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Crowdinvesting Erklärung: So funktioniert die Geldanlage in Projekte
Crowdinvesting verbindet unternehmerische Finanzierung mit privater Geldanlage. Du gibst einem Unternehmen oder Projekt ein Darlehen und erhältst im Gegenzug eine erfolgsabhängige Vergütung.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Anleger kleine Beträge investieren.
- Die Beteiligung erfolgt meist als Nachrangdarlehen oder partiarisches Darlehen.
- Dein eingesetztes Kapital ist nicht geschützt, ein Totalverlust ist möglich.
- Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag.
01 · Grundlagen
Was ist Crowdinvesting?
Der Begriff setzt sich aus Crowd und Investing zusammen. Eine Gruppe von Privatpersonen finanziert gemeinsam ein Vorhaben und erwartet dafür eine finanzielle Gegenleistung.
International hat sich für diese Form der Schwarmfinanzierung der Begriff equity-based Crowdfunding etabliert. In Deutschland ist Crowdinvesting eine Wortschöpfung, die den Renditeaspekt in den Vordergrund rückt. Du stellst einem Unternehmen oder Projekt Kapital zur Verfügung und wirst dafür am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.
Die Beteiligung erfolgt in den meisten Fällen über sogenanntes Mezzanine-Kapital, also eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Konkret wird dein Investment häufig als nachrangiges Darlehen ausgestaltet. Das bedeutet: Im Insolvenzfall werden zuerst alle anderen Gläubiger bedient, bevor du an der Reihe bist.
Für dich als Anleger bedeutet das eine klare Hierarchie der Ansprüche. Geht das Unternehmen insolvent und es sind keine Vermögensgegenstände mehr vorhanden, gehst du leer aus. Diese Nachrangigkeit ist ein zentrales Merkmal fast aller Crowdinvesting-Angebote.
Kurz erklärt
Crowdinvesting
Eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Anleger (die Crowd) einem Unternehmen oder Projekt Kapital zur Verfügung stellen und im Gegenzug eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg erhalten.
International ist die Bezeichnung equity-based Crowdfunding üblich.
02 · Vergleich
Crowdinvesting und Crowdfunding: Wo liegt der Unterschied?
Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Ziele der Geldgeber. Der entscheidende Punkt ist die erwartete Gegenleistung.
Beim klassischen Crowdfunding unterstützt du ein Projekt mit Geld und erhältst dafür eine nicht-finanzielle Gegenleistung, etwa ein Produkt, ein Dankeschön oder eine Vorbestellung. Dein Antrieb ist in der Regel ideeller Natur oder die Vorfreude auf ein konkretes Produkt.
Beim Crowdinvesting steht dagegen die finanzielle Rendite im Mittelpunkt. Du wirst zum Mikroinvestor und erwartest Zinsen, eine Gewinnbeteiligung oder eine andere Form der monetären Vergütung. Deshalb werden die Geldgeber beim Crowdinvesting auch als Investoren bezeichnet, beim klassischen Crowdfunding eher als Unterstützer.
Rechtlich hat das Konsequenzen: Crowdinvesting ist eine Vermögensanlage, klassisches Crowdfunding oft ein Kaufvertrag oder eine Spende. Beim Crowdinvesting trägst du das Risiko eines Totalverlusts deines eingesetzten Kapitals. Beim klassischen Crowdfunding riskierst du dagegen vor allem, dass die versprochene Gegenleistung nicht geliefert wird.
| Crowdinvesting | Crowdfunding | |
|---|---|---|
| Ziel der Geldgeber | Finanzielle Rendite | Produkt oder Dankeschön |
| Typische Gegenleistung | Zinsen oder Gewinnbeteiligung | Vorbestellung oder Goodie |
| Rechtliche Einordnung | Vermögensanlage | |
| Risiko für den Geldgeber | Totalverlust möglich |
03 · Schritt für Schritt
Wie funktioniert eine Beteiligung über eine Crowdinvesting-Plattform?
Die Abwicklung läuft in der Regel über spezialisierte Online-Plattformen. Diese prüfen die Projekte und bündeln die Gelder der Anleger.
