Ratgeber · Investieren
ESG-ETF einfach erklärt: So investierst du nachhaltig
Ein ESG-ETF bündelt Aktien von Unternehmen, die in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung besser abschneiden als andere. So kannst du dein Geld anlegen, ohne auf eine breite Streuung zu verzichten.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung).
- Es gibt verschiedene Auswahlmethoden wie Ausschlusskriterien oder den Best-in-Class-Ansatz.
- Die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) schafft mehr Transparenz bei nachhaltigen Fonds.
- Der Begriff ESG ist nicht streng reguliert, daher lohnt sich ein genauer Blick auf die Zusammensetzung des ETF.
01 · Grundlagen
Was bedeutet ESG bei ETFs?
Die Abkürzung ESG beschreibt drei zentrale Bereiche, anhand derer Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeit hin bewertet werden. Ein ETF mit diesem Kürzel bildet einen Index ab, der diese Kriterien berücksichtigt.
Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein Auswahlprozess, der über reine Finanzkennzahlen hinausgeht. Index-Anbieter durchleuchten Unternehmen dabei auf Risiken und Chancen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Ein ETF mit diesem Zusatz bildet also keinen klassischen Marktindex ab, sondern eine gefilterte Version davon.
Für dich bedeutet das: Du investierst weiterhin breit gestreut in hunderte oder tausende Aktien. Gleichzeitig fließt dein Geld schwerpunktmäßig in Firmen, die definierte Mindeststandards erfüllen oder im Branchenvergleich besser abschneiden. Wie streng dieser Filter ist, hängt vom jeweiligen Indexkonzept ab.
ESG ist kein gesetzlich geschützter Begriff, sondern eine Beschreibung der Auswahlmethode.
Kurz erklärt
ESG-Kriterien
ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Diese drei Faktoren werden genutzt, um die Nachhaltigkeit und ethische Ausrichtung eines Unternehmens zu bewerten.
Ein ESG-ETF investiert in Unternehmen, die in diesen drei Bereichen bestimmte Anforderungen erfüllen.
02 · Checkliste
Die drei Säulen der ESG-Kriterien
Jeder Buchstabe im Kürzel ESG steht für einen eigenen Bewertungsbereich. Diese Bereiche decken ein breites Spektrum an Themen ab, vom CO2-Ausstoß bis zur Transparenz der Unternehmensführung.
Die Bewertung eines Unternehmens erfolgt entlang der drei Buchstaben. Im Bereich Umwelt zählen nicht nur der CO2-Ausstoß, sondern auch der Umgang mit Wasser, Abfall und der Schutz der biologischen Vielfalt. Unternehmen müssen hier klar beschreiben, welchen Beitrag sie zum Klimaschutz leisten oder wie sie ihre Emissionen reduzieren wollen.
Der soziale Bereich rückt die Menschen in den Fokus. Geprüft wird, ob Lieferketten frei von Kinderarbeit sind, ob Arbeitssicherheit gewährleistet ist und ob es faire Löhne gibt. Bei der Unternehmensführung geht es um harte Regeln gegen Korruption, transparente Berichterstattung und unabhängige Kontrollinstanzen im Aufsichtsrat.
- Umweltkriterien umfassen die Nutzung erneuerbarer Energien und Strategien zur CO2-Reduktion.
- Sozialkriterien prüfen die Einhaltung der Menschenrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Governance-Kriterien verlangen fest definierte Unternehmenswerte und Maßnahmen gegen Bestechung.
Wichtige Aspekte der ESG-Kriterien
Umwelt: Reduktion von CO2-Emissionen, Nutzung erneuerbarer Energien, Schutz der Biodiversität und nachhaltige Entsorgung.
Soziales: Faire Arbeitsbedingungen, Arbeitssicherheit, keine Diskriminierung, Verbot von Kinderarbeit und Einhaltung der Menschenrechte.
Unternehmensführung: Maßnahmen gegen Korruption, transparente Kommunikation, fest definierte Unternehmenswerte und unabhängige Kontrollinstanzen.
03 · Vergleich
So wählen ESG-Indizes Unternehmen aus
Index-Anbieter wie MSCI nutzen unterschiedliche Methoden, um aus einem herkömmlichen Index einen ESG-Index zu machen. Diese Methoden bestimmen, welche Unternehmen letztlich im ETF landen.
