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Ratgeber · Versicherung

Sinnvolle Versicherungen als Auszubildende: Dein Schutz zum Aus­bildungs­start

Mit dem ersten eigenen Gehalt kommen auch die ersten eigenen Versicherungs­fragen auf dich zu.

11 Kapitel · 16 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Existenzbedrohende Risiken wie Berufsunfähigkeit und private Haftpflicht haben für dich als Auszubildende oberste Priorität.
  • In der gesetzlichen Krankenversicherung bist du als Auszubildende pflichtversichert und wählst deine Krankenkasse selbst.
  • Über deine Eltern bist du während der ersten Ausbildung oft noch in der Haftpflicht- und Hausratversicherung mitversichert.
  • Für die Altersvorsorge hast du als Auszubildende Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss.

01 · Hintergrund

Warum deine Arbeitskraft als Auszubildende das höchste Gut ist

Ein Unfall oder eine Krankheit kann deine berufliche Zukunft stärker bedrohen als jeder Sachschaden. Die gesetzlichen Leistungen für junge Menschen sind dabei oft geringer als viele denken.

Dein künftiges Einkommen über viele Jahrzehnte ist der mit Abstand größte Vermögenswert, den du als Auszubildende hast. Ein einziger Unfall oder eine schwere Krankheit kann diese Einnahmequelle dauerhaft zerstören, lange bevor du überhaupt nennenswerte Rücklagen bilden konntest. Genau deshalb ist die Absicherung deiner Arbeitskraft wichtiger als jede Sachversicherung für Handy, Fahrrad oder Hausrat.

Die gesetzlichen Sicherungssysteme fangen dich als Berufsanfängerin nur sehr begrenzt auf. Als Auszubildende hast du in den ersten Jahren meist keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, denn die allgemeine Wartezeit beträgt 5 Jahre. Selbst wer diese Wartezeit erfüllt hat, erhält die volle Erwerbsminderungsrente nur, wenn er weniger als 3 Stunden pro Tag arbeiten kann. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 3 bis unter 6 Stunden pro Tag gibt es lediglich die halbe Erwerbsminderungsrente.

Lediglich bei einem Arbeits- oder Wegeunfall sowie bei Berufskrankheiten greift für dich als Auszubildende die Absicherung über die Berufsgenossenschaft. Für alle Unfälle in der Freizeit, beim Sport oder zu Hause zahlst du dagegen keinen Beitrag und erhältst im Ernstfall auch keine Leistung. Die meisten Unfälle passieren jedoch genau dort, nicht am Arbeitsplatz.

Merke: Deine Arbeitskraft ist dein größtes Kapital, und die gesetzliche Absicherung greift für dich als Auszubildende nur in sehr engen Grenzen.

Als Auszubildende hast du meist keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Diesen Schutz gibt es erst nach einigen Jahren im Arbeitsleben.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer überhaupt nicht mehr arbeiten kann. Unter Umständen musst du auch eine schlechter bezahlte Stelle annehmen, die nicht deinem Ausbildungsniveau entspricht.

Lediglich bei einem Arbeits- oder Wegeunfall sowie bei Berufskrankheiten greift für dich als Auszubildende die Absicherung über die Berufsgenossenschaft. Für alle anderen Fälle brauchst du eine private Absicherung.

02 · Grundlagen

Berufsunfähigkeits­versicherung: Dein wichtigster Vertrag als Auszubildende

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist für dich als Auszubildende die zentrale Absicherung gegen dauerhaften Einkommensausfall. Sie zahlt bereits dann, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst.

Voraussetzung ist in der Regel eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent, und die Beeinträchtigung muss eine gewisse Zeit andauern. Die Rente wird maximal bis zum vereinbarten Vertragsablauf gezahlt, idealerweise bis kurz vor deinem geplanten Rentenbeginn.

