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Zertifikate: So funktioniert die riskante Schuldverschreibung
Zertifikate sind Schuldverschreibungen von Banken, deren Wertentwicklung von einem Basiswert wie einer Aktie oder einem Index abhängt. Du gehst damit das Risiko ein, bei einer Pleite des Emittenten dein gesamtes Kapital zu verlieren.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Zertifikate sind Derivate und bilden die Entwicklung eines Basiswerts ab, ohne dass du diesen direkt besitzt.
- Als Inhaberin trägst du das Emittentenrisiko: Wird die herausgebende Bank zahlungsunfähig, droht der Totalverlust.
- Die Produkte sind oft komplex strukturiert und enthalten versteckte Kosten, die deine Rendite schmälern.
- Für den langfristigen Vermögensaufbau sind breit gestreute Aktien-ETFs in der Regel besser geeignet als Zertifikate.
01 · Grundlagen
Was ist ein Zertifikat?
Ein Zertifikat ist rechtlich eine Schuldverschreibung. Du leihst der herausgebenden Bank Geld, und die Rückzahlung hängt von der Entwicklung eines anderen Finanzprodukts ab.
Zertifikate zählen zu den Derivaten, weil ihr Preis von einem anderen Finanzprodukt abgeleitet wird. Als Basiswert kommen einzelne Aktien, Aktienkörbe, Rohstoffe, Währungen oder ganze Indizes infrage. Du erwirbst damit keinen Anteil am Basiswert selbst, sondern gehst einen Vertrag mit der herausgebenden Bank ein.
Rechtlich handelt es sich um eine Schuldverschreibung des Emittenten. Dein eingesetztes Kapital ist kein Sondervermögen und unterliegt keiner Einlagensicherung. Wird die Bank zahlungsunfähig, kannst du dein gesamtes Geld verlieren, wie die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 gezeigt hat.
Zertifikate sind keine Anteile am Basiswert, sondern Forderungen gegen die emittierende Bank.
Kurz erklärt
Zertifikat
Ein Zertifikat ist ein derivatives Wertpapier, das von einer Bank emittiert wird und dessen Kursentwicklung von einem oder mehreren Basiswerten abgeleitet ist.
Zertifikate gehören zu den strukturierten Finanzprodukten und sind keine Anteile am Basiswert selbst.
02 · Schritt für Schritt
Wie funktionieren Zertifikate?
Der Emittent legt in den Zertifikatsbedingungen fest, wie sich der Preis des Zertifikats in Abhängigkeit vom Basiswert entwickelt. Diese Bedingungen können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein.
Der Emittent wählt zunächst einen Basiswert aus und legt in den Zertifikatsbedingungen fest, wie sich die Rückzahlung aus der Kursentwicklung dieses Basiswerts ergibt. Diese Bedingungen kann die Bank nahezu frei gestalten, was die enorme Vielfalt am Markt erklärt. Es gibt weltweit Hunderttausende solcher Produkte.
Du kaufst das Zertifikat über dein Wertpapierdepot an der Börse oder direkt vom Emittenten. Damit wirst du Gläubigerin der Bank. Am Laufzeitende erhältst du die im Vertrag definierte Rückzahlung, die je nach Konstruktion höher oder niedriger als dein Einsatz ausfallen kann. Vorher kannst du das Zertifikat an der Börse verkaufen, sofern ein Handel zustande kommt.
Die Rückzahlung hängt nicht davon ab, ob der Basiswert selbst an Wert gewinnt oder verliert, sondern davon, welche Bedingungen der Emittent in das Produkt geschrieben hat. So kann ein Zertifikat auch bei stagnierenden Kursen eine positive Rückzahlung vorsehen.
Basiswert festlegen
Der Emittent wählt einen Basiswert wie eine Aktie, einen Index, einen Rohstoff oder einen Korb aus mehreren Werten.
Bedingungen definieren
Die Bank legt fest, wie die Rückzahlung am Laufzeitende oder während der Laufzeit von der Kursentwicklung des Basiswerts abhängt.
Emission und Kauf
Du kaufst das Zertifikat über dein Wertpapierdepot an der Börse oder direkt vom Emittenten und wirst damit Gläubigerin der Bank.
