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Momentum-ETF: Lohnt sich die Strategie für dein Depot?

Ein Momentum-ETF setzt auf Aktien, die zuletzt eine starke Kurs­entwicklung gezeigt haben. Ob sich das für dich lohnt, hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab.

11 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Momentum-ETFs bündeln Aktien mit überdurchschnittlicher Kursstärke der vergangenen Monate.
  • Die Gesamtkostenquote liegt bei marktüblichen 0,20 bis 0,25 Prozent pro Jahr.
  • In starken Marktphasen sind Überrenditen möglich, in Trendwenden drohen höhere Verluste.
  • Ein Sparplan eignet sich, um das Risiko über die Zeit zu streuen.

01 · Grundlagen

Was ist ein Momentum-ETF?

Ein Momentum-ETF bildet einen Index nach, der Aktien nach ihrer relativen Kursstärke auswählt. Grundlage ist der Momentum-Faktor als regelbasierte Anlagestrategie.

Die Auswahl der Aktien erfolgt nicht nach Bauchgefühl, sondern nach einem mathematischen Verfahren. Der Indexanbieter vergleicht dafür die Kursentwicklung aller infrage kommenden Unternehmen über einen festgelegten Zeitraum. Aktien, die in dieser Phase besonders stark zugelegt haben, erhalten einen hohen Momentum-Score und werden in den Index aufgenommen.

Für dich bedeutet das: Du investierst in einen Korb von Unternehmen, die aktuell eine hohe relative Stärke zeigen. Die Zusammensetzung kann sich daher deutlich von einem klassischen Marktindex unterscheiden, der einfach nach der Größe der Unternehmen gewichtet.

Kurz erklärt

Momentum-Faktor

Der Momentum-Faktor beschreibt die empirische Beobachtung, dass Aktien mit einer starken Kursentwicklung in der jüngeren Vergangenheit diese Entwicklung oft noch eine Zeit lang fortsetzen.

Momentum-Indizes wählen Aktien anhand ihrer Kursentwicklung über einen definierten Zeitraum von häufig sechs bis zwölf Monaten aus und gewichten sie entsprechend.

02 · Schritt für Schritt

Wie funktioniert die Indexmethodik?

Die Auswahl der Aktien folgt festen Regeln. Entscheidend ist die relative Kursstärke im Vergleich zu anderen Aktien des Ausgangsindex.

Der Prozess beginnt mit einem breiten Ausgangsindex, der als Basis dient. Aus diesem Pool werden nicht alle Werte übernommen, sondern nur diejenigen, die im Vergleich zu den anderen Aktien die beste Kursentwicklung vorweisen können. Die Berechnung des Momentum-Scores basiert in der Regel auf einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten, wobei der jüngste Monat oft ausgeklammert wird, um kurzfristige Umkehreffekte zu vermeiden.

Die Indexanbieter überprüfen die Zusammenstellung in festen Abständen, meist halbjährlich. Dabei werden Aktien, deren Dynamik nachgelassen hat, aussortiert und durch neue Trendfolger ersetzt. So bleibt der Index konsequent auf die aktuell stärksten Werte ausgerichtet.

01

Ausgangsuniversum festlegen

Der Indexanbieter startet mit einem breiten Marktindex wie dem MSCI World, der Industrie- und Schwellenländer abdeckt.

02

Momentum-Score berechnen

Für jede Aktie wird die Kursentwicklung über einen definierten Zeitraum, oft sechs bis zwölf Monate, analysiert und in einen Score umgerechnet.

03

Aktien auswählen und gewichten

Aktien mit den höchsten Momentum-Scores werden in den Index aufgenommen und stärker gewichtet als im Ausgangsindex.

04

Regelmäßige Überprüfung

Der Index wird in festen Abständen überprüft und neu zusammengesetzt, um die Aktien mit der aktuell stärksten Kursdynamik abzubilden.

03 · Vergleich

MSCI World Momentum im Vergleich zum MSCI World

Der MSCI World Momentum Index wählt aus dem MSCI World die Aktien mit der höchsten Kursdynamik aus. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung deutlich.

