Ratgeber · Investieren
Geldmarktfonds im Test: So findest du den passenden Zinsbaustein für dein Depot
Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs gelten als bequeme Alternative zum Tagesgeld. Sie bilden den aktuellen Zins am Geldmarkt ab und eignen sich für alle, die überschüssiges Geld flexibel und kostengünstig parken möchten.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Geldmarkt-ETFs bilden die Euro Short-Term Rate (ESTR) ab und liegen aktuell im Schnitt bei 2,44 Prozent Rendite pro Jahr.
- Im Gegensatz zu Tagesgeld gibt es bei Geldmarktfonds keine gesetzliche Einlagensicherung, dafür gilt das insolvenzgeschützte Sondervermögen.
- Achte auf die laufenden Kosten (TER) und die Ordergebühren deines Depots, damit die Rendite nicht geschmälert wird.
- Für den sicheren Anteil im Pantoffel-Portfolio eignen sich ESTR-ETFs oder kurzlaufende Staatsanleihen-ETFs in Euro.
01 · Grundlagen
Was ist ein Geldmarktfonds?
Ein Geldmarktfonds ist ein Investmentfonds, der am sogenannten Geldmarkt investiert. Dort leihen sich Banken, Unternehmen und Staaten kurzfristig Geld, die Laufzeiten sind eng an den Leitzins der EZB gekoppelt.
Die EU hat in einer Verordnung genau festgelegt, worin ein Geldmarktfonds investieren darf. Erlaubt sind vor allem Geldmarktinstrumente wie Schatzanweisungen, Termingelder oder Einlagenzertifikate von Banken, Unternehmen oder Staaten. Die Laufzeit dieser Papiere darf höchstens 397 Tage betragen, also rund ein Jahr und einen Monat.
Für dich bedeutet das: Ein regulierter Geldmarktfonds hält nur sehr kurzfristige Anlagen. Dadurch bleibt das Kursrisiko klein, und die Rendite orientiert sich eng am aktuellen Zinsniveau der Europäischen Zentralbank.
Die Verordnung schreibt außerdem vor, wie die Fonds ihre Investitionen über verschiedene Anlagemöglichkeiten verteilen müssen. Das sorgt für Krisenfestigkeit und stellt sicher, dass viele Anleger gleichzeitig an ihr Geld kommen, wenn sie es brauchen.
Kurz erklärt
Geldmarktfonds
Ein Investmentfonds, der in Geldmarktinstrumente wie Schatzanweisungen, Termingelder oder Einlagenzertifikate mit sehr kurzer Laufzeit investiert. Die Rendite orientiert sich eng am aktuellen Leitzins der Europäischen Zentralbank.
Die EU-Verordnung erlaubt für Geldmarktinstrumente eine maximale Laufzeit von 397 Tagen, also rund ein Jahr und einen Monat.
02 · Vergleich
Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld: Was passt zu dir?
Beide Anlageformen eignen sich als sicherer Parkplatz für Geld. Der entscheidende Unterschied liegt bei der Einlagensicherung, der Flexibilität und dem Aufwand für den Zinsvergleich.
Der größte Unterschied liegt bei der Sicherung. Tagesgeld unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung, Geldmarkt-ETFs sind dagegen insolvenzgeschütztes Sondervermögen. Bei einer Anbieterpleite sind geringe Verluste nicht ausgeschlossen, das Risiko gilt aber als vertretbar.
Bei der Rendite liegen beide Anlageformen nah beieinander. Die Zinsen am Geldmarkt betragen aktuell im Schnitt 2,44 Prozent pro Jahr, Top-Tagesgeldangebote locken zeitweise mit über 2,5 Prozent. Diese Aktionszinsen gelten aber oft nur für wenige Monate, danach fällt der Zins deutlich ab.
Der entscheidende Vorteil von Geldmarkt-ETFs ist der geringere Aufwand. Du richtest den ETF einmal ein und musst nicht ständig neue Konten eröffnen, um von guten Zinsen zu profitieren. Beim Tagesgeld-Hopping jagst du dagegen regelmäßig den besten Angeboten hinterher.
- Geldmarkt-ETFs eignen sich, wenn du keinen Aufwand mit Kontowechseln haben möchtest.
- Tagesgeld passt, wenn dir die gesetzliche Einlagensicherung wichtig ist und du täglich sofort verfügbar bleiben willst.