Rückzahlung oder Verkauf
Am Laufzeitende erhältst du die im Vertrag definierte Rückzahlung. Vorher kannst du das Zertifikat an der Börse verkaufen, sofern ein Handel zustande kommt.
03 · Vergleich
Welche Zertifikatstypen gibt es?
Die Vielfalt der Zertifikate ist groß. Die wichtigsten Typen unterscheiden sich in ihrer Risikostruktur und ihren Ertragschancen.
Indexzertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index wie dem DAX ab und ähneln auf den ersten Blick ETFs. Garantiezertifikate sichern am Laufzeitende einen Teil des Kapitals zu und bieten gleichzeitig eine Gewinnchance.
Knock-out-Zertifikate hebeln die Kursbewegung eines Basiswerts überproportional und können bei Berühren einer Schwelle zum Totalverlust führen. Expresszertifikate zahlen einen Kupon, wenn der Basiswert eine definierte Barriere nicht verletzt. Daneben existieren Basket-, Tracker-, Bonus- und Faktorzertifikate sowie Optionsscheine.
- Indexzertifikate bilden einen Index ab, sind aber Schuldverschreibungen und keine Fondsanteile.
- Garantiezertifikate versprechen eine Mindestrückzahlung, die nur bei solventem Emittenten greift.
- Knock-out-Zertifikate und Faktorzertifikate sind Hebelprodukte mit Totalverlustrisiko.
- Expresszertifikate kombinieren Kuponzahlungen mit einer Barriere, deren Verletzung Verluste auslöst.
| Indexzertifikat | Garantiezertifikat | Knock-out-Zertifikat | Expresszertifikat | |
|---|---|---|---|---|
| Funktionsweise | Bildet die Wertentwicklung eines Index wie dem DAX ab | Sichert am Laufzeitende einen Teil des Kapitals zu und bietet eine Gewinnchance | Hebelt die Kursbewegung eines Basiswerts überproportional | |
| Risiko | Emittentenrisiko, Kursrisiko des Index | Emittentenrisiko, Garantie greift nur am Laufzeitende | Totalverlust möglich, wenn die Knock-out-Schwelle berührt wird | |
| Ertragschance | Partizipation an der Indexentwicklung, abzüglich Kosten | Begrenzte Partizipation an Kursgewinnen, oft mit Cap | Überproportionale Gewinne bei richtiger Markterwartung |
04 · Im Vertrag
Was ist das Emittentenrisiko?
Das Emittentenrisiko ist das zentrale Risiko bei Zertifikaten. Es beschreibt die Gefahr, dass die herausgebende Bank zahlungsunfähig wird.
Das Emittentenrisiko ist das zentrale Risiko bei Zertifikaten. Es beschreibt die Gefahr, dass die herausgebende Bank zahlungsunfähig wird und ihren Verpflichtungen aus dem Zertifikat nicht mehr nachkommen kann. Anders als bei Investmentfonds gibt es bei Zertifikaten kein Sondervermögen, das im Insolvenzfall geschützt wäre.
Deine Forderung richtet sich ausschließlich gegen den Emittenten, nicht gegen das Unternehmen, dessen Aktie dem Zertifikat zugrunde liegt. Die Bonität der Bank bestimmt daher maßgeblich dein Ausfallrisiko. Bei einer Insolvenz des Emittenten droht der Totalverlust deines eingesetzten Kapitals.
Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hat gezeigt, wie schnell aus vermeintlich sicheren Zertifikaten wertlose Papiere werden können. Eine Einlagensicherung greift bei Zertifikaten nicht, auch wenn die herausgebende Bank selbst über eine solche verfügt.
Zentrale Begriffe zum Emittentenrisiko
05 · Fehler vermeiden
Was sind Hebelprodukte?
Hebelprodukte wie Knock-out-Zertifikate oder Faktorzertifikate vervielfachen die Kursbewegung eines Basiswerts. Sie eignen sich nur für kurzfristige Spekulation.
Mit geringerem Kapitaleinsatz kannst du dadurch überproportional hohe Gewinne erzielen, trägst aber auch ein entsprechend höheres Verlustrisiko. Der Hebel wirkt in beide Richtungen.