Du wählst dort ein Projekt aus, das zu deiner Risikopräferenz passt. Anschließend liest du die Vertragsunterlagen und das Vermögensanlagen-Informationsblatt, bevor du eine verbindliche Zeichnung abgibst.
Die Plattform bündelt die Einzelinvestments vieler Anleger. Erst wenn die vorher festgelegte Fundingschwelle erreicht wird, erhält das Unternehmen das eingesammelte Kapital. Dieses Alles-oder-nichts-Prinzip schützt dich davor, dass ein Projekt mit zu wenig Kapital startet und dadurch von Anfang an schlechtere Erfolgsaussichten hat.
Während der Laufzeit erhältst du die vereinbarten Erträge, sofern das Projekt wirtschaftlich erfolgreich ist. Die Plattform übernimmt dabei oft auch die Kommunikation zwischen Unternehmen und Anlegern, etwa durch regelmäßige Updates zur Geschäftsentwicklung.
Projektauswahl
Du wählst auf einer Plattform ein Unternehmen oder Immobilienprojekt aus, das Kapital sucht.
Prüfung der Unterlagen
Du liest das Vermögensanlagen-Informationsblatt und die Bedingungen der Beteiligung.
Zeichnung des Investments
Du gibst über die Plattform ein verbindliches Angebot für eine bestimmte Summe ab.
Auszahlung an das Projekt
Wird die Fundingschwelle erreicht, erhält das Unternehmen das eingesammelte Kapital.
Laufende Erträge
Während der Laufzeit erhältst du Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung, sofern das Projekt erfolgreich ist.
04 · Im Vertrag
Welche Beteiligungsformen gibt es beim Crowdinvesting?
Die Ausgestaltung der Verträge variiert. Die meisten Angebote sind als Mezzanine-Kapital einzuordnen, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital.
Die häufigste Form ist das Nachrangdarlehen. Du gibst dem Unternehmen ein Darlehen und erhältst dafür in der Regel einen festen oder variablen Zins. Im Insolvenzfall wird deine Forderung erst nach allen anderen Gläubigern bedient, was das Risiko deutlich erhöht.
Daneben gibt es partiarische Darlehen, bei denen du statt eines festen Zinses eine Beteiligung am Gewinn oder Umsatz erhältst. Genussrechte sind schuldrechtliche Ansprüche auf einen Anteil am Gewinn, ohne dass du Gesellschafter mit Stimmrecht wirst. Die stille Beteiligung ist eigenkapitalnah und kann als typische oder atypische Variante ausgestaltet sein.
Für dich ist entscheidend, welche Rechte und Pflichten mit der jeweiligen Form verbunden sind. Lies vor der Zeichnung genau, ob du einen festen Zins, eine Gewinnbeteiligung oder eine Mischung aus beidem erhältst. Die Vertragsform bestimmt auch, wie deine Erträge später versteuert werden.
Übliche Vertragsarten im Überblick
05 · Kosten
Welche Kosten und Gebühren fallen an?
Die Kosten entstehen an zwei Stellen: beim Abschluss des Investments und während der Laufzeit. Die Plattformen finanzieren sich über Gebühren.
Üblich sind Plattformgebühren bei Abschluss des Investments, die in einer Spanne von 0 bis 5 Prozent der Anlagesumme liegen können. Manche Plattformen erheben zusätzlich laufende Verwaltungsgebühren von 0 bis 2 Prozent pro Jahr.
Erfolgsabhängige Gebühren sind ebenfalls verbreitet. Dabei behält die Plattform einen Anteil von 5 bis 15 Prozent deines Ertrags ein. Diese Kosten mindern deine Rendite direkt und sollten in deine Kalkulation einfließen.
Prüfe vor der Zeichnung, ob die Gebühren auf die gesamte Anlagesumme oder nur auf den Ertrag erhoben werden. Eine Gebühr von 5 Prozent auf die Anlagesumme wirkt sich deutlich stärker aus als eine Erfolgsgebühr von 10 Prozent auf den Ertrag.
Kurz erklärt
Plattformgebühr bei Abschluss
Typische Kostenpositionen für Anleger
ca. 5 bis 12 % der Finanzierungssumme
06 · Fehler vermeiden
Welche Risiken bestehen beim Crowdinvesting?
