Ratgeber · Investieren
Crowdinvesting einfach erklärt: So funktioniert die Geldanlage in Startups und Projekte
Crowdinvesting verbindet die Idee der Schwarmfinanzierung mit dem Wunsch nach Rendite. Du beteiligst dich dabei schon mit kleinen Beträgen am Kapital von Unternehmen oder Projekten, trägst aber auch das Risiko eines Totalverlusts.
11 Kapitel · 13 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Crowdinvesting ist eine Form des Crowdfundings, bei der du als Anleger eine finanzielle Gegenleistung in Form einer Rendite erhalten sollst.
- Die Mindestinvestition liegt je nach Plattform oft bei 10, 250 oder 500 Euro.
- Dein eingesetztes Kapital ist meist ein Nachrangdarlehen, das im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird.
- Die Laufzeiten sind oft lang: Bei Startups meist 5 bis 8 Jahre, bei Immobilienprojekten oft 2 bis 3 Jahre.
01 · Grundlagen
Was ist Crowdinvesting?
Der Begriff setzt sich aus Crowd (Menschenmenge) und Investing (Investieren) zusammen. Es geht darum, dass viele einzelne Personen gemeinsam ein Vorhaben finanzieren und dafür am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden.
Crowdinvesting ist im Kern eine Finanzierung, bei der viele Menschen gemeinsam Kapital für ein Unternehmen oder ein konkretes Projekt bereitstellen. Anders als beim klassischen Crowdfunding, bei dem du oft ein Produkt oder ein Dankeschön erhältst, steht hier die finanzielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg im Vordergrund.
International hat sich dafür der Begriff equity-based Crowdfunding etabliert. Das zeigt bereits, dass deine Einlage eine eigenkapitalähnliche Funktion übernimmt, auch wenn du rechtlich meist kein direkter Gesellschafter wirst.
Für dich bedeutet das: Du wirst zum Kapitalgeber mit Gewinnchance, trägst aber auch das unternehmerische Risiko. Die Beteiligung ist in der Regel als Nachrangdarlehen oder stille Beteiligung ausgestaltet, also als Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.
Kurz erklärt
Crowdinvesting
Eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Anleger (die Crowd) gemeinsam Kapital in ein Unternehmen oder Projekt geben. Im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding steht dabei der Renditeaspekt im Vordergrund.
International ist meist die Bezeichnung equity-based Crowdfunding üblich, da die Anleger eine eigenkapitalähnliche Position erhalten.
02 · Vergleich
Crowdinvesting, Crowdfunding und Crowdlending: Wo liegt der Unterschied?
Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Modelle der Schwarmfinanzierung. Der Hauptunterschied liegt in der Art der Gegenleistung für dein Geld.
Die drei Begriffe werden oft durcheinandergebracht, beschreiben aber klar getrennte Modelle. Beim klassischen Crowdfunding unterstützt du ein Projekt und bekommst dafür meist eine nicht finanzielle Gegenleistung, etwa das fertige Produkt oder ein besonderes Extra. Eine Rendite ist nicht vorgesehen.
Beim Crowdlending vergibst du dagegen ein Darlehen und erhältst dafür einen vorab festgelegten Zins. Du wirst also zum Kreditgeber, ähnlich wie eine Bank, ohne am unternehmerischen Erfolg beteiligt zu sein.
Crowdinvesting verbindet beide Welten: Du gibst Kapital und wirst dafür am Gewinn oder an der Wertentwicklung beteiligt. Die Rendite ist nicht garantiert, sondern hängt vom Erfolg des Projekts ab. Das macht diese Form riskanter, aber potenziell auch ertragreicher als ein reines Darlehen.
Für deine Entscheidung ist entscheidend, welche Rolle du einnehmen möchtest. Als Unterstützer beim Crowdfunding erwartest du keinen finanziellen Ertrag, als Kreditgeber beim Crowdlending feste Zinsen und als Investor beim Crowdinvesting eine erfolgsabhängige Rendite mit entsprechendem Risiko.
| Crowdinvesting | Crowdfunding | Crowdlending | |
|---|---|---|---|
| Gegenleistung | Fixe oder erfolgsabhängige Rendite | Produkt, Dankeschön oder Spende (Reward) | Fester Zins für ein Darlehen |
| Rolle des Geldgebers | Investor mit eigenkapitalähnlichem Risiko | Unterstützer oder Förderer | Kreditgeber |
| Typische Laufzeit | Meist 2 bis 8 Jahre | ||
| Hauptziel | Gewinnerzielung und Wertsteigerung | Projektunterstützung und Produkterhalt | Regelmäßige Zinserträge |
03 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert Crowdinvesting Schritt für Schritt?