Der klassische MSCI World enthält rund 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern und gewichtet diese nach ihrer Marktkapitalisierung. Der MSCI World Momentum Index filtert aus diesem Universum die Aktien mit der höchsten Kursdynamik heraus. Übrig bleibt ein deutlich konzentrierteres Portfolio mit etwa 350 Positionen.

Diese Konzentration hat Folgen für dein Risiko. Während der breite MSCI World sehr gleichmäßig über viele Branchen gestreut ist, kann der Momentum-Index zeitweise stark in einzelnen Sektoren engagiert sein. Wenn viele trendstarke Aktien aus derselben Branche stammen, steigt die Abhängigkeit von der Entwicklung dieses Sektors.

Vergleich der Indexkonzepte
MSCI WorldMSCI World Momentum
Anzahl der PositionenEtwa 350 Aktien
AuswahlkriteriumRelative Kursstärke
RisikoprofilMittleres bis hohes Risiko

04 · Kosten

Welche Kosten fallen an?

Die laufenden Kosten eines Momentum-ETF sind ein wichtiger Faktor für deine Nettorendite. Sie liegen im marktüblichen Rahmen für Faktor-ETFs.

Die laufenden Kosten eines ETFs werden über die Gesamtkostenquote, kurz TER, abgebildet. Bei Momentum-ETFs liegt diese Kennzahl typischerweise in einer Spanne von 0,20 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Damit bewegst du dich auf einem ähnlichen Niveau wie bei vielen anderen Faktor-ETFs, aber deutlich günstiger als bei aktiv gemanagten Fonds, die oft zwischen 1,0 und 2,0 Prozent kosten.

Die TER deckt die Verwaltungskosten des Fonds ab. Zusätzlich entstehen auf Fondsebene Transaktionskosten, wenn der Index umgeschichtet wird. Diese Kosten werden nicht in der TER ausgewiesen, schmälern aber die Nettorendite. Die TER ist daher ein wichtiger, aber nicht der einzige Kostenfaktor.

Kurz erklärt

Momentum-ETFs

Typische Gesamtkostenquote pro Jahr

0,20 bis 0,25 Prozent

05 · Checkliste

Welche Rolle spielen Fondsvolumen und Fondsdomizil?

Ein ausreichendes Fondsvolumen und ein europäisches Fondsdomizil sind praktische Auswahlkriterien. Sie beeinflussen das Schließungsrisiko und den Anlegerschutz.

Ein ausreichendes Fondsvolumen ist ein praktisches Kriterium, um das Risiko einer Fondsschließung zu senken. Viele Anlegerinnen und Anleger orientieren sich an einem Mindestvolumen von 100 Millionen Euro. Größere Fonds sind in der Regel liquider und können die Indexzusammensetzung effizienter abbilden.

Das Fondsdomizil gibt an, in welchem Land der Fonds rechtlich ansässig ist. ETFs mit Sitz in Europa tragen den Zusatz UCITS und unterliegen strengen EU-Vorgaben zur Risikostreuung und Verwahrung der Vermögenswerte. Das bietet dir einen klaren Anlegerschutzrahmen.

Darauf kannst du bei der ETF-Auswahl achten

01

Ein Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro senkt das Risiko einer Fondsschließung.

02

Ein UCITS-ETF mit Fondsdomizil in Europa unterliegt strengen EU-Vorgaben zur Risikostreuung.

03

Ein höheres Fondsalter erlaubt dir, die Wertentwicklung über einen längeren Zeitraum zu prüfen.

04

Die Replikationsmethode sollte für dich nachvollziehbar sein, physisch oder synthetisch.

06 · Was gilt

Thesaurierend oder ausschüttend: Was passt zu dir?

Die Ertragsverwendung entscheidet, ob Dividenden automatisch wieder angelegt oder ausgezahlt werden. Bei Momentum-ETFs ist die thesaurierende Variante verbreitet.

