Ratgeber · Investieren
ESG-ETFs 2026: Nachhaltig investieren mit klaren Kriterien
Ein ESG-ETF bündelt Aktien von Unternehmen, die nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung bewertet wurden. Für 2026 gibt es eine große Auswahl, aber die Nachhaltigkeitsansätze unterscheiden sich deutlich.
11 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- ESG-ETFs filtern Unternehmen nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung.
- Der Best-in-Class-Ansatz wählt die nachhaltigsten Firmen pro Branche aus, statt ganze Branchen auszuschließen.
- Die Gesamtkostenquote nachhaltiger Welt-ETFs liegt oft zwischen 0,18 und 0,80 Prozent.
- Ein Fondsvolumen über 100 Millionen Euro senkt das Risiko einer ETF-Schließung.
01 · Grundlagen
Was ist ein ESG-ETF?
Ein ESG-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der nur Wertpapiere enthält, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Die Abkürzung ESG steht für die drei zentralen Prüfbereiche.
Für deine Geldanlage bedeutet das konkret: Du kaufst nicht einfach einen Aktienkorb, sondern einen gefilterten Ausschnitt des Marktes. Die Auswahl der Unternehmen übernehmen spezialisierte Indexanbieter, die dafür Daten von Ratingagenturen auswerten. Diese Ratings übersetzen schwer messbare Themen wie Arbeitsnormen oder Korruptionsbekämpfung in vergleichbare Punktwerte.
Je nach zugrunde liegendem Index kann dein ESG-ETF zwischen etwa 400 und mehreren hundert Einzelwerten enthalten. Ein nachhaltiger Welt-ETF bildet oft deutlich weniger Unternehmen ab als ein konventioneller Welt-Index, weil viele Firmen den Filter nicht bestehen. Diese geringere Breite ist der Preis für die Nachhaltigkeitsauswahl.
Die drei Buchstaben sind nur der Rahmen; wie streng er ausgelegt wird, entscheidet der jeweilige Index.
Kurz erklärt
ESG-Kriterien
ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Diese drei Bereiche bilden die Grundlage für die Bewertung von Unternehmen in nachhaltigen ETFs.
Die Gewichtung der einzelnen ESG-Bereiche kann je nach Indexanbieter unterschiedlich ausfallen.
02 · Checkliste
Welche ESG-Kriterien stecken in nachhaltigen ETFs?
Die konkreten Prüfpunkte für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung sind nicht einheitlich geregelt. Indexanbieter wie MSCI oder STOXX definieren eigene Kataloge mit messbaren Zielen.
Die Prüfung beginnt meist bei harten Fakten wie dem CO2-Ausstoß oder dem Wasserverbrauch eines Unternehmens. Danach folgen soziale Faktoren, etwa ob Zulieferer faire Löhne zahlen oder wie ein Konzern mit Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz umgeht. Bei der Unternehmensführung schauen die Analysten auf Dinge wie die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats oder den Umgang mit Korruption.
Zusätzlich prüfen viele Indexanbieter, ob ein Unternehmen gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstößt. Das ist ein Katalog aus zehn Grundsätzen zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Wer hier auffällig wird, fliegt aus vielen nachhaltigen Indizes.
- Umweltkriterien messen unter anderem Emissionen, Energieverbrauch und Abfallmanagement.
- Soziale Kriterien bewerten Arbeitsbedingungen, Diversität und Standards in der Lieferkette.
- Governance-Kriterien prüfen Aktionärsrechte, Kontrollgremien und den Umgang mit Bestechung.
Typische Prüfpunkte im ESG-Screening
Umwelt: CO2-Emissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallmanagement
Soziales: Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, Diversität und Lieferkettenstandards
Unternehmensführung: Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, Korruptionsbekämpfung und Aktionärsrechte
Ausschluss von Verstößen gegen den UN Global Compact
Bewertung von Kontroversen wie Menschenrechtsverletzungen oder Umweltskandalen
03 · Vergleich
Best-in-Class-Ansatz oder Ausschlusskriterien: Was ist der Unterschied?
Nachhaltige ETFs verfolgen unterschiedliche Strategien, um ihr Anlageuniversum zu filtern. Die beiden wichtigsten Methoden sind der Best-in-Class-Ansatz und der Ausschluss bestimmter Branchen.
