ETF für Studenten: Dein Einstieg in die Welt des Investierens
Du musst kein Vermögen haben, um mit dem Investieren zu beginnen. Ein ETF-Sparplan ist der einfachste Weg, schon als Student die Weichen für deine finanzielle Zukunft zu stellen. Wir zeigen dir, wie es funktioniert.
Warum dich das Thema jetzt schon betrifft
Als Student denkst du vielleicht, dass Investieren erst etwas für später ist, wenn das Gehalt stimmt. Doch genau diese Denkweise ist der größte Fehler, den du machen kannst. Denn beim Investieren ist Zeit dein mächtigster Verbündeter, nicht das Geld. Je früher du beginnst, desto mehr Zeit hat dein Geld, um für dich zu arbeiten.
Stell dir vor, du startest mit 20 Jahren und investierst monatlich einen kleinen Betrag. Dein Kommilitone beginnt erst mit 30 und muss dann deutlich mehr Geld zurücklegen, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen. Der Grund dafür ist der Zinseszins, den Albert Einstein angeblich als das achte Weltwunder bezeichnet hat. Deine erwirtschafteten Erträge werden nämlich wieder mit angelegt und erzeugen so eigene Erträge.
Gerade als Student hast du einen entscheidenden Vorteil: Du hast noch keine teuren Verpflichtungen wie Haus, Auto oder Familie. Deine Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig und du kannst flexibel reagieren. Das ist die perfekte Ausgangslage, um die Grundlage für deinen späteren Wohlstand zu legen. Du musst dafür kein Experte sein und auch kein großes Risiko eingehen.
Die gute Nachricht ist: Du musst dafür nicht einmal viel Geld haben. Schon mit dem Betrag für ein paar Kinobesuche im Monat kannst du einen sinnvollen Sparplan aufsetzen. Wichtig ist, dass du überhaupt anfängst und dir die Gewohnheit des regelmäßigen Sparens aneignest. Diese Disziplin wird dir dein ganzes Leben lang zugutekommen.
Was ein ETF überhaupt ist: Grundlagen einfach erklärt
Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds. Ein Fonds ist im Kern ein großer Topf, in dem das Geld vieler Anleger gesammelt wird. Mit diesem Geld kauft ein Fondsmanager dann Wertpapiere, zum Beispiel Aktien von Unternehmen. Du kaufst also mit deinem kleinen Betrag einen Anteil an einem riesigen, diversifizierten Portfolio.
Ein ETF bildet dabei einen bestimmten Index nach, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. Ein Index ist eine Art virtuelle Liste, die die Wertentwicklung einer Gruppe von Aktien abbildet. Der MSCI World zum Beispiel enthält über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wenn du in einen solchen ETF investierst, kaufst du also automatisch einen winzigen Bruchteil von allen diesen Unternehmen.
Der große Vorteil gegenüber einem aktiv gemanagten Fonds ist, dass ein ETF nicht von einem teuren Fondsmanager verwaltet werden muss. Der Fonds bildet den Index einfach automatisch nach. Dadurch sind die Kosten deutlich geringer, was sich langfristig stark auf deine Rendite auswirkt. Zudem sind ETFs transparent, denn du weißt jederzeit, welche Aktien im Fonds enthalten sind.
Du profitierst also von der Entwicklung der Weltwirtschaft, ohne einzelne Unternehmen bewerten zu müssen. Du setzt nicht auf einen einzelnen Gewinner, sondern auf den Durchschnitt des gesamten Marktes. Historisch betrachtet ist der globale Aktienmarkt über lange Zeiträume stets gewachsen, auch wenn es zwischendurch immer wieder zu Rückschlägen kam. Dieses Prinzip der breiten Streuung macht ETFs so attraktiv.
So funktioniert dein Investment: Der Weg vom Konto in den ETF
Um in ETFs zu investieren, benötigst du ein Wertpapierdepot. Das ist im Grunde ein Konto, auf dem deine Wertpapiere aufbewahrt werden. Viele Banken und Online-Broker bieten heutzutage kostenlose Depots an, die sich perfekt für Einsteiger eignen. Du kannst das Depot bequem online eröffnen, oft dauert das nur wenige Minuten.