Crowdinvesting ist eine unternehmerische Geldanlage. Der Schutz von Einlagen wie bei einer Bank gibt es hier nicht.
Das größte Risiko ist der Totalverlust deines eingesetzten Kapitals. Scheitert das Projekt oder geht das Unternehmen insolvent, ist dein Geld in der Regel vollständig weg. Anders als bei Bankeinlagen gibt es keinen Einlagensicherungsfonds, der dich absichert.
Die Nachrangigkeit verschärft dieses Risiko. Im Insolvenzfall werden zuerst alle anderen Gläubiger bedient, etwa Banken oder Lieferanten. Nur wenn danach noch Vermögenswerte übrig sind, erhältst du als Crowdinvestor einen Anteil. In der Praxis ist das selten der Fall.
Hinzu kommt die lange Bindung deines Kapitals. Eine vorzeitige Kündigung ist bei den meisten Angeboten ausgeschlossen, und ein funktionierender Sekundärmarkt existiert kaum. Du kannst dich also nicht wie bei Aktien kurzfristig von deinem Investment trennen, wenn du Geld benötigst oder mit der Entwicklung unzufrieden bist.
Die wichtigsten Risiken auf einen Blick
07 · Was gilt
Wie werden Erträge aus Crowdinvesting versteuert?
Die steuerliche Behandlung hängt von der konkreten Vertragsform ab. Für die meisten Anleger greift die Abgeltungsteuer.
Für die meisten Beteiligungsformen gilt: Deine Erträge sind Kapitaleinkünfte und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Das betrifft Erträge aus Nachrangdarlehen, partiarischen Darlehen, typischen stillen Beteiligungen und Genussrechten.
Eine Ausnahme bildet die atypische stille Beteiligung. Hier werden deine Einkünfte als gewerblich eingestuft und mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Das kann je nach Einkommenshöhe deutlich teurer sein als die Abgeltungsteuer.
Deinen Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr kannst du auch für Crowdinvesting-Erträge nutzen. Erst wenn deine gesamten Kapitaleinkünfte diesen Freibetrag übersteigen, wird Abgeltungsteuer fällig. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag auf 2000 Euro.
Abgeltungsteuer (25 %)
Atypische stille Beteiligung
08 · Checkliste
Für wen eignet sich Crowdinvesting?
Die Anlageform ist nur für einen Teil des Vermögens sinnvoll. Sie passt zu Anlegern, die bewusst unternehmerische Risiken eingehen.
Du solltest das Geschäftsmodell des Unternehmens oder Projekts verstehen und einschätzen können, womit das Unternehmen Geld verdient.
Die Anlageform ist nur für Geld geeignet, das du in den nächsten Jahren nicht benötigst. Wegen der langen Laufzeiten und der fehlenden Kündigungsmöglichkeit darfst du nicht darauf angewiesen sein, kurzfristig an dein Kapital zu kommen.
Investiere nur so viel, wie du als Totalverlust verkraften kannst. Eine Streuung über mehrere Projekte reduziert dein Risiko, auch wenn sie einen Ausfall nicht verhindern kann. Lies vor jeder Zeichnung die vollständigen Vertragsunterlagen und verlasse dich nicht auf die Einschätzung anderer Anleger.
Kriterien für ein passendes Investment
Du verstehst das Geschäftsmodell des Unternehmens oder Projekts.
Du kannst einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften.
Du benötigst das Geld in den nächsten Jahren nicht.
Du streust dein Investment über mehrere Projekte.
Du hast die Vertragsunterlagen vollständig gelesen.
09 · Hintergrund
Welche Rolle spielt das Vermögensanlagengesetz?
Das Gesetz regelt den Vertrieb von Vermögensanlagen. Es soll Anleger schützen, indem es Informationspflichten für Anbieter festlegt.
Viele Crowdinvesting-Angebote gelten als Vermögensanlagen im Sinne des Vermögensanlagengesetzes. Anbieter müssen dann ein Vermögensanlagen-Informationsblatt erstellen und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hinterlegen. Dieses Blatt fasst die wichtigsten Risiken und Konditionen auf wenigen Seiten zusammen.