Beim Best-in-Class-Ansatz bleibt eine Branche wie Öl oder Chemie grundsätzlich im Index. Es werden aber nur die Unternehmen aufgenommen, die innerhalb ihrer Branche die besten ESG-Bewertungen erreichen. Das führt zu einer höheren Branchenvielfalt, weil keine Sektoren komplett fehlen.
Ausschlusskriterien funktionieren anders: Hier entfernt der Indexanbieter ganze Geschäftsfelder wie Rüstung, Tabak, Glücksspiel oder Kraftwerkskohle vollständig. Dein ETF enthält dann schlicht keine Unternehmen aus diesen Bereichen, unabhängig davon, wie gut deren sonstige Nachhaltigkeitsbilanz ist. Viele Indizes kombinieren beide Methoden.
Für dich heißt das: Zwei ETFs mit dem Label ESG können völlig unterschiedliche Aktienkörbe besitzen.
| Best-in-Class-Ansatz | Ausschlusskriterien | |
|---|---|---|
| Funktionsweise | Wählt die nachhaltigsten Unternehmen innerhalb jeder Branche aus | Schließt komplette Branchen oder Geschäftsfelder aus dem Index aus |
| Umgang mit problematischen Branchen | Behält manche problematischen Branchen im Index, aber nur die nachhaltigsten Unternehmen daraus | Entfernt Branchen wie Rüstung, Tabak, Glücksspiel oder Kraftwerkskohle vollständig |
| Anreizwirkung | Kann Unternehmen motivieren, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern | Setzt ein klares Signal gegen bestimmte Geschäftsmodelle |
04 · Hintergrund
Welche Rolle spielen Indexanbieter bei ESG-ETFs?
Indexanbieter legen fest, welche Unternehmen in einen nachhaltigen Index aufgenommen werden. Ihre Methodik entscheidet darüber, wie streng ein ESG-ETF tatsächlich filtert.
Indexanbieter wie MSCI, STOXX, FTSE und S&P bauen eigene Indexfamilien mit abgestuften Nachhaltigkeitsregeln. Die STOXX SRI-Reihe schließt Unternehmen aus, die Einkommen in Bereichen wie Waffen, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornografie, Kernenergie oder Kraftwerkskohle generieren. Zusätzlich fließen Daten von ESG-Ratingunternehmen in die Bewertung ein.
Die MSCI-Indexfamilie bietet mehrere Stufen an, von MSCI Screened mit wenigen Ausschlüssen bis zu MSCI SRI mit strengen Filterregeln. Ein ETF auf einen MSCI Screened Index enthält daher oft noch Unternehmen, die in einem MSCI SRI Index nicht mehr vorkommen. Du solltest deshalb vor dem Kauf prüfen, welche Indexfamilie deinem Nachhaltigkeitsverständnis entspricht.
Der Indexanbieter legt fest, wie streng dein ESG-ETF tatsächlich filtert.
Bekannte Indexanbieter für nachhaltige ETFs sind MSCI, STOXX, FTSE und S&P. Jeder Anbieter hat eigene Indexfamilien mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsstufen. Die STOXX SRI-Reihe schließt Unternehmen aus, die Einkommen in Bereichen wie Waffen, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornografie, Kernenergie oder Kraftwerkskohle generieren. Zusätzlich fließen Daten von ESG-Ratingunternehmen in die Bewertung ein.
Die MSCI-Indexfamilie bietet mehrere Abstufungen an, von MSCI Screened mit wenigen Ausschlüssen bis zu MSCI SRI mit strengen Filterregeln. Für dich bedeutet das: Zwei ETFs mit dem Label ESG können sehr unterschiedliche Aktienkörbe enthalten. Ein Blick in das Indexkonzept lohnt sich vor dem Kauf.
05 · Kosten
Was kostet ein ESG-ETF im Jahr 2026?
Die laufenden Kosten eines ESG-ETFs werden über die Gesamtkostenquote abgebildet. Nachhaltige Welt-ETFs liegen dabei in einer typischen Spanne.
Die laufenden Kosten werden als Gesamtkostenquote ausgewiesen und direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Für nachhaltige Welt-ETFs liegt die Spanne typischerweise zwischen 0,18 und 0,80 Prozent pro Jahr. Günstige ESG-ETFs auf europäische Indizes gibt es bereits ab 0,10 Prozent jährlich.