Index-Anbieter wie MSCI verfolgen unterschiedliche Strategien, um aus einem breiten Markt einen nachhaltigen Index zu formen. Die einfachste Methode ist das Ausschlussprinzip, bei dem komplette Geschäftsfelder wie Waffen, Tabak oder Kohle entfernt werden. Diese Variante wird oft als „Screened“ bezeichnet und greift am wenigsten in die Zusammensetzung ein.
Eine strengere Variante ist der Best-in-Class-Ansatz. Hier werden nicht ganze Branchen gestrichen, sondern pro Sektor nur die Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeitsratings ausgewählt. Dadurch können auch Ölkonzerne im Index bleiben, sofern sie im Vergleich zu ihrer Konkurrenz führend bei der Transformation sind. Sogenannte SRI-Indizes wählen auf diese Weise oft die besten 25 Prozent jedes Sektors aus.
- Beim Ausschlussprinzip fliegt die gesamte Rüstungsindustrie aus dem Portfolio.
- Beim Best-in-Class-Ansatz bleibt die Branche erhalten, aber nur die nachhaltigsten Firmen sind investierbar.
- Thematische Indizes zielen auf spezifische Ziele wie die UN-Nachhaltigkeitsziele ab.
| Ausschlussprinzip | Best-in-Class | |
|---|---|---|
| Funktionsweise | Schließt ganze Branchen oder Unternehmen mit kontroversen Geschäftsfeldern aus. | Wählt die nachhaltigsten Unternehmen innerhalb jeder Branche aus. |
| Umgang mit kritischen Branchen | Branchen wie Waffen, Tabak oder Kohle werden komplett entfernt. | Auch Öl- oder Rüstungsfirmen können enthalten sein, wenn sie Branchenbeste sind. |
| Ziel | Investitionen in unethische Geschäftsmodelle vermeiden. | Anreize für alle Firmen einer Branche schaffen, nachhaltiger zu werden. |
04 · Was gilt
Woran du einen ESG-ETF erkennst
Das Kürzel ESG im Namen ist ein erster Hinweis, aber keine Garantie für eine strenge Nachhaltigkeitsauswahl. Auch andere Bezeichnungen wie SRI weisen auf eine verantwortungsvolle Anlagestrategie hin.
Der Name eines ETF oder seines zugrunde liegenden Index ist der schnellste Hinweis. Enthält er das Kürzel ESG, SRI oder Begriffe wie „Climate“ oder „Low Carbon“, basiert die Auswahl auf Nachhaltigkeitskriterien. Ein reiner „World“- oder „Global“-ETF ohne diesen Zusatz bildet dagegen den konventionellen Markt ab.
Verlasse dich jedoch nicht blind auf die Bezeichnung. Ein Zusatz wie „ESG Screened“ bedeutet lediglich, dass minimale Ausschlüsse vorgenommen wurden, während ein SRI-Index deutlich strenger filtert. Der Name ist ein Startpunkt, aber kein Beweis für die Qualität des Nachhaltigkeitskonzepts.
- Das Kürzel ESG im Indexnamen deutet auf eine Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien hin.
- Die Bezeichnung SRI steht für Socially Responsible Investment und ist meist strenger als ein einfacher ESG-Screen.
- Begriffe wie „Climate“ oder „Low Carbon“ weisen auf einen thematischen Fokus im Umweltbereich hin.
Deutet auf ESG hin
Kein klares Signal
05 · Hintergrund
Die Rolle von Rating-Agenturen
Rating-Agenturen liefern die Datenbasis für viele ESG-Indizes. Sie bewerten Unternehmen anhand einer Vielzahl von Kriterien und erstellen daraus ein Nachhaltigkeitsrating.
Für die Bewertung der Unternehmen greifen Index-Anbieter auf spezialisierte Agenturen zurück. Diese sammeln Daten zu Emissionen, Arbeitsbedingungen und Managementstrukturen und verdichten sie zu einem Punktwert oder einer Note. Aus diesen Ratings entsteht die Rangliste, die für einen Best-in-Class-Index entscheidend ist.
