Ratgeber · Investieren
ESG-ETFs: Nachhaltig investieren mit klaren Regeln
Ein ESG-ETF bündelt Aktien von Unternehmen, die nach Umwelt-, Sozial- und Führungskriterien ausgewählt werden. So kombinierst du breite Streuung mit deinen ethischen Ansprüchen, ohne selbst jede Bilanz prüfen zu müssen.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- ESG-ETFs filtern Unternehmen nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung.
- Der Best-in-Class-Ansatz wählt die nachhaltigsten Firmen pro Branche aus.
- Ausschlusskriterien entfernen kontroverse Geschäftsfelder wie Waffen oder Kohle.
- Die laufenden Kosten liegen meist zwischen 0,10 und 0,65 Prozent pro Jahr.
01 · Grundlagen
Was ist ein ESG-ETF?
Ein ESG-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Nachhaltigkeitsindex abbildet. Die Abkürzung ESG steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance).
Hinter einem ESG-ETF steckt kein aktiver Fondsmanager, der einzelne Aktien nach Gefühl auswählt. Der Fonds bildet einen Index nach, dessen Regeln der Indexanbieter festlegt. Diese Regeln bestimmen, welche Unternehmen es in den Index schaffen und welche nicht.
Für dich bedeutet das: Du kannst die Auswahlkriterien im Indexdatenblatt nachlesen, bevor du kaufst. Die Zusammensetzung ist damit transparenter als bei vielen aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds.
Die Aktienauswahl übernimmt der Indexanbieter, nicht der Fondsmanager. Du kaufst also eine regelbasierte, transparente Auswahl an Aktien, die du selbst anhand der Indexmethodik prüfen kannst.
Kurz erklärt
ESG-ETF
Ein börsengehandelter Fonds, der die Wertentwicklung eines Index nachbildet, dessen Aktienauswahl auf Umwelt-, Sozial- und Führungskriterien basiert.
Die Auswahl übernimmt der Indexanbieter, nicht der Fondsmanager. Du kaufst also eine regelbasierte, transparente Auswahl an Aktien.
02 · Checkliste
Welche ESG-Kriterien stecken hinter der Auswahl?
Die Bewertung erfolgt in drei Säulen. Jede Säule umfasst messbare Einzelaspekte, die von Ratingagenturen wie Sustainalytics erhoben werden.
Die Bewertung eines Unternehmens erfolgt in drei Säulen, die zusammen das ESG-Rating ergeben. Ratingagenturen wie Sustainalytics erheben dafür eine Vielzahl von Einzelaspekten, die je nach Branche unterschiedlich gewichtet werden. Ein Energieversorger wird beim CO2-Ausstoß strenger bewertet als ein Softwareunternehmen.
Die drei Säulen decken messbare Bereiche ab, die du in den Indexmethodiken wiederfindest:
- Umwelt: CO2-Ausstoß, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallmanagement fließen in die Bewertung ein.
- Soziales: Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Lieferkettenstandards und Gesundheitsschutz werden geprüft.
- Unternehmensführung: Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, Korruptionsbekämpfung und Aktionärsrechte zählen zu den Kriterien.
Die Gewichtung der einzelnen Punkte unterscheidet sich je nach Indexfamilie. Deshalb lohnt sich ein Blick in das Methodikdokument, wenn dir bestimmte Kriterien besonders wichtig sind.
Die drei Säulen der Nachhaltigkeitskriterien
Umwelt: CO2-Ausstoß, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallmanagement
Soziales: Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Lieferkettenstandards, Gesundheitsschutz
Unternehmensführung: Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, Korruptionsbekämpfung, Aktionärsrechte
03 · Vergleich
Best-in-Class-Ansatz: Die Besten jeder Branche
Der Best-in-Class-Ansatz schließt keine Branche pauschal aus. Stattdessen wählt er innerhalb jedes Sektors die Unternehmen mit der besten ESG-Bewertung aus.
So bleiben auch Branchen wie Chemie oder Öl im Index vertreten, allerdings nur mit ihren nachhaltigsten Vertretern.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die STOXX SRI-Indizes wählen die besten 33 Prozent der Unternehmen pro Sektor aus. Das reine Ausschlussprinzip geht anders vor: Dort fliegen nur Unternehmen mit verbotenen Geschäftsfeldern raus, alle anderen bleiben unabhängig von ihrer ESG-Bewertung im Index.
