Ratgeber · Investieren
Small-Cap-ETFs: So investierst du gezielt in Nebenwerte
Ein Small-Cap-ETF bündelt Aktien kleinerer Unternehmen, die in klassischen Welt-ETFs oft fehlen. Für dein Depot kann das eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn du die höheren Schwankungen dieser Nebenwerte aushältst.
10 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Small-Caps sind börsennotierte Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung, die nicht zu den Large und Mid-Caps zählen.
- Mit einem ETF auf den MSCI World Small-Cap investierst du weltweit in über 4.000 kleinere Aktien.
- Die Gesamtkostenquote (TER) für Small-Cap-ETFs liegt meist zwischen 0,20 und 0,45 Prozent pro Jahr.
- Eine Beimischung von 10 bis 20 Prozent kann dein Portfolio breiter diversifizieren, erhöht aber auch das Risiko.
01 · Grundlagen
Was sind Small-Caps und wie grenzen sie sich ab?
Der Begriff Small-Cap leitet sich von der Marktkapitalisierung ab, also dem Gesamtwert der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens. Diese Einteilung bestimmt, welche Firmen in einen Small-Cap-ETF aufgenommen werden.
Die Einteilung in Small-Caps folgt ausschließlich der Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert eines Unternehmens. Andere Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn oder Mitarbeiterzahl spielen für diese Zuordnung keine Rolle. Ein Small-Cap ist trotz des Namens kein Kleinunternehmen im umgangssprachlichen Sinne, sondern ein börsennotierter Konzern, der lediglich kleiner ist als die Schwergewichte aus den großen Indizes.
Die Marktkapitalisierung ergibt sich aus der Anzahl der frei handelbaren Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs. Steigt der Kurs eines Unternehmens stark an, kann es aus der Small-Cap-Gruppe in die nächsthöhere Liga aufsteigen. Indexanbieter wie MSCI überprüfen diese Zuordnung zu festen Terminen, meist einmal jährlich.
Nur die Marktkapitalisierung entscheidet über die Zuordnung zu Large-Caps, Mid-Caps, Small-Caps oder Micro Caps.
Kurz erklärt
Marktkapitalisierung
Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens. Sie ergibt sich aus der Anzahl der frei handelbaren Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs. Sie ist das zentrale Kriterium für die Einteilung in Large-Caps, Mid-Caps, Small-Caps und Micro Caps.
Nur die Marktkapitalisierung entscheidet über die Zuordnung. Andere Kennzahlen wie Umsatz oder Gewinn spielen für diese Größeneinteilung keine Rolle.
02 · Was gilt
Large-Caps, Mid-Caps, Small-Caps: Wo verläuft die Grenze?
Indexanbieter wie MSCI teilen den Aktienmarkt nach Marktkapitalisierung in Segmente ein. Diese Abgrenzung ist wichtig, um zu verstehen, welche Unternehmen in deinem Small-Cap-ETF landen und welche nicht.
Die Analysefirma MSCI teilt den Aktienmarkt in klar definierte Segmente ein. Large-Caps und Mid-Caps bilden zusammen die Gruppe der 85 Prozent wertvollsten börsennotierten Unternehmen weltweit. Small-Caps umfassen die nächsten 14 Prozent nach Börsenwert.
Das verbleibende eine Prozent der kleinsten börsennotierten Unternehmen fällt in die Kategorie Micro Caps, teilweise auch Nano Caps genannt. Diese Kleinstwerte sind in den gängigen Small-Cap-ETFs nicht enthalten, da sie für Fonds oft schwer handelbar sind und zusätzliche Risiken mitbringen.
- Large-Caps und Mid-Caps umfassen die 85 Prozent der Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert.
- Small-Caps decken die nächsten 14 Prozent der Unternehmen nach Marktkapitalisierung ab.
- Micro Caps bilden das verbleibende eine Prozent der kleinsten börsennotierten Unternehmen.
Zählt zu dieser Gruppe
Zählt nicht zu dieser Gruppe
03 · Hintergrund
Warum kann eine Beimischung von Small-Caps sinnvoll sein?