Die Methoden der Agenturen sind nicht vereinheitlicht. Dasselbe Unternehmen kann von zwei Anbietern unterschiedlich bewertet werden, weil die Gewichtung der Kriterien abweicht. Für dich heißt das: Ein gutes Rating ist eine Orientierung, aber keine objektive Wahrheit über die Nachhaltigkeit eines Konzerns.
Ein SRI-Index enthält häufig nur die Unternehmen mit den besten 25 Prozent der ESG-Ratings in jedem Sektor.
Rating-Agenturen sammeln und analysieren Daten zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Aus diesen Daten erstellen sie ein Rating, das die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zusammenfasst.
Index-Anbieter nutzen diese Ratings, um Unternehmen für ihre ESG-Indizes auszuwählen. Ein SRI-Index enthält beispielsweise oft nur die Unternehmen mit den besten 25 Prozent der ESG-Ratings in jedem Sektor.
Die Methoden der Rating-Agenturen sind nicht einheitlich. Dadurch kann dasselbe Unternehmen von verschiedenen Agenturen unterschiedlich bewertet werden, was die Vergleichbarkeit erschwert.
06 · Im Vertrag
Was die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) regelt
Die Offenlegungsverordnung der EU schafft einen Rahmen, um Fonds hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsbezugs vergleichbarer zu machen. Sie teilt Fonds in verschiedene Kategorien ein.
Die Europäische Union hat mit der Offenlegungsverordnung einen Rahmen geschaffen, der Fonds in drei Kategorien einteilt. Diese Einteilung gibt dir einen ersten Anhaltspunkt, wie ernst ein Produkt das Thema Nachhaltigkeit nimmt. Die Kategorien heißen Artikel 6, Artikel 8 und Artikel 9.
Artikel-6-Fonds sind konventionelle Produkte ohne Nachhaltigkeitsbezug. Die meisten ESG-ETFs fallen unter Artikel 8, das bedeutet, sie bewerben ökologische oder soziale Merkmale. Artikel 9 ist die strengste Stufe, hier verfolgt der Fonds ein explizites Nachhaltigkeitsziel wie die Reduktion von CO2-Emissionen.
- Artikel-6-Fonds berücksichtigen Nachhaltigkeitsrisiken nicht oder nur minimal.
- Artikel-8-Fonds bewerben ökologische oder soziale Merkmale, ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen.
- Artikel-9-Fonds haben ein festgelegtes Nachhaltigkeitsziel und sind die strengste Kategorie.
Die SFDR-Kategorien für Fonds
07 · Fehler vermeiden
So vermeidest du Greenwashing
Greenwashing bezeichnet den Versuch, Finanzprodukte nachhaltiger darzustellen, als sie tatsächlich sind. Mit ein paar gezielten Prüfungen kannst du das Risiko reduzieren.
Greenwashing passiert, wenn ein Produkt nachhaltiger wirkt, als es ist. Um das zu erkennen, reicht ein Blick auf den Namen nicht aus. Öffne das Factsheet des ETF und prüfe, welche Unternehmen tatsächlich enthalten sind und welche Ausschlüsse gelten.
Vergleiche die Top-Positionen mit einem herkömmlichen Index. Sind die größten Aktien nahezu identisch, ist der Nachhaltigkeitsfilter sehr schwach. Achte zudem auf die SFDR-Kategorie und das Fondsvolumen, denn sehr kleine Fonds können langfristig geschlossen oder zusammengelegt werden.
- Prüfe das Factsheet, um die tatsächlichen Ausschlusskriterien zu sehen.
- Vergleiche die Top-Positionen mit einem Standard-ETF, um die Stärke des Filters einzuschätzen.
- Achte auf die SFDR-Kategorie, denn Artikel 8 ist weniger streng als Artikel 9.
Typische Fallen und wie du sie umgehst
08 · Kosten
Was kostet ein ESG-ETF?
Die Kosten eines ESG-ETF werden hauptsächlich durch die laufende Gebühr, die Total Expense Ratio (TER), bestimmt. Diese liegt bei ESG-ETFs oft etwas höher als bei Standard-ETFs.
