Ratgeber · Investieren
Emerging-Markets-ETF: So funktioniert die Geldanlage in Schwellenländer
Ein Emerging-Markets-ETF bündelt Aktien aus Schwellenländern in einem einzigen Wertpapier. Du investierst damit breit gestreut in aufstrebende Volkswirtschaften, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Ein Emerging-Markets-ETF bildet einen Index wie den MSCI Emerging Markets ab, der Unternehmen aus 24 Schwellenländern enthält.
- Die jährlichen Kosten (TER) liegen zwischen 0,09 und 0,55 Prozent und sind damit deutlich günstiger als bei aktiv verwalteten Fonds.
- Schwellenländer-ETFs bieten Wachstumschancen, sind aber mit höheren Schwankungen und politischen Risiken verbunden.
- Als Beimischung zu einem Industrieländer-ETF kannst du mit einem Emerging-Markets-ETF deine globale Diversifikation verbessern.
01 · Grundlagen
Was ist ein Emerging-Markets-ETF?
Ein Emerging-Markets-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung von Aktien aus Schwellenländern nachbildet. Er funktioniert nach dem Prinzip der passiven Geldanlage und kauft die im Index enthaltenen Wertpapiere entweder direkt oder über Tauschgeschäfte.
Ein Emerging-Markets-ETF bildet einen Aktienindex aus Schwellenländern ab. Der bekannteste ist der MSCI Emerging Markets, der die Wertentwicklung von Unternehmen aus 24 Ländern nachbildet.
Mit einem einzigen Wertpapier investierst du so in über 1.000 Unternehmen aus Ländern wie Taiwan, Südkorea, China, Indien und Brasilien. Der Index deckt ungefähr 85 Prozent der Marktkapitalisierung in diesen Schwellenländern ab.
Die enthaltenen Unternehmen stammen aus verschiedenen Sektoren. Informationstechnologie hat mit 41,56 Prozent das größte Gewicht, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 19,71 Prozent und Nicht-Basiskonsumgütern mit 8,02 Prozent.
Kurz erklärt
Emerging-Markets-ETF
Ein börsengehandelter Fonds, der einen Aktienindex aus Schwellenländern wie den MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets möglichst genau abbildet.
Du kaufst mit einem einzigen Wertpapier Anteile an über 1.000 Unternehmen aus Ländern wie Taiwan, Südkorea, China, Indien und Brasilien.
02 · Vergleich
MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets: Wo liegen die Unterschiede?
Die beiden wichtigsten Indizes für Schwellenländer-ETFs sind der MSCI Emerging Markets und der FTSE Emerging Markets. Sie unterscheiden sich vor allem in der Länderauswahl, was direkte Auswirkungen auf die Zusammensetzung deines ETFs hat.
Der MSCI Emerging Markets enthält 24 Länder und 1.178 Unternehmen. Der FTSE Emerging Markets umfasst dagegen nur 20 Länder und damit weniger Unternehmen.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Einstufung Südkoreas. MSCI führt Südkorea als Schwellenland, FTSE zählt das Land bereits zu den Industrieländern. Für dich bedeutet das: Ein MSCI-ETF enthält südkoreanische Aktien, ein FTSE-ETF nicht.
Für die meisten Anleger ist der MSCI Emerging Markets der bekanntere und weiter verbreitete Index. Die Auswahl an ETFs auf diesen Index ist deutlich größer.
| MSCI Emerging Markets | FTSE Emerging Markets | |
|---|---|---|
| Anzahl der Länder | 24 Schwellenländer | |
| Gewichtung Südkorea | Als Schwellenland enthalten | |
| Anzahl der Unternehmen | 1.178 Unternehmen | |
| Abdeckung der Marktkapitalisierung | Rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung in Schwellenländern |
03 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert die Nachbildung des Index?
Damit dein ETF den Index möglichst genau abbildet, nutzt der Fondsanbieter unterschiedliche Techniken. Die Wahl der Replikationsmethode hat Einfluss auf das Risiko und die Genauigkeit der Abbildung.
