Ratgeber · Versicherung
Betriebliche Altersvorsorge kündigen: Wann eine Auszahlung möglich ist
Eine betriebliche Altersvorsorge ist grundsätzlich nicht vorzeitig kündbar. Nur in wenigen Ausnahmefällen kannst du das angesparte Kapital vor dem Rentenalter als Abfindung erhalten.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Die Kündigung einer betrieblichen Altersvorsorge ist gesetzlich grundsätzlich ausgeschlossen.
- Eine vorzeitige Auszahlung ist nur bei Kleinstanwartschaften oder mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.
- Die Beitragsfreistellung ist die übliche Alternative, wenn du keine Beiträge mehr zahlen willst.
- Bei einer Abfindung werden Steuern und Sozialabgaben auf den ausgezahlten Betrag fällig.
01 · Grundlagen
Was bedeutet betriebliche Altersvorsorge kündigen?
Der Wunsch, die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, entsteht oft aus finanziellen Engpässen oder einem Arbeitgeberwechsel. Rechtlich ist die Kündigung jedoch kein regulärer Weg, um an das angesparte Kapital zu kommen.
Rechtlich gesehen gibt es bei der betrieblichen Altersvorsorge keine ordentliche Kündigung wie bei einem normalen Versicherungsvertrag. Was umgangssprachlich als Kündigung bezeichnet wird, ist in der Praxis eine Abfindung der bestehenden Anwartschaft. Dabei wird das angesparte Kapital vor Erreichen des Rentenalters ausgezahlt, sofern die strengen Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Gesetzgeber hat die Auszahlung der Beiträge grundsätzlich an das Rentenalter gekoppelt. Eine vorzeitige Verfügung über das Kapital ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich und muss in der Regel zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden. Ein einseitiger Anspruch auf Kündigung besteht für dich als Arbeitnehmer nicht.
Für deinen Alltag bedeutet das: Auch wenn du dringend Geld brauchst oder den Vertrag nicht mehr möchtest, kommst du an das angesparte Kapital meist nicht vorzeitig heran. Die betriebliche Altersvorsorge ist als lebenslange Absicherung konzipiert, nicht als flexibles Sparkonto.
Kurz erklärt
Betriebliche Altersvorsorge kündigen
Die vorzeitige Beendigung eines bAV-Vertrags mit dem Ziel, das angesparte Kapital vor Erreichen des Rentenalters ausgezahlt zu bekommen. Rechtlich handelt es sich dabei in der Regel um eine Abfindung, nicht um eine ordentliche Kündigung.
Eine Kündigung führt nur in seltenen Ausnahmefällen zu einer sofortigen Auszahlung. Meist wird der Vertrag beitragsfrei gestellt und das Geld erst im Rentenalter ausgezahlt.
02 · Vergleich
Kündigung oder Beitragsfreistellung: Was ist der Unterschied?
Wenn du deine betriebliche Altersvorsorge nicht weiter besparen willst, hast du zwei Wege. Die Beitragsfreistellung erhält den Vertrag, die Kündigung beendet ihn in Ausnahmefällen.
Die Beitragsfreistellung ist der übliche Weg, wenn du keine Beiträge mehr in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen willst oder kannst. Der Vertrag bleibt dabei bestehen, es fließt jedoch kein weiteres Geld hinein. Im Rentenalter wird dann der bis dahin angesparte Betrag ausgezahlt.
Eine Kündigung beendet den Vertrag dagegen vollständig. Sie ist nur in Ausnahmefällen möglich und führt nicht automatisch zu einer sofortigen Auszahlung. Häufig wird der Vertrag auch nach einer vereinbarten Abfindung beitragsfrei gestellt und das Geld erst mit Erreichen des Rentenalters ausgezahlt.