Der Size-Faktor beschreibt die historische Beobachtung, dass kleinere Unternehmen langfristig eine höhere Rendite erzielen konnten als große Konzerne. Diese Mehrrendite ist jedoch eine Entschädigung für ein höheres Risiko.
Kleinere Unternehmen können in wirtschaftlichen Aufschwungphasen überproportional wachsen, da sie agiler sind und von einer niedrigeren Basis starten. In Krisen und Rezessionen stürzen Small-Caps jedoch oft tiefer ab als der Gesamtmarkt, weil sie konjunktursensibler und finanziell weniger robust aufgestellt sind als etablierte Großkonzerne.
Eine Beimischung von Small-Caps zu einem Kernportfolio aus Large und Mid-Caps kann deine Diversifikation verbessern. Du verteilst dein Geld damit auf Unternehmen unterschiedlicher Größe und reduzierst die Abhängigkeit von wenigen großen Konzernen, die in klassischen Welt-ETFs oft ein hohes Gewicht haben.
Für ein Investment in den Size-Faktor solltest du einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren mitbringen. Die historische Mehrrendite kleinerer Unternehmen ist kein Selbstläufer, sondern die Belohnung für das Aushalten teils jahrelanger Phasen, in denen Small-Caps hinter großen Standardwerten zurückbleiben.
Kleinere Unternehmen können in wirtschaftlichen Aufschwungphasen überproportional wachsen, da sie agiler sind und von einer niedrigeren Basis starten. In Krisen und Rezessionen stürzen Small-Caps jedoch oft tiefer ab als der Gesamtmarkt, weil sie konjunktursensibler und finanziell weniger robust aufgestellt sind.
Eine Beimischung von Small-Caps zu einem Kernportfolio aus Large und Mid-Caps kann deine Diversifikation verbessern. Du verteilst dein Geld damit auf Unternehmen unterschiedlicher Größe und reduzierst die Abhängigkeit von wenigen großen Konzernen.
Für ein Investment in den Size-Faktor solltest du einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren mitbringen. Nur so kannst du Phasen der Underperformance gegenüber Standardwerten aussitzen, die über mehrere Jahre andauern können.
04 · Vergleich
Welcher Index steckt in einem Small-Cap-ETF?
Die meisten globalen Small-Cap-ETFs bilden den MSCI World Small-Cap-Index ab. Daneben gibt es Alternativen von anderen Indexanbietern, die nach ähnlichen Prinzipien funktionieren.
Dieser Index umfasst über 4.000 Unternehmen aus 23 Industrieländern weltweit. Bekannte ETFs auf diesen Index kommen von Anbietern wie iShares, SPDR, UBS und Xtrackers.
Eine Alternative ist der FTSE Global Small-Cap-Index von FTSE Russell. Er deckt ebenfalls über 4.000 Unternehmen ab, bezieht aber zusätzlich Schwellenländer ein. Das erhöht die Diversifikation, bringt jedoch auch die typischen Risiken von Schwellenländern wie politische Unsicherheit oder Währungsschwankungen mit sich.
Beide Indizes decken die Gruppe der Small-Caps breit ab, unterscheiden sich aber in der Länderauswahl. Für die meisten Anleger ist der MSCI World Small-Cap die etabliertere Wahl, da er auf eine längere Historie zurückblickt und mehr ETFs mit ausreichendem Fondsvolumen zur Verfügung stehen.
| MSCI World Small-Cap | FTSE Global Small-Cap | |
|---|---|---|
| Indexanbieter | ||
| Bekannte ETFs auf diesen Index |
05 · Kosten
Was kostet ein Small-Cap-ETF?
Die Gesamtkostenquote (TER) ist die wichtigste Kennzahl für die laufenden Kosten eines ETFs. Bei Small-Cap-ETFs liegt sie etwas höher als bei ETFs auf Large-Caps, weil die Verwaltung vieler kleiner Aktien aufwendiger ist.
Bei globalen Small-Cap-ETFs liegt sie typischerweise zwischen 0,20 und 0,85 Prozent pro Jahr, abhängig vom Anbieter und der Indexmethodik. Die jährlichen Kosten werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen und mindern deine Rendite.
