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FinanzbildungInvestieren9 Min.

Small-Cap-ETF: So holst du dir die Chancen kleiner Unternehmen ins Depot

Small-Cap-ETFs bilden Aktien kleinerer Unternehmen ab. Für dich als Anleger können sie das Depot breiter aufstellen und Wachstumspotenzial bieten. Wir zeigen, worauf es ankommt.

NebenwerteETF-SparplanRisikostreuung
Brauche ich das?
Nicht zwingend.
Ergänzt aber ein bestehendes Depot sinnvoll.
Wie viel Risiko?
Höher als Standard.
Kleine Aktien schwanken stärker.
Für wen geeignet?
Für langfristige Anleger.
Die Anlagehorizont sollte 10+ Jahre sein.

Warum dich Small-Cap-ETFs betreffen

Vielleicht hast du schon einmal von Welt-ETFs gehört, die den MSCI World oder den FTSE All-World abbilden. Diese Indizes konzentrieren sich stark auf große, international tätige Konzerne. Die kleinen und mittleren Unternehmen, die sogenannten Small Caps, tauchen dort oft nur am Rande auf. Das bedeutet für dich: Ein Großteil der weltweiten Wirtschaftsleistung bleibt in deinem Depot möglicherweise unterrepräsentiert.

Dabei sind diese kleineren Firmen das Rückgrat vieler Volkswirtschaften. Sie schaffen Arbeitsplätze, treiben Innovationen voran und wachsen oft schneller als ihre großen Konkurrenten. Wenn du nur in die größten Aktien der Welt investierst, blendest du einen ganzen Teil des Marktes aus. Ein Small-Cap-ETF kann diese Lücke in deinem Portfolio schließen.

Für dich als Anleger bedeutet das konkret: Du beteiligst dich an Unternehmen, die in Nischenmärkten aktiv sind oder in aufstrebenden Branchen eine wichtige Rolle spielen. Das kann die Renditechancen deines Gesamtdepots erhöhen. Gleichzeitig solltest du wissen, dass mit diesen Chancen auch höhere Risiken verbunden sind.

Es geht also nicht darum, dein komplettes Geld in Small-Cap-ETFs zu stecken. Es geht darum, dein bestehendes Investment breiter aufzustellen. Wer die Bedeutung dieser Anlageklasse versteht, kann fundiertere Entscheidungen für die eigene Geldanlage treffen.

~10-15%
typische Gewichtung im Weltportfolio
> 1.000
Unternehmen in breiten Small-Cap-Indizes
1,5 Mrd. Euro
grobe Obergrenze der Marktkapitalisierung

Was sind Small Caps überhaupt?

Der Begriff Small Cap kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt kleine Kappe oder kleiner Deckel. Im Finanzwesen bezieht sich das auf die Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Diese berechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl aller ausgegebenen Aktien. Small Caps sind also Unternehmen mit einer vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung.

Wo genau die Grenze liegt, ist nicht einheitlich definiert. Im US-amerikanischen Raum gelten oft Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 300 Millionen und 2 Milliarden US-Dollar als Small Caps. In Europa und Deutschland liegen die Grenzen häufig etwas niedriger. Wichtig ist für dich: Es handelt sich um etablierte Firmen, die aber deutlich kleiner sind als die Giganten aus dem DAX oder S&P 500.

Diese Unternehmen haben oft spezielle Geschäftsmodelle. Sie sind in Nischenmärkten aktiv, bedienen regionale Besonderheiten oder entwickeln innovative Technologien. Manche sind Familienunternehmen, andere werden von Gründern geführt. Diese Strukturen können zu einer anderen Unternehmenskultur führen, die sich von den großen Konzernen unterscheidet.

Ein Small-Cap-ETF bündelt nun viele dieser kleineren Aktien in einem einzigen Produkt. Du kaufst also nicht eine einzelne Aktie, sondern einen Korb aus mehreren hundert oder sogar über tausend verschiedenen Unternehmen. Das reduziert das Risiko, das du bei der Einzelaktie hättest, erheblich.

So funktioniert ein Small-Cap-ETF

Ein ETF, das ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet die Wertentwicklung eines bestimmten Index nach. Ein Small-Cap-ETF bildet also einen Index ab, der aus kleinen Unternehmen besteht. Bekannte Beispiele sind der MSCI World Small Cap oder der S&P 600.