Diese Kosten fallen unabhängig von deiner Rendite an und mindern dein Ergebnis jedes Jahr. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro kostet ein ETF mit 0,20 Prozent laufenden Kosten etwa 20 Euro pro Jahr, ein ETF mit 0,80 Prozent dagegen 80 Euro. Über lange Zeiträume macht dieser Unterschied einen spürbaren Betrag aus.
Vergleiche die Gesamtkostenquote immer mit ETFs auf denselben oder einen ähnlichen Index.
Typische Gesamtkostenquoten nachhaltiger ETFs
06 · Was gilt
Warum ist das Fondsvolumen bei ESG-ETFs wichtig?
Das Fondsvolumen zeigt, wie viel Anlegergeld in einem ETF steckt. Eine ausreichende Größe schützt dich vor einer möglichen Schließung des Fonds.
Ein ETF sollte über mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen verfügen, damit er für den Anbieter profitabel ist. Liegt das Volumen dauerhaft darunter, steigt das Risiko, dass der Fonds geschlossen oder mit einem anderen ETF fusioniert wird. Für dich als Anlegerin bedeutet eine Schließung zwar keinen Totalverlust, aber einen ungeplanten Verkauf und möglicherweise steuerliche Konsequenzen.
Große nachhaltige Europa-ETFs erreichen Fondsvolumen von mehreren Milliarden Euro. Diese Größe spricht für eine stabile Nachfrage und eine langfristige Fortführung. Bei kleinen Nischen-ETFs mit wenigen Millionen Euro solltest du vorsichtig sein, auch wenn das Nachhaltigkeitskonzept überzeugt.
Die 100-Millionen-Euro-Marke ist eine sinnvolle Untergrenze für dein Investment.
Geringeres Schließungsrisiko
Erhöhtes Schließungsrisiko
07 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert das ESG-Screening in der Praxis?
Das ESG-Screening ist ein mehrstufiger Filterprozess. Er entscheidet, welche Unternehmen aus einem breiten Aktienindex in den nachhaltigen ETF übernommen werden.
Der Filterprozess startet mit einem breiten Marktindex, der mehrere tausend Unternehmen enthalten kann. Im ersten Schritt wendet der Indexanbieter Ausschlusskriterien an und entfernt Firmen aus definierten Bereichen wie Waffen, Tabak oder Kraftwerkskohle. Auch Verstöße gegen den UN Global Compact führen zum Ausschluss.
Danach bewerten Ratingagenturen die verbleibenden Unternehmen nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Jedes Unternehmen erhält einen ESG-Score. Beim Best-in-Class-Ansatz wählt der Indexanbieter pro Branche die Unternehmen mit den höchsten Bewertungen aus, oft etwa ein Drittel des ursprünglichen Sektors.
- Der Ausgangsindex definiert das anfängliche Anlageuniversum.
- Ausschlusskriterien entfernen komplette Branchen und UN-Global-Compact-Verletzer.
- ESG-Ratings liefern die Punktwerte für die anschließende Auswahl.
Ausgangsindex festlegen
Der Indexanbieter startet mit einem breiten Marktindex, zum Beispiel einem Welt- oder Europa-Index mit mehreren tausend Unternehmen.
Ausschlusskriterien anwenden
Unternehmen aus definierten Bereichen wie Waffen, Tabak oder Kraftwerkskohle werden entfernt. Auch Verstöße gegen den UN Global Compact führen zum Ausschluss.
ESG-Rating vergeben
Ratingagenturen bewerten die verbleibenden Unternehmen nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Jedes Unternehmen erhält einen ESG-Score.
Best-in-Class-Auswahl treffen
Pro Branche werden die Unternehmen mit den höchsten ESG-Scores ausgewählt. Oft bleibt etwa ein Drittel der Unternehmen pro Sektor im Index.
Index regelmäßig anpassen
Die Zusammensetzung wird quartalsweise oder halbjährlich überprüft. Unternehmen können neu aufgenommen oder entfernt werden.
08 · Im Vertrag
Welche Ausschlusskriterien sind bei ESG-ETFs üblich?
