Ratgeber · Investieren
Momentum-ETFs einfach erklärt: So investierst du in den Trendfaktor
Ein Momentum-ETF bündelt Aktien, die in den vergangenen Monaten besonders stark gestiegen sind. Die Idee dahinter: Ein einmal gestarteter Aufwärtstrend setzt sich oft weiter fort.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Momentum-ETFs setzen auf Aktien mit der stärksten Kursentwicklung der letzten 6 bis 12 Monate.
- Die Strategie kann in starken Marktphasen eine Überrendite bringen, ist aber bei abrupten Trendwenden riskanter.
- Die laufenden Kosten liegen meist bei 0,25 Prozent pro Jahr, die Fonds sind oft thesaurierend.
- Ein Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren ist sinnvoll, um Schwächephasen auszusitzen.
01 · Grundlagen
Was ist ein Momentum-ETF?
Ein Momentum-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der eine bestimmte Auswahlregel nutzt: Er kauft vor allem Aktien, die zuletzt überdurchschnittlich stark gestiegen sind.
Die Auswahl der Aktien erfolgt nicht nach der Größe eines Unternehmens, sondern nach der Stärke seiner jüngsten Kursbewegung. Der Indexanbieter misst dafür die Wertentwicklung der infrage kommenden Titel über einen Zeitraum von meist 6 oder 12 Monaten. Aktien mit der stärksten positiven Entwicklung werden aufgenommen, schwache oder gefallene Titel fliegen raus.
Je stärker der Aufwärtstrend einer Aktie in diesem Beobachtungszeitraum war, desto höher wird sie im Index gewichtet. Dadurch weicht ein Momentum-ETF bewusst von einem klassischen Welt-ETF ab, der einfach nach Marktkapitalisierung gewichtet. Diese Vorgehensweise gehört zur Gruppe der Smart-Beta-Strategien.
Für dich bedeutet das: Du kaufst mit einem einzigen Wertpapier ein Bündel aus den aktuellen Gewinneraktien eines Marktes. Die Zusammensetzung wird regelmäßig überprüft und beim Rebalancing neu justiert, damit der Fonds seiner Regel treu bleibt.
Kurz erklärt
Momentum-ETF
Ein ETF, der einen Index abbildet, welcher Aktien nach der Stärke ihrer Kursentwicklung der vergangenen 6 bis 12 Monate auswählt und gewichtet.
Er gehört zur Gruppe der Smart-Beta-ETFs und weicht damit bewusst von einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung ab.
02 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Momentum-Strategie
Die Strategie basiert auf einer wissenschaftlichen Beobachtung: Aktien mit einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung setzen ihren Trend oft fort, besonders in starken Marktphasen.
Der Ablauf hinter einem Momentum-Index folgt einem klaren, mehrstufigen Prozess. Zuerst legt der Indexanbieter den Beobachtungszeitraum fest, in der Regel die vergangenen 6 oder 12 Monate. Dann wird für alle infrage kommenden Aktien die Kursentwicklung in diesem Zeitraum berechnet.
Im zweiten Schritt wählt der Anbieter die Titel mit der stärksten positiven Entwicklung aus. Aktien mit schwacher oder negativer Performance fallen aus dem Index heraus. Anschließend werden die verbleibenden Werte nach der Stärke ihres Trends gewichtet: Je kräftiger der Aufwärtstrend, desto größer der Anteil im Portfolio.
Beim regelmäßigen Rebalancing wird dieser Prozess wiederholt. Der Index wird überprüft und neu zusammengestellt, damit stets die aktuellen Gewinneraktien enthalten sind. Diese Systematik sorgt dafür, dass der ETF in starken Marktphasen die Titel mit dem meisten Rückenwind übergewichtet.
Beobachtungszeitraum festlegen
Der Indexanbieter misst die Kursentwicklung aller infrage kommenden Aktien über einen Zeitraum von meist 6 oder 12 Monaten.
Gewinneraktien auswählen
Die Titel mit der stärksten positiven Entwicklung werden für den Index ausgewählt. Aktien mit schwacher oder negativer Entwicklung fallen heraus.
Nach Momentum gewichten
Je stärker der Aufwärtstrend einer Aktie, desto höher ist ihr Anteil im Index. So werden die aktuellen Gewinner systematisch übergewichtet.