Günstige Anbieter wie UBS oder Vanguard kommen auf eine TER von 0,20 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Der Marktstandard bei iShares oder Xtrackers liegt bei 0,25 bis 0,35 Prozent. Spezial- oder Themen-ETFs, die Small-Caps mit zusätzlichen Filtern wie Nachhaltigkeit oder bestimmten Branchen kombinieren, kosten mit 0,39 bis 0,85 Prozent deutlich mehr.
Die TER ist nicht der einzige Kostenfaktor. Achte zusätzlich auf die Ordergebühren deines Depots und den Spread beim Kauf, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Bei kleinen Fonds mit geringem Handelsvolumen kann der Spread spürbar höher ausfallen.
Typische Gesamtkostenquoten (TER) von globalen Small-Cap-ETFs
06 · Vergleich
Thesaurierend oder ausschüttend: Welche Variante passt zu dir?
Small-Cap-ETFs gibt es in zwei Varianten: thesaurierende Fonds legen Dividenden automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie an dich aus. Deine Wahl hängt von deiner Anlagestrategie und deinem Freibetrag ab.
Du musst dich um nichts kümmern, und dein Vermögen wächst durch den Zinseszinseffekt kontinuierlich weiter. Ausschüttende ETFs überweisen die Erträge dagegen regelmäßig auf dein Konto, was dir Flexibilität gibt, aber manuellen Aufwand beim Reinvestieren verursacht.
Steuerlich gibt es einen wichtigen Unterschied: Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich eine Vorabpauschale fällig, bei ausschüttenden werden die Dividenden sofort versteuert. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro. Bis zu dieser Grenze bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs meist die bessere Wahl. Ausschüttende Varianten lohnen sich vor allem, wenn du regelmäßige Erträge nutzen möchtest oder deinen Sparer-Pauschbetrag gezielt ausschöpfen willst, bevor du auf thesaurierende Produkte umstellst.
| Thesaurierend | Ausschüttend | |
|---|---|---|
| Verwendung der Dividenden | Werden automatisch reinvestiert | Werden auf dein Konto überwiesen |
07 · Checkliste
Wie findest du den passenden Small-Cap-ETF?
Nicht jeder Small-Cap-ETF ist für dein Depot geeignet. Einige Kriterien helfen dir, aus den verfügbaren Produkten eine fundierte Auswahl zu treffen.
Bei der Auswahl eines Small-Cap-ETFs helfen dir einige klare Kriterien. Sie reduzieren das Risiko, ein Produkt zu erwischen, das langfristig geschlossen wird oder dessen Kosten deine Rendite übermäßig schmälern.
- Das Fondsvolumen sollte mindestens 100 Millionen Euro betragen, damit der ETF langfristig rentabel bleibt.
- Die Replikationsmethode sollte physisch oder optimiertes Sampling sein, damit du die Indexentwicklung möglichst genau abbildest.
- Die Gesamtkostenquote (TER) sollte unter 0,45 Prozent pro Jahr liegen.
- Das Fondsdomizil Irland ist für deutsche Anleger steuerlich vorteilhaft.
- Der ETF sollte an der Börse Xetra oder einem anderen liquiden Handelsplatz handelbar sein.
- Das Fondsalter sollte mindestens fünf Jahre betragen, damit eine aussagekräftige Historie vorliegt.
Alle drei von Finanztip empfohlenen Small-Cap-ETFs erfüllen diese Kriterien. Sie bilden den MSCI World Small-Cap physisch nach, haben ein Fondsvolumen deutlich über 100 Millionen Euro und sind an der Börse Xetra handelbar.
Kriterien für die Auswahl eines Small-Cap-ETFs
Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro, damit der ETF langfristig rentabel bleibt
Physische Replikation oder optimiertes Sampling, damit du die Indexentwicklung möglichst genau abbildest
Gesamtkostenquote (TER) unter 0,45 Prozent pro Jahr
Fondsdomizil Irland, da dies steuerlich vorteilhaft für deutsche Anleger ist
Handelbarkeit an der Börse Xetra oder einem anderen liquiden Handelsplatz
Fondsalter von mindestens fünf Jahren, damit eine Historie zur Bewertung vorliegt
08 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du bei Small-Cap-ETFs vermeiden?