Der einfachste Weg für dich als Student ist ein ETF-Sparplan. Dabei gibst du einen festen Betrag an, den du monatlich investieren möchtest, zum Beispiel rund 50 Euro. Der Broker kauft dann automatisch an einem festgelegten Tag Anteile des von dir gewählten ETFs. Du musst dich also nicht um den richtigen Kaufzeitpunkt kümmern, das passiert alles automatisch.
Dieses Prinzip nennt sich Cost-Average-Effekt. Da du regelmäßig kaufst, bekommst du mal mehr und mal weniger Anteile für dein Geld. In Zeiten fallender Kurse erhältst du mehr Anteile, in Zeiten steigender Kurse weniger. Über die Zeit gleicht sich das aus und du musst dir keine Sorgen um den perfekten Einstiegszeitpunkt machen. Der Durchschnittspreis ist am Ende entscheidend.
Wenn du deinen Sparplan eingerichtet hast, läuft das Investment komplett automatisch. Du musst dich nicht täglich um deine Geldanlage kümmern. Es reicht völlig aus, einmal im Jahr zu prüfen, ob alles noch zu deinen Zielen passt. Das macht ETFs zur idealen Geldanlage für alle, die kein Interesse daran haben, sich ständig mit der Börse zu beschäftigen.
Was kostet dich das Ganze? Ein Blick auf die Gebühren
Kosten sind beim Investieren ein entscheidender Faktor, denn sie schmälern deine Rendite. Bei ETFs gibt es zwei wesentliche Kostenarten, die du kennen solltest. Die erste ist die laufende Kostenquote, auch Total Expense Ratio oder TER genannt. Diese Gebühr wird jährlich von deinem Fondsvermögen abgezogen und deckt die Verwaltungskosten ab.
Die TER liegt bei vielen breit gestreuten Aktien-ETFs im Bereich von etwa 0,2 Prozent pro Jahr. Das klingt zunächst nach sehr wenig, ist aber ein großer Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds, die oft über ein Prozent kosten. Auf lange Sicht macht dieser Unterschied einen erheblichen Teil deiner Rendite aus. Achte also immer auf die Kostenquote des ETFs.
Die zweite Kostenart sind die Transaktionskosten, die beim Kauf und Verkauf anfallen. Viele Online-Broker bieten mittlerweile aber eine große Auswahl an ETFs an, die du im Rahmen eines Sparplans komplett kostenlos besparen kannst. Auch der spätere Verkauf ist bei vielen Anbietern inzwischen günstig oder sogar kostenlos möglich. Es lohnt sich, die Konditionen der verschiedenen Broker zu vergleichen.
Ein weiterer Punkt ist der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis. Bei sehr liquiden ETFs, also solchen mit hohem Handelsvolumen, ist dieser Spread sehr gering. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass du hier viel Geld verlierst. Wichtig ist, dass du die Gesamtkosten im Blick behältst und nicht nur auf den Kaufpreis schaust.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Die Auswahl des richtigen ETFs ist einfacher, als du denkst. Als Faustregel gilt: Je breiter gestreut, desto besser. Ein ETF auf den MSCI World oder den FTSE All-World ist eine hervorragende Basis für dein erstes Investment. Diese Indizes bilden die Entwicklung von tausenden Unternehmen aus der ganzen Welt ab und sind damit extrem gut diversifiziert.
Achte auf das Fondsvolumen des ETFs. Ein größeres Fondsvolumen bedeutet in der Regel, dass der ETF etabliert ist und ein geringeres Risiko der Schließung besteht. Zudem ist die Handelbarkeit besser, was sich in einem geringeren Spread niederschlägt. Ein Fondsvolumen von mehreren Milliarden Euro ist ein gutes Zeichen für einen soliden ETF.