Der entscheidende Vorteil der Beitragsfreistellung liegt darin, dass keine sofortige Nachzahlung von Steuern und Sozialabgaben fällig wird. Bei einer Abfindung musst du dagegen mit erheblichen Abzügen rechnen, die den Auszahlungsbetrag deutlich schmälern können.
| Beitragsfreistellung | Kündigung | |
|---|---|---|
| Vertrag | Bleibt bestehen | Wird beendet |
| Auszahlung | Erst im Rentenalter | Nur in Ausnahmefällen vorher |
| Steuern und Sozialabgaben | Keine sofortige Nachzahlung | Fällig auf den ausgezahlten Betrag |
| Wiederaufnahme | Oft innerhalb einer Frist möglich | Nicht möglich |
03 · Was gilt
In welchen Ausnahmefällen kannst du die bAV kündigen?
Nur wenige Konstellationen erlauben eine vorzeitige Kündigung oder Abfindung. Die wichtigste Ausnahme sind sogenannte Kleinstanwartschaften.
Die wichtigste Ausnahme sind sogenannte Kleinstanwartschaften. Liegt deine spätere Betriebsrente unter der Bagatellgrenze von 59,33 Euro pro Monat, kannst du dich einmalig abfinden lassen. Dieser Grenzwert gilt 2026 einheitlich in den alten und neuen Bundesländern.
Eine weitere Ausnahme betrifft die Durchführungswege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds. Hier ist eine einvernehmliche Abfindung zwischen dir und deinem Arbeitgeber grundsätzlich möglich. Voraussetzung ist ein laufendes Arbeitsverhältnis, und die Abfindung muss von beiden Seiten vereinbart werden.
Nicht möglich ist eine Kündigung dagegen bei einer Unterstützungskasse. Dieser Vertrag kann nur stillgelegt werden. Auch ein Arbeitgeberwechsel oder die Insolvenz des Unternehmens allein begründen keinen Anspruch auf vorzeitige Kündigung oder Auszahlung.
Kündigung möglich
Kündigung nicht möglich
04 · Schritt für Schritt
So läuft eine Abfindung der betrieblichen Altersvorsorge ab
Wenn eine Abfindung in Betracht kommt, sind mehrere Schritte nötig. Der Ablauf hängt davon ab, ob du die Beiträge selbst per Entgeltumwandlung gezahlt hast oder dein Arbeitgeber sie übernommen hat.
Zuerst musst du klären, ob dein Vertrag überhaupt abfindungsfähig ist. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ist das grundsätzlich möglich, bei einer Unterstützungskasse in der Regel nicht. Bei einer Direktzusage ist die Aufhebung Verhandlungssache zwischen dir und deinem Arbeitgeber.
Danach brauchst du die Zustimmung deines Arbeitgebers. Die Abfindung muss zwischen euch beiden vereinbart werden, eine einseitige Kündigung durch dich allein ist nicht möglich. Bei arbeitgeberfinanzierten Verträgen ist zusätzlich eine schriftliche Einverständniserklärung des Arbeitgebers erforderlich.
Ein oft übersehener Schritt ist die Aufhebung der Versorgungszusage. Dein Arbeitgeber muss diese Zusage ausdrücklich aufheben. Sonst kannst du im Alter trotz gekündigter Police Ansprüche geltend machen, was zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen kann.
Voraussetzungen prüfen
Klär zuerst, ob dein Vertrag überhaupt abfindungsfähig ist. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ist das grundsätzlich möglich, bei Unterstützungskasse in der Regel nicht.
Zustimmung des Arbeitgebers einholen
Die Abfindung muss zwischen dir und deinem Arbeitgeber vereinbart werden. Bei arbeitgeberfinanzierten Verträgen ist eine schriftliche Einverständniserklärung des Arbeitgebers nötig.
Versorgungszusage aufheben
Der Arbeitgeber muss auch die Versorgungszusage aufheben. Sonst kannst du im Alter trotz gekündigter Police Ansprüche geltend machen.
Auszahlung und Abgaben klären
Auf das ausgezahlte Kapital werden Steuern und Sozialabgaben fällig. Die Höhe entspricht im Grundsatz den Abgaben, die auch auf bAV-Bezüge im Alter anfallen würden.
05 · Kosten
Was kostet die Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge?
