Ratgeber · Investieren
Zertifikate im Test: Worauf du bei Testsiegern und Risiken achten solltest
Zertifikate werden oft als sichere Geldanlage verkauft, sind aber komplexe Wertpapiere mit versteckten Kosten und Risiken. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Zertifikatstypen, ihre Funktionsweise und worauf du bei der Auswahl achten solltest.
10 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Zertifikate sind Schuldverschreibungen, deren Wertentwicklung von einem Basiswert wie einer Aktie oder einem Index abhängt.
- Testsieger bei Zertifikaten gibt es nicht pauschal, da sich Eigenschaften und Attraktivität sekündlich ändern können.
- Knock-out-Zertifikate und Produkte mit Optionskomponente sind für den langfristigen Vermögensaufbau meist ungeeignet.
- Die implizite Volatilität ist ein wichtiger Preisindikator für Zertifikate mit Optionsanteil.
01 · Grundlagen
Was ist ein Zertifikat?
Ein Zertifikat ist eine Schuldverschreibung eines Emittenten, meist einer Bank. Dein Geld ist im Insolvenzfall des Emittenten nicht durch die Einlagensicherung geschützt.
Rechtlich gesehen kaufst du bei einem Zertifikat keine Aktie oder keinen Rohstoff, sondern eine Schuldverschreibung der herausgebenden Bank. Dein Geld wird also zu einem Kredit an den Emittenten, dessen Rückzahlung von dessen Zahlungsfähigkeit abhängt.
Das unterscheidet Zertifikate grundlegend von Fonds oder ETFs, bei denen das Anlagevermögen als Sondervermögen geschützt ist. Bei einem Zertifikat trägst du das volle Emittentenrisiko: Geht die Bank pleite, kann dein Zertifikat wertlos werden, selbst wenn sich der zugrunde liegende Basiswert positiv entwickelt hat.
Die Einlagensicherung greift für Zertifikate nicht. Anders als bei Tagesgeld oder Festgeld bist du im Insolvenzfall des Emittenten nicht abgesichert.
Kurz erklärt
Zertifikat
Ein Wertpapier, das die Wertentwicklung eines Basiswerts (z.B. Aktie, Index, Rohstoff) nachbildet. Es handelt sich um eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten.
Als Anleger trägst du das Emittentenrisiko: Geht die herausgebende Bank pleite, kann dein Zertifikat wertlos werden.
02 · Schritt für Schritt
Root-Zertifikat und Zertifikatsketten verstehen
Ein Root-Zertifikat ist die Vertrauensanker einer Public-Key-Infrastruktur. Es dient dazu, die Echtheit anderer Zertifikate zu bestätigen.
Beim Wechsel des Schlüsselmaterials stellt die Zertifizierungsstelle ein Link-Zertifikat aus. Dieses verbindet das neue Root-Zertifikat mit dem vorhergehenden öffentlichen Schlüssel und ermöglicht so eine lückenlose Verifikation.
Die gesamte Kette aller Zertifikate beginnt beim ältesten Root-Zertifikat. Jedes Glied in der Kette kann durch das vorherige verifiziert werden, was die Integrität des Systems sicherstellt.
Selbstsigniertes Root-Zertifikat
Die Zertifizierungsstelle (z.B. eine Test-CSCA) erstellt ein selbst signiertes Zertifikat. Dieses Root-Zertifikat ist der oberste Vertrauensanker.
Link-Zertifikate
Bei einem Wechsel des Schlüsselmaterials wird ein Link-Zertifikat ausgestellt. Es verbindet das neue Root-Zertifikat mit dem vorhergehenden öffentlichen Schlüssel.
Zertifikatskette
Die gesamte Kette aller Zertifikate beginnt beim ältesten Root-Zertifikat. Jedes Glied in der Kette kann durch das vorherige verifiziert werden.
03 · Fehler vermeiden
Knock-out-Zertifikate: Hohe Chance, hohes Risiko
Knock-out-Zertifikate gehören zu den Hebelprodukten. Sie reagieren überproportional auf Kursbewegungen des Basiswerts, können aber bei Berührung der Knock-out-Schwelle wertlos verfallen.
Knock-out-Zertifikate gehören zu den Hebelprodukten und reagieren überproportional auf Kursbewegungen des Basiswerts. Schon eine kurze Berührung der Knock-out-Schwelle führt zum sofortigen Totalverlust deines eingesetzten Kapitals.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Verluste werden ebenso verstärkt wie Gewinne. Die Laufzeit ist oft ungewiss, denn ein vorzeitiges Knock-out beendet das Produkt sofort.