Der entscheidende Vorteil gegenüber der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente liegt im Bezugspunkt: Die private BU leistet ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf. Die gesetzliche Rente fragt dagegen nur, ob du überhaupt noch irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben kannst, und zwingt dich notfalls in einen schlechter bezahlten Job außerhalb deines Ausbildungsniveaus.

Gerade als Auszubildende profitierst du von günstigen Konditionen beim Abschluss. Weil du in jungen Jahren meist weniger Vorerkrankungen oder Verletzungen aufweist, zahlst du in der Regel geringere monatliche Beiträge als ältere Arbeitnehmer. Achte bei Vertragsabschluss auf eine Nachversicherungsgarantie, damit du deinen Schutz nach der Ausbildung ohne erneute Gesundheitsprüfung an dein gestiegenes Gehalt anpassen kannst.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist für dich als Auszubildende die zentrale Absicherung gegen dauerhaften Einkommensausfall, weil sie bereits bei 50 Prozent Berufsunfähigkeit im erlernten Beruf leistet.

Kurz erklärt

Private Berufsunfähigkeits­versicherung

Eine private Versicherung, die eine monatliche Rente zahlt, wenn du aus gesundheitlichen Gründen deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst. Voraussetzung ist in der Regel eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent.

Die private BU leistet ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf und ist damit deutlich umfassender als die gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

03 · Was gilt

Private Haftpflichtversicherung: Wer zahlt, wenn du einen Schaden verursachst?

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch haftest du für Schäden, die du anderen zufügst, in unbegrenzter Höhe. Eine private Haftpflichtversicherung schützt dich vor den finanziellen Folgen.

Ein einziger Personenschaden, etwa ein verursachter Fahrradunfall mit bleibenden Folgen für das Opfer, kann schnell in die Hunderttausende gehen. Ohne private Haftpflichtversicherung müsstest du solche Summen aus deinem laufenden Einkommen und künftigem Vermögen begleichen.

Als Auszubildende bist du häufig noch über die elterliche Privathaftpflicht mitversichert. Das gilt unter drei Voraussetzungen: Du befindest dich in deiner ersten Berufsausbildung, du bist nicht verheiratet, und deine Eltern haben eine Privathaftpflichtversicherung, die Kinder einschließt. Frage am besten direkt beim Versicherer deiner Eltern nach, ob der Schutz für dich weiterhin besteht.

Spätestens nach dem Ende deiner Ausbildung oder bei einer Heirat endet die Mitversicherung über die Eltern. Dann brauchst du eine eigene Police. Gleiches gilt, wenn du bereits eine zweite Ausbildung begonnen hast oder deine Eltern keine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.

Prüfe zuerst die elterliche Police, bevor du eine eigene Haftpflichtversicherung abschließt, denn als Auszubildende in der ersten Berufsausbildung bist du oft noch beitragsfrei mitversichert.

Du bist mitversichert

·Du befindest dich in deiner ersten Berufsausbildung
·Du bist nicht verheiratet
·Deine Eltern haben eine Privathaftpflichtversicherung, die Kinder einschließt

Du brauchst eine eigene Police

·Du hast deine Ausbildung bereits beendet
·Du bist verheiratet
·Du hast bereits eine zweite Ausbildung begonnen

04 · Schritt für Schritt

Krankenversicherung: Pflicht und Wahlfreiheit für Auszubildende

Mit dem Ausbildungsstart endet die Familienversicherung über deine Eltern. Du bist nun selbst für deine Krankenversicherung verantwortlich und wählst deine Krankenkasse.

Als Auszubildende bist du laut Gesetz in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig, ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist für dich in der Regel nicht möglich. Dein Arbeitgeber meldet dich bei der von dir gewählten Kasse an.

Entscheide dich noch vor deinem ersten Arbeitstag für eine gesetzliche Krankenkasse. Triffst du keine Wahl, legt dein Arbeitgeber eine Kasse für dich fest. Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zu großen Teilen gesetzlich vorgegeben, Unterschiede gibt es vor allem bei Zusatzleistungen wie professioneller Zahnreinigung, Reiseschutzimpfungen oder Bonusprogrammen.

