Ratgeber · Investieren
Small-Cap-ETFs: So funktioniert die Beimischung von Nebenwerten
Ein Small-Cap-ETF bündelt Aktien kleinerer Unternehmen, die in klassischen Welt-ETFs oft fehlen. Mit dieser Beimischung deckst du die gesamte Marktbreite ab und setzt gezielt auf das Wachstumspotenzial von Nebenwerten.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Small-Caps sind nach Marktkapitalisierung kleine Unternehmen, die bei MSCI die kleinsten 14 Prozent des Aktienmarktes ausmachen.
- Ein Small-Cap-ETF bildet einen Index wie den MSCI World Small-Cap-Index ab und erhöht die Diversifikation deines Portfolios.
- Nebenwerte gelten als schwankungsanfälliger, bieten historisch aber eine höhere Rendite als Large-Caps.
- Für ein marktneutrales Weltportfolio kannst du Small-Caps über einen IMI-ETF oder einen separaten Small-Cap-ETF beimischen.
01 · Grundlagen
Was ist ein Small-Cap-ETF?
Ein Small-Cap-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der ausschließlich Aktien kleiner Unternehmen enthält. Die Abgrenzung erfolgt über die Marktkapitalisierung, also den Börsenwert der Unternehmen.
Ein Small-Cap-ETF bildet einen Index nach, der ausschließlich aus Nebenwerten besteht. Diese Unternehmen gehören gemessen an ihrem Börsenwert zu den kleineren börsennotierten Gesellschaften einer Region, sind aber keine Start-ups oder Kleinstfirmen. Die größte Position im MSCI World Small-Cap bringt es beispielsweise auf rund 15 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.
Der ETF streut dein Anlagerisiko über hunderte oder tausende kleine Aktiengesellschaften, statt auf einzelne Nebenwerte zu setzen. Damit nutzt du die Dynamik kleinerer Unternehmen, ohne das Risiko einer Einzelaktie tragen zu müssen.
Small-Caps sind nach MSCI-Definition die kleinsten 14 Prozent der börsennotierten Unternehmen einer Region.
Kurz erklärt
Small-Cap-ETF
Ein ETF, der einen Index aus Nebenwerten abbildet. Diese Unternehmen gehören gemessen an ihrer Marktkapitalisierung zu den kleineren börsennotierten Gesellschaften einer Region.
Der ETF streut das Anlagerisiko über hunderte oder tausende kleine Aktiengesellschaften, statt auf einzelne Nebenwerte zu setzen.
02 · Vergleich
Wie grenzt MSCI Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps ab?
Die Einteilung nach Unternehmensgröße ist nicht einheitlich. Der Indexanbieter MSCI nutzt eine klare prozentuale Verteilung der Marktkapitalisierung innerhalb einer Region.
Die größten 70 Prozent der Aktiengesellschaften zählen zu den Large-Caps, die darauffolgenden 15 Prozent zu den Mid-Caps. Die nächsten 14 Prozent bilden die Small-Caps, womit die Indexfamilie insgesamt 99 Prozent der Marktkapitalisierung abdeckt.
Die kleinsten 1 Prozent aller Unternehmen gelten als Micro Caps. Sie sind wegen ihrer geringen Börsenliquidität und der hohen Anzahl kaum sinnvoll in einem Index abzubilden. Der Begriff Small-Cap ist zudem relativ: Während die größte Position im MSCI World Small-Cap etwa 15 Milliarden Euro wert ist, kommt die größte Aktie im deutschen SDAX nur auf rund 2 Milliarden Euro.
- Large-Caps umfassen die nach Marktkapitalisierung größten 70 Prozent der Aktiengesellschaften.
- Mid-Caps decken die darauffolgenden 15 Prozent ab.
- Small-Caps sind die nächsten 14 Prozent der börsennotierten Unternehmen.
| Large-Caps | Mid-Caps | Small-Caps | |
|---|---|---|---|
| Anteil an der Marktkapitalisierung | |||
| Typische Indexzugehörigkeit | |||
| Beispiel für größte enthaltene Position |
03 · Hintergrund
Warum gehören Small-Caps in ein Weltportfolio?