Bei den meisten Momentum-ETFs handelt es sich um thesaurierende Varianten. Das bedeutet, dass Dividenden und andere Erträge nicht auf dein Konto fließen, sondern automatisch wieder im Fonds angelegt werden. Der Zinseszinseffekt läuft so ohne dein Zutun weiter und du musst dich nicht um die Wiederanlage kümmern.

Ausschüttende ETFs zahlen die Erträge regelmäßig aus. Das kann sinnvoll sein, wenn du einen laufenden Einkommensstrom aus deinem Depot nutzen möchtest. Du entscheidest dann selbst, ob du die Ausschüttungen verkonsumierst oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder anlegst.

Thesaurierend

·Erträge werden automatisch reinvestiert
·Zinseszinseffekt läuft ohne dein Zutun weiter
·Geringerer Verwaltungsaufwand für dich

Ausschüttend

·Dividenden werden auf dein Konto ausgezahlt
·Du entscheidest selbst über die Wiederanlage
·Regelmäßiger Einkommensstrom aus dem Depot

07 · Schritt für Schritt

Momentum-ETF als Sparplan: So gehst du vor

Ein Sparplan auf einen Momentum-ETF verteilt deine Einstiege über die Zeit. Das reduziert das Risiko, eine größere Summe zu einem ungünstigen Zeitpunkt anzulegen.

Ein Sparplan ist ein geeigneter Weg, um schrittweise in einen Momentum-ETF einzusteigen. Du legst zuerst ein monatliches Budget fest, das du langfristig entbehren kannst. Bereits kleine Sparraten sind bei vielen Banken und Online-Brokern möglich.

Danach wählst du einen konkreten ETF aus und richtest den Sparplan ein. Die Ausführung erfolgt automatisch zum gewählten Termin. Wichtig ist, dass du auch in schwächeren Marktphasen dabei bleibst. Der regelmäßige Kauf zu unterschiedlichen Kursen gleicht Schwankungen über die Zeit aus.

01

Anlagebudget festlegen

Bestimme einen monatlichen Betrag, den du langfristig entbehren kannst. Bereits kleine Sparraten sind möglich.

02

ETF auswählen

Vergleiche verfügbare Momentum-ETFs anhand von Kosten, Fondsvolumen und Replikationsmethode.

03

Sparplan einrichten

Richte den Sparplan bei deiner Bank oder deinem Online-Broker ein. Die Ausführung erfolgt automatisch zum gewählten Termin.

04

Langfristig besparen

Bleib auch in schwächeren Marktphasen dabei. Der regelmäßige Kauf zu unterschiedlichen Kursen gleicht Schwankungen aus.

08 · Fehler vermeiden

Welche Risiken solltest du kennen?

Momentum-ETFs können in Trendwenden stärker verlieren als der breite Markt. Diese Risiken solltest du vor einer Anlage einordnen.

Die Momentum-Strategie ist anfällig für plötzliche Marktumkehrungen. Wenn die Börse dreht, werden oft genau die Aktien abverkauft, die zuvor am stärksten gestiegen sind. In solchen Phasen kann ein Momentum-ETF stärker verlieren als ein breiter Marktindex.

Hinzu kommt eine höhere Volatilität, da trendstarke Aktien naturgemäß stärker schwanken. Auch die Gefahr einer Überbewertung einzelner Werte ist real, wenn die Kursdynamik nachlässt. Eine sektorale Konzentration kann das Risiko zusätzlich erhöhen, falls viele Momentum-Aktien aus derselben Branche stammen.

Typische Risiken der Momentum-Strategie

·Starke Verluste bei plötzlichen Marktumkehrungen, wenn bisherige Gewinneraktien abverkauft werden.
·Höhere Volatilität als marktbreite ETFs, da trendstarke Aktien oft stärker schwanken.
·Mögliche Überbewertung einzelner Aktien, wenn die Kursdynamik nachlässt.
·Sektorale Konzentration, wenn viele Momentum-Aktien aus derselben Branche stammen.

09 · Was gilt

Für wen lohnt sich ein Momentum-ETF?

