Ratgeber · Investieren
Zertifikate vergleichen: So findest du das passende Wertpapier
Ein Zertifikate-Vergleich hilft dir, die Konditionen verschiedener Schuldverschreibungen zu bewerten und das Emittentenrisiko einzuordnen. Entscheidend sind neben dem Basiswert vor allem Discount, Cap und Restlaufzeit.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Zertifikate sind Schuldverschreibungen des Emittenten und kein Sondervermögen.
- Der Discount gibt den Abschlag zum direkten Kauf des Basiswerts an.
- Der Cap begrenzt die maximale Rückzahlung am Laufzeitende.
- Das Emittentenrisiko kann im Insolvenzfall zum Totalverlust führen.
01 · Grundlagen
Was sind Zertifikate?
Zertifikate gehören zu den Derivaten, weil ihr Wert von einem anderen Instrument abhängt. Du erwirbst eine Schuldverschreibung und keine direkte Beteiligung am Basiswert.
Zertifikate sind börsengehandelte Schuldverschreibungen, die von einem Emittenten ausgegeben werden, etwa von einer Bank. Anders als bei Aktien oder Fonds wirst du nicht Miteigentümer eines Unternehmens, sondern erwirbst das Recht, von der Wertentwicklung eines Basiswerts zu profitieren. Geht das ausgebende Institut pleite, ist deine Einlage in der Regel weg.
Der Markt ist unübersichtlich: Der Bundesverband für strukturierte Wertpapiere gibt an, dass es rund 3.000 Basiswerte und darauf insgesamt etwa eine Million Zertifikate gibt. Zertifikate können auf Aktien, Indizes wie den DAX, Rohstoffe, Währungen oder ganze Branchen ausgestellt werden.
Für deinen Zertifikate-Vergleich bedeutet das: Du musst zuerst verstehen, welche Konstruktion hinter einem Papier steckt, bevor du Kennzahlen vergleichst. Ein Zertifikat auf den DAX funktioniert anders als ein Discount-Zertifikat auf eine Einzelaktie.
Kurz erklärt
Zertifikat
Eine börsengehandelte Schuldverschreibung eines Emittenten, deren Rückzahlung von der Wertentwicklung eines Basiswerts abhängt.
Zertifikate zählen zu den Derivaten und unterliegen dem Emittentenrisiko.
02 · Vergleich
Basiswert und Emittent: Die zwei wichtigsten Faktoren
Vor jedem Zertifikate-Vergleich stehen zwei Entscheidungen: Auf welchen Basiswert willst du setzen und welcher Emittent kommt für dich infrage?
Der Basiswert liefert die Kursentwicklung, von der dein Zertifikat abhängt. Das kann eine Aktie wie die Continental-Aktie sein, ein Index wie der DAX Performance-Index oder ein Rohstoff wie Gold. Deine Markterwartung zum Basiswert bestimmt, welcher Zertifikatetyp überhaupt infrage kommt.
Der Emittent gibt das Zertifikat aus und schuldet dir die Rückzahlung. In den Vergleichslisten tauchen regelmäßig Institute wie BNP Paribas, Citi, Commerzbank, Deutsche Bank, DZ BANK, Goldman Sachs, HSBC, HypoVereinsbank, Société Générale, UBS und Vontobel auf. Die Bonität des Emittenten ist genauso wichtig wie die Wahl des Basiswerts, denn im Insolvenzfall des Emittenten ist dein Geld nicht geschützt.
Ein vollständiger Zertifikate-Vergleich berücksichtigt daher immer beide Ebenen: die Markterwartung zum Basiswert und die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Ein günstiger Discount nützt dir wenig, wenn der Emittent ausfällt.
| Basiswert | Emittent | |
|---|---|---|
| Rolle im Zertifikat | Liefert die Kursentwicklung, von der das Zertifikat abhängt | Gibt das Zertifikat aus und schuldet die Rückzahlung |
| Beispiele | Aktien, Indizes wie der DAX, Rohstoffe, Währungen | Banken und Finanzinstitute |
| Hauptrisiko | Insolvenz des ausgebenden Instituts |
03 · Schritt für Schritt
So funktioniert ein Zertifikate-Vergleich
Ein systematischer Vergleich führt dich von der Markterwartung über die Kennzahlen bis zur Auswahl des konkreten Papiers.
Ein systematischer Vergleich beginnt mit deiner Markterwartung. Lege fest, ob du für den gewählten Basiswert mit steigenden, fallenden oder stagnierenden Kursen rechnest. Davon hängt ab, welcher Zertifikatetyp zu deiner Einschätzung passt.
Anschließend vergleichst du die Kennzahlen der infrage kommenden Papiere. Bei Discount-Zertifikaten auf den DAX findest du in Vergleichslisten Angaben zu Discount, Cap, Restlaufzeit und maximalem Ertrag pro Jahr. Die Restlaufzeit kannst du in Vergleichsportalen nach Zeiträumen filtern, zum Beispiel bis 3 Monate, 3 bis 6 Monate oder mehr als 2 Jahre.