Viele Indizes kombinieren beide Ansätze. Sie schließen zuerst kontroverse Geschäftsfelder aus und wenden danach den Best-in-Class-Filter an. Dadurch erhältst du eine breitere Streuung als bei reinen Themenfonds, aber strengere Kriterien als bei einfachen Ausschlussindizes.
| Best-in-Class | Reines Ausschlussprinzip | |
|---|---|---|
| Auswahlprinzip | Die nachhaltigsten Unternehmen pro Branche bleiben im Index | Unternehmen mit ausgeschlossenen Geschäftsfeldern werden entfernt |
| Branchenabdeckung | Alle Branchen bleiben grundsätzlich vertreten | Branchen können komplett fehlen |
| Streuung | Breiter, da mehr Sektoren abgedeckt sind | Schmaler, wenn viele Branchen ausgeschlossen werden |
| Beispiel | STOXX SRI wählt die besten 33 Prozent pro Sektor | MSCI Screened schließt kontroverse Waffen, konventionelle Waffen, Atomenergie, unkonventionelle Öl- und Gasförderung, Kraftwerkskohle, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornografie und gentechnisch veränderte Organismen aus |
04 · Was gilt
Welche Ausschlusskriterien sind üblich?
Die meisten ESG-Indizes schließen Unternehmen aus, die in bestimmten Geschäftsfeldern aktiv sind. Die genaue Liste unterscheidet sich je nach Indexfamilie.
Kontroverse Waffen wie Streubomben und Landminen sind fast überall ausgeschlossen, ebenso Kraftwerkskohle und Tabakproduktion.
Verstöße gegen den UN Global Compact führen in vielen Indizes ebenfalls zum Ausschluss. Bei der unkonventionellen Öl- und Gasförderung sind die Regeln unterschiedlich streng: Manche Indizes schließen sie aus, andere lassen sie mit Einschränkungen zu.
Branchen wie erneuerbare Energien, Wasserversorgung, Gesundheitswesen und Software sind dagegen meist enthalten. Die Ausschlussliste ist der wichtigste Filter, den du vor dem Kauf prüfen solltest.
Häufig ausgeschlossen
Meist enthalten
05 · Grundlagen
Was ist der UN Global Compact?
Der UN Global Compact ist ein Verhaltenskodex der Vereinten Nationen. Viele ESG-Indizes schließen Unternehmen aus, die gegen seine Prinzipien verstoßen.
Er umfasst zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Die Prinzipien leiten sich aus internationalen Abkommen wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ab.
Für ESG-Indizes ist der Pakt aus einem anderen Grund relevant: Ein Verstoß gegen diese Prinzipien führt in vielen Nachhaltigkeitsindizes zum Ausschluss des Unternehmens. Die Indexanbieter nutzen Daten von Ratingagenturen, um solche Verstöße zu identifizieren.
Der UN Global Compact funktioniert damit als Mindeststandard. Unternehmen, die gegen grundlegende Menschenrechte oder Arbeitsnormen verstoßen, kommen für viele ESG-ETFs gar nicht erst infrage.
Kurz erklärt
UN Global Compact
Ein Pakt der Vereinten Nationen mit zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung.
Ein Verstoß gegen diese Prinzipien führt in vielen Nachhaltigkeitsindizes zum Ausschluss des Unternehmens.
06 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Auswahl in der Praxis
Vom breiten Aktienmarkt zum fertigen ESG-ETF durchläuft ein Index mehrere Filterstufen. Dieser Ablauf ist bei den großen Indexanbietern ähnlich.
Du kannst ihn anhand der Indexmethodik nachvollziehen.
Der Prozess läuft typischerweise in fünf Schritten ab:
Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung bedeutet: Große Unternehmen haben auch im ESG-Index ein höheres Gewicht. Das kann dazu führen, dass ein nachhaltiger ETF ähnlich stark von wenigen großen Konzernen abhängt wie sein konventionelles Pendant.
Ausgangsuniversum festlegen
Der Indexanbieter startet mit einem breiten Marktindex, zum Beispiel dem MSCI World oder dem STOXX Europe 600.
Ausschlusskriterien anwenden
Unternehmen mit verbotenen Geschäftsfeldern wie kontroversen Waffen, Tabak oder Kraftwerkskohle werden entfernt.
ESG-Bewertung einholen
Ratingagenturen wie Sustainalytics liefern für jedes verbleibende Unternehmen einen ESG-Score.
Best-in-Class-Auswahl treffen
Pro Branche werden die Unternehmen mit den besten ESG-Scores ausgewählt, bei STOXX SRI-Indizes etwa ein Drittel der Unternehmen jedes Sektors.
Gewichtung festlegen
Die ausgewählten Aktien werden nach Streubesitz-Marktkapitalisierung oder einer Kombination aus Marktwert und ESG-Score gewichtet.
07 · Kosten
Was kostet ein ESG-ETF?
Die laufenden Kosten liegen bei ESG-ETFs in einer ähnlichen Spanne wie bei klassischen Indexfonds. Günstige Produkte starten bei 0,10 Prozent pro Jahr.
Die Gesamtkostenquote, kurz TER, wird jährlich vom Fondsvermögen abgezogen.