Der Ablauf einer Beteiligung ist bei den meisten Plattformen ähnlich strukturiert. Du wählst ein Projekt, prüfst die Unterlagen und legst deinen Anlagebetrag fest.
Du beginnst mit der Auswahl einer Plattform und eines konkreten Projekts, das zu deiner Risikobereitschaft passt.
Vor jeder Investition solltest du die Angebotsunterlagen vollständig lesen. Dazu gehören das Vermögensanlageninformationsblatt, die Projektbeschreibung und die Risikohinweise. Dort findest du die Konditionen, die Laufzeit und die Art der Beteiligung.
Erst danach legst du deinen Anlagebetrag fest. Die Mindestinvestition liegt je nach Plattform oft bei 10, 250 oder 500 Euro. Nach der Bestätigung bist du für die gesamte Laufzeit gebunden, eine vorzeitige Kündigung ist meist nicht möglich.
Plattform und Projekt auswählen
Du suchst dir eine Crowdinvesting-Plattform und dort ein konkretes Projekt aus, zum Beispiel ein Startup, ein Immobilienvorhaben oder ein Projekt im Bereich erneuerbare Energien.
Angebotsunterlagen prüfen
Vor der Investition solltest du das Vermögensanlageninformationsblatt, die Projektbeschreibung und die Risikohinweise lesen. Dort stehen die Konditionen, die Laufzeit und die Art der Beteiligung.
Investitionsbetrag festlegen
Du legst den Betrag fest, den du anlegen möchtest. Die Mindestinvestition liegt je nach Plattform oft bei 10, 250 oder 500 Euro.
Vertrag abschließen
Du schließt online einen Vertrag ab, meist in Form eines Nachrangdarlehens oder einer stillen Beteiligung. Damit stellst du dem Unternehmen dein Kapital zur Verfügung.
Laufzeit und Rückzahlung
Während der Laufzeit erhältst du Informationen zum Projektfortschritt. Am Ende der Laufzeit soll dein Kapital samt Rendite zurückgezahlt werden, sofern das Projekt erfolgreich war.
04 · Was gilt
In welche Branchen kannst du beim Crowdinvesting investieren?
Crowdinvesting ist nicht auf eine einzelne Branche beschränkt. Die Bandbreite reicht von jungen Unternehmen bis zu etablierten Mittelständlern und Sachwertprojekten.
Die Bandbreite reicht von jungen Wachstumsunternehmen über etablierte Mittelständler bis zu konkreten Sachwertprojekten.
Besonders häufig findest du Angebote in diesen Bereichen:
- Startups und junge Wachstumsunternehmen suchen oft Kapital für ihre Expansion.
- Kleine und mittelständische Unternehmen finanzieren damit Investitionen oder Nachfolgeregelungen.
- Immobilienprojekte wie Sanierung oder Neubau werden über die Crowd mitfinanziert.
- Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz sammeln Kapital für Solaranlagen oder Windkraft.
Für sicherheitsorientierte Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte ist Crowdinvesting dagegen kein Ersatz. Diese Anlageform zielt auf Rendite und bringt ein deutlich höheres Risiko mit.
Häufige Branchen
Eher untypisch
05 · Kosten
Welche Kosten und Renditen sind beim Crowdinvesting üblich?
Die Renditeaussichten hängen stark vom Risiko des Projekts ab. Gleichzeitig musst du mögliche Kosten und die steuerliche Behandlung deiner Erträge einplanen.
Bei Startup-Finanzierungen werden oft höhere Renditen in Aussicht gestellt, weil auch die Ausfallwahrscheinlichkeit deutlich größer ist.
Für Immobilienprojekte und Anlagen im Bereich erneuerbare Energien liegen die angebotenen Renditen häufig zwischen 4 und 6 Prozent pro Jahr. Bei Startups können die Werte darüber liegen, oft im Bereich von 5 bis 8 Prozent pro Jahr. Diese Zahlen sind Orientierungsgrößen und keine Garantien.