Bei Knock-out-Zertifikaten führt das Berühren der Knock-out-Schwelle zum sofortigen Wertverfall oder Totalverlust. Die Produkte sind für kurze Haltedauern konzipiert und eignen sich nicht für den langfristigen Vermögensaufbau. Die Preisbildung ist oft intransparent, und die Geld-Brief-Spanne kann bei selten gehandelten Produkten hoch sein.
- Der Hebel verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen.
- Das Berühren der Knock-out-Schwelle führt zum sofortigen Wertverfall oder Totalverlust.
- Hebelprodukte sind für kurzfristige Spekulation gedacht, nicht für langfristige Anlage.
- Die Kosten sind oft versteckt und die Geld-Brief-Spanne kann hoch sein.
Risiken von Hebelprodukten
06 · Was gilt
Wie funktionieren Garantiezertifikate?
Garantiezertifikate versprechen am Laufzeitende eine Rückzahlung von mindestens einem Teil des eingesetzten Kapitals. Die Garantie gilt nur bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten.
Diese Garantie gilt jedoch nur, wenn der Emittent zahlungsfähig ist. Bei einer Insolvenz der Bank verfällt auch die Garantie.
Die Garantie greift ausschließlich am Laufzeitende. Verkaufst du das Zertifikat vorher, kann der aktuelle Kurs deutlich unter der garantierten Rückzahlung liegen. Zudem ist deine Gewinnchance meist durch einen Cap begrenzt, sodass du an stark steigenden Kursen des Basiswerts nur bis zu einer festgelegten Obergrenze partizipierst.
Die Garantie schützt nur vor Kursverlusten des Basiswerts, nicht vor Inflation oder Kaufkraftverlust. Bei fallenden Kursen begrenzt sie deinen Verlust auf die entgangene Rendite, aber dein realer Vermögenswert kann dennoch sinken.
Garantie greift
Garantie greift nicht
07 · Grundlagen
Was bedeutet der Kupon bei Zertifikaten?
Ein Kupon ist eine feste oder bedingte Zinszahlung, die bei bestimmten Zertifikatstypen wie Expresszertifikaten oder Aktienanleihen gezahlt wird.
Die Zahlung erfolgt periodisch und kann fest vereinbart sein oder nur unter bestimmten Bedingungen fließen.
Bei Expresszertifikaten hängt die Kuponzahlung davon ab, ob der Basiswert eine definierte Barriere nicht verletzt. Solange der Kurs über dieser Schwelle bleibt, erhältst du den Kupon. Fällt der Basiswert darunter, entfällt die Zahlung für den entsprechenden Zeitraum, und am Laufzeitende drohen Verluste.
Der Kupon ist keine garantierte Rendite, sondern eine Zahlung, die an die Marktentwicklung gekoppelt ist. Er kann attraktiv wirken, kompensiert aber nicht das Emittentenrisiko und die oft hohen Kosten des Produkts.
Kurz erklärt
Kupon
Der Kupon ist eine periodische Zahlung des Emittenten an dich als Anlegerin. Er kann fest vereinbart sein oder nur unter bestimmten Bedingungen fließen.
Bei Expresszertifikaten hängt die Kuponzahlung davon ab, ob der Basiswert eine definierte Barriere nicht verletzt.
08 · Kosten
Welche Kosten entstehen bei Zertifikaten?
Die Kostenstruktur von Zertifikaten ist oft undurchsichtig. Neben offenen Gebühren fallen versteckte Kosten an, die deine Rendite mindern.
Die Kostenstruktur von Zertifikaten ist oft undurchsichtig. Neben offenen Gebühren fallen versteckte Kosten an, die deine Rendite mindern. Die tatsächliche Höhe hängt vom Produkt und deinem Depot ab.
Beim Kauf über die Depotbank zahlst du eine Ordergebühr, deren Höhe von den Konditionen deines Brokers abhängt. Bei Neuemissionen wird in der Regel ein Ausgabeaufschlag von 1 bis 3 Prozent des Ausgabekurses erhoben. Im Börsenhandel entsteht die Geld-Brief-Spanne, die bei selten gehandelten Zertifikaten hoch sein kann.
Versteckte Kosten in der Produktstruktur werden nicht ausgewiesen und schlagen sich in einer schlechteren Kursentwicklung nieder. Diese Gebühren werden dir nicht separat in Rechnung gestellt, sondern mindern den Wert des Zertifikats fortlaufend.