Wenn du einen Anteil an einem solchen ETF kaufst, erwirbst du einen Bruchteil aller im Index enthaltenen Unternehmen. Der ETF-Anbieter, zum Beispiel iShares, Xtrackers oder Vanguard, kauft die Aktien physisch und verwahrt sie im Fonds. Dein Geld wird also real in die Unternehmen investiert, nicht nur virtuell.

Die Wertentwicklung des ETFs folgt der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index. Steigen die Kurse der kleinen Unternehmen, steigt auch dein ETF-Anteil. Fallen die Kurse, sinkt dein Anteil entsprechend. Du profitierst also direkt von der Entwicklung dieser Unternehmen, ohne jedes einzelne selbst analysieren zu müssen.

Ein großer Vorteil ist die Einfachheit. Du musst keine einzelnen Aktien auswählen, keine Unternehmensbilanzen studieren und kein Branchenwissen aufbauen. Der ETF erledigt die Diversifikation für dich. Du setzt auf die Gesamtentwicklung des Marktes für kleine Unternehmen, nicht auf einzelne Gewinner oder Verlierer.

Kosten und Gebühren im Blick

Bei ETFs gibt es zwei wesentliche Kostenarten: die laufenden Kosten und die Transaktionskosten. Die laufenden Kosten werden als Gesamtkostenquote, oft abgekürzt als TER, ausgewiesen. Sie werden jährlich vom Fondsvermögen abgezogen und decken Verwaltung, Indexlizenz und ähnliches ab. Bei Small-Cap-ETFs liegt diese Quote in der Regel etwas höher als bei ETFs auf große Indizes.

Der Grund für die höheren Kosten liegt in der aufwendigeren Verwaltung. Kleine Aktien sind oft weniger liquide, das heißt, sie werden seltener gehandelt. Der ETF-Anbieter muss mehr Aufwand betreiben, um den Index nachzubilden. Außerdem sind die Marktkapitalisierungen kleiner, was die Verwaltung komplexer macht.

Zusätzlich fallen beim Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen Transaktionskosten an. Diese zahlst du an deine Bank oder deinen Broker. Die Höhe hängt von deinem Anbieter und dem Handelsvolumen ab. Bei einem Sparplan sind die Gebühren oft reduziert oder sogar kostenlos, was gerade für den Einstieg interessant ist.

Du solltest die Kosten immer im Verhältnis zur erwarteten Rendite sehen. Ein etwas teurerer Small-Cap-ETF kann sich lohnen, wenn er langfristig eine höhere Rendite erzielt. Achte aber darauf, dass die Kosten nicht übermäßig hoch sind. Ein TER von deutlich über rund 0,5 Prozent pro Jahr sollte bei einem breiten Small-Cap-ETF die Ausnahme sein.

Darauf solltest du bei der Auswahl achten

Nicht alle Small-Cap-ETFs sind gleich. Es gibt Unterschiede bei der Indexmethodik, der Anzahl der enthaltenen Unternehmen und der regionalen Ausrichtung. Du solltest daher genau prüfen, welcher Index abgebildet wird. Ein globaler Small-Cap-Index enthält Unternehmen aus aller Welt, während ein regionaler Index sich auf Europa oder die USA beschränkt.

Ein wichtiger Punkt ist die Anzahl der enthaltenen Werte. Ein Index mit 1.500 Unternehmen ist breiter gestreut als einer mit nur 300. Eine breitere Streuung reduziert das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen den Fonds stark beeinflusst. Achte also auf die Zusammensetzung des Index und nicht nur auf den Namen des ETFs.

Auch die Replikationsmethode spielt eine Rolle. Die meisten ETFs bilden ihren Index physisch ab, das heißt, sie kaufen die echten Aktien. Manche nutzen aber auch synthetische Methoden mit Swap-Geschäften. Für dich als Anleger ist die physische Replikation meist einfacher zu verstehen und birgt kein Kontrahentenrisiko.

Prüfe außerdem das Fondsvolumen und das Alter des ETFs. Ein größeres Fondsvolumen bedeutet in der Regel eine bessere Liquidität und geringere Spreads beim Handel. Ein ETF, der schon einige Jahre besteht, hat bereits eine Historie und hat in verschiedenen Marktphasen funktioniert. Diese Faktoren geben dir mehr Sicherheit bei deiner Entscheidung.