Regelmäßig umschichten
Beim Rebalancing wird der Index überprüft und neu zusammengestellt. Aktien, deren Momentum nachlässt, werden durch neue Trendaktien ersetzt.
03 · Vergleich
Momentum-ETF oder klassischer Welt-ETF?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Aktienauswahl. Ein klassischer Welt-ETF gewichtet nach Marktkapitalisierung, ein Momentum-ETF nach der Stärke des Kursanstiegs.
Der zentrale Unterschied liegt im Auswahlkriterium. Ein marktbreiter ETF gewichtet Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung, also nach dem Gesamtwert aller ausgegebenen Aktien. Ein Momentum-ETF dagegen sortiert die Aktien nach der Stärke ihrer Kursentwicklung in den vergangenen 6 bis 12 Monaten.
Diese andere Logik hat Folgen für Rendite und Risiko. In starken Aufwärtstrends kann ein Momentum-ETF den breiten Markt schlagen, weil er die Gewinneraktien systematisch übergewichtet. Bei abrupten Trendwenden sind diese zuvor stark gelaufenen Titel jedoch oft die ersten, die Anleger abverkaufen. Dann kann der Momentum-ETF deutlich stärker fallen als ein klassischer Welt-ETF.
Für dich heißt das: Ein Momentum-ETF ist kein Ersatz für einen breit gestreuten Welt-ETF, sondern eine Ergänzung mit anderem Risikoprofil. Die Volatilität ist meist höher, die Renditechancen in klaren Trendphasen aber ebenfalls.
| Momentum-ETF | Marktbreiter ETF | |
|---|---|---|
| Auswahlkriterium | Stärke der Kursentwicklung der letzten 6 bis 12 Monate | |
| Renditechance in starken Aufwärtstrends | Kann den Markt schlagen, da Gewinneraktien übergewichtet werden | |
| Verhalten bei abrupten Trendwenden | Anfällig für stärkere Verluste, da bisherige Gewinner oft am stärksten abverkauft werden | |
| Volatilität | Meist höher als beim breiten Markt | |
| Typische Kostenquote (TER) | 0,25 Prozent pro Jahr |
04 · Was gilt
Wann sich Momentum-ETFs besonders gut entwickeln
Die Strategie hat ihre Stärken vor allem in langanhaltenden Aufwärtstrends. In solchen Phasen werden die Aktien mit dem stärksten Rückenwind systematisch bevorzugt.
Wenn die Wirtschaft wächst und die Unternehmensgewinne steigen, bekommen die Aktien mit dem stärksten Rückenwind oft zusätzlichen Schub. Auch sektorale Aufschwünge, etwa bei technologischen Innovationen, können die Gewinneraktien beflügeln.
In Erholungsphasen nach Markteinbrüchen zeigt der Faktor ebenfalls häufig Stärke, weil die Titel mit der schnellsten Erholung übergewichtet werden. Anders sieht es in Seitwärtsmärkten ohne klare Richtung aus: Hier wechseln Gewinner und Verlierer schnell, was die Strategie verwässert.
Besonders ungünstig sind plötzliche Korrekturen oder sogenannte Momentum-Crashes. In solchen Phasen werden die bisherigen Gewinner oft am stärksten abverkauft, und der ETF kann dem Markt hinterherlaufen, bis das nächste Rebalancing das Portfolio umschichtet.
Günstige Phase
Ungünstige Phase
05 · Kosten
Was kostet ein Momentum-ETF?
Die laufenden Kosten sind bei allen verfügbaren Momentum-ETFs auf globale Indizes identisch. Unterschiede gibt es bei den Handelsgebühren deines Brokers.
Die Gesamtkostenquote, auch Total Expense Ratio oder kurz TER genannt, liegt einheitlich bei 0,25 Prozent pro Jahr. Das ist etwas teurer als bei klassischen Welt-ETFs, die oft zwischen 0,10 und 0,20 Prozent pro Jahr kosten.
Deutlich günstiger bist du damit im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds, die typischerweise zwischen 1,00 und 2,00 Prozent pro Jahr verlangen. Diese höheren Kosten schaffen es nur selten, eine bessere Rendite als ein ETF zu erzielen.