Ein klassischer MSCI World ETF deckt nur Large und Mid-Caps ab. Wer den gesamten Markt neutral abbilden will, muss die fehlenden Nebenwerte ergänzen.
Der MSCI World und der MSCI Emerging Markets bilden jeweils 85 Prozent der Marktkapitalisierung ihrer Region ab. Small-Caps sind in diesen Indizes nicht enthalten. Da Nebenwerte nach MSCI-Definition 14 Prozent zur weltweiten Marktkapitalisierung beitragen, fehlt dir ohne sie ein relevanter Teil des Börsengeschehens.
Ein Portfolio ohne Small-Caps ist bei strenger Auslegung eine aktive Wette gegen diese Anlageklasse. Mit einem Small-Cap-ETF oder einem IMI-Index, der Large, Mid und Small-Caps kombiniert, stellst du die Marktneutralität deines Portfolios her.
Ohne Nebenwerte fehlen dir 14 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung in deinem Portfolio.
Der MSCI World und der MSCI Emerging Markets bilden jeweils 85 Prozent der Marktkapitalisierung ihrer Region ab. Small-Caps sind in diesen Indizes nicht enthalten. Da Nebenwerte nach MSCI-Definition 14 Prozent zur weltweiten Marktkapitalisierung beitragen, fehlt dir ohne sie ein relevanter Teil des Börsengeschehens.
Ein Portfolio ohne Small-Caps ist bei strenger Auslegung eine aktive Wette gegen diese Anlageklasse. Mit einem Small-Cap-ETF oder einem IMI-Index, der Large, Mid und Small-Caps kombiniert, stellst du die Marktneutralität deines Portfolios her.
04 · Checkliste
Welche Vorteile bietet ein Small-Cap-ETF?
Nebenwerte erweitern dein Portfolio um tausende Unternehmen und verbessern die Streuung. Gleichzeitig setzt du auf einen historisch renditestarken Faktor.
Mit einem Small-Cap-ETF erweiterst du dein Portfolio um mehrere tausend Unternehmen, die in klassischen Weltindizes nicht vorkommen. Das verbessert die Diversifikation, weil du nicht nur auf die Entwicklung großer Konzerne setzt. Eine Studie der Universität Mannheim kommt zu dem Ergebnis, dass Nebenwerte das Risiko eines Portfolios senken können, da sie die Streuung erhöhen.
Historisch haben Small-Caps eine höhere Rendite erzielt als Large und Mid-Caps. Diese sogenannte Faktor-Prämie ist jedoch kein Garant für die Zukunft. Der Vorteil liegt vor allem in der breiteren Abdeckung des Marktes und dem Wachstumspotenzial kleinerer, fokussierter Unternehmen.
- Du investierst in deutlich mehr Unternehmen als mit einem reinen Large-Cap-ETF.
- Small-Cap-Indizes enthalten keine Werte aus klassischen Weltindizes wie dem MSCI World.
- Kleinere Unternehmen verfolgen oft fokussierte Geschäftsmodelle mit Raum für Expansion.
- Historisch erzielten Nebenwerte eine höhere Rendite als Large und Mid-Caps.
Vorteile von Small-Cap-ETFs im Überblick
Höhere Diversifikation: Du investierst in deutlich mehr Unternehmen als mit einem reinen Large-Cap-ETF.
Keine Überschneidung: Small-Cap-Indizes enthalten keine Werte aus klassischen Weltindizes wie dem MSCI World.
Wachstumspotenzial: Kleinere Unternehmen verfolgen oft fokussierte Geschäftsmodelle mit Raum für Expansion.
Faktor-Prämie: Historisch erzielten Nebenwerte eine höhere Rendite als Large und Mid-Caps.
05 · Fehler vermeiden
Welche Risiken haben Small-Cap-ETFs?