Bei der vollständigen Replikation kauft der ETF alle im Index enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung. Das ist die transparenteste Methode, kann aber bei sehr vielen Einzelwerten zu höheren Handelskosten führen.
Beim optimierten Sampling kauft der ETF nur eine repräsentative Auswahl an Aktien. Diese Auswahl bildet den Index statistisch möglichst gut nach, spart Kosten und kann zu minimalen Abweichungen führen.
Bei der synthetischen Replikation hält der ETF ein Sicherheitenportfolio und tauscht dessen Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft gegen die Wertentwicklung des Index. Das kann die Abbildung genauer machen, bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit sich.
Vollständige Replikation
Der ETF kauft alle im Index enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung. Das ist die transparenteste Methode, kann aber bei sehr vielen Einzelwerten zu höheren Handelskosten führen.
Optimiertes Sampling
Der ETF kauft nur eine repräsentative Auswahl an Aktien, die den Index statistisch möglichst gut nachbilden. Das spart Kosten, kann aber zu minimalen Abweichungen führen.
Synthetische Replikation (Swap)
Der ETF hält ein Sicherheitenportfolio und tauscht dessen Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft (Swap) gegen die Wertentwicklung des Index. Das kann die Abbildung präziser machen, bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit sich.
04 · Kosten
Was kostet ein Emerging-Markets-ETF?
Die laufenden Kosten eines ETFs werden als Gesamtkostenquote (TER) ausgewiesen. Sie werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen und mindern deine Rendite.
Die jährliche Gesamtkostenquote, auch Total Expense Ratio oder TER genannt, liegt bei ETFs auf den MSCI Emerging Markets zwischen 0,09 Prozent und 0,55 Prozent. Die günstigsten Produkte kosten also weniger als ein Zehntel Prozent pro Jahr.
Der marktübliche Durchschnitt liegt bei 0,18 Prozent pro Jahr. Aktiv verwaltete Fonds auf Schwellenländer sind in der Regel deutlich teurer.
Die TER wird direkt vom Fondsvermögen abgezogen und mindert deine Rendite. Sie ist der wichtigste Kostenfaktor, den du beim ETF-Vergleich beachten solltest.
Typische jährliche Gesamtkostenquoten (TER) für ETFs auf den MSCI Emerging Markets
05 · Fehler vermeiden
Welche Risiken bringt ein Emerging-Markets-ETF mit sich?
Neben den Chancen durch höheres Wirtschaftswachstum musst du bei Schwellenländern auch besondere Risiken einkalkulieren. Diese Risiken können die Kursentwicklung deines ETFs stark beeinflussen.
Die Kurse von Schwellenländer-Aktien schwanken oft stärker als die von Industrieländern. In Krisenzeiten können die Verluste überproportional ausfallen, weil Anleger ihr Kapital in als sicher geltende Märkte umschichten.
Ein Klumpenrisiko entsteht durch die hohe Gewichtung einzelner Länder. Taiwan, Südkorea und China machen zusammen über 68 Prozent des MSCI Emerging Markets aus. Die Entwicklung dieser Länder dominiert deinen ETF.
Politische Instabilität, Regierungswechsel oder Handelskonflikte können die Märkte einzelner Länder stark belasten. Da die Unternehmen in lokaler Währung wirtschaften, können Wechselkursschwankungen deine Rendite zusätzlich beeinflussen.
Die wichtigsten Risiken im Überblick
06 · Was gilt
Für wen eignet sich ein Emerging-Markets-ETF?
Ein Emerging-Markets-ETF ist kein Ersatz für ein breites Weltportfolio, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Ob er zu dir passt, hängt von deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft ab.
Gut geeignet ist ein Emerging-Markets-ETF für langfristige Sparplan-Anleger mit einem Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren. Du solltest ein bestehendes Industrieländer-Portfolio um einen Wachstumsbaustein ergänzen wollen.