Eine vorzeitige Auszahlung ist selten ein gutes Geschäft. Neben Steuern und Sozialabgaben können Verwaltungskosten anfallen, die den Auszahlungsbetrag deutlich schmälern.
Eine vorzeitige Auszahlung ist selten ein gutes Geschäft. Auf den ausgezahlten Betrag werden Steuern und Sozialabgaben fällig, die im Grundsatz den Abgaben auf die regulären bAV-Bezüge im Alter entsprechen. Zusätzlich können Verwaltungs- und Einrichtungskosten anfallen.
Besonders teuer wird es, wenn du von der Entgeltumwandlung profitiert hast. Die bis dahin eingesparten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge musst du bei einer Abfindung nachzahlen. Im ungünstigsten Fall kann diese Nachzahlung zusammen mit den Verwaltungskosten höher ausfallen als das angesparte Vermögen.
Bevor du eine Abfindung beantragst, solltest du die konkreten Kosten berechnen lassen. Ein Versicherungsfachmann oder Finanzberater kann dir genau aufzeigen, ob sich der Schritt für dich lohnt oder ob du ein Verlustgeschäft eingehst.
Mögliche Abzüge bei einer Abfindung
06 · Im Vertrag
Welche Rolle spielen die Durchführungswege?
Ob eine Kündigung oder Abfindung überhaupt in Frage kommt, hängt stark vom Durchführungsweg deiner betrieblichen Altersvorsorge ab.
Der Durchführungsweg deiner betrieblichen Altersvorsorge bestimmt maßgeblich, ob eine Kündigung oder Abfindung überhaupt in Frage kommt. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ist eine einvernehmliche Abfindung grundsätzlich möglich, wenn du und dein Arbeitgeber euch einig seid und ein laufendes Arbeitsverhältnis besteht.
Bei einer Unterstützungskasse ist eine Kündigung dagegen nicht möglich. Der Vertrag kann nur stillgelegt werden, das angesparte Kapital bleibt bis zum Rentenalter gebunden. Eine Direktzusage kann nur aufgehoben werden, wenn beide Seiten zustimmen, wobei die steuerlichen Folgen für beide erheblich sein können.
Für dich bedeutet das: Prüfe zuerst in deinen Vertragsunterlagen, über welchen Durchführungsweg deine betriebliche Altersvorsorge läuft. Erst danach kannst du einschätzen, ob eine Abfindung für dich überhaupt eine realistische Option ist.
Kündbarkeit nach Durchführungsweg
07 · Was gilt
Was passiert bei Arbeitgeberwechsel oder Insolvenz?
Ein Jobwechsel oder die Insolvenz des Arbeitgebers sind keine automatischen Gründe für eine Kündigung. Du hast aber Optionen, wie du mit dem Vertrag umgehst.
Ein Jobwechsel oder die Insolvenz deines Arbeitgebers sind keine automatischen Gründe für eine Kündigung. Du hast jedoch drei Möglichkeiten, mit deinem Vertrag umzugehen: Du kannst ihn beitragsfrei stellen, privat weiterführen oder das Kapital in das Versorgungssystem deines neuen Arbeitgebers übertragen.
Eine vorzeitige Auszahlung ist nur bei Kleinstanwartschaften möglich, also wenn deine spätere Betriebsrente unter 59,33 Euro monatlich liegt. In allen anderen Fällen bleibt das Kapital bis zum Rentenalter gebunden, auch wenn du das Unternehmen verlässt oder es aufgelöst wird.
Bei einer Insolvenz übernimmt für die Durchführungswege Unterstützungskasse und Direktzusage in der Regel der Pensions-Sicherungs-Verein die Fortführung der bAV. Dieser gesetzliche Insolvenzschutz stellt sicher, dass deine Betriebsrente nicht verloren geht.
Möglich
Nicht möglich
08 · Fehler vermeiden
Wann lohnt sich die Kündigung der bAV?
In den meisten Fällen ist die Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge ein Verlustgeschäft. Nur bei sehr kleinen Beträgen kann eine Abfindung sinnvoll sein.