Typische Fehler bei Small-Cap-ETFs

Ein häufiger Fehler ist die Übergewichtung. Manche Anleger sind von den Renditechancen kleiner Unternehmen so begeistert, dass sie einen Großteil ihres Depots in Small-Cap-ETFs stecken. Das erhöht das Gesamtrisiko erheblich, da diese Anlageklasse stärker schwankt als der breite Markt. Eine Beimischung von 10 bis rund 20 Prozent ist für die meisten Anleger sinnvoller.

Ein weiterer Fehler ist die falsche Indexwahl. Es gibt Indizes, die nur sehr kleine Unternehmen enthalten, und andere, die auch Mid Caps einschließen. Wenn du glaubst, einen Small-Cap-ETF zu kaufen, aber der Index enthält viele mittelgroße Unternehmen, dann ist deine Strategie eine andere als geplant. Lies daher immer das Factsheet des ETFs.

Viele Anleger unterschätzen auch die Kursschwankungen. Small Caps können in Krisenzeiten deutlich stärker fallen als große Aktien. Wer dann in Panik verkauft, realisiert Verluste und verpasst die anschließende Erholung. Du solltest dir vor dem Kauf überlegen, ob du solche Schwankungen emotional aushalten kannst.

Schließlich machen manche Anleger den Fehler, auf den falschen Zeitpunkt zu warten. Sie wollen den perfekten Einstieg abpassen und verpassen dabei die langfristige Wertentwicklung. Ein regelmäßiger Sparplan in einen Small-Cap-ETF ist oft die bessere Strategie, da er den Durchschnittskosteneffekt nutzt und den Zeitpunkt des Einstiegs weniger wichtig macht.

Konkrete nächste Schritte für deinen Einstieg

Bevor du einen Small-Cap-ETF kaufst, solltest du dein bestehendes Depot analysieren. Hast du bereits einen Welt-ETF oder Einzelaktien? Wie ist deine aktuelle Risikoverteilung? Wenn du noch keine Erfahrung mit Aktien-ETFs hast, ist es ratsam, zuerst mit einem breiten Welt-ETF zu beginnen und später Small Caps zu ergänzen.

Der nächste Schritt ist die Wahl des passenden Produkts. Vergleiche verschiedene Small-Cap-ETFs anhand von Index, Fondsvolumen, Kosten und Replikationsmethode. Du kannst dafür Vergleichsportale im Internet nutzen oder die Informationen direkt auf den Webseiten der ETF-Anbieter einsehen. Notiere dir die wichtigsten Kennzahlen und treffe eine informierte Entscheidung.

Danach musst du ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker eröffnen, falls du noch keins hast. Achte auf die Konditionen für ETF-Sparpläne, da diese oft günstiger sind als Einzelkäufe. Viele Broker bieten eine breite Auswahl an ETFs ohne Ausgabeaufschlag an. Richte dann einen Sparplan ein, der zu deinem Budget passt.

Überwache dein Investment regelmäßig, aber nicht zu häufig. Eine jährliche Überprüfung reicht völlig aus, um zu sehen, ob der ETF noch zu deiner Strategie passt. Verkaufe nicht bei jeder kleinen Schwankung. Denke langfristig und bleib bei deinem Plan. So profitierst du am besten von der Wertentwicklung der kleinen Unternehmen.

Steuern und rechtliche Aspekte in Deutschland

In Deutschland unterliegen Gewinne aus ETFs der Abgeltungsteuer. Das gilt auch für Small-Cap-ETFs. Die Abgeltungsteuer beträgt pauschal rund 25 Prozent, dazu kommen gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Du solltest dir bewusst sein, dass du auf realisierte Gewinne und auf Ausschüttungen Steuern zahlen musst.

Es gibt jedoch einen wichtigen Freibetrag: den Sparerpauschbetrag. Dieser liegt bei rund 1.000 Euro pro Person und Jahr. Wenn deine Kapitalerträge unter diesem Betrag liegen, zahlst du keine Steuern. Du musst dafür einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank einrichten. Das ist einfach und kann online oder per Formular erledigt werden.

Bei thesaurierenden ETFs, die ihre Erträge direkt wieder anlegen, wird die Vorabpauschale fällig. Diese wurde eingeführt, um die Steuerstundung bei thesaurierenden Fonds zu vermeiden. Die Höhe hängt vom Basiszins ab, der jährlich vom Finanzministerium festgelegt wird. Deine Bank berechnet die Vorabpauschale automatisch und meldet sie ans Finanzamt.