Für breit gestreute ESG-ETFs auf Weltindizes zahlst du meist zwischen 0,20 und 0,30 Prozent pro Jahr. Themen-ETFs mit Fokus auf Wasser oder erneuerbare Energien sind oft teurer, weil die zugrunde liegenden Indizes aufwendiger zu pflegen sind.
Je günstiger die TER, desto mehr Rendite bleibt dir langfristig erhalten. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro macht ein Kostenunterschied von 0,2 Prozentpunkten immerhin 20 Euro pro Jahr aus, vor der eigentlichen Wertentwicklung.
Kurz erklärt
Günstige ESG-ETFs
Typische Gesamtkostenquote (TER) von ESG-ETFs
0,10 bis 0,65 Prozent
08 · Hintergrund
Wasser, SRI und andere Schwerpunkte
Neben breiten ESG-ETFs gibt es Produkte mit thematischem Fokus. Sie setzen auf einzelne Nachhaltigkeitsthemen und sind oft spekulativer.
SRI steht für Socially Responsible Investing und ist ein Überbegriff für Geldanlagen, die soziale und ethische Kriterien berücksichtigen. Viele SRI-Indizes arbeiten mit strengen Ausschlusslisten und einem Best-in-Class-Ansatz. Sie sind damit eine Untergruppe der ESG-ETFs, legen aber oft einen stärkeren Fokus auf soziale Aspekte.
Themen-ETFs konzentrieren sich auf einzelne Bereiche wie Wasser, erneuerbare Energien oder Elektromobilität. Sie sind weniger breit gestreut als globale ESG-ETFs und können stärker schwanken. Ein Wasser-ETF investiert zum Beispiel in Unternehmen aus Wasserversorgung, Wasseraufbereitung und Infrastruktur.
Solche Themenfonds eignen sich eher als Beimischung, nicht als Kernanlage. Für den langfristigen Vermögensaufbau bleibt ein breit gestreuter ESG-ETF auf einen Weltindex die stabilere Wahl.
SRI steht für Socially Responsible Investing und ist ein Überbegriff für Geldanlagen, die soziale und ethische Kriterien berücksichtigen. Viele SRI-Indizes arbeiten mit strengen Ausschlusslisten und einem Best-in-Class-Ansatz.
Themen-ETFs konzentrieren sich auf einzelne Bereiche wie Wasser, erneuerbare Energien oder Elektromobilität. Sie sind weniger breit gestreut als globale ESG-ETFs und können stärker schwanken.
Ein Wasser-ETF investiert zum Beispiel in Unternehmen aus Wasserversorgung, Wasseraufbereitung und Infrastruktur. Solche Themenfonds eignen sich eher als Beimischung, nicht als Kernanlage.
09 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Auswahl
Nicht jeder ETF mit dem Wort ESG im Namen erfüllt deine persönlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Ein genauer Blick auf die Indexmethodik lohnt sich.
Die EU-Regeln zur Namensgebung wurden 2025 verschärft, aber sie decken nicht alle Fälle ab. Ein genauer Blick auf die Indexmethodik lohnt sich deshalb immer.
Diese Fehler solltest du vermeiden:
- Nur auf den Fondsnamen vertrauen: ESG im Namen bedeutet nicht automatisch strenge Kriterien.
- Die Indexmethodik nicht lesen: Ausschlusslisten und Best-in-Class-Quoten unterscheiden sich stark.
- Themen-ETFs als Kernanlage nutzen: Wasser- oder Energie-ETFs sind weniger breit gestreut.
- Die Kosten ignorieren: Auch bei ESG-ETFs gilt, je günstiger die TER, desto mehr Rendite bleibt dir.
- Den Sparer-Pauschbetrag vergessen: Auch nachhaltige ETFs erwirtschaften Kapitalerträge, die du mit 1000 Euro Freibetrag pro Jahr verrechnen kannst.
Der häufigste Fehler ist, sich auf den Fondsnamen zu verlassen. Prüfe stattdessen die Ausschlussliste und die Best-in-Class-Quote im Indexdatenblatt, bevor du kaufst.
Diese Fehler solltest du vermeiden
10 · Was gilt
Steuern auf ESG-ETFs
Für ESG-ETFs gelten dieselben Steuerregeln wie für klassische Aktienfonds. Die Teilfreistellung reduziert die Steuerlast auf Aktiengewinne.
Dividenden, Kursgewinne und die Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent, hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer.
Zwei Entlastungen reduzieren die Steuerlast: Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2000 Euro. Zusätzlich greift die Teilfreistellung für Aktienfonds: 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei, nur 70 Prozent werden besteuert.
Die Teilfreistellung gilt auch für ESG-Aktien-ETFs, sofern sie überwiegend in Aktien investieren. Bei einem Ertrag von 1000 Euro musst du also nur 700 Euro versteuern, und dieser Betrag kann vollständig durch den Sparer-Pauschbetrag abgedeckt sein.
Steuerpflichtig
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