Zusätzlich musst du die steuerliche Belastung einplanen. Erträge aus Nachrangdarlehen und stillen Beteiligungen gelten als Kapitaleinkünfte und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Direkte Plattformgebühren für Anleger sind nicht in allen Fällen üblich, können aber anfallen. Prüfe deshalb vor der Investition, ob die Plattform ein Entgelt verlangt oder ob die Kosten bereits in der Renditekalkulation des Projekts enthalten sind.
Kurz erklärt
Abgeltungsteuer auf Erträge
Typische Renditespannen und Kostenpunkte im Überblick
25 % zzgl. Solidaritätszuschlag
06 · Im Vertrag
Welche Beteiligungsformen stecken hinter Crowdinvesting?
Rechtlich gesehen ist Crowdinvesting meist kein direkter Kauf von Unternehmensanteilen. Häufig handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.
Rechtlich gesehen kaufst du beim Crowdinvesting meist keine direkten Unternehmensanteile. Stattdessen handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, die als Mezzanine-Kapital bezeichnet wird.
Die häufigste Vertragsform ist das Nachrangdarlehen. Du gibst dem Unternehmen ein Darlehen, das im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird. Diese Nachrangigkeit erhöht dein Verlustrisiko erheblich.
Eine weitere typische Form ist die stille Beteiligung. Du beteiligst dich am Gewinn des Unternehmens, hast aber in der Regel kein Mitspracherecht in der Geschäftsführung. Die steuerliche Behandlung hängt von der konkreten Ausgestaltung ab.
Beide Varianten zählen zum Mezzanine-Kapital. Für dich bedeutet das: Du trägst ein Risiko, das näher am Eigenkapital liegt als an einem normalen Bankkredit, ohne dafür die vollen Rechte eines Gesellschafters zu erhalten.
Die wichtigsten Vertragsformen beim Crowdinvesting
07 · Checkliste
Checkliste: Woran erkennst du ein seriöses Crowdinvesting-Angebot?
Nicht jedes Projekt auf einer Crowdinvesting-Plattform ist automatisch eine gute Geldanlage. Mit einigen Prüfpunkten kannst du die Qualität eines Angebots besser einschätzen.
Stelle dir vor jeder Investition diese Fragen:
- Liegt ein vollständiges Vermögensanlageninformationsblatt vor?
- Gibt es einen aktuellen Jahresabschluss des Emittenten?
- Ist die Projektplanung konkret und nachvollziehbar beschrieben?
- Werden die Risiken ausführlich und verständlich dargestellt?
- Wie hoch ist der Anteil an echtem Eigenkapital des Projektstarters?
- Verstehst du das Geschäftsmodell des Unternehmens?
- Kannst du einen Totalverlust deines Einsatzes finanziell verkraften?
Wenn eine Plattform diese Informationen nicht automatisch und vollständig liefert, ist das ein Warnsignal. Ein seriöses Angebot zeichnet sich durch Transparenz aus, nicht durch Werbeversprechen.
Prüfpunkte vor deiner Investition
Liegt ein vollständiges Vermögensanlageninformationsblatt vor?
Gibt es einen aktuellen Jahresabschluss des Emittenten?
Ist die Projektplanung konkret und nachvollziehbar beschrieben?
Werden die Risiken ausführlich und verständlich dargestellt?
Wie hoch ist der Anteil an echtem Eigenkapital des Projektstarters?
Verstehst du das Geschäftsmodell des Unternehmens?
Kannst du einen Totalverlust deines Einsatzes verkraften?
08 · Fehler vermeiden
Welche Risiken solltest du beim Crowdinvesting kennen?
Crowdinvesting ist eine riskante Anlageform. Die Aussicht auf Rendite geht immer mit der Möglichkeit einher, dein eingesetztes Kapital ganz oder teilweise zu verlieren.
Crowdinvesting ist eine riskante Anlageform. Die Aussicht auf Rendite geht immer mit der Möglichkeit einher, dein eingesetztes Kapital ganz oder teilweise zu verlieren.
Das größte Risiko ist der Totalverlust. Scheitert das Projekt oder gerät die Umsetzung ins Stocken, kannst du dein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren. Anders als bei Bankeinlagen gibt es keine Einlagensicherung.