Ein weiteres Kriterium ist die Replikationsmethode. Die meisten ETFs bilden ihren Index physisch ab, das heißt, sie kaufen die Aktien tatsächlich. Es gibt auch synthetische ETFs, die die Wertentwicklung über Derivate nachbilden. Für dich als Einsteiger sind physische ETFs in der Regel die bessere Wahl, da sie einfacher zu verstehen sind und kein Kontrahentenrisiko bergen.
Vergiss nicht, auf die Währung zu achten. Viele globale ETFs sind in US-Dollar notiert, es gibt aber auch Varianten in Euro. Für dich als Anleger ist die Währung des Fonds nicht entscheidend, da dein Investment in Euro abgerechnet wird. Wichtig ist nur, dass du dich für eine Variante entscheidest und dabei bleibst. Ein Wechselkursrisiko besteht ohnehin, da die zugrunde liegenden Aktien in verschiedenen Währungen notieren.
Diese typischen Fehler solltest du unbedingt vermeiden
Der häufigste Fehler, den Anfänger machen, ist das Warten auf den perfekten Einstiegszeitpunkt. Du wirst niemals den perfekten Zeitpunkt finden, und das ist auch gar nicht nötig. Durch deinen regelmäßigen Sparplan kaufst du automatisch zu guten und zu schlechten Zeiten. Der wichtigste Schritt ist, überhaupt anzufangen und dranzubleiben.
Ein weiterer Fehler ist, bei Kursschwankungen in Panik zu verfallen und seine Anteile zu verkaufen. Wenn die Börse fällt, ist das für dich als langfristigen Anleger kein Grund zur Sorge, sondern eine Chance. Du bekommst deine Anteile dann günstiger. Verkaufe niemals in einer Krise, denn dann realisierst du deine Verluste und verpasst die anschließende Erholung.
Viele Studenten machen auch den Fehler, in einzelne Aktien oder Kryptowährungen zu investieren, weil sie schnelle Gewinne erzielen wollen. Das ist aber reines Glücksspiel und hat nichts mit seriösem Investieren zu tun. Mit einem breit gestreuten ETF setzt du auf die langfristige Entwicklung der Weltwirtschaft und nicht auf den Hype eines einzelnen Unternehmens.
Zu guter Letzt solltest du niemals Geld investieren, das du in den nächsten Jahren dringend benötigst. Dein Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben oder dein Urlaub gehören nicht an die Börse. Investiere nur das Geld, das du wirklich langfristig entbehren kannst. So vermeidest du, dass du im Notfall deine Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen musst.
Dein konkreter Fahrplan: So legst du in 5 Schritten los
Im ersten Schritt solltest du deine finanzielle Situation ehrlich analysieren. Stelle sicher, dass du einen Notgroschen von etwa zwei bis drei Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto hast. Dieser Puffer schützt dich vor unerwarteten Kosten, wie einer kaputten Waschmaschine oder einem neuen Laptop. Erst wenn dieser Puffer steht, solltest du mit dem Investieren beginnen.
Im zweiten Schritt wählst du einen passenden Online-Broker aus. Achte darauf, dass der Anbieter ein kostenloses Depot und kostenlose Sparpläne anbietet. Beliebte Optionen sind Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, aber auch klassische Banken bieten inzwischen gute Konditionen an. Vergleiche die Angebote und entscheide dich für einen Anbieter, der zu dir passt.
Im dritten Schritt richtest du deinen Sparplan ein. Wähle einen breit gestreuten ETF, zum Beispiel auf den MSCI World oder den FTSE All-World. Lege den Betrag fest, den du monatlich investieren möchtest. Starte mit einem Betrag, der dir wirklich keine Bauchschmerzen bereitet. Du kannst den Betrag später jederzeit erhöhen, wenn du mehr Geld zur Verfügung hast.