Für Sparpläne gilt: Viele Online-Broker bieten Momentum-ETFs bereits ab einer monatlichen Rate von 1 Euro an, oft ohne Ordergebühr. Bei anderen Direktbanken liegen die Mindestraten bei 10, 25 oder 50 Euro pro Monat.
Kurz erklärt
Gesamtkostenquote (TER) Momentum-ETF
Typische Kosten eines Momentum-ETFs
0,25 % p. a.
06 · Checkliste
Wichtige Auswahlkriterien für Momentum-ETFs
Neben der Wertentwicklung entscheiden vor allem Kosten, Fondsgröße, Ertragsverwendung, Fondsdomizil und Replikationsmethode über die Qualität eines Momentum-ETFs.
Beim Vergleich der verfügbaren Produkte helfen dir einige feste Kriterien. Die Gesamtkostenquote liegt bei allen aktuellen Momentum-ETFs einheitlich bei 0,25 Prozent pro Jahr, daher ist dieser Punkt schnell abgehakt. Wichtiger ist die Fondsgröße: Ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro verringert das Risiko, dass der Anbieter den ETF schließt.
Die Ertragsverwendung ist bei den großen Produkten einheitlich thesaurierend, das heißt, Erträge werden automatisch reinvestiert. Als Fondsdomizil ist Irland üblich, was für dich keine steuerlichen Nachteile bringt. Bei der Replikationsmethode findest du sowohl vollständige Replikation als auch optimiertes Sampling, beides sind physische Varianten.
- Prüfe die Fondsgröße, denn ein größeres Volumen bedeutet in der Regel engere Spreads und mehr Liquidität.
- Achte auf die Replikationsmethode, da vollständige Replikation den Index exakter abbildet als optimiertes Sampling.
- Vergleiche die Wertentwicklung über mehrere Jahre, nicht nur über die letzten 12 Monate.
Darauf solltest du beim Vergleich achten
Gesamtkostenquote (TER): Bei den verfügbaren Produkten einheitlich 0,25 Prozent pro Jahr
Fondsgröße: Ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro verringert das Risiko einer Fondsschließung
Ertragsverwendung: Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch
Fondsdomizil: Irland ist bei den großen Momentum-ETFs üblich
Replikationsmethode: Vollständige Replikation oder optimiertes Sampling sind beide physisch
Liquidität: Ein hohes Fondsvolumen und enge Spreads erleichtern den Handel
Indexanbieter: MSCI ist der dominierende Anbieter für Momentum-Indizes
07 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Investieren in Momentum-ETFs
Die Strategie wirkt einfach, birgt aber Fallstricke. Wer sie kennt, kann Enttäuschungen vermeiden und den Faktor gezielter einsetzen.
Der häufigste Fehler ist ein zu kurzer Anlagehorizont. Wer nach zwei oder drei Jahren aussteigt, erwischt oft genau eine Schwächephase des Faktors und verkauft mit Verlust. Momentum schlägt den Markt nicht in jedem Jahr, sondern nur über lange Zeiträume von 10 bis 15 Jahren.
Ein weiterer Fehler ist die Übergewichtung. Ein Momentum-ETF sollte nur eine Beimischung zu einem breit gestreuten Basisinvestment sein, nicht das gesamte Aktienportfolio ersetzen. Wer alles auf den Faktor setzt, trägt ein unnötig hohes Risiko.
Nach einem Momentum-Crash steigen viele Anleger am Tiefpunkt aus, weil die Verluste besonders schmerzhaft sind. Genau dann ist die Disziplin gefragt, investiert zu bleiben. Auch der Blick nur auf die 1-Jahres-Rendite führt in die Irre, denn die Wertentwicklung über 3 oder 5 Jahre ist deutlich aussagekräftiger.
Diese Fehler solltest du vermeiden
08 · Im Vertrag
Replikationsmethode: So bildet der ETF den Index ab
Momentum-ETFs setzen überwiegend auf physische Replikation. Dabei gibt es zwei Varianten, die sich im Detail unterscheiden.
Die häufigste Methode ist die vollständige Replikation: Der ETF kauft alle im Index enthaltenen Aktien in der entsprechenden Gewichtung und bildet den Momentum-Index damit sehr genau ab.