- Die Knock-out-Schwelle wird häufig unterschätzt: Eine kurze Kursberührung genügt für den Totalverlust.
- Die Produktvielfalt ist enorm: Hunderttausende Knock-out-Zertifikate unterscheiden sich in Hebel, Schwelle und Emittent.
- Für den langfristigen Vermögensaufbau sind diese Produkte nicht geeignet.
Typische Fehler im Umgang mit Knock-out-Zertifikaten
04 · Grundlagen
Implizite Volatilität als Preisindikator
Die implizite Volatilität zeigt, welche Schwankungsbreite der Markt für einen Basiswert erwartet. Sie ist ein zentraler Faktor für die Preisbildung von Zertifikaten mit Optionskomponente.
Steigt die implizite Volatilität, werden Optionsscheine und Zertifikate mit Optionsanteil tendenziell teurer, auch wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht bewegt. Für dich bedeutet das: Du zahlst bei hoher impliziter Volatilität einen Aufpreis für die erwartete Unsicherheit.
Die implizite Volatilität ist ein wichtiger Preisindikator für Produkte mit Optionskomponente. Ein Vergleich mit Alternativen lohnt sich vor jedem Kauf.
Kurz erklärt
Implizite Volatilität
Ein aus Optionspreisen abgeleiteter Wert, der die erwartete Schwankungsintensität eines Basiswerts über einen bestimmten Zeitraum angibt.
Steigt die implizite Volatilität, werden Optionsscheine und Zertifikate mit Optionsanteil tendenziell teurer, auch wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht bewegt.
05 · Vergleich
Anlageprodukte oder Tradingprodukte: Was passt zu dir?
Der Zertifikatemarkt teilt sich grob in Anlageprodukte und Tradingprodukte. Die Unterscheidung hilft dir, das Risiko besser einzuschätzen.
Anlageprodukte wie strukturierte Anleihen, Express-Zertifikate und Aktienanleihen werden eher mittel- bis langfristig gehalten und machen den Großteil des gehaltenen Vermögens aus.
Tradingprodukte wie Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine und Hebelprodukte dominieren dagegen den Börsenumsatz. Sie werden oft nur Stunden oder Tage gehalten und sind für den langfristigen Vermögensaufbau nicht geeignet.
- Strukturierte Anleihen machen etwa 32 Prozent des gehaltenen Vermögens in Zertifikaten aus.
- Express-Zertifikate kommen auf rund 28 Prozent des gehaltenen Vermögens.
- Tradingprodukte sind im Bestand niedriger, dominieren aber den täglichen Börsenumsatz.
| Anlageprodukte | Tradingprodukte | |
|---|---|---|
| Typische Vertreter | Strukturierte Anleihen, Express-Zertifikate, Aktienanleihen | Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine, Hebelprodukte |
| Marktvolumen (gehaltenes Vermögen) | Hoch: Strukturierte Anleihen ca. 32 %, Express-Zertifikate ca. 28 % | Niedriger im Bestand, aber dominierend im Börsenumsatz |
| Eignung für Vermögensaufbau | Bedingt, oft mit versteckten Kosten und komplexen Bedingungen | Nicht geeignet, spekulativer Charakter |
06 · Was gilt
Wann zahlt die Emittentin? Das Emittentenrisiko
Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen. Dein Anspruch richtet sich gegen die herausgebende Bank, nicht gegen den Basiswert.
Rückzahlung zum Nennwert bei Fälligkeit und Kuponzahlungen bei Zinszertifikaten erfolgen nur, solange die Bank solvent ist.
Im Insolvenzfall des Emittenten hast du keinen direkten Anspruch auf den Basiswert, also zum Beispiel die Aktie. Die Einlagensicherung greift für Zertifikate nicht, und eine Entschädigung im Insolvenzfall gibt es nicht.
Das Emittentenrisiko ist das zentrale Risiko bei Zertifikaten. Prüfe vor dem Kauf die Bonität der herausgebenden Bank.
Da zahlt die Emittentin
Da nicht
07 · Kosten
Kosten und Gebühren bei Zertifikaten erkennen
Die Kosten eines Zertifikats sind oft nicht transparent. Sie stecken im Ausgabeaufschlag, im Spread und in der Struktur des Produkts.
Sie stecken im Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs, in Ausgabeaufschlägen bei Neuemissionen und in der Struktur des Produkts selbst.
Versteckte Kosten in der Produktstruktur sind schwer bezifferbar und machen einen direkten Vergleich schwierig. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Produkt, dem Emittenten und der Marktlage ab.