Die Kehrseite des Wachstumspotenzials ist eine höhere Schwankungsanfälligkeit. Auch das Geschäftsmodell kleinerer Unternehmen ist oft anfälliger.
Small-Caps schwanken stärker als Large und Mid-Caps. Diese höhere Volatilität bedeutet, dass dein Depot in Krisenphasen deutlicher an Wert verlieren kann. Gleichzeitig haben kleine Unternehmen oft ein weniger breit diversifiziertes Geschäftsmodell als Großkonzerne, die mit mehreren Geschäftsbereichen und Regionen Schwankungen ausgleichen können.
Die historische Outperformance von Nebenwerten ist kein Versprechen für die Zukunft. In der jüngeren Vergangenheit hatten zeitweise Large und Mid-Caps die Nase vorn. Du solltest daher nur mit einem langen Anlagehorizont in Small-Caps investieren, damit sich kurzfristige Schwankungen ausgleichen können.
Die höhere Volatilität ist der Preis für das Wachstumspotenzial kleiner Unternehmen.
Risiken, die du kennen solltest
06 · Schritt für Schritt
Wie investierst du in Small-Caps?
Für die Beimischung von Nebenwerten hast du zwei Wege: einen separaten Small-Cap-ETF oder einen IMI-Index, der alle Größenklassen enthält.
Du kannst einen separaten Small-Cap-ETF kaufen, der ausschließlich Nebenwerte enthält. Oder du wählst einen IMI-Index, der Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps in einem einzigen Produkt kombiniert. Das Kürzel IMI steht für Investable Markets und signalisiert dir, dass der Index den gesamten investierbaren Markt abdeckt.
Der MSCI World Small-Cap-Index ist der bekannteste Index für Nebenwerte aus Industrieländern. Alternativen sind der S&P 600 oder der Russell 2000 für die USA. Ein sinnvoller Anteil an Small-Cap-ETFs liegt zwischen 15 und 20 Prozent des Aktienanteils, wenn du die Marktneutralität anstrebst.
- Prüfe dein bestehendes Portfolio auf das Kürzel IMI im ETF-Namen.
- Wähle einen Small-Cap-Index, der zu deiner Region und Strategie passt.
- Bestimme den Anteil zwischen 15 und 20 Prozent deines Aktienanteils.
- Setze auf einen langen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren.
Prüfe dein bestehendes Portfolio
Schau nach, ob dein Welt-ETF das Kürzel IMI trägt. IMI steht für Investable Markets und bedeutet, dass der Index auch Small-Caps enthält.
Wähle einen Small-Cap-Index
Der MSCI World Small-Cap-Index ist der bekannteste Index für Nebenwerte aus Industrieländern. Alternativen sind der S&P 600 oder der Russell 2000 für die USA.
Bestimme den Anteil
Ein sinnvoller Anteil an Small-Cap-ETFs liegt zwischen 15 und 20 Prozent des Aktienanteils, wenn du die Marktneutralität anstrebst.
Setze auf einen langen Anlagehorizont
Die höhere Volatilität von Nebenwerten gleicht sich über lange Zeiträume tendenziell aus.
07 · Vergleich
Welche Small-Cap-Indizes gibt es?
Verschiedene Indexanbieter definieren Nebenwerte unterschiedlich. Die wichtigsten Indizes unterscheiden sich in Region und Größenordnung der enthaltenen Unternehmen.
Der MSCI World Small-Cap deckt Nebenwerte aus Industrieländern weltweit ab und enthält mehrere tausend Unternehmen. Die größte Position bringt es auf etwa 15 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.
Der S&P 600 konzentriert sich auf die USA und umfasst 600 Unternehmen, deren größte Position rund 7 Milliarden Euro wert ist. Der deutsche SDAX enthält 70 Nebenwerte, wobei die größte Aktie nur etwa 2 Milliarden Euro Marktkapitalisierung aufweist. Der Begriff Small-Cap ist also relativ: Ein SDAX-Unternehmen ist deutlich kleiner als die größte Position im MSCI World Small-Cap.
