möchtest oder ob du sie lieber meiden solltest. Das Ziel ist, dass du fundierte Entscheidungen treffen kannst, ohne ein Finanzexperte zu sein.
Was sind Staatsanleihen überhaupt? Einfach erklärt
Staatsanleihen sind Schuldscheine eines Staates. Wenn der Staat Geld braucht, gibt er Anleihen aus. Du als Käufer leihst dem Staat also dein Geld für einen bestimmten Zeitraum. Im Gegenzug bekommst du Zinsen und am Ende der Laufzeit dein eingesetztes Kapital zurück. Das ist das Grundprinzip, ähnlich wie bei einem Kredit, nur dass du der Gläubiger bist.
Der Staat verspricht dir also, dass du dein Geld zurückbekommst. Dieses Versprechen nennt man auch Bonität. Bei Ländern wie Deutschland gilt dieses Versprechen als sehr zuverlässig. Deshalb gelten deutsche Staatsanleihen, auch Bundesanleihen genannt, als besonders sicher. Das bedeutet aber nicht, dass es keinerlei Risiko gibt.
Es gibt verschiedene Arten von Staatsanleihen. Sie unterscheiden sich in der Laufzeit, also wie lange du dein Geld verleihst. Es gibt kurzlaufende Papiere mit Laufzeiten von wenigen Monaten und langlaufende mit Laufzeiten von 10, 20 oder sogar 30 Jahren. Auch die Zinszahlungen können unterschiedlich sein. Manche Anleihen zahlen regelmäßig Zinsen, andere nicht.
Der Preis einer Anleihe wird an der Börse bestimmt. Er kann steigen und fallen, genau wie bei Aktien. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele Anfänger nicht verstehen. Der Nennwert, also der Betrag, den du am Ende zurückbekommst, ist fest. Aber der Kurs, zu dem du die Anleihe kaufen oder verkaufen kannst, schwankt. Diese Schwankungen sind ein zentrales Risiko.
Das Zinsänderungsrisiko: Wenn der Markt sich dreht
Das Zinsänderungsrisiko ist das wichtigste Risiko bei Staatsanleihen. Es beschreibt die Gefahr, dass der Kurs einer Anleihe fällt, wenn die allgemeinen Zinsen am Markt steigen. Das klingt kompliziert, ist aber mit einem einfachen Beispiel zu verstehen. Stell dir vor, du kaufst eine Anleihe mit 2 Prozent Zinsen. Kurz danach steigen die Marktzinsen auf 4 Prozent.
Neue Anleihen bieten jetzt also 4 Prozent Zinsen. Deine Anleihe mit nur 2 Prozent wird dadurch weniger attraktiv. Wenn du sie verkaufen willst, bekommst du weniger Geld dafür, weil andere Anleger die besseren Konditionen der neuen Anleihen bevorzugen. Der Kurs deiner Anleihe fällt also. Wenn du sie bis zum Ende der Laufzeit hältst, bekommst du zwar dein Geld zurück, aber zwischenzeitlich ist der Wert gesunken.
Wie stark der Kurs fällt, hängt von der Restlaufzeit ab. Je länger die Laufzeit, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen. Eine Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit kann bei steigenden Zinsen deutlich an Wert verlieren. Eine Anleihe mit 2 Jahren Laufzeit ist davon kaum betroffen. Das ist ein wichtiger Zusammenhang, den du dir merken solltest.
Für dich als Anleger bedeutet das: Wenn du eine Anleihe vor dem Ende der Laufzeit verkaufen musst, kannst du Verluste machen. Wenn du sie aber bis zum Ende hältst, bekommst du den vollen Nennwert zurück, sofern der Staat nicht pleitegeht. Das Zinsänderungsrisiko ist also vor allem ein Risiko für Verkäufer vor dem Laufzeitende.
Inflationsrisiko: Die heimliche Gefahr für dein Geld
Das Inflationsrisiko ist eine weitere Gefahr, die oft unterschätzt wird. Inflation bedeutet, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen. Dein Geld verliert dadurch an Kaufkraft. Wenn du also eine Anleihe mit 2 Prozent Zinsen hältst, die Inflation aber bei 3 Prozent liegt, verlierst du real gesehen Geld. Dein Vermögen schrumpft, obwohl du Zinsen bekommst.
Staatsanleihen bieten keinen Schutz vor Inflation. Der Nennwert, den du am Ende zurückbekommst, ist fest in Euro. Mit diesem Euro kannst du dann aber weniger kaufen als zu dem Zeitpunkt, als du die Anleihe gekauft hast. Das ist besonders bei langlaufenden Anleihen ein Problem, weil die Inflation über viele Jahre hinweg stark ansteigen kann.
Es gibt spezielle Anleihen, die einen Inflationsschutz bieten, die sogenannten inflationsindexierten Anleihen. Bei diesen wird der Rückzahlungsbetrag an die Inflation angepasst. Allerdings sind diese Papiere komplexer und oft weniger bekannt. Für Einsteiger sind sie meist nicht die erste Wahl, aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt.