Typische Kostenbestandteile beim Handel mit Zertifikaten
09 · Checkliste
Für wen eignen sich Zertifikate?
Zertifikate sind keine Standardlösung für den Vermögensaufbau. Sie kommen nur für Anlegerinnen infrage, die das Produkt im Detail verstehen und das Emittentenrisiko bewusst tragen.
Für die meisten Privatanleger sind breit gestreute Aktien-ETFs die bessere Wahl.
Vor einem Kauf solltest du mehrere Voraussetzungen erfüllen. Du musst die Funktionsweise des konkreten Zertifikats vollständig verstehen, ein Wertpapierdepot besitzen und die Bonität des Emittenten einschätzen können. Zudem brauchst du eine klare Markterwartung für den Basiswert und einen kurzen Anlagehorizont.
- Du verstehst die Funktionsweise des konkreten Zertifikats vollständig.
- Du hast ein Wertpapierdepot, über das du Zertifikate handeln kannst.
- Du kennst die Bonität des Emittenten und akzeptierst das Risiko eines Totalverlusts.
- Du hast eine klare Markterwartung für den Basiswert und einen kurzen Anlagehorizont.
- Du bist bereit, die oft hohen und teils versteckten Kosten zu tragen.
Voraussetzungen für den Kauf von Zertifikaten
Du verstehst die Funktionsweise des konkreten Zertifikats vollständig.
Du hast ein Wertpapierdepot, über das du Zertifikate handeln kannst.
Du kennst die Bonität des Emittenten und akzeptierst das Risiko eines Totalverlusts.
Du hast eine klare Markterwartung für den Basiswert und einen kurzen Anlagehorizont.
Du bist bereit, die oft hohen und teils versteckten Kosten zu tragen.
10 · Vergleich
Was ist der Unterschied zwischen Zertifikaten und ETFs?
ETFs und Indexzertifikate bilden beide Indizes ab, unterscheiden sich aber grundlegend in ihrer rechtlichen Konstruktion und ihrem Risiko.
Ein ETF ist Sondervermögen der Fondsgesellschaft und gehört dir auch bei einer Pleite des Herausgebers oder Brokers. Ein Indexzertifikat ist dagegen eine Schuldverschreibung der emittierenden Bank.
Beim ETF erwirbst du kleinste Anteile an den tatsächlichen Aktien des Index. Beim Indexzertifikat hast du nur eine Forderung gegen die Bank. ETFs haben kein Emittentenrisiko, Indexzertifikate können bei einer Insolvenz des Emittenten zum Totalverlust führen.
ETFs werden börslich gehandelt und weisen ihre laufenden Kosten transparent aus. Zertifikate werden auch außerbörslich gehandelt und enthalten oft versteckte Kosten in der Produktstruktur. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind ETFs aufgrund des fehlenden Emittentenrisikos und der höheren Transparenz besser geeignet.
| Indexzertifikat | ETF | |
|---|---|---|
| Rechtsform | Schuldverschreibung der emittierenden Bank | Sondervermögen der Fondsgesellschaft |
| Emittentenrisiko | Totalverlust bei Insolvenz des Emittenten möglich | Kein Emittentenrisiko, da Sondervermögen |
| Handelsplatz | Börslich und außerbörslich | Börslich |
| Kostentransparenz | Oft versteckte Kosten in der Produktstruktur | Laufende Kosten transparent ausgewiesen |
11 · Was gilt
Wie werden Zertifikate besteuert?
Gewinne aus Zertifikaten zählen zu den Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Dein Sparer-Pauschbetrag kann die Steuerlast reduzieren.
Auf die Abgeltungsteuer fällt zusätzlich der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent an. Dein Sparer-Pauschbetrag kann die Steuerlast reduzieren.
Im Jahr 2026 gilt ein Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro pro Jahr. Eine Teilfreistellung von 30 Prozent wie bei Aktienfonds gibt es für Zertifikate nicht.
Verluste aus Zertifikaten können nicht mit Gewinnen aus Aktien verrechnet werden. Kursgewinne und Kuponzahlungen werden steuerlich gleich behandelt und unterliegen der Abgeltungsteuer.
Eine Einlagensicherung schützt Zertifikate nicht vor Verlusten des Emittenten
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