Weniger geeignet ist der ETF für Anleger mit einem kurzen Anlagehorizont unter 5 Jahren. Auch wer keine starken Kursschwankungen aushält, sollte auf eine Beimischung verzichten oder den Anteil sehr klein halten.
Die breite Streuung über viele Unternehmen und Länder fängt das Totalverlustrisiko einzelner Unternehmen oder Staaten ab. Das macht den ETF auch für Einsteiger interessant, die nicht auf einzelne Aktien setzen wollen.
Gut geeignet
Weniger geeignet
07 · Hintergrund
Wie hoch sollte der Anteil im Depot sein?
Die richtige Beimischung von Schwellenländern hängt von deiner persönlichen Strategie ab. Ein klassischer Ansatz orientiert sich an der Gewichtung der Weltwirtschaft.
Ein häufig genutztes Modell ist das 70/30-Portfolio. Dabei investierst du 70 Prozent deines Aktienanteils in Industrieländer, zum Beispiel über einen MSCI World ETF, und 30 Prozent in Schwellenländer über einen Emerging-Markets-ETF.
Dieser Anteil ist keine Pflicht. Wenn du das Klumpenrisiko durch China und Taiwan reduzieren möchtest, kannst du den Schwellenländer-Anteil auch auf 10 oder 20 Prozent senken.
Wichtiger als eine starre Quote ist, dass du die Beimischung langfristig durchhältst und regelmäßig per Sparplan investierst. Der MSCI Emerging Markets enthält bereits große Unternehmen aus den wichtigsten Schwellenländern, eine zusätzliche Beimischung von Einzelaktien ist nicht nötig.
Ein häufig genutztes Modell ist das 70/30-Portfolio. Dabei investierst du 70 Prozent deines Aktienanteils in Industrieländer, zum Beispiel über einen MSCI World ETF, und 30 Prozent in Schwellenländer über einen Emerging-Markets-ETF.
Dieser Anteil ist jedoch keine Pflicht. Ein höherer oder geringerer Anteil ist möglich. Wichtiger als eine starre Quote ist, dass du die Beimischung langfristig durchhältst und regelmäßig per Sparplan investierst.
Beachte, dass der MSCI Emerging Markets ungefähr 85 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung in Schwellenländern abbildet. Ein Investment in Schwellenländer bietet Zugang zum dynamischen Wirtschaftswachstum abseits der etablierten Industrienationen, geht aber mit größeren politischen Risiken einher.
08 · Grundlagen
Welche Rolle spielen Frontier Markets?
Neben den etablierten Schwellenländern gibt es die sogenannten Frontier Markets. Das sind noch weniger entwickelte Märkte, die in den großen Indizes nicht enthalten sind.
Frontier Markets sind Aktienmärkte von Ländern, die sich in einem früheren Entwicklungsstadium als klassische Schwellenländer befinden. Beispiele sind Vietnam oder Nigeria.
Diese Märkte sind nicht im MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets enthalten. Sie werden über separate Indizes abgebildet und gelten als noch riskanter und illiquider.
Für die meisten Anleger reicht ein klassischer Emerging-Markets-ETF aus. Frontier Markets sind nur für sehr risikobereite Anleger mit einem kleinen, klar begrenzten Anteil sinnvoll.
Kurz erklärt
Frontier Markets
Aktienmärkte von Ländern, die sich in einem früheren Entwicklungsstadium als klassische Schwellenländer befinden, zum Beispiel Vietnam oder Nigeria.
Frontier Markets sind nicht im MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets enthalten. Sie werden über separate Indizes abgebildet und gelten als noch riskanter und illiquider.
09 · Im Vertrag
Wie werden Erträge aus einem Emerging-Markets-ETF besteuert?
Die Besteuerung deiner ETF-Erträge hängt davon ab, ob der Fonds ausschüttet oder thesauriert. Für beide Varianten gelten die gleichen steuerlichen Grundregeln für Aktienfonds.
Bei Aktienfonds wie einem Emerging-Markets-ETF sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Nur auf die verbleibenden 70 Prozent zahlst du Steuern.