Das Inflationsrisiko betrifft nicht nur Staatsanleihen, sondern alle Geldanlagen mit festen Zinsen. Auch Tagesgeld oder Festgeld sind davon betroffen. Der Unterschied ist, dass du bei diesen Produkten flexibler reagieren kannst. Bei langlaufenden Anleihen bist du über Jahre an die Konditionen gebunden, was das Risiko erhöht.
Bonitätsrisiko: Kann ein Staat pleitegehen?
Das Bonitätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein Staat seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Das klingt bei Ländern wie Deutschland unwahrscheinlich, ist aber in der Geschichte immer wieder vorgekommen. Länder wie Argentinien oder Griechenland haben in der Vergangenheit Zahlungsausfälle erlebt. Anleger haben dabei einen Teil ihres Geldes verloren.
Für deutsche Staatsanleihen ist dieses Risiko sehr gering. Deutschland gilt als einer der kreditwürdigsten Staaten der Welt. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zahlungsunfähigkeit als extrem niedrig eingeschätzt wird. Trotzdem solltest du wissen, dass es dieses Risiko gibt. Es ist nicht null, auch wenn es sehr klein ist.
Wenn du in Staatsanleihen anderer Länder investierst, ist das Bonitätsrisiko oft höher. Länder mit schwächerer Wirtschaft oder hoher Verschuldung zahlen höhere Zinsen, um Anleger anzulocken. Diese höheren Zinsen sind der Preis für das höhere Risiko. Du musst also abwägen, ob du für etwas mehr Rendite ein höheres Ausfallrisiko in Kauf nehmen willst.
Für Einsteiger ist es ratsam, sich auf Anleihen von Ländern mit sehr guter Bonität zu konzentrieren, wenn überhaupt. Dazu gehören neben Deutschland zum Beispiel auch die Niederlande oder die Schweiz. Anleihen von Schwellenländern können zwar höhere Renditen bieten, sind aber deutlich riskanter und nichts für Anfänger.
Kosten und Gebühren: Was Staatsanleihen wirklich kosten
Beim Kauf von Staatsanleihen fallen Kosten an, die du kennen solltest. Wenn du Anleihen direkt über deine Bank kaufst, zahlst du in der Regel eine Ordergebühr. Diese kann je nach Bank unterschiedlich hoch sein. Es gibt auch Online-Broker, die günstigere Konditionen anbieten. Es lohnt sich, die Gebühren zu vergleichen, bevor du kaufst.
Zusätzlich gibt es den sogenannten Spread. Das ist der Unterschied zwischen dem Kauf- und dem Verkaufspreis einer Anleihe. Dieser Spread ist eine versteckte Gebühr, die du beim Kauf und Verkauf zahlst. Bei sehr liquiden Anleihen, wie deutschen Bundesanleihen, ist der Spread meist klein. Bei weniger gehandelten Anleihen kann er aber deutlich höher sein.
Wenn du in Staatsanleihen über einen Fonds oder ETF investierst, fallen laufende Kosten an. Diese werden als Gesamtkostenquote bezeichnet und von der Fondsgesellschaft jährlich abgezogen. Diese Kosten sind in der Regel niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds, aber sie schmälern trotzdem deine Rendite. Du solltest sie also immer im Blick haben.
Wichtig ist, dass du die Kosten nicht unterschätzt. Sie können über die Jahre einen erheblichen Teil deiner Rendite auffressen. Gerade bei Anleihen, die aktuell nur geringe Zinsen abwerfen, machen hohe Gebühren die Anlage schnell unattraktiv. Vergleiche daher immer die Gesamtkosten, bevor du dich für ein Produkt entscheidest.
Worauf du beim Kauf achten solltest: Ein Leitfaden
Bevor du Staatsanleihen kaufst, solltest du dir über deine Ziele klar werden. Willst du Geld für einen bestimmten Zeitraum sicher anlegen? Oder suchst du eine langfristige Anlage für die Altersvorsorge? Deine Antwort bestimmt, welche Laufzeit und welche Art von Anleihe für dich geeignet ist. Eine kurze Laufzeit bedeutet weniger Kursschwankungen, aber auch weniger Rendite.
Achte auf die Bonität des Staates. Je besser die Bonität, desto sicherer ist deine Anlage. Du kannst die Bonität bei Rating-Agenturen wie Standard & Poor's oder Moody's nachschlagen. Diese bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten mit Noten wie AAA oder AA. Ein hohes Rating bedeutet ein geringes Ausfallrisiko.
Überlege, ob du einzelne Anleihen kaufen möchtest oder ob ein Anleihen-ETF besser für dich ist. Ein ETF bündelt viele verschiedene Anleihen und reduziert so das Risiko, dass ein einzelner Ausfall dein Portfolio stark trifft. Für Einsteiger sind ETFs oft die einfachere und günstigere Lösung. Du musst dich nicht um einzelne Laufzeiten kümmern.