Bei ESG-ETFs liegt diese Kennzahl oft minimal über der eines vergleichbaren Standard-ETF, weil die Indexanbieter für die Nachhaltigkeitsdaten eine Lizenzgebühr verlangen. Die Unterschiede sind jedoch meist sehr gering.
Ein klassischer ETF auf den MSCI World liegt bei etwa 0,20 Prozent pro Jahr. Eine ESG-Variante kostet häufig um die 0,25 Prozent, eine strengere SRI-Variante etwa 0,30 Prozent. Diese Differenz fällt bei der langfristigen Rendite kaum ins Gewicht, entscheidender ist die Passgenauigkeit des Konzepts.
- Standard-ETFs auf den MSCI World liegen bei einer TER von etwa 0,20 Prozent.
- ESG-ETFs auf den MSCI World kosten oft um die 0,25 Prozent pro Jahr.
- SRI-ETFs mit strengerem Filter liegen bei etwa 0,30 Prozent jährlicher Kosten.
09 · Was gilt
Steuern auf ESG-ETFs
Für ESG-ETFs gelten dieselben Steuerregeln wie für herkömmliche Aktien-ETFs. Dank der Teilfreistellung bleibt ein Teil deiner Erträge steuerfrei.
Für die Besteuerung macht es keinen Unterschied, ob du einen konventionellen oder einen nachhaltigen Aktien-ETF hältst. Es gelten die Regeln für Aktienfonds, inklusive der Teilfreistellung. Diese sorgt dafür, dass ein Teil deiner Erträge pauschal steuerfrei bleibt.
Konkret sind 30 Prozent der Erträge aus einem Aktien-ETF steuerfrei. Auf die restlichen 70 Prozent zahlst du die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Bevor Steuern fällig werden, kannst du deinen Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr nutzen, bei Ehepaaren sind es 2000 Euro.
- 30 Prozent der Erträge sind durch die Teilfreistellung für Aktienfonds steuerfrei.
- Auf die steuerpflichtigen 70 Prozent wird die Abgeltungsteuer von 25 Prozent fällig.
- Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, für Ehepaare bei 2000 Euro.
Erträge oberhalb des Sparer-Pauschbetrags werden besteuert.
Steuerfrei
10 · Vergleich
Lohnt sich ein ESG-ETF?
Die Entscheidung für einen ESG-ETF ist eine Abwägung zwischen deinen Wertvorstellungen und der erwarteten Rendite. Die Performance-Unterschiede zu Standard-ETFs sind oft gering.
Die Entscheidung für oder gegen einen ESG-ETF ist keine reine Renditefrage. Du verzichtest bewusst auf einen Teil des Marktes, etwa auf Waffenproduzenten oder Kohlekonzerne. Das kann in Phasen, in denen diese Branchen boomen, zu einer schlechteren Performance führen, in anderen Phasen aber auch zu einer besseren.
Langfristig können Unternehmen mit gutem Risikomanagement in den Bereichen Umwelt und Soziales widerstandsfähiger gegen Regulierungen und Reputationsschäden sein. Die Kostenunterschiede zu Standard-ETFs sind so gering, dass sie deine Entscheidung nicht dominieren sollten. Wichtiger ist, dass das Auswahlkonzept zu deinen Werten passt.
- Dein Geld fließt in Unternehmen, die definierte Mindeststandards in Umwelt, Sozialem und Führung erfüllen.
- Der Ausschluss ganzer Branchen kann kurzfristig die Rendite im Vergleich zum Gesamtmarkt schmälern.
- Die laufenden Kosten liegen nur minimal über denen eines konventionellen Aktien-ETF.
| Vorteile | Nachteile | |
|---|---|---|
| Ausrichtung | Dein Geld fließt in Unternehmen, die besser mit Umwelt- und Sozialrisiken umgehen. | Die Definition von 'nachhaltig' ist nicht einheitlich und kann von deinen Werten abweichen. |
| Rendite | Der klassische MSCI World hat sich in den letzten ein, zwei und fünf Jahren besser entwickelt als die restriktivere ESG-Version. | ESG-Indizes schließen Energie- und mit fossilen Brennstoffen verbundene Sektoren aus und gewichten Qualitäts- und Wachstumsaktien stärker. |
Häufige Fragen
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