Für kleine Angebote gibt es Ausnahmen von der Prospektpflicht. In diesem Bereich ist die maximale Anlagesumme pro Privatperson gesetzlich begrenzt. Die Regulierung soll Transparenz schaffen, ist aber keine Garantie für die Qualität des Investments.
Die Prüfung des Geschäftsmodells und der Vertragsbedingungen bleibt deine eigene Aufgabe. Das Vermögensanlagen-Informationsblatt hilft dir, die wesentlichen Punkte schnell zu erfassen, ersetzt aber keine eigene Analyse.
Viele Crowdinvesting-Angebote gelten als Vermögensanlagen im Sinne des Vermögensanlagengesetzes. Anbieter müssen dann ein Vermögensanlagen-Informationsblatt erstellen und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hinterlegen.
Für kleine Angebote gibt es Ausnahmen von der Prospektpflicht. Die maximale Anlagesumme pro Privatperson ist in diesem Bereich gesetzlich begrenzt.
Die Regulierung soll Transparenz schaffen, ist aber keine Garantie für die Qualität des Investments. Die Prüfung des Geschäftsmodells bleibt deine Aufgabe.
10 · Vergleich
Crowdinvesting, Crowdlending und Schwarmfinanzierung: Was ist was?
Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht deckungsgleich. Eine klare Abgrenzung hilft bei der Suche nach passenden Angeboten.
Schwarmfinanzierung ist der Oberbegriff für alle Formen der Finanzierung durch eine Vielzahl von Privatpersonen. Crowdinvesting und Crowdlending sind zwei spezielle Ausprägungen, die sich in der Vertragsform und der Renditequelle unterscheiden.
Beim Crowdinvesting beteiligst du dich meist über Nachrangdarlehen oder Genussrechte an Unternehmen oder Immobilienprojekten. Deine Rendite hängt vom wirtschaftlichen Erfolg ab und kann aus Zinsen oder Gewinnbeteiligungen bestehen. Beim Crowdlending vergibst du dagegen standardisierte Kredite an Privatpersonen oder Firmen und erhältst dafür einen festen Zins.
Crowdlending ist oft standardisierter, während Crowdinvesting stärker am unternehmerischen Erfolg hängt. Für dich bedeutet das: Beim Crowdlending sind die Konditionen meist klarer, beim Crowdinvesting sind die Renditechancen und Risiken stärker vom Einzelfall abhängig.
| Crowdinvesting | Crowdlending | |
|---|---|---|
| Oberbegriff | Schwarmfinanzierung | Schwarmfinanzierung |
| Typische Anlage | Unternehmen oder Immobilien | |
| Vertragsform | Nachrangdarlehen oder Genussrecht | |
| Renditequelle | Gewinnbeteiligung oder Zins |
11 · Was gilt
Wie hoch sind Rendite und Laufzeit bei Immobilieninvestments?
Immobilienprojekte sind ein Schwerpunkt im Crowdinvesting. Die Konditionen unterscheiden sich deutlich von Startup-Finanzierungen.
Die Laufzeiten liegen meist bei 2 bis 3 Jahren, während du bei Startups oft 5 bis 8 Jahre gebunden bist. Das macht Immobilieninvestments für Anleger interessant, die ihr Kapital nicht so lange binden möchten.
Die Rendite ist bei Immobilienprojekten häufig als fester Zins ausgestaltet und liegt in einer Spanne von 4 bis 7 Prozent pro Jahr. Zusätzlich kann eine Besicherung durch Grundschuld bestehen, was das Ausfallrisiko im Vergleich zu Startups reduziert. Bei Startup-Finanzierungen gibt es dagegen in der Regel keine Sicherheiten, und die Rendite ist stark schwankend und oft gewinnabhängig.
Das Ausfallrisiko ist bei Immobilienprojekten tendenziell geringer als bei Startups, aber ein Totalausfall bleibt möglich. Auch eine Grundschuld schützt dich nicht automatisch vor Verlusten, wenn das Projekt scheitert und die Immobilie weniger wert ist als geplant.
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