Für Reisen ins Ausland, ob privat oder beruflich, benötigst du zusätzlich eine Auslandsreisekrankenversicherung. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten im Ausland nur in sehr begrenztem Umfang oder gar nicht, und ein Rücktransport nach Deutschland kann mehrere Zehntausend Euro kosten. Eine Auslandsreisekrankenversicherung gibt es bereits für wenige Euro im Jahr.

Wähle deine Krankenkasse aktiv vor Ausbildungsbeginn, denn ohne deine Entscheidung bestimmt der Arbeitgeber die Kasse für dich.

01

Vor Ausbildungsbeginn Krankenkasse wählen

Entscheide dich noch vor deinem ersten Arbeitstag für eine gesetzliche Krankenkasse. Triffst du keine Wahl, legt dein Arbeitgeber eine Kasse für dich fest.

02

Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung

Als Auszubildende bist du laut Gesetz in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig. Dein Arbeitgeber meldet dich bei deiner gewählten Kasse an.

03

Auslandsreisekrankenversicherung ergänzen

Für Reisen ins Ausland, ob privat oder beruflich, benötigst du zusätzlich eine Auslandsreisekrankenversicherung. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten im Ausland nur sehr begrenzt.

05 · Kosten

Betriebliche Altersvorsorge: Dein Rechtsanspruch als Auszubildende

Auch als Auszubildende hast du einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Dein Arbeitgeber muss dir diese Möglichkeit anbieten und sich an den Beiträgen beteiligen.

Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten, wenn Mitarbeiter über die Firma für das Alter sparen wollen. Dieser Anspruch gilt ausdrücklich auch für Lehrlinge.

Bei der sogenannten Entgeltumwandlung zahlst du einen Teil deines Bruttogehalts in einen Vorsorgevertrag ein, und dein Arbeitgeber muss laut Gesetz mindestens 15 Prozent der Summe beisteuern. Viele Betriebe erhöhen den gesetzlichen Mindestzuschuss freiwillig oder übernehmen die Beiträge sogar komplett, um Mitarbeiter zu motivieren und zu halten. Frage bei deinem Arbeitgeber nach den konkreten Konditionen.

Der Arbeitgeberzuschuss macht die betriebliche Altersvorsorge auch mit kleinem Ausbildungsgehalt attraktiv, weil du auf jeden Fall mehr zurückbekommst, als du selbst einzahlst. Informiere dich frühzeitig über die Möglichkeiten in deinem Betrieb, denn der Zinseszinseffekt wirkt umso stärker, je länger dein Geld angelegt ist.

Dein Arbeitgeber muss bei der Entgeltumwandlung mindestens 15 Prozent deines Beitrags zuschießen, und diesen Zuschuss solltest du als Auszubildende nicht liegen lassen.

Kurz erklärt

Gesetzlicher Mindestzuschuss des Arbeitgebers

Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung

15 Prozent

06 · Checkliste

Private Altersvorsorge: Lohnt sich der frühe Start als Auszubildende?

Je früher du mit dem Sparen beginnst, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt. Für Auszubildende gibt es bei der Riester-Rente einen besonderen Anreiz.

Auch mit kleinen monatlichen Beträgen kannst du als Auszubildende einen langfristigen Sparprozess starten, der sich später deutlich auszahlt. Die gesetzliche Rente allein wird in den meisten Fällen nicht ausreichen, um deinen gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.

Für Auszubildende gibt es bei der Riester-Rente einen besonderen Anreiz. Du bist als Auszubildende gesetzlich rentenversichert und erhältst damit die staatliche Riester-Förderung. Wer unter 25 Jahre alt ist und einen Riester-Vertrag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus vom Staat obendrauf.

Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Geringverdiener, da die staatlichen Zulagen bei niedrigen eigenen Beiträgen einen hohen Anteil der Gesamtsumme ausmachen. Als Auszubildende mit schmalem Gehalt profitierst du also überproportional von der Förderung, auch wenn dein eigener Beitrag klein ausfällt.

Schließt du als Auszubildende unter 25 Jahren einen Riester-Vertrag ab, erhältst du einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus vom Staat zusätzlich zu den laufenden Zulagen.

Vorteile der Riester-Rente für Auszubildende

01

Du bist als Auszubildende gesetzlich rentenversichert und erhältst die staatliche Riester-Förderung

02

Bei Vertragsabschluss unter 25 Jahren bekommst du einmalig 200 Euro als Berufseinsteigerbonus vom Staat

03

Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Geringverdiener, da die staatlichen Zulagen einen hohen Anteil ausmachen

04

Du kannst bereits mit kleinen monatlichen Beiträgen einen langfristigen Sparprozess starten

07 · Was gilt

Hausratversicherung: Wann du als Auszubildende eine eigene Police brauchst

Solange du bei deinen Eltern wohnst oder zur Untermiete lebst, bist du oft über deren Hausratversicherung geschützt. Mit einem eigenen Hausstand ändert sich das.

Viele Policen enthalten eine sogenannte Außenversicherung, die dein Hab und Gut auch außerhalb des elterlichen Haushalts abdeckt, etwa in deinem Zimmer zur Untermiete. Die Police greift, wenn dein Besitz durch Einbrecher gestohlen oder durch Sturm, Feuer oder Leitungswasser zerstört wird.

Eine eigene Hausratversicherung benötigst du erst, wenn du einen eigenen Hausstand gründest. Das ist der Fall, wenn du dein Jugendzimmer bei den Eltern verlässt und dich mit eigenen Möbeln und Geräten komplett neu einrichtest. Auch wer eine eigene Wohnung mit eigenem Hausrat bezieht, braucht eine eigene Police, weil die elterliche Versicherung dann nicht mehr greift.

Im Zweifel solltest du den Versicherer deiner Eltern fragen, ob dein Besitz in deiner aktuellen Wohnsituation noch mitversichert ist. Ein Zimmer zur Untermiete ohne eigenen Hausstand ist dabei anders zu bewerten als eine eigene Wohnung mit selbst gekauften Möbeln und Elektrogeräten.

Eine eigene Hausratversicherung brauchst du erst, wenn du einen eigenen Hausstand mit eigenen Möbeln gründest, nicht schon beim Auszug in ein möbliertes Zimmer zur Untermiete.

Eigene Police nötig

·Du gründest einen eigenen Hausstand mit eigenen Möbeln und Geräten
·Du verlässt dein Jugendzimmer bei den Eltern und richtest dich komplett neu ein

Über Eltern mitversichert

·Du wohnst weiterhin im Haushalt deiner Eltern
·Du nimmst ein Zimmer zur Untermiete ohne eigenen Hausstand
·Deine Eltern haben eine Hausratversicherung mit Außenversicherung

08 · Grundlagen

Kfz-Haftpflichtversicherung: Pflicht für jedes zugelassene Fahrzeug

Ohne Kfz-Haftpflichtversicherung wird in Deutschland kein Fahrzeug zugelassen. Als Halterin eines Autos bist du gesetzlich zum Abschluss verpflichtet.

Die Versicherung deckt Schäden ab, die du mit deinem Fahrzeug anderen Personen oder fremdem Eigentum zufügst.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist keine Option, sondern eine gesetzliche Pflicht für die Zulassung deines Fahrzeugs. Sie schützt dich vor den finanziellen Folgen von Unfällen, bei denen andere Menschen verletzt oder fremde Fahrzeuge beschädigt werden. Personenschäden können schnell existenzbedrohende Summen erreichen.