- Der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist eine variable Kostenkomponente.
- Ausgabeaufschläge bei Neuemissionen verteuern den Einstieg.
- Verwaltungsgebühren oder Managementgebühren können zusätzlich anfallen.
Kurz erklärt
Versteckte Kosten in der Produktstruktur
Wo Kosten bei Zertifikaten anfallen
schwer bezifferbar
08 · Hintergrund
Zertifikate im Test: Gibt es einen Testsieger?
Ein dauerhafter Testsieger unter Zertifikaten existiert nicht. Die Attraktivität eines Produkts kann sich sekündlich ändern, daher sind statische Tests wenig aussagekräftig.
Die Stiftung Warentest hat einzelne Zertifikate nicht getestet, da es Hunderttausende Produkte gibt und sich deren Eigenschaften ständig ändern. Ein Testergebnis wäre nach kurzer Zeit überholt.
Statt eines Testsiegers empfiehlt sich ein systematischer Vergleich: Prüfe Ausstattungsmerkmale, Emittentenbonität und die implizite Volatilität. Diese Daten findest du auf spezialisierten Seiten für Zertifikate.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind die meisten Zertifikate nicht die beste Lösung. Breit gestreute ETFs oder Indexfonds sind in der Regel einfacher, günstiger und transparenter.
Die Stiftung Warentest hat einzelne Zertifikate nicht getestet, da es Hunderttausende Produkte gibt und sich deren Eigenschaften ständig ändern. Ein Testergebnis wäre nach kurzer Zeit überholt.
Statt eines Testsiegers empfiehlt sich ein systematischer Vergleich: Prüfe Ausstattungsmerkmale, Emittentenbonität und die implizite Volatilität. Diese Daten findest du auf spezialisierten Seiten für Zertifikate.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind die meisten Zertifikate nicht die beste Lösung. Breit gestreute ETFs oder Indexfonds sind in der Regel einfacher, günstiger und transparenter.
09 · Checkliste
Checkliste: So prüfst du ein Zertifikat
Bevor du ein Zertifikat kaufst, solltest du die folgenden Punkte klären. Sie helfen dir, Risiken und Kosten besser einzuschätzen.
- Emittent: Wie ist die Bonität der herausgebenden Bank?
- Basiswert: Verstehst du den zugrunde liegenden Markt oder Index?
- Kosten: Sind Spread, Gebühren und Struktur für dich nachvollziehbar?
- Laufzeit: Ist die Laufzeit fest oder ungewiss?
- Knock-out-Schwelle: Bei Hebelprodukten: Wo liegt die Schwelle und wie wahrscheinlich ist eine Berührung?
- Implizite Volatilität: Ist das Produkt im Vergleich zu Alternativen teuer?
- Alternativen: Gibt es einen einfacheren ETF oder Indexfonds, der denselben Zweck erfüllt?
Prüfpunkte vor dem Kauf
Emittent: Wie ist die Bonität der herausgebenden Bank?
Basiswert: Verstehst du den zugrunde liegenden Markt oder Index?
Kosten: Sind Spread, Gebühren und Struktur für dich nachvollziehbar?
Laufzeit: Ist die Laufzeit fest oder ungewiss?
Knock-out-Schwelle: Bei Hebelprodukten: Wo liegt die Schwelle und wie wahrscheinlich ist eine Berührung?
Implizite Volatilität: Ist das Produkt im Vergleich zu Alternativen teuer?
Alternativen: Gibt es einen einfacheren ETF oder Indexfonds, der denselben Zweck erfüllt?
10 · Im Vertrag
Zertifikatsarten im Überblick
Neben Knock-out-Zertifikaten gibt es weitere verbreitete Typen. Jede Art hat eigene Mechanismen und Risiken.
Jede Art hat eigene Mechanismen und Risiken, die du vor einem Kauf verstehen solltest.
- Indexzertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index wie dem DAX oder MSCI World nach. Das Emittentenrisiko bleibt bestehen.
- Discountzertifikate werden mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs des Basiswerts verkauft. Dafür ist die Partizipation nach oben begrenzt.
- Bonuszertifikate zahlen einen Bonus, solange der Basiswert eine bestimmte Barriere nicht berührt. Wird die Barriere gerissen, entfällt der Bonus.
- Express-Zertifikate können vorzeitig zurückgezahlt werden, wenn der Basiswert an einem Stichtag eine bestimmte Bedingung erfüllt.
Wichtige Zertifikatsarten
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