In den meisten Fällen ist die Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge ein Verlustgeschäft. Die steuerlichen Vorteile der Entgeltumwandlung gehen verloren, und die Nachzahlung von Steuern und Sozialabgaben kann den Auszahlungsbetrag erheblich reduzieren. Hinzu kommen Verwaltungskosten, die den Ertrag weiter schmälern.
Nur bei sehr kleinen Beträgen kann eine Abfindung sinnvoll sein. Wenn deine spätere Betriebsrente unter der Bagatellgrenze von 59,33 Euro monatlich liegt, ist der Verwaltungsaufwand für den Versicherer oft höher als der Nutzen des Vertrags. In diesem Fall kann eine einmalige Abfindung die pragmatische Lösung sein.
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass eine Kündigung zu einer sofortigen Auszahlung führt. Tatsächlich wird der Vertrag meist beitragsfrei gestellt und das Geld erst im Rentenalter ausgezahlt. Wer schnellen Zugriff auf das Kapital erwartet, wird enttäuscht.
Typische Fehler beim Gedanken an eine Kündigung
09 · Schritt für Schritt
So stellst du deine bAV beitragsfrei
Die Beitragsfreistellung ist der übliche Weg, wenn du keine Beiträge mehr zahlen willst. Der Vertrag bleibt bestehen, die Auszahlung erfolgt im Rentenalter.
Die Beitragsfreistellung ist der übliche Weg, wenn du keine Beiträge mehr zahlen willst. Der Vertrag bleibt bestehen, es fließt jedoch kein weiteres Geld hinein. Im Rentenalter wird dann der bis dahin angesparte Betrag ausgezahlt.
Zuerst prüfst du deine Vertragsunterlagen, ob und unter welchen Bedingungen eine Beitragsfreistellung möglich ist. Manche Versicherer räumen eine Frist ein, in der du die Zahlung wieder aufnehmen kannst. Diese Frist kann beispielsweise drei Jahre betragen, bevor der Vertrag endgültig beitragsfrei bis zur Leistung bleibt.
Danach beantragst du die Beitragsfreistellung schriftlich bei deinem Versicherer oder über deinen Arbeitgeber. Ein formloses Schreiben mit Vertragsnummer und gewünschtem Zeitpunkt genügt oft. Der Versicherer bestätigt die Beitragsfreistellung und informiert dich über mögliche Gebühren.
Vertrag prüfen
Schau in deine Vertragsunterlagen, ob und unter welchen Bedingungen eine Beitragsfreistellung möglich ist. Manche Versicherer räumen eine Frist ein, in der du die Zahlung wieder aufnehmen kannst.
Antrag stellen
Beantrage die Beitragsfreistellung schriftlich bei deinem Versicherer oder über deinen Arbeitgeber. Ein formloses Schreiben mit Vertragsnummer und gewünschtem Zeitpunkt genügt oft.
Bestätigung abwarten
Der Versicherer bestätigt die Beitragsfreistellung. Prüfe, ob Gebühren anfallen und ob eine spätere Wiederaufnahme der Zahlung möglich ist.
Auszahlung im Alter einplanen
Nach der Beitragsfreistellung bleibt der Vertrag bis zum Rentenalter bestehen. Du erhältst dann den bis dahin angesparten Betrag ausgezahlt.
10 · Checkliste
Welche Alternativen zur Kündigung gibt es?
Neben der Beitragsfreistellung kannst du auch die Beiträge reduzieren oder den Vertrag bei einem Jobwechsel übertragen. Diese Wege erhalten deine Altersvorsorge.
Alternativen zur Kündigung im Überblick
Beiträge reduzieren statt ganz einstellen
Vertrag beitragsfrei stellen und später wieder aufnehmen
Bei Jobwechsel das Kapital in das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers übertragen
Vertrag privat weiterführen, wenn der Arbeitgeber wegfällt
Beratung durch Versicherungsfachmann oder Finanzberater einholen
Häufige Fragen
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