Für Schäden am eigenen Fahrzeug brauchst du zusätzlich eine Kaskoversicherung. Besitzt du ein Neufahrzeug oder ein wertvolles Gebrauchtfahrzeug, solltest du eine Teilkaskoversicherung abschließen, die Schäden durch Brand, Diebstahl, Sturm, Hagel und Überschwemmung abdeckt. Die teurere Vollkaskoversicherung leistet zusätzlich bei selbstverschuldeten Unfällen und Vandalismus.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für die Zulassung deines Fahrzeugs, während die Kaskoversicherung freiwillig ist und dein eigenes Auto schützt.

Kurz erklärt

Kfz-Haftpflichtversicherung

Eine gesetzlich vorgeschriebene Versicherung für alle Kraftfahrzeughalter. Sie deckt Schäden ab, die du mit deinem Fahrzeug anderen Personen oder fremdem Eigentum zufügst.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist keine Option, sondern eine gesetzliche Pflicht für die Zulassung deines Fahrzeugs.

09 · Vergleich

Unfallversicherung: Sinnvolle Ergänzung oder überflüssig für Auszubildende?

Die private Unfallversicherung wird oft überschätzt. Für die Absicherung deiner Arbeitskraft ist die Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich wichtiger.

Die private Unfallversicherung wird oft überschätzt, wenn es um die Absicherung deiner Arbeitskraft geht. Nur etwa 10 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall sind unfallbedingt, der weitaus größere Teil ist die Folge einer Krankheit. Die Unfallversicherung leistet ausschließlich bei Unfällen mit bleibender Gesundheitsschädigung, nicht bei Krankheiten wie Rückenleiden, psychischen Erkrankungen oder Krebs.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung deckt dagegen rund 90 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall ab, weil sie sowohl Krankheiten als auch Unfälle als Leistungsauslöser anerkennt. Sie zahlt eine monatliche Rente bei mindestens 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf. Die Unfallversicherung zahlt dagegen eine Einmalzahlung oder Unfallrente nach Invaliditätsgrad, die oft deutlich niedriger ausfällt.

Die Unfallversicherung kann als Ergänzung sinnvoll sein, wenn du riskante Hobbys ausübst oder besonderen Wert auf eine Invaliditätsleistung bei Freizeitunfällen legst. Als Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung taugt sie jedoch nicht, weil sie den häufigsten Fall, die Krankheit als Ursache für den Einkommensausfall, nicht abdeckt.

Die Unfallversicherung deckt nur etwa 10 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall ab, während die Berufsunfähigkeitsversicherung rund 90 Prozent abdeckt und damit die deutlich wichtigere Absicherung ist.

Berufsunfähigkeitsversicherung und Unfallversicherung im Vergleich
Berufsunfähigkeits­versicherungUnfallversicherung
Leistungs­auslöserKrankheit oder Unfall, die zur Berufsunfähigkeit führenNur Unfälle mit bleibender Gesundheitsschädigung
Abdeckung der UrsachenDeckt rund 90 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall abDeckt nur etwa 10 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall ab
LeistungsartMonatliche Rente bei mindestens 50 Prozent BerufsunfähigkeitEinmalzahlung oder Unfallrente nach Invaliditätsgrad

10 · Checkliste

Versicherungs­pflicht: Welche Policen sind für Auszubildende gesetzlich vorgeschrieben?

Nicht alle Versicherungen sind freiwillig. Einige sind gesetzlich vorgeschrieben, andere sind zwar freiwillig, aber aus finanzieller Sicht unverzichtbar.

Die gesetzliche Krankenversicherung ist Pflicht für alle Auszubildenden, sobald die Familienversicherung über die Eltern endet. Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist Pflicht für die Zulassung eines eigenen Fahrzeugs, ohne sie wird kein Auto, Motorrad oder Roller angemeldet.