Ein weiterer Aspekt ist die Quellensteuer auf ausländische Dividenden. Small-Cap-ETFs investieren oft in Unternehmen aus vielen Ländern. Auf die Dividenden dieser Unternehmen wird im jeweiligen Land Quellensteuer erhoben. Deutschland hat mit vielen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen, die eine Anrechnung ermöglichen. Der ETF-Anbieter kümmert sich in der Regel um die Rückerstattung, was für dich als Anleger komfortabel ist.

Small-Cap-ETFs im Vergleich zu anderen Anlagen

Im Vergleich zu Einzelaktien von kleinen Unternehmen bieten Small-Cap-ETFs eine deutlich bessere Risikostreuung. Du musst nicht das Insolvenzrisiko eines einzelnen Unternehmens tragen, sondern setzt auf die Gesamtentwicklung vieler Firmen. Das macht die Anlage für dich als Privatanleger deutlich sicherer und einfacher.

Gegenüber Standard-ETFs auf große Indizes haben Small-Cap-ETFs ein höheres Renditepotenzial, aber auch höhere Schwankungen. Historisch betrachtet haben kleine Unternehmen über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielt als große. Diese Überrendite wird als Small-Cap-Prämie bezeichnet. Sie ist jedoch nicht garantiert und kann über Jahre ausbleiben.

Im Vergleich zu aktiven Fonds, die von Fondsmanagern verwaltet werden, sind Small-Cap-ETFs in der Regel deutlich günstiger. Die Kostenquote ist niedriger, und es gibt keine erfolgsabhängigen Gebühren. Zudem ist die Wertentwicklung transparent und nachvollziehbar, da sie einen öffentlichen Index abbildet.

Eine Alternative zu Small-Cap-ETFs sind spezielle Nebenwerte-Fonds, die von Banken angeboten werden. Diese haben oft höhere Kosten und sind weniger transparent. Für die meisten Anleger ist der ETF die bessere Wahl, da er kostengünstig, börsentäglich handelbar und leicht verständlich ist. Du solltest aber immer die spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Produkts prüfen.

Kurzer Selbst-Check: Brauchst du das?

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Kannst du Kursschwankungen von 30% aushalten?
Ist dein Anlagehorizont länger als 10 Jahre?
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Häufige Fragen

Ja, in der Regel schon. Kleine Unternehmen sind oft stärker von Konjunkturschwankungen betroffen und ihre Aktienkurse schwanken stärker. Dafür bieten sie langfristig ein höheres Renditepotenzial. Du solltest das höhere Risiko nur eingehen, wenn du einen langen Anlagehorizont hast.

Das hängt von deiner persönlichen Risikobereitschaft ab. Als Faustregel gilt, dass Small Caps etwa 10 bis 20 Prozent deines Aktienportfolios ausmachen sollten. Der Rest sollte in breit gestreute Welt-ETFs oder andere Anlagen fließen, um das Gesamtrisiko zu begrenzen.

Es gibt keinen objektiv besten Index. Der MSCI World Small Cap ist sehr breit aufgestellt und global diversifiziert. Der S&P 600 konzentriert sich auf die USA und hat strenge Kriterien für die Aufnahme. Du solltest den Index wählen, der am besten zu deiner Anlagestrategie passt.

Ja, das ist problemlos möglich. Die meisten Online-Broker bieten Sparpläne auf eine große Auswahl an Small-Cap-ETFs an. Du kannst einen festen monatlichen Betrag festlegen und musst dich nicht um den Kaufzeitpunkt kümmern. Das ist eine bequeme und kostengünstige Methode.

Mid Caps sind Unternehmen mit einer mittleren Marktkapitalisierung, die zwischen den Small Caps und den Large Caps liegt. Die genauen Grenzen variieren je nach Definition. Mid Caps sind in der Regel stabiler als Small Caps, bieten aber oft weniger Wachstumspotenzial.

Ein globaler Small-Cap-ETF bietet die breiteste Streuung und reduziert das Risiko, das mit einer einzelnen Region verbunden ist. Ein regionaler ETF, zum Beispiel auf Europa, kann sinnvoll sein, wenn du gezielt in eine bestimmte Wirtschaftsregion investieren möchtest. Für die meisten Anleger ist die globale Variante die bessere Wahl.

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SR

StudySmarter-Redaktion

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Redaktionell geprüft. Stand: 30.08.2026, nächste Prüfung: 02/2027. Dieser Artikel ist Finanzbildung, keine Rechts- oder Steuerberatung.