Die Spanne reicht von 2 Milliarden Euro im SDAX bis 15 Milliarden Euro im MSCI World Small-Cap.
| MSCI World Small-Cap | S&P 600 | SDAX | |
|---|---|---|---|
| Region | USA | Deutschland | |
| Größte enthaltene Position | Ca. 7 Mrd. Euro | Ca. 2 Mrd. Euro | |
| Anzahl der Unternehmen | 600 | 70 |
08 · Was gilt
Was bedeutet der Zusatz IMI bei ETFs?
IMI-Indizes decken den gesamten investierbaren Markt einer Region ab. Sie kombinieren Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps in einem einzigen Index.
Der Zusatz IMI steht für Investable Markets. Ein IMI-Index deckt den gesamten investierbaren Markt einer Region ab, also Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps in einem einzigen Index. Damit sparst du dir den separaten Kauf eines Small-Cap-ETFs, wenn du die Marktneutralität mit einem Produkt erreichen willst.
Beispiele sind der MSCI World IMI oder der MSCI Emerging Markets IMI. Nicht enthalten sind Micro Caps, also die kleinsten 1 Prozent der Unternehmen, sowie nicht börsennotierte Unternehmen. Diese sind wegen ihrer geringen Börsenliquidität oder fehlenden Handelbarkeit nicht sinnvoll abbildbar.
IMI-Indizes kombinieren Large-Caps, Mid-Caps und Small-Caps in einem einzigen Produkt.
Enthalten
Nicht enthalten
09 · Kosten
Wie hoch sollte der Small-Cap-Anteil sein?
Die passende Quote hängt von deiner Strategie ab. Für ein marktneutrales Weltportfolio orientierst du dich am Anteil der Nebenwerte an der Marktkapitalisierung.
Da Small-Caps nach MSCI-Definition 14 Prozent zur weltweiten Marktkapitalisierung beitragen, liegt der marktneutrale Anteil bei etwa 14 bis 15 Prozent deines Aktienportfolios.
Viele Anleger wählen eine Beimischung von 15 bis 20 Prozent, um die Streuung zu verbessern und die historische Faktor-Prämie zu nutzen. Eine bewusste Übergewichtung über 20 Prozent erhöht die erhoffte Zusatzrendite, steigert aber auch die Volatilität deines Portfolios deutlich.
Ein Anteil von 15 bis 20 Prozent gilt als sinnvolle Beimischung für ein Weltportfolio.
Orientierung für den Small-Cap-Anteil im Portfolio
10 · Checkliste
Lohnt sich ein Small-Cap-ETF für dich?
Die Entscheidung hängt von deinem Anlageziel und deiner Risikobereitschaft ab. Für langfristig orientierte Anleger mit Weltportfolio ist die Beimischung meist sinnvoll.
Ein Small-Cap-ETF passt zu dir, wenn du ein möglichst breit gestreutes Weltportfolio aufbauen willst und einen langen Anlagehorizont mitbringst. Die höhere Volatilität von Nebenwerten gleicht sich über Zeiträume von mindestens 10 Jahren tendenziell aus. Du solltest daher mit stärkeren Kursschwankungen umgehen können.
Wenn du die historische Faktor-Prämie kleiner Unternehmen nutzen willst, ist die Beimischung sinnvoll. Beachte aber, dass die Outperformance der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist. Die Entscheidung hängt letztlich von deinem Anlageziel und deiner Risikobereitschaft ab.
- Du möchtest ein möglichst breit gestreutes Weltportfolio aufbauen.
- Du hast einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren.
- Du kannst mit stärkeren Kursschwankungen umgehen.
- Du möchtest die historische Faktor-Prämie kleiner Unternehmen nutzen.
Wann ein Small-Cap-ETF zu dir passt
Du möchtest ein möglichst breit gestreutes Weltportfolio aufbauen.
Du hast einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren.
Du kannst mit stärkeren Kursschwankungen umgehen.
Du möchtest die historische Faktor-Prämie kleiner Unternehmen nutzen.
Häufige Fragen
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