Der Size-Faktor ist kein Selbstläufer. Typische Fehler führen dazu, dass Anleger die potenzielle Mehrrendite nicht realisieren oder unnötige Risiken eingehen.
Der Size-Faktor ist kein Selbstläufer. Typische Fehler führen dazu, dass Anleger die potenzielle Mehrrendite nicht realisieren oder unnötige Risiken eingehen. Wer diese Fehler kennt, kann sie gezielt vermeiden.
- Eine zu hohe Beimischung macht dein Depot deutlich riskanter als ein breit gestreutes Portfolio.
- Ein zu kurzer Anlagehorizont von nur wenigen Jahren kann dazu führen, dass du genau in einer Phase der Underperformance aussteigst.
- Falsche Erwartungen an die Size-Prämie enttäuschen, denn sie ist keine Garantie, sondern eine historische Beobachtung mit langen Durststrecken.
- Wer nur auf die TER schaut, übersieht Faktoren wie Fondsgröße, Replikationsmethode und Handelsliquidität.
- Häufiges Umschichten verursacht Kosten und verhindert, dass sich die Size-Prämie überhaupt entfalten kann.
Der häufigste Fehler ist ein zu kurzer Atem. Die Size-Prämie zeigt sich oft erst über Zeiträume von zehn Jahren oder mehr. Wer nach drei oder fünf Jahren aufgibt, hat die höheren Schwankungen getragen, ohne von der möglichen Mehrrendite zu profitieren.
Häufige Fehler beim Investieren in Small-Cap-ETFs
09 · Schritt für Schritt
Wie integrierst du einen Small-Cap-ETF in dein Depot?
Ein Small-Cap-ETF ist in der Regel eine Beimischung zu einem Kernportfolio aus Large und Mid-Caps. Die richtige Gewichtung hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab.
Eine übliche Beimischung liegt zwischen 10 und 20 Prozent des Aktienanteils.
Die 8:1:1-Strategie ist ein bewährtes Modell für die Gewichtung. Dabei entfallen 80 Prozent auf einen breiten Welt-ETF, 10 Prozent auf Small-Caps und 10 Prozent auf Schwellenländer. Diese Aufteilung sorgt für eine breite Streuung über Unternehmensgrößen und Regionen hinweg.
Kernportfolio aufbauen
Starte mit einem breit gestreuten ETF auf Large und Mid-Caps, zum Beispiel auf den MSCI World oder den MSCI ACWI. Dieser bildet das Fundament deines Depots.
Beimischung festlegen
Entscheide, wie viel Prozent deines Depots in Small-Caps fließen sollen. Eine konkrete, allgemeingültige Quote ist nicht belegt.
Passenden ETF auswählen
Wähle einen thesaurierenden Small-Cap-ETF mit niedriger TER, ausreichendem Fondsvolumen und physischer Replikation.
Sparplan einrichten
Richte einen ETF-Sparplan ein, um regelmäßig zu investieren.
Regelmäßig prüfen
Kontrolliere einmal jährlich, ob die Gewichtung noch zu deiner Strategie passt. Passe die Beimischung bei Bedarf an, aber vermeide häufiges Umschichten.
10 · Im Vertrag
Welche Steuern fallen auf Small-Cap-ETFs an?
Gewinne aus Small-Cap-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Dank der Teilfreistellung für Aktienfonds bleibt ein Teil deiner Erträge steuerfrei.
Auf diese Steuer wird zusätzlich der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent erhoben, was eine Gesamtbelastung von 26,375 Prozent ergibt. Diese Steuern werden fällig, sobald dein Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist.
Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet, dass nur 70 Prozent deiner Erträge versteuert werden müssen. Diese Regelung gilt für Kursgewinne, Dividenden und die Vorabpauschale gleichermaßen und macht Aktien-ETFs steuerlich attraktiver als andere Anlageformen.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Bis zu dieser Grenze bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei. Du kannst den Freibetrag nutzen, indem du bei deinem Depot einen Freistellungsauftrag einrichtest.
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