Die private Haftpflichtversicherung ist dagegen keine gesetzliche Pflicht, aber ohne Absicherung gehst du ein existenzbedrohendes Risiko ein. Wer einen Schaden verursacht, haftet nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch in unbegrenzter Höhe, und ein einziger Personenschaden kann deine finanzielle Zukunft zerstören. Als Auszubildende bist du oft noch über die elterliche Police mitversichert, spätestens nach der Ausbildung brauchst du aber eine eigene.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ebenfalls keine gesetzliche Pflicht, aber die wichtigste private Absicherung für deine Arbeitskraft. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift für dich als Auszubildende erst nach einer Wartezeit von 5 Jahren und leistet nur unter sehr engen Voraussetzungen. Ohne private BU stehst du bei dauerhafter Krankheit oder einem Unfall mit bleibenden Folgen finanziell weitgehend schutzlos da.

Gesetzlich vorgeschrieben sind für dich als Auszubildende nur die Krankenversicherung und bei eigenem Fahrzeug die Kfz-Haftpflichtversicherung, während Haftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung freiwillig, aber dringend empfohlen sind.

Gesetzliche Pflichten und dringende Empfehlungen für Auszubildende

01

Gesetzliche Krankenversicherung: Pflicht für alle Auszubildenden

02

Kfz-Haftpflichtversicherung: Pflicht für die Zulassung eines eigenen Fahrzeugs

03

Private Haftpflichtversicherung: Keine gesetzliche Pflicht, aber existenzbedrohendes Risiko ohne Absicherung

04

Berufsunfähigkeitsversicherung: Keine gesetzliche Pflicht, aber die wichtigste private Absicherung für deine Arbeitskraft

11 · Fehler vermeiden

Typische Fehler beim Versicherungs­abschluss als Auszubildende

Gerade am Anfang der Ausbildung werden oft teure und unnötige Policen abgeschlossen, während die wichtigen Absicherungen fehlen. Diese Fehler solltest du vermeiden.

Ein klassischer Fehler ist es, zuerst eine Zahnzusatzversicherung oder andere Zusatzversicherungen zur Krankenversicherung abzuschließen, bevor die Berufsunfähigkeitsversicherung besteht. Zusatzversicherungen solltest du erst in Betracht ziehen, wenn alle wichtigen Lebensrisiken abgesichert sind.

Ein weiterer häufiger Fehler ist es, sich auf die gesetzliche Absicherung zu verlassen, ohne die Wartezeit von 5 Jahren für die Erwerbsminderungsrente zu kennen. Als Auszubildende hast du in den ersten Jahren meist keinen Anspruch auf diese Leistung, und selbst danach erhältst du die volle Rente nur, wenn du weniger als 3 Stunden pro Tag arbeiten kannst. Diese Lücke schließt nur die private Berufsunfähigkeitsversicherung.

Viele Auszubildende schließen eine eigene Haftpflichtversicherung ab, obwohl sie über die Eltern mitversichert sind. Prüfe zuerst die elterliche Police, bevor du einen eigenen Vertrag unterschreibst. Ebenso ist es ein Fehler, die betriebliche Altersvorsorge nicht zu nutzen, obwohl der Arbeitgeber mindestens 15 Prozent zuschießen muss. Diesen Zuschuss lässt du sonst einfach liegen.

Der größte Fehler ist es, eine Unfallversicherung als Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung zu betrachten, denn die Unfallversicherung deckt nur etwa 10 Prozent aller Fälle von dauerhaftem Einkommensausfall ab.

Häufige Fehler beim Versicherungsstart in der Ausbildung

·Zuerst eine Zahnzusatzversicherung abschließen, bevor die Berufsunfähigkeitsversicherung besteht
·Sich auf die gesetzliche Absicherung verlassen, ohne zu wissen, dass Auszubildende meist keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente haben
·Eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen, obwohl man über die Eltern mitversichert ist
·Die betriebliche Altersvorsorge nicht nutzen, obwohl der Arbeitgeber mindestens 15 Prozent zuschießen muss
·Eine Unfallversicherung als Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung betrachten

Häufige Fragen

Fragen zu Sinnvolle Versicherungen als Auszubildende

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026