Die Ausschlusskriterien bestimmen, welche Geschäftsfelder in einem nachhaltigen ETF nicht vorkommen. Die Listen der Indexanbieter unterscheiden sich im Detail.
Kontroverse Waffen wie Streubomben, Landminen und chemische Waffen werden von fast allen nachhaltigen Indizes ausgeschlossen. Auch Unternehmen mit hohen Umsätzen aus Kohleförderung oder Kohleverstromung fliegen aus vielen ESG-Indizes. Diese Ausschlüsse gehören zum Standard.
Bei Tabak und Glücksspiel wird es differenzierter: In strengen SRI-Indizes sind diese Branchen ausgeschlossen, in weniger strengen Screened-Indizes aber teils noch enthalten. Ähnlich verhält es sich mit konventionellen Waffen oder Atomenergie. Du solltest deshalb die Ausschlussliste deines gewählten Index genau ansehen.
Nicht jedes Nachhaltigkeitslabel schließt dieselben Branchen aus.
Häufige Ausschlüsse in nachhaltigen Indexfamilien
09 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du bei ESG-ETFs vermeiden?
Nicht jeder ETF mit Nachhaltigkeitslabel erfüllt deine persönlichen Vorstellungen. Diese typischen Fehler führen zu falschen Kaufentscheidungen.
Der häufigste Fehler ist, sich allein auf das Label ESG zu verlassen, ohne die tatsächlichen Ausschlusskriterien zu prüfen. Zwei ETFs mit ähnlichem Namen können völlig unterschiedliche Unternehmen enthalten. Auch die Annahme, dass alle ESG-ETFs die gleichen Branchen ausschließen, führt zu falschen Kaufentscheidungen.
Ein weiterer Fehler ist, das Fondsvolumen zu ignorieren und in sehr kleine ETFs mit erhöhtem Schließungsrisiko zu investieren. Ebenso solltest du die Gesamtkostenquote nicht vernachlässigen, denn hohe laufende Kosten fressen über Jahre einen Teil deiner Rendite auf. Und erwarte nicht, dass ein ESG-ETF garantiert besser performt als ein konventioneller ETF.
- Prüfe die Ausschlusskriterien des Index, bevor du kaufst.
- Achte auf ein Fondsvolumen über 100 Millionen Euro.
- Vergleiche die Gesamtkostenquote mit ähnlichen ETFs.
Typische Fehler beim Kauf von ESG-ETFs
10 · Was gilt
Wie werden Gewinne aus ESG-ETFs im Jahr 2026 versteuert?
Gewinne aus ESG-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung, die deine Steuerlast reduziert.
Kursgewinne beim Verkauf deiner ETF-Anteile und Ausschüttungen des Fonds unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei thesaurierenden ETFs wird zusätzlich die Vorabpauschale besteuert.
Für Aktienfonds gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet: Nur 70 Prozent deiner Erträge aus einem ESG-Aktien-ETF sind steuerpflichtig. Die restlichen 30 Prozent bleiben steuerfrei. Außerdem kannst du Gewinne bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr steuerfrei vereinnahmen, bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro.
Die Teilfreistellung von 30 Prozent senkt deine Steuerlast auf Aktien-ETF-Gewinne deutlich.
Steuerpflichtig
11 · Hintergrund
Lohnt sich ein ESG-ETF im Jahr 2026?
Die Entscheidung für einen ESG-ETF hängt von deinen persönlichen Zielen ab. Rendite und Nachhaltigkeitswirkung sind nicht immer gleichzeitig maximierbar.
Ein ESG-ETF kann sinnvoll sein, wenn dir nachhaltige Geldanlage wichtig ist und du die Filterlogik des jeweiligen Index nachvollziehen kannst. Die Renditeunterschiede zu konventionellen ETFs sind oft gering, können aber in beide Richtungen ausschlagen. Befürworter argumentieren, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig Risiken besser managen.
Du solltest dir bewusst sein, dass ein ESG-ETF in der Regel weniger Unternehmen enthält als ein breiter Markt-ETF. Das kann das Anlagerisiko erhöhen. Ob dein Investment tatsächlich zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beiträgt, ist schwer messbar und wird kontrovers diskutiert. Eine klare Vorstellung deiner eigenen Nachhaltigkeitskriterien ist die beste Grundlage für die ETF-Auswahl.
Häufige Fragen
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