Auf den steuerpflichtigen Teil der Erträge wird die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent fällig. Zusätzlich wird der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer erhoben.
Pro Person und Jahr bleiben Kapitalerträge bis 1000 Euro steuerfrei. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Sparer-Pauschbetrag auf 2000 Euro.
10 · Checkliste
Wie findest du den passenden Emerging-Markets-ETF?
Bei der Auswahl eines konkreten ETFs solltest du nicht nur auf die vergangene Kursentwicklung schauen. Mehrere Kriterien zusammen ergeben ein vollständiges Bild.
Ein Fondsvolumen von mehreren Milliarden Euro spricht für eine hohe Akzeptanz und verringert das Risiko einer Fondsschließung. Die größten ETFs auf den MSCI Emerging Markets verwalten zwischen 9 und 13 Milliarden Euro.
Achte auf eine Gesamtkostenquote von 0,20 Prozent oder weniger, um die Rendite nicht unnötig zu schmälern. Vollständige Replikation ist transparent, Swap-basierte ETFs können die Indexentwicklung aber genauer abbilden.
Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch, ausschüttende ETFs zahlen sie regelmäßig aus. ETFs mit Domizil in Irland sind für viele Anleger steuerlich vorteilhaft.
Kriterien für die ETF-Auswahl
Fondsvolumen: Ein Volumen von mehreren Milliarden Euro spricht für eine hohe Akzeptanz und verringert das Risiko einer Fondsschließung.
Gesamtkostenquote (TER): Die jährlichen Kosten liegen bei ETFs auf den MSCI Emerging Markets zwischen 0,09 und 0,55 Prozent.
Replikationsmethode: Vollständige Replikation ist transparent, Swap-basierte ETFs können die Indexentwicklung aber genauer abbilden.
Ertragsverwendung: Thesaurierende ETFs reinvestieren Erträge automatisch, ausschüttende ETFs zahlen sie regelmäßig aus.
Fondsdomizil: ETFs mit Domizil in Irland sind für viele Anleger steuerlich vorteilhaft.
Indexanbieter: Entscheide dich bewusst für den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging Markets, da die Länderauswahl unterschiedlich ist.
11 · Hintergrund
Wie entwickelt sich die Kursentwicklung von Emerging-Markets-ETFs?
Die Kursentwicklung von Schwellenländer-ETFs verläuft in der Regel zyklisch und ist von globalen Kapitalströmen abhängig. In starken Aufwärtsphasen können sie Industrieländer überflügeln, in Korrekturen aber auch tiefer fallen.
Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnete im Jahr 2026 bis Ende September eine Wertentwicklung von 28,17 Prozent in Euro. Das zeigt das hohe Renditepotenzial, das Schwellenländer in guten Marktphasen bieten können.
Gleichzeitig ziehen Anleger in Krisenzeiten Kapital oft aus Schwellenländern ab und schichten es in als sicher geltende Märkte um. Dadurch fallen Emerging-Markets-ETFs in Bärenmärkten tendenziell überproportional stark.
Für deine Anlageentscheidung ist nicht die kurzfristige Kursentwicklung entscheidend, sondern ob du langfristig an das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer glaubst und Schwankungen aushalten kannst.
Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnete im Jahr 2026 bis Ende September eine Wertentwicklung von 28,17 Prozent in Euro. Das zeigt das hohe Renditepotenzial, das Schwellenländer in guten Marktphasen bieten können.
Gleichzeitig solltest du bedenken, dass Anleger in Krisenzeiten Kapital oft aus Schwellenländern abziehen und in als sicher geltende Märkte umschichten. Dadurch fallen Emerging-Markets-ETFs in Bärenmärkten tendenziell überproportional stark.
Für deine Anlageentscheidung ist nicht die kurzfristige Kursentwicklung entscheidend, sondern ob du langfristig an das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer glaubst und die Schwankungen aushalten kannst.
Häufige Fragen
Fragen zu Emerging-Markets-ETF
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