Im vierten Schritt lässt du deinen Sparplan einfach laufen und widerstehe der Versuchung, ständig etwas zu verändern. Überprüfe dein Investment einmal im Jahr und passe es nur an, wenn sich deine Lebensumstände grundlegend ändern. Der fünfte und letzte Schritt ist, dich über das Thema weiterzubilden. Je mehr du über die Börse und Geldanlage weißt, desto sicherer wirst du im Umgang mit deinem Vermögen.
Deine Rechte als Anleger: Was du über die Einlagensicherung wissen solltest
Viele Anleger verwechseln die Einlagensicherung von Banken mit dem Schutz von Wertpapieren. Dein Geld auf dem Girokonto ist bis zu einer bestimmten Höhe durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Deine Wertpapiere in einem Depot sind jedoch kein Einlagengeschäft, sondern Sondervermögen. Das bedeutet, dass deine ETFs auch im Falle einer Insolvenz deines Brokers sicher sind.
Deine Wertpapiere werden getrennt vom Vermögen des Brokers aufbewahrt. Wenn dein Broker also pleitegeht, gehören deine Anteile immer noch dir. Du kannst sie auf einen anderen Anbieter übertragen. Dieses Prinzip des Sondervermögens ist ein wichtiger Schutzmechanismus für Anleger. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass du dein Investment durch eine Broker-Pleite verlierst.
Es gibt jedoch ein Restrisiko, das du kennen solltest: die sogenannte Wertpapierleihe. Einige Broker verleihen deine Wertpapiere gegen eine Gebühr an Dritte. Wenn der Entleiher pleitegeht, könnte es im Extremfall zu Verlusten kommen. Du kannst diesem Risiko entgehen, indem du einen Broker wählst, der keine Wertpapierleihe betreibt oder diese für dich deaktiviert.
Informiere dich vor der Kontoeröffnung genau über die Bedingungen deines Anbieters. Seriöse Broker weisen transparent auf solche Punkte hin. Als Anleger in Deutschland profitierst du von einem sehr hohen Schutzniveau. Die gesetzlichen Regelungen stellen sicher, dass dein Investment auch in turbulenten Zeiten sicher ist. Dieses Wissen gibt dir die nötige Ruhe für deine langfristige Anlagestrategie.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Viele Online-Broker bieten Sparpläne bereits ab rund 1 Euro pro Monat an. Sinnvoll ist ein Betrag, den du langfristig entbehren kannst, ohne deinen Lebensstandard einzuschränken. Schon rund 25 Euro im Monat können über die Jahre eine beachtliche Summe ergeben.
Für Einsteiger eignen sich breit gestreute ETFs auf den MSCI World oder den FTSE All-World am besten. Sie bilden die Entwicklung tausender Unternehmen aus der ganzen Welt ab und bieten damit eine optimale Risikostreuung. Achte auf ein hohes Fondsvolumen und geringe Kosten.
Ja, ETFs sind börsentäglich handelbar. Du kannst deine Anteile also jederzeit verkaufen und erhältst den aktuellen Kurs. Beachte jedoch, dass du bei einem Verkauf während einer Krise möglicherweise Verluste realisierst. Plane dein Investment daher langfristig.
Ja, gerade für Studenten sind ETFs ideal, weil sie schon mit kleinen Beträgen starten können und von der langen Anlagedauer profitieren. Der Zinseszins entfaltet über Jahrzehnte eine enorme Wirkung. Zudem ist die Geldanlage in ETFs unkompliziert und kostengünstig.
Deine Wertpapiere sind Sondervermögen und werden getrennt vom Vermögen des Brokers aufbewahrt. Im Falle einer Insolvenz gehören deine Anteile weiterhin dir und du kannst sie auf einen anderen Anbieter übertragen. Dein Investment ist also geschützt.
Für den Anfang reicht ein einziger breit gestreuter ETF völlig aus. Ein MSCI World oder FTSE All-World bietet bereits eine ausgezeichnete Diversifikation. Mehrere ETFs sind erst dann sinnvoll, wenn du gezielt bestimmte Regionen oder Branchen zusätzlich gewichten möchtest.
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