- Beim Verkauf von Geldmarkt-ETFs dauert es je nach Depotanbieter ein bis vier Bankarbeitstage, bis das Geld auf deinem Girokonto ist.
| Geldmarkt-ETF | Tagesgeld | |
|---|---|---|
| Rendite | Orientiert sich an der ESTR, aktuell im Schnitt 2,44 Prozent pro Jahr | Top-Angebote zeitweise über 2,5 Prozent pro Jahr, oft nur als Aktionszins |
| Sicherung | Sondervermögen, keine gesetzliche Einlagensicherung | Gesetzliche Einlagensicherung greift |
| Verfügbarkeit | Verkauf an der Börse, Geld nach ein bis vier Bankarbeitstagen auf dem Konto | Täglich verfügbar, Überweisung aufs Girokonto meist sofort |
| Aufwand | Einmal einrichten, keine ständigen Kontowechsel nötig | Regelmäßiger Wechsel für dauerhaft gute Zinsen nötig |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Rendite bei Geldmarkt-ETFs
Die Rendite eines Geldmarkt-ETFs hängt direkt am Zinsniveau des Euroraums. Steigt der EZB-Leitzins, steigen auch die Erträge, sinkt er, fällt die Rendite entsprechend.
Die Europäische Zentralbank legt den Leitzins fest, zu dem sich Banken kurzfristig Geld leihen können. Aus den Geldmarktgeschäften der 50 größten europäischen Banken berechnet die EZB täglich die Euro Short-Term Rate, kurz ESTR. Dieser Zinssatz bildet den durchschnittlichen Zins am europäischen Geldmarkt ab.
Ein ESTR-ETF versucht, die Entwicklung dieses Zinssatzes möglichst genau nachzubilden. Viele Fonds zielen dabei auf die ESTR plus einen kleinen Aufschlag von 8,5 Basispunkten ab. Die Zinserträge fließen täglich in den Fondspreis ein, du profitierst also automatisch von der täglichen Verzinsung.
Steigt der EZB-Leitzins, steigen auch die Erträge deines Geldmarkt-ETFs. Sinkt der Leitzins, fällt die Rendite entsprechend. In der Niedrigzinsphase vor einigen Jahren war die Wertentwicklung dieser Fonds zeitweise sogar negativ.
EZB legt den Leitzins fest
Die Europäische Zentralbank bestimmt den Zins, zu dem sich Banken kurzfristig Geld leihen können.
ESTR bildet den Marktzins ab
Die Euro Short-Term Rate (ESTR) wird täglich aus den Geldmarktgeschäften der 50 größten europäischen Banken berechnet.
ETF bildet die ESTR nach
Ein ESTR-ETF versucht, die Entwicklung dieses Zinssatzes möglichst genau abzubilden, oft mit einem kleinen Aufschlag von 8,5 Basispunkten.
Rendite wird täglich gutgeschrieben
Die Zinserträge fließen in den Fondspreis ein, du profitierst also automatisch von der täglichen Verzinsung.
04 · Was gilt
Welche Sicherheiten gelten für Geldmarktfonds?
Geldmarktfonds sind als Sondervermögen geschützt, unterliegen aber nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. Das Risiko ist eng begrenzt, aber nicht ausgeschlossen.
Geldmarktfonds sind als Sondervermögen geschützt. Das Fondsvermögen ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bleibt bei einer Insolvenz des Anbieters erhalten. Zusätzlich sorgt die EU-Verordnung für eine breite Streuung über viele verschiedene Geldmarktinstrumente.
Die gesetzliche Einlagensicherung greift bei Geldmarktfonds jedoch nicht. Anders als beim Tagesgeld sind geringe Verluste im Falle einer Anbieterpleite nicht ausgeschlossen. Das Restrisiko ist eng begrenzt, aber du solltest es einplanen.
Besondere Vorsicht gilt bei Fonds in Fremdwährungen. Geldmarkt-ETFs in US-Dollar oder anderen Währungen tragen ein erhebliches Wechselkursrisiko und sind als sicherer Geldparkplatz ungeeignet. Für eine sichere Geldanlage kommt nur die Fondswährung Euro infrage.
Gilt für Geldmarktfonds
Gilt nicht
05 · Kosten
Was kostet ein Geldmarkt-ETF?