Informiere dich über die aktuelle Zinsentwicklung. Wenn die Zinsen voraussichtlich steigen, sind kurze Laufzeiten besser, weil sie weniger an Wert verlieren. Wenn die Zinsen fallen, profitieren langlaufende Anleihen von Kursgewinnen. Eine Prognose ist aber schwierig. Als Anfänger solltest du nicht versuchen, den Markt zu timen, sondern auf eine breite Streuung setzen.
Typische Fehler, die du vermeiden solltest
Ein häufiger Fehler ist, Staatsanleihen als völlig risikofrei zu betrachten. Das sind sie nicht, wie du inzwischen weißt. Wer das ignoriert, kann böse Überraschungen erleben, wenn die Kurse fallen. Es ist wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein, auch wenn sie bei deutschen Anleihen gering sind.
Ein weiterer Fehler ist, zu lange Laufzeiten zu wählen, ohne die Zinsentwicklung zu beachten. Wenn du eine 30-jährige Anleihe kaufst und die Zinsen steigen, verlierst du schnell an Wert. Das kann besonders schmerzhaft sein, wenn du das Geld vor dem Ende der Laufzeit brauchst. Wähle die Laufzeit immer passend zu deinem Anlagehorizont.
Viele Anleger vergessen auch die Inflation. Sie schauen nur auf die nominalen Zinsen und merken nicht, dass ihre Kaufkraft schrumpft. Eine Anleihe mit 1 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist eine schlechte Anlage. Du solltest immer die reale Rendite betrachten, also die Rendite nach Abzug der Inflation.
Schließlich solltest du nicht alles auf eine Karte setzen. Auch wenn Staatsanleihen sicher sind, ist es ratsam, dein Geld zu streuen. Eine Mischung aus verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Tagesgeld kann das Risiko reduzieren und die Renditechancen verbessern. Ein Klumpenrisiko in nur einer Anlageform ist selten eine gute Idee.
Deine nächsten Schritte: So gehst du konkret vor
Der erste Schritt ist, deine finanzielle Situation zu analysieren. Überlege, wie viel Geld du langfristig anlegen kannst und ob du es dir leisten kannst, dieses Geld für mehrere Jahre nicht anzufassen. Nur Geld, das du nicht kurzfristig brauchst, eignet sich für Anleihen mit langer Laufzeit. Ein Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto sollte immer vorhanden sein.
Informiere dich dann über die verschiedenen Produkte. Lies die Factsheets von Anleihen-ETFs und vergleiche die Kosten. Du kannst auch bei deiner Bank nachfragen, welche Staatsanleihen sie anbietet und welche Gebühren anfallen. Nimm dir Zeit für diese Recherche, denn eine gute Entscheidung basiert auf guter Information.
Wenn du dich für eine Anlage entscheidest, starte klein. Du musst nicht sofort eine große Summe investieren. Du kannst mit einem kleineren Betrag beginnen und dich langsam an das Thema herantasten. So lernst du, wie sich die Kurse entwickeln, ohne ein großes Risiko einzugehen. Ein Sparplan auf einen Anleihen-ETF kann eine gute Möglichkeit sein.
Überwache deine Anlage regelmäßig, aber nicht zu häufig. Ein Blick pro Quartal reicht aus, um zu sehen, ob sich etwas Wesentliches geändert hat. Reagiere nicht auf kurzfristige Schwankungen, sondern behalte dein langfristiges Ziel im Auge. Wenn du unsicher bist, hole dir professionellen Rat, aber hinterfrage auch die Empfehlungen kritisch.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Nur wenn der Staat zahlungsunfähig wird. Bei deutschen Anleihen ist das sehr unwahrscheinlich. Du kannst aber einen Teil deines Geldes verlieren, wenn du vor dem Laufzeitende verkaufst und die Kurse gefallen sind.
Das hängt von deinen Zielen ab. Tagesgeld ist flexibler und du kannst jederzeit an dein Geld. Staatsanleihen bieten oft etwas höhere Zinsen, aber auch ein Kursrisiko. Für kurzfristige Anlagen ist Tagesgeld besser geeignet.
Eine Anleihe ist ein einzelnes Wertpapier eines Staates. Ein ETF ist ein Korb aus vielen Anleihen. Mit einem ETF streust du dein Risiko besser und musst dich nicht um einzelne Laufzeiten kümmern.
Du kannst Staatsanleihen über deine Bank oder einen Online-Broker kaufen. Du brauchst dafür ein Wertpapierdepot. Alternativ kannst du in Anleihen-ETFs investieren, die du wie Aktien an der Börse handeln kannst.
Ja, in der Regel schon. Die Bonität anderer Länder kann schlechter sein als die Deutschlands. Zudem kommt ein Währungsrisiko hinzu, wenn die Anleihe in einer anderen Währung ausgegeben wird. Für Einsteiger sind deutsche Anleihen oder Euro-Anleihen besser geeignet.
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