Zum Schluss prüfst du die Bonität des Emittenten und verteilst größere Beträge auf mehrere Institute. So reduzierst du die Abhängigkeit von einem einzelnen Schuldner.
Markterwartung festlegen
Lege fest, ob du für den gewählten Basiswert mit steigenden, fallenden oder stagnierenden Kursen rechnest.
Zertifikatetyp wählen
Wähle den passenden Typ, zum Beispiel Discount-Zertifikate für seitwärts tendierende Märkte oder Index-Zertifikate für eine einfache Teilhabe an einem Index.
Kennzahlen vergleichen
Vergleiche Discount, Cap, Restlaufzeit und Spread der infrage kommenden Papiere.
Emittenten prüfen
Prüfe die Bonität des Emittenten und verteile größere Beträge auf mehrere Institute.
04 · Was gilt
Discount, Cap und Restlaufzeit: Was gilt für welches Zertifikat?
Nicht jede Kennzahl ist für jeden Zertifikatetyp relevant. Die folgende Übersicht zeigt, welche Größen bei den gängigen Typen im Vordergrund stehen.
Bei Discount-Zertifikaten sind Discount und Cap die zentralen Kennzahlen. Der Discount gibt an, wie viel günstiger du das Zertifikat im Vergleich zum direkten Kauf des Basiswerts erwirbst. Der Cap begrenzt die maximale Rückzahlung nach oben.
Die Restlaufzeit ist bei allen Zertifikaten mit fester Laufzeit relevant. In den Vergleichslisten findest du Discount-Zertifikate auf den DAX mit Restlaufzeiten bis zum 18.12.2026, 15.01.2027 oder 19.03.2027. Der Spread fällt bei jedem börsengehandelten Zertifikat an und sollte in deine Kostenrechnung einfließen.
Nicht jede Kennzahl ist für jeden Typ relevant: Bei Index-Zertifikaten ohne Ertragsgrenze gibt es keinen Cap, bei Garantie-Zertifikaten spielt der Discount keine Rolle. Open-End-Zertifikate haben keine feste Restlaufzeit.
Relevant
Nicht relevant
05 · Kosten
Was kostet ein Zertifikat?
Die Kosten eines Zertifikats setzen sich aus dem Kaufpreis und der Geld-Brief-Spanne zusammen. Hinzu kommen die üblichen Ordergebühren deines Depots.
Die Geld-Brief-Spanne, auch Spread genannt, ist die Differenz zwischen dem Briefkurs, zu dem du kaufst, und dem Geldkurs, zu dem du verkaufst. Ein durchschnittlicher Spread liegt bei 0,5 Prozent.
Hinzu kommen die Ordergebühren deines Depots. Bei Direktbanken liegen sie typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des Ordervolumens, bei Filialbanken zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. Der Spread fällt bei jedem Kauf und Verkauf an, die Ordergebühr ebenfalls.
Je liquider ein Zertifikat ist, desto geringer ist in der Regel die Spanne. Ein häufig gehandeltes Papier auf den DAX hat meist einen engeren Spread als ein exotisches Zertifikat auf einen Nebenwert.
Kurz erklärt
Geld-Brief-Spanne (Spread)
Typische Kostenbestandteile beim Zertifikatekauf
0,5 %
06 · Im Vertrag
Wichtige Fachbegriffe im Zertifikate-Vergleich
Diese Klauseln und Kennzahlen begegnen dir in jedem Zertifikate-Vergleich. Verstehe sie, bevor du eine Order aufgibst.
Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert von einem Basiswert abhängt. Zertifikate zählen zu den Derivaten, weil du nicht direkt in den Basiswert investierst, sondern in eine Schuldverschreibung des Emittenten.
Das Emittentenrisiko beschreibt die Gefahr, dass der Emittent zahlungsunfähig wird und die Rückzahlung ausfällt. Anders als bei Aktien oder Fonds gehört dein Geld bei Zertifikaten nicht zum Sondervermögen und ist im Insolvenzfall nicht geschützt.
Der Cap ist die Obergrenze für die Rückzahlung. Oberhalb des Cap partizipierst du nicht mehr an Kursgewinnen des Basiswerts. Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs und stellt einen Kostenfaktor bei jedem Kauf und Verkauf dar.
Fachbegriffe und Klauseln
07 · Checkliste
Checkliste für deinen Zertifikate-Vergleich
Gehe diese Punkte durch, bevor du dich für ein Zertifikat entscheidest.
Die Reihenfolge hilft dir, systematisch vorzugehen und keine relevanten Faktoren zu übersehen.
- Du hast den Basiswert gewählt und deine Markterwartung definiert.
- Du hast den passenden Zertifikatetyp bestimmt, zum Beispiel Discount-Zertifikat für seitwärts tendierende Märkte.
- Du hast Discount und Cap bei Discount-Zertifikaten verglichen.
- Du hast Restlaufzeit und Spread geprüft.
- Du hast die Bonität des Emittenten bewertet.