Ein weiteres zentrales Risiko ist die Nachrangigkeit. Im Insolvenzfall wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient und gehst oft leer aus. Hinzu kommt die lange Bindung: Bei Startups beträgt die Laufzeit oft 5 bis 8 Jahre, ohne Kündigungsmöglichkeit.
Ein funktionierender Sekundärmarkt existiert meist nicht. Du kannst deine Beteiligung also nicht einfach vorzeitig verkaufen, wenn du Geld benötigst oder mit der Entwicklung unzufrieden bist. Einige Plattformen bieten eigene Handelsplätze an, aber eine Garantie für einen Verkauf gibt es nicht.
Die größten Risiken und typische Fehler
09 · Hintergrund
Wie werden Erträge aus Crowdinvesting versteuert?
Deine Erträge aus Crowdinvesting sind steuerpflichtig. Wie sie behandelt werden, hängt von der konkreten Beteiligungsform ab.
Erträge aus stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen gelten steuerlich als Kapitaleinkünfte. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Der Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr kann auf diese Kapitaleinkünfte angerechnet werden. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren liegt der Freibetrag bei 2000 Euro. Erst oberhalb dieses Betrags fällt Steuer an.
Anders sieht es bei atypischen stillen Beteiligungen aus. Diese Einkünfte gelten als gewerblich und werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Die Teilfreistellung für Aktienfonds von 30 Prozent gilt hier nicht, da es sich nicht um Investmentfonds handelt.
Erträge aus stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen gelten steuerlich als Kapitaleinkünfte. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Anders sieht es bei atypischen stillen Beteiligungen aus. Diese Einkünfte gelten als gewerblich und werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
10 · Was gilt
Für wen eignet sich Crowdinvesting?
Crowdinvesting ist keine Anlage für den Notgroschen oder die Altersvorsorge. Es eignet sich nur für Anleger, die das Risiko verstehen und einen Verlust verkraften können.
Geeignet ist diese Anlageform für dich, wenn du einen Teil deines Vermögens bewusst risikoreich anlegen möchtest und bereit bist, dich mit dem Geschäftsmodell des Projekts auseinanderzusetzen. Du solltest eine lange Bindung von mehreren Jahren akzeptieren und einen Totalverlust des Einsatzes finanziell verkraften können.
Nicht geeignet ist Crowdinvesting, wenn du eine sichere Anlage mit Einlagensicherung suchst oder kurzfristig auf dein Geld angewiesen bist. Auch wenn du keine Verluste ertragen kannst oder eine garantierte Rendite erwartest, solltest du die Finger davon lassen.
Geeignet für Anleger, die...
Nicht geeignet für Anleger, die...
11 · Checkliste
Wie kannst du dein Risiko beim Crowdinvesting streuen?
Eine breite Streuung ist bei dieser Anlageform besonders wichtig, weil einzelne Projekte komplett ausfallen können. Die Höhe deines Gesamtinvestments sollte begrenzt bleiben.
Beachte diese Grundsätze für eine bessere Risikoverteilung:
- Investiere nur so viel, wie du als Verlust verkraften kannst.
- Verteile dein Kapital auf mehrere verschiedene Projekte und Plattformen.
- Halte den Anteil von Crowdinvesting an deinem gesamten liquiden Vermögen klein.
- Prüfe jedes Projekt einzeln auf Chancen und Risiken.
- Laufe nicht blind der Crowd hinterher, sondern triff deine eigene Entscheidung.
- Investiere nur in Geschäftsmodelle, die du verstehst.
Als Orientierung gilt: Crowdinvestments sollten insgesamt nicht mehr als 10 Prozent deines liquiden Vermögens ausmachen. So bleibt ein Totalausfall schmerzhaft, aber verkraftbar.
Grundsätze für eine bessere Risikoverteilung
Investiere nur so viel, wie du als Verlust verkraften kannst.
Verteile dein Kapital auf mehrere verschiedene Projekte und Plattformen.
Halte den Anteil von Crowdinvesting an deinem gesamten liquiden Vermögen klein.
Prüfe jedes Projekt einzeln auf Chancen und Risiken.
Laufe nicht blind der Crowd hinterher, sondern triff deine eigene Entscheidung.
Investiere nur in Geschäftsmodelle, die du verstehst.
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