Die Kosten setzen sich aus der laufenden Fondsgebühr (TER) und den Orderkosten deines Depots zusammen. Beide Faktoren entscheiden, ob sich die Anlage lohnt.
Die laufenden Kosten marktbreiter Geldmarkt-ETFs liegen meist zwischen 0,05 und 0,15 Prozent pro Jahr. Diese Total Expense Ratio, kurz TER, ist bei den empfohlenen Fonds das kleinste Problem. Entscheidender sind die Kaufkosten deines Depots.
Bei Online-Brokern und Neobrokern zahlst du für eine Order oft zwischen 0 und 10 Euro. Filialbanken und Sparkassen verlangen dagegen in der Regel 1 Prozent der Anlagesumme. Bei 10.000 Euro Anlagebetrag sind das 100 Euro, die deine Rendite im ersten Jahr spürbar schmälern.
In einem Test von 24 Banken, Online- und Neobrokern gab es fünf Anbieter, bei denen Geldmarkt-ETFs komplett kostenlos erhältlich sind. Gerade bei kurzen Anlagezeiträumen von einem Jahr machen hohe Ordergebühren den Renditevorteil gegenüber Tagesgeld schnell zunichte.
Kurz erklärt
Ordergebühr Filialbank
Typische Kostenpunkte bei Geldmarkt-ETFs
1 Prozent der Anlagesumme
06 · Im Vertrag
Fachbegriffe rund um Geldmarktfonds
Diese Begriffe begegnen dir in Fondsunterlagen und Vergleichen. Sie helfen dir, die Angebote richtig einzuordnen.
In Fondsunterlagen und Vergleichen begegnen dir einige Fachbegriffe, die du für die Auswahl kennen solltest. Die wichtigsten lassen sich in die Bereiche Zinssatz, Kosten, Sicherheit und Risiko einordnen.
Die ESTR ist der zentrale Referenzzinssatz für Geldmarkt-ETFs. Sie wird von der EZB aus den Geschäften der 50 größten europäischen Banken berechnet und gibt den durchschnittlichen Zins am Geldmarkt an. Die TER beziffert die laufenden Kosten eines Fonds pro Jahr in Prozent des Fondsvermögens.
Der Begriff Sondervermögen beschreibt den rechtlichen Schutz deines angelegten Geldes. Das Fondsvermögen ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bei einer Insolvenz des Anbieters geschützt. Die Bonität wiederum gibt die Kreditwürdigkeit eines Schuldners an, Geldmarktfonds investieren überwiegend in Papiere hoher Bonität.
Wichtige Begriffe im Überblick
07 · Checkliste
Checkliste: So findest du den passenden Geldmarkt-ETF
Mit diesen Kriterien filterst du aus der großen Auswahl die Fonds heraus, die als Tagesgeld-Alternative taugen.
Nicht jeder Fonds mit dem Wort Geldmarkt im Namen eignet sich als Tagesgeld-Alternative. Mit einigen klaren Kriterien filterst du aus der großen Auswahl die passenden Produkte heraus. Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test alle Fonds herausgefiltert, die sich als Alternative zu Tagesgeld eignen und die Bewertung 1. Wahl tragen.
- Der Fonds bildet die ESTR ab oder investiert in kurzlaufende Staatsanleihen des Euroraums oder Deutschlands.
- Die Fondswährung ist Euro, kein US-Dollar oder eine andere Fremdwährung.
- Die TER liegt unter 0,2 Prozent pro Jahr.
- Der ETF ist an deinem Depot ohne hohe Ordergebühren handelbar.
- Ein Sparplan ist möglich, wenn du regelmäßig Geld parken möchtest.
- Das Fondsvolumen ist ausreichend hoch für enge Spreads beim Handel.
Prüfe vor dem Kauf auch, ob der Anbieter die Versteuerung deiner Erträge übernimmt und ein Verrechnungskonto mit gesetzlicher Einlagensicherung anbietet. Das erleichtert die Handhabung erheblich.
Auswahlkriterien für Geldmarkt-ETFs
Der Fonds bildet die ESTR ab oder investiert in kurzlaufende Staatsanleihen des Euroraums.
Die Fondswährung ist Euro, kein US-Dollar oder andere Fremdwährung.
Die TER liegt unter 0,2 Prozent pro Jahr.
Der ETF ist an deinem Depot ohne hohe Ordergebühren handelbar.