- Du hast die Gesamtkosten inklusive Ordergebühren berechnet.
Erst wenn alle sechs Punkte geklärt sind, solltest du eine Order aufgeben. Ein unvollständiger Vergleich führt häufig zu Fehlentscheidungen, die sich später nur schwer korrigieren lassen.
Dein Zertifikate-Vergleich in 6 Schritten
Basiswert gewählt und Markterwartung definiert
Passenden Zertifikatetyp bestimmt
Discount und Cap bei Discount-Zertifikaten verglichen
Restlaufzeit und Spread geprüft
Bonität des Emittenten bewertet
Gesamtkosten inklusive Ordergebühren berechnet
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Zertifikate-Vergleich
Diese Fehler führen häufig zu bösen Überraschungen. Vermeide sie von Anfang an.
Ein häufiger Fehler ist, nur auf den Discount zu achten und den Cap zu ignorieren. Ein hoher Discount kann attraktiv wirken, aber wenn der Cap die maximale Rückzahlung stark begrenzt, bleibt dein Ertragspotenzial gering.
Viele Anleger unterschätzen das Emittentenrisiko. Zertifikate sind Schuldverschreibungen, und im Insolvenzfall des Emittenten ist dein Geld nicht geschützt. Auch die Geld-Brief-Spanne wird oft nicht in die Kostenrechnung einbezogen, obwohl sie bei jedem Kauf und Verkauf anfällt.
Ein weiterer Fehler ist, Zertifikate mit Aktien oder Fonds zu verwechseln. Du erwirbst keine Beteiligung am Unternehmen, sondern eine Schuldverschreibung. Investiere nur Geld, das du im Alltag nicht benötigst, denn ein Totalverlust ist möglich.
Häufige Fehler
09 · Vergleich
Index-Zertifikate und Discount-Zertifikate im Überblick
Zwei beliebte Typen unterscheiden sich grundlegend in ihrer Konstruktion und ihrer Eignung für unterschiedliche Marktphasen.
Index-Zertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index wie dem DAX nach. Sie eignen sich für Anleger, die an der Entwicklung eines ganzen Marktes teilhaben wollen, ohne einzelne Aktien auszuwählen. In der Regel gibt es keine Begrenzung nach oben.
Discount-Zertifikate gewähren einen Abschlag auf den Basiswert, begrenzen aber den Ertrag durch einen Cap. Sie eignen sich besonders für seitwärts tendierende Märkte, in denen du nicht mit stark steigenden Kursen rechnest. Der Discount wirkt als Puffer gegen Kursverluste.
In den Vergleichslisten findest du Discount-Zertifikate auf den DAX mit Discounts zwischen 5,01 und 5,55 Prozent und Caps zwischen 24.300 und 25.200 Punkten. Die maximale Ertrag pro Jahr liegt bei diesen Papieren zwischen 11,36 und 12,09 Prozent.
| Index-Zertifikate | Discount-Zertifikate | |
|---|---|---|
| Konstruktion | Gewähren einen Abschlag auf den Basiswert, begrenzen aber den Ertrag durch einen Cap | |
| Ertragsbegrenzung | Cap begrenzt die maximale Rückzahlung |
10 · Hintergrund
Emittentenrisiko: Warum die Bonität entscheidend ist
Zertifikate sind Schuldverschreibungen. Die Rückzahlung hängt damit nicht nur vom Basiswert ab, sondern auch von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten.
Anders als bei Aktien oder Fonds gehört dein Geld bei Zertifikaten nicht zum Sondervermögen. Im Insolvenzfall des Emittenten ist deine Einlage nicht geschützt und kann vollständig verloren gehen. Das unterscheidet Zertifikate grundlegend von Investmentfonds, die als Sondervermögen geschützt sind.
Deshalb ist die Bonität des Emittenten ein zentraler Bestandteil jedes Zertifikate-Vergleichs. Vertrauenswürdige Institute mindern das Risiko, bieten aber keine Garantie. Auch eine große Bank kann in Schieflage geraten, wie die Finanzkrise gezeigt hat.
Bei größeren Anlagebeträgen kann es sinnvoll sein, das Emittentenrisiko auf mehrere Institute zu verteilen. So reduzierst du die Abhängigkeit von einem einzelnen Schuldner und begrenzt den möglichen Verlust im Insolvenzfall.
Anders als bei Aktien oder Fonds gehört dein Geld bei Zertifikaten nicht zum Sondervermögen. Im Insolvenzfall des Emittenten ist deine Einlage nicht geschützt und kann vollständig verloren gehen.
Deshalb ist die Bonität des Emittenten ein zentraler Bestandteil jedes Zertifikate-Vergleichs. Vertrauenswürdige Institute mindern das Risiko, bieten aber keine Garantie.
Bei größeren Anlagebeträgen kann es sinnvoll sein, das Emittentenrisiko auf mehrere Institute zu verteilen. So reduzierst du die Abhängigkeit von einem einzelnen Schuldner.
Häufige Fragen
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