Die Strategie eignet sich nicht für jede Anlegerin. Deine Risikobereitschaft und dein Anlagehorizont sind entscheidend.

Die Strategie eignet sich vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die einen langen Atem haben und Schwankungen aushalten können. Ein Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren ist sinnvoll, damit sich die typischen Phasen von Über- und Unterperformance ausgleichen können. Als Beimischung zu einem breiten Markt-ETF kann ein Momentum-ETF das Portfolio um einen Renditefaktor ergänzen.

Weniger geeignet ist die Strategie, wenn du nur kurzfristig anlegen willst oder stärkere Kursschwankungen nicht tolerierst. Wer ausschließlich auf eine breite Marktabbildung setzt und keine Abweichung vom Marktdurchschnitt wünscht, ist mit einem klassischen Welt-ETF meist besser bedient.

Eher geeignet

·Anlegerinnen mit einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren
·Anlegerinnen, die Schwankungen aushalten können
·Anlegerinnen, die eine Beimischung zu einem breiten Markt-ETF suchen

Eher ungeeignet

·Anlegerinnen mit einem kurzen Anlagehorizont unter fünf Jahren
·Anlegerinnen, die keine stärkeren Kursschwankungen tolerieren
·Anlegerinnen, die ausschließlich auf eine breite Marktabbildung setzen

10 · Im Vertrag

Wie wird die Rendite besteuert?

Gewinne aus Momentum-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Die Teilfreistellung für Aktienfonds reduziert die Steuerlast.

Auf Kursgewinne und Dividenden fällt ein Steuersatz von 25 Prozent an, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer. Bei Aktienfonds greift eine Teilfreistellung: 30 Prozent der Erträge sind steuerfrei, nur 70 Prozent werden besteuert.

Für deine Steuerplanung gilt: Pro Person und Jahr sind 1000 Euro Kapitalerträge über den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag auf 2000 Euro. Erst wenn deine Erträge diesen Freibetrag übersteigen, wird Abgeltungsteuer fällig.

11 · Hintergrund

So ordnest du die Wert­entwicklung richtig ein

Die vergangene Kursentwicklung eines Momentum-ETF kann stark vom breiten Markt abweichen. Sie ist kein Garant für künftige Renditen.

Momentum-ETFs können in starken Aufwärtsphasen höhere Renditen erzielen als marktbreite ETFs. Nach Markteinbrüchen zeigten Momentum-Indizes teils deutliche Überrenditen, weil sie früh auf die Aktien setzten, die sich am schnellsten erholten. Diese Phasen können die Strategie attraktiv erscheinen lassen.

In fallenden oder stark schwankenden Märkten kann sich das Blatt jedoch wenden. Aktien, die zuvor am stärksten gestiegen sind, werden dann oft überdurchschnittlich stark verkauft. Die Verluste eines Momentum-ETF können in solchen Phasen höher ausfallen als bei einem marktbreiten ETF. Betrachte die vergangene Wertentwicklung daher immer als das, was sie ist: eine historische Information, keine Garantie für die Zukunft.

Momentum-ETFs können in starken Aufwärtsphasen höhere Renditen erzielen als marktbreite ETFs. In den Jahren nach einem Markteinbruch zeigten Momentum-Indizes teils deutliche Überrenditen, weil sie früh auf die Aktien setzten, die sich am schnellsten erholten.

In fallenden oder stark schwankenden Märkten kann sich das Blatt wenden. Aktien, die zuvor am stärksten gestiegen sind, werden in solchen Phasen oft überdurchschnittlich stark verkauft. Die Verluste eines Momentum-ETF können dann höher ausfallen als bei einem marktbreiten ETF.

Für deine Anlageentscheidung bedeutet das: Betrachte die Wertentwicklung über möglichst lange Zeiträume und vergleiche sie mit dem breiten Markt. Eine kurzfristige Outperformance ist kein alleiniges Kaufargument, eine kurzfristige Schwächephase kein alleiniger Grund zu verkaufen.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026