Bei sehr großen Indizes kommt manchmal das optimierte Sampling zum Einsatz. Der ETF kauft dann nur eine repräsentative Auswahl der Indexaktien, was den Handelsaufwand reduziert. Das kann zu minimalen Abweichungen von der Indexentwicklung führen, ist aber in der Praxis kaum spürbar.
Eine synthetische Replikation, bei der der ETF ein Austauschportfolio hält und den Index über ein Tauschgeschäft abbildet, ist bei den aktuell verfügbaren Momentum-ETFs nicht üblich. Du findest hier ausschließlich physische Varianten.
Die beiden physischen Replikationsmethoden
09 · Was gilt
Ertragsverwendung: Thesaurierend oder ausschüttend?
Bei den verfügbaren Momentum-ETFs auf globale Indizes ist die Ertragsverwendung einheitlich geregelt. Das vereinfacht die Auswahl.
Das bedeutet, dass Dividenden und andere Erträge automatisch wieder angelegt werden, ohne dass du etwas tun musst. Der Zinseszinseffekt läuft dadurch ohne weiteres Zutun.
Steuerlich relevant ist bei thesaurierenden ETFs nur die jährliche Vorabpauschale, die in der Regel deutlich niedriger ausfällt als eine Ausschüttung. Ausschüttende Varianten gibt es bei globalen Momentum-ETFs derzeit nicht.
Für dich bedeutet das: Wenn du laufende Erträge entnehmen möchtest, ist ein Momentum-ETF nicht das passende Instrument. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die Thesaurierung dagegen ein Vorteil, weil du dich um nichts kümmern musst.
Thesaurierend
Ausschüttend
10 · Hintergrund
Steuern auf Momentum-ETFs
Für die Besteuerung gelten dieselben Regeln wie für andere Aktienfonds. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast auf Kursgewinne und Dividenden.
Gewinne aus Momentum-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Da Momentum-ETFs als Aktienfonds gelten, greift eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet: Nur 70 Prozent der Erträge sind steuerpflichtig. Diese Regel reduziert deine Steuerlast auf Kursgewinne und Dividenden spürbar.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro. Erst wenn deine Kapitalerträge diesen Betrag übersteigen, wird Abgeltungsteuer fällig. Bei thesaurierenden ETFs wird zudem jährlich eine Vorabpauschale berechnet, die in der Regel deutlich niedriger ausfällt als eine Ausschüttung.
Gewinne aus Momentum-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Bei thesaurierenden ETFs wird jährlich eine Vorabpauschale fällig. Sie ist in der Regel deutlich niedriger als eine Ausschüttung und wird beim späteren Verkauf angerechnet.
11 · Checkliste
Für wen sich Momentum-ETFs eignen
Die Strategie ist kein Ersatz für einen breit gestreuten Welt-ETF, sondern eine Beimischung für Anleger mit klarer Überzeugung und langem Atem.
Du solltest einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren mitbringen und bereit sein, temporäre Phasen mit schlechterer Entwicklung als der Gesamtmarkt auszuhalten.
Ein bestehendes Basisinvestment in marktbreite ETFs ist die Voraussetzung, bevor du einen Momentum-ETF beimischst. Nur so bleibt dein Portfolio ausreichend diversifiziert, wenn der Faktor eine Schwächephase durchläuft.
- Du verstehst die Funktionsweise des Momentum-Faktors und glaubst an die wissenschaftliche Grundlage.
- Du hast die Disziplin, auch nach einem Momentum-Crash investiert zu bleiben.
- Dein Depot bietet Zugang zu den verfügbaren Momentum-ETFs, idealerweise als Sparplan ohne Ordergebühr.
Das solltest du mitbringen
Einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren
Die Bereitschaft, temporäre Phasen mit schlechterer Entwicklung als der Gesamtmarkt auszuhalten
Ein bestehendes Basisinvestment in marktbreite ETFs
Verständnis für die Funktionsweise des Momentum-Faktors
Die Disziplin, auch nach einem Momentum-Crash investiert zu bleiben
Ein Depot mit Zugang zu den verfügbaren Momentum-ETFs
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