Ein Sparplan ist möglich, wenn du regelmäßig Geld parken möchtest.
Der Fonds hat ein ausreichend hohes Fondsvolumen für enge Spreads.
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Umgang mit Geldmarktfonds
Diese Fehler kosten Rendite oder erhöhen das Risiko unnötig. Sie lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist der Kauf eines Geldmarktfonds in Fremdwährung. Das Währungsrisiko kann die Rendite schnell aufzehren und macht aus einem sicheren Geldparkplatz eine Wette auf Wechselkurse. Für eine sichere Anlage kommen nur Euro-Fonds infrage.
Teuer wird es, wenn du bei einer Filialbank kaufst. Ordergebühren von 1 Prozent der Anlagesumme fressen bei kurzen Anlagezeiträumen den Renditevorteil gegenüber Tagesgeld komplett auf. Prüfe deshalb vor dem Kauf die Konditionen deines Depots.
Achte außerdem auf den Unterschied zwischen echten Geldmarktfonds und geldmarktnahen Fonds. Geldmarktnahe Fonds investieren teilweise in Anleihen mit Laufzeiten über einem Jahr und tragen ein zusätzliches Kursrisiko. Sie dürfen sich nicht Geldmarktfonds nennen, versuchen aber oft, diesen Eindruck zu erwecken.
Fehler, die du vermeiden solltest
09 · Hintergrund
Geldmarkt-ETFs im Pantoffel-Portfolio
Das Pantoffel-Portfolio kombiniert einen breiten Aktien-ETF mit einem sicheren Baustein. Geldmarkt-ETFs können diesen sicheren Teil übernehmen.
Du musst dich nicht um ständige Kontowechsel kümmern.
Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test Geldmarkt-ETFs mit der Bewertung 1. Wahl herausgefiltert, die sich für gemischte Geldanlagen wie das Pantoffel-Portfolio eignen. Entscheidend ist, dass du den Geldmarkt-ETF günstig kaufen und verwahren kannst. Bei fünf getesteten Anbietern war das komplett kostenlos möglich.
Kombinierst du einen Aktien-ETF mit einem Geldmarkt-ETF, kannst du beide Sparpläne bei vielen Banken parallel einrichten. So automatisierst du deine Geldanlage vollständig und musst dich weder um Aktienkurse noch um Tagesgeldzinsen kümmern.
Im Pantoffel-Portfolio liegt ein Teil des Vermögens in einem weltweit streuenden Aktien-ETF, der andere Teil in einer risikoarmen Anlage. Geldmarkt-ETFs eignen sich für diesen sicheren Baustein, weil sie schwankungsarm sind und eine Rendite nahe am aktuellen Zinsniveau liefern.
Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test Geldmarkt-ETFs mit der Bewertung 1. Wahl herausgefiltert, die sich für gemischte Geldanlagen wie das Pantoffel-Portfolio eignen. Entscheidend ist, dass du den Geldmarkt-ETF günstig kaufen und verwahren kannst.
Kombinierst du einen Aktien-ETF mit einem Geldmarkt-ETF, kannst du die Aufteilung selbst steuern. Der Geldmarkt-Anteil dient als Puffer, aus dem du bei Bedarf Anteile verkaufst, ohne Aktien in einer ungünstigen Marktphase abgeben zu müssen.
10 · Hintergrund
Steuern auf Erträge aus Geldmarktfonds
Erträge aus Geldmarkt-ETFs sind Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer. Der Sparer-Pauschbetrag hilft, einen Teil steuerfrei zu halten.
Auf Zinserträge und Kursgewinne aus Geldmarkt-ETFs fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer, also effektiv 26,375 Prozent. Die Erträge werden vollständig besteuert, eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds gibt es bei Geldmarktfonds nicht.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Bis zu dieser Höhe bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei, wenn du einen Freistellungsauftrag bei deinem Depot eingerichtet hast. Ohne Freistellungsauftrag führt die Bank die Steuer automatisch ab.
Anders als bei Aktienfonds mit 30 Prozent Teilfreistellung werden Geldmarkt-ETFs steuerlich wie reine Zinsanlagen behandelt. Das macht sie für Anleger mit hohen Erträgen etwas unattraktiver, für die meisten Studierenden mit geringen Kapitalerträgen spielt der Unterschied aber kaum